Bekenntnisse eines Garderobenkomikers


Das Gespräch über “König Donald” und “JFK”, das ich mit Ken Jebsen führte, hatte  in den ersten zwei Wochen schon über 70.000 Zuschauer. Das ist eine schöne Quote und weil ich von der KenFM-Redaktion weiß, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei diesen Sendungen bei über 30 Minuten liegt, haben sich viele die zwei Stunden  sogar komplett angeschaut. Mir selbst fällt das immer schwer. Als ich damals mit Radio anfing, ging ich beim Abhören der Aufnahme am liebsten aus dem Studio weil ich Stimme und Aussprache zum Weglaufen fand. Schon gar nicht wollte ich  dann die Sendungen anhören, außer wenn wunderbare professionelle Sprecher meine Texte vortrugen, die hörte ich dann manchmal mit leicht geschwellter Autorenbrust sogar mehrfach.
Fernsehen ist natürlich noch schlimmer, zumal wenn die KenFM-Crew mit ihren ehrlichen HD-Kino-Kameras da einen alten Mann während der allmählichen (“äh”, “mmmh”, “sozusagen”…)  Verfertigung von Gedanken beim Reden zeigt. Und beim Fuchteln. Darauf hatten mich meine Kinder schon in den 90ern nach irgendeiner TV-Talkrunde aufmerksam gemacht – “Du fuchtelst dauernd mit den Händen, Papa.” – und jetzt muss ich feststellen, dass es nicht besser geworden ist. Im Gegenteil. Kann der Kerl nicht einfach mal ruhig sitzen, die Hände vorm Bauch (Raute?) und gelassen und ruhig sprechen, ein bißchen langsamer vielleicht, bedächtiger… die Stimme klingt ja durchaus sonor, seriös…aber dieses Gefuchtel und Gezappel ?? Ich finde es zum Weglaufen…
In weiser Voraussicht hatte ich einst dem Drängen meines Meisters und Lehrers Wolfgang Neuss  widerstanden, mit Kabarett selbst aufzutreten, worauf er mich – wenn Besuch kam – manchmal als “Garderobenkomiker vorstellte: “Macht Witze nur hinter der Bühne”. Das stimmt bis heute. Und es liegt nicht an Lampenfieber oder Versagensängsten; wenn die Lampe angeht, Mikro oder Kamera laufen, bin ich innerlich eigentlich immer ruhig, aber kaum sprudelt der spontane Text entgleiten Gestik und Mimik völlig und Opa fuchtelt und rudert was das Zeug hält. Ich finde das unmöglich, zum Weglaufen und konnte die zwei Stunden daher nur schwer durchhalten.
Den Zuschauern auf youtube ging es offenbar ganz anders, die meisten der über 200 Kommentare sind sehr positiv, wenn überhaupt wird Ken gerügt, weil er mir dauernd dazwischenquatscht, was mich aber kaum störte. So wenig wie sich das Publikum an meinem Gezappel stört. Mir aber gefällt das gar nicht weshalb ich auch künftig lieber hinter als auf einer Bühne tätig bin. Natürlich mit der Hoffnung, auch so ein paar Leute zu erreichen, die dann die Läden stürmen und meine Bücher kaufen, denn von irgendwas müssen ja auch Garderobenkomiker leben. Danke!

7 Comments

  1. Nein, ein Gefuchtel ist mir gar nicht aufgefallen. Erst jetzt wo ich das lese.
    Aber Jebsen sollte wirklich nicht soviel dazwischen quatschen sondern mehr reden lassen. Ich hoffe Sie kommen noch oft zu Jebsen!

  2. Ich fand’s gut, weder das Dazwischenreden noch das Fuchteln sind mir unangenehm aufgefallen.
    Das Format bei Ken Jebsen hat natürlich seine Längen. Gerade deshalb ist es erstaunlich, wenn die Zuschauer im Durchschnitt eine halbe Stunde dran bleiben: “Slow brain food” sozusagen. Die Nachfrage scheint da zu sein, und Jebsens Interviews mit freisinnigen Geistern, die etwas zu erzählen haben, kommen gut an. Da kann sich der Mehrheitsfunk mit seinen Durcheinander-Rede-Shows und flachen Debatten aufregen, wie er will.

  3. Von 70.000 auf 7 Millionen Zuschauer …das wär mal was !

    “Bleeching” der unteren und oberen Zahnreihe würde dem Blogchef noch zusätzliche Sympathien eintragen.
    https://www.tk.de/tk/behandlungsmethoden/zahnkosmetik/zahnaufhellung-bleaching/23942

    Nur bitte nicht so künstlich “zahnweiß verunglückt”
    wie bei Mr. Keith Richards.
    Vorher :
    https://www.youtube.com/watch?v=EBeO3i-dUOU
    Nachher :
    https://www.blickamabend.ch/promi-news/gesundheit-bleaching-ist-in-aller-munde-id4194147.html

    Merke :
    50 Jahre Bongs und Erdpfeifen rauchen,
    hinterläßt halt seine Spuren ….also… auf die nächsten 60 Jahre 🙂

  4. Menschen mit Augen öffnender, horizont- bzw. bewusstseinserweiternder Wirkung wie Sie Herr Bröckers dürfen gerne auch purzelbaumschlagend ein Interview geben.

  5. Das Gefuchtel ist mir auch nicht aufgefallen. Ausserdem wirkt dieser “Opa” so gar nicht wie ein Opa. Der geradezu hastige Ken J. talk wird virtuos und spritzig verlängert….diesem Opa ist nichts zu schnell.

  6. Werter Herr Broeckers,

    davon ausgehend, daß Ihre Ausführungen nicht pure Koketterie sind: Sie machen sich Sorgen um Dinge, die Sie getrost so lassen können, wie sie sind. Mehr noch: Die geradezu faszinierende Detailfreude, der anhaltende Spannungsbogen Ihrer Ausführungen in Verbindung mit Ihrer Gestik und Mimik und die -nebenbei gesagt- stets in gutem Deutsch und mit einem Augenzwinkern vorgetragenen Themen schaffen das “Gesamtkunstwerk Broeckers”.

    Kaum ein mir bekannter Mensch schafft es, vor der Kamera eine so intensiv aufgeladene Atmosphäre zu erzeugen, die einem fast das Gefühl gibt, daß hier in der Kernfrage ein unmittelbar Beteiligter spricht.

    Es gibt also keinen Grund dafür, daß Sie Ihr Wirken vor der Kamera in irgendeiner Weise einschränken sollten. Ganz im Gegenteil. Sie sind so wie Sie sind zu 100% authentisch. Weiße Zähne und maßgeschneiderte Anzüge sind Attribute, auf die Sie getrost verzichten können.

    Danke & weiter so!

    Ich freue mich auf das nächste Thema mit Ihnen bei Ken.FM.

    Beste Grüße!

    1. Ich habe mich bisher zurückgehalten, ob Meister Broeckers’ doch etwas irritierender Selbsteinschätzung ihn zu schimpfen.. AG hat es auf den Punkt gebracht.
      “Authentizität” ist vielleicht eines von vielen Stichworten in dieser Runde von Argumenten.
      Körpersprache ist eine Erweiterung der Bandbreite zwischenmenschlicher Kommunikation. Durch “Herumgefuchtel” (Zitat Broeckers) kann man sogar sprechen in fett/kursiv/unterstrichen/GROSSBUCHSTABEN etc.
      Das ist etwas, um das sich z.B. ein Cursor des Imperiums aus dem Zentrum Der Finsternis, wie Claudius Adhesivus, stets bemüht, aber.. Je öfter er auftritt, desto unglaubwürdiger wird er. Also das Gegenteil von Broeckers. ;o)

      LG
      Ursus Silvestris

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