Die Blume der Demeter

Heute war das neue Heft von “Lucy’s Rausch” in der Post, die nunmehr fünfte Ausgabe des “Gesellschaftsmagazins für psychoaktive Kultur”. Darin auch  ein ausführlicher Essay von mir –  “Die Sirenen von Eleusis – Die Wiederentdeckung der Seele durch die europäische Opium-Moderne” – über die Geschichte des Mohns von der lebensspendenen “Blume der Demeter” bis zur “Todesdroge” Heroin von heute. Hier ein kurzer Auszug. “Lucy” ist im gut sortierten (Buch-)Handel sowie direkt beim Nachtschattenverlag erhältlich.

Mit der Zerstörung des Tempels von Eleusis durch christliche Barbaren im 5. Jahrhundert ist das Ende der minoisch-griechischen „Naturreligion“ markiert. In den Jahrhunderten davor, der Phase des Niedergangs der griechisch-römischen Kultur, war die heilige Blume der Demeter schon profanisiert worden und hatte sich als „little helper“ im Alltag des Großbürgertums durchgesetzt. In den Mohnfeldern von Mekone, wo nach der Prometheus-Sage das erste Treffen von Göttern und Menschen stattfand, wird jetzt Doping und Medizin für den Alltag produziert. Auch die persischen Soldaten Alexanders des Großen erhalten vor dem Kampf eine kleine Dosis gegen ihre Angst und in Rom schreibt Petronius über den Verfall der Sitten, dass man sich vollstopft „mit den süßen Pillen aus Mohnsaft, die Freude und heitere Ruhe verheißen.“ Die Schriftsteller sind diesem Zustand besonders zugeneigt: Horaz, Vergil und Junvenal galten ebenso als Opiumfreunde wie der Philosoph Plotin (205-270) – und sie wissen, wie alle User dieser Zeit, sehr wohl zu unterscheiden zwischen der narkotisierenden, betäubenden Seite des Opium-Rauschs – und seiner inspirierenden, Seele und Geist öffnenden Qualität.

In der Medizin ist die schmerzstillende, schlafbringende Wirkung des Mohns seit Hippokrates allgemein bekannt, doch mit dem Aufstieg der neuen asketischen Moral der Christen, nach der das Ertragen von körperlichen Schmerzen auf Erden mit einem Bonus im Himmel entlohnt wird, geht der allgemeine Gebrauch vom 5. Jahrhundert an offenbar deutlich zurück. Erst mit Paracelsus, dem Alchimisten alter Schule und Pionier der modernen Medizin, erlebt die Opium-Medizin im 16. Jahrhundert eine Wiederentdeckung. „Ich habe ein Arkanum das heiß ich Laudanum“ – das stärkste und wichtigste Heilmittel (Arkanum), das Paracelsus auf weiten Reisen durch das Studium der Volks-und Kräutermedizin entdeckt hatte, war nichts anderes als Mohnsaft. Kurze Zeit später spitzte einer der begeisterten Nutzer dieses Mittels, Christopher Marlowe, die abenteuerliche Biographie des Paracelsus in einem Drama zu – Dr. Faustus – das Goethe 200 Jahre später zur Vorlage seines „Fausts“ nimmt. Und nicht nur Goethes Apothekenrechnungen, auch seine Verse weisen ihn als Kenner aus:

„In dir verehr ich Menschenwitz und Kunst
Du Inbegriff der holden Schlummersäfte
Du Auszug aller tödlich feinen Kräfte
Erweise Deinem Meister seine Gunst!

Ich sehe dich, es wird der Schmerz gelindert
Ich fasse dich, das Streben wird gemindert
Des Geistes Flutstrom ebbet nach und nach
Ins hohe Meer wird ich hinausgewiesen,

Die Spiegelflut erglänzt zu meinen Füßen
Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag

Auch wenn der deutsche Dichterfürst um die nicht-medizinischen Nebenwirkungen des Laudanums auf die Phantasie wußte – so systematisch eingesetzt wie die von ihm immer wieder kritisierten Romantiker hat er sie nicht. Für Novalis und E.T.A. Hofmann, für Coleridge, Wordsworth, Keats, Shelley oder Lord Byron hingegen war es unverzichtbarer Treibstoff der Inspiration. Die Beschwörung der Imagination, der Traumwelt, der sinnlichen Erfahrung gegen die „Kälte“ der Rationalität ist ebenso ein Reflex der Romantik wie die Wiederentdeckung der lebenden Natur gegen die Maschinisierung der Moderne, die Betonung des Weiblichen und Weichen, des Rauschs der Gefühle und der Sinnlichkeit, gegen die Härte des Verstands und des Zweckdenkens – und die Blume der Demeter weist den Weg dorthin.(…)

2 Comments

  1. Eine „inspirierende Seele- und Geist öffnende Qualität“ mit explodierender Kreativität, garantiert auch der syphilitische Fieberwahn, der mit Opium schon immer im Kopf-an Kopf-Rennen lag 🙂

    http://www.mdr.de/lexi-tv/gesundheit/artikel20698.html

    Aber erst Opium+Syphilis kombiniert…DAS ist die wahre Erfüllung !! Unter dem Namen: GroKo-Soma jetzt langsam bekannter werdend.

    Dieser einzigartige Trip gebiert dann die eigentlichen Geistesriesen und Phänotypen unserer Epoche , die gegen „Hate-Speech“ und „Fake News“ mutig und rauschbeflügelt auftreten, NSA-Puppets wie Facebook-Youtube-Twitter Bußgelder androhen, Justizaufgaben an deren Call-Center Agenten auslagern, und sich selbst in unsterblichen Werken und Versen kundtun, wie jetzt in dem neuen

    Meinungsfreiheits-Bekämpfungsgesetz (MfBG) das unter der Bezeichnung „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ heute durch den deutschen Bundestag ging. ( Google )

    Ein Gesetz, das der ganzen „Härte des Verstandes“ und unserem Grundgesetz obendrein, den Weg in den Abyss weist.

    PS:
    Die „Kälte“ der Rationalität mag dennoch nochmal kurz aufleuchten. In dem Fall herzlich gerne in Gestalt des Ökonomen, Pentagon-Planspiel-Instrukteurs und Eliten-Intimus James G Rickards, der in einem Spitzenklasse „Angst-Porno-Interview“ ( Strafbar ? ) die Katze aus dem Sack läßt.

    The best Explanation of what is to come…. is „Ice-Nine“
    Ice = Slangausdruck für Crack- Cocaine…aber was ist ” Ice Nine” ??

    https://www.youtube.com/watch?v=X2fbij6Kz60
    Transskipt
    https://pro.rickardsreports.com/p/AWN_icenine_0117/PAWNT201/Full?h=true

     
  2. @gabor 16/05/2017 at 18:06

    Korrektur :
    Das Gesetz steht erst am kommenden Freitag zur Abstimmung

    Der Blogchef gibt ja bekanntlich die Themen vor,

    aber so wie das süße Opium zum totalen Verfall führen kann
    -Das Britische Empire hatte ja ganz China unter diese Droge gesetzt und darauf seine Macht gegründet-
    http://www.wirtschaft-global.de/der-opiumkrieg-zwischen-china-und-grosbritannien.html

    so kann auch der Weg in die Diktatur
    mit guten Absichten daherkommen

    Denn : „Es kann nicht sein, dass der Staat seine Hoheit auf Rechtsdurchsetzung ruhen lässt, um Facebook, den größten Inhalteraum der Erde, auch zum größten Zensor zu machen“

    Heiko Maas‘ umstrittenes Netzwerkdurchsetzungsgesetz landet am Freitag im Bundestag
    http://meedia.de/2017/05/16/heiko-maas-umstrittenes-netzwerkdurchsetzungsgesetz-landet-schon-am-freitag-im-bundestag/

    Die entscheidenden Kritikpunkte zu diesem Gesetz sind hier nachzulesen
    https://community.beck.de/2017/04/27/das-bundesverfassungsgericht-wird-das-netzwerkdurchsetzungsgesetz-kippen

     

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