19
Feb, 2014

Sucht und Ordnung (2)

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Drogenlüge-Cover-1In Italien hat das höchste Gericht die in den 90er Jahren verschärften Gesetze gegen Cannabis für verfassungswidrig erklärt, tausende danach Verurteilte müssen jetzt aus den Gefängnissen entlassen werden. In Uruguay und den ersten beiden US-Bundesstaaten ist Cannabis vollständig legalisiert, weitere Staaten werden in den USA und auf der Welt in absehbarer Zeit folgen. Das Zeitalter der Prohibition scheint nach einem Jahrhundert langsam aber sicher zu Ende zu gehen. In meinem 2010 erschienen Buch “Die Drogenlüge” habe ich über die Ursachen geschrieben, die wider alle Vernunft den “Krieg gegen Drogen” weiter am Laufen halten – und im letzten Kapitel unter dem Titel “Sucht und Ordnung” einen Ausblick auf eine Welt jenseits der Prohibition gewagt, die im 19. Jahrhundert ja schon einmal schon existierte und im 21. Jahrhundert wieder geschaffen werden muss:

Teil 1 von “Sucht und Ordnung” ist gestern erschienen und endete mit der Beschreibung der Drogenfachgeschäfte der Zukunft. Hier folgt Teil 2:

Der oberste Stock des Drogenkaufhauses in Berlin-Mitte wird nicht nur wegen des gläsernen Halbrunds seiner Dachkuppel »Tempel« genannt, denn hier geht es um die entheogenen Drogen, die Pflanzen der Götter, deren Ächtung durch das monotheistische Patriarchat einst den Beginn des Kriegs gegen Drogen markierte. Anders als in den anderen Abteilungen der Drogenfachgeschäfte, wo erwachsene Erstkonsumenten nach einem Beratungsgespräch die Droge ihrer Wahl sofort kaufen können, müssen sie hier an einem Einführungskurs teilnehmen. Wie bei den Mysterien von Eleusis, deren Teilnehmer sich einer mehrwöchigen Vorbereitung unterziehen mussten, werden die Initianten auch heute auf die überwältigenden, möglicherweise mystischen Erfahrungen vorbereitet, die eine Sitzung mit LSD, Psilocybin oder Ayahuasca mit sich bringen kann. Sie werden über die Bedeutung von »set & setting« für eine solche innere Reise informiert – die psychische Befindlichkeit der eigenen Person, eine geeignete Umgebung sowie erfahrene, liebevolle Begleitung– und über alles, was für die Navigation im Weltraum der Seele wichtig ist. So ausgestattet, werden sie zum Abschluss dieses »Führerschein«-Kurses auf die verschiedenen Möglichkeiten verwiesen, die erste Erfahrung in einer Zeremonie mit anderen zu teilen.
Trotz Proteste der etablierten Kirchen gegen diese »neo-gnostischen Verirrungen« sind die Behörden dazu übergangen, öffentliche Räume für die immer größeren Zulauf findenden Einweihungsrituale zur Verfügung zu stellen, denen sich am Tag der Demeter zur Herbstsonnenwende mehrtägige Open-Air-Partys anschließen.
Aus der Entheogen-Abteilung der Drogenkaufhäuser werden seit einiger Zeit auch die vom Justiz- und Gesundheitsministerium geförderten »Leary«-Programme versorgt, die sich jetzt erfolgreich der Rehabilitation von Strafgefangenen und der Therapie von Alkoholikern widmen können, nachdem Professor Timothy Learys »Harvard Psilocybin Project« 1963 trotz vielversprechender Ergebnisse vom Bannstrahl der Drogeninquisition gestoppt worden war.
Da die Verkaufspreise in den Drogenfachgeschäften generell unter denen des Schwarzmarktes liegen, aber bei den unter legalen Bedingungen in der Regel sehr preiswert herzustellenden Substanzen dennoch gute Handelsspannen erzielt werden, können die Geschäfte trotz ihres hohen Personal- und Beratungsaufwands nicht nur kostendeckend geführt werden, sie werfen dank der in sämtlichen Drogenpreisen enthaltenen »Vergnügungssteuer« jährlich Milliarden für die öffentliche Hand ab.

Doch noch viel erfreulicher als die Mafiosi und Terroristen vorenthaltenen Milliarden ist die Tatsache, dass die Zahl der unfreiwilligen »Drogentoten« nach dem Ende der Prohibition fast auf null zurückgegangen ist. Ebenso wird in ganz Europa ein deutlicher Rückgang von Straßenkriminalität, Diebstählen und Einbrüchen registriert, seit die Distribution von Drogen über die Fachgeschäfte läuft.
Das von den Verteidigern der Prohibition jahrzehntelang mit Inbrunst an die Wand gemalte Horrorszenario der Drogenlegalisierung – eine in Sucht, Elend und Gewalt niedergehende Gesellschaft – ist natürlich ausgeblieben. Ähnlich wie die westlichen Gesellschaften, die die zuvor jahrhundertelang tabuisierte Sexualität erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Thema der allgemeinen Aufklärung und Bildung machten!– und damit für deutlich freiheitlichere, entspanntere Verhältnisse sorgten–, hat auch die mit der Aufhebung des Drogentabus einhergehende Bildungsoffensive in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts Wirkung gezeigt. Und so wie man den sexuell aufgeklärten Achtklässler nicht mehr mit Schreckgespenstern wie drohendem »Masturbationswahnsinn« beeindrucken kann, lässt sich auch der neuropharmakologisch aufgeklärte Jugendliche von heute nicht mehr mit haltlosen Warnungen vor »Killerdrogen« erschrecken. Aber er hat gelernt, dass das »Mmmmh« beim Genuss von Zucker vom Gehirn immer noch mit einer kleinen Wohlfühldosis körpereigener Drogen belohnt, weil sich das Millionen Jahre alte Steuerungssystem noch nicht auf die menschlich erzeugte Zuckerschwemme der letzten Jahrzehnte ein- gestellt hat– zur Freude von Zahnarztinnung und Insulinproduzenten, doch zum Ärger der Krankenkassen, die für die gigantischen Schäden der Zuckersucht aufkommen müssen und deshalb dafür plädieren, das Werbeverbot für Drogen auch auf Süßwaren auszuweiten.

Die Friedensdividende, die Milliarden an Einsparungen, die das Ende des Kriegs gegen Drogen mit sich gebracht hat und die vor allem im Bereich öentlicher Bildungs-, Erziehungs- und Gesundheitsangebote investiert wurde, hat die Lebensqualität spürbar verbessert. Erwartungsgemäß ist es damit zwar nicht gelungen, problematischen Drogenkonsum vollständig zu verhindern, doch die negativen Folgen wurden sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Umgebung extrem reduziert. Durch die überall angebotenen Entzugs- und Rehabilitationsprogramme und die in den Drogenfachgeschäften zur Verfügung stehenden Alternativen an weniger schädlichen Drogen oder Darreichungsformen nimmt die Zahl der Konsumenten mit »harten« Konsummustern weiterhin ab. Vor allem die Jugendlichen, die über die neurobiologischen und neurochemischen Zusammenhänge ihres Wahrnehmens, Fühlens und Denkens und über die Wirkung bewusstseinsverändernder Substanzen aufgeklärt sind, entscheiden sich – wie die jüngsten Studien übereinstimmend ergeben haben– sehr viel bewusster für eine bestimmte Droge und ihre Wirkung und nicht mehr wie noch im ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts nur fürs Komasaufen.

Auch für die drogenproduzierenden Agrarnationen wie Afghanistan oder Kolumbien, Bolivien, Peru und Mexiko in Mittelamerika hat das Prohibitionsende die Situation entscheidend verbessert: Die Bauern erhalten für die Ernte von Opium oder Kokablättern den- selben oder sogar etwas höheren Preis, den sie auch in der Illegalität bekommen haben, denn der Endverkaufspreis der Drogen in den reichen Ländern ist nur um zehn bis zwanzig Prozent gesunken– die gigantischen Gewinne dazwischen allerdings, die zuvor Warlords und Mafiosi eingestrichen haben, kommen nunmehr der Allgemeinheit zugute. Nachdem sich die internationalen Kontroll- und Prohibitionsbehörden, die über Jahrzehnte den Krieg gegen Drogen ge- führt hatten, zu einer Transformation unfähig zeigten, wurde die internationale Koordination und Aufsicht über der Drogen der UNESCO übergeben; auf nationaler Ebene haben Justiz und Polizei nur noch bei der Überwachung des Straßenverkehrs mit Drogen zu tun, ansonsten obliegt das Thema ausschließlich den Gesundheits-, Kultur- und Bildungsbehörden. (…)

Wenn das natürliche Paradies innerhalb des je eigenen Gehirns zu finden ist – welche Macht kann sich dann herausnehmen, über die Zustände dieses Gehirns zu entscheiden und über die Mittel und Wege, die zu diesen Zuständen führen? Welche Autorität kann sich die Entscheidung darüber anmaßen, wie die Milliarden Neuronen eines individuellen Gehirns schalten und walten? Welche Diktatur kann mein Bewusstsein kontrollieren? Nur eine, an die ich meine Rechte als Steuermann und Navigator des Bewusstseins abgetreten habe – und damit das Recht, über meinen inneren Zustand, über Ruhe oder Schmerz oder Freude oder Erregung autonom und selbst zu entscheiden. Diese individuelle Freiheit zurückzuerobern von den Patriarchen, Priestern, Pharmakraten, Politikern, Polizisten muss Leitbild und Ziel jeder neuro-biologischen Aufklärung und zivilgesellschaftlichen Reform der Drogenpolitik sein.
Hundert Jahre Prohibition haben eindringlich gezeigt, dass dieses Ziel mit Verboten nicht zu erreichen ist. Sie haben stattdessen Probleme heraufbeschworen, die ein friedliches Zusammenleben der Völker in vielen Teilen der Welt immer massiver bedrohen. Ein Ende dieser Spirale von Kriminalität, Krieg und Terror – und damit der zynischen Absurdität, dass deutsche Soldaten die Drogenprofite verbündeter Terrorbrigaden in Afghanistan sichern – kann erst in Sicht kommen, wenn die Ursache dieser Profite, die Prohibition, beseitigt ist. Der Anfang zu dieser internationalen Anstrengung muss in den Köpfen gemacht werden: durch Aufklärung statt Dämonisierung, Fakten statt Desinformation, Risikoabwägung statt Panikmache und präventiver Erziehung statt prohibitiver Repression.

Die Erkenntnis, dass die Prügelstrafe keine geeignete Methode ist, um die Befähigung zum Rechnen, Lesen und Schreiben zu beför- dern, wurde erst in den letzten Jahrzehnten an den Schulen (und in der Rechtsprechung) umgesetzt. Dass für die Erziehung des Umgangs einer Gesellschaft (und jedes einzelnen) mit Drogen dasselbe gilt, diese Umsetzung steht noch aus. Sie ist der erste Schritt, einen nunmehr hundertjährigen barbarischen Krieg endlich zu beenden. Jeder einzelne Staat – unabhängig von allen internationalen Drogenkonventionen!– kann ihn für sich alleine tun, und er kann sofort – unabhängig von langwierigen globalen Verhandlungen über das Ende der Prohibition – damit beginnen.
Das Buch “Die Drogenlüge” ist im nächsten Buchladen oder hier erhältlich.

18
Feb, 2014

Sucht und Ordnung (1)

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Drogenlüge-Cover-1In Italien hat das höchste Gericht  die in den 90er Jahren verschärften Gesetze gegen Cannabis für verfassungswidrig erklärt, tausende danach Verurteilte müssen jetzt aus den Gefängnissen entlassen werden. In Uruguay und  den ersten beiden US-Bundesstaaten ist Cannabis vollständig legalisiert,  weitere Staaten werden in den USA und auf der Welt in absehbarer Zeit folgen. Das Zeitalter der Prohibition scheint nach einem Jahrhundert  langsam aber sicher zu Ende zu gehen. In meinem 2010 erschienen Buch “Die Drogenlüge”  habe ich über die Ursachen geschrieben, die wider alle Vernunft  den “Krieg gegen Drogen” weiter am Laufen halten – und im letzten Kapitel unter dem Titel “Sucht und Ordnung” einen Ausblick auf eine Welt jenseits der Prohibition gewagt, die im 19. Jahrhundert ja schon einmal schon existierte und im 21. Jahrhundert wieder geschaffen werden muss:

 

 

Kann die in einem Jahrhundert zu einem mörderischen Moloch aufgeblähte Prohibitionsmaschinerie mit Appellen an die Vernunft zur Räson gebracht werden? Wir haben gesehen, welche Rolle die durch Prohibition generierten Profite für die imperiale Weltpolitik, die globalen Börsenkurse und das Wachstum der Militär-, Sicherheits-und Pharmaindustrie bedeuten und wie leicht es für das politische Geschäft ist, offene Türen im kollektiven Unbewussten einzurennen und mit der seit fast 4000 Jahren geprägten Angst vor Drogen auf Stimmenfang zu gehen. Angesichts dieser tiefen zivilisationshistorischen Prägungen und der aktuellen Wirtschaftsmacht der Prohibitionsprofiteure wird ein Friedensschluss, ein Ende des Kriegs gegen Drogen, nicht leicht zu erreichen sein. Doch die Katastrophen, die der Drogenkrieg in Afghanistan und im Nahen und Mittleren Osten, in Mexiko und in Südamerika anrichtet, sind mittlerweile so unübersehbar, dass eine internationale Reform des Prohibitionsregimes immer mehr Befürworter findet!– quer durch alle Parteien und weltanschaulichen Lager. Der erste Schritt muss fraglos jener sein, den die Regierung in Portugal seit 2001 gegangen ist: die vollständige Entkriminalisierung des Besitzes und Konsums von Drogen.
Ein Jahrhundert weltweite Prohibition hat gezeigt, dass die Nachfrage nach bewusstseinsverändernden Substanzen mit Strafgesetzen nicht zu verhindern ist, genauso wenig wie ihr Angebot. Theoretisch mag es in einem totalen Überwachungsstaat möglich sein, den Konsum irgendeiner Substanz vollkommen zu verhindern, praktisch ist eine solche gesellschaftliche Entwicklung aber weder vorstellbar noch wünschenswert. Stattdessen gilt es, die einer Zivilgesellschaft angemessene Balance zwischen individueller Freiheit und sozialer Verantwortung zu finden.Dass dies kein aussichtsloses Unterfangen ist, zeigt schon ein kurzer Rückblick in das 19. Jahrhundert, in dem Cannabis, Opium, Morphin, Heroin und Kokain frei verkäuflich und für jedermann erschwinglich waren. Schon unsere Anwesenheit heute zeugt davon, dass unsere Vorfahren damals nicht massenweise der Sucht und dem Elend anheim gefallen sein können, in der zeitgeschichtlichen Literatur des 19. Jahrhunderts findet sich über Drogenprobleme wenig bis nichts. Als »Schlummersaft« und zur Schmerzlinderung stand in jeder Hausapotheke des 18. und 19. Jahrhunderts ein Fläschchen Opiumtinktur bereit. Zur Anregung in besseren Kreisen sorgte der mit Kokain (und einer Empfehlung von Papst Leo) angereicherte Bordeauxwein »Vin Mariani« oder mit Haschisch gemischte Orientzigaretten der Marke Harem, die bis 1920 in Tabakläden erhältlich waren. Auch der Kinder- und Jugendschutz war offensichtlich gewährleistet, dass derart »starker Tobak« den erwachsenen Männern vorbehalten blieb. Dass er dagegen kleinen Jungs nur Angstträume beschert, zeigte zum Beispiel Wilhelm Busch in seinem Comicstrip von »Krischan mit der Piepe« (1864).
Es gibt also durchaus Belege für eine funktionierende, zivilisierte Welt ohne Prohibition, und das in Sachen Zucht und Ordnung ansonsten nicht sehr zimperliche 19. Jahrhundert kann in Sachen Sucht und Ordnung hier als tolerantes Vorbild gelten. Wobei eine erste Einschränkung genau da gemacht werden muss, wo mit der in Schwung kommenden Industrialisierung auch das Zeitalter der massenmedialen Beeinflussung durch Werbung beginnt und Hersteller und Händler Drogen massiv bewerben. Die Massenblätter des US-amerikanischen Zeitungsmagnaten William Randolph Hearst wimmelten nur so von Anzeigen von Mixturen aller Art, deren wirksame Stoffe in der Regel aus nichts anderem als Opiaten, Kokain oder Cannabis bestanden. Langjährige Werbeverträge mit den Zeitungsverlagen verschonten die Hersteller dabei vor jeder kritischen Berichterstattung über ihre mit massiver Reklame gegen jedes Wehwehchen unter das Volk gebrachten Wundermittel. Der derart provozierte Massengebrauch vor allem von opiumhaltigen Mixturen machte eine staatliche Kontrolle nahezu unausweichlich, und diese historischen Erfahrungen zeigen, dass mit einer Entkriminalisierung als zweiter Schritt unbedingt ein Werbeverbot für sämtliche Drogen einhergehen muss.Die Enttabuisierung der natürlichen Paradiese, die Aufklärung und Auflösung der Drogenlügen, muss auf andere Weise erfolgen als durch die Penetration mit Werbelügen und Verführungen zum Konsum.

Auch wenn es dem Leitmotiv der Gier und des permanenten Wachstums in unserem gesellschaftlichen System zuwiderläuft: Dass sportbegeisterten Kindern per Fernsehen tausendfach eingetrichtert wird, dass Fußball erst zusammen mit Alkohol von Warsteiner, Bitburger und anderen »ein richtiger Genuss« ist, kann eine verantwortungsbewusste Drogenpolitik künftig genauso wenig dulden wie die (mittlerweile immerhin schon stark eingeschränkte) Werbung für Tabak. Ein verantwortungsvoller, mündiger Gebrauch bewusstseinsverändernder Substanzen kann in einer Gesellschaft, die auf ständige Konsumsteigerung ausgerichtet ist, nur erreicht werden, wenn diese Substanzen dem Zugriff der Marketing- und Werbeindustrie entzogen bleiben – eine Forderung, die angesichts künftiger Neuro-Enhancement-Präparate ohnehin zur Debatte steht. Jede Entkriminalisierung, die die Willkür einer Trennung in legale und illegale Drogen aufhebt, muss Regelungen und Altersbeschränkungen für sämtliche nunmehr legal erhältlichen Drogen schaffen und sie der Willkür freier Vermarktung und somit zwangsläufig aggressiven Wettbewerbs entziehen.

Werfen wir also einen kühnen Blick in die Fachgeschäfte der Zukunft, die in den Fußgängerzonen der Republik für die Beratung und den Verkauf von Drogen zuständig sein werden. Dank der nach dem Ende der Prohibition eingesparten Milliarden, die von der öffentlichen Hand unter anderem in umfassende Aufklärungs- und Drogenerziehungsprogramme investiert wurden, wundert sich schon seit einiger Zeit niemand mehr über die in den Städten dicht gestreuten unauffälligen Läden und die über Land verteilten »Drogenstützpunkte«. Neben der Beratung und dem Verkauf durch ausgebildete Fachverkäufer steht den Kunden ein angeschlossener psychologischer und medizinischer Service zur Verfügung, der ebenso wie die Kurse zum »nichtpharmakologischen Enhancement« (Meditation, Musik, Yoga, Sport, Spiel, Spannung) von den Kommunen und Krankenkassen finanziert wird.
In großen Drogenkaufhäusern wie dem in Berlin-Mitte ist das gesamte Erdgeschoss diesen Informations- und Beratungsdiensten gewidmet, den einzigen Angeboten des Hauses, für die mit üblichen Mitteln geworben werden darf. Ansonsten regiert neben freundlicher Atmosphäre in allen Abteilungen der nüchterne Beipackzettel, der jeder Verkaufseinheit beiliegt, sowie kompetente und freundliche Fachverkäufer, die über Wirkungen, Nebenwirkungen, »Safer Use« und Schadensminimierung ausführlich Auskünfte geben. Sie werden nicht nach Umsatz bezahlt und stehen, wie die Drogenfachgeschäfte insgesamt, nicht unter dem Diktat der Gewinnmaximierung. Im Gegenteil wird ihnen bei Umsatzrückgängen ein Bonus ausbezahlt, denn das Ziel dieser Fachgeschäfte ist es nicht, den Konsum zu fördern, sondern den existierenden Konsum in risikoarme und sozialverträgliche Bahnen zu lenken.
Die hier verkauften Drogen sind nicht verunreinigt, die Informationen auf jeder Packung ermöglichen eine korrekte Dosierung und reduzieren so mögliche Gesundheitsschäden auf ein Minimum. Der Verkauf ist zudem auf bestimmte Maximalmengen pro Tag beschränkt und wird auf einer Kundenkarte registriert. Wenn die registrierten Mengen auf einen problematischen Konsum schließen lassen, werden die Kunden zu einem Beratungsgespräch gebeten und erhalten konkrete Angebote zur medizinischen oder therapeutischen Betreuung.
Die Cannabisabteilung im ersten Stock des Kaufhauses verkauft importiertes Fair-Trade-Haschisch aus marokkanischen, libanesischen und afghanischen Landwirtschaftskooperativen und eine große Auswahl Hanfblüten aus heimischem Bio-Anbau. Der Gehalt von THC, CBD und anderen Cannabinoiden ist bei den jeweiligen Sorten angegeben. Um den Schäden des Rauchens in der Mischung mit Tabak vorzubeugen, werden den Hanfkunden preisgünstige Vaporizer angeboten. Die kleinen Verdampfer im Handyformat heizen den Hanf auf 190 Grad auf, inhaliert werden nur Cannabinoide und Aromastoffe, aber kein Rauch.
Auch zwei Etagen weiter oben, in der Abteilung für Stimulanzien, stehen die kleinen Apparate hoch im Kurs, seit Kunden, die nach Amphetaminen verlangten, als milde Alternative die Inhalation von Meerträubel (Ephedra) entdeckt haben; auch der aus den Blättern der Pflanze hergestellte ephedrinhaltige »Mormonentee« erfreut sich wachsender Beliebtheit.
Ein ähnlicher Trend ist bei den Kokainkonsumenten zu beobachten, die zunehmend auf die natürlichen Produkte aus Kokablättern zurückgreifen und den konzentrierten Alkaloid-Turbo nur noch gelegentlich verwenden. Auch der wieder erhältliche »Vin Mariani« und die nach dem »Coca-Cola«- Originalrezept mit einem leichten Kokaingehalt gebrauten Softdrinks haben dazu geführt, dass viele vormalige Kokser jetzt hier zugreifen und auf das Schnupfen verzichten.
Einen vergleichbaren Effekt hatte auf Heroinkonsumenten die in den Drogenfachgeschäften erhältliche Auswahl von milderen Alternativen wie Rauchopium, Laudanum und anderen opiumhaltigen Zubereitungen, deren unproblematische Verfügbarkeit vielen injizierenden Abhängigen den problemlosen Abschied von der Spritze ermöglichte. Da zurückgehende Umsätze vor allem bei den schnell zur Gewöhnung führenden Drogen wie Heroin und Kokain mit Bonuszahlungen belohnt werden, sind die Fachberater motiviert, ihre Kunden auf leichtere und weniger riskante Alternativen aufmerksam zu machen. In der großen Alkoholabteilung im Untergeschoss des Drogenkaufhauses wird langfristigen Dauerkunden zum Beispiel der Umstieg auf weniger gesundheitsschädliche Cannabisprodukte schmackhaft gemacht.
Der oberste Stock des Drogenkaufhauses in Berlin-Mitte wird nicht nur wegen des gläsernen Halbrunds seiner Dachkuppel »Tempel« genannt, denn hier geht es um die entheogenen Drogen, die Pflanzen der Götter, deren Ächtung durch das monotheistische Patriarchat einst den Beginn des Kriegs gegen Drogen markierte….

“Sucht und Ordnung” Teil 2   folgt morgen.
Das Buch “Die Drogenlüge” ist im nächsten Buchladen oder hier erhältlich.

9
Jan, 2014

Prof.Dr. Legalize it

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5272-DrugWarZum Jahresauftakt hatte ich für das Bulletin von ENCOD – der “European Coalititon For Just and Effectiv Drug Policies” -  einen Kommentar zu der Resolution deutscher Strafrechtsprofessoren an den Bundestag geschrieben, der jetzt im “Neuen Deutschland” erschienen ist. Zumindest bei Juristen, scheint langsam aber sicher in den Köpfen angekommen zu sein, dass sich Probleme mit Drogen defintiv nicht durch das Strafrecht und einen “war on drugs” lösen lassen, sondern dass diese Maßnahmen kontraproduktiv, destruktiv und gefährlich sind. Nicht nur für die Konsumenten, nicht nur weil Jugend-und Verbraucherschutz nicht gewährleistet sind, sondern weil die Schwarz-und Schattenwirtschaft des internationalen Markts für illegalisierte Drogen ganze Volkswirtschaften und  Gesellschaften zerstören. Bleibt zu hoffen, das sich diese Erkenntnisse der Strafrechler möglichst bald  in der Politik, d.h. in einer Reform der Drogengesetze niederschlagen. Mehr als 100 Jahre nach den ersten Opiumkonferenzen, mehr als 70 Jahre nach Beginn der Marihuana-Prohibition scheint es allerhöchste Zeit für eine Wende…

 

30
Aug, 2013

Politik für Desinteressierte

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Thilo Jung macht auf Youtube “Jung & Naiv – Politik für Desinteressierte” und hat sich unlängst mit mir auf der taz-Dachterasse getroffen, zu einem Gespräch über Drogen und Drogenpolitik:

29
May, 2013

Legalisierung? Subito!

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“Radio 1″ hat heute einen Schwerpunkt zum Thema Drogen gemacht mich zu den Thesen des Buchs “Die Drogenlüge – Warum Drogenverbote den Terrorismus fördern und der Gesundheit schaden”, das 2010 erschienen ist, interviewt.  Zwar sind sechs Minuten zu kurz, um das Scheitern des “War On Drugs” und die Alternativen dazu darzustellen, aber einige wichtige Punkte konnte ich in diesem Gespräch zumindest anreissen.

Radio1

17
Jun, 2012

Narco Polo

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In  seinem Blog unter dem schönen Namen “Narco Polo” unternimmt der Autor und Comiczeichner Robert R. Arthur eine Reise durch die bizarre Welt des “war on drugs” und die im Rahmen der Propaganda für diesen Krieg produzierten Lügen und Mythen. Zu diesen gehört seit je der Mythos des heimtückischen Dealers, der seine Opfer umgarnt, ködert und zu abhängigen Sklaven macht. Erstmals etabliert wird dieser moderne Mythos schon Ende des 20. Jahrhunderts, als in den USA den eingewanderten Chinesen der traditionelle Opiumgenuß verboten wurde – und der lasterhafte “Chinamann”, der weiße Jugendliche in seine “düsteren, schmuddeligen Höhlen” lockt, zu einem Inbegriff des Bösen.

“Die ab Mitte des 19. Jahrhunderts in die USA massenhaft eingewanderten Chinesen, die als “Kulis” beim Bau der transkontinentalen Eisenbahnen unverzichtbar waren, begannen nach Fertigstellung der Strecken zu einem “Problem” für den Arbeitsmarkt zu werden – als sehr leistungswillige und gesetzestreue Arbeitskräfte wurden sie zu einer unliebsamen Konkurrenz für die weißen amerikanischen Arbeiter. Dass viele Chinesen nach Feierabend eine Opiumpfeife rauchten, hatte jahrzehntelang kein Problem dargestellt, doch nun wurde es als Mittel ihrer Stigmatisierung eingesetzt. 1875 erließ die Stadt San Francisco das erste Drogenverbot der westlichen Welt, dass sich aber auschließlich gegen das Rauchopium der Chinesen richtete, 1887 verabschiedete der Kongreß ein Gesetz, das nur noch Amerikanern den Import von Opium gestattete. In den Medien war nun regelmaßig von der “gelben Gefahr” die Rede, die nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern durch das “lasterhafte” Opium auch den sittlichen Bestand der gesamten Nation bedrohe.Der rechte Flügel der Gewerkschaften machte mit rassistischer Polemik gegen “minderwertige Asiaten” mobil: “Die gelbe Rasse neigt von Natur aus zu Lüge, Betrug und Mord, und 99 von 100 Chinesen sind Glücksspieler”, tönte 1902 ein Pamphlet des anti-sozialistischen Gewerkschaftsführers Samuel Gompers. Ganz im Stile totalitärer Propaganda zeichnet er ein schreckenererregendes Bild des Chinesen, der weiße Jungen und Mädchen zum Opium und zu Schlimmerem verführt: “Welche anderen Verbrechen in diesen düsteren, schmuddeligen Höhlen verübt wurden, wenn die kleinen unschuldigen Opfer chinesischer Lasterhaftigkeit unter dem Einfluß des Rauschgifts standen, ist fast zu schrecklich, um es sich vorzustellen…” (Auszug aus:  “Die Drogenlüge – Warum Drogenverbote den Terrorismus fördern und Ihrer Gesundheit schaden”, Frankfurt 2010 )

Schrecklich ist auch die Vorstellung, dass sich dieser Horrormythos dank zeitgemäßer Adaptionen und Anpassungen bis heute hält, auch wenn die Realität völlig anders aussieht.  Dass Timothy Leary 1967 den “guten Dealer” als Robin Hood des neuen Zeitalter visionierte  – ‘The dope dealer is selling you the celestial dream. He is very different from any other merchant because the commodity he is peddling is freedom and joy. In the years to come the television dramas and movies will make a big thing of the dope dealer of the sixties. He is going to be the Robin Hood, spiritual guerrilla, mysterious agent – who will take the place of the cowboy hero or the cops and robbers hero.’ (Timothy Leary, ‘Dope Dealers – New Robin Hood’, 1967) – hat sich als zu optimistisch erwiesen, denn tatsächlich wurde der Drogenhändler in TV und Kino eher zu einem der Top “bad boys.”  Und auch die genaue Unterscheidung zwischen dem “Pusher” , der gefährlichen, verschnittenen Dreck verkauft, und dem Dealer “with the love grass in his hand”, die Steppenwolf   in ihrem Klassiker  “The Pusher” trafen wurde schnell verwischt, zu Ungunsten des robin-hood-artigen Dienstleisters für glückliche Kunden machte allein der “Pusher” Karriere. Als  Teufel, der unsere Kinder vor dem Schulhof zum Rauschgift verführt, als gewissenloser Parasit, der sich an der Sucht und Not seiner Klienten mästet, als modernes Monster. Dass solche Gestalten in der Realität kaum eine Rolle spielen und sie mit dem “Suchtproblem” nur so viel zu tun haben wie der Wirt mit dem Durst seiner Kunden – all das tat der monströsen Karriere des finsteren Drogenhändlers keinen Abbruch. Und weil er als Horrorgestalt gebraucht wird – um von den eigentlichen Profiteuren des Drogenkriegs abzulenken, die Schlips, Kragen und Uniform tragen – muß er als Mythos immer weiter leben…

19
Apr, 2012

Was gesagt werden muß (2)

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Im Rahmen des “Zukunftsdialogs”, den Kanzlerin Merkel im Internet aufgerufen hat, konnten bis zum 15. April online Vorschläge von Bürgern eingereicht werden, und die Forderung Cannabis zu legalisieren landete mit über 152.000 Stimmen auf dem zweiten Platz. Wir dürfen nun gespannt sein, wie die “Experten” und Politiker sich dieses Vorschlags, den  Georg Wurth  für den Deutschen Hanfverband eingereicht hat, annehmen – die Hoffnung aber, dass tatsächlich ein Ende des Prohibitionswahnsinns eingeläutet wird, hält sich bei mir in Grenzen. Dass in den USA, dem Mutterland des “Kriegs gegen Drogen” und der Hanfverfolgung, jetzt  wieder einmal Wissenschaftler, in diesem Fall 300 Ökonomen, mit einem Papier an die Öffentlichkeit getreten sind und  die Legalisierung fordern; oder dass, wie der Guardian meldet,  Präsident Obama auf dem “Summit of the Americas” einen neuen, verständigeren  Ton angeschlagen hätte, als er auf die Forderung vieler lateinamerikanischer Präsidenten nach einem Ende des Drogenkriegs antwortete – auch das mögen zarte Hoffnungsschimmer sein, die einen Durchbruch möglich erscheinen lassen. Doch wie u.a. in “Die Drogenlüge” gezeigt, sind die Erlöse aus diesem Krieg zu groß, um aus gesundheits,- und sozialpolitischen, zivilgesellschaftlichen Gründen darauf zu verzichten. Wie einst die imperialen Kriege des britischen Empires sind heute die Feldzüge des US-Imperiums auf die verdeckten Einnahmen des Drogengeschäfts angewiesen – und nur die Prohibition hält die Gewinnmargen dieses Geschäfts in exorbitant lukrativer Höhe. So kommt es, dass heute die Bundeswehr die Opium,-und Heroinproduktion in Afghanistan überwachen muß – weil damit die Warlords und Kombattanten bezahlt werden, ohne die das Land nicht gehalten (und die Pipelines nicht gebaut)  werden könnten – und gleichzeitig hierzulande Verfolgung und Verbot des Stoffs aufrechterhalten werden müssen, weil nur so aus einem Agrarprodukt für 1000 $ eine Schwarzmarktpreciose im Wert von 100.000 $ wird.

Wenn die Ökonomen vorrechnen, dass durch eine Marihuanalegalisierung 13,7 Milliarden Dollar per anno eingespart werden können, scheint das zwar schon ein nettes Sümmchen, doch verglichen mit dem was CIA & Co. außenpolitisch mit dem globalen Drogengeschäft einfahren sind diese Ersparnisse an der Heimatfront eher bescheiden. Deshalb wird auch diese Musterrechnung wenig helfen, genausowenig wie die Tatsache, dass unter den Ökonomen auch drei Nobelpreisträger sind. Denn mit der Prohibition ist es ähnlich wie mit dem Tabu von Israels Atomwaffen:  man darf sie “natürlich” kritisieren, aber abgeschafft wird sie garantiert nicht. Man darf auf die Absurdität von erlaubter Heroinproduktion hier und Verfolgung des Konsums da aufmerksam machen, aber geändert wird daran nichts. Man kann den ungerechten Doppelstandard bei der Regulierung des Alkoholkonsums (mit zigtausend Toten per anno) und des Verbots von Cannabis (null Tote seit Beginn der medizinischen Aufzeichnungen) beklagen, so wie die Willkür bei der Unterscheidung in “legal” und illegal” – es hilft nichts. Und wenn selbst der oberste Drogenbeauftragte des Landes diese Willkür bestätigt findet und beim Namen nennt wird er – wie Professor Nutt in England – sofort entlassen.  Insofern muß man kein Prophet sein um vorherzusagen, dass die 152.000 Bürgerinnen und Bürger, die in Zukunft Cannabis für Erwachsene legalisiert sehen wollen, bei Angela und ihren Experten gegen die Wand laufen-  und wie die Antwort lauten wird: dass Cannabis im Vergleich ja tatsächlich weniger schädlich sei als manche legalen Drogen, aber man “kein falsches Signal” senden wolle, und man den Hanfkonsum keineswegs “verharmlosen” dürfe usw. usf.

Auch wenn die Frage der Hanflegalisierung angesichts der aktuellen Nöte dieses Planeten und seiner Bewohner ein Randproblem darstellt – und man solche Lappalien eigentlich im Handumdrehen erledigen könnte, weist der öffentliche Umgang damit auf den durchaus globalpolitischen, globalstrategischen Charakter des Problems. Ein “falsches Signal” könnte ja – Gott bewahre! – einen “Dammbruch” im Paradigma der Prohibition bedeuten, und an dem hängt nicht nur die Außenpolitik des US-Imperiums, sondern auch die Innenpolitik sämtlicher Staaten und ihrer Überwachungs,- und Kontrollapparate. Und so kann der mündige Bürger zwar im “Zukunftsdialog” mal sagen was er will, die Entscheidung was er seinem Körper zuführen darf, trifft aber auch weiterhin nicht er, sondern Minister seines Inneren.

11
Feb, 2012

AMERICAN DRUG WAR

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Auf der gerade gestarteten Berlinale, dem größten deutschen Filmfestival, läuft nach meinem zugegeben flüchtigen Programmüberblick nur eher belangloses Zeug… es ist also nix oder wenig  dort mit “In Cino Veritas”, von daher muß man wo anders kucken. Etwa bei Kevin Booth und seiner Dokumentation “American Drug War – The Last White Hope”, die in zwei Stunden filmisch dokumentiert, illustriert und präsentiert, was ich in meinen Buch “Die Drogenlüge” auf 220 Seiten versucht habe darzustellen: dass der Krieg gegen Drogen keine ehrliche Gesundheitspolitik ist, sondern eine verlogene Geschäftspolitik, mit der Geheimdienste und Staaten illegale Bürgerkriege, Warlords und Terroristen sowie einen gigantischen Repressionsapparat finanzieren – und  dieser verlogene Krieg mehr Schaden und Opfer produziert als die Drogen selbst.

“Three and a half years in the making, the film follows gang members, former DEA agents, CIA officers, narcotics officers, judges, politicians, prisoners and celebrities. Most notably the film befriends Freeway Ricky Ross; the man many accuse for starting the Crack epidemic, who after being arrested discovered that his cocaine source had been working for the CIA.
AMERICAN DRUG WAR shows how money, power and greed have corrupted not just drug pushers and dope fiends, but an entire government. More importantly, it shows what can be done about it. This is not some ‘pro-drug’ stoner film, but a collection of expert testimonials from the ground troops on the front lines of the drug war, the ones who are fighting it and the ones who are living it.”

 

15
Jan, 2012

Vielleicht sollten wir öfter vielleicht sagen.

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“Ohne Opium, kein Empire” lautete die bündige Schlußfolgerung  einer Finanzanalyse des britischen Weltreichs im 18. und 19. Jahrhundert von Professor Carl A. Trocki , die für die Imperialmächte des  20. und 21. Jahrhunderts nach wie vor Geltung hat. Soeben wird gemeldet, dass die Opiumernte in Afghanistan 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 61% gestiegen ist, was nicht nur den Sold  für die Warlords und “Freiheitskämpfer” sicherstellt, denen USA und NATO dieses Geschäft gestatten.

“Der Handel mit diesen Drogen”, so Prof. Trocki in “Opium, Empire and the Global Political Economy” (1999), “führt üblicherweise zu einer Form von Monopol, das nicht nur den Drogenverkehr zentralisiert, sondern auch die Strukturen der damit verbundenen sozialen und ökonomischen Bereiche verändert. Die zwei wichtigsten Wirkungen sind die Schaffung eines Massenmarktes und der Zufluß enormer, wirklich beispielloser Geldmengen. Die Existenz eines solchen Monopols führt zur Anhäufung riesiger Reichtümer. Eine solche Anhäufung von Reichtümern durch den fortgesetzten historischen Drogenhandel zählte zu den ersten Grundpfeilern des globalen Kapitalismus….”

…und stellt bis heute einen solchen Grundfeiler dar. Zwar gibt es keine “British East India Company” mehr, die diesen Handel offiziell betreibt,  das Monopol liegt jetzt bei den Geheimdiensten und Militärs, denn nur sie haben die Strukturen um den massenhaften Export zu organisieren. Und nur hier,  an der Schnittstelle Export/Import, werden die “beispiellosen Geldmengen” geschöpft. Und eben deshalb hört der “war on drugs” nicht auf, weil nur das Verbot diese normen Profitmargen erzeugt. In meinem Buch “Die Drogenlüge”  wird u.a. gezeigt, wie so aus Agrarprodukten im Wert von 500 $ an der Börse 2 Millionen $ werden – und die Forderung aufgestellt, Heroin und Kokain  wieder zurück in die Apotheken zu bringen, denn nur so läßt sich der Wahnsinn beenden. Vielleicht.

“Vielleicht” deshalb, weil wir die Robert Anton Wilson Woche feiern, und die vielleicht wichtigste Weisheit des Meisters lautet:

“Maybe if we all said ‘maybe’ more often, the world might be a nicer place.” 

…und weil diese Anweisung auch  für eigentlich völlig klare, rationale Analysen und Forderungen gilt,  selbst für die Logik an sich. “Maybe Logic” heißt deshalb auch die DVD-Dokumentation, die Leben und Werk des Guerilla-Ontologen RAW beispielhaft präsentiert.

16
Nov, 2011

To Big To Fail ? Occupy Prohibition!

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Der “Guardian” hat am Sonntag mal wieder ein kämpferisches Editorial über das Scheitern des Drogenkriegs veröffentlicht -The war on drugs and the shameful silence of our politicians  – doch es wird, wie so viele redliche und faktengesättigte Analysen und Kommentare in den letzten Jahrzehnten, einmal mehr nichts nützen. Jeder weiß, dass der “war on drugs” aussichtslos ist, dass er mehr Schaden anrichtet als verhindert und die Opfer produziert, die er zu retten vorgibt . Mehr als 2,5 Billionen Dollar haben allein die USA in den letzten 40 Jahre ausgegeben, um diesen Krieg zu führen, mit dem Erfolg, dass heute mehr Drogen  als je zuvor konsumiert werden – und dennoch die  Budgets dieser bizarren “Drogenbekämpfung” jährlich weiter steigen. Warum ? Wie die Großbanken ist auch der Drogenhandel to big to fail, das Drogengeschäft ist “systemrelevant” – USA und NATO zahlen ihre Partner im Afghanistan-Krieg jetzt seit zehn Jahren  mit Heroin. In meinem  Buch “Die Drogenlüge – Warum Drogenverbote den Terrorimsus fördern und Ihrer Gesundheit schaden” wird diese Systemrelevanz u.a. mit einem Zitat des ehemalige CIA-Chefs William Casey verdeutlicht, der 1986 vor dem Untersuchungsauschuß der Iran-Contra-Affäre darüber aussagen mußte, warum sein Dienst den Großhandel mit Kokain ermöglichte:

“Meine Aktionen mögen als kriminell angesehen werden, weil sie zahllose Amerikaner zur Drogenabhängigkeit verdammen. Das ist mir egal. Jeder Krieg produziert Opfer. Grundsätzlich ist ein Krieg um so kürzer, je gewalttäiger er ist. Meine Wahl war entweder einem andauerenden Guerilla-Aufstand des Kalten Kriegs in Lateinamerika zuzuschauen, oder die verfügbaren Mittel zu nutzen um einen gewalttätigen Krieg von kurzer Dauer für die Demokratie zu finanzieren und zu führen. Ich stehe zu meinen Entscheidungen. Das Werkzeug ist Kokain. Der Trick ist zu verstehen, dass die Drogenkonsumenten die Freiheit der Wahl haben. Sie wählten die Droge. Und ich entschied ihre Gewohnheit zu benutzen um die Demokratie zu finanzieren, an der sich alle Amerikaner erfreuen. Und um diese Amerikaner vor der kommunistischen Bedrohung zu schützen, die an unsere Hintertür in Lateinamerika klopft. Um dies zu ändern muß der Drogenkonsument seinen gesellschaftlichen Beitrag leisten.”

Dieser “Beitrag” zur Finanzierung von “Demokratie” ist auch heute noch zu groß, um darauf zu verzichten -  weshalb CIA und NATO ihren Kombattanten weiterhin die Kanäle für das Drogengeschäft offenhalten – und gleichzeitg mit dem “Krieg gegen Drogen” dafür sorgen, dass die Gewinnspannen exorbitant bleiben. Denn nur dank der Illegalität werden aus einfachen Agrarprodukten wie Mohn oder Coca im Wert von 1000 $ die “Luxusprodukte” Heroin oder Kokain mit einem Endkundenpreis von 100.000 $. Kämen sie dahin zurück, wo sie einst herkamen – die Apotheke – wären es nur einfache und billige Arzneimittel. Und die Milliarden von Schwarzgeld, die über die noch immer nicht geschlossenen Schattenbanken in das legale Börsengeschäft fließen, könnten keine Krokodilfonds für illegale Kriege, Warlords und “Terroristen” “Freiheitskämpfer” füttern. Deshalb und nur deshalb wird die irrationale, kontraproduktive und sozial,-und gesundheitspolitisch destruktive Politik der Prohibtion aufrecht erhalten. “There’s no business like drugbusiness” – und wie die Finanzoligarchie muß diese Drogenherrschaft gebrochen werden. Geschäfte, die to big to fail sind, sodass die Allgemeinheit für ihre Verluste und Schäden aufkommen muß, darf es künftig nicht mehr geben: Occupy Prohibition!

5
Jun, 2011

Die Drogenlüge

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Das Medienprojekt PSI TV hat eine Vorstellung, Lesung, Diskussion des Buchs “Die Drogenlüge” im taz-Café auf Video festeghalten:

30
Jan, 2011

Buchvorstellung “Die Drogenlüge”

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Worum es in meinem jüngsten Buch “Die Drogenlüge” im Allgemeinen  geht erschließt sich mit einem vergrößernden Klick auf die untenstehende wunderbare Grafik von David McCandless – im Besonderen geht es darum, dass in dieser großen, weiten Welt der Drogen einige Substanzen als illegal eingestuft sind und weltweit strafrechtlich verfolgt werden. Vor ziemlich genau 100 Jahren, im Jahr 1909,  brachte eine internationale Opiumkommission das erste Globalisierungsgesetz auf den Weg, das Verbot von Drogen. Ein Jahrhundert später ist dieses Verbot nicht nur sozial- und gesundheitspolitisch gescheitert, sondern unterminiert durch seine Nebenwirkungen die Rechtsordnung und Gesellschaft in vielen Regionen der Welt: Drogengeld ist die Hauptfinanzquelle des internationalen Terrorismus und der organisierten Kriminalität. Die Kosten des Verbots übertreffen bei weitem die gesellschaftlichen Schäden des Drogenkonsums. Nur ein Ende der Prohibition und die konsequente Legalisierung aller Drogen kann diese Spirale von Schwarzgeld, Gewalt und Terror stoppen.

Am kommenden Mittwoch, 2. Februar 2011, stelle ich das Buch im taz-Café vor. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

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