Die Raubritterburgen der Neuzeit

“Medienteam deckt Offshore-Geheimnisse auf”  lautet heute die Überschrift eines Telepolis-Artikels, der über eine Recherche des Guardians und der BBC auf den British Virgin Islands berichtet. Um Geheimnisse handelt es dabei aber nur insofern, als der Medienmainstream über dieses Steueroasen so gut wie nie berichtet und die Politik ganz offenbar unfähig ist, diesem Zweig der organisierten Kriminalität einen Riegel vorzuschieben.  In einem hervorragenden Buch hat Nicholas Shaxson 2011 diese Raubritterburgen der Neuzeit recherchiert: “Treasure Islands – Tax Havens and The Men Who Stole The World” , eine deutsche Ausgabe ist unter dem Titel “Schatzinseln: Wie Steueroasen die Demokratie untergraben” mittlerweile ebenfalls erhältlich. Wobei “Steueroasen” eigentlich ein viel zu lieblicher Titel für diese uneinnhembaren Festungen von Schwerkriminellen ist, deren größte und kriminellste übrigens nicht irgendwo in der Karibik liegt, sondern mitten in Europa, im Herzen der britischen Hauptstadt, es ist die City of London. Alles Gerede und alle Maßnahmen in Sachen “Finanzkrise” müssen definitv erfolglos bleiben und  sind nachgerade lächerlich, solange diese Raubritterburgen nicht gestürmt und ein für alle Mal geschlossen werden.

 

28 Comments

  1. woraus besteht denn die schwere Kriminalität der Offshore Anleger Herr Broeckers? Daraus, daß sie einem Schwerverbrecher namens Staat ein Teil ihres Vermögens verweigern? Der Staat betreibt Schutzgelderpressung und nennt das Steuer. Der einziger Unterschied zu einem Räuber, der mich an der Strassenecke mit einer Pistole bedroht ist der, daß der Räuber von mir nicht erwartet, daß ich schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich vor ihm ein Teil meines Eigentums verstecke. Im Übrigen glaube ich, daß mit solchen Ankündigungen nur Werbung betrieben wird. Viele potentielle Anleger haben bisher nichts davon gehört. Jetzt weiß es jeder. Also bekommen diese Banken bald viele neue Kunden. Danach wird abgegräst und genauso wie in der Schweiz passiert, werden die Daten an die Taxoffices weltweit verhökert.

     
  2. @ Stefan Miller: Die schwere Kriminalität besteht u.a. darin, dass zB 500 Mrd. per anno aus dem illegalen Handel mit Drogen über diese “Oasen” gewaschen und in den legalen Verkehr eingeschleust werden. Und mindestens noch einmal soviel aus anderen illegalen Geschäften. Es geht nicht um den kleinen “Anleger”, der ein paar hundertausend dem Fiskus vorenthalten will und in die Schweiz oder auf die Caymans schafft – es geht um organisierte Großkriminalität.
    Wer in einem Staat keine Steuern zahlen will soll ihn bitteschön verlassen – wer aber die steuerlich finanzierte Infrastruktur, das Rechtssystem usw. eines Staats nutzt um Gewinne zu machen muß dort auch seine Steuern zahlen. Und wer das verweigert, handelt kriminell. So simpel ist das…

     
  3. @Obi: da haben Sie’s selber. Broeckers Leser wissen, Drogenhandel wird durch CIA kontrolliert, also wäscht CIA ihre Gelder in den Offshore Banken? Offenbar sollen die Offshore Banken jetzt nur noch der CIA zur Verfügung stehen. Wie viel von den Steuern wird denn z.B. in D. sinnvoll in die Infrastruktur investiert? Wie viel geht nach Griechenland? Wieviel finanziert diverse Kriegsschauplätze? Wieviel wird für unnötige und schweineteure Jagdflugzeuge und ähnlichen Millitärmist ausgegeben? Wie viel wird für die Energiewende verpulvert? In die Infrastruktur wird hierzulande gerade immer weniger investiert. Sehen Sie denn nicht, wie hier alles zerfällt und nur noch geflickt wird? Wenn Bürger nicht gern Steuer zahlen, dann macht der Staat was verkehrt und nicht die Bürger. Kriminell handelt auch, wer sich ein Lied aus dem Internet kopiert. Früher war sowas völlig normal und kein “Künstler” hat sich darüber aufgeregt.

     
  4. @ Stefan Miller: CIA ist schon ein gutes Stichwort, aber auch andere Geheimdienste, die im Drogen,- /Waffen,- Terrorismus-Geschäft aktiv sind, profitieren von den Offshore-Bankstern – sowie alle kriminellen Kartelle jenseits der Dienste.
    Was die Infrastruktur betrifft: wir haben hier ein halbwegs funktionierendes Rechtssystem, Straßensystem, Gesundheitssystem usw – was nicht heißt, dass auch wahnsinnig viel Steuergeld für Militär etc. verschwendet wird. Das muß man kritisieren und politisch verändern. Aber Ihre Haltung Staat und Steuern per se abzulehnen, entspricht einem naiven, romantischen Libertarismus /Anarchismus – wenn Sie so leben möchten, müssen Sie zB nach Somalia ziehen, da gibts nix von den oben genannten Strukturen, kein Staat, keine Steuern, kein Gericht – und Jagdflugzeuge auch nicht. Mit ein zwei Kalaschnikows und etwas Munition kommen Sie da prima über die Runden. Have fun!

     
  5. “Schatzinseln: Wie Steueroasen die Demokratie untergraben”

    Welche Demokratie?

    Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat:

    Gierige Finanzämter einerseits, Steueroasen andererseits – es ist kein Widerspruch. Den kleinen Leuten wird vom Fiskus – und anderen Behörden – immer mehr abgepresst. Der Staat kauft davon sinnlose Dinge wie Rüstungsgüter, finanziert Kriege oder ersetzt den Zockerbanken auf dem Umweg über Pleitestaaten gleich ihre Einsätze mit Steuergeld. Irgendwo muss diese Kohle ja herkommen, deswegen wird man die staatliche Geldeintreibemaschinerie nicht ganz abschaffen, sondern nur deren sozialen Teil. Wenn der Konsument nicht freiwillig immer mehr überflüssigen Krempel kauft, was ja der Rendite abträglich wäre, wird er halt zwangsweise zur Kasse gebeten und der Staat geht einkaufen. Der kleine Mann wird sich diesem Prinzip (auch durch Steuerflucht) niemals ganz entziehen können.

    Die großen Gewinne dieser Geschäfte freilich fließen nicht wieder dem Steuersystem zu, schließlich möchte man ja nicht den Staat mästen, sondern sich nur seiner bedienen, um die kleinen Leute abzuzocken. (Na gut, ein wenig muss übrigbleiben, damit der Druck im Kessel nicht zu groß wird.)

    Es ist die zwangsläufige Konsequenz kapitalistischer Entwicklung: Die neoliberalen “Eliten” nennen es offiziell Eigenverantwortung und Freiheit. Insgeheim lachen sie uns aus, denn sie wissen: Der Stärkere setzt sich durch. Wohlfahrt, Steuer- und Sorgenfreiheit für die Eliten – Konkurrenzkampf, Existenzangst und Tributpflicht für den Pöbel.

    Es ist sinnlos, den Gierschlünden in den Steueroasen vorzuwerfen, sie wären Verbrecher, denn sie verhalten sich entsprechend den – geschriebenen und ungeschriebenen – Regeln des Systems. Sie sind einfach die erfolgreichsten Spieler in diesem Spiel. Wenn uns das nicht passt, sollten wir (die Mehrheit) uns fragen, weshalb wir mitspielen und uns nicht stattdessen auf ein anderes Spiel einigen.

    Es ist jedenfalls idiotisch, Kapitalismus zu wollen und sich dann darüber aufzuregen, abgezockt und betrogen zu werden. Es wird immer einige geben, die cleverer und skrupelloser sind als wir. (Vielleicht sollten wir uns auf ein Spiel verständigen, bei dem Cleverness und Skrupellosigkeit nicht belohnt werden, vielleicht wäre dann die Welt ein besserer Ort.)

     
  6. Das Shadow-Banking-die Off-Shore-Tax-Havens-die OTC-Geschäfte, das sind heute die “Systemischen”—Too big to Fail—Too big to jail.

    Das Engagement der 9 Grossbanken der Welt plus Schattenbanken im Derivatehandel beträgt
    zusammen geschätzte 210 Billionen Euro, die weltweite Wirtschaftsleistung eines Jahres liegt bei 45 Billionen Euro. Der Bundeshauhalt 2013 hat ein Volumen von 302 Milliarden Euro. Die Bundesverschuldung beträgt 2-3 Billionen Euro . Die Zinstilgung auf Altschulden beträgt 38 Milliarden Euro als 2 höchster !! Haushaltsposten.

    Dass Superreiche und Konzerne sich gesellschaftlicher Verantwortung legal entziehen,
    Kriminelle diese gar nicht erst suchen, ist nur das Eine. Das Andere ist, dass ein Fiat-Money-System mit exponentiellem Wachstum an Zinsansprüchen und uneinbringbaren Schulden sich von einer “Bubble” zur nächsten “Bubble” zittern muss, damit, bei ungebremster Papiergeld Schöpfung, die Rendite-Jäger überhaupt noch einen Wirtskörper zum Auslutschen finden.

    Sinnspruch des Hopi-Indianers:” When something cannot go on forever…it will stop ”
    Das Ding wird crashen, wünschbar wäre natürlich lieber ein Slow Burn mit “Controlled Demolitions” bei uneinheitlichen globalen Zeitfenstern, als als Big-Bang.
    http://jimrickards.blogspot.de/2012/11/paper-gold-or-chaos.html

    Der RESET kommt, wenn das System seinen Job erfüllt hat: Reichtums-und Vermögenstransfer zu den 0,001% bzw. wenn unter den 0,001% die Fraktions-und Endverteilungskämpfe ausbrechen.
    Jim Rickards: Currency Wars Simulation
    http://www.youtube.com/watch?v=kdPkaCTdxBU

     
  7. @ Abu: Du mußt wie Stefan auch nach Somalia ziehen, da gibts keinen Staat & keine Steuern. Müsste wenn’s nach euch geht ein reines Paradies sein – mit reihclich Gelegenheit zur “Selbstverteidigung”.
    Hier zu bleiben, die steuerlich finanzierte Infrastruktur zu nutzen, und darüber zu jammern, dass Steuern Raub sind ist doch lächerlich.

     
  8. “Politik ganz offenbar unfähig” … Einspruch, in den Kontoren werden genau diese Herrlichkeiten (inklusiv fraulicher Entsprechung, alias Dämlichkeiten was jedoch des Sängers Höflichkeit üblicherweis verschweigt) gekürt!

    Und zur Schein-Wahl lässt der Eigner ein Pferdchen aus dem linken und eines aus dem rechten Flügel seines Stalles laufen. Und der Plebs freut sich, wenn er seine Stimme abgeben darf 😉 !

     
  9. Nur mal ins Unreine als Brainstorming gesprochen: kann es sein, dass ein Zusammenhang besteht zwischen dem BBC-Angriff auf die Offshore-Dunkelmänner und dem darauf folgenden Angriff auf die BBC durch “Aufdeckung” (Lancierung) des “Missbrauchsskandales”? Derartige “Reflexe” dürften zur Kontrolle der Medien jedenfalls nicht selten sein: https://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=241915

     
  10. @ Obi am 01.12.2012 um 13:19 Uhr

    Obi, wenn ich jammere, jammere ich; wenn ich Fakten benenne, benenne ich Fakten – zwei sehr unterschiedliche Dinge.

    Davon abgesehen: die Steuereinnahmen, die nötig waren und wären, eine einigermaßen sinnvolle “steuerlich finanzierte Infrastruktur” zu errichten und zu erhalten, machen einen winzigen Bruchteil des TATSÄCHLICH GERAUBTEN Schnitts aus, der in Deutschland, alles inklusive, bei nahe 80% des ERARBEITETEN Wohlstands liegt.

    Der weit größte und weiter wachsende Anteil der GERAUBTEN Produktivität – “geraubt”, weil vom Gewaltmonopolisten “Staat” mit Gewalt erzwungen – fließt in immer expandierende, NIE schrumpfende, unproduktive, Wohlstand verzehrende Bürokratieapparate.

    “Die Bürokratie expandiert, um die Bedürfnisse der expandierenden Bürokratie zu befriedigen”

    http://ef-magazin.de/2012/12/03/3883-euro-rettung-weder-vollidioten-noch-verbrecher-aber-sehbehinderte

    Und um Reflektion und aufkeimende Zweifel am expandierenden, gewollten Irrsinn gar nicht erst aufkommen zu lassen, sorgt der Apparat für frühzeitige “Bildung” – wenn möglich noch im ersten Lebensjahr: Kitaplätze für alle, denn den Staat verteidigende Obis mit Stockholm-Syndrom braucht “das Land” zuhauf, gell?

    Durchsage von Anita Hofmann, Leiterin des Staatlichen Schulamtes für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg und den Werra-Meißner-Kreis:

    “Hier geht es darum: Was ist für die Kinder und Jugendlichen eigentlich das Beste? Und wie kommen sie zu ihrer Bildung und wie werden sie zu Staatsbürgern? Denn das ist ja auch das Ziel unserer Beschulung, dass ich ein gebildeter Mensch bin, der aber auch seine Staatsbürgerpflichten erfüllen kann und dazu brauche ich entsprechende Verhaltensweisen und die lerne ich eben auch indem ich, die lerne ich nicht nur explizit durch Wissen sondern die lerne ich auch implizit, indem ich, ich sag mal, einen Staat im Kleinen, nämlich in der Schule übe.“

    http://www.freiwilligfrei.info/archives/3641

    Obi, ein Apparat, der planvoll und ab Säuglingsalter die Gehirne seiner Subjekte wäscht, sie immer enger überwacht, Terror inszeniert, weltweit Kriege führt, den Gebrauch von inflationiertem Falschgeld erzwingt … kurz, offensichtlich ein Hauptwerkzeug einer auf absolute Herrschaft sinnenden Machtelite ist, ist nicht durch “Reformen” zu “verbessern”, oder durch den Austausch des Personals zu “retten”.

    Wer das glaubt und/oder die grundsätzliche Notwendigkeit eines zentralistischen Staatsapparats behauptet, sollte – nach mehr als hundert Jahren “moderner” Staatsorganisation, mit über 150 Millionen Opfern staatlicher Gewalt alleine im letzten Jahrhundert – endlich mal Beweise vorlegen, meinen Sie nicht?

     
  11. @ALL
    This is the best video on the internet to understand the currency system..ab Min.23:00
    http://www.youtube.com/watch?v=tj2s6vzErqY
    Silver & Gold – Debt Collapse – Mike Maloney

    Das ist das beste Video im Internet in Deutsch über das Wirtschafts-und Finanzsystem
    http://www.youtube.com/watch?v=EgcAosEd4cY
    Geld arbeitet nicht – Vortrag

    Wer die beiden Videos verstanden hat, der weiß auch, dass die “Raubritterburgen” nicht geschlossen werden (Können ) und wenn, dann um den Preis, dass SÄMTLICHE Freiheit verschwindet.

    It’s a–between a rock and a hard place–situation

    @Abu Aardvark am 04.12.2012 um 12:47 Uhr
    Eine Anita Hofmann, Leiterin des Staatlichen Schulamtes ist sicherlich persönlich grundanständig —weil nicht von der Odenwaldschule 🙂

    Leider haben sich weibliche Hüte-und Hege-Instinkte und das Bedürfnis sich alles säuberlich wie im Gartenbeet vorstellen zu wollen, als Derivate auch in mehrheitlich männlichen Hirnen eingenistet, sobald die politische Sphäre in den Blick kommt. Ein ideales Gemeinwesen wird immer mit einem “Wohlfühlfaktor X” vorgestellt, ohne dass ein Befriedigtsein durch “geänderte” Verhältnisse jemals eingetreten wäre, noch eintreten wird ( Hope against Hope )

    Unser Grundgesetz als VERFASSUNG….das wär schon mal was……..A la recherche du temps perdu

    Meine aktuelle Einschätzung geht dahin, dass die herrschende Klasse, die das Finanzsystem orchestriert oder sich in diesem konkurrenziert, vor der Wahl steht….UNS oder
    SICH GEGENSEITIG umzubringen. Wer zu ihr gehört hat in jeden Fall eine leichtere Wahl…ist aber für ihn auch keine Lebensversicherung…..und vielleicht bleibt uns gerade DESHALB doch Zeit für Aufklärung und Alternativen

    Sie müssen auf alle Fälle betrieben werden.

     
  12. Stefan am 30.11.2012 um 18:24 Uhr: “Es ist jedenfalls idiotisch, Kapitalismus zu wollen und sich dann darüber aufzuregen, abgezockt und betrogen zu werden”

    —————–

    Ein System, das auf vom Gewaltmonopolisten “Staat” als “gesetzliches Zahlungsmittel” erzwungenem, buchstäblich aus dem Nichts geschaffenem Schuldgeld basiert, als “Kapitalismus” zu bezeichnen, grenzt an, nun ja, Sie ahnen es vielleicht schon.

    Aber trösten Sie sich, Sie sind mitnichten allein in Ihrem massenmedial geförderten und auch gern in Klassenzimmern gelehrten, weil ungemein nützlichen (wenn auch nur für 0,0001%) Irrglauben ….

    “Nach dem Urteil von Systemmedien und beamteten Nationalökonomen sind es kollektive Gier, Spekulanten, verantwortungslose Banker, der „Neoliberalismus“ oder der „Turbokapitalismus“, denen wir die aktuellen Probleme zu verdanken haben. Nachdem – zum Verdruss der Masse der westlichen Intellektuellen – der Realsozialismus untergegangen ist, wurde, nach ihrer Meinung, durch die Krise nun die Marktwirtschaft diskreditiert. Daher erfährt die Suche nach einem „Dritten Weg“ gegenwärtig eine Renaissance. Unter den Etiketten „Ökosoziale Marktwirtschaft“, „Gemeinwohlökonomie“ oder „kreativer Sozialismus“ werden Konzepte präsentiert, die eine gerechtere Verteilung versprechen, leider aber allesamt auf eine zentral geführte Kommandowirtschaft hinauslaufen, die von den Produktiven zu den Unproduktiven umverteilt.

    Der US-Wirtschaftswissenschaftler Mancur Olson stellte die Diagnose: „Wenn es einen größeren Anreiz gibt, zu raffen als zu schaffen, stürzen Gesellschaften ab.“ An diesem Punkt sind wir inzwischen angelangt. Besonders die gut ausgebildeten Jungen verspüren wenig Lust, sich den Fährnissen des Marktgeschehens auszuliefern, da doch der Leviathan stressfreie Amtsstuben und erwerbslebenslang sichere Arbeitsplätze garantiert – zumal damit sogar höhere Lebenseinkommen verbunden sind (worauf Bernd Marin vom European Centre of Social Welfare Policy and Research nicht müde wird, hinzuweisen). Das Schaffen von Anreizen, welche die Zahl derjenigen, die von Steuern leben, zu Lasten derjenigen, die Steuern zahlen, laufend erhöhen, ist ein Verfahren, das langfristig sinkenden Wohlstand garantiert.”

    http://ef-magazin.de/2012/03/29/3479-weltwirtschaft-magere-zeiten-voraus

     
  13. Der Staat … Die Regierung … Die Gewaltigen

    Ein Gefängnis, in dem die privilegierten Unterstützer des Gewaltmonopols zusammen mit dessen Vertretern permanent – offiziell oder inoffiziell – steuerbefreit die Sahne abschöpfen dürfen, um dann noch einmal kollusiv mit ihren oasengewaschenen, dabei zugleich anonymisierten und potenzierten Geldern die finanzielle Infrastruktur des Hauses von aussen zu attackieren und so seine Bewohner bzw. Insaßen zum ewigen Weiterblechen zu erpressen, wird früher oder später eine blutige Revolte erleben.
    Oder sehe ich da was falsch?

    Frohen Advent
    -p-

     
  14. @Vater von Erdferkel 😉

    “Ein System, das […] als “Kapitalismus” zu bezeichnen”

    Mit Kapitalismus meine ich ein System, das wachsende Ungleichheit erzeugt, weil dessen Regeln bewirken, dass die Intelligenten und Starken ihre Intelligenz und Stärke nutzen, um die Einfältigen und Schwachen zu beherrschen und über den Tisch zu ziehen bis es quietscht. Wie das technisch umgesetzt wird, ob mittels wertlosem Papiergeld oder Goldmünzen, ist zweitrangig. Entscheidend ist das Menschenbild, das dahinter steht, nämlich dass der Stärkere sich durchsetzt – Sozialdarwinismus.

    Ich bezweifle nicht, dass der bundesdeutsche Staat heute ineffizient, überbürokratisiert und zu teuer ist.

    Der Staat ist aber stets nur ein Werkzeug, das so oder anders benutzt werden kann. Merkwürdigerweise wird dieses Werkzeug sowohl von progressiven Anarchisten als auch von neoliberal-konservativen Kräften im brüderlichen Schulterschluss bekämpft.

    Die Alternative zum derzeit missbrauchten Staat, der die Mehrheit zum Wohle einer kleinen Minderheit auspresst und gegen ihre Interessen handelt, sollte aber nicht dessen völlige Abschaffung sein. Denn dann hätten wir offenes Faustrecht, was sich o.g. Gruppen offenbar als Endziel ihres survival-of-the-fittest wünschen.

    Statt dessen benötigen wir einen effektiven und handlungsfähigen Staat, der der Mehrheit dient und ihr verpflichtet ist. Dann könnten wir auch wieder beginnen, von Demokratie zu sprechen. Das Werkzeug Staat ist die einzige – potentielle –
    Möglichkeit für die kleinen Leute, sich wirksam gegen das Recht des Stärkeren zu wehren. Aus diesem Grunde streben neoliberale Eliten seine Abschaffung an.

    “[…]da doch der Leviathan stressfreie Amtsstuben und erwerbslebenslang sichere Arbeitsplätze garantiert”

    Es ist typisch neoliberale Doppelmoral, zwar den “erfolgreichen Eliten” zuzugestehen, dass sie auf ihrer Steueroase mittels mafiamäßig zusammengeraffter Millionen ein dekadent-sorgenfreies Leben abfeiern, aber gleichzeitig dem kleinen Mann, wenn er erkannt hat, wie der Hase läuft und sich in einen unkündbaren Staatsjob rettet, deshalb Vorwürfe zu machen.

    Diese Doppelmoral hat jedoch ihre zwingende Logik: Wenn der kleine Mann einen Bürokratenjob ausübt – also nach Ihrer (oder Ihres libertären Blättchens) Lesart nicht produktiv ist – kann er natürlich nicht den Reichtum erzeugen, aus dem sich die Millionenrendite der Elite letztendlich speist. Und das ist natürlich total unfair, die Spielregeln zu verstehen und sich gegen die eigene Ausbeutung (so gut es geht) zu wehren, nicht wahr?

     
  15. @ Stefan am 05.12.2012 um 17:39 Uhr

    “Merkwürdigerweise wird dieses Werkzeug sowohl von progressiven Anarchisten als auch von neoliberal-konservativen Kräften im brüderlichen Schulterschluss bekämpft.”

    Einspruch:
    Die Anarchie bekämpft, soweit ich es verstanden habe, in erster Linie nicht “den Staat” an sich, sondern vielmehr die “autoritäre”, genauer gesagt die thearchische* (und insofern archaische) Regierung/Macht/Gewalt (archè) desselben – bzw. des unter einer solchen und gerade unter deren etikettenschwindlerischem Label “Staatsbürger eines Rechtsstaats” zu etwas Rechtlosem degradierten und auf das nackte Leben reduzierten Menschen.

    Insofern ist die Anarchie diejenige progressive geschichtsphilosophische Kraft, welche die evolutionäre, besser gesagt die selbstevolutionäre Entwicklung der Form “Staat” vorantreibt – und somit der partout nicht in einen Topf mit seinen Gegnern zu werfende Sportsfeind des konservativen/neokonservativen/neoliberalen, sozialdarwinistischen Ancien-règime-/”Der-Staat-sind-Wir!”- Lagers.

    *Thearchie – vgl.: Giorgio Agamben, Herrschaft und Herrlichkeit; Suhrkamp Verlag 2010, p. 185 – und Anarchie sind zwei vollkommen verschiedene Paar Stiefel und werden es immer bleiben – auf allen Wegen bzw. Umwegen… und garantiert ohne “brüderlichen Schulterschluss”.

     
  16. @ Stefan am 05.12.2012 um 17:39 Uhr

    Sie schreiben: “Der Staat ist aber stets nur ein Werkzeug, das so oder anders benutzt werden kann (…) Der Staat ist aber stets nur ein Werkzeug, das so oder anders benutzt werden kann.

    Denn dann hätten wir offenes Faustrecht, was sich o.g. Gruppen offenbar als Endziel ihres survival-of-the-fittest wünschen.

    (…)

    Statt dessen benötigen wir einen effektiven und handlungsfähigen Staat, der der Mehrheit dient und ihr verpflichtet ist. Dann könnten wir auch wieder beginnen, von Demokratie zu sprechen”

    ——————–

    Stefan, bis vor gar nicht allzu langer Zeit glaubten die Menschen in Europa und andernorts, daß Kirche, Kaiser und Könige, von Gott persönlich eingesetzt, die göttliche Ordnung verkörpern.

    Die Menschen glaubten nicht, daß sie das ‘glauben’, sie glaubten, daß sie es ‘wissen’.

    Erst die Erfindung des Buchdrucks und die unzensierte Verbreitung von unverfälschtem Wissen zerstörten nach und nach das Geschäftsmodell der Mächtigen.

    Ersatz musste her …

    Mittlerweile spielt der Staat eine ähnliche, nur noch weit umfassendere, perfidere Rolle. Und wieder – kein Wunder nach mittlerweile über 100 Jahren selbst-reproduzierender Propaganda – GLAUBEN die Menschen zu WISSEN, daß wir ohne ‘Staat’ nicht können, ohne ‘Staat’ bräche alles zusammen: wir sind nicht in der Lage frei und ohne Zwang miteinander zu leben und unsere Angelegenheiten zu regeln, Faustrecht, Chaos, plündernde Horden, der Himmel stürzte ein, usw. … dazwischen: der hilflose Mensch.

    Diese neue Religion – die wohl wirkmächtigste der Menschheitsgeschichte – ist jedoch gleichfalls bedroht: Und wieder ist es der ungehinderte Fluss freier Information, der das Macht- und Kontrollwerkzeug der Elite bedroht, nur daß heute in Sekunden und Minuten möglich ist – millionenfach per Mausklick – was zu Zeiten der Reformation Jahrzehnte und Jahrhunderte dauerte.

    Stefan, da kommt einiges an Arbeit auf Sie zu …

    “Power tends to corrupt, and absolute power corrupts absolutely”

    “The danger is not that a particular class is unfit to govern. Every class is unfit to govern”

    (beide John Dalberg-Acton)

    “Democracy is nothing more than mob rule, where 51% of the people may take away the rights of the other 49%.”

    (Thomas Jefferson)

    “Demokratie. Der Gott, der keiner ist”

    http://www.amazon.de/Demokratie-Der-Gott-keiner-ist/dp/3933497868

    “The Story of Your Enslavement”

    http://www.youtube.com/watch?v=Xbp6umQT58A

    Auf Deutsch:

    http://www.youtube.com/watch?v=R0_pTLnhOow

    “Government Explained”

    http://www.youtube.com/watch?v=ZkTreAmnmZ0

    Auf Deutsch:

    http://www.freiwilligfrei.info/archives/2558

    “Die libertäre Wende”

    http://www.freiwilligfrei.info/archives/3676

    Das Ding namens „Staat“

    http://www.freiwilligfrei.info/archives/2995

     
  17. @pecas

    Ich kann Sie nicht widerlegen, dazu fehlt mir das theoretische Wissen. Ich stelle nur praktisch fest, dass die Forderung nach Abschaffen des Staates sowohl von linker als auch von neoliberaler Seite vertreten wird, wenn auch sicherlich mit unterschiedlicher Motivation und unterschiedlichen Zielen.

    @Abu

    Sie haben nichts widerlegt, nur gezeigt, dass Sie persönlich glauben – nicht aber wissen – dass das
    Zusammenleben selbstorganisiert (“frei”) und ohne Staat besser klappen würde, als mit. Die Praxis (vgl. failed states) zeigt aber, dass das bestenfalls eine gefährliche Illusion ist, jedenfalls solange der Mensch des Menschen Wolf bleibt.

    Wahrscheinlich ist diese libertäre Welle aber keine Illusion, sondern wieder nur ein neuer Trick der elitären Neoliberalen, mittels pseudomodern-alternativer Thesen die kleinen Leute noch konsequenter über den Tisch zu ziehen.

    Denn misstrauisch macht mich vor allem, wenn ich sehe, wer da noch so sehr für die Abschaffung des Staates plädiert:
    Wirtschaftsliberale, Großkapital, Lobbyisten. Wenn ich über deren Motivation nachdenke, fällt mir die Sorge um ein besseres Zusammenleben sicherlich als Letztes ein.

    Wohin die Forderungen dieser Leute führen, haben wir übrigens in den letzten Jahrzehnten in Europa erlebt: Deregulierung, Privatisierung, Liberalisierung – die Leitlinien der Politik – haben zu mehr Konkurrenzkampf, Sozialabbau,
    neuer Armut, schrumpfender Mittelschicht, verfallender Infrastruktur etc. geführt. Gleichzeitig wachsen Managergehälter und
    Boni selbst für verbrecherische Pleitebanker, ins Unermessliche.

    Genau das ist das Ergebnis, wenn Neoliberale von “Freiheit” und “Staatsabbau” reden!

    Ich verteidige nicht den BRD-Staat in seiner jetzigen Ausprägung. Aber wer die grundsätzliche Abschaffung des Staates fordert, fordert damit nichts anderes, als dass sozialer Ausgleich, gemeinwohlorientierte Ordnung und Schutz der
    Schwachen dauerhaft einem noch schnelleren Auseinanderdriften von Arm und Reich geopfert werden.

    Kein Wunder, dass die erfolgreichsten und skrupellosesten Akteure in ihrer Gier das Werkzeug Staat – die einzige Instanz,
    die sie in ihrer Rücksichtslosigkeit wirksam ausbremsen könnte (wenn die kleinen Leute aufwachten und sich seiner bedienten) – auf den Müllhaufen der Geschichte werfen möchten.

    Ich halte es mit Jean-Jacques Rousseau: “Zwischen dem Starken und dem Schwachen führt die Freiheit zur Unterdrückung, während das Gesetz befreit.”

     
  18. @ Stefan am 06.12.2012 um 17:17 Uhr

    Sie schreiben: “Kein Wunder, dass die erfolgreichsten und skrupellosesten Akteure in ihrer Gier das Werkzeug Staat – die einzige Instanz, die sie in ihrer Rücksichtslosigkeit wirksam ausbremsen könnte (wenn die kleinen Leute aufwachten und sich seiner bedienten) – auf den Müllhaufen der Geschichte werfen möchten.

    Ich halte es mit Jean-Jacques Rousseau: “Zwischen dem Starken und dem Schwachen führt die Freiheit zur Unterdrückung, während das Gesetz befreit.”

    ——————

    Stefan, wenn es stimmt, daß die gierigen ‘Neoliberalen/Kapitalisten’ (zumindest nach linker Lesart) den Staat beherrschen, und wenn es stimmt, daß diese den Staat ‘auf den Müllhaufen der Geschichte werfen möchten’, wie Sie schreiben, wie erklären Sie dann, daß in ALLEN (vermeintlich) kapitalistischen Ländern seit Jahrzehnten eine exponentielle Wucherung an neuen Behörden, Bürokratieapparaten, Regulierungsbehörden, ja länderübergreifenden, zentralistischen Staatsstrukturen zu verzeichnen ist?

    In den USA, dem angeblichen Mutterland des vermeintlichen Raubtierkapitalismus, werden mitterweile jedes Jahr 80.000 engbedruckte Seiten mit neuen Gesetzen und Regularien verabschiedet.

    ACHTZIGTAUSEND SEITEN – IN EINEM JAHR!

    http://1.bp.blogspot.com/-0MCZ3FJXJJs/UA7zeOEIanI/AAAAAAAAFl8/N6z1g6k5XS0/s1600/number-pages-regulations-added-to-federal-register-each-year-1936-2012-projected.png

    http://www.redstate.com/aglanon/2011/07/28/who-are-the-real-criminals/

    http://finance.townhall.com/columnists/politicalcalculations/2012/07/29/the_regulation_of_the_american_people/page/full/

    Und Sie schreiben/glauben ernsthaft, daß wir ‘in den letzten Jahrzehnten in Europa’ einen Abbau von Staat (‘Deregulierung’) erlebt haben? Wo denn, um Himmels willen?

    Wo nehmen Sie bloß Ihre Informationen her?

    Ist es nicht vielmehr so, daß die Herren hinterm Vorhang umso mehr Kontrolle ausüben können (über uns Bewohner der Steuer-Farm), je mehr Behörden, Gesetze und Staat es gibt? Nur der Staat bietet die vermeintlich gütige Fassade des ‘demokratischen Gewaltmonopolisten’.

    Und wo sind eigentlich unsere guten, alten Glühbirnen abgeblieben?

    Wer hat’s verboten?

    Die pösen Neoliberalen (mit denen Anarchisten/Voluntaristen wie meine Wenigkeit nichts gemein haben) oder doch der wild wuchernde EU Staatsapparat?

    Ich halte es mit Joseph Sobran:

    “Organized crime, or even outright terrorism, can do far less harm than the most well-meaning government. It’s a matter of power, not intention.”

     
  19. “werden mitterweile jedes Jahr 80.000 engbedruckte Seiten mit neuen Gesetzen und Regularien verabschiedet” und SIE (die Tiere in Menschengestallt) werden unterschreiben ohne zu lesen … Prüfstein dieser wie jeder Hypothese ist die Praxis

     
  20. @Abu

    “Wo denn, um Himmels willen?”

    Sie können nicht bestreiten, dass viele frühere Staatsbehörden privatisiert wurden, z.B. Post, Telekommunikation, Bahn, Flugsicherung etc.

    Wiederholt: Wenn Sie sagen wollen, dass die Staatsapparate viel zu groß, bürokratisch und weltfremd (80000 eng bedruckte Seiten) sind und sich Blödsinn ausdenken (Glühbirne) sind, stimme ich Ihnen zu.

    Ich warne nur vor falschen Schlussfolgerungen daraus.

    “wenn es stimmt, daß die gierigen ‘Neoliberalen/Kapitalisten’ […] den Staat beherrschen, wie erklären Sie dann, daß […] eine exponentielle Wucherung an neuen Behörden”

    Das scheint ja gerade der Deal zu sein: Die neoliberale Elite fordert von Politik und Bürokratie, dass sie sich in deren internationale Raff- und Zockeraktivitäten nicht einmischt und sie gewähren lässt, siehe Deregulierung Finanzsektor, Abschaffung Vermögenssteuer etc.

    Im Gegenzug dürfen Politiker und Bürokraten sich mit immer neuen trägen und handlungsunfähigen Phantasiebehörden selbst beschäftigen und die kleinen Leute kujonieren.

    Das ist nämlich der Kern der Sache: Ich fordere ja nicht viel Staat sondern effizienten und schlagkräftigen Staat, der die Kleinen schützt und die Kapitalverbrecher in deren maßloser Profitgier und Rücksichtslosigkeit ausbremst.

    Vermutlich haben wir gar keinen Dissens, es sei denn, Sie begrüßen die ungehinderte Bereicherung einer kleinen Elite auf Kosten der Massen bzw. den Sozialdarwinismus ganz allgemein.

     
  21. @ Stefan am 10.12.2012 um 12:58 Uhr

    Sie schreiben:

    “Das scheint ja gerade der Deal zu sein: Die neoliberale Elite fordert von Politik und Bürokratie, dass sie sich in deren internationale Raff- und Zockeraktivitäten nicht einmischt und sie gewähren lässt, siehe Deregulierung Finanzsektor, Abschaffung Vermögenssteuer etc.

    (…)

    Das ist nämlich der Kern der Sache: Ich fordere ja nicht viel Staat sondern effizienten und schlagkräftigen Staat, der die Kleinen schützt und die Kapitalverbrecher in deren maßloser Profitgier und Rücksichtslosigkeit ausbremst.”

    —————-

    Stefan, was Sie offenbar nicht verstehen ist, daß staatliche Bürokratien, wenn sie eine kritische Masse erreichen, zwangsläufig zum Werkzeug der zeitgenössischen Machtelite werden. Das ist keine Frage der ursprünglichen, womöglich wohlmeinenden Intention der involvierten ‘Staatsdiener’, sondern eine grundsätzliche Frage der menschlichen Natur und der Macht und ihrer Mechanismen. Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.

    Nach Überschreitung der kritischen Masse eines zentralistisch organisierten Staats werden z.B. nahezu alle ‘Gesetze’, die die Wirtschaft betreffen, so gestaltet, daß die Big Player profitieren, während konkurrierende Kleinbetriebe unter dem Regulierungs- und Gesetzes-Tsunami ersaufen – mit Vorsatz.

    Dieser Herrschaftsmechanismus zur Durchsetzung privater Interessen mittels staatlich-bürokratischer Apparate – ‘Merkantilismus’ – ist elementar zur Konzentration der Macht im Sinne der Möchtegern-Weltregierer. Siehe die bereits verwirklichten und noch geplanten, transnationalen EU Strukturen …

    Da hilft keine ‘Reform’ oder ‘Wende’ und Ihre Hoffnung auf einen ‘schlagkräftigen Staat, der die Kleinen schützt’ führt Sie in die Irre. Sie wollen, wie nahezu alle Staatsgläubigen, diesen Großbrand mit Superbenzin ‘löschen’: Sie wollen mit noch mehr Staat Phänomene und Machtstrukturen angehen, die durch zu viel Staat (und durch den Staat potenzierte menschliche Unzulänglichkeiten) erst möglich geworden sind.

    Menschen, denen Entscheidungsgewalt über andere gegeben wird – potenziert durch die Wucht des Gewaltmonopols – werden diese Macht zu ihrem Vorteil, oder zum Vorteil ihrer wirklichen ‘Herren’ nutzen. Die menschliche Geschichte quillt über vor Beispielen. Alleine im letzten Jahrhundert wurden 150 Millionen Menschen zu Opfern der Staatsreligion.

    Und nein, Sie und ich haben tatsächlich ‘keinen Dissens’, nur führt der Weg den Sie vorschlagen zu noch mehr Macht und Kontrolle für jene, die Sie eigentlich bekämpfen wollen – Jene nämlich, die den Staat als wichtigstes Macht- und Kontroll-Werkzeug nur deshalb nutzen können, weil wir Menschen nun mal so sind wie wir sind.

    Die Lösung? 7 Milliarden Nationen! Jeder ist Eigentümer seines Körpers, verfügt frei über sich und die Früchte seiner Produktivität und kann ansonsten tun und lassen was ihm gefällt, solange dabei andere nicht geschädigt werden.

    DAS ist Freiheit. Ein zentralistischer Staat, egal ob offen diktatorisch oder ‘demokratisch’ (51% können den anderen 49% ihren Willen aufzwingen), repräsentiert das exakte Gegenteil von Freiheit …

    http://www.freiwilligfrei.info/archives/864

     
  22. @Abu

    Sie sagen völlig richtig – wie schon Marx – der Staat ist Machtinstrument der herrschenden Klasse. Im heutigen Kapitalismus sind das die neoliberalen Eliten. Die sind verantwortlich für die Situation und nicht das Instrument, das sie benutzen.

    Sie lösen die Probleme nicht durch Abschaffen des Werkzeugs, wenn die Verursacher weiter agieren.

    Sie meinen, Kapitalismus ohne Staat wäre besser? Fragen Sie z.B. mal durchschnittliche Russen, was die über die neunziger Jahre denken, als ihr Staat kollabiert und schwach war und sie den “freien Kräften des Marktes” schutzlos ausgeliefert waren.

    Ich möchte nicht “mehr Staat” wie Sie behaupten, aber ihn auch nicht abschaffen, sondern ich stelle als Grundübel die neoliberalen Eliten und deren System infrage.

     
  23. @ Stefan am 11.12.2012 um 19:36 Uhr

    Sie schreiben: “Sie sagen völlig richtig – wie schon Marx – der Staat ist Machtinstrument der herrschenden Klasse. Im heutigen Kapitalismus sind das die neoliberalen Eliten. Die sind verantwortlich für die Situation und nicht das Instrument, das sie benutzen.”

    —————-

    Mit Verlaub, das ist Unsinn. Die ‘neoliberalen Eliten’, sprich Manager von Großkonzernen, Bankvorstände, gewisse politische Akteure und Lobbyisten, etc., sind austauschbare Hampelmänner – eine Funktionselite – nicht weniger, aber auch nicht mehr.

    Zweifellos profitieren diese Helfershelfer durch ihr Handeln – quasi als Entlohnung, und, zwangsläufig, sind viele davon soziopathische Verbrecher – ob in Parlamenten, Geheimdiensten, im militärisch-industriellen Komplex, bei Big Oil, Big Food, etc. – aber sie sind mitnichten die Schöpfer und Regisseure des zeitgenössischen Systems, sondern lediglich sichtbare Ausführende und Gatekeeper.

    Wer jedoch als (ersetzbarer) Angehöriger der Funktionseliten ausschert und das ‘Projekt’ auch nur ansatzweise bloßstellt oder in Gefahr zu bringen droht, wird vom ‘irren Einzeltäter’ erschossen, stürzt mit dem Flugzeug ab oder wird von ‘RAF’ oder ‘al-Qaida’ gesprengt.

    Die wahre Machtelite, jene alteingesessenen Clans, die Napoleon, Lenin, Hitler oder Mao befördert und finanziert haben – wie auch die Kriege GEGEN dieselben – jene die sich die Clintons, Bushes, Merkels und Montis dieser Welt als ihre Chef-Marionetten halten, jene die weltweit mittlerweile über 150 Zentralbanken kontrollieren, nutzen das System staatlicher Strukturen generationenübergreifend und seit Jahrhunderten zur Durchsetzung ihrer Interessen.

    Sie lassen nicht nur die Geschichtsbücher schreiben, sie INSZENIEREN UND LENKEN GESCHICHTE – im Sinne ihres ‘Projekts’.

    Wie machen die das? Warum fallen wir wieder und wieder auf den gleichen Unfug und die gleichen Taschenspielertricks rein?

    Weil sie uns bei unseren elementaren Bedürfnissen, Ängsten und Schwächen packen und dadurch kontrollieren und steuern.

    Tun sich sich den Gefallen und machen Sie sich über das Milgram-Experiment schlau:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment

    Die ernüchternden Ergebnisse des mehrfach wiederholten Experiments waren keine Ausrutscher. Der hohe Anteil an Menschen, die bereit waren andere zu Tode zu foltern, nur weil eine vermeintliche ‘Autorität’ dazu aufforderte, war und ist repräsentativ für unsere Gattung.

    Der verhängnisvolle Drang des Menschen, sich konform zu verhalten und nicht aus der Herde auszuscheren, befördert die Einsicht, daß wir domestizierten Primaten, Ausnahmen bestätigen die Regel, nicht zum ‘Regieren’ und ‘Herrschen’ geeignet sind.

    Von der Frage abgesehen, ob es überhaupt zu rechtfertigen ist, daß Menschen über andere Menschen herrschen, kann die Konsequenz doch nur lauten, so weit und frei als irgend möglich, selbstverantwortlich, lokal und dezentral zu entscheiden und zu handeln.

    “Organisiertes Verbrechen, oder gar Terrorismus können viel weniger Schaden anrichten, als die wohlmeinendste Regierung. Es ist eine Frage der Macht, nicht der Intention”

    Joseph Sobran

     
  24. @Abu

    Wenn ich von “neoliberalen Eliten” spreche, dann ist mir egal, ob es sich dabei um Banker, Politiker oder irgendwelche finsteren Hintermänner handelt, von denen Sie reden. Es ist ein Begriff für die rücksichtslosesten und erfolgreichsten Abzocker und Ausbeuter und man gehört zu dieser “Elite” allein durch sein Verhalten und durch nichts anderes.

    Wenn ich Sie richtig verstehe, wollen Sie sagen, dass die bösen Weltverbrecher schon seit Generationen die bösen Staatsapparate nutzen, um finstere Ziele zu verfolgen, vermutlich um den oberbösen Superstaat zu schaffen. Naja, zu vorgerückter Stunde… (Jedenfalls mache ich mir – anders als bei konkreten und nachweisbaren Einzelereignissen – darüber nicht allzu viele Gedanken.)

    Sie sagen, der Mensch solle “frei” und ohne staatliche Ordnung leben und “kann ansonsten tun und lassen was ihm gefällt, solange dabei andere nicht geschädigt werden.”

    Wir reden von verschiedenen Welten und deshalb erschöpft es sich hiermit für mich.

    Denn Sie träumen von einer – wenn auch wünschenswerten – Utopie, in der niemand dem anderen etwas Böses will. Damit Ihre Prämisse erfüllt würde, müsste der Mensch sein Wesen ändern. Und das ist ziemlich unrealistisch.

    Ich rede von der Realität im Hier und Heute und da braucht es nämlich doch den Staat (oder irgendeine ähnliche Instanz), der aufpasst, dass der Eine den Anderen nicht schädigt. Denn das tut er (der Mensch, so wie er ist) meistens auch ohne böse staatliche Autoritäten, die ihm dies befehlen. Die Cleveren und Skrupellosen würden sich auch (und erst recht) in einem völlig “freien” System absprechen und Mechanismen schaffen, um die anderen auszubeuten und es würde nichts geben, was sie daran hindert (nicht mal etwas, das sie theoretisch daran hindern könnte).

    Sie können den Staat gerne abschaffen, aber bitte erst nachdem Sie das Wesen des Menschen geändert haben und nicht vorher.

     
  25. @ Stefan am 13.12.2012 um 15:22 Uhr

    ——–

    Sie schreiben: “Sie träumen von einer – wenn auch wünschenswerten – Utopie, in der niemand dem anderen etwas Böses will. Damit Ihre Prämisse erfüllt würde, müsste der Mensch sein Wesen ändern. Und das ist ziemlich unrealistisch.
    Ich rede von der Realität im Hier und Heute und da braucht es nämlich doch den Staat (oder irgendeine ähnliche Instanz), der aufpasst, dass der Eine den Anderen nicht schädigt. Denn das tut er (der Mensch, so wie er ist) meistens auch ohne böse staatliche Autoritäten, die ihm dies befehlen”

    ————-

    Es ist genau andersherum: Weil der domestizierte Primat ‘Mensch’ sein Wesen offenbar so schnell nicht ändern wird, sollte ihm möglichst wenig – im Idealfall gar keine – Macht über andere gegeben werden.

    150 Millionen Opfer staatlicher Gewalt allein im letzten Jahrhundert geben Ihnen nicht zu denken? Wie viele sind im Gegensatz dazu durch die Hand von Menschen umgekommen, die ‘Böses wollten’, aber nicht die vermeintliche Legitimation eines staatlichen Gewaltmonopols hinter sich wußten?

    Und, nein, ich träume mitnichten von einer Utopie, in der ‘niemand dem anderen etwas Böses will’. Ich nehme den Menschen wie er ist: Erfinderisch, neugierig, voller Liebe, Mitgefühl und Spiritualität, aber eben auch einfältig, dumpf, grausam, gnadenlos, machthungrig und unmenschlich.

    Tatsächlich sind doch SIE es, der einer Utopie nachhängt: Der Utopie, daß ein Staat nötig ist, um die Zivilisation aufrechtzuerhalten, und tatsächlich und auf Dauer mehr Nutzen als Schaden bringt, wenn nur ‘die richtigen Leute’ die Macht im Staat hätten.

    DIESE Utopie, Stefan, vom gütigen, nutzbringenden Staat, ist es, die eine radikale Wesensveränderung des Menschen nötig machen würde – einen ‘neuen Menschen’ nämlich. Wie die Bemühungen ausgegangen sind, einen solchen neuen, eher selbstlosen, kollektivistisch denkenden und handelnden Menschen zu ‘formen’, der nicht durch Macht korrumpierbar und nicht durch vermeintliche Autoritäten im Handumdrehen zu JEDEM Verbrechen bewegt werden kann, ist ihnen hoffentlich geläufig.

    Absacker:

    “How many millions have gazed upon the brutal horrors of history, with its countless examples of man’s inhumanity to man, and wondered aloud how such things could happen? The truth is, most people wouldn’t want to know how it happens, because they themselves are religiously attached to the very belief which makes it possible.The vast majority of suffering and injustice in the world, today and spanning back thousands of years, can be directly attributed to one idea.

    It is not greed or hatred, or any of the other emotions or ideas that are usually blamed for the evils of society. Instead, most of the violence, theft, assault and murder which occurs in the world is the result of a mere superstition—a belief which, though almost universally held, runs contrary to all evidence and reason (though, of course, those who hold the belief do not see it that way). The “punch line” of this book is easy to express, albeit difficult for most people to accept, or even to calmly and rationally contemplate:

    The belief in “authority” (which includes all belief in “government”) is irrational and self-contradictory, it is contrary to humanity an morality, and constitutes the most dangerous, destructive superstition that has ever existed. Rather than being a force for order an justice, the belief in “authority” is the archenemy of humanity.”

    aus:

    http://www.amazon.com/Most-Dangerous-Superstition-Larken-Rose/dp/145075063X

    http://de.scribd.com/doc/86174715/The-Most-Dangerous-Superstition-by-Larken-Rose

     
  26. @Abu

    Das Thema scheint Ihnen ja sehr am Herzen zu liegen. Mir nicht, deshalb will ich nicht länger den “Staatsanwalt” spielen und mich auf eine letzte Entgegnung dazu beschränken.

    Sie werfen einiges durcheinander. Das Werkzeug Staat wurde und wird bisweilen missbraucht, auch z.B. um schreckliche Kriege zu führen oder blutige Unterdrückungsregime zu errichten. Aber verantworlich dafür ist natürlich nicht die Idee des Staats, im Gegenteil – und das verwechseln manche – die bekannten historischen Beispiele zeigen, wie bestimmte “führende Parteien” oder Diktatoren die staatlichen Strukturen entmachtet und ihren Interessen unterworfen haben.

    Man darf auch nicht übersehen, dass dies – wenn auch furchtbare – Einzelfälle sind. Die Regime von Stalin, Mao u.a. Gewaltherrschern sind doch nicht repräsentativ für den Staatsgedanken. Die meisten Staaten auf der Erde funktionieren prima ohne ständige Kriege und Staatsterror. Und viel Blut fließt auch in Bürgerkriegen bzw. Konflikten ohne staatliche Akteure.

    Aber es geht Ihnen ja nicht nur um den Staat, sondern um “Autorität” (Macht über andere) im Allgemeinen, die Sie ablehnen.

    Ich denke, Ihr Anliegen (auch rein menschlich) zu verstehen. Und dennoch halte ich es nicht für zweckmäßig oder praktikabel. Denn in vielen alltäglichen Situationen ist ein Sowohl-als-auch (jeder wie er will) wie Sie es möchten, nicht möglich, sondern nur ein Entweder-Oder. Und dann muss eine neutrale Instanz eine sachliche Klärung oder Entscheidung herbeiführen, um den Konflikt gewaltfrei zu lösen. So wie es im Fußball den Schiedsrichter braucht, der im Zweifelsfall mit
    seiner Autorität eine Entscheidung trifft, die für alle verbindlich ist, wenn das Spiel sinnvoll ablaufen soll.

    Ich sehe in der Notwendigkeit von “Autorität” nicht so sehr “willkürliche Herrschaft” wie Sie sie ablehnen, sondern “Koordination” im Sinne zielgerichteter Zusammenarbeit. Komplexe Strukturen, Abläufe oder Produkte könnten ohne diese Koordination bzw. Arbeitsteilung nicht geschaffen werden, denn wenn jeder nur das macht, wozu er gerade Lust hat, wird nicht viel zusammenpassen. Diese Koordination ist Basis unserer Lebensweise.

    Auch sollte z.B. der Meister eine gewisse Autorität über den Schüler haben. Hat er sie nicht und der Schüler macht nur das, was er will, wird er nicht viel lernen und das Wissen und Können geht verloren.

    Die Autorität, von der ich spreche, ist keine künstlich verliehene Herrschaft dümmlicher Willkür, sondern eine gewissermaßen “natürliche Autorität” die durch das Vorbild an Wissen und Können entsteht, die aber nur funktioniert, wenn
    sie in einem bestimmten Maß auch verbindlich ist.

    Abu, Autorität war und ist nichts per se Böses, sie bedeutet, dass wir (Menschen) einen Teil unserer absoluten individuellen Freiheit aufgeben, um gemeinsam mehr erreichen zu können.

    Ich verstehe, dass Ihnen unbeschränkte individuelle Freiheit wichtiger ist als Letzteres. Bei mir verhält es sich anders. Ich
    bin bereit, etwas abzugeben, da ich viel mehr dafür zurückbekomme (schon bekommen habe). Wir teilen halt nicht die gleichen Werte und dabei wird es auch bleiben. Obgleich ich die Diskussion mit Ihnen wirklich anregend finde, hat sich die
    Argumentationskette aus meiner Sicht damit endgültig erschöpft. Schönes Wochenende!

     
  27. @ Stefan

    ALLES was Menschen aus freiem Entschluss (miteinander) tun, ist für mich legitim. Ob sie etwas herstellen und verkaufen wollen und dazu eine Firma gründen, ob sich Schüler/Lehrlinge und Meister auf eine Lehrzeit und die Modalitäten einigen, ob Menschen sich verabreden, um gemeinsam heilige Tiere/Götter/Pflanzen zu huldigen, oder ob sie sich treffen, um sich gegenseitig die Hintern wund zu peitschen – solange niemand zur Teilnahme GEZWUNGEN wird, gilt, imho, ANYTHING GOES …

    … übrigens, haben SIE freiwillig zugestimmt, einem abstraktem Konstrukt ein Gewaltmonopol zu verleihen, Entscheidungen über elementare Fragen nicht selbst zu treffen und dafür 70% + x Ihres Eigentums abzutreten … ?

    „Staat heißt das kälteste aller Ungeheuer. Kalt lügt es auch, und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: Ich, der Staat, bin das Volk.“

    http://ef-magazin.de/2012/07/12/3603-eu–und-staatskritik-staat-heisst-das-kaelteste-aller-kalten-ungeheuer

    Schönes Wochenende auch Ihnen!

     

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