5
Apr, 2014

Fünfhundert Zwischenrufe

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think-for-yourself-and-question-authorityWährend der vielen Jahre, in denen ich jede Woche Kolumnen für Zeitungen geschrieben haben, war ich in der Themenwahl meistens völlig frei – nur ein absolutes “no go” hatte ich mir selbst gesetzt, nämlich die Bankrotterklärung jedes Kolumnisten: eine Kolumne über das Kolumnenschreiben schreiben. Weil Bloggen in meinen Augen nichts anderes ist – bis auf den Unterschied, dass die Zeilen nicht begrenzt sind – gilt diese eiserne Regel hier auch. Dass sie heute mal kurz gebrochen wird, hat mit einem Jubiläum zu tun, denn dieses ist der 500. Beitrag in diesem Blog, der im September 2010 erstmals online ging. Davor lagen schon 6 Jahre “Writersblog” beim Verlag Zweitausendeins womit nunmehr schon 10 Jahre Blogging-History zusammenkommen, was in diesem jungen und kurzlebigen Genre mehr als eine Ewigkeit scheint. Dass es mir weiter Spaß macht hat natürlich auch mit dem Zuspruch zu tun: in Form von 5.327 Kommentaren – mehr als 10 zu jedem Posting im Schnitt – und mit der im März 2014  genau 20.773 Visitors zählenden “Gemeinde”, die hier vorbeigeschaut und 98.557 Seitenaufrufe getätigt  hat. Das scheint mir einerseits ziemlich viel, ist aber andererseits viel zu wenig um das Bloggen werbefinanziert hauptamtlich zu betreiben – unlängst bekam ich die Mail eines Werbeanbieters, der vorrechnete, dass mein Blog etwa 200,00 EURO im Monat einbringen könnte, wenn ich Werbeanzeigen dort platziere. Wäre an dem Betrag noch eine Null mehr dran, würde ich das vielleicht ernsthaft überlegen und hier hauptberuflich  jeden Tag schreiben – so aber bleibt es eine Nebentätigkeit, wenn gerade mal Zeit ist und irgendwas anliegt. Und  als einzige Einnahme bleibt die Provision, wenn jemand über eines der Amazon-Links ein Buch oder andere Produkte kauft, was etwa ca. 15 EURO im Monat einbringt und immerhin die Provider-Kosten für den Server deckt.

Soviel zu den Zahlen. Was die Inhalte betrifft kam gerade heute ein Kommentar, der sich beschwert, dass “9/11″ hier nicht weiter aufgeklärt wird. Ein Blick auf die aus Stichworten generierte Themenliste (rechts, in der mittleren Spalte) zeigt aber, dass die meisten aller 500 Beiträge genau dies zum Thema hatten. Das ist, neben den drei 9/11-Büchern und einem Thriller, schon eine ganze Menge – aber auch, wie man an der Nicht-Aufklärung bis heute sieht, permanent gegen den Wind gepinkelt. Sicher ist 9/11 die Mutter aller aktuellen Kriege und verdient mehr als alles andere “brutalst mögliche” Aufklärung – aber von einem kleinen Schreiberling ist das aber schlicht nicht zu leisten. Wenn die Historiker der Zukunft irgendwann Ende dieses Jahrhunderts herausfinden, dass es definitiv ein “inside job” war, können meine Ur-Enkel diese mehr als 1.000 Seiten immerhin noch mal veröffentlichen, als Beweis, dass man das schon gleich hätte wissen können, doch dass  die Inquisition des Imperiums dieses Wissen unterdrückt und das Märchen von “Osama & den 19 Teppichmessern” und den “war on terror”  zur Staatsreligion gemacht hat. Am Beispiel JFK, dessen unaufgeklärte Ermordung mein letztes Buch behandelt, kann man sehen, dass solche Märchen auch noch 50 Jahre später Bestand haben. Das gilt auch für ein weiteres hier öfter behandeltes Thema: die Prohibition und das Märchen, dass sich mit dem Strafrecht und dem “war on drugs” ein angemessener gesellschaftlicher und individueller Umgang mit Drogen erzwingen läßt. Dies wird hier im Blog in nächster Zeit vielleicht häufiger thematisiert, weil ich gerade an einer kleinen Streitschrift zum Thema Hanf sitze, die im Sommer als Buch erscheinen wird. Da pinkele ich ja nunmehr seit mehr als einem Vierteljahrhundert mit Veröffentlichungen gegen den Wind, aber die Richtung hat sich seitdem wenigsten ein bißchen gedreht.

Weiterhin ein Thema bleiben wird auch der Niedergang des echten Journalismus und die Allgegenwart der Pre$$titution, die in Sachen Ukraine ja gerade einmal mehr fröhliche Urstände feiert. Auch dies eigentlich ein Thema, mit dem man sich full time beschäftigen müßte, aber als one-man-army und nur bewaffnet mit einem Blog der Horde von Mietmäulern und Schreibsöldnern ohnehin hoffnungslos unterlegen ist. Auch da bleibt es also bei gelegentlichen Zwischenrufen. Dasselbe gilt für ein anderes Mega-Thema – Finanzmärkte, Schulden, Zinsen,  “Fiat”-Money und der Großbetrug der Zombie-Bankster – das mich umtreibt, seit ich vor 20 Jahren Margit Kennedy interviewte und mich mit Silvio Gesell beschäftigte. Völlig zu kurz kommt auch das sogenannte Übernatürliche und die spannendste Forschungsfrage überhaupt – Was ist eigentlich Bewusstsein ? – die allein ein ganzes Online-Magazin wert wäre. Aber wie soll man das alles mit einem 15-Euro-Budget schaffen ? Es bleibt also an dieser Stelle bei Zwischenrufen – ohne Wahrheitsanspruch, nach bestem Wissen und Gewissen, mit Dank für die Aufmerksamkeit und mit der steten Mahnung an das vom Tim Leary entlehnte Motto dieses Blogs: Laßt euch nicht veraschen, denkt selbst!

28
Feb, 2014

Hanfdampf und seine Kriegsgewinnler

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28.02.14 18:05-Bildschirmkopie-2

Die Zeitschrift “Transatlantik” (1980-1991) , mit der Hans Magnus Enzensberger versucht hatte, ein Essay,- und Reportage-Magazin im Stile des “New Yorker” in Deutschland zu etablieren, gehörte nicht nur als Leser zu meinen Favoriten. Als gelegentlicher Autor schätzte ich es noch viel mehr, denn außer guten Honoraren gab es dort ein in der alten Gutenbergwelt  äußert rares Gut: Platz. War ein Text gut, gab es keine Zeilen, – oder Seitenbeschränkung – man konnte so viel schreiben wie man wollte. Und so sagte ich natürlich freudig zu, als Reinhard Hesse im Sommer 1988 einen Transatlantik-Beitrag über Hanf bei mir bestellte – denn hier bot sich die Möglichkeit außer einem Report über die Szene, die Kiffer, Dealer und Drogenarbeiter auch die Informationen zu recherchieren, die mir kurz zuvor in Form eines kopierten  Buchs auf den Tisch gekommen waren – die Urfassung von Jack Herers “The Emperor wears no clothes – Hemp and the Marijuana Conspiracy”, deren umfganreich erweiterte deutsche Ausgabe ich dann 1993 herausbrachte. Sie liegt aktuell in der 42. Auflage vor.

Die Keimzelle für dieses Buch und der Anfang meiner Recherchen zum Thema war die 10-seitige Reportage für “Transatlantik” (3/1988) , in der die Geschichte der ordnungs-und industriepolitischen Hintergründe der Hanf-Prohibition erstmals erzählt wird. Als sie neulich  in einem Stapel wieder auftauchte, in dem ich etwas ganz anderes gesucht hatte,  fand ich sie beim Wiederlesen nach über einem  Vierteljahrhundert  immer noch spannend und durchaus aktuell. Deshalb hier aus der Reihe “Olide But Goldie” : Hanfdampf & seine Kriegsgewinnler (PDF, 3,8, MB)

19
Feb, 2014

Sucht und Ordnung (2)

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Drogenlüge-Cover-1In Italien hat das höchste Gericht die in den 90er Jahren verschärften Gesetze gegen Cannabis für verfassungswidrig erklärt, tausende danach Verurteilte müssen jetzt aus den Gefängnissen entlassen werden. In Uruguay und den ersten beiden US-Bundesstaaten ist Cannabis vollständig legalisiert, weitere Staaten werden in den USA und auf der Welt in absehbarer Zeit folgen. Das Zeitalter der Prohibition scheint nach einem Jahrhundert langsam aber sicher zu Ende zu gehen. In meinem 2010 erschienen Buch “Die Drogenlüge” habe ich über die Ursachen geschrieben, die wider alle Vernunft den “Krieg gegen Drogen” weiter am Laufen halten – und im letzten Kapitel unter dem Titel “Sucht und Ordnung” einen Ausblick auf eine Welt jenseits der Prohibition gewagt, die im 19. Jahrhundert ja schon einmal schon existierte und im 21. Jahrhundert wieder geschaffen werden muss:

Teil 1 von “Sucht und Ordnung” ist gestern erschienen und endete mit der Beschreibung der Drogenfachgeschäfte der Zukunft. Hier folgt Teil 2:

Der oberste Stock des Drogenkaufhauses in Berlin-Mitte wird nicht nur wegen des gläsernen Halbrunds seiner Dachkuppel »Tempel« genannt, denn hier geht es um die entheogenen Drogen, die Pflanzen der Götter, deren Ächtung durch das monotheistische Patriarchat einst den Beginn des Kriegs gegen Drogen markierte. Anders als in den anderen Abteilungen der Drogenfachgeschäfte, wo erwachsene Erstkonsumenten nach einem Beratungsgespräch die Droge ihrer Wahl sofort kaufen können, müssen sie hier an einem Einführungskurs teilnehmen. Wie bei den Mysterien von Eleusis, deren Teilnehmer sich einer mehrwöchigen Vorbereitung unterziehen mussten, werden die Initianten auch heute auf die überwältigenden, möglicherweise mystischen Erfahrungen vorbereitet, die eine Sitzung mit LSD, Psilocybin oder Ayahuasca mit sich bringen kann. Sie werden über die Bedeutung von »set & setting« für eine solche innere Reise informiert – die psychische Befindlichkeit der eigenen Person, eine geeignete Umgebung sowie erfahrene, liebevolle Begleitung– und über alles, was für die Navigation im Weltraum der Seele wichtig ist. So ausgestattet, werden sie zum Abschluss dieses »Führerschein«-Kurses auf die verschiedenen Möglichkeiten verwiesen, die erste Erfahrung in einer Zeremonie mit anderen zu teilen.
Trotz Proteste der etablierten Kirchen gegen diese »neo-gnostischen Verirrungen« sind die Behörden dazu übergangen, öffentliche Räume für die immer größeren Zulauf findenden Einweihungsrituale zur Verfügung zu stellen, denen sich am Tag der Demeter zur Herbstsonnenwende mehrtägige Open-Air-Partys anschließen.
Aus der Entheogen-Abteilung der Drogenkaufhäuser werden seit einiger Zeit auch die vom Justiz- und Gesundheitsministerium geförderten »Leary«-Programme versorgt, die sich jetzt erfolgreich der Rehabilitation von Strafgefangenen und der Therapie von Alkoholikern widmen können, nachdem Professor Timothy Learys »Harvard Psilocybin Project« 1963 trotz vielversprechender Ergebnisse vom Bannstrahl der Drogeninquisition gestoppt worden war.
Da die Verkaufspreise in den Drogenfachgeschäften generell unter denen des Schwarzmarktes liegen, aber bei den unter legalen Bedingungen in der Regel sehr preiswert herzustellenden Substanzen dennoch gute Handelsspannen erzielt werden, können die Geschäfte trotz ihres hohen Personal- und Beratungsaufwands nicht nur kostendeckend geführt werden, sie werfen dank der in sämtlichen Drogenpreisen enthaltenen »Vergnügungssteuer« jährlich Milliarden für die öffentliche Hand ab.

Doch noch viel erfreulicher als die Mafiosi und Terroristen vorenthaltenen Milliarden ist die Tatsache, dass die Zahl der unfreiwilligen »Drogentoten« nach dem Ende der Prohibition fast auf null zurückgegangen ist. Ebenso wird in ganz Europa ein deutlicher Rückgang von Straßenkriminalität, Diebstählen und Einbrüchen registriert, seit die Distribution von Drogen über die Fachgeschäfte läuft.
Das von den Verteidigern der Prohibition jahrzehntelang mit Inbrunst an die Wand gemalte Horrorszenario der Drogenlegalisierung – eine in Sucht, Elend und Gewalt niedergehende Gesellschaft – ist natürlich ausgeblieben. Ähnlich wie die westlichen Gesellschaften, die die zuvor jahrhundertelang tabuisierte Sexualität erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Thema der allgemeinen Aufklärung und Bildung machten!– und damit für deutlich freiheitlichere, entspanntere Verhältnisse sorgten–, hat auch die mit der Aufhebung des Drogentabus einhergehende Bildungsoffensive in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts Wirkung gezeigt. Und so wie man den sexuell aufgeklärten Achtklässler nicht mehr mit Schreckgespenstern wie drohendem »Masturbationswahnsinn« beeindrucken kann, lässt sich auch der neuropharmakologisch aufgeklärte Jugendliche von heute nicht mehr mit haltlosen Warnungen vor »Killerdrogen« erschrecken. Aber er hat gelernt, dass das »Mmmmh« beim Genuss von Zucker vom Gehirn immer noch mit einer kleinen Wohlfühldosis körpereigener Drogen belohnt, weil sich das Millionen Jahre alte Steuerungssystem noch nicht auf die menschlich erzeugte Zuckerschwemme der letzten Jahrzehnte ein- gestellt hat– zur Freude von Zahnarztinnung und Insulinproduzenten, doch zum Ärger der Krankenkassen, die für die gigantischen Schäden der Zuckersucht aufkommen müssen und deshalb dafür plädieren, das Werbeverbot für Drogen auch auf Süßwaren auszuweiten.

Die Friedensdividende, die Milliarden an Einsparungen, die das Ende des Kriegs gegen Drogen mit sich gebracht hat und die vor allem im Bereich öentlicher Bildungs-, Erziehungs- und Gesundheitsangebote investiert wurde, hat die Lebensqualität spürbar verbessert. Erwartungsgemäß ist es damit zwar nicht gelungen, problematischen Drogenkonsum vollständig zu verhindern, doch die negativen Folgen wurden sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Umgebung extrem reduziert. Durch die überall angebotenen Entzugs- und Rehabilitationsprogramme und die in den Drogenfachgeschäften zur Verfügung stehenden Alternativen an weniger schädlichen Drogen oder Darreichungsformen nimmt die Zahl der Konsumenten mit »harten« Konsummustern weiterhin ab. Vor allem die Jugendlichen, die über die neurobiologischen und neurochemischen Zusammenhänge ihres Wahrnehmens, Fühlens und Denkens und über die Wirkung bewusstseinsverändernder Substanzen aufgeklärt sind, entscheiden sich – wie die jüngsten Studien übereinstimmend ergeben haben– sehr viel bewusster für eine bestimmte Droge und ihre Wirkung und nicht mehr wie noch im ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts nur fürs Komasaufen.

Auch für die drogenproduzierenden Agrarnationen wie Afghanistan oder Kolumbien, Bolivien, Peru und Mexiko in Mittelamerika hat das Prohibitionsende die Situation entscheidend verbessert: Die Bauern erhalten für die Ernte von Opium oder Kokablättern den- selben oder sogar etwas höheren Preis, den sie auch in der Illegalität bekommen haben, denn der Endverkaufspreis der Drogen in den reichen Ländern ist nur um zehn bis zwanzig Prozent gesunken– die gigantischen Gewinne dazwischen allerdings, die zuvor Warlords und Mafiosi eingestrichen haben, kommen nunmehr der Allgemeinheit zugute. Nachdem sich die internationalen Kontroll- und Prohibitionsbehörden, die über Jahrzehnte den Krieg gegen Drogen ge- führt hatten, zu einer Transformation unfähig zeigten, wurde die internationale Koordination und Aufsicht über der Drogen der UNESCO übergeben; auf nationaler Ebene haben Justiz und Polizei nur noch bei der Überwachung des Straßenverkehrs mit Drogen zu tun, ansonsten obliegt das Thema ausschließlich den Gesundheits-, Kultur- und Bildungsbehörden. (…)

Wenn das natürliche Paradies innerhalb des je eigenen Gehirns zu finden ist – welche Macht kann sich dann herausnehmen, über die Zustände dieses Gehirns zu entscheiden und über die Mittel und Wege, die zu diesen Zuständen führen? Welche Autorität kann sich die Entscheidung darüber anmaßen, wie die Milliarden Neuronen eines individuellen Gehirns schalten und walten? Welche Diktatur kann mein Bewusstsein kontrollieren? Nur eine, an die ich meine Rechte als Steuermann und Navigator des Bewusstseins abgetreten habe – und damit das Recht, über meinen inneren Zustand, über Ruhe oder Schmerz oder Freude oder Erregung autonom und selbst zu entscheiden. Diese individuelle Freiheit zurückzuerobern von den Patriarchen, Priestern, Pharmakraten, Politikern, Polizisten muss Leitbild und Ziel jeder neuro-biologischen Aufklärung und zivilgesellschaftlichen Reform der Drogenpolitik sein.
Hundert Jahre Prohibition haben eindringlich gezeigt, dass dieses Ziel mit Verboten nicht zu erreichen ist. Sie haben stattdessen Probleme heraufbeschworen, die ein friedliches Zusammenleben der Völker in vielen Teilen der Welt immer massiver bedrohen. Ein Ende dieser Spirale von Kriminalität, Krieg und Terror – und damit der zynischen Absurdität, dass deutsche Soldaten die Drogenprofite verbündeter Terrorbrigaden in Afghanistan sichern – kann erst in Sicht kommen, wenn die Ursache dieser Profite, die Prohibition, beseitigt ist. Der Anfang zu dieser internationalen Anstrengung muss in den Köpfen gemacht werden: durch Aufklärung statt Dämonisierung, Fakten statt Desinformation, Risikoabwägung statt Panikmache und präventiver Erziehung statt prohibitiver Repression.

Die Erkenntnis, dass die Prügelstrafe keine geeignete Methode ist, um die Befähigung zum Rechnen, Lesen und Schreiben zu beför- dern, wurde erst in den letzten Jahrzehnten an den Schulen (und in der Rechtsprechung) umgesetzt. Dass für die Erziehung des Umgangs einer Gesellschaft (und jedes einzelnen) mit Drogen dasselbe gilt, diese Umsetzung steht noch aus. Sie ist der erste Schritt, einen nunmehr hundertjährigen barbarischen Krieg endlich zu beenden. Jeder einzelne Staat – unabhängig von allen internationalen Drogenkonventionen!– kann ihn für sich alleine tun, und er kann sofort – unabhängig von langwierigen globalen Verhandlungen über das Ende der Prohibition – damit beginnen.
Das Buch “Die Drogenlüge” ist im nächsten Buchladen oder hier erhältlich.

18
Feb, 2014

Sucht und Ordnung (1)

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Drogenlüge-Cover-1In Italien hat das höchste Gericht  die in den 90er Jahren verschärften Gesetze gegen Cannabis für verfassungswidrig erklärt, tausende danach Verurteilte müssen jetzt aus den Gefängnissen entlassen werden. In Uruguay und  den ersten beiden US-Bundesstaaten ist Cannabis vollständig legalisiert,  weitere Staaten werden in den USA und auf der Welt in absehbarer Zeit folgen. Das Zeitalter der Prohibition scheint nach einem Jahrhundert  langsam aber sicher zu Ende zu gehen. In meinem 2010 erschienen Buch “Die Drogenlüge”  habe ich über die Ursachen geschrieben, die wider alle Vernunft  den “Krieg gegen Drogen” weiter am Laufen halten – und im letzten Kapitel unter dem Titel “Sucht und Ordnung” einen Ausblick auf eine Welt jenseits der Prohibition gewagt, die im 19. Jahrhundert ja schon einmal schon existierte und im 21. Jahrhundert wieder geschaffen werden muss:

 

 

Kann die in einem Jahrhundert zu einem mörderischen Moloch aufgeblähte Prohibitionsmaschinerie mit Appellen an die Vernunft zur Räson gebracht werden? Wir haben gesehen, welche Rolle die durch Prohibition generierten Profite für die imperiale Weltpolitik, die globalen Börsenkurse und das Wachstum der Militär-, Sicherheits-und Pharmaindustrie bedeuten und wie leicht es für das politische Geschäft ist, offene Türen im kollektiven Unbewussten einzurennen und mit der seit fast 4000 Jahren geprägten Angst vor Drogen auf Stimmenfang zu gehen. Angesichts dieser tiefen zivilisationshistorischen Prägungen und der aktuellen Wirtschaftsmacht der Prohibitionsprofiteure wird ein Friedensschluss, ein Ende des Kriegs gegen Drogen, nicht leicht zu erreichen sein. Doch die Katastrophen, die der Drogenkrieg in Afghanistan und im Nahen und Mittleren Osten, in Mexiko und in Südamerika anrichtet, sind mittlerweile so unübersehbar, dass eine internationale Reform des Prohibitionsregimes immer mehr Befürworter findet!– quer durch alle Parteien und weltanschaulichen Lager. Der erste Schritt muss fraglos jener sein, den die Regierung in Portugal seit 2001 gegangen ist: die vollständige Entkriminalisierung des Besitzes und Konsums von Drogen.
Ein Jahrhundert weltweite Prohibition hat gezeigt, dass die Nachfrage nach bewusstseinsverändernden Substanzen mit Strafgesetzen nicht zu verhindern ist, genauso wenig wie ihr Angebot. Theoretisch mag es in einem totalen Überwachungsstaat möglich sein, den Konsum irgendeiner Substanz vollkommen zu verhindern, praktisch ist eine solche gesellschaftliche Entwicklung aber weder vorstellbar noch wünschenswert. Stattdessen gilt es, die einer Zivilgesellschaft angemessene Balance zwischen individueller Freiheit und sozialer Verantwortung zu finden.Dass dies kein aussichtsloses Unterfangen ist, zeigt schon ein kurzer Rückblick in das 19. Jahrhundert, in dem Cannabis, Opium, Morphin, Heroin und Kokain frei verkäuflich und für jedermann erschwinglich waren. Schon unsere Anwesenheit heute zeugt davon, dass unsere Vorfahren damals nicht massenweise der Sucht und dem Elend anheim gefallen sein können, in der zeitgeschichtlichen Literatur des 19. Jahrhunderts findet sich über Drogenprobleme wenig bis nichts. Als »Schlummersaft« und zur Schmerzlinderung stand in jeder Hausapotheke des 18. und 19. Jahrhunderts ein Fläschchen Opiumtinktur bereit. Zur Anregung in besseren Kreisen sorgte der mit Kokain (und einer Empfehlung von Papst Leo) angereicherte Bordeauxwein »Vin Mariani« oder mit Haschisch gemischte Orientzigaretten der Marke Harem, die bis 1920 in Tabakläden erhältlich waren. Auch der Kinder- und Jugendschutz war offensichtlich gewährleistet, dass derart »starker Tobak« den erwachsenen Männern vorbehalten blieb. Dass er dagegen kleinen Jungs nur Angstträume beschert, zeigte zum Beispiel Wilhelm Busch in seinem Comicstrip von »Krischan mit der Piepe« (1864).
Es gibt also durchaus Belege für eine funktionierende, zivilisierte Welt ohne Prohibition, und das in Sachen Zucht und Ordnung ansonsten nicht sehr zimperliche 19. Jahrhundert kann in Sachen Sucht und Ordnung hier als tolerantes Vorbild gelten. Wobei eine erste Einschränkung genau da gemacht werden muss, wo mit der in Schwung kommenden Industrialisierung auch das Zeitalter der massenmedialen Beeinflussung durch Werbung beginnt und Hersteller und Händler Drogen massiv bewerben. Die Massenblätter des US-amerikanischen Zeitungsmagnaten William Randolph Hearst wimmelten nur so von Anzeigen von Mixturen aller Art, deren wirksame Stoffe in der Regel aus nichts anderem als Opiaten, Kokain oder Cannabis bestanden. Langjährige Werbeverträge mit den Zeitungsverlagen verschonten die Hersteller dabei vor jeder kritischen Berichterstattung über ihre mit massiver Reklame gegen jedes Wehwehchen unter das Volk gebrachten Wundermittel. Der derart provozierte Massengebrauch vor allem von opiumhaltigen Mixturen machte eine staatliche Kontrolle nahezu unausweichlich, und diese historischen Erfahrungen zeigen, dass mit einer Entkriminalisierung als zweiter Schritt unbedingt ein Werbeverbot für sämtliche Drogen einhergehen muss.Die Enttabuisierung der natürlichen Paradiese, die Aufklärung und Auflösung der Drogenlügen, muss auf andere Weise erfolgen als durch die Penetration mit Werbelügen und Verführungen zum Konsum.

Auch wenn es dem Leitmotiv der Gier und des permanenten Wachstums in unserem gesellschaftlichen System zuwiderläuft: Dass sportbegeisterten Kindern per Fernsehen tausendfach eingetrichtert wird, dass Fußball erst zusammen mit Alkohol von Warsteiner, Bitburger und anderen »ein richtiger Genuss« ist, kann eine verantwortungsbewusste Drogenpolitik künftig genauso wenig dulden wie die (mittlerweile immerhin schon stark eingeschränkte) Werbung für Tabak. Ein verantwortungsvoller, mündiger Gebrauch bewusstseinsverändernder Substanzen kann in einer Gesellschaft, die auf ständige Konsumsteigerung ausgerichtet ist, nur erreicht werden, wenn diese Substanzen dem Zugriff der Marketing- und Werbeindustrie entzogen bleiben – eine Forderung, die angesichts künftiger Neuro-Enhancement-Präparate ohnehin zur Debatte steht. Jede Entkriminalisierung, die die Willkür einer Trennung in legale und illegale Drogen aufhebt, muss Regelungen und Altersbeschränkungen für sämtliche nunmehr legal erhältlichen Drogen schaffen und sie der Willkür freier Vermarktung und somit zwangsläufig aggressiven Wettbewerbs entziehen.

Werfen wir also einen kühnen Blick in die Fachgeschäfte der Zukunft, die in den Fußgängerzonen der Republik für die Beratung und den Verkauf von Drogen zuständig sein werden. Dank der nach dem Ende der Prohibition eingesparten Milliarden, die von der öffentlichen Hand unter anderem in umfassende Aufklärungs- und Drogenerziehungsprogramme investiert wurden, wundert sich schon seit einiger Zeit niemand mehr über die in den Städten dicht gestreuten unauffälligen Läden und die über Land verteilten »Drogenstützpunkte«. Neben der Beratung und dem Verkauf durch ausgebildete Fachverkäufer steht den Kunden ein angeschlossener psychologischer und medizinischer Service zur Verfügung, der ebenso wie die Kurse zum »nichtpharmakologischen Enhancement« (Meditation, Musik, Yoga, Sport, Spiel, Spannung) von den Kommunen und Krankenkassen finanziert wird.
In großen Drogenkaufhäusern wie dem in Berlin-Mitte ist das gesamte Erdgeschoss diesen Informations- und Beratungsdiensten gewidmet, den einzigen Angeboten des Hauses, für die mit üblichen Mitteln geworben werden darf. Ansonsten regiert neben freundlicher Atmosphäre in allen Abteilungen der nüchterne Beipackzettel, der jeder Verkaufseinheit beiliegt, sowie kompetente und freundliche Fachverkäufer, die über Wirkungen, Nebenwirkungen, »Safer Use« und Schadensminimierung ausführlich Auskünfte geben. Sie werden nicht nach Umsatz bezahlt und stehen, wie die Drogenfachgeschäfte insgesamt, nicht unter dem Diktat der Gewinnmaximierung. Im Gegenteil wird ihnen bei Umsatzrückgängen ein Bonus ausbezahlt, denn das Ziel dieser Fachgeschäfte ist es nicht, den Konsum zu fördern, sondern den existierenden Konsum in risikoarme und sozialverträgliche Bahnen zu lenken.
Die hier verkauften Drogen sind nicht verunreinigt, die Informationen auf jeder Packung ermöglichen eine korrekte Dosierung und reduzieren so mögliche Gesundheitsschäden auf ein Minimum. Der Verkauf ist zudem auf bestimmte Maximalmengen pro Tag beschränkt und wird auf einer Kundenkarte registriert. Wenn die registrierten Mengen auf einen problematischen Konsum schließen lassen, werden die Kunden zu einem Beratungsgespräch gebeten und erhalten konkrete Angebote zur medizinischen oder therapeutischen Betreuung.
Die Cannabisabteilung im ersten Stock des Kaufhauses verkauft importiertes Fair-Trade-Haschisch aus marokkanischen, libanesischen und afghanischen Landwirtschaftskooperativen und eine große Auswahl Hanfblüten aus heimischem Bio-Anbau. Der Gehalt von THC, CBD und anderen Cannabinoiden ist bei den jeweiligen Sorten angegeben. Um den Schäden des Rauchens in der Mischung mit Tabak vorzubeugen, werden den Hanfkunden preisgünstige Vaporizer angeboten. Die kleinen Verdampfer im Handyformat heizen den Hanf auf 190 Grad auf, inhaliert werden nur Cannabinoide und Aromastoffe, aber kein Rauch.
Auch zwei Etagen weiter oben, in der Abteilung für Stimulanzien, stehen die kleinen Apparate hoch im Kurs, seit Kunden, die nach Amphetaminen verlangten, als milde Alternative die Inhalation von Meerträubel (Ephedra) entdeckt haben; auch der aus den Blättern der Pflanze hergestellte ephedrinhaltige »Mormonentee« erfreut sich wachsender Beliebtheit.
Ein ähnlicher Trend ist bei den Kokainkonsumenten zu beobachten, die zunehmend auf die natürlichen Produkte aus Kokablättern zurückgreifen und den konzentrierten Alkaloid-Turbo nur noch gelegentlich verwenden. Auch der wieder erhältliche »Vin Mariani« und die nach dem »Coca-Cola«- Originalrezept mit einem leichten Kokaingehalt gebrauten Softdrinks haben dazu geführt, dass viele vormalige Kokser jetzt hier zugreifen und auf das Schnupfen verzichten.
Einen vergleichbaren Effekt hatte auf Heroinkonsumenten die in den Drogenfachgeschäften erhältliche Auswahl von milderen Alternativen wie Rauchopium, Laudanum und anderen opiumhaltigen Zubereitungen, deren unproblematische Verfügbarkeit vielen injizierenden Abhängigen den problemlosen Abschied von der Spritze ermöglichte. Da zurückgehende Umsätze vor allem bei den schnell zur Gewöhnung führenden Drogen wie Heroin und Kokain mit Bonuszahlungen belohnt werden, sind die Fachberater motiviert, ihre Kunden auf leichtere und weniger riskante Alternativen aufmerksam zu machen. In der großen Alkoholabteilung im Untergeschoss des Drogenkaufhauses wird langfristigen Dauerkunden zum Beispiel der Umstieg auf weniger gesundheitsschädliche Cannabisprodukte schmackhaft gemacht.
Der oberste Stock des Drogenkaufhauses in Berlin-Mitte wird nicht nur wegen des gläsernen Halbrunds seiner Dachkuppel »Tempel« genannt, denn hier geht es um die entheogenen Drogen, die Pflanzen der Götter, deren Ächtung durch das monotheistische Patriarchat einst den Beginn des Kriegs gegen Drogen markierte….

“Sucht und Ordnung” Teil 2   folgt morgen.
Das Buch “Die Drogenlüge” ist im nächsten Buchladen oder hier erhältlich.

4
Feb, 2014

Profiteure der Prohibition

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Die FAZ berichtete am Montag  ebenso sachlich wie ausführlich aus dem “Land des Lächelns”, dem US-Budensstaat Colorade einen Monat nach der Legalisierung von Cannabis, in der Schweiz läßt die “Eidgenössische Kommission für Drogenfragen” (EKDF) ein neues Regulierungskonzept ausarbeiten, ein solches Uruguay hat als erster Nationalstaat der Welt bereits schon beschlossen, der Deutsche Hanfverband gewinnt bei einem Mainstream-TV-Sender  eine Castingshow und eine Million Euro für den Kampf gegen die Hanf-Prohibition…. nach Jahrzehnten der Tabuisierung scheint der Bann, mit dem der böse Zauberer Harry Anslinger  die Hanfpflanze vor mehr als  70 Jahren belegte, langsam aber sicher zu brechen.

Anslinger war natürlich kein Zauberer, sondern nur ein tüchtiger Bürokrat und der erste “Drogenzar” der USA,  doch die Anti-Hanf-Kampagne, die er mit Hilfe des Pressemagnaten Hearst und Geld des Chemiekonzerns Dupont entfachte, hatte ohne Frage magische Qualität und muß zu den erfolgreichsten Desinformations,- und Propaganda-Operationen aller Zeiten gezählt werden.  Sie spukt bis heute in vielen Köpfen herum – und wie zu Anlingers Zeiten finden die Behörden noch immer willige Experten und Gutachter, die ihnen die Richtigkeit der Prohibtion “wissenschaftlich” bestätigen.  Und der große Fleischtopf des einst von  Harry Anslinger auf den Weg gebrachte  International Narcotics Controllboard (INCB) bei den “Vereinten Nationen”,  an dem sich heute Bürokraten aus aller Welt laben, sorgt dafür, dass Offizielle in jedem Land der Welt den Anfang vom Ende der Hanfverbote “mit großer Sorge” o.ä.  kommentieren und kritisieren. Die Drogenverfolgung ist ihr Business und Hanf, solange er auf dem Index steht und die meist konsumierte illegale Substanz weltweit ist, eine Säule ihres Geschäfts. Und so will das INCB ganz im Geiste seines manischen Gründervaters Anslinger die Hanf-Prohibtion nicht einmal für medizinische Zwecke aufgehoben wissen.

Auch wenn die Herren der INCB-Zentrale in Wien also wohl die letzten sein werden, die die weiße Fahne für ein Ende des Drogenkriegs hissen – umhin kommen werden sie über kurz oder lang nicht. Selbiges gilt auch für die hiesigen Politiker und Bürokraten, die zwar noch einige Jahre mit gezogener Hanfbremse weiter fahren und die Prohibition als “alternativlos” erklären können, doch die schon erwiesenen und künftig noch deutlicher absehbaren Erfolge von Entkriminalisierung und Regulierung des Markts machen die Alternativen zunehmend unübersehbar und unleugbar. Die wissenschaftlichen Experten für Recht und Ordnung in Deutschland – die Strafrechtsprofosseren – haben das schon erkannt und einen dringenden Appell an die Bundesregierung verfasst, das geltende Betäubungsmittelgesetz zu reformieren. Die GroKo aus CDU, CSU und SPD hat indessen keinerlei Reformpläne in ihren Koalitionsvereinbarungen und so steht zu erwarten, dass für die gescheiterte Drogenpolitik nur ein dumpfes “Weiter so!” und keinerlei Besserung in Sicht ist.

Es sei denn, ein mutiger Jurist vom Schlage eines Wolfgang Nescovic, der sich als Berufungsrichter des Lübecker Landgerichts Anfang der 90er Jahre weigerte, weiter nach den wissenschaftlich widerlegten Grundlagen des Betäubungsmittelgesetzes Urteile zu fällen und das BtmG auf den Prüfstand des Bundesverfassungsgerichts brachte, bringt 20 Jahre nach diesem “Haschisch-Urteil” die höchsten Richter erneut dazu, die Angemessenheit strafrechtlicher Bestimmungen in Sachen Cannabis erneut zu überprüfen. Anders als mit einem energischen Wink aus Karlsruhe wird das Zentralkommitee der GroKo-Einheitspartei nur schwer zu bewegen sein, von der gescheiterten Politik des Verbietens, Verfolgens und Verhaftens Abstand zu nehmen.

“Sicherlich ist Marihuana eher harmlos. Aber die Sache war ein Beispiel dafür, dass ein Verbot die Autorität des Staates stärkt”, bekundete Harry Anslinger am Ende seiner Karriere, nachdem schon aktenkundig geworden war, dass 95 % der “zweifelsfreien Quellen”, die er für die nationale und internationale Durchsetzung der Hanf-Prohibition angeführt hatte,  aus Boulevardzeitungen stammte. Auf einem Niveau, von dem sich die Verbotspolitik bis heute kaum entfernt hat, was recht einfach erkennen ist, wenn man etwa die (voodoo-)wissenschaflichen Weisheiten des Prof. Dr. Rainer Thomasius, einem als “Experten” immer wieder gehörten Prohibitionisten, überprüft: “Die Einstiegsdrogentheorie ist zwar nicht belegt. Aber widerlegt ist sie auch nicht.” Was für die Jungfrauengeburt natürlich ebenso gilt wie für kleine grüne Männchen vom Mars…

Die eigentlichen Profiteure des “war on drugs” sind freilich nicht solche stets vorhandenen professoralen Mietmäuler, sondern eher die auf untenstehendem Cartoon abgebildeten Herrschaften. Sowie eher kleine Fische wie der Discounter Lidl, der dieser Tage die Fachbücher für den Indoor-Anbau aus seinem Online-Shop zurückzog, als das Angebot ruchbar wurde. Ebenso erschrocken reagierte der Elektrokonzern Philips, nachdem ihm ein TV-Bericht vorgworfen hatte, mit seinem “Greenpower”-LED-Lampen illegale Cannabiszüchter zu beliefern  - worauf das Unternehmen bekundete, dass man Endkunden in der Cannabiszucht nicht beliefere,  und die „Greenpower“-Lampen im Philips-Prospekt zum „City Farming“ ausschließlich zur wachstumsfördenden „Tageslichtverlängerung“ bei der Erdbeer-, Gurken- und Tomatenzucht beworben werden.

Nun kann ein Lampenhersteller genausowenig kontrollieren, ob unter seinen Lampen Gurken oder Marihuana wachsen, wie ein Messerproduzent, ob sein Produkt zum Mittagessen oder zum Mord verwendet wird. Warum also ein solcher gigotter und schreckhafter Alarm um Lampen, unter denen auch Gurken wachsen, oder um Bücher, die in jedem Buchladen erhältlich sind ?  Es scheinen dies noch immer Nachwirkungen Anslinger-Ära zu sein – und es wird Zeit, diesen Bann endlich zu brechen. Und den großen und kleinen Profteuren der Prohibition das Handwerk zu legen. Denn wenn der Anbau zum Eigenbedarf legal wird, braucht es weder spezielle Bücher noch besondere Lampen: Sonne, Erde, Wasser und ein Hanfkorn im Blumenkasten reichen dann völlig aus.

 

31.01.14 15:53-Bildschirmkopie

29
Jan, 2014

Die diskriminierte “Wunderpflanze”

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Weil nicht nur synthetisches THC, sondern auch natürliche Hanfblüten (Marihuana)  eine hervorragende Medizin  für zahlreiche Beschwerden sind – die ARD berichtete unlängst zB über den Einsatz in israelischen Altersheimen , hier eine Übersicht über die erstaunlichen kilnischen Studien der letzten Jahre (PDF) -  wurden sie in vielen Ländern der Welt mittlerweile wieder in die offiziellen Arzneibücher aufgenommen und können verordnet und angewendet werden. Bei vielen Patienten wirkt die Kombination der Pflanzenwirkstoffe besser als der isolierte Hauptwirkstoff THC, der zudem sehr teuer ist. In Deutschland ist die legale Verwendung von natürlichem Hanf als Medizin nur mit einer Ausnahmegenehmigung der “Bundesopiumstelle” möglich, wobei die Behörde diese Genehmigung gerne auch verweigert oder hinauszögert. Dass kranke Menschen Gerichte bemühen müssen, um an die Medizin ihrer Wahl zu kommen, wäre nur dann kein Skandal, wenn es sich bei Cannabis um einen Stoff handeln würde, mit dem ein Patient sich selbst oder andere schwer schädigen könnte und der deshalb unter scharfer Kontrolle stehen sollte. Doch die gesamte Medizingeschichte kennt keinen einzigen Cannabistoten,  jedes Küchenkraut aus dem Gewürzschrank ist überdosiert gefährlicher für Leib und  Leben als Hanf, von frei verkäuflichen Medikamenten wie Aspirin oder Paracetamol ganz zu schweigen. Dass deren Mißbrauch jährlich Dutzende von Todesopfern fordert erfährt man zwar kaum in der “Apothekenrundschau” oder anderswo in den Medien, ist aber ebenso eine Tatsache wie die toxikologische Unbedenklichkeit von Cannabis. Dass auch Cannabis mißbraucht werden, kann steht dabei außer Frage – und eine rationale Gesundheitspolitik hätte dafür zu sorgen, dass dieser Mißbrauch eingedämmt und die dadurch entstehenden Schäden so gering wie möglich gehalten wird. Dass die Prohibtion, der War On Drugs, dazu ungeeignet ist, weil er mehr Schaden verursacht als verhindert, ist mittlerweile zwar vielfältig und wissenschaftlich solide nachgewiesen, in der Politik aber noch nicht angekommen. Und so kommt es, dass dieser irrationale Drogenkrieg auch noch auf dem Rücken von Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen ausgetragen wird, denen man den Zugang zu einem uralten und ungiftigen Heilkraut verweigert.

Darum geht es auch in den letzten ca. 20 Minuten des ausführlichen Gesprächs über “Hanf – die diskriminierte Wunderpflanze” , das Michael Vogt 2011 in der Schweiz mit mir anläßlich der 41. Auflage des Hanfbuchs führte – zuvor erörtern wir die anderen nützlichen und wahrhaft universellen Eigenschaften der Pflanze und die Hintergründe, die in den 1930er Jahren zur Dämonisierung und dem Verbot des Hanfs führte.

25
Jan, 2014

Eine Million für Hanf!

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georg wurth_million_1_klWow! Georg Wurth, Chef des Deutschen Hanfverbands  (DHV) hat in einer Show von “Pro 7″ soeben die “erste demokratische Millionärswahl” gewonnen !!!   Ich kenne Georg und bin mir sicher, dass er und der DHV die Million sinnvoll einsetzen, um das Ende der Hanf-Prohibition in Deutschland endlich einzuläuten. Zu aller erst und dringend für Patienten, denen  der Zugang zu  ihrer natürliche Medizin nicht länger mit dem Verweis auf synthetische Hanfwirkstoffe verweigert oder mit bürokratischen Hemmschwellen erschwert werden darf – und sodann für jeden Erwachsenen, der Cannabis einfach nur zur Entspannung verwenden will. Dass eine Million Euro bei weitem nicht ausreichen, sollte dennoch klar sein. Das Budget der Gegner – der Profiteure von Prohibition, Repression und Verfolgung -  ist nach wie vor deutlich höher (der “War On Drugs” verschlingt global bekanntlich jährlich  Milliarden) – doch die Entkriminalisierung von Hanf ist der erste wichtige Schritt, den irrsinnigen “Krieg gegen Drogen” insgesamt zu beenden. Diese Million für den Hanfverband wird Wellen schlagen und hat schon jetzt mit einem weit verbreiteten Vorurteil aufgeräumt: dass Kiffer den Arsch nicht hochkriegen. Wobei: zum SMSen und Anrufen braucht man das ja auch nicht ;-) .  Wie auch immer: Glückwunsch an Georg und den DHV -  und die Parole, mit der unser Hanfbuch 1993 schloß: Es gibt viel zu tun, pflanzen wir’s an!

30
Aug, 2013

Politik für Desinteressierte

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Thilo Jung macht auf Youtube “Jung & Naiv – Politik für Desinteressierte” und hat sich unlängst mit mir auf der taz-Dachterasse getroffen, zu einem Gespräch über Drogen und Drogenpolitik:

15
Apr, 2013

Das Auto, das vom Acker wächst

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SpOn hat heute eine Geschichte über “das Auto das vom Acker wächst” – Henry Fords Prototyp eines Hanfautos aus den 1930er Jahren, dem in unserem vor 20 Jahren erschienen Hanfbuch schon ein ganzes Kapitel gewidmet ist. Die Karosserie des Wagens war aus Hanfasern hergestellt, es fuhr mit Hanöl und Ford experimentierte auf seiner Versuchsfarm in Michigan mit dem Universalrohstoff Hanf auch noch weiter, als mit dem “Marijuana Tax Act” 1937 die Hanf-Prohibtion eingesetzt hatte und der Anbau dadurch zum erliegen kam. Hauptsponsor des Hanfverbots war seinerzeit der Chemiekonzern Dupont, der einerseits gerade neue Additive für Benzin hergestellt hatte (und kein Interesse an mit Pflanzenöl betriebenen Dieselmotoren hatte) und andererseits gerade die  aus Rohöl hergestellte Kunstfaser “Nylon” patentiert hatte, der die Naturfasern aus Hanf und Flachs im Wege standen. So wurde mit der Propaganda vom “Mörderkraut” Hanf die grüne Konkurrenz vom Acker beseitigt und der Nimbus des gefährlichen Rauschgifts, der der Cannabis-Pflanze damals angehängt wurde, wirkt bis heute.

Als das Buch 1993 erschienen war – die ersten Ausgaben war auf Hanfpapier gedruckt – bekam ich einen Anruf von der “Daimler Benz” – Entwicklungsabteilung in Suttgart, die nach Hanffasern zum Testen fragte. Damals führten wir mit einer Agrargenossenschaft aus Brandenburg gerade einen Prozess gegen die Bundesrepublik Deutschland, um den Anbau von Hanf wieder durchzusetzen, es gab noch keine Fasern aus heimischem Anbau, doch aus Ungarn hatten wir Rohfasern besorgt, die ich den Mercedes-Leuten schickte. Gratis – und mit der Bitte, uns im Gegenzug die Testergebnisse über Haltbarkeit, Zugfestigkeit usw. zukommen zu lassen. Weil das Buch sehr viel Aufsehen erregte und ich viele Interviews dazu gab, berichtete ich den Journalisten auch von diesen Tests bei Mercedes – und bekam dann die Rückmeldung, dass man das ihnen aus Stuttgart nicht bestätigt hätte. Als ich daraufhin bei Daimler nachfragte sagte man mir, dass ich doch bitte keine Journalisten mehr informieren sollte – Hanf sei ja eine illegale Droge und das wäre schlecht für’s  Image. Die Rufmord-Kampagne aus den 1930er Jahren sorgte also nicht nur dafür, dass Fords Hanfauto über einige Prototypen nicht hinauskam, sie verhinderte auch, dass 1993/94 mit  Forschung und Entwicklung in Sachen Hanf ernsthaft begonnen wurde. Und wahrscheinlich wird es noch weitere Jahrzehnte dauern, bis dieser demagogische Unsinn aus der Welt geschafft ist und der Anbau des nützlichsten Rohstoffs der Welt endlich wieder massenhaft und ohne Hemmnisse durch die Prohibition stattfinden kann. Es gibt viel zu tun, pflanzen wir’s an!

28
Feb, 2013

Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf – 42. Auflage

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In eigener Sache und in Sachen natürlicher Weltverbesserung ist anzuzeigen: die 42. Auflage des Buchs Jack Herer und Mathias Broeckers, das seit dem ersten Erscheinen 1993 gehalten hat was sein Titel verspricht: “Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf.” Ich nehme ja gerne der Mund voll, aber in diesem Fall ist es wirklich mal angebracht: ohne dieses Buch wäre der nicht als Nutz,- sondern nur als “Schadpflanze” geltende Hanf immer noch diskriminiert und in jeder Hinsicht illegal. So aber ist zumindest seit 1996 seine Nutzung als Rohstoff  für  Textilien und als Lebensmittel wieder möglich, und 1998 ist der “Medizinalhanf” auch wieder in die Apotheken zurück gekehrt – wenn auch nicht als ebenso einfaches wie wirkungsvolles Kraut, sondern nur als teure pharmazeutische Zubereitung (Dronabinol) – aber immerhin. Als das Buch neu erschienen war bekam ich einige Anrufe von Ärzten und Pharmazeuten, die sich über die medizinischen Kapitel des Buchs wunderten: sie hatten während ihres Studiums kein einziges Wort über eine der ältesten Heilpflanzen der Menschheit gehört. Das hat sich geändert. Nach Jahrzehnten der Verbannung  sind die  Hanfwirkstoffe wie THC und weitere Cannabinole mittlerweile eine der heißesten Topics der aktuellen Pharmaforschung. Dass der Nutzen und die (relative) Ungefährlichkeit des Hanfs als Genußmittel immer noch nicht anerkannt und weiterhin mit den Mitteln des Strafrechts verfolgt wird ist eine Schande, aber auch hier ist, zumindest in den USA, langsam Land in Sicht. Im Vorwort der Neuausgabe habe ich dazu gesachrieben:

“Dass die Wahlen in den USA im November 2012 dem amtierenden Präsidenten Barack Obama eine zweite Amtszeit bescherten, war keine große Überraschung, für die Sensation des Wahltags sorgten vielmehr die Wählerinnen und Wähler in Colorado und Washington: sie stimmten als erste Staaten der Welt für ein Ende der Hanf-Prohibition und  eine grundsätzliche Legalisierung der Hanfpflanze als Rohstoff, Medizin und Genussmittel.  Selbst in den Niederlanden, wo der Verkauf in Coffeshops seit Jahrzehnten geduldet wird ist Cannabis de jure nach wie vor verboten und insofern markiert dieses Wahlergebnis vom 7. November 2012 ein historisches Datum. Genau 75 Jahre nach dem mit dem “Marijuana Tax Act” 1937 das Verbot der Hanfpflanze  in den USA begonnen hatte und  vom ersten US-“Drogenzar” Harry Anslinger nach dem 2. Weltkrieg in die UN-Gesetze gehievt wurde, ist im Mutterland  der Hanf-Verfolgung das Ende der Prohibition eingeläutet. Und damit der Beginn einer rationalen, schadensmindernden Drogenpolitik, die mit der Besteuerung und kontrollierten Abgabe von Cannabis einen Meilenstein für die USA und den Rest der Welt setzen wird. (…)

Als ich am Morgen nach der Wahl von diesem historischen Ereignis erfuhr musste ich zuerst an meinen Freund und  Ko-Autor dieses Buchs Jack Herer denken, der 2010 gestorben ist und ohne dessen unermüdliches Engagement dieses Wahlergebnis nicht denkbar gewesen wäre. Anfang der 1980er Jahre hatte er begonnen, die damals nahezu unbekannten und  unglaublichen Informationen über Hanf zusammenzutragen, zuerst auf einem Flugblatt, dann in einer Broschüre und 1985 in einem schmalen, selbstverlegten Buch -  „The Emperor Wears No Clothes“ – das dann in den USA drei erweiterte Auflagen erlebte und 1993 die Basis für diese nochmals stark erweiterte deutsche Ausgabe bildete. So traurig es ist, dass Jack Herer, der „Hempster of The Century“,  den politischen Durchbruch seiner Ideen nicht mehr persönlich erleben konnte, gilt es  angesichts  des Mehrheitsvotums in zwei US-Staaten umso mehr, sein Lebenswerk hoch leben zu lassen und zu feiern. ”

Die Neuausgabe  wird am 16. und 17. 3. auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt (am Stand der taz und des Nachtschattenverlags).

7
Nov, 2012

Rocky Mountain High

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John Denvers alte Country-Hymne “Rocky Mountain High” wird nach diesem Wahltag in Colorado sicher noch oft geklickt, denn die eigentliche Sensation  des Wahltags  fand  nicht in Washington D.C. sondern in Colorado und Washington State  statt. In diesen Bundestaaten stimmte eine Mehrheit für die Legalisierung von Marijuana -  und dies nicht mehr nur zu medizinischen Zwecken, wie bisher schon in 17 US.Bundesstaaten, sondern grundsätzlich. Als Rohstoff, Medizin, und als Genußmittel für Erwachsene kann Hanf in diesen Bundesstaaten künftig legal angebaut, produziert  und verkauft werden.  Genau 75 Jahre nach dem mit dem “Marijuana Tax Act” 1937 das Verbot der Hanfpflanze  in den USA begonnen hatte und  vom ersten US-“Drogenzar” Harry Anslinger nach dem 2. Weltkrieg in die UN-Gesetze gehievt wurde, ist im Mutterland  der Hanf-Verfolgung das Ende der Prohibition eingeläutet. Und damit der Beginn einer rationalen, schadensmindernden Drogenpolitik, die mit der Besteuerung und kontrollierten Abgabe von Cannabis einen Meilenstein für die USA und den Rest der Welt setzen wird. Selbst in den Niederlanden, wo der Verkauf in Coffeeshops seit Jahrzehnten geduldet wird ist Cannabis de iure ja immer noch  illegal, Colorado und Washington sind somit die ersten Staaten, die sich  defintiv von der Prohibition und dem “war on drugs” verabschieden.

Die angenommenen  Gesetzesvorlagen in Colorado und Washington (Measure No.502) werden nicht nur den Verbraucher,-und Jugendschutz stärken und für eine deutliche Entlastung von Polizei und Justiz sorgen, die sich künftig um wirkliche Kriminelle kümmern kann, mit ihren Vorgaben, wie die neuen Steuereinnahmen zu verwenden sind – vorallem für Gesundheits,-und Bildungszwecke –  können sie auch  zum Vorbild für eine neue Sozial,-und Kommunalpolitik in den USA werden. Sowie zu einem Prüfstein für die Aussage in Obamas Siegesrede: “Das Beste kommt noch!” – denn auf Bundesebene hat sich der Präsident stets für eine Beibehaltung der Prohibtion ausgesprochen und zu Beginn seiner ersten Amtszeit auch noch die von Bush & Co. betriebenen Schikanen gegen die medizinische Abgabe in den  Bundestaaten fortgesetzt. Verfassungsrechtliche und politische Auseinandersetzungen sind  also zu erwarten.  Ob der neue alte “Hoffnungsträger”  dem  “Yes we can!” folgt, das die Wähler in Colorado und Washington einer überkommenen Drogenpolitik entgegen gesetzt haben, bleibt eine spannende Frage.

Als ich heute morgen vom Ausgang dieser Wahl erfuhr, mußte ich zuerst an meinen 2010 gestorbenen Freund und Ko-Autor Jack Herer denken, ohne dessen unermüdliches Engagement und sein bahnbrechendes Buch dieses Ergebnis nicht möglich gewesen wäre. Und es ist klar, welche feurige Rede der “Hempster of the Century” im Hanfhimmel heute halten wird: dass nämlich zwei Bundesstaaten viel zu wenig sind, weil es 47 weitere und den ganzen Rest der Welt auch noch gibt – und er erst  dann Ruhe geben wird, wenn die wichtigste Pflanze der Welt überall wieder legal geworden ist.

24
Aug, 2012

Der Biosprit-Schwindel: Hanf in den Tank – statt Essen auf Rädern!

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“Warum noch Wälder verbrauchen, die Jahrhunderte zum Entstehen brauchen und jahrzehntelang Minen graben, wenn wir dieselbe Menge von Holz und Mineralprodukten aus der jährlichen Ernte von Hanffelder gewinnen?” notierte Henry Ford in den 1930er Jahren – und angesichts der aktuellen Debatte um Biosprit, Welthunger und unethisches Verheizen von Lebensmitteln möchte man diese Erkenntnis den Diskutanten am liebsten Tag und Nacht um die Ohren hauen. Denn ja: es ist verrückt, Millionen Hektar Mais zu Energiegewinnung anzubauen, und nein: damit ist die Energiegewinnung aus Pflanzen keineswegs diskreditiert. Denn es gibt  eine Pflanze, die mehr Biomasse und damit mehr Energie produziert als jede andere  und zudem viel umweltverträglicher ist als Mais, Raps & Co.: Hanf ! (pdf).  Obenstehende Grafik zeigt die Ergebnisse (pdf) eines praxisnahen Versuchs zur Energiepflanzenproduktion die am Agrartechnischen Insititut in Potsdam- Bornim von 1995 -1999 durchgeführt wurden – und Hanf mit einem Spitzenertrag von knapp 12 Tonnen Trockenmasse pro Hektar, vor  allen schnellwachsenden Pflanzen und  sowohl auf ungedüngten wie auch auf  sehr stark gedüngten Böden.
Da Hanf keine Pestizide und Herbizide benötigt, sein Anbau die Böden verbessert satt sie auszulaugen und er deshalb auch als Zwischenfrucht auf für Nahrungsmittelproduktion genutzten Böden hervorragend geeignet ist, gäbe es noch mehr als die 30 Millionen Hektar ungenutzter Agrarflächen in der EU um das gigantische Potential des Hanfs auszuschöpfen. Warum das nicht geschieht und warum die Prohibition dem Biorohstoff Hanf die eigenen Finanzierungsquellen abschneidet habe ich 2005 in zwei Beiträgen beschrieben – hier und hier.  Dass die dort beschriebene Pilotanlage zur Produktion von “Sundiesel” aus Biomasse 2011 Konkurs anmelden mußte - auch das hat die Energiegewinnung aus Pflanzen nicht diskreditiert. Der Grund für die Pleite war die Fehlkalkulation der Kosten für die Rohstoffe – die bei diesem Projekt vor allem aus Holz betsanden. Mit Hanf wäre das nicht passiert. Deshalb ist es höchste Zeit, statt einer verlogenen und irreführenden Diskussion über Biosprit endlich auf die Agenda zu nehmen, dass es eine Alternative zu diesem Irrsinn gibt. Und dass für den zügigen Ausbau und die Entwicklung dieser Alternative Fördermittel in Höhe von 2 Milliarden EURO pro Jahr zur Verfügung stehen – das wäre der Betrag, den der deutsche Hanfverband als zusätzliche staatliche Einnahmen durch die Legalisierung von Hanfblüten errechnet hat. Das sollte ausreichen, um blühende Landschaften effizienter und umweltfreundlicher Energiepflanzen nachhaltig wachsen zu lassen. Es gibt viel zu tun – pflanzen wir’s an!

19
Apr, 2012

Was gesagt werden muß (2)

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Im Rahmen des “Zukunftsdialogs”, den Kanzlerin Merkel im Internet aufgerufen hat, konnten bis zum 15. April online Vorschläge von Bürgern eingereicht werden, und die Forderung Cannabis zu legalisieren landete mit über 152.000 Stimmen auf dem zweiten Platz. Wir dürfen nun gespannt sein, wie die “Experten” und Politiker sich dieses Vorschlags, den  Georg Wurth  für den Deutschen Hanfverband eingereicht hat, annehmen – die Hoffnung aber, dass tatsächlich ein Ende des Prohibitionswahnsinns eingeläutet wird, hält sich bei mir in Grenzen. Dass in den USA, dem Mutterland des “Kriegs gegen Drogen” und der Hanfverfolgung, jetzt  wieder einmal Wissenschaftler, in diesem Fall 300 Ökonomen, mit einem Papier an die Öffentlichkeit getreten sind und  die Legalisierung fordern; oder dass, wie der Guardian meldet,  Präsident Obama auf dem “Summit of the Americas” einen neuen, verständigeren  Ton angeschlagen hätte, als er auf die Forderung vieler lateinamerikanischer Präsidenten nach einem Ende des Drogenkriegs antwortete – auch das mögen zarte Hoffnungsschimmer sein, die einen Durchbruch möglich erscheinen lassen. Doch wie u.a. in “Die Drogenlüge” gezeigt, sind die Erlöse aus diesem Krieg zu groß, um aus gesundheits,- und sozialpolitischen, zivilgesellschaftlichen Gründen darauf zu verzichten. Wie einst die imperialen Kriege des britischen Empires sind heute die Feldzüge des US-Imperiums auf die verdeckten Einnahmen des Drogengeschäfts angewiesen – und nur die Prohibition hält die Gewinnmargen dieses Geschäfts in exorbitant lukrativer Höhe. So kommt es, dass heute die Bundeswehr die Opium,-und Heroinproduktion in Afghanistan überwachen muß – weil damit die Warlords und Kombattanten bezahlt werden, ohne die das Land nicht gehalten (und die Pipelines nicht gebaut)  werden könnten – und gleichzeitig hierzulande Verfolgung und Verbot des Stoffs aufrechterhalten werden müssen, weil nur so aus einem Agrarprodukt für 1000 $ eine Schwarzmarktpreciose im Wert von 100.000 $ wird.

Wenn die Ökonomen vorrechnen, dass durch eine Marihuanalegalisierung 13,7 Milliarden Dollar per anno eingespart werden können, scheint das zwar schon ein nettes Sümmchen, doch verglichen mit dem was CIA & Co. außenpolitisch mit dem globalen Drogengeschäft einfahren sind diese Ersparnisse an der Heimatfront eher bescheiden. Deshalb wird auch diese Musterrechnung wenig helfen, genausowenig wie die Tatsache, dass unter den Ökonomen auch drei Nobelpreisträger sind. Denn mit der Prohibition ist es ähnlich wie mit dem Tabu von Israels Atomwaffen:  man darf sie “natürlich” kritisieren, aber abgeschafft wird sie garantiert nicht. Man darf auf die Absurdität von erlaubter Heroinproduktion hier und Verfolgung des Konsums da aufmerksam machen, aber geändert wird daran nichts. Man kann den ungerechten Doppelstandard bei der Regulierung des Alkoholkonsums (mit zigtausend Toten per anno) und des Verbots von Cannabis (null Tote seit Beginn der medizinischen Aufzeichnungen) beklagen, so wie die Willkür bei der Unterscheidung in “legal” und illegal” – es hilft nichts. Und wenn selbst der oberste Drogenbeauftragte des Landes diese Willkür bestätigt findet und beim Namen nennt wird er – wie Professor Nutt in England – sofort entlassen.  Insofern muß man kein Prophet sein um vorherzusagen, dass die 152.000 Bürgerinnen und Bürger, die in Zukunft Cannabis für Erwachsene legalisiert sehen wollen, bei Angela und ihren Experten gegen die Wand laufen-  und wie die Antwort lauten wird: dass Cannabis im Vergleich ja tatsächlich weniger schädlich sei als manche legalen Drogen, aber man “kein falsches Signal” senden wolle, und man den Hanfkonsum keineswegs “verharmlosen” dürfe usw. usf.

Auch wenn die Frage der Hanflegalisierung angesichts der aktuellen Nöte dieses Planeten und seiner Bewohner ein Randproblem darstellt – und man solche Lappalien eigentlich im Handumdrehen erledigen könnte, weist der öffentliche Umgang damit auf den durchaus globalpolitischen, globalstrategischen Charakter des Problems. Ein “falsches Signal” könnte ja – Gott bewahre! – einen “Dammbruch” im Paradigma der Prohibition bedeuten, und an dem hängt nicht nur die Außenpolitik des US-Imperiums, sondern auch die Innenpolitik sämtlicher Staaten und ihrer Überwachungs,- und Kontrollapparate. Und so kann der mündige Bürger zwar im “Zukunftsdialog” mal sagen was er will, die Entscheidung was er seinem Körper zuführen darf, trifft aber auch weiterhin nicht er, sondern Minister seines Inneren.

13
Jan, 2012

Viel Rauch – und nichts!

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Marihuana schadet der Lunge nicht nur weniger als Tabakrauch, es verbessert sogar ihre Funktionen – so das Ergebnis einer jetzt im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA veröffentlichten Langzeitustudie. Bei dieser “Coronary Artery Risk Development in Young Adults” (CARDIA) – Untersuchung wurden  bei 5115 Männern und Frauen seit 1985 regelmäßig die Lungen und das Atemvolumen untersucht. Ein Drittel der Probanden rauchte gelegentlich oder regelmäßig Marihuana und zeigte – anders als die TabakkonsumentInnen – auch nach 20 Jahren keine Einschränkungen der Lungenfunktionen und Atemkapazität. Zum Erstaunen der Forscher  wurde in der Marihuana-Gruppe sogar ein Anstieg des Lungenvolumens und der Kapazität festgestellt. Eine  Erklärung für dieses Phänomen haben die Wissenschaftler nicht gefunden – außer dem eher fragwürdigen Hinweis, dass  beim Marihuanakonsum fester am Joint gezogen wird als beim Tabakrauchen an der Zigarette und die Lunge sich deshalb auf Dauer ausdehnt.
Diese Ergebnisse, kommentiert das Deutsche Ärtzteblatt die Studie, “bedeuten nun nicht etwa, dass Marihuana unschädlich ist.” Auch wenn es aus lungenärztlicher Sicht keine Bedenken mehr gegen den medizinischen Einsatz  von Cannabis zur Behandlung von Schmerzen Appetitmangel oder Stimmunstsörungen gäbe, müßte berücksichtigt werden, dass  der “langfristige Konsum vor allem bei jungen Menschen mit der Entwicklung von mentalen und psychotischen Störungen in Verbindung gebracht wird.”
In der Tat ist Cannabis bei etwa 1 % der Bevölkerung, die an einer latenter Psychose leiden, kontrainduziert, was sowohl für Patienten als auch für Genußkonsumentinnen gilt. Doch die im  Zuge der Dämonsierungswelle immer wieder aufgetischte Warnung, dass Hanfrauch noch viel schädlicher sei als Tabakrauch und schon deshalb verboten gehört,  sollte mit dieser Studie endgültig vom Tisch sein.  Die Bedeutung von “einen durchziehen”  (wenn es nicht wie in europäischer Unsitte mit einer Tabakmischung geschieht)  könnte statt mit üblem Gequalme eher mit einer Wohltat für die Atemwege assoziiert werden – zumal wenn beim Cannabiskonsum, wie im medizinischen Bereich und gesundheitsbewußten Privathaushalten schon weit verbreitet, gar kein Rauch mehr entsteht, weil das Marihuana oder Haschisch in einem Verdampfer (Vaporizer) nur noch auf 185 Grad erhitzt wird. Inhaliert werden nur noch die verdampften aromatischen Öle und der darin enthaltene Wirkstoff  Tetra-Hydro-Cannabinol (THC).

Dass der Wirkstoff THC  krampflösende Wirkung ist seit Jahrtausenden bekannt  und der Grund für die weltweite Verwendung von Cannabis als Medikament. Dass dieser lösende, öffnende, entspannnede Effekt auch auf die Bronchien wirkt, weiß man ebenfalls schon lange. “The better the cough, the better the gras” pflegte der amerikanische “Hanfpapst” Jack Herer deshalb zu sagen, wenn sich jemand nach dem Zug an seinem Joint vor Husten auschüttelte: “Je besser der Husten, desto besser das Gras”.  Anders als Tabak, der die Bronchien verschließt,  befördert der Hanfhusten den Dreck nach außen. Insofern  sind die Ergebnisse dieser Studie  dann auch gar nicht mehr überraschend , sie entdecken nur einmal mehr ein Wissen, dass in der Geschichte und im Untergrund schon lange vorhanden war.

Umso gebotener scheint, dass dieses nunmehr wieder allgemein anerkannte Wissen in Politik und Gesetzgebung Berücksichtigung findet. In der allgemeinen Drogenpolitik, die ihre Hauptbeschäftigung immer noch in der Jagd auf Cannabis hat, und noch dringender im Umgang mit Patientien, denen der medizinische Gebrauch von Cannabisblüten nach wie vor gesetzlich verboten wird. Doch schwer kranke Menschen zu zwingen,  synthetisch hergestelltes THC für 150 Euro zu kaufen – ein Schmerzpatient kommt so auf Kosten von bis zu 500 Euro im Monat – obwohl sie ihr Medikament für einen Bruchteil des Geldes auf dem Balkon oder im Garten wachsen lassen könnten, -  solche Schikanen werden nach dieser neuen Studie noch ein Stück schwieriger zu begründen sein.

 

13
Nov, 2011

Kick Out The Jams, Motherfuckers!

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Der Drogenkriegs-Unsinn hört einfach nicht auf. Gerade war ich mal wieder ein paar Tage in Amsterdam, wo die niederländsiche Regierung jetzt vorhat, Cannabis mit einem THC-Gehalt von über 15 % als “harte Droge” einzustufen. Danach würde ein Großteil des in den Coffeeshops verkauften Marihuanas unter ein Verkaufsverbot fallen. Zumindest für kurze Zeit, denn ebenso wie in den letzten Jahren die “hochprozentigen” Sorten zugenommen haben, würden dann eben wieder auch Sorten angeboten werden, die unter dem ominösen Grenzwert liegen. Grundsätzlich würde diese Regelung also nichts ändern, für die Verbraucher könnte sich dadurch immerhin der Vorteil ergeben, dass die Cannabinoidgehalte angegeben werden müssen. Aber an derart umfassendem Verbraucherschutz liegt der Drogenpolitik bekanntlich wenig – und so ist auch diese Maßnahme nur einmal mehr der Versuch, mit juristischen und bürokratischen Hürden das Rad zurück zu drehen und die Grower und Coffeshopbetreiber zu drangsalieren. Und wenn die Sache durchkommt den illegalen Import von Haschisch wieder anzukurbeln und das heimisch gewonnenen Gras in den Coffeshops zurückzudrängen. Also kontraproduktiv in jeder Hinsicht und einmal mehr eine weitere stumpfsinnige Maßnahme einer grundsätzlich verfehlten Politik.

Wie ja überhaupt  die Warnungen vor Cannabis mit hohen THC-Gehalt – das außerhalb Hollands auf den europäischen Märkten eine eher unbedeutende Rolle spielt – so etwas wie ein letztes Gefecht der Prohibitionisten ist. Nachdem ihnen sämtliche “Mörderkraut”-Argumente zerpflückt worden sind wird jetzt mit Vorliebe vor dem gefährlichen “Turbo”-Gras gewarnt, das man mit dem Stoff der Hippiezeit nicht mehr vergleichen könne. Daran ist wahr, dass es heute tatsächlich sehr viel THC-reichere Hanfsorten gibt als vor 40 Jahren, unwahr ist, dass sie dadurch “gefährlicher” geworden sind. Gefährlich ist vielmehr die Situation des Grau,-oder Schwarzmarkts, die keinerlei Schutz vor gefährlichen Beimischungen bietet und aufgrund fehlender Gehaltsangaben keine korrekten Dosierungen ermöglicht. Sowie der auch in Holland immer noch illegale und deshalb klandestine Indoor-Anbau, der auf schnellstmögliche Blüten-und THC-Produktion setzen muß. Deshalb, so erzählt mir ein erfahrener Hanf-Genetiker, werden für die Coffeeshops fast nur  schnelle Indica-Sorten auf Tempo produziert – Gras das eher “stoned” macht als “high”, was allein mit dem  THC-Gehalt wenig zu tun hat.

Über derlei Feinheiten hatten  wir schon 1994 gebrütet, als Jack Herer in der Jury des Cannabis-Cups war und wir drei Tage Zeit hatten unter den  besten neuen Sorten einen Favoriten zu küren. Wir hatten uns für die Blüten in Beutel Nr. 5 entschieden, wie auch die meisten anderen Juroren, denn diese Sorte, eine Züchtung der Sensi Seed Bank, gewann – und Sensi-Chef Ben Dronkers benannte sie nach dem Emperor of Hemp: Jack Herer. Sie ist heute nicht nur eine der beliebtesten Cannabis-Sorten in den Coffeeshops, auch bei den in den in Holland verschreibungsfähigen Hanfblüten aus der Apotheke handelt es sich um “Jack Herer”. Der THC-Gehalt ist auf der Dose mit 19,5% angegeben. Ein paar Krümmel, schadstoffarm per Vaporizer oder konventionell in Pfeife oder Joint, reichen – und…hui!!!! So muß Medizin wirken. Dass sie von einem Haufen Hippies in einem vernebelten Hotelzimmer in Amsterdam “entdeckt” wurde, mag zwar nicht den gesundheitsamtlichen Testmethoden entsprechen, aber hey: wer heilt hat recht. Und es ist eine gottverdammte Schande, dass Krebs,- MS,- Glaukom,- Schmerz,- und tausenden anderen Patienten in Deutschland diese ebenso wirksame wie unschädliche und preiswerte Medizin vorenthalten wird.

Zum 40. Mal jährt sich alsbald die Freilassung von John Sinclair, dem Autor, Musiker, Mitgründer der “White Panthers” und Manager der Proto-Punkband “MC 5″, den man 1969 wegen zwei Joints, die er an Undercover-Agenten weitergegeben hatte,  für zehn Jahre wegsperren wollte. Nach weltweiten Protesten und einem “Free John Sinclair”- Benefit, das Abbie Hofman, John Lennon, Yoko Ono, Stevie Wonder und andere Freunde organisiert hatten, kam er im Dezember 1971 frei.  Er ist bis heute on the road, in Amsterdam, in London oder in der (sterbenden) MotorCity Detroit, wo das Jubiläum seiner Freilassung dieses Jahr gefeiert  wird, mit vielen der Unterstützer von einst. Angesichts der gärenden, prä-revolutionären “Occupy”-Bewegung  ist der wütende Schrei, mit dem “MC 5″ einst den Rock’n Roll in Rock’n Revolution transformierte – und mir als 15-jährigem sämtliche Nackhaare massierte – denn auch aktueller denn je: Kick Out The Jams, Motherfuckers!

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