17
Jan, 2017

Yankee and Cowboy War 2.0 (9)

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Wenige Tage vor den großen Krönungsfeierlichkeit hat sich das Real Game of Thrones im exzeptionalistischen Königreich noch einmal zugespitzt. Ein führendes Mitglied des Senats sagte, König Donald sei “wirklich dumm” wenn er sich mit den Meistern der Intelligence anlegt, denn die hätten “den Sonntag und sechs Tage” es ihm heim zu zahlen. Wie das geschehen könnte, lies der Senator offen. Der abgesetzte Intelligence-Großmeister Brennan warnte den neuen König ganz offen “seinen Mund zu hüten” – eine Frechheit, die sich die stets diskreten Meister eigentlich nie herausnehmen. Angesichts solcher Drohungen  steigen die Befürchtungen im Lande, dass es dem neuen Herrscher genauso gehen könnte wie dem letzten König der es gewagt hatte, sich mit den unsichtbaren Meistern der Intelligence anzulegen.

König Jack, den alle nur JFK nannten, wollte damals den Konflikt mit dem Reich des Ultrabösen nicht mit immer mehr Waffen, sondern durch Gespräche und Abrüstung beenden und war damit nicht nur den Meistern, sondern auch der mächtigen Gilde der Waffenschmiede in die Quere gekommen. Jener Gruppe, die  Jacks Vorgänger, der alte General Ike, der die Armeen im letzten Weltenkrieg zum Sieg geführt hatte, bei seinem Abschied  “den militärisch-industriellen Komplex” genannt und vor ihrem gefährlichen Einfluß gewarnt hatte. Nachdem König Jack dann durch gedungene Heckenschützen ermordet worden war hatten sich alle seine Nachfolger an die unausgesprochene Warnung gehalten, den Waffenschmieden und den Meistern der Intelligence nicht ungefällig zu sein. So waren die Rüstungskammern des exzeptionalistischen Köngreichs in immer exzeptionalistischere Dimensionen gewachsen, ebenso wie die Büros und Budgets der Meister der Intelligence.

Aus den Tiefen des Staats hielten die Meister  diese Maschine am Laufen, indem sie ständig neue  “Feinde” ausmachten. Oder, wenn  keine in Sicht waren,  etwas nachhalfen um die Bedrohung sichtbar zu machen. Das fiel ihnen leicht, denn ihm Rahmen der Operation Mockingbird hatten sie in der Gilde der Herolde und Einflüsterer  an den wichtigsten Stellen eigene Leute platziert, die die Fake News der Meister über drohende Gefahren jederzeit unter das Volk brachten.

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14
Jan, 2017

Yankee and Cowboy War 2.0 – (8)

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Das Real Game of Thrones, der Krieg gegen den Cowboy, der nach Jahrzehnten der Yankee-Herrschaft kurz davor steht ins Weiße Haus einzuziehen, ist in eine entscheidende Runde gegangen. Nachdem die alten Herrscher auf dem Schlachtfeld der Wahl verloren hatten, weil der Herausforder die meisten Wahlmänner hinter sich versammeln konnte, blieb ihnen nur noch,  eine geordnete Übergabe der Macht zu gewährleisten.  Und während der neue König aus den reichsten Männern des Landes und erfahrenen Generälen eine Regierungsmannschaft aufstellte, der das Parlament zustimmte, hielt der scheidende König  eine ergreifende Abschiedsrede vor seinen Untertanen und verdrückte  ein paar Tränen im Knopfloch. Auch wenn er in seinem letzten Amtsjahr 26.172 Bomben abwerfen lies und damit einen persönlichen Mord-Rekord aufstellte,  galt er ja als friedlicher Kerl und wollte seinem Nachfolger keine Steine in den Weg legen.

In den Tiefen des Königreichs aber grummelte es, die mächtigen Meister der Intelligence mochten sich mit dieser Niederlage nicht abfinden. Dass weder ihr Netzwerk von  Lauschern, Spionen und Agenten, noch das der Herolde, Trommler und Einflüsterer es geschafft hatte, ihre Kandidatin durchzuboxen, lag ihnen nicht nur im Magen. Sie fürchteten auch einen schweren Machtverlust, da der neue König schon mehrfach deutlich sein Mißfallen über ihre Arbeit geäußert und zudem angedroht hatte, ihr seit Jahrzehnten liebevoll kultiviertes Spezialfach des regime change abzuschaffen und nicht mehr dauernd über andere Länder herzufallen. Deshalb, so hatte er verfügt, brauche er auch nicht mehr die täglichen Briefings der Meister, sondern würde sie nur noch einmal die Woche empfangen. So etwas tut man nicht ungestraft und schon warnte der berühmteste Herold, die alte Tante “Times”: “Könige, die sich mit den Meistern anlegen, leben gefährlich” – und erinnerte damit an die magische Kugel, der einst der beliebte König Jack, den alle nur JFK nannten,  zum Opfer gefallen war. Nachdem er angekündigt hatte, das Büro der Meister der Intelligence “in tausend Stücke zu zerschlagen und in alle Winde zu zerstreuen”. Jacks korrupte königliche Leibwache hatte den Heckenschützen damals freie Bahn geliefert, weshalb der neue König jetzt sicherheitshalber schon mal seine eigenen Leibwächter mitbringt.

Er weiß, dass mit den Meistern nicht zu spassen ist – sie haben nicht nur Augen und Ohren überall im Reich und besitzen “Kompromat” über fast jeden und jede, sondern kontrollieren auch die wichtigsten Lautsprecher und Einpeitscher. Sein hochmodernes Zwitscher-Gerät, dank dem er alle seine Freunde im Volk jederzeit erreichen kann und  auf Herolde wie “Times” nicht mehr angewiesen, kommt gegen die mächtige Orgel der Meister allein nicht an. Und bevor der Neue nächste Woche inauguriert wird, haben sie noch einmal alle Register hochgefahren, um zu zeigen, wer in Brainwashington D.C. die Hosen an hat.

Damals, als man gegen den Saddam ziehen sollte, hatten 16 Großmeister der Intelligence bestätigt, das dieser Massenvernichtungswaffen besitzt – und jetzt, wenige Tage vor der feierlichen Krönung, bestätigen 17 Großmeister, dass der neue König eigentlich eine Marionette des ultrabösen Herrschers Putin sei.  Dieser hätte ihn einst in sein Dunkelreich gelockt, zu perversen Orgien verführt und ihn seitdem in der Hand. Fünf Jahre verwandte er, ihn zu formen und vorzubereiten, dann sandte er seine Agenten aus, überall im Lande das üble Gift der “Fake News” zu verbreiten und schickte unsichtbare  Häscher, um die Post der Vizekönigin Hillary zu erbeuten. Die lies er dann, “auf verschlungenen Wegen”, einem weltbekannten Piraten zukommen der sie dann dem Volk präsentierte – und ihr alle Chancen nahm,  die Wahlschlacht zu gewinnen, weil offenbar wurde, wie kalt, korrupt und kriegslüstern die Vizekönigin war.  So hievte der raffinierte Ultraböse den unflätigen Cowboy nicht nur auf den Thron, sondern wird ihn künftig wie eine Marionette steuern und die Fäden im ganzen Königreich ziehen.

Mit dieser Geschichte erkärten die Meister der Intelligence aus den Tiefen des Staats dem forschen neuen König den Krieg. Sie  veröffentlichten ein Dossier über die perfide Manipulation der Wahl und der Unterstützung des neuen Königs durch den Ultrabösen.  Sie konnten dafür keine Beweise vorlegen und sagten, als solche verlangt wurden, dass ihr Geheimgeschäft es leider nicht zuließe,  “Quellen und Methoden” offen zu legen. Und dass die Autorität von sage und schreibe 17 Intelligence-Großmeistern, die sich seit Jahrzehnten rund um die Uhr für Sicherheit der Bevölkerung einsetzen,  ja wohl genügen müsse, die Wahrheit dieser Geschichte anzuerkennen.

Die Leute draußen im Lande kratzten sich am Kopf: war nicht “Glauben” schon vor Jahrhunderten im ganzen Königreich abgeschafft und durch “Wissen” ersetzt worden ? Musste nicht jeder vor Gericht Beweise und Zeugen vorbringen für seine Anschuldigungen ? War es nicht auch den Herolden und Einpeitschern seit langem verboten,  Gerüchte und Vermutungen einfach als echte Nachrichten in die Welt zu setzen ? Und hatte man diese strengen Regeln nicht gerade deshalb eingeführt, weil falsche Nachrichten und Behauptungen der Meister der Intelligence in der Vergangenheit so oft zu schrecklichen Kriegen geführt hatten ?  So war es doch. Und jetzt sollte man den unsichtbaren Meistern wieder einfach nur Glauben schenken und nichts mehr wissen dürfen ? Und das alles nur, weil der neue König gesagt hatte, der Ultraböse sei eigentlich gar nicht so schlimm und er würde mit ihm schon klarkommen ?

Die Leute verstanden es nicht und beschlossen, sich erst Mal Popcorn zu holen, für die nächste Folge im Real Game of Thrones….

Auch erschienen auf Telepolis, die bisherigen Folgen unserer kleinen Serie hier

 

16
Dec, 2016

Yankee and Cowboy War 2.0 – 7. Folge

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Die Welle von Fake News, nach der die Russen bzw. Putin persönlich Trump auf den Trohn verholfen haben, weil “russische Hacker”  bzw. Putin persönlich kompromitierende Mails der Demokraten an Wikileaks gegeben hätten, nimmt kein Ende. Dass die Story komplett auf Gerüchten beruht und es sich somit um eine lupenreine Verschwörungstheorie handelt tut ihrer faktenfreien Fortsetzung offenbar keinerlei Abbruch. Dass an vordester Front der Kampagne mit der New York Times und der Washington Post zwei Urgesteine der CIA-Fakes tätig sind wundert nicht und entspricht dem aktuellen Frontverlauf zwischen Yankees und Cowboys: CIA, Neocons,  Großmedien und Obama-Regierung auf der einen Seite – und FBI, NSA, DIA (Militärgeheimdienst) auf der Seite Trumps. Letztere, inklusive des DNI (Direktor sämtlicher Geheimdienste) Clapper, bestehen darauf, das es allenfalls Vermutungen und Hinweise, aber keinerlei Beweise für einen russischen Hack gäbe, dazu kommen von namhaften Zeugen, wie der ehemaligen UK-Botschafter Craig Murray und Julian Assange, die darauf schließen lassen, dass es sich gar nicht um einen Hack, sondern um ein Leak handelt. Dennoch wird die Story in den Großmedien weiter und weiter gekocht, die scheinbar nicht einmal merken, wie sie sich mit dieser Dauerproduktion von Fake News immer weiter in die Bredouille bringen als selbst ernannte Verbreiter von Real News.

Wie das hierzulande abläuft hat Kollege Paul Schreyer gerade sehr schön am Beispiel der FAZ demonstriert, die aus vagen “Hinweisen auf russische Angriffskampagnen”, die der deutsche Verfassungsschutz in einem Newsletter veröffentlichte, in einem Leitartikel auf der ersten Seite “präzise Erkenntnisse” macht,  “dass Cyberangriffe auf deutsche Politiker und politische Institutionen wie den Bundestag vom russischen Staat geführt werden.” Ein Lehrstück, wie kluge Köpfe mit Fake News hinters Licht geführt werden – vorgegeben von den transatlantischen Spin-Doktoren, die diese Story ad nauseam  als Real News nur deshalb durchpeitschen, weil sie damit 37 Wahlmänner des “Electoral College” beeinflussen wollen, ihre Stimme am 19.Dezember nicht für Trump abgzugeben – gegen das Votum ihrer Wähler, denen sie den Platz in diesem Gremium verdanken.  Was die “Yankees” da genau vorhaben hat der stets gut informierte  Blog “Moon of Alabama” zusammengefasst:

Weitere Details dazu und  Links hier.  Was los wäre, wenn bei umgekehrtem Wahlausgang die Cowboy-Fraktion solche Versuche unternommen hätte, die Wahl nachträglich zu manipulieren, kann man sich vorstellen. Ich wage aber die Prognose, dass die “Yankees” damit nicht durchkommen – dazu ist der Nonsens dieses Fakes einfach zu durchsichtig.

Die vorherigen Folgen dieser kleinen Serie hier

12
Dec, 2016

“It’s a leak, not a hack!”

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Hat der laufende Irrsinn seit der Trump-Wahl irgendwie den Turbo eingelegt ? Es scheint so, denn anders als mit einem bizarren Hyper-Modus kann man kaum erklären, was Medien und Politik derzeit produzieren:  Großwarnungen vor  dem “postfaktischen Zeitalter” und “Fake News” einerseits – bei gleichzeitig permanenter Großproduktion derselben durch Verbreitung der Verschwörungstheorie, dass die US-Wahlen durch russische Hacker manipuliert worden seien.  Dass die von Wikileaks publizierten emails der demokratischen Parteizentrale Hillary Clinton geschadet haben ist zwar ziemlich sicher,  aber weder handelte es sich dabei um “Fakes” – keines der von Wikileaks seit zehn Jahren publizierten Dokumente hat sich bisher als Fälschung erweisen – noch liegt bis heute irgendein Belege vor, dass die Daten gehackt wurden,  dass es sich bei den Hackern um russische Staatsbürger handelt und dass sie gar im Auftrag ihrer Regierung gehandelt haben. Die gesamte story beruht einzig auf Behauptungen von  anonymen “senior officials” der CIA  und “17 US intelligence agencies” , doch selbst wenn es nächste Woche alle 24 Schlapphut-Dienste der USA wären  und nochmal hunderte Artikel und Sendungen mit demselben Geschwalle durchgenudelt werden, wird es davon nicht wahrer. Dass der Kreml bestreitet, mit der Sache zu tun zu haben – geschenkt; dass Julian Assange mehrfach klargestellt hat, dass die Quelle der Mails keine russische sei, ist  dagegen schon deutlich schwerwiegender, zumal wenn ein weiterer, sehr glaubwürdiger Zeuge – der Universiätsprofessor und ehemalige britische Botschafter in Usbekistan Craig Murray – Assanges Aussage explizit bestätigt. Murray hat die Quelle der DNC-Mails persönlich getroffen und sagte es sei ein Insider gewesen.  Der “Guardian” brachte dieses Zitat Murrays am Sonntag für drei Stunden auf der Startseite, um den Artikel dann schnell mit einem “passenden” zu ersetzen, der die Russenstory weiterspinnt. Craig Murray sagte:

“I’ve met the person who leaked them, and they are certainly not Russian and it’s an insider. It’s a leak, not a hack; the two are different things. If what the CIA are saying is true, and the CIA’s statement refers to people who are known to be linked to the Russian state, they would have arrested someone if it was someone inside the United States. America has not been shy about arresting whistleblowers and it’s not been shy about extraditing hackers. They plainly have no knowledge whatsoever.”

Craig Murray war 2004 von seinem Job als Botschafter zurückgetreten, nachdem er den massenhaften Herointransport über die afghanisch-usbekische Grenze dokumentiert hatte, die Blair-Regierung aber nicht dagegen einschritt, weil sie ihren Warlord General Dostum damit finanzierte ( in “Die Drogenlüge” habe ich ausführlich darüber geschrieben) – der Mann kennt sich aus im “deep state”. Ebenso wie Edward Snowden, der schon im Juli mitteilte, dass die NSA den DNC-Hack durchaus attributieren kann, also weiss wohin die Datenpakete gegangen sind.  Ein weiterer NSA-Whistleblower, William Binney, sagte dasselbe.

Diese namhaften Zeugen und Sachverständigen müssen nicht zwingend recht haben, aber vertrauenswürdiger als die notorisch anonymen “senior officials”  der CIA sind sie allemal. Und wenn selbst schon der für ein Ministeramt im Trump-Team gehandelte Neocon (und somit False Flag Spezialist) John Bolton laut “False Flag” ruft, sollte man den russsichen Hack definitiv in die Tonne treten. Aber nein, die Spindoktoren sind im Hyper-Mode und stricken das Garn jetzt auch nach Europa und Deutschland weiter: der böse Dr.Putin und seine Cyberarmeen planen auch hier den Umsturz. „Es ist schon jetzt absehbar, dass von Russland gesteuerte Online-Medien Fehldeutungen und Falschinformationen verbreiten. Das ist die Spitze des Eisbergs. Damit soll unser Land destabilisiert und die AfD gestärkt werden.“ Nötig seien „Qualitätsmedien“,  so FDP-Chef-Lindner .Letzterem stimmen wir vollen Herzens zu, sobald dieselben aufhören, uns nicht nur permanent Fehldeutungen und Falschinformationen zuzumuten, sondern auch 100-prozentigen Bullshit wie diesen Russenhack für “Qualität” halten.

27
Aug, 2016

Das Schachbrett des Teufels

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Talbot-DullesVor einigen Jahren wurde ich eingeladen, in der Kunsthalle Bonn bei der Veranstaltung  “Hinter den Spiegeln – Zur Kultur des Spiels und der Schönheit des tiefen Denkens” einen Vortrag zum Thema “Schach und Paranoia” zu halten. Das nahm ich gerne an, denn es ging  dabei um einen der großen Helden meiner Jugend, Bobby Fisher, und um die Tatsache, dass Skepsis gegenüber dem Offensichtlichen, permanenter Verdacht und Unglaube gegenüber der Realität auf dem Brett und Hypothesen über mögliche Fallen, Hinterhalte und Verschwörungen zu den Kernkompetenzen des Schachspielers gehören. Und dass es wohl kein Zufall ist, dass die vielleicht größten Jung-Genies der gesamten Schachgeschichte, Bobby Fisher und sein Lieblingsspieler Paul Morphy (1832-1884), im späteren Leben krankhaftem Verfolgungswahn anheim fielen.

An diese dunkle Seite des Schachs, den autistischen, soziopathischen, paranoiden Schatten, mußte ich denken, als ich jetzt zum zweiten Mal die Lebensgeschichte eines Mannes las, der auch ein begeisterter Schachspieler war, dem aber ein Brett nicht ausreichte, sondern der die ganze Welt als Spielfeld betrachtete: Allen Dulles, der Vater der CIA, Anwalt der Wall Street und Meister der verdeckten Operationen, der mit seinen Zügen das 20. Jahrhundert so massiv beeinflusste wie kaum ein anderer Player auf der Bühne der Macht. David Talbot hat mit dem soeben auf Deutsch erschienenen Buch “Das Schachbrett des Teufels – Die CIA, Allen Dulles und der Aufstieg Amerikas heimlicher Regierung”, nicht nur die defintive Biographie des legendären Spionagechefs geschrieben, sondern darüber hinaus eine  Chronographie der geheimen Machtpolitik des 20. Jahrhunderts. Von den Verhandlungen in Versailles, in die Allen und sein Bruder John Foster eingebunden waren, über die Nazi-Zeit und den 2. Weltkrieg, in der sie für die US-Investitionen in Deutschland zuständig waren, und im Kalten Krieg, in dem Allen als CIA-Chef und sein Bruder als Außenminister die Außenpolitik der USA  als Privatangelegenheit der Dulles-Familie und ihrer Konzernbosse betrieben. Und während der große John Foster auf der Kanzel salbungsvoll von “Demokratie” und “Freiheit” predigte, inszenierte der kleine Allen hinter der Bühne die politischen Morde, Terroranschläge und “regime changes”, die zur Verbeitung dieser “Werte” erwünscht waren – von Guatemala bis Iran,  von Puerto Rico bis Frankreich, von Kuba bis Italien.

Dieser distinguierte Pfeifenraucher und Schachspieler im Tweedanzug bewegte sich auf jedem Parkett mit gewinnender Freundlichkeit und schien insofern als das Gegenteil eines Soziopathen, doch es gab nichts und niemanden, den er nicht für seine Zwecke instrumentalisierte. Hinter der Maske des “Gentleman” Allen Dulles steckte ein nahezu empathieloses, gefühlskaltes Wesen, das andere Menschen ohne mit der Wimper zu zucken in den Tod schickte, wenn es ihm “nützlich” schien. “Useful” war sein Lieblingswort, bekundeten seine Frau und seine Geliebte, die für ihn auch nichts anderes waren als eben dies. So wie die hohen Nazis, mit denen er in seinem Büro in Bern schon während des Kriegs lieber an einer anti-kommunistischen Nachkriegsordnung strickte, statt die Nachrichten über die Judenvernichtung nach Washington durchzugeben; so wie Hitlers Top-Spion Reinhard Gehlen, der zum Aufbau der CIA und danach des BND äußerst “nützlich” war, so wie die anderen Nazis vom Kaliber Klaus Barbie, die er über die “Rattenlinie” entkommen  und in Südamerika einsetzten lies. Und der die Invasion in der Schweinebucht zum Sturz Fidel Castros bewusst mit drittklassigem Personal ausstattete, um sie scheitern zu lassen und den gerade ins Amt gekommen Präsidenten Kennedy zum militärischen Eingreifen zu zwingen. Als JFK dies verweigerte und Dulles dann als CIA-Chef feuerte, unterschrieb er sein Todesurteil. Dass der dunkle Prinz des Kalten Kriegs weiter die Fäden ziehen und auch vor einem Staatsstreich in Amerika nicht zurückschreckte, diese Infamie des teuflischen Schachspielers Allen Dulles hatte JFK nicht auf der Rechnung.

Wie schon “Brothers”, David Talbots Buch über die ermordeten Kennedy-Brüder, ist auch sein Werk über Allen Dulles nicht nur hervorragend recherchiert und dokumentiert, sondern auch überaus spannend geschrieben. Und erzählt mit dem Porträt eines sich über jedem Recht und aller Moral wähnenden Machtpolitikers auch eine verborgene Geschichte des 20 Jahrhunderts, wie sie die von “Siegern” wie Allen Dulles notorisch geschönten Geschichtsbücher noch nicht kennen. Den shouts, claims und Werbesprüchen auf Buchumschlägen  ist ja nur selten zu trauen, der auf der Rückseite diese Buchs aber trifft zu 100 Prozent zu: “Der beste Spionagethriller des Jahres ist keine Fiktion!”

David Talbot:Das Schachbrett des Teufels – Die CIA, Allen Dulles und der Aufstieg Amerikas heimlicher Regierung, Westend-Verlag, 608 Seiten, 28,00 Euro

31
May, 2016

Timothy Leary (1920-1996)

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AsahiTimothyLearyHeute vor 20 Jahren starb Timothy Leary. Letztes Jahr schrieb ich für  das Magazin “Lucy’s” über James Penner’s  Buch: „Timothy Leary – The Harvard Years. Early Writings on LSD and Psilocybin with Richard Alpert, Huston Smith, Ralph Metzner and others“ einen längeren Artikel, hier ein kurzer Auszug:

“Er war der „Staatsfeind Nr.1“ für den US-Präsidenten Richard Nixon – und der Hohepriester und Lehrmeister für die Gegenkultur der 1960er Jahre; er wurde gejagt, gefangen und in Einzelhaft gehalten – und er wurde gefeiert, verehrt und inspirierte die Massen. Er war Provokateur, Politiker und Popstar – und er war Psychologe, Philosoph und Pionier der Bewusstseinsforschung. Dies alle und einiges mehr war Timothy Leary und gäbe es eine Wahl der schillerndsten und einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, das 1920 in Springfield/Massachusetts geborene Multitalent gehörte sicher auf einen der vorderen Plätze. Wobei „umstritten“ noch eines der neutralsten Prädikate wäre, die ihm die Mainstream-Medien anheften. Read more

29
Feb, 2016

Weltpolitik durch Drogenhandel

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McCoy_-_Die_CIA_und_die_Heroin

Ein Frachtflugzeug auf dem Weg von München nach Durban (Südafrika) , muß wegen eines Defekts in Harare (Zimbabwe) zwischenlanden. Als es die Parkposition erreicht, fällt dem Bodenpersonal auf, dass aus dem Frachtraum Blut tropft, wo dann nicht nur eine Leiche gefunden wird, sondern Paletten mit  Geldscheinen – 57 Tonnen südafrikanischer “Rand”. Was klingt wie aus einem Jason Bourne Thriller geschah Mitte Februar und wäre – da die “South African Reserve Bank” den Fund als “diplomatische Fracht” deklarierte und es sich bei dem Toten “wahrscheinlich” um einen blinden Passagier handelte – auch keiner größeren Beachtung wert, zumal die zimbawischen Behörden der Maschine nach einigen Tagen den Weiterflug gestatteten. Doch weil mein Freund und Kollege Daniel Hopsicker nun einmal der Biograph von Barry Seal ist, dem CIA-Piloten u.a. der “Iran-Contra”-Drogenflotte, klingelte es bei ihm, als er entdeckte, dass der Flieger einer Gesellschaft namens “Western Global Airlines” gehörte. Der Nachfolgerin der “Southern Air Inc.”, die zuvor   als “Southern Air Transport” firmierte – und unter sämtlichen Namen für die CIA Drogen, Waffen und andere Schmuggelware transportierte. So wie Barry Seal in den 70ern und 80ern, der einst auf seinem Zielflughafen in Mena (Arkansas) mit einer Ladung Koks und Säcken voller Dollarscheinen landete und aus Versehen verhaftet wurde – zwei Tage später war er wieder frei, nachdem Vizepräsident Bush den jungen Generalstaatsanwalt von Arkansas, einen gewissen Bill Clinton, eingeweiht hatte. Insofern ist es kein Wunder, dass sich bei Daniel Hospicker gewisse Parallelen auftaten und  er über diesen  merkwürdigen Zwischenfall einen Beitrag in seinem Blog verfasste.

Und wie es der Zufall will bringt am Tag, wo ich dies lese,  die Post das Buch vorbei, das mir vor einem Vierteljahrhundert die Augen für eine Realität öffnete, die ich bis dahin für ein unbestätigtes Gerücht, eine Verschwörungstheorie gehalten hatte: die Drogengeschäfte der CIA. Doch “The Politics of Heroin:  CIA Complicity in the Global Drug Trade” von Professor Alfred McCoy  belehrte mich eines Besseren. Nicht nur wegen seiner peniblen Dokumentation der Drogengeschäfte in Laos, Kambodscha und Vietnam einschliesslich des Transports durch die CIA-eigene “Air Amercia”, sondern auch wegen der massiven Behinderungen der Veröffentlichung durch den Geheimdienst. 2003 brachte Zweitausendeins eine stark erweiterte Fassung der einstigen Dissertation des Yale-Studenten Alfred McCoy auf Deutsch heraus, die  zu einem Jahrzehnte überspannenden Lebenswerk dieses Historikers gewachsen ist. Von den Opiumkriegen in China über Vietnam bis zum aktuellen Drogenhandel in Afghanistan und Mexiko zeichnet er das gigantische globale Geschäft nach und die Rolle die es bei der Finanzierung von Warlords, Milizien und Terroristen spielt. Seit langer Zeit vergriffen ist dieser Klassiker jetzt im Westendverlag wieder erschienen.  Wer den Wahnsinn des internationalen “War On Drugs” verstehen will muss dieses Buch lesen. Alfred Mc Coy: “Die CIA und das Heroin – Weltpolitik durch Drogenhandel”, Westendverlag, 760 Seiten, 24,00 Euro

(Update: Ein längerer Auszug aus dem Buch auf telepolis)

30
Oct, 2015

Selbst denken nicht erwünscht

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Zu der im Update zum letzten Posting bereits erwähnten Hexenjagd auf den “Verschwörungstheoretiker” Daniele Ganser hat Marcus Klöckner ein Interview mit dem Kultur,- und Wahrnehmungswissenschaftler David Hornemann von Laer geführt, der Ganser zu seinem Vortrag  “Fakten, Meinungen, Propaganda – Wie mache ich mir selbst ein Bild?”an die Uni Witten eingeladen hat.  Dass die lokale SPD, Grüne und Piraten in einem offenen Brief dagegen protestierten und die Ausladung des Wissenschaftlers forderten markiert einen neuen Tiefpunkt in der Anwendung der einst nach dem Mord an JFK von der CIA empfohlenen Methode,   “Verschwörungstheorie”  als psychologischen Kampfbegriff im Rahmen des öffentlichen Warhnehmungsmanagments einzusetzen. Seitdem reicht der Einsatz dieser Waffe um jeden Diskurs zu beenden und jeden vermeintlichen Vebreiter von Verschwörungstheorien als unseriös und gefährlich erscheinen zu lassen.

Nach 9/11 kam es zu einem Großeinsatz der Diffamierungsvokabel, als GW Bush vor der UNO verkündete:  »Wir müssen die Wahrheit über den Terror aussprechen. Lasst uns niemals frevelhafte Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit den Anschlägen des 11. September tolerieren, boshafte Lügen, die bezwecken, die Schuld von den Terroristen selbst abzulenken, weg von den Schuldigen.« Seitdem gilt jeder Zweifel an der innerhalb von 45 Minuten festgestellten Haupttäterschaft Osama Bin Ladens als boshafte Lüge, und wer solche Zweifel öffentlich äußert wird als frevelhafter “Verschwörungstheoretiker” diskreditiert und aus dem Verkehr gezogen. Wie einst die “Ketzer”, die an den Dogmen der heiligen Kirche zweifelten, oder wie der langjährige Radiomoderator Ken Jebsen, der zum 10. Jahrestag der 9/11-Anschläge einen solchen Zweifler – yours truly – nicht nur ausführlich im öffentlich-rechtlichen Radio zu Wort kommen lies, sondern dem Gespräch auch noch eine knackige Einleitung  (Happy Birthday Terrorlüge) vorausschickte.

Anders als im Mittelalter aber läßt sich Kritik an hochheiligen Dogmen heutzutage nicht mehr so einfach aus,- oder abschalten, selbst wenn sie aus dem Mainstream verbannt wird. Jebsen erzielt mit  “Ken FM” mittlerweile höhere Quoten als seinerzeit im RBB (hier ein ausführliches Interview mit ihm dazu), und ich kann – seit ich als angeblicher “Verschwörungstheoretiker” für die Großmedien tabu bin –  keinesweges über mangelndes Publikumsinteresse oder niedrige Buchauflagen klagen.  Ähnliches gilt auch für Daniele Ganser, den man zwar aus den heiligen Hallen der Wissenschaft verbannen konnte, nicht aber aus den Vortragsälen und Bestsellerlisten.

Eben diese Erfolge und die Tatsache, dass die Deutungshoheit der Mainstreammedien passé ist, führen nun offenbar dazu, dass auch ehemalige Sozis und Linksalternative völlig hemmungslos dem CIA-Sprech “Verschwörungstheorie” frönen. Und wenn – wie etwa in Gansers Publikationen  – keine solche Theorie zu entdecken ist, dann wird der Vorwurf über Kontaktschuld hergestellt: hat Ken Jebsen Interviews gegeben, der wiederum ja auch schon mal bei den Montagsmahnwachen aufgetreten ist, wo wiederum auch schon mal dubiose ChemTrail-Gläubige auftraten und Pegida-Fans gesichtet worden sein sollen… also alles klar, alles Nazis, alles neurechte “Querfront”, alles pfui…

Derlei dumpfe Einfalt ist nicht allein auf die NRW- Provinz beschränkt, sondern zieht sich quer durch die Republik und den Blätterwald von FAZ bis taz, die offenbar allesamt den Schuss noch nicht gehört haben. Auch dass nach einer neuen repräsentativen Umfrage 44 % der Deutschen dem Vorwurf “Lügenpresse” zustimmen (aber nur 10 % den anderen Pegida-Parolen) wird wohl nichts daran ändern, dass die bornierten Köpfe in den Redaktionsstuben weiterhin fest daran glauben, dass sie doch alles richtig machen und die Leute, die ihnen nicht mehr glauben, einfach nur bescheuert sind. Weil aber nun einmal jeder, der bereit ist, sich nur für 1- 2 Stunden mit 9/11 zu befassen und selbst zu denken, nicht anderes kann, als in der Story von Osama und  den 19 Teppichmessern eine unermittelte, unbewiesene “Verschwörungstheorie” zu erkennen, muß jeder kritische Blick auf das Verbrechen des Jahrhunderts und das Versagen der Medien tabuisiert werden. Selbst denken ist und bleibt nicht erwünscht…

16
May, 2015

Osama und die CIA-ISI-GID-Connection

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16.05.15 16:14-BildschirmkopieDass der jüngste Report von Seymour Hersh “ein wenig Licht” in die mysteriöse Geschichte um die Ermordung Osama Bin Ladens bringen könnte, wenn auch keine wirkliche Aufklärung und schon gar nicht einen Beweis für seine 9/11-Täterschaft, hatten wir schon kurz angemerkt. In den USA ist der Reporter, weil er seine entscheidenden Informanten nur anonym zitiert, schwer unter Beschuss geraten, “völliger Unsinn”  sei das, sagte ein CIA-Sprecher und das Weisse Haus monierte “zahlreiche Ungenauigkeiten”. Hersh seinerseits reagierte auf die Kritik äußerst unwirsch – wie man seinen Antworten auf die  (auch eher dümmlichen) Fragen eines “Slate”-Journalisten entnehmen kann. Dass die Kritiker jetzt  auch die Investigativ-Koryphäe Hersh  in die Schmuddelecke “Verschwörungstheorie” stellen wollen, scheint dem  mittlerweile automatischen Reflex geschuldet, mit denen jeder Überbringer von Nachrichten über Staatsverbrechen gegen die Demokratie diffamiert wird. Tatsächlich könnte Hershs Version, nach der Bin Laden seit 2006 unter Aufsicht des pakistanischen Geheimdiensts ISI stand, der Realität zumindest ein Stück näher zu kommen, auch wenn ein nachvollziehbarer Beweis, dass es sich bei der in Abottabad ermordeten und dann seebestatteten Person wirklich um Bin Laden handelte nach wie vor fehlt. Deutlicher als zuvor aber wird mit Hershs Story, dass der angebliche Weltfeind Nr. 1 kein autonomer Terrorist, sondern eine Figur unter der Kontrolle der Geheimdienste war.

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5
Mar, 2015

Nichts als die Wahrheit

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Wo wir’s doch gerade mit der Diskurshygiene in der Konsensfabrik hatten, kommt die Nachricht aus dem New Scientist, dass Google das Ranking seiner Suche nicht mehr nach Links und Popularität, sondern nach “Fakten” ausrichten will:

“The software works by tapping into the Knowledge Vault, the vast store of facts that Google has pulled off the internet. Facts the web unanimously agrees on are considered a reasonable proxy for truth. Web pages that contain contradictory information are bumped down the rankings.”

Das “Ministerium für Wahrheit” ist also in der Mache und wir dürfen gespannt sein, was der Suchmonopolist mit seinen Freunden von der CIA  da bastelt. Es wäre ja schon interessant, die wahren  “Fakten” über T-TIP, oder über 9/11 oder über die jüngste “Invasion” Russlands ganz schnell zu finden. Haben die Algorithmen-Wizzards bei Google tatsächlich eine “Fact Check”-Methode entwickelt, die zwischen Behauptung und Tatsachen unterscheiden und  Wahrheits-Wahrscheinlichkeiten berechnen kann ? Natürlich nicht…denn am Ende käme, wie bei Douglas Adams, sowieso nur “42” raus…

“Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners” – Heinz von Foersters Bonmot hatte ich 2002 meinem ersten Buch über die Verschwörungen und Verschwörungstheorien des 11.9. als Antidot vorangestellt, um deutlich zu machen, dass es sich beim Folgenden bei aller Akribie der Recherche nicht um die “Wahrheit” über diese Verbrechen handelt, sondern um eine Interpretation der als “Wahrheit” dargebotenen Fakten. Viele und entscheidende dieser Fakten waren  bei meinem “Fact-Check” durchgefallen – so wie zum Beispiel Hani Hanjour beim Test seiner Flugfähigkeiten, als er sich drei Wochen vor 9/11 eine kleine Cesna ausleihen wollte und nicht einmal eine Acht über dem Flughafen hinbekam, dann aber eine Boeing mit 800 km/h ins Pentagon gezirkelt haben soll. Die Wahrheits-Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei ihm um den Piloten gehandelt hat ging deshalb gegen Null – zumindest bei der Berechnung durch meinen persönlichen Algorithmus. Doch die 9/11-Untersuchungskommission rechnete anders  und benannte Hanjour als Piloten – basierend auf einer Aussage des 182-mal watergeboardeten Khalid Scheich Mohamed .  So steht es als “Fakt” mittlerweile in jedem Lexikon und gilt als historische Realität. Auch für die “Wissensgruft” von Google. Aktuell listet eine Suche nach Hanjour gleich unter dem Wikipedia-Eintrag einen Beitrag des 9/11-archiv.net über die zweifelhaften Flugfähigkeiten des vermeintlichen “Terrorpiloten”. So soll es sein – und bleiben. Nicht nur was die umstrittenen “Fakten” zu 9/11 betrifft, sondern grundsätzlich und überhaupt…

Zum 10. Geburtstag von Google schrieb ich 2008 in der taz:

“Auch wenn mittlerweile ganze Branchen versuchen, sich mit Suchmaschinenoptimierung in der Google-Anzeige nach oben zu manipulieren, lebt und gedeiht Google deshalb, weil es aus der nahezu unendlichen Vielfalt des World Wide Web auf mein Suchwort hin immer noch eine Vielfalt herausfiltert – und keinen Einheitsbrei aus Mainstream und Kommerz. Dass schon die schiere Größe und Marktmacht von Google dafür sorgen wird, dass dieser Brei mehr und mehr wird, dass sich die Firma in China und anderswo auf Zensur-Kompromisse mit Regierungen einlässt, dass niemand wirklich weiß, wie viel NSA, CIA und andere Dienste auf den Google-Servern abzapfen oder manipulieren?Auch kritische Google-Watcher, die solche Thesen vertreten, benutzen natürlich Google, denn kein Konkurrent, auch solche, die mit viel Geld und Getöse gestartet sind, konnte Google bisher das Wasser reichen. Das kann man beklagen oder aber schlicht feststellen, dass sich Gutes eben durchsetzt. Bis es von Besserem abgelöst wird. Und bis dahin werden wir googeln.”

Wenn diese Vielfalt nun durch CIA-geprüfte “Fakten” ersetzt wird, ist es wohl Zeit, es endgültig sein zu lassen…

30
Jan, 2015

GroKo will von Folter nichts mehr hören

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17.12.14 20:36-BildschirmkopieDer Bundestag hat heute einen vom Grünen-Abgeordneten Christian Ströbele angeregten Antrag zur Übermittlung des vollständigen und ungeschwärzten CIA-Folterreports abgelehnt. Seit gut einer Woche liegt der Bericht komplett in deutscher Übersetzung vor, sodass sich jeder hierzulande ein genaues Bild machen kann über die brutalen Foltermethoden und das unvorstellbare Ausmaß an Verstößen gegen nationales und internationales Recht (etwa gegen die UN-Antifolterkonvention) durch die US-Geheimdienste.

Wolfgang Neškovic , ehemaliger Bundesrichter und Herausgeber der deutschsprachigen Ausgabe des CIA-Folterreports, kommentierte den Beschluß des Parlaments empört:

„Dieser Beschluss zeigt, dass die Regierungsfraktionen den politischen Konflikt mit den USA scheuen. Die Ablehnung des Antrages durch die Regierungsfraktionen beweist, dass die parteiübergreifende Verurteilung der Folterpraxis der CIA in der Aktuellen Stunde am 17. Dezember im Bundestag nur leeres Geschwätz war. Darüber hinaus nährt das Verhalten der Regierungsfraktionen den Verdacht, dass der ungeschwärzte, vollständige Bericht Belege über mögliche Beteiligungen deutscher Sicherheitsbehörden beinhalten könne. Der Hinweis, dass schon der Generalbundesanwalt den vollständigen Bericht angefordert hat, ist offenkundig vorgeschoben. Es liegt auf der Hand, dass die Anforderung des Berichts durch das Parlament ein qualitativ anderes politisches Gewicht hat als die Anforderung durch den Generalbundesanwalt.“

Einmal  mehr also Bückling vor dem Imperium in Washington – und ein Bärendienst für das, was sich USA/NATO/EU bei ihren Kriegen stets auf die Fahne schreiben: “Menschenrechte”

 

18
Jan, 2015

Eine neue Inquisition

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17.12.14 20:36-BildschirmkopieHeute die Fortsetzung des Artikels “Die Königin der Folter” :

“Er würde es jederzeit wieder tun, hatte Ex-Vizepräsident Dick Cheney die Veröffentlichung des Senatsreports über die Foltermethoden der CIA kommentiert, der Bericht sei nichts weiter “als ein Haufen Mist” – und wurde mit diesem zynischen Kommentar seiner Rolle als “Darth Vader” des ehemaligen Bush-Regimes einmal mehr gerecht. Tatsächlich sind nicht diese Untersuchungsergebnisse “Mist”, die unter anderem zeigen, dass die Regierung Anweisungen gab, aus bestimmten Gefangenen Geständnisse über eine Verbindung von “Al Qaida” und Saddam Hussein herauszuholen, um einen Kriegsanlass zu produzieren. “Mist” sind vielmehr die mit Folter-Methoden erpressten Erkenntnisse.

Dies ist schon seit 1631 bekannt, als der Jesuit und Schriftsteller Friedrich Spee seine Kritik der Hexenprozesse “Cautio Criminalis” veröffentlichte und die Frage beantwortete, was von solchen Geständnissen zu halten ist:

Welches sind die Beweise derer, die auf der Folter erpressten Geständnisse für wahr halten? – Auf diese Geständnisse haben alle Gelehrten fast ihre ganze Hexenlehre gegründet, und die Welt hat’s ihnen, wie es scheint, geglaubt. Die Gewalt der Schmerzen erzwingt alles, auch das, was man für Sünde hält, wie lügen und andere in üblen Ruf bringen. Die dann einmal angefangen haben, auf der Folter gegen sich auszusagen, geben später nach der Folter alles zu, was man von ihnen verlangt, damit sie nicht der Unbeständigkeit geziehen werden. […] Und die Kriminalrichter glauben dann diese Possen und bestärken sich in ihrem Tun. Ich aber verlache diese Einfältigkeit.

Da wegen dieser Unzuverlässigkeit schon im alt-testamentarischen jüdischen Recht das Geständnis eines Täters keine Beweiskraft hatte, wurden damals weniger die Verdächtigen, sondern eher die Zeugen gefoltert, um mit diesen Geständnissen externe Beweise für die Schuld des Verdächtigen zu erlangen. Auch die “Heilige Inquisition”, deren Verfahren Friedrich Spee beobachtete, optimierte mit solchen Geständnissen ihre “Quellenlage” und fütterte auf diese Weise ihre Fiktionen von Hexen, Zauberei und Teufeln mit “realen” Beweisen und Dokumenten. Wer die jetzt veröffentlichten Protokolle der Folter von 119 Gefangenen in CIA-Gewahrsam liest, kann den Eindruck bekommen, dass es bei diesen brutalen Verhören eben darum ging: Wie einst auf diesen erfolterten Geständnissen “die Gelehrten fast ihre ganze Hexenlehre gründeten”, so gründete die CIA ihre “Lehre” von Al Qaida – die im 9/11-Report dargelegte Geschichte von Osama Bin Laden und 19 “Hijackern” als Alleintätern und globale Gefahr – fast ausschließlich auf den Geständnissen des “Kronzeugen” Khalid Scheich Mohamed (KSM) beruht.”

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24
Sep, 2014

The Rocky Horror Kalifat Show

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24.09.14 16:10-BildschirmkopieDa hat sich das Putin-Bashing doch schon gerechnet – das Pentagon bestellt Atomwaffen für eine Billion Dollar, das nukleare Wettrüsten geht in eine neue Runde. Und auch das konventionelle Kriegsgerät wie das Milliardengrab F22 Raptor kann dank Aufrüstung der vermeintlich aus dem Ruder gelaufenen IS-Milizen und ihrer Rocky Horror Kalifat Show endlich live getestet und verheizt werden. Schon vor vier Wochen hatten wir ja hier vermerkt, dass es sich bei ISIS einmal mehr um eine CIA-Veranstaltung handelt, die ihm Rahmen des “Global War On Terror” läuft, für dessen permanente Fortsetzung ständig neue Terrormonster fabriziert werden müssen. Nachschub für ISIS ist schon in Vorbereitung, neue “moderate” Terroristen, die gegen die Assad-Regierung vorgehen sollen, werden derzeit ausgebildet – darunter auch Kämpfer aus Georgien und China. Thierry Meyssan schließt aus dieser Konstellation wohl nicht zu Unrecht, dass die islamistische Horrorshow “Kalifat” nicht auf die Levante als Spielort begrenzt bleiben soll, sondern von den Veranstaltern perspektivisch  auf Tournee nach Russland und China geschickt werden soll.

Dass  diesen mörderischen Zirkus vor Ort  kaum noch jemand für authentisch hält,  sondern für ein Produkt und Werkzeug made in USA, mußte jetzt auch schon die “New York Times” feststellen, und der TV-Komiker Jon Stewart annoncierte die jüngsten Bombardements in Syrien als “iphone 6 der Kriege” : ” It’s expensive, a little bigger, a little more unwieldy than you thought it would be. It’s gonna be at least a two-year commitment.” Read more

23
Jun, 2014

Divide Et Impera

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23.06.14 17:05-Bildschirmkopie

Hier sehen wir die neuesten Aktivkräfte des Imperiums,  Department “Divide Et Impera” (Teile und Hersche), ausgestattet mit “Zara”-Outdooor-Outfit, “Nike”-Sneakers,  1a “Toyota”-Pickups und neuen Sturmgewehren – unterwegs die Region zu balkanisieren, auf dass in Zukunft kein autonomer, starker Irak entstehe, sondern eine Reihe von Zwergstaaten sunnitischer, shiitischer und kurdischer Prägung, die in gegenseitigem Clinch liegen und auch Syrien weiter zu destabilisieren. Was natürlich auch dafür sorgt, dass weitere “sichere Häfen” für  “Terroristen” entstehen und der globale “War On Terror” weiter geführt werden kann.

Dass die martialischen Krieger auf dem professionellen Werbefoto uns von den Medien derzeit als die gefährlichsten Djihadisten aller Zeiten präsentiert werden, die quasi aus dem Nichts aufgetaucht seien und jetzt mal mir nichts dir nichts den halben Irak erobern ist natürlich – wie meistens wenn es um Terror geht – gequirlter Bullshit. Denn wie meistens wenn es um Terror geht sind auch diese “heiligen Krieger” Geschöpfe der CIA. Sie waren eigentlich nur dazu gedacht, die Regierung Assad in Syrien zu stürzen, der sich dem Pipeline-Projekt von BP, Katar und Saudi-Arabien verweigerte, die das enregiehungrige Europa gerne über das Mittelmeer versorgen würden. Stattdessen  zog Assad den Bezug von russischem Erdgas vor und die  Verlängerung der schon in die Türkei führende “Blue Stream” -Pipeline ans Mittelmeer – und als das feststand, traten MI-6 und CIA den Bürgerkrieg los, mit ihren bewährten Hilfskräften aus der Abteilung “Heiliger Krieg”. Finanziert werden die Terrorgruppen seit Jahren von den Feudalherren in Riad und Katar – sind also keineswegs aus dem Nichts aufgetaucht, wie uns die Medien suggerieren. Allenfalls haben sie sich jetzt ein wenig selbstständig gemacht – operieren aber durchaus weiterhin im Sinne des Pentagon. Pepe Escobar weiß  – mal wieder – mehr dazu.

24
Apr, 2014

The CIA and the Media

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24.04.14 17:19-BildschirmkopieUnd sie lügen natürlich auch in Sachen Ukraine was das Zeug hält. Doch offenbar gibt es mittlerweile immer weniger Menschen, die USA und NATO für eine große Friedensbewegung halten und deren jeweils aktuelles Ziel für das Reich des Bösen schlechthin. Außer 95 % aller Journalisten und Politiker, die als Stenographen und Sprachrohre dieses Lügengeschäfts fungieren – und sich gerade wundern, warum es immer noch soviele “Putinversteher” in der deutschen Bevölkerung gibt, obwohl sie uns Wladimir den Schrecklichen doch seit Monaten als aggressiven russischen Untermenschen porträtieren, dem dringend mit Gewalt Einhalt geboten werden muß. Und nicht nur die notorischen Kriegstrommler der Springer(stiefel)-Presse haben den Turbo in Sachen Mobilmachung und Wehrertüchtigung angeworfen, auch die einst anti-militaristische taz beklagt, dass der “Antiterrorkampf” in der Ost-Ukraine “stecken geblieben” sei und fordert von der Putschregierung robusteres Eingreifen: “Kiew hat keine Eier in der Hose”, und auch die öffentlich rechtlichen Anstalten – qua Zwangsgebühr gesetzlich eigentlich zu objektiver Berichterstattung verpflichtet – tröten derart ungeniert ins Propagandahorn, dass es nicht nur gestandenen Russland-Experten wie der ehemaligen ARD-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz den Magen umdreht.

Wer sich fragt, warum die Medien tun was sie tun, kann in einer berühmten Recherche “The CIA and The Media” fündig werden, die der mit den “Watergate”-Enthüllungen bekannt gewordene Carl Bernstein 1977 durchführte. Er kam damals auf 400 Journalisten, die im Auftrag und mit Unterstützung des US- Geheimdiensts tätig waren. Dass es in den letzten 37 Jahren weniger geworden sind – und dass der wichtigste Satellitenstaat der USA in Europa, Deutschland – von dieser Infiltrierung ausgenommen ist, ist nicht anzunehmen, zumal mittlerweile ja sogar sämtliche Kommunikation von der Kanzlerin abwärts durch die US-Dienste abgesaugt wird. Vor einem Jahr noch, vor Edward Snowden, wäre  Letzteres von der Camarilla der “seriösen” Medien noch  haarsträubend als “krude Verschwörungstheorie” und “Anti-Amerikanismus” abgetan worden – und den Vorwurf, dass sie CIA-Propaganda betreiben weisen die Kollegen natürlich mit Inbrunst zurück, als “krude Verschwörungstheorie”.  De facto ist das aber keine Theorie, sondern eine real exisitierende Verschwörung, die Bernstein schon 1977 nachgewiesen hat und die nach wie vor blüht und gedeiht. Wer das für ein “anti-amerikanisches” Gerücht hält, macht sich etwas vor.

“Ja aber Mathias, so darf man nicht denken, das machen nur die Rechten, die von “Monopolmedien” oder “Systempresse” reden, wie es schon Hitler und Goebbels getan haben”, meinte unlängst ein guter Journalisten-Freund. Wozu mir nur  einfiel, was Nietzsche mal so (oder so ähnlich) geschrieben hat: “Um der Wahrheit willen muß man auch in die Jauchegrube hinabsteigen.”  Also: wenn es stimmt und wahr ist, was Bernstein aufgedeckt hat, wird es nicht falsch, weil irgendwelche Holocaust-Leugner sich auch darauf berufen. Nur weil Adolf Vegetarier war,  muß man ja um politisch korrekt zu bleiben auch nicht dauernd Fleisch essen.

Und dass Bernsteins Investigation tatsächlich aktueller denn je ist und das “paper of the record”, die vermeintlich seriöseste aller seriös genannten Zeitungen, die New York Times, mal wieder an vorderster Propagandafront mit dabei ist, ist leider Fakt. Um zum Irakkrieg zu hetzen, hatte sie auf ihrer Titelseite Aluminiumröhren als Massenvernichtungswaffen verkauft, und jetzt einen bärtigen Guerillero, der angeblich in Putins Auftrag in der Ostukraine Unruhe stiftet und zuvor schon in Georgien gekämpft haben soll – was keine 24 Stunden später als schlechter Photoshop-Job aufflog. Wobei Spül-Online diese aufgeflogenen Propagandalüge nun natürlich nicht zum Anlass tiefergehender Recherchen nimmt, sondern in bester Dünnsäureverklappungsmanier sofort zurückschlägt: Der Kreml lügt besser!

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