Ist die westliche Wertegemeinschaft von allen guten Geistern verlassen?

Die “Neue Zürcher Zeitung” hat eine Kolumne von Milosz Matuschek zur Causa Julian Assange publiziert, die sich auf das Angenehmste von der propagandistischen Schmiere unterscheidet, mit der die etablierten Medien zum Thema Wikileaks und Assange berichten:

“Der Fall Assange ist ein Kristallisationspunkt für die Dekadenz der Demokratie: Entweder hat der Bürger Entscheidungsmacht auf Basis transparenter Informationen, oder er ist Untertan.

1971 veröffentlichten die «New York Times» und die «Washington Post» Geheimdokumente der US-Regierung über den Vietnamkrieg. Der brisante Inhalt: Die Regierung rechnete nicht mit einem Sieg in Vietnam, war aber bereit, weiter amerikanische Bürger zu verheizen. Die Veröffentlichung der «Pentagon Papers» half den Krieg zu beenden, auf die Journalisten regnete es Pulitzerpreise, und insgesamt war es ein Sieg der Wahrheit über die offizielle Propaganda.

Derartige Sternstunden sind heute selten geworden. Gut, wir erfuhren, dass der US-Geheimdienst eigene Bürger und befreundete Staats- und Regierungschefs abhörte, von «weisser Folter», Guantánamo und von zahlreichen Kriegsverbrechen, wie im Fall von US-Soldaten, die von Helikoptern aus irakische Zivilisten und zwei Reuters-Journalisten erschossen, als wäre es Counter-Strike – gemäss den USA eine reguläre Anti-Terror-Aktion. Doch das meiste davon erfuhr man nicht zuerst aus Qualitätsmedien, sondern von Wikileaks. Und für die Veröffentlichung vieler als geheim klassifizierter Dokumente über Verbrechen der Mächtigen droht Julian Assange jetzt in den USA eine Haftstrafe von 175 Jahren. Erstmals könnte ein Publizist dort wegen Spionage verurteilt werden.

Im Kern geht es im Fall Assange um die Existenz der westlichen Demokratie. In der echten Demokratie ist jeder Bürger ein Fürst, auch und gerade der Dissident. Der Bürger hat als Souverän die Entscheidungsmacht. Entscheidungen kann er jedoch nur auf Basis von wahren Informationen treffen. Werden ihm diese vorenthalten, verwandelt sich Demokratie in eine Plutokratie und der Bürger in ein unter Kuratel stehendes Kind, einen Untertan mit Konsumrecht. Der Staat darf Feinde belügen, nicht aber den eigenen Bürger – ausser, er betrachtet ihn als Feind.

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4 Comments

  1. Solange der Bürger als seelenloser und manipulierbarer Konsument in dieser Scheindemokratie des Neofeudalismus auftritt, haben das gekaufte Parteiensystem, die mittlerweile gleichgeschalteten Medien, der Deepstate des MIK, die Wirtschaftsmafia und die Finanzmafia ala Blackrock und Co. kein Problem. Fängt jemand aber an, im Untergrund zu bohren, Nachzuforschen, stellt dann auch noch unbequeme Fragen oder Veröffentlicht sogar das was er an Ungereimtheiten rausgefunden hat, bekommt er mit voller Wucht die Macht dieser Institutionen zu spüren.
    Assange bekommt diese gerade zu spüren.
    Aber nicht nur Assange, auch Dirk Pohlmann wird das Leben schwer gemacht wo es nur geht. So schwer, dass vor einigen Tagen auf Ken FM ein Aufruf um Unterstützung für Dirk Pohlmann von Stephan Bartunek gestartet wurde.
    https://kenfm.de/standpunkte-%e2%80%a2-der-fantastische-dirk-pohlmann-podcast/
    Hier von westlicher Wertegemeinschaft zu sprechen, finde ich irritierend Herr Broeckers? Gerade wo unsere Institutionen seit geraumer Zeit dabei sind, diese im Lokus zu entsorgen. In “Anführungsstriche” gesetzt, hätte ich es verstanden!
    Wie weit es mit den viebeschworenen Werten des Westens gekommen ist und welche Manipulationen angewandt werden müssen um diese noch zu verkaufen, beschreibt Rainer Mausfeld in seinem Buch “Angst und Macht”. Für die Nachdenkseiten hat Lutz Hausstein dieses rezensiert. Und wie er das gemacht hat, nötigt gehörigen Respekt ab. Deswegen hier der Link: https://www.nachdenkseiten.de/?p=53505
    Gleich zu Anfang dieser überzeugende Vergleich zum Film “Matrix”. Die Frage welcher sich jeder stellen muß. Welche Pille nehme ich, die Blaue oder die Rote? Will ich weiterhin ein Seelenloser Konsument bleiben, welcher alles glaubt was ihm die Staatsmedien auftischen? ….. Oder habe ich den Mut die Rote zu nehmen und mich damit gegen das Establishment und den gängigen Mainstream zu stellen?

  2. wenn der Fürst der Führende sein soll, können nicht alle Fürsten sein. Eine perfekte Demokratie gäbe es, wenn alle Mitglieder (Wahlbeteiligten) gleich informiert und gleich motiviert wären, also unrealistisch. Aber auch dann, würde das was bringen? Die Essenz der demokratischen Methode ist die Entscheidungsfindung bei konfligierenden Interessen. Es ist eine procedurale Methode, die sich der Procedur des Stimmenzählens bedient, analog zum den Kürzeren ziehen oder den Oracle befragen. Der Verlierer (50%-1) trägt immer die Kosten. Der bei uns praktizierte Proporz führt sogar dazu, daß effektiv eine 25%-ge Minderheit den Rest der Bürger erpressen kann (bei der letzten Bundestagswahl bekam die CDU 33% bei einer Wahlbeteiligung von 76%). Von einer perfekten Demokratie ist das weit entfernt.

  3. Schwedens Justiz verfolgt gerade wieder mal einen ausländischen Promi: der schwarze US-Rapper ASAP Rocky soll zwei Tage vor seinem Auftritt einen Mann auf offener Straße niedergeschlagen und verletzt haben und wurde deshalb nach dem Konzert in der Nacht vom 2. Juli festgenommen. Dem Rapper droht eine Haftstrafe bis zu zwei Jahren; Bewährungsstrafen gibt es in Schweden nicht.

    Wie bei Assange sind da einige Merkwürdigkeiten im Spiel: Wurde er belästigt / gestalkt, hat in Notwehr gehandelt und kann das durch u.a. im Internet kreisende Videos beweisen (wie seine Verteidiger geltend machen) oder hat die Staatsanwaltschaft weitere, bisher nicht öffentlich bekannte Beweismittel in der Hand, die gegen ihn sprechen?

    Vielleicht nur ein kurioser Zufall, aber den Rapper können die Staatsapparate der Schweden wie der Amis gut gebrauchenals eine Arte “Anti-Assange”, um ihren in der Assange-Affäre jeweils angekratzten Ruf als demokratischer Rechtsstaat aufzupolieren:

    – Die Schweden zeigen die Unabhängigkeit ihrer Justiz, die sich nicht nur Assange zur Brust nimmt, sondern auch andere Promis und sogar Amis nicht schont.
    – Trump kann sich als fürsorglicher und grundrechtssensibler Präsident aller US-Bürger – gerade auch der schwarzen – profilieren und den zuletzt verstärkten Rassismus-Vorwürfen gegen ihn den Wind aus den Segeln nehmen.
    – Und die Vertreter und Fanboys der tiefen Staaten können am aktuellen schwedischen Beispiel darauf verweisen, dass die Vereinigten Staaten gar keine unterwürfigen transatlantischen Vasallen haben, wie immer wieder gemunkelt wurde.

    https://web.de/magazine/unterhaltung/stars/asap-rocky-haft-donald-trump-versucht-verhandeln-33880706
    https://www.welt.de/kultur/pop/article197454335/Asap-Rocky-Rapper-kommt-in-Schweden-vor-Gericht.html

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