3
Sep, 2014

Kein Hanf für Kranke

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5272-DrugWarMein Kommentar aus der heutigen taz:

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln vom 22. Juli eingelegt, das einigen Schwerkranken den Eigenanbau von Cannabis zur Linderung ihrer Schmerzen erlaubt hätte. „Damit wird eine finanzierbare Behandlung mit Cannabisprodukten weiterhin unnötig hinausgezögert“, kritisiert der Mediziner Franjo Grotenhermen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin das Verhalten der Bundesregierung. „Es ist den betroffenen schwer kranken Patienten nicht zumutbar, dass sie jahrelang für ihr Recht streiten müssen.“

Um überhaupt eine Erlaubnis zu bekommen, statt des halb-synthetisch hergestellten Cannabiswirkstoffs Tetra-Hydro-Cannabinol (THC), der unter dem Namen „Dronabinol“ verschreibungsfähig ist, auch natürliche Cannabisblüten als Medizin erwenden zu können, mussten Patienten schon bis vor die höchsten Gerichte ziehen.

Seit 2009 ist das BfArM deshalb verpflichtet, in besonderen Fällen Ausnahmegenehmigungen zu erteilen. Etwa 200 Patienten können seitdem aus Holland importierte Hanfblüten über ihre Apotheke beziehen. Freilich zu einem Preis, der für viele Patienten nicht finanzierbar ist, weshalb sie den deutlich preisgünstigeren Eigenanbau vor dem Verwaltungsgericht erstritten.

Dass das Bundesamt gegen dieses Urteil vorgeht, macht einmal mehr deutlich, dass eine solche Behörde an einem Pharmastandort wie Deutschland weniger das Wohl des Patienten im Auge hat, sondern eher die Lobby der Industrie im Nacken. Sowie die gefühlte Abhängigkeit von einem (längst verlorenen) „war on drugs“.

Anders ist es nicht zu erklären, warum sich die Regierung hierzulande päpstlicher als der Papst des heiligen Drogenkriegs selbst, die USA, gebärdet. Dort können sich mittlerweile über eine Million Patienten mit der Medizin ihrer Wahl auf unbürokratische Weise selbst versorgen. Umso wichtiger ist es, mit der derzeit laufenden Petition an den Bundestag eine solche Reform endlich auch in Deutschland durchzusetzen.

P.S.: An zwei Konferenzen, an denen ich teilnehme – dem “Symposium “30 Jahre Nachtschatten” am kommenden und der “Entheoscience-Konferenz am Wochenende darauf -  werden u.a. die medizinischen Aspekte des Hanfs ein Thema sein. Weitere Infos zu diesen Veranstaltungen hier.

7
Jul, 2014

Bestechungsversuch in Karlsruhe

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Nächste Woche kommt mein neues Machwerk “Keine Angst vor Hanf!” in den Buchhandel  (hier oder beim Buchhändler Ihres Vertrauens) und ich hoffe, es stößt auf ein paar wache Augen und offene Ohren. Als im Juni 1993 die erste, auf Hanfpapier gedruckte Auflage von  “Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf”  erschien, ließ ich sieben Exemplare gleich nach Karlsruhe schicken, wo die Bundesverfassungsrichter über dem “Haschisch-Urteil” brüteten. Als Antwort erhielt ich damals ein freundliches Schreiben vom Sekretariat des BVG, dass Geschenke an die Richter nicht erlaubt seien, das Buch aber in die Bibliothek aufgenommen worden wäre. Als das Urteil 1994 dann veröffentlicht wurde – und den Gesetzgeber verdonnerte, den gelegentlichen Konsum und den Besitz einer geringen Menge nicht mehr strafrechtlich zu  verfolgen – rechnete ich diesen kleinen Fortschritt natürlich meinem Versuch an, die Richter mit guten Argumenten zu “bestechen”. Diese Argumente habe ich in dem neuen Buch noch einmal zusammengefasst – und die wichtigsten Leser sitzen immer noch in Karlsruhe. Anders als mit einem Richterspruch, dass eine Hanf-Prohibition mit der Menschenwürde defintiv nicht vereinbar ist, läßt sich der absurde und destruktive “war on drugs” wohl nicht beenden. Hier zur Einstimmung auf das neue Buch das Interview, das Thilo Jung für “Jung & Naiv – gerade mit dem Grimmepreis ausgezeichnet – im letzten Sommer zum Thema Prohibition mit mir geführt hat:

31
May, 2014

Krieg gegen Medical Marihuana gestoppt!

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31.05.14 09:16-Bildschirmkopie-2

Das “Marihuana Policy Project” feiert einen historischen Sieg: am 29. 5. entzog  der Kongress den US-Bundesbehörden die Mittel, das in 20 Bundesstaaten legale medizinische Cannabis weiter mit der “Drug Enforcement Agency” zu verfolgen: “The amendment (…) prohibits the Department of Justice, including the DEA, from spending funds to prevent states from implementing their own medical marijuana laws.” Sieben Mal schon stand die Gesetzesnovelle seit 2003 zur Abstimmung, jetzt erreichte sie mit 219 Stimmen eine Mehrheit, 170 Demokraten und 49 Republikaner stimmten dafür.

Damit dürfte der erste Schritt getan sein, die medizinischen Eigenschaften der Hanfpflanze in den USA nun auch bundesweit anzuerkennen – fast 20 Jahre nachdem die Bürger Kaliforniens dies per Volksentscheid taten und als erster Bundesstaat Patienten legalen Zugang zu ihrer Medizin gewährten. Als ich mit meinem Ko-Autor und Freund Jack Herer, einem der führenden Aktivisten dieser Kampagne, 1995 auf der Promenade in Venice Beach Flugblätter für die Volksabstimmung verteilte, hielten viele Passanten (und nahezu alle Politiker) die Argumente für die medizinische Verwendung für einen Trick: “Ihr wollt ja nur in Ruhe kiffen und erzählt uns einen von Medizin.” Doch  diese Unterstellung ist mittlerweile vollkomen obloset,  hunderte neue medizinische Studien haben die erstaunliche Heilwirkung von Cannabinoiden seitdem belegt. „Wäre Cannabis eine unbekannte Substanz und Biologen hätten sie in einer abgelegenen Felsenkluft in den Bergen entdeckt, würde das zweifellos als medizinischer Durchbruch bejubelt“, schrieb dazu der britische „Economist“ schon 2006, „Wissenschaftler würden sein Potential bei der Behandlung von Schmerzen bis Krebs preisen und über die umfangreichen pharmazeutischen Qualitäten staunen.“ So aber werden auch Patienten bis heute von Polizei und Justiz verfolgt, wenn sie sich die verbotene Medizin beschaffen oder in ihrem Garten anbauen. Das muß auch in Deutschland und Europa endlich ein Ende haben, deshalb haben Franjo Grotenhermen von der „Arbeitsgemeinschaft Cannabismedizin“ und andere im April 2014 eine Petition an den Deutschen Bundestag eingereicht. Wie können also gespannt sein, ob sich die von den deutschen Abgeordneten derzeit gern beschworenen “Wertegemeinschaft” mit den “amerikanischen Freunden” nur auf Militäreinsätze und Spitzelätigkeiten beschränkt….

P.S.: Meine kleine Streitschrift zum Thema “Keine Angst vor Hanf! – Warum Cannabis legalisiert werden muß”, die  gerade korrigiert und in Form gebracht wird, erscheint in Kürze als e-Book und Anfang August dann als Buch.

3
May, 2014

Kein Angst vor Hanf!

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So, das Cover ist schon da, das Manuskript ist auch fertig und wenn jetzt noch ein wenig lektoriert, korrigiert und gesäzzt wird steht einem Erscheinen dieser kleinen Streitschrift (ca. 96 Seiten) nichts mehr im Wege. Warum mehr als 20 Jahre nach der “Hanfbibel”, wie “Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf” von vielen genannt wird und in der nach vor alles steht, was man über diese Pflanze und ihr Verbot wissen sollte,  noch einmal ein Plädoyer für die Legalisierung von Hanf ? Weil die letzten beiden Jahrzehnte nicht nur die herausragenden medizinischen und ökologischen Eigenschaften von Cannabis weiter bestätigt haben, sondern vor allem die absolute Untauglichkeit und Schädlichkeit der Cannabis-Prohibition. Obwohl sich die Zahl der Strafermittlungen wg. Hanf seit Anfang der 80er Jahre mehr als vervierfacht hat (auf über 130.000 Verfahren im letzten Jahr), hat sich die Zahl der Konsumenten mehr als verdoppelt. Der “Krieg gegen Drogen” wird nach wie vor primär gegen Hanf geführt und nährt seinen milliardenschweren Apparat nach wie vor mit Angstpropaganda. Nur als “Kirche der Angst” kann der Prohibitions-Apparat sein ineffizientes  und irrationales Milliardengeschäft noch aufrecht erhalten: durch ständige Dämonisierung des “Feindes” und der Beschwörung, dass sich bei einer Legalisierung die Tore der Hölle öffnen. “Keine Angst vor Hanf!” kontert diese Horrorgeschichten mit nüchternen Zahlen, Daten und Fakten – und zeigt, warum es höchste Zeit ist, sich von der Irrlehre der Prohibition zu verabschieden und der Friedenschluß im “Krieg gegen Drogen” mit Cannabis beginnen muß.

23
Mar, 2014

Strafverteidiger gegen Prohibition

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hupenBeim 38. Strafverteidigertag, der am Sonntag in Dresden zu Ende ging, diskutierten 400 Strafverteidiger, Staatsanwälte, Richter und Rechtsgelehrte über drängende Fragen des Rechts und der Gesetzgebung. Dabei war in diesem Jahr auch das Pro und Contra der Entkriminialisierung illegalisierter Drogen das Thema einer Arbeitsgruppe (an der ich mit einem Referat über “Die Ökonomie des War On Drugs” teilnahm) . Die dort erarbeitete Erklärung (PDF) wurde dann vom Plenum des Strafverteidigertags verabschiedet:

“Bereits der 31. Strafverteidigertag kam 2007 zu folgendem Ergebnis:

Die Prohibition und die repressive Drogen(kriminal)politik – gepaart mit teilweise exorbitanten Strafen – haben nicht zur Lösung der Suchtproblematik beigetragen. Ein – neuer – gesellschaftlicher Diskurs ist erforderlich, um die Grundlage für eine von Vernunft geprägte, pragmatische sowie entkriminalisierende Drogenpolitik zu schaffen.“

Seither mehren sich sehr deutlich Stimmen, die den bisherigen Ansatz des „War on Drugs“ für gescheitert ansehen. Es gibt internationale Entwicklungen, die ganz offiziell eine Abkehr vom Prohibitionsansatz markieren.

In Deutschland hat sich dagegen – jedenfalls auf juristischem Gebiet – wenig bis gar nichts geändert. Immer noch verbringen schwerkranke Menschen wegen ihrer Krankheit viele Jahre in Haftanstalten. Immer noch werden berufliche Existenzen, z.B wegen des Umgangs mit Cannabis, zerstört, obwohl genau dieser Umgang inzwischen eine weitgehende gesellschaftliche Akzeptanz erlangt zu haben scheint. Beiden – den Schwerkranken, wie den Freizeitkonsumenten  – wird das BtMG in keiner Weise gerecht.

Nach wie vor enthält das BtMG Strafandrohungen, die ansonsten für Kapitalstraftaten reserviert sind – obwohl es sich auch dabei teilweise eher um Alltagsverhalten handelt. Dem Grundsatz, Strafrecht als „ultima Ratio“ zu verstehen, entspricht das BtMG damit nicht einmal ansatzweise.
Gleichzeitig dürfen bestehende Probleme im Umgang mit psychoaktiven Stoffen nicht verkannt werden. Das Abstinenzparadigma allerdings und die daraus abgeleitete Prohibition haben sich selbst in dieser Hinsicht nicht als probates Mittel erwiesen.Wenn dann auch noch die Repressionsstrategie immense Summen für eine im Ergebnis wirkungslose Strafverfolgung verschlingt, gleichzeitig Mittel für Forschung und Hilfsprojekte drastisch gekürzt werden, so ist dies nicht länger akzeptabel..
Der Prohibitionsansatz ist deshalb aufzugeben. Er gehört aber mindestens auf den parlamentarischen Prüfstand. Es muss in absehbarer Zeit fundiert darüber diskutiert werden, welcher Reformbedarf besteht. Dass Reformbedarf besteht, kann nicht mehr strittig sein. Ein bloßes „Weiter So!“ darf es daher nicht geben.
Deshalb unterstützt der 38. Strafverteidigertag ausdrücklich – als einen notwendigen ersten Schritt – die Initiative von 120 deutschen Strafrechtsprofessoren, die die Einrichtung einer Enquete-Kommission gefordert hat, da sie die strafrechtliche Drogenprohibition als „gescheitert, sozialschädlich und unökonomisch“ ansieht.”

28
Feb, 2014

Hanfdampf und seine Kriegsgewinnler

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28.02.14 18:05-Bildschirmkopie-2

Die Zeitschrift “Transatlantik” (1980-1991) , mit der Hans Magnus Enzensberger versucht hatte, ein Essay,- und Reportage-Magazin im Stile des “New Yorker” in Deutschland zu etablieren, gehörte nicht nur als Leser zu meinen Favoriten. Als gelegentlicher Autor schätzte ich es noch viel mehr, denn außer guten Honoraren gab es dort ein in der alten Gutenbergwelt  äußert rares Gut: Platz. War ein Text gut, gab es keine Zeilen, – oder Seitenbeschränkung – man konnte so viel schreiben wie man wollte. Und so sagte ich natürlich freudig zu, als Reinhard Hesse im Sommer 1988 einen Transatlantik-Beitrag über Hanf bei mir bestellte – denn hier bot sich die Möglichkeit außer einem Report über die Szene, die Kiffer, Dealer und Drogenarbeiter auch die Informationen zu recherchieren, die mir kurz zuvor in Form eines kopierten  Buchs auf den Tisch gekommen waren – die Urfassung von Jack Herers “The Emperor wears no clothes – Hemp and the Marijuana Conspiracy”, deren umfganreich erweiterte deutsche Ausgabe ich dann 1993 herausbrachte. Sie liegt aktuell in der 42. Auflage vor.

Die Keimzelle für dieses Buch und der Anfang meiner Recherchen zum Thema war die 10-seitige Reportage für “Transatlantik” (3/1988) , in der die Geschichte der ordnungs-und industriepolitischen Hintergründe der Hanf-Prohibition erstmals erzählt wird. Als sie neulich  in einem Stapel wieder auftauchte, in dem ich etwas ganz anderes gesucht hatte,  fand ich sie beim Wiederlesen nach über einem  Vierteljahrhundert  immer noch spannend und durchaus aktuell. Deshalb hier aus der Reihe “Olide But Goldie” : Hanfdampf & seine Kriegsgewinnler (PDF, 3,8, MB)

19
Feb, 2014

Sucht und Ordnung (2)

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Drogenlüge-Cover-1In Italien hat das höchste Gericht die in den 90er Jahren verschärften Gesetze gegen Cannabis für verfassungswidrig erklärt, tausende danach Verurteilte müssen jetzt aus den Gefängnissen entlassen werden. In Uruguay und den ersten beiden US-Bundesstaaten ist Cannabis vollständig legalisiert, weitere Staaten werden in den USA und auf der Welt in absehbarer Zeit folgen. Das Zeitalter der Prohibition scheint nach einem Jahrhundert langsam aber sicher zu Ende zu gehen. In meinem 2010 erschienen Buch “Die Drogenlüge” habe ich über die Ursachen geschrieben, die wider alle Vernunft den “Krieg gegen Drogen” weiter am Laufen halten – und im letzten Kapitel unter dem Titel “Sucht und Ordnung” einen Ausblick auf eine Welt jenseits der Prohibition gewagt, die im 19. Jahrhundert ja schon einmal schon existierte und im 21. Jahrhundert wieder geschaffen werden muss:

Teil 1 von “Sucht und Ordnung” ist gestern erschienen und endete mit der Beschreibung der Drogenfachgeschäfte der Zukunft. Hier folgt Teil 2:

Der oberste Stock des Drogenkaufhauses in Berlin-Mitte wird nicht nur wegen des gläsernen Halbrunds seiner Dachkuppel »Tempel« genannt, denn hier geht es um die entheogenen Drogen, die Pflanzen der Götter, deren Ächtung durch das monotheistische Patriarchat einst den Beginn des Kriegs gegen Drogen markierte. Anders als in den anderen Abteilungen der Drogenfachgeschäfte, wo erwachsene Erstkonsumenten nach einem Beratungsgespräch die Droge ihrer Wahl sofort kaufen können, müssen sie hier an einem Einführungskurs teilnehmen. Wie bei den Mysterien von Eleusis, deren Teilnehmer sich einer mehrwöchigen Vorbereitung unterziehen mussten, werden die Initianten auch heute auf die überwältigenden, möglicherweise mystischen Erfahrungen vorbereitet, die eine Sitzung mit LSD, Psilocybin oder Ayahuasca mit sich bringen kann. Sie werden über die Bedeutung von »set & setting« für eine solche innere Reise informiert – die psychische Befindlichkeit der eigenen Person, eine geeignete Umgebung sowie erfahrene, liebevolle Begleitung– und über alles, was für die Navigation im Weltraum der Seele wichtig ist. So ausgestattet, werden sie zum Abschluss dieses »Führerschein«-Kurses auf die verschiedenen Möglichkeiten verwiesen, die erste Erfahrung in einer Zeremonie mit anderen zu teilen.
Trotz Proteste der etablierten Kirchen gegen diese »neo-gnostischen Verirrungen« sind die Behörden dazu übergangen, öffentliche Räume für die immer größeren Zulauf findenden Einweihungsrituale zur Verfügung zu stellen, denen sich am Tag der Demeter zur Herbstsonnenwende mehrtägige Open-Air-Partys anschließen.
Aus der Entheogen-Abteilung der Drogenkaufhäuser werden seit einiger Zeit auch die vom Justiz- und Gesundheitsministerium geförderten »Leary«-Programme versorgt, die sich jetzt erfolgreich der Rehabilitation von Strafgefangenen und der Therapie von Alkoholikern widmen können, nachdem Professor Timothy Learys »Harvard Psilocybin Project« 1963 trotz vielversprechender Ergebnisse vom Bannstrahl der Drogeninquisition gestoppt worden war.
Da die Verkaufspreise in den Drogenfachgeschäften generell unter denen des Schwarzmarktes liegen, aber bei den unter legalen Bedingungen in der Regel sehr preiswert herzustellenden Substanzen dennoch gute Handelsspannen erzielt werden, können die Geschäfte trotz ihres hohen Personal- und Beratungsaufwands nicht nur kostendeckend geführt werden, sie werfen dank der in sämtlichen Drogenpreisen enthaltenen »Vergnügungssteuer« jährlich Milliarden für die öffentliche Hand ab.

Doch noch viel erfreulicher als die Mafiosi und Terroristen vorenthaltenen Milliarden ist die Tatsache, dass die Zahl der unfreiwilligen »Drogentoten« nach dem Ende der Prohibition fast auf null zurückgegangen ist. Ebenso wird in ganz Europa ein deutlicher Rückgang von Straßenkriminalität, Diebstählen und Einbrüchen registriert, seit die Distribution von Drogen über die Fachgeschäfte läuft.
Das von den Verteidigern der Prohibition jahrzehntelang mit Inbrunst an die Wand gemalte Horrorszenario der Drogenlegalisierung – eine in Sucht, Elend und Gewalt niedergehende Gesellschaft – ist natürlich ausgeblieben. Ähnlich wie die westlichen Gesellschaften, die die zuvor jahrhundertelang tabuisierte Sexualität erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Thema der allgemeinen Aufklärung und Bildung machten!– und damit für deutlich freiheitlichere, entspanntere Verhältnisse sorgten–, hat auch die mit der Aufhebung des Drogentabus einhergehende Bildungsoffensive in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts Wirkung gezeigt. Und so wie man den sexuell aufgeklärten Achtklässler nicht mehr mit Schreckgespenstern wie drohendem »Masturbationswahnsinn« beeindrucken kann, lässt sich auch der neuropharmakologisch aufgeklärte Jugendliche von heute nicht mehr mit haltlosen Warnungen vor »Killerdrogen« erschrecken. Aber er hat gelernt, dass das »Mmmmh« beim Genuss von Zucker vom Gehirn immer noch mit einer kleinen Wohlfühldosis körpereigener Drogen belohnt, weil sich das Millionen Jahre alte Steuerungssystem noch nicht auf die menschlich erzeugte Zuckerschwemme der letzten Jahrzehnte ein- gestellt hat– zur Freude von Zahnarztinnung und Insulinproduzenten, doch zum Ärger der Krankenkassen, die für die gigantischen Schäden der Zuckersucht aufkommen müssen und deshalb dafür plädieren, das Werbeverbot für Drogen auch auf Süßwaren auszuweiten.

Die Friedensdividende, die Milliarden an Einsparungen, die das Ende des Kriegs gegen Drogen mit sich gebracht hat und die vor allem im Bereich öentlicher Bildungs-, Erziehungs- und Gesundheitsangebote investiert wurde, hat die Lebensqualität spürbar verbessert. Erwartungsgemäß ist es damit zwar nicht gelungen, problematischen Drogenkonsum vollständig zu verhindern, doch die negativen Folgen wurden sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Umgebung extrem reduziert. Durch die überall angebotenen Entzugs- und Rehabilitationsprogramme und die in den Drogenfachgeschäften zur Verfügung stehenden Alternativen an weniger schädlichen Drogen oder Darreichungsformen nimmt die Zahl der Konsumenten mit »harten« Konsummustern weiterhin ab. Vor allem die Jugendlichen, die über die neurobiologischen und neurochemischen Zusammenhänge ihres Wahrnehmens, Fühlens und Denkens und über die Wirkung bewusstseinsverändernder Substanzen aufgeklärt sind, entscheiden sich – wie die jüngsten Studien übereinstimmend ergeben haben– sehr viel bewusster für eine bestimmte Droge und ihre Wirkung und nicht mehr wie noch im ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts nur fürs Komasaufen.

Auch für die drogenproduzierenden Agrarnationen wie Afghanistan oder Kolumbien, Bolivien, Peru und Mexiko in Mittelamerika hat das Prohibitionsende die Situation entscheidend verbessert: Die Bauern erhalten für die Ernte von Opium oder Kokablättern den- selben oder sogar etwas höheren Preis, den sie auch in der Illegalität bekommen haben, denn der Endverkaufspreis der Drogen in den reichen Ländern ist nur um zehn bis zwanzig Prozent gesunken– die gigantischen Gewinne dazwischen allerdings, die zuvor Warlords und Mafiosi eingestrichen haben, kommen nunmehr der Allgemeinheit zugute. Nachdem sich die internationalen Kontroll- und Prohibitionsbehörden, die über Jahrzehnte den Krieg gegen Drogen ge- führt hatten, zu einer Transformation unfähig zeigten, wurde die internationale Koordination und Aufsicht über der Drogen der UNESCO übergeben; auf nationaler Ebene haben Justiz und Polizei nur noch bei der Überwachung des Straßenverkehrs mit Drogen zu tun, ansonsten obliegt das Thema ausschließlich den Gesundheits-, Kultur- und Bildungsbehörden. (…)

Wenn das natürliche Paradies innerhalb des je eigenen Gehirns zu finden ist – welche Macht kann sich dann herausnehmen, über die Zustände dieses Gehirns zu entscheiden und über die Mittel und Wege, die zu diesen Zuständen führen? Welche Autorität kann sich die Entscheidung darüber anmaßen, wie die Milliarden Neuronen eines individuellen Gehirns schalten und walten? Welche Diktatur kann mein Bewusstsein kontrollieren? Nur eine, an die ich meine Rechte als Steuermann und Navigator des Bewusstseins abgetreten habe – und damit das Recht, über meinen inneren Zustand, über Ruhe oder Schmerz oder Freude oder Erregung autonom und selbst zu entscheiden. Diese individuelle Freiheit zurückzuerobern von den Patriarchen, Priestern, Pharmakraten, Politikern, Polizisten muss Leitbild und Ziel jeder neuro-biologischen Aufklärung und zivilgesellschaftlichen Reform der Drogenpolitik sein.
Hundert Jahre Prohibition haben eindringlich gezeigt, dass dieses Ziel mit Verboten nicht zu erreichen ist. Sie haben stattdessen Probleme heraufbeschworen, die ein friedliches Zusammenleben der Völker in vielen Teilen der Welt immer massiver bedrohen. Ein Ende dieser Spirale von Kriminalität, Krieg und Terror – und damit der zynischen Absurdität, dass deutsche Soldaten die Drogenprofite verbündeter Terrorbrigaden in Afghanistan sichern – kann erst in Sicht kommen, wenn die Ursache dieser Profite, die Prohibition, beseitigt ist. Der Anfang zu dieser internationalen Anstrengung muss in den Köpfen gemacht werden: durch Aufklärung statt Dämonisierung, Fakten statt Desinformation, Risikoabwägung statt Panikmache und präventiver Erziehung statt prohibitiver Repression.

Die Erkenntnis, dass die Prügelstrafe keine geeignete Methode ist, um die Befähigung zum Rechnen, Lesen und Schreiben zu beför- dern, wurde erst in den letzten Jahrzehnten an den Schulen (und in der Rechtsprechung) umgesetzt. Dass für die Erziehung des Umgangs einer Gesellschaft (und jedes einzelnen) mit Drogen dasselbe gilt, diese Umsetzung steht noch aus. Sie ist der erste Schritt, einen nunmehr hundertjährigen barbarischen Krieg endlich zu beenden. Jeder einzelne Staat – unabhängig von allen internationalen Drogenkonventionen!– kann ihn für sich alleine tun, und er kann sofort – unabhängig von langwierigen globalen Verhandlungen über das Ende der Prohibition – damit beginnen.
Das Buch “Die Drogenlüge” ist im nächsten Buchladen oder hier erhältlich.

18
Feb, 2014

Sucht und Ordnung (1)

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Drogenlüge-Cover-1In Italien hat das höchste Gericht  die in den 90er Jahren verschärften Gesetze gegen Cannabis für verfassungswidrig erklärt, tausende danach Verurteilte müssen jetzt aus den Gefängnissen entlassen werden. In Uruguay und  den ersten beiden US-Bundesstaaten ist Cannabis vollständig legalisiert,  weitere Staaten werden in den USA und auf der Welt in absehbarer Zeit folgen. Das Zeitalter der Prohibition scheint nach einem Jahrhundert  langsam aber sicher zu Ende zu gehen. In meinem 2010 erschienen Buch “Die Drogenlüge”  habe ich über die Ursachen geschrieben, die wider alle Vernunft  den “Krieg gegen Drogen” weiter am Laufen halten – und im letzten Kapitel unter dem Titel “Sucht und Ordnung” einen Ausblick auf eine Welt jenseits der Prohibition gewagt, die im 19. Jahrhundert ja schon einmal schon existierte und im 21. Jahrhundert wieder geschaffen werden muss:

 

 

Kann die in einem Jahrhundert zu einem mörderischen Moloch aufgeblähte Prohibitionsmaschinerie mit Appellen an die Vernunft zur Räson gebracht werden? Wir haben gesehen, welche Rolle die durch Prohibition generierten Profite für die imperiale Weltpolitik, die globalen Börsenkurse und das Wachstum der Militär-, Sicherheits-und Pharmaindustrie bedeuten und wie leicht es für das politische Geschäft ist, offene Türen im kollektiven Unbewussten einzurennen und mit der seit fast 4000 Jahren geprägten Angst vor Drogen auf Stimmenfang zu gehen. Angesichts dieser tiefen zivilisationshistorischen Prägungen und der aktuellen Wirtschaftsmacht der Prohibitionsprofiteure wird ein Friedensschluss, ein Ende des Kriegs gegen Drogen, nicht leicht zu erreichen sein. Doch die Katastrophen, die der Drogenkrieg in Afghanistan und im Nahen und Mittleren Osten, in Mexiko und in Südamerika anrichtet, sind mittlerweile so unübersehbar, dass eine internationale Reform des Prohibitionsregimes immer mehr Befürworter findet!– quer durch alle Parteien und weltanschaulichen Lager. Der erste Schritt muss fraglos jener sein, den die Regierung in Portugal seit 2001 gegangen ist: die vollständige Entkriminalisierung des Besitzes und Konsums von Drogen.
Ein Jahrhundert weltweite Prohibition hat gezeigt, dass die Nachfrage nach bewusstseinsverändernden Substanzen mit Strafgesetzen nicht zu verhindern ist, genauso wenig wie ihr Angebot. Theoretisch mag es in einem totalen Überwachungsstaat möglich sein, den Konsum irgendeiner Substanz vollkommen zu verhindern, praktisch ist eine solche gesellschaftliche Entwicklung aber weder vorstellbar noch wünschenswert. Stattdessen gilt es, die einer Zivilgesellschaft angemessene Balance zwischen individueller Freiheit und sozialer Verantwortung zu finden.Dass dies kein aussichtsloses Unterfangen ist, zeigt schon ein kurzer Rückblick in das 19. Jahrhundert, in dem Cannabis, Opium, Morphin, Heroin und Kokain frei verkäuflich und für jedermann erschwinglich waren. Schon unsere Anwesenheit heute zeugt davon, dass unsere Vorfahren damals nicht massenweise der Sucht und dem Elend anheim gefallen sein können, in der zeitgeschichtlichen Literatur des 19. Jahrhunderts findet sich über Drogenprobleme wenig bis nichts. Als »Schlummersaft« und zur Schmerzlinderung stand in jeder Hausapotheke des 18. und 19. Jahrhunderts ein Fläschchen Opiumtinktur bereit. Zur Anregung in besseren Kreisen sorgte der mit Kokain (und einer Empfehlung von Papst Leo) angereicherte Bordeauxwein »Vin Mariani« oder mit Haschisch gemischte Orientzigaretten der Marke Harem, die bis 1920 in Tabakläden erhältlich waren. Auch der Kinder- und Jugendschutz war offensichtlich gewährleistet, dass derart »starker Tobak« den erwachsenen Männern vorbehalten blieb. Dass er dagegen kleinen Jungs nur Angstträume beschert, zeigte zum Beispiel Wilhelm Busch in seinem Comicstrip von »Krischan mit der Piepe« (1864).
Es gibt also durchaus Belege für eine funktionierende, zivilisierte Welt ohne Prohibition, und das in Sachen Zucht und Ordnung ansonsten nicht sehr zimperliche 19. Jahrhundert kann in Sachen Sucht und Ordnung hier als tolerantes Vorbild gelten. Wobei eine erste Einschränkung genau da gemacht werden muss, wo mit der in Schwung kommenden Industrialisierung auch das Zeitalter der massenmedialen Beeinflussung durch Werbung beginnt und Hersteller und Händler Drogen massiv bewerben. Die Massenblätter des US-amerikanischen Zeitungsmagnaten William Randolph Hearst wimmelten nur so von Anzeigen von Mixturen aller Art, deren wirksame Stoffe in der Regel aus nichts anderem als Opiaten, Kokain oder Cannabis bestanden. Langjährige Werbeverträge mit den Zeitungsverlagen verschonten die Hersteller dabei vor jeder kritischen Berichterstattung über ihre mit massiver Reklame gegen jedes Wehwehchen unter das Volk gebrachten Wundermittel. Der derart provozierte Massengebrauch vor allem von opiumhaltigen Mixturen machte eine staatliche Kontrolle nahezu unausweichlich, und diese historischen Erfahrungen zeigen, dass mit einer Entkriminalisierung als zweiter Schritt unbedingt ein Werbeverbot für sämtliche Drogen einhergehen muss.Die Enttabuisierung der natürlichen Paradiese, die Aufklärung und Auflösung der Drogenlügen, muss auf andere Weise erfolgen als durch die Penetration mit Werbelügen und Verführungen zum Konsum.

Auch wenn es dem Leitmotiv der Gier und des permanenten Wachstums in unserem gesellschaftlichen System zuwiderläuft: Dass sportbegeisterten Kindern per Fernsehen tausendfach eingetrichtert wird, dass Fußball erst zusammen mit Alkohol von Warsteiner, Bitburger und anderen »ein richtiger Genuss« ist, kann eine verantwortungsbewusste Drogenpolitik künftig genauso wenig dulden wie die (mittlerweile immerhin schon stark eingeschränkte) Werbung für Tabak. Ein verantwortungsvoller, mündiger Gebrauch bewusstseinsverändernder Substanzen kann in einer Gesellschaft, die auf ständige Konsumsteigerung ausgerichtet ist, nur erreicht werden, wenn diese Substanzen dem Zugriff der Marketing- und Werbeindustrie entzogen bleiben – eine Forderung, die angesichts künftiger Neuro-Enhancement-Präparate ohnehin zur Debatte steht. Jede Entkriminalisierung, die die Willkür einer Trennung in legale und illegale Drogen aufhebt, muss Regelungen und Altersbeschränkungen für sämtliche nunmehr legal erhältlichen Drogen schaffen und sie der Willkür freier Vermarktung und somit zwangsläufig aggressiven Wettbewerbs entziehen.

Werfen wir also einen kühnen Blick in die Fachgeschäfte der Zukunft, die in den Fußgängerzonen der Republik für die Beratung und den Verkauf von Drogen zuständig sein werden. Dank der nach dem Ende der Prohibition eingesparten Milliarden, die von der öffentlichen Hand unter anderem in umfassende Aufklärungs- und Drogenerziehungsprogramme investiert wurden, wundert sich schon seit einiger Zeit niemand mehr über die in den Städten dicht gestreuten unauffälligen Läden und die über Land verteilten »Drogenstützpunkte«. Neben der Beratung und dem Verkauf durch ausgebildete Fachverkäufer steht den Kunden ein angeschlossener psychologischer und medizinischer Service zur Verfügung, der ebenso wie die Kurse zum »nichtpharmakologischen Enhancement« (Meditation, Musik, Yoga, Sport, Spiel, Spannung) von den Kommunen und Krankenkassen finanziert wird.
In großen Drogenkaufhäusern wie dem in Berlin-Mitte ist das gesamte Erdgeschoss diesen Informations- und Beratungsdiensten gewidmet, den einzigen Angeboten des Hauses, für die mit üblichen Mitteln geworben werden darf. Ansonsten regiert neben freundlicher Atmosphäre in allen Abteilungen der nüchterne Beipackzettel, der jeder Verkaufseinheit beiliegt, sowie kompetente und freundliche Fachverkäufer, die über Wirkungen, Nebenwirkungen, »Safer Use« und Schadensminimierung ausführlich Auskünfte geben. Sie werden nicht nach Umsatz bezahlt und stehen, wie die Drogenfachgeschäfte insgesamt, nicht unter dem Diktat der Gewinnmaximierung. Im Gegenteil wird ihnen bei Umsatzrückgängen ein Bonus ausbezahlt, denn das Ziel dieser Fachgeschäfte ist es nicht, den Konsum zu fördern, sondern den existierenden Konsum in risikoarme und sozialverträgliche Bahnen zu lenken.
Die hier verkauften Drogen sind nicht verunreinigt, die Informationen auf jeder Packung ermöglichen eine korrekte Dosierung und reduzieren so mögliche Gesundheitsschäden auf ein Minimum. Der Verkauf ist zudem auf bestimmte Maximalmengen pro Tag beschränkt und wird auf einer Kundenkarte registriert. Wenn die registrierten Mengen auf einen problematischen Konsum schließen lassen, werden die Kunden zu einem Beratungsgespräch gebeten und erhalten konkrete Angebote zur medizinischen oder therapeutischen Betreuung.
Die Cannabisabteilung im ersten Stock des Kaufhauses verkauft importiertes Fair-Trade-Haschisch aus marokkanischen, libanesischen und afghanischen Landwirtschaftskooperativen und eine große Auswahl Hanfblüten aus heimischem Bio-Anbau. Der Gehalt von THC, CBD und anderen Cannabinoiden ist bei den jeweiligen Sorten angegeben. Um den Schäden des Rauchens in der Mischung mit Tabak vorzubeugen, werden den Hanfkunden preisgünstige Vaporizer angeboten. Die kleinen Verdampfer im Handyformat heizen den Hanf auf 190 Grad auf, inhaliert werden nur Cannabinoide und Aromastoffe, aber kein Rauch.
Auch zwei Etagen weiter oben, in der Abteilung für Stimulanzien, stehen die kleinen Apparate hoch im Kurs, seit Kunden, die nach Amphetaminen verlangten, als milde Alternative die Inhalation von Meerträubel (Ephedra) entdeckt haben; auch der aus den Blättern der Pflanze hergestellte ephedrinhaltige »Mormonentee« erfreut sich wachsender Beliebtheit.
Ein ähnlicher Trend ist bei den Kokainkonsumenten zu beobachten, die zunehmend auf die natürlichen Produkte aus Kokablättern zurückgreifen und den konzentrierten Alkaloid-Turbo nur noch gelegentlich verwenden. Auch der wieder erhältliche »Vin Mariani« und die nach dem »Coca-Cola«- Originalrezept mit einem leichten Kokaingehalt gebrauten Softdrinks haben dazu geführt, dass viele vormalige Kokser jetzt hier zugreifen und auf das Schnupfen verzichten.
Einen vergleichbaren Effekt hatte auf Heroinkonsumenten die in den Drogenfachgeschäften erhältliche Auswahl von milderen Alternativen wie Rauchopium, Laudanum und anderen opiumhaltigen Zubereitungen, deren unproblematische Verfügbarkeit vielen injizierenden Abhängigen den problemlosen Abschied von der Spritze ermöglichte. Da zurückgehende Umsätze vor allem bei den schnell zur Gewöhnung führenden Drogen wie Heroin und Kokain mit Bonuszahlungen belohnt werden, sind die Fachberater motiviert, ihre Kunden auf leichtere und weniger riskante Alternativen aufmerksam zu machen. In der großen Alkoholabteilung im Untergeschoss des Drogenkaufhauses wird langfristigen Dauerkunden zum Beispiel der Umstieg auf weniger gesundheitsschädliche Cannabisprodukte schmackhaft gemacht.
Der oberste Stock des Drogenkaufhauses in Berlin-Mitte wird nicht nur wegen des gläsernen Halbrunds seiner Dachkuppel »Tempel« genannt, denn hier geht es um die entheogenen Drogen, die Pflanzen der Götter, deren Ächtung durch das monotheistische Patriarchat einst den Beginn des Kriegs gegen Drogen markierte….

“Sucht und Ordnung” Teil 2   folgt morgen.
Das Buch “Die Drogenlüge” ist im nächsten Buchladen oder hier erhältlich.

4
Feb, 2014

Profiteure der Prohibition

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Die FAZ berichtete am Montag  ebenso sachlich wie ausführlich aus dem “Land des Lächelns”, dem US-Budensstaat Colorade einen Monat nach der Legalisierung von Cannabis, in der Schweiz läßt die “Eidgenössische Kommission für Drogenfragen” (EKDF) ein neues Regulierungskonzept ausarbeiten, ein solches Uruguay hat als erster Nationalstaat der Welt bereits schon beschlossen, der Deutsche Hanfverband gewinnt bei einem Mainstream-TV-Sender  eine Castingshow und eine Million Euro für den Kampf gegen die Hanf-Prohibition…. nach Jahrzehnten der Tabuisierung scheint der Bann, mit dem der böse Zauberer Harry Anslinger  die Hanfpflanze vor mehr als  70 Jahren belegte, langsam aber sicher zu brechen.

Anslinger war natürlich kein Zauberer, sondern nur ein tüchtiger Bürokrat und der erste “Drogenzar” der USA,  doch die Anti-Hanf-Kampagne, die er mit Hilfe des Pressemagnaten Hearst und Geld des Chemiekonzerns Dupont entfachte, hatte ohne Frage magische Qualität und muß zu den erfolgreichsten Desinformations,- und Propaganda-Operationen aller Zeiten gezählt werden.  Sie spukt bis heute in vielen Köpfen herum – und wie zu Anlingers Zeiten finden die Behörden noch immer willige Experten und Gutachter, die ihnen die Richtigkeit der Prohibtion “wissenschaftlich” bestätigen.  Und der große Fleischtopf des einst von  Harry Anslinger auf den Weg gebrachte  International Narcotics Controllboard (INCB) bei den “Vereinten Nationen”,  an dem sich heute Bürokraten aus aller Welt laben, sorgt dafür, dass Offizielle in jedem Land der Welt den Anfang vom Ende der Hanfverbote “mit großer Sorge” o.ä.  kommentieren und kritisieren. Die Drogenverfolgung ist ihr Business und Hanf, solange er auf dem Index steht und die meist konsumierte illegale Substanz weltweit ist, eine Säule ihres Geschäfts. Und so will das INCB ganz im Geiste seines manischen Gründervaters Anslinger die Hanf-Prohibtion nicht einmal für medizinische Zwecke aufgehoben wissen.

Auch wenn die Herren der INCB-Zentrale in Wien also wohl die letzten sein werden, die die weiße Fahne für ein Ende des Drogenkriegs hissen – umhin kommen werden sie über kurz oder lang nicht. Selbiges gilt auch für die hiesigen Politiker und Bürokraten, die zwar noch einige Jahre mit gezogener Hanfbremse weiter fahren und die Prohibition als “alternativlos” erklären können, doch die schon erwiesenen und künftig noch deutlicher absehbaren Erfolge von Entkriminalisierung und Regulierung des Markts machen die Alternativen zunehmend unübersehbar und unleugbar. Die wissenschaftlichen Experten für Recht und Ordnung in Deutschland – die Strafrechtsprofosseren – haben das schon erkannt und einen dringenden Appell an die Bundesregierung verfasst, das geltende Betäubungsmittelgesetz zu reformieren. Die GroKo aus CDU, CSU und SPD hat indessen keinerlei Reformpläne in ihren Koalitionsvereinbarungen und so steht zu erwarten, dass für die gescheiterte Drogenpolitik nur ein dumpfes “Weiter so!” und keinerlei Besserung in Sicht ist.

Es sei denn, ein mutiger Jurist vom Schlage eines Wolfgang Nescovic, der sich als Berufungsrichter des Lübecker Landgerichts Anfang der 90er Jahre weigerte, weiter nach den wissenschaftlich widerlegten Grundlagen des Betäubungsmittelgesetzes Urteile zu fällen und das BtmG auf den Prüfstand des Bundesverfassungsgerichts brachte, bringt 20 Jahre nach diesem “Haschisch-Urteil” die höchsten Richter erneut dazu, die Angemessenheit strafrechtlicher Bestimmungen in Sachen Cannabis erneut zu überprüfen. Anders als mit einem energischen Wink aus Karlsruhe wird das Zentralkommitee der GroKo-Einheitspartei nur schwer zu bewegen sein, von der gescheiterten Politik des Verbietens, Verfolgens und Verhaftens Abstand zu nehmen.

“Sicherlich ist Marihuana eher harmlos. Aber die Sache war ein Beispiel dafür, dass ein Verbot die Autorität des Staates stärkt”, bekundete Harry Anslinger am Ende seiner Karriere, nachdem schon aktenkundig geworden war, dass 95 % der “zweifelsfreien Quellen”, die er für die nationale und internationale Durchsetzung der Hanf-Prohibition angeführt hatte,  aus Boulevardzeitungen stammte. Auf einem Niveau, von dem sich die Verbotspolitik bis heute kaum entfernt hat, was recht einfach erkennen ist, wenn man etwa die (voodoo-)wissenschaflichen Weisheiten des Prof. Dr. Rainer Thomasius, einem als “Experten” immer wieder gehörten Prohibitionisten, überprüft: “Die Einstiegsdrogentheorie ist zwar nicht belegt. Aber widerlegt ist sie auch nicht.” Was für die Jungfrauengeburt natürlich ebenso gilt wie für kleine grüne Männchen vom Mars…

Die eigentlichen Profiteure des “war on drugs” sind freilich nicht solche stets vorhandenen professoralen Mietmäuler, sondern eher die auf untenstehendem Cartoon abgebildeten Herrschaften. Sowie eher kleine Fische wie der Discounter Lidl, der dieser Tage die Fachbücher für den Indoor-Anbau aus seinem Online-Shop zurückzog, als das Angebot ruchbar wurde. Ebenso erschrocken reagierte der Elektrokonzern Philips, nachdem ihm ein TV-Bericht vorgworfen hatte, mit seinem “Greenpower”-LED-Lampen illegale Cannabiszüchter zu beliefern  - worauf das Unternehmen bekundete, dass man Endkunden in der Cannabiszucht nicht beliefere,  und die „Greenpower“-Lampen im Philips-Prospekt zum „City Farming“ ausschließlich zur wachstumsfördenden „Tageslichtverlängerung“ bei der Erdbeer-, Gurken- und Tomatenzucht beworben werden.

Nun kann ein Lampenhersteller genausowenig kontrollieren, ob unter seinen Lampen Gurken oder Marihuana wachsen, wie ein Messerproduzent, ob sein Produkt zum Mittagessen oder zum Mord verwendet wird. Warum also ein solcher gigotter und schreckhafter Alarm um Lampen, unter denen auch Gurken wachsen, oder um Bücher, die in jedem Buchladen erhältlich sind ?  Es scheinen dies noch immer Nachwirkungen Anslinger-Ära zu sein – und es wird Zeit, diesen Bann endlich zu brechen. Und den großen und kleinen Profteuren der Prohibition das Handwerk zu legen. Denn wenn der Anbau zum Eigenbedarf legal wird, braucht es weder spezielle Bücher noch besondere Lampen: Sonne, Erde, Wasser und ein Hanfkorn im Blumenkasten reichen dann völlig aus.

 

31.01.14 15:53-Bildschirmkopie

2
Feb, 2014

Drogenkrieg im Straßenverkehr

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02.02.14 11:19-Bildschirmkopie

 

Im Nachtschatten-Verlag ist jetzt das Buch “Cannabis und Füherschein” von Theo Pütz erschienen, das sich mit der herrschenden (Un-)Rechtspraxis in Deutschland auseinandersetzt, das nach der strafrechtlichen Liberalisierung in Sachen Cannabis nun den “Krieg gegen Drogen” mit verwaltungsrechtlichen Maßnahmen weiter führt. Unter anderem mit einem Grenzwert zur Fahruntauglichkeit, der in keiner Weise wahrnehmbar ist und ein 10-faches unter dem liegt, der in den USA – dem Mutterland der Cannabis-Prohibiton – als verkehrsgefährdend gilt. Ich habe zu diesem Buch einem Vorwort beigesteuert:

“Stellen Sie sich vor, Sie werden in Ihrem Auto durch die Polizei angehalten, die gerade eine Routinekontrolle der Verkehrssicherheit von Kraftfahrzeugen durchführt: Ihre Papiere sind in Ordnung, auch an Ihrem Wagen gibt es keinerlei Mängel, doch als sie überprüfen, ob ein Warndreieck vorhanden ist, sehen die Beamten im Kofferraum den Kasten Bier, den Sie gerade im Getränkemarkt geholt haben. Und einige Wochen später erhalten Sie ein Einschreiben von der Führerscheinstelle, in dem Ihnen mitgeteilt wird, dass wegen Verdachts auf Alkoholkonsum Zweifel an Ihrer Fahreignung bestehen; Sie werden aufgefordert, innerhalb einer gesetzten Frist mit einem Gutachten nachzuweisen, dass Sie auch weiterhin zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet sind – ansonsten müsse Ihnen der Führerschein entzogen werden. Wegen eines Kastens Bier im Kofferraum? Absurd! Doch genau so wird in Deutschland tagtäglich dutzendfach verfahren, wenn es sich statt der Bierkiste um ein Tütchen mit Cannabis handelt.
Dass Sie bei der Routinekontrolle der Polizei unauffällig und nüchtern waren, dass sich Auto und Papiere in ordnungsgemäßem Zustand befanden und kein Verkehrsverstoß vorlag, hilft Ihnen genausowenig wie die Tatsache, dass der Besitz einer geringen Menge Cannabis kein Strafverfahren nach sich zieht. Denn nach einem solchen Fund werden Sie in der Regel aufgefordert, sich einem Drogentest zu unterziehen, und dann hilft Ihnen auch nicht mehr, dass Ihr letzter Cannabiskonsum schon einige Tage oder Wochen zurückliegt, denn die Abbaustoffe des Cannabis-Wirkstoffs THC sind mehrere Wochen nachweisbar. Mit einem solchen Nachweis gelten Sie als gelegentlicher Cannabiskonsument und begründen damit Zweifel an Ihrer Fahreignung; fand der letzte Cannabiskonsum am Vorabend der Kontrolle statt, kann es noch ärger kommen, denn es besteht die Möglichkeit, dass der aktive THC-Gehalt im Blutserum noch mehr als ein Nanogramm pro Milliliter (1 ng /ml) beträgt. Auch wenn dieser Wert weit unter einer spürbaren Wirkung liegt, gilt Ihre Fahrt mit dem Auto damit als «Drogenfahrt» und zieht ein Bußgeld und ein Fahrverbot nach sich – sowie die Auflage eines medizinischen Gutachtens, das Sie nur nach einem längeren Abstinenznachweis erfolgreich absolvieren können.
Seit Mitte der Neunzigerjahre der Besitz kleiner Mengen Cannabis durch das «Haschisch-Urteil» des Bundesverfassungsgerichts entkriminalisiert wurde, ist diese schwer nachvollziehbare Rechtspraxis in Deutschland gang und gäbe – und mit juristischen Mitteln kaum anfechtbar. Denn anders als im Strafrecht  ist im Verwaltungsrecht, welches die Erteilung der Fahrerlaubnis regelt, die Beweislast umgekehrt: Nicht das Gericht muss Ihre Schuld nachweisen, sondern Sie sind verpflichtet, der Behörde Ihre Unschuld zu beweisen. Gibt der bereits beschriebene nüchterne und verkehrsgerechte Transport eines Kastens Bier in Ihrem Auto Anlass, den Fahrer als potenziellen Alkoholiker und Gefahr für die Verkehrssicherheit einzustufen? Selbstverständlich nicht – doch wenn es sich um ein Gramm Cannabis handelt, ist das der Fall. Diese Ungleichbehandlung und das daraus entstehende Unrecht ist der Grund für dieses Buch.
Der Autor Theo Pütz berät seit vielen Jahren nicht nur Betroffene, die in die Mühlen der Behörden geraten sind, er gilt auch als der Experte zum Thema Drogen und Führerschein. Sein Buch ist deshalb nicht nur ein unverzichtbarer Ratgeber für diejenigen, denen aufgrund eines Cannabisfunds oder -nachweises der Entzug des Führerscheins droht, sondern es liefert mit seiner Analyse der rechtlichen und toxikologischen Zusammenhänge erstmals auch einen fundierten Überblick zur herrschenden (Un-)Rechtspraxis in Sachen Cannabis und Führerschein. Deshalb ist dieses Buch nicht nur für Juristen, Behörden und Fachkräfte im Drogen- und Suchtbereich, sondern vor allem auch für politische Entscheidungsträger von höchster Relevanz. Denn nur die Politik kann für die dringend notwendigen Änderungen sorgen, die hier geboten sind: die Schaffung eines realistischen Gefahrengrenzwerts für die Verkehrsteilnahme und eine bundesweit einheitliche Auslegung der gesetzlichen Vorschriften zur Fahreignung analog zum Alkohol.
In der Schweiz geht man davon aus, dass selbst Fahrer von Bussen und Bahnen mit bis zu 3 ng /ml THC im Blutserum ihrer Arbeit verantwortungsvoll nachgehen können; in den USA, dem Mutterland der Cannabis-Prohibition und des irrsinnigen «War On Drugs», gilt selbst ein Grenzwert (10 ng /ml), der zehn Mal höher liegt als in Deutschland (1ng/ml), nicht als Gefahr für die Verkehrssicherheit. Die (Un-)Rechtspraxis in Deutschland, mit Hilfe des Fahrerlaubnis- und Verwaltungsrechts den «Krieg gegen Drogen» zu führen, muss beendet werden. Die Politik und die Rechtssprechung sind gefordert. Wer die Informationen in diesem Buch zur Kenntnis genommen hat, wird nicht mehr umhin können, diese Forderung zu unterstützen.”

Theo Pütz: Cannabis und Führerschein
176 Seiten, Format A5, Broschur
ISBN: 978-3-03788-279-5
CHF 29.80, EUR 23.00

30
Aug, 2013

Politik für Desinteressierte

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Thilo Jung macht auf Youtube “Jung & Naiv – Politik für Desinteressierte” und hat sich unlängst mit mir auf der taz-Dachterasse getroffen, zu einem Gespräch über Drogen und Drogenpolitik:

15
Apr, 2013

Das Auto, das vom Acker wächst

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SpOn hat heute eine Geschichte über “das Auto das vom Acker wächst” – Henry Fords Prototyp eines Hanfautos aus den 1930er Jahren, dem in unserem vor 20 Jahren erschienen Hanfbuch schon ein ganzes Kapitel gewidmet ist. Die Karosserie des Wagens war aus Hanfasern hergestellt, es fuhr mit Hanöl und Ford experimentierte auf seiner Versuchsfarm in Michigan mit dem Universalrohstoff Hanf auch noch weiter, als mit dem “Marijuana Tax Act” 1937 die Hanf-Prohibtion eingesetzt hatte und der Anbau dadurch zum erliegen kam. Hauptsponsor des Hanfverbots war seinerzeit der Chemiekonzern Dupont, der einerseits gerade neue Additive für Benzin hergestellt hatte (und kein Interesse an mit Pflanzenöl betriebenen Dieselmotoren hatte) und andererseits gerade die  aus Rohöl hergestellte Kunstfaser “Nylon” patentiert hatte, der die Naturfasern aus Hanf und Flachs im Wege standen. So wurde mit der Propaganda vom “Mörderkraut” Hanf die grüne Konkurrenz vom Acker beseitigt und der Nimbus des gefährlichen Rauschgifts, der der Cannabis-Pflanze damals angehängt wurde, wirkt bis heute.

Als das Buch 1993 erschienen war – die ersten Ausgaben war auf Hanfpapier gedruckt – bekam ich einen Anruf von der “Daimler Benz” – Entwicklungsabteilung in Suttgart, die nach Hanffasern zum Testen fragte. Damals führten wir mit einer Agrargenossenschaft aus Brandenburg gerade einen Prozess gegen die Bundesrepublik Deutschland, um den Anbau von Hanf wieder durchzusetzen, es gab noch keine Fasern aus heimischem Anbau, doch aus Ungarn hatten wir Rohfasern besorgt, die ich den Mercedes-Leuten schickte. Gratis – und mit der Bitte, uns im Gegenzug die Testergebnisse über Haltbarkeit, Zugfestigkeit usw. zukommen zu lassen. Weil das Buch sehr viel Aufsehen erregte und ich viele Interviews dazu gab, berichtete ich den Journalisten auch von diesen Tests bei Mercedes – und bekam dann die Rückmeldung, dass man das ihnen aus Stuttgart nicht bestätigt hätte. Als ich daraufhin bei Daimler nachfragte sagte man mir, dass ich doch bitte keine Journalisten mehr informieren sollte – Hanf sei ja eine illegale Droge und das wäre schlecht für’s  Image. Die Rufmord-Kampagne aus den 1930er Jahren sorgte also nicht nur dafür, dass Fords Hanfauto über einige Prototypen nicht hinauskam, sie verhinderte auch, dass 1993/94 mit  Forschung und Entwicklung in Sachen Hanf ernsthaft begonnen wurde. Und wahrscheinlich wird es noch weitere Jahrzehnte dauern, bis dieser demagogische Unsinn aus der Welt geschafft ist und der Anbau des nützlichsten Rohstoffs der Welt endlich wieder massenhaft und ohne Hemmnisse durch die Prohibition stattfinden kann. Es gibt viel zu tun, pflanzen wir’s an!

7
Nov, 2012

Rocky Mountain High

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John Denvers alte Country-Hymne “Rocky Mountain High” wird nach diesem Wahltag in Colorado sicher noch oft geklickt, denn die eigentliche Sensation  des Wahltags  fand  nicht in Washington D.C. sondern in Colorado und Washington State  statt. In diesen Bundestaaten stimmte eine Mehrheit für die Legalisierung von Marijuana -  und dies nicht mehr nur zu medizinischen Zwecken, wie bisher schon in 17 US.Bundesstaaten, sondern grundsätzlich. Als Rohstoff, Medizin, und als Genußmittel für Erwachsene kann Hanf in diesen Bundesstaaten künftig legal angebaut, produziert  und verkauft werden.  Genau 75 Jahre nach dem mit dem “Marijuana Tax Act” 1937 das Verbot der Hanfpflanze  in den USA begonnen hatte und  vom ersten US-“Drogenzar” Harry Anslinger nach dem 2. Weltkrieg in die UN-Gesetze gehievt wurde, ist im Mutterland  der Hanf-Verfolgung das Ende der Prohibition eingeläutet. Und damit der Beginn einer rationalen, schadensmindernden Drogenpolitik, die mit der Besteuerung und kontrollierten Abgabe von Cannabis einen Meilenstein für die USA und den Rest der Welt setzen wird. Selbst in den Niederlanden, wo der Verkauf in Coffeeshops seit Jahrzehnten geduldet wird ist Cannabis de iure ja immer noch  illegal, Colorado und Washington sind somit die ersten Staaten, die sich  defintiv von der Prohibition und dem “war on drugs” verabschieden.

Die angenommenen  Gesetzesvorlagen in Colorado und Washington (Measure No.502) werden nicht nur den Verbraucher,-und Jugendschutz stärken und für eine deutliche Entlastung von Polizei und Justiz sorgen, die sich künftig um wirkliche Kriminelle kümmern kann, mit ihren Vorgaben, wie die neuen Steuereinnahmen zu verwenden sind – vorallem für Gesundheits,-und Bildungszwecke –  können sie auch  zum Vorbild für eine neue Sozial,-und Kommunalpolitik in den USA werden. Sowie zu einem Prüfstein für die Aussage in Obamas Siegesrede: “Das Beste kommt noch!” – denn auf Bundesebene hat sich der Präsident stets für eine Beibehaltung der Prohibtion ausgesprochen und zu Beginn seiner ersten Amtszeit auch noch die von Bush & Co. betriebenen Schikanen gegen die medizinische Abgabe in den  Bundestaaten fortgesetzt. Verfassungsrechtliche und politische Auseinandersetzungen sind  also zu erwarten.  Ob der neue alte “Hoffnungsträger”  dem  “Yes we can!” folgt, das die Wähler in Colorado und Washington einer überkommenen Drogenpolitik entgegen gesetzt haben, bleibt eine spannende Frage.

Als ich heute morgen vom Ausgang dieser Wahl erfuhr, mußte ich zuerst an meinen 2010 gestorbenen Freund und Ko-Autor Jack Herer denken, ohne dessen unermüdliches Engagement und sein bahnbrechendes Buch dieses Ergebnis nicht möglich gewesen wäre. Und es ist klar, welche feurige Rede der “Hempster of the Century” im Hanfhimmel heute halten wird: dass nämlich zwei Bundesstaaten viel zu wenig sind, weil es 47 weitere und den ganzen Rest der Welt auch noch gibt – und er erst  dann Ruhe geben wird, wenn die wichtigste Pflanze der Welt überall wieder legal geworden ist.

4
Nov, 2012

Anfang vom Ende der Hanf-Prohibition ?

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Update: Dass Obama wieder gewählt wurde, ist keine Überraschung. Die Sensation fand woanders statt:  Nach den ersten Hochrechnungen  sind die Initiativen für die Legalisierung von Hanf/Cannabis/Marijuana  in Colorado und Washington  angenommen worden !!!

Seit Jahrzehnten habe ich mich in Artikeln und Büchern für eine Reform der Drogengesetzgebung und vor allem für die Legalisierung von Cannabis ausgesprochen und das erste Buch, das ich mit Jack Herer vor knapp 20 Jahren dazu veröffentlichte – Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf – hat einiges in dieser Richtung ins Laufen gebracht, namentlich die landwirtschaftliche Nutzung von Hanf und die Wiederzulassung als Medizin. Auch wenn die überragenden Eigenschaften des Rohstoffs Hanf und sein Potential als  Heilmittel nach wie vor durch den unsinnigen “Krieg gegen Drogen” behindert werden, sind diese positiven Entwicklungen nicht mehr rückgängig zu machen. Am kommenden Dienstag nun könnten die Anstregungen für eine rationale Politik und einen Friedenschluß im Krieg gegen Hanf einen weiteren Schub erhalten: in einigen US-Bundestaaten steht neben der Abstimmung über Cola oder Pepsi Obama oder Romney auch die Legalisierung von Marijuana zur Wahl. Dabei geht es nicht mehr nur um die medizinische Nutzung, die bereits in 17 Bundesstaaten wieder legal ist, sondern um eine grundsätzliche Freigabe und Besteuerung als Genußmittel für Erwachsene. Und nach den letzten Umfragen in den Staaten Washington und Colorado scheint es eine deutliche Mehrheit dafür zu geben. Wenn sich diese Prognosen am Wahltag bestätigen wäre das ein Durchbruch, der nicht nur im Mutterland der Hanf-Prohibtion Folgen hätte „Diese Abstimmungen”, so Gerog Wurth vom Deutschen Hanf Verband, ” sind für uns das Ereignis des Jahres. Die Legalisierung in Colorado und Washington wird mittelfristig Wellen bis nach Deutschland schlagen. Das ist der Anfang vom Ende des weltweiten Cannabisverbots.“

Selbst bei einem positiven Ausgang bleibt indessen offen, wie lange sich dieses Ende noch hinziehen kann;  in meinem letzten Buch zum Thema – Die Drogenlüge – werden die Faktoren benannt, die eine vernünftige Drogenpolitik bis heute verhindern: die Profite die dank der Prohibtion gemacht werden – und die Beharrlichkeit der Desinformation, die seit einem Jahrhundert ein irrationales Tabu zementiert. Dies wird nicht von heute auf morgen  zu brechen sein, selbst wenn die Bevölkerung in Washington und Colorado sich davon jetzt endgültig verabschiedet – aber ohne Frage: ein Anfang wäre gemacht. Es gibt viel zu tun, pflanzen wir’s an!

28
Aug, 2012

„Kiffen macht dumm ? – Versteh ich nicht!“

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„Kiffen macht gleichgültig ? – Mir doch egal! “ – diese alte Raucherweisheit, wissenschaftlich auch als „demotivationales Syndrom“ bekannt, kann nach einer US-Studie jetzt um eine weitere Erkenntnis ergänzt werden „Kiffen macht dumm ? – versteht ich nicht!“ Forscher von der Duke University in Durham (North Carolina) fanden in einer 38 Jahre andauernden Studie mit 1000 Probanden heraus, dass Cannabiskonsum das zentrale Nervensystem schädigen und den Intelligenzquotienten (IQ) senken kann. Bei der Studie wurde der Intelligenzquotient im Alter von 13 Jahren gemessen und dann noch einmal 38 Jahre später – und nahm Angaben der Forscher IQ umso stärker ab, je früher Jugendliche mit dem Konsum begannen und je länger sie ihn fortsetzen. Die in den”Proceedings of the National Academy of Sciences” erschienene Studie bestätigt einerseits Befunde, nach denen Cannabis für die Gehirnentwicklung von unter 16-jährigen schädlich sein kann. Andererseits gilt dies aber auch für Tabak, Alkohol und sämtliche anderen Drogen: wer zu früh anfängt und dann dauerhaft konsumiert tut seinem Gehirn und der Gesundheit keinen Gefallen. Insgesamt hatten nur 50 Personen der Untersuchungruppe angegeben, schon in jungen Jahren mehr als einmal wöchentlich gekifft zu haben, was die Validität des Ergebnisses stark einschränkt. Die  150 Probanden, die sich als regelmäßige Konsumenten bezeichneten und erst mit 18 Jahren begonnen hatten,  schnitten  bei den IQ-Tests nicht schlechter ab als die Nichtkiffer. Insofern bringt diese Studie nichts Neues – kann aber als weitere Argumentationshilfe dafür dienen, dass dem Jugendschutz in der Drogenpolitik entscheidende Bedeutung zukommt und es höchste Zeit ist, dem unkontrollierbaren Schwarzmarkt für Cannabis und alle anderen Drogen endlich ein Ende zu machen : Leaglize it!

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