Zum Weltdrogentag

Dass die UN 1987 meinen Geburtstag zum “Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr” ernannte, sah ich sowohl als kleinen Affront gegen gewisse Geburtstagsfeierlichkeiten, wie auch als Herausforderung. Denn ich war zu dieser Zeit gerade mit Recherchen darüber beschäftigt, wie eine der ältesten und wertvollsten Nutz,-und Heilpflanzen der Welt – Cannabis/Hanf/Marihuana  – weltweit zum “unerlaubten Suchtstoff” erklärt werden konnte. Das Ergebnis erschien im Sommer 1987 in der Zeitschrift “Transatlantik” und einige Jahre später als Buch, was dann die Re-Legalisierung der Nutzpflanze und die Wiederaufnahme der Heilpflanze Hanf in das offizielle Arzneibuch zur Folge hatte. Immerhin, aber seitdem hat sich in Deutschland wenig bewegt, der “War On Drugs”geht unvermindert weiter, der Irrsinn, den Mißbrauch von Suchtstoffen per Strafrecht zu verhindern, schafft nach wie vor mehr Opfer als dass er welche rettet, produziert Elend statt Schaden zu mindern. Deshalb habe ich an meinem Geburtstag sofort schlechte Laune wenn mir einfällt, dass heute dieser idiotische Tag der “unerlaubten Suchtstoffe”  und der perfiden Drogenlüge ist.
Fiel mir aber erst eben ein, nach ein paar Gläschen feinem Single Malt (erlaubter Suchtstoff) und ein paar Joints aus unerlaubtem Hanf (biologischer Anbau), sodass die Geburtstagslaune dadurch nicht ruiniert wurde. Zumal mein alter Freund Ben Dronkers, Gründer der Hanfmuseen in Amsterdam und Barcelona,  heute dieses schöne Bild postete – es stammt von dem Maler Philipp Veit, hing 1848 zur deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche und ist die berühmteste Darstellung der Göttin “Germania”.  “Sie hält Hanfzweige zusammen mit seinem Schwert und symbolisiert den Willen, Frieden zu schaffen,” heißt es dazu in der Bildlegende des Museums. Wenn ich einen Geburtstagswunsch an die UN frei hätte, dann den, dass sie vom Geist dieser Göttin und dem Willen Frieden zu schaffen beseelt wird: Drogenkriegsschwerter zu Hanfpflugscharen!

1 Comment

  1. Sogar – oder gerade – als mehr oder weniger unfreiwilliger, will heissen bloß immer gelegenheitsloser Langzeitabstinenzler in the middle of nowhere empfand ich jetzt diesen Artikel wunderbar ehrlich; was für eine seltene Sache in intimen Dingen.
    Auch das unter dem Stichwort Transatlantik verlinkte PDF – bei dem nebenbei bemerkt die Reihenfolge der beiden Seiten “48” und “49” vertauscht ist (dranbleiben, Leser, es lohnt!) – war ein großer Genuß für mich.
    Danke für die Einladung und alles Gute zum Geburtstag!

     

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