Keef forerver!

“Beggar’s Banquet” von den Rolling Stones war – Weihnachten vor 42 Jahren – meine erste LP und Keith Richards mein Held. Seit ich meine Wanderklampfe mit Tonabnehmer an die alte Grundig-Musiktruhe anschloß und an den Röhren rumfrickelte, um ein bißchen Verzerrer reinzukriegen, bewundere ich seinen Sound. Und natürlich die Licks und Riffs, die er aus der Ahnengalereie von Robert Johnson und  Hank Williams  bis Chuck Berry adaptiert hatte und die zum Markenzeichen der Stones wurden. Es gibt tausend bessere Gitarristen, Hochgeschwindigkeits-Gniedler, Fingerartisten, aber bei keinem reichen drei Takte des Intros und der Sound ist unverkennbar: Keith!

Seit ich jetzt seine Autobiografie – Life –  gelesen habe, gehöre ich nicht mehr nur zu den musikalischen Bewunderern von Keith Richards, sondern auch zu den literarischen. Denn so gut, so genau, so echt und mit soviel Witz hat kaum ein Literat  über die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Jahre geschrieben wie dieser kleine Gitarrenspieler aus Dartford, den sie zu Hause “Keef” riefen und in der Schule wegen seiner abstehenden Ohren “Monkey”. Nicht nur als Musiker ist er ein ganz Großer geworden, sondern auch  als Mensch, als Kopf und Chronist seiner Generation.  Dazu gehört auch, zum “verbotenen”  Thema Drogen keinen Bullshit zu reden und schon gar nicht drum herum,  sondern Klartext, über viel Licht und viel Schatten – und dass es immer darum geht, wie man mit Drogen umgeht. Auch darin hat es Keef zu einer Meisterschaft gebracht, die höchsten Respekt verdient – und er hält mit seinem Wissen hier genausowenig hinterm Berg wie mit dem Geheimnis der offenen Gitarrenstimmung auf G, die für den speziellen Sound der Klassiker von “Honky Tonk” bis “Brown Sugar” verantwortlich sind – und die man mit einer Normalstimmung nie richtig hinkriegt.
Autobiografien sind immer ja immer mit Vorsicht zu geniessen, weil die wenigsten Menschen schon  im wirklichen Leben ehrlich zu sich selbst sind, geschweige denn dann, wenn sie für andere darüber schreiben.  Doch wenn jemand so unverblümt daherkommt wie Keith Richards in diesem Buch kann man davon ausgehen, dass er seiner Wahrheit schon ziemlich nahe kommt. Wer also noch einen großartigen Schmöker zu Weihnachten sucht oder einen Stones-Fan beglücken möchte – “Life” ist jetzt auch auf deutsch erschienen. Wer halbwegs Englisch kann und statt “What the fuck…” nicht dauernd “verdammt” lesen will sollte aber lieber zur Originalfassung greifen.

Mit diesem Hinweis – und ein bißchen Musik vom Meister – verabschiede ich für ein paar Tage, danke allen Leserinnen und Lesern für ihre Aufmerksamkeit und wünsche entspannte Feiertage. Cheers!

11 Comments

  1. Danke für die guten Wünsche!
    Auch die Gemeinde wünscht Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und ein friedliches neues Jahr!

     
  2. Schöner Beitrag. Und nichts gegen Zirkuspferde. Nicht nur schwarze alte Hengste wie JL Hooker, Muddy Waters et. al. spielten noch wunderbaren Blues, auch einige weiße – und KR gehört ohne Frage dazu…

     
  3. Mein derzeitiges Lieblingsstück der Stones aus meinern alten Tonbandsammlung (zuerst mit dem TK 14 von Grundig)- und merkrwüriger Weise nicht von Sony gesperrt (“… ist in ihrem Land nicht vefügbar”):

     
  4. Zitat:”“Beggar’s Banquet” von den Rolling Stones war – Weihnachten vor 42 Jahren – meine erste LP und Keith Richards mein Held”
    Der Musiker Keith Richards war für Dich wohl ehr
    ein Idol, aber kein Held. Der Begriff Idol ist
    hier sehr viel zutreffender, da der Tatbestand
    des Heldentums auf eine althruistische Tat
    verweist.Dies trifft auf Keith Richards sicherlich
    nicht zu.
    Idole sind Menschen, die man vergöttert, weil sie etwas tun, was Begeisterungsfähigkeit bei einem Individuum auslöst aus den verschiedensten Gründen.

     
  5. @Jörg am 24.12.2010 um 10:49 Uhr
    Lyrics M. Jagger/K. Richards:
    http://www.sing365.com/music/Lyric.nsf/SWAY-lyrics-The-Rolling-Stones/EC956370B201DBEF4825689A00296E8E

    Übrigens beim sympathischen – wenn auch: “antideutschen” – Erotizisten “Burksblog” finden wir zu Recht den Hinweis auf “Sympathy for the Devil”. Aber dieser junge Hüpfer Burks (wahrscheinlich grad mal 50 Jahre alt!) kennt ja die alten Zeiten nicht! Hier der v i e l bessere link zu “Sympathy for the Devil” aus dem schönen Jahr 1968:
    http://www.dailymotion.com/video/x267kw_stones-sympathy-for-the-devil-circu_music

    Dort taucht dann auch Lennon auf. Muß ne ‘echt goi-ile’ Party gewesen sein!!

    Einen Brian Jones, den ehemaligen band leader (vor Jagger) sehen wir dort – wie fehlplaziert – die Rasseln schwingen. Zu Brian Jones
    http://de.wikipedia.org/wiki/Brian_Jones_%28Musiker%29

    Ach ja: Allen ein frohes neues Jahr!

     
  6. Ach, ja: Die 60er Jahre und die Musik. Wenn ich ein bißchen von der Wahrheit abweichen darf, will ich Euch was darüber erzählen. Im alten ostpreußischen (wo immer das “ü” und das “i” verwechselt werden) hieß es ja auch: “Ein bißchen liejen ziert die Rede”!

    Also. Ich wuchs in der Nähe von Winsen/Luhe auf. Ja, das ist grausam!! Genauso grausam, wie in der Nähe von Stade, Pinneberg, Itzehoe oder Oberviechtach (Bayern) aufzuwachsen.
    Aber wir haben wenigstens was daraus gemacht! Und dem Hochmut der Großstädter Paroli geboten!

    Wir gründeten eine Band und nannten uns “Gerry and se Pacemakers” (später gab es eine englische Nachahmer-Band; auch die Beatles kamen ja erst nach Hamburg, ehe aus ihnen was wurde).

    Zuletzt konnten wir nur noch in der Gaststätte Garbers auftreten, wie die die einzige große Halle der Gegend hatten. Das war mal eine NS-Rüstungshalle, später waren dann die Tommies drin. Dann kaufte Garbers die.

    Mein Oma hat mal einen Sonnabend-Auftritt von uns gefilmt. Super-8 (gibt’s wohl nicht mehr). Wir haben das dann Ende der 90er digitalisieren lassen.
    Hier unser Auftritt: http://www.youtube.com/watch?v=sOyqyHOzmSA

    Wenn wir damals sagten: “Schatz, meine Zigaretten sind alle” – dann gingen gleich zwei oder drei Mädchen los und holten neue. So war das damals. Aber heute ….? Sind die Zeiten etwa besser geworden, meine lieben Freunde???!!!
    Aber Euch wir mir erspare ich lieber die Antwort auf diese Fragen. Und warum: Weil ich uns nicht gleich das neue Jahr verderben will! Deswegen!

     

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