Dramatische Verrottung

“Die „Vierte Gewalt“ — ist sie heute überhaupt noch mehr als der Steigbügelhalter der ersten? Etablierte Journalisten gebärden sich derzeit wie eine Mischung aus inoffiziellen Regierungssprechern, Impf-Verkündigern und Volkserziehern. Auch zur NATO und ihren Verbrechen stehen die Heroen der Laptoptastatur in Treue fest. Speziell zwischen Qualitätsjournalisten und die offizielle Corona-Linie passt kein Blatt Papier. Unbotmäßige Kollegen, die verpetzt und ausgegrenzt wurden, werden im Regen stehen gelassen. Als würde nicht gerade der kritische Geist, der Widerspruch, der unausrottbare Hang zum Selberdenken die Medienlandschaft in diesem Land lebendig halten. Dieses traurige Versagen überall bündelt sich nun in einer Institution, die in Jahren des Medienfunktionärstums zu einer Karikatur ihrer selbst erstarrt ist: dem Deutschen Journalistenverband. Warum eigentlich sollte jemand, der den Namen „Journalist“ noch verdient, dort Mitglied bleiben? Reicht als Grund das befriedigende Gefühl, bei Veranstaltungen mit dem einschlägigen Ausweis wedeln zu können? Dem Autor reicht es. Er ist ausgetreten und sagt DJV-Chef Frank Überall auf unmissverständliche Weise, warum.”

So kündigt  “Rubikon” an diesem Wochenende den offenen Brief an, den der geschätzte Wolf Reiser zu seinem Austritt aus dem Journalistenverband DJV geschrieben hat. Und den man der gesamten schreibenden und sendenden Zunft dringend ans Herz legen muss – den Brief und den Austritt.Seinen Unmut über die Verwahrlosung des Journalismus, der Echokammereliten und den Singsang sermonaler Konsensmessen hatte er schon vor einigen Jahren in zwei fulminanten Essays dargelegt, jetzt haben  ihm die zur “Wachturm”-Brigade der “Zeugen Coronas” mutierten Medien und ihr Verbandssprecher  dem Kollegen Reiser den Rest gegeben. Was ich nur zu gut nachvollziehen kann:

“Haben Sie im letzten Jahrzehnt irgendetwas Substanzielles aus dem Umfeld der DJV-Journaille vernommen? Etwa zum Thema prekäre Arbeit und faktische Massenverarmung? Implosion von Schul- und Gesundheitswesen? Amazon? Google? Apple und grassierende Spionage? WEF und der Transhumanismus? Green-Deal-Hedgefonds? Geo-Engineering? Warburg-Cum-Ex-Komplex? Migrantengewalt? UN-Agenda 2030? Depopulationsprojekte? Energie-Blackout? Blackrock? Vanguard? Vierte industrielle Revolution? Wirecard? Pharmakriminalität? Aus dem Ruder laufende Weihnachtsmärkte? Tragik der Pädokriminalität? Soros- und Gates-Stiftungen? Bekam nicht unser lustiger TV-Doktor Eckart von Hirschhausen gerade eben 1,4 Millionen Euro überwiesen?

Sicher haben wir irgendwie irgendwas gehört. Aber ich rede nicht von pflichtseligen Eintagsfliegen und Alibigeplapper, sondern von beharrlichem, aufrichtigem Recherchieren, Wühlarbeit, Brennpunkten, Presseclubsendungen, richtigen 90-Minuten-Specials, mehrwöchigen Printserien — mit Reisespesen und echt garstigen Fragen — wie damals Robert Redford und Dustin Hofmann in der Lieblingsromanze aller Regimechangelehrlinge. Männer wie Bob Bernstein und Carl Woodward wären nebenbei im Deutschland 2022 die vollen Nazis mit gelöschten YouTube-Kanälen und haufenweise Netzwerkdurchsuchungsklagen.

Stattdessen betten sich arrivierte BertelsmännerInnen wie Dunja Hayali, Anne Will, Giovanni di Lorenzo, Josef Joffe, Maybrit Illner, Marietta Slomka, Tina Hassel, Carmen Miosga, Sandra Maischberger, Claas Relotius, Frank Plasberg und in den Warteschleifen Tausende sneakertragende Wahrheitsvermittler in das große Machtgeflecht zwischen Davos, Brüssel, London, Washington, Valley und Wallstreet ein und haben die Rolle der vierten Gewalt mit jener der fünften Kolonne getauscht.”
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3. JT #73: Bye Bye Corona

Die Stimmung kippt: Inzwischen spazieren jeden Montag in Deutschland hunderttausende Menschen gegen die Corona-Maßnahmen, weil Demonstrieren verboten ist. Und spätestens mit Omikron fällt das Narrativ vom Killervirus in sich zusammen. Wie geht das weiter? Außerdem: Russland, die Ukraine und Kasachstan rücken ins Zentrum der geopolitischen Auseinandersetzungen – und Deutschland landet wieder mitten im Kalten Krieg. Und was gibt’s eigentlich Neues von Julian Assange? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #73 des 3. Jahrtausends.

Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded

Erinnern Sie sich noch an “Russiagate” ? Die von allen westlichen Großmedien verbreitete Verschwörungstheorie, dass Donald Trump mit Hilfe des Kremls ins Weisse Haus gekommen ist und von Wladimir Putin mit anzüglichen Pippi-Videos erpresst wird. Und dass Hillary Clinton die Wahl nur verloren hat, weil “russische Hacker” ihre emails und Dokumente der Partei gestohlen und an die Öffentlichkeit brachten, wie sie den aussichtsreichen Bernie Sanders um die Kandidatur betrogen hatte. Und dass diese unsichtbaren “russischen Hacker” über Twitter und Facebook die Wahlen manipulieren und dabei sind, die Demokratie zu unterwandern ? Erinnern Sie sich noch an die großen Enthüllungen des offiziellen “Mueller Reports” über die “russische Einmischung”, die Tag für Tag in den Nachrichten angekündigt wurden ? Falls Sie das vergessen haben, ist es völlig in Ordnung, denn sie kamen nie,  da es sich bei diesem ganzen “Russiagate”-Komplex mit unsichtbaren Hackern und dem Gottseibeiuns Putin um hochgradiges Geschwurbel handelte.

Nicht vergessen sollten Sie allerdings, dass uns diese Legenden, Mythen und Verschwörungserzählungen seit Sommer 2016 als Fakten und reale Nachrichten aufgetischt wurden. Jetzt aber wandelt sich das Narrativ, wie das Cover des Economist vom 8.Januar 2022 sehr schön zeigt, erschienen vor dem “Nicht-Dialog-Dialog” zwischen USA und Russland in Genf und Brüssel vergangene Woche. Nicht mehr subtil, von unsichtbaren Hackern und Facebookern wird die Demokratie unterwandert, sondern direkt und vom Ultrabösen persönlich mit Knarre bedroht, der es sich tatsächlich herausnimmt, die Truppen in seinem Land aufzustellen wo er will – zum Beispiel an die Grenze zur Ukraine, an der auch das US-Imperium und die Nato gerne ihre Raketen aufstellen würden. Wogegen die Russen Sicherheitsbedenken vorbringen –  verständlicherweise, denn wenn sie im Gegenzug ein paar Hyperschall-Raketen auf Kuba stationieren und Atom-U-Boote in den “freien Meeren” des Golf von Mexico cruisen lassen, wäre das ein direkter Flashback zurück in “Kuba-Krise”….

100 Jahre JFK (6): Wie ein geheimer “Back Channel” mit Russland den Atomkrieg verhinderte

“Diese Blechköpfe haben einen großen Vorteil. Wenn wir auf sie hören und tun, was sie wollen, ist hinterher niemand von uns mehr am Leben, um ihnen zu sagen, dass sie falsch lagen”, sagte John F. Kennedy zu seinem Berater O’Donell, als sie im Oktober 1962 eine Sitzung mit dem Generalstab verliessen, in der sich die Militärs und fast alle seiner Kabinettsmitglieder außer John McNamara und Robert Kennedy für einen sofortigen Angriff auf Kuba ausgesprochen hatten. Um einen Krieg zu verhindern, sah JFK nur noch die Möglichkeit, eine letzte Option zu nutzen, von denen weder die Militärs noch die Geheimdienste und sein Kabinett zu dieser Zeit wussten: seinen geheimen »Back Channel« mit dem Partei- und Regierungschef auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs, den Kontakt mit Nikita Chruschtschow…

Dass es einen solchen Kanal heute noch gibt und sich die säbelraselnden “Blechköpfe” nicht durchsetzen, kann man nur hoffen. Von US-Seite wird derzeit aber eher weiter an der Eskalationsschraube gedreht. Dort werden private ukrainische Truppen trainiert – um jene Milizen zu verstärken, die bevorzugt mit SS-Runen antreten um die abtrünnigen Republiken “heim ins Reich” zu holen –   und im US-Senat werden Sanktionen gegen den russichen Präsident und leitende Minister gefordert, falls Russland eine Invasion der Ukraine durchführt. Eine solche war und ist von Russland nie geplant, wird aber von westlicher Seite seit Wochen geradezu herbeigeschrieben – mittlerweile schon mit der tollen Legende, dass Russland eine False Flag Operation der Ukraine zuschieben und als Anlass für einen Einmarsch nehmen könnte.

Dass Russland keinerlei Interesse an einer Einverleibung der Ukraine oder auch nur der zwei abtrünnigen Republiken hat und seit Jahren ohne Unterlass auf die Minsker Verhandlungen  zwischen Kiew und der autonomen Regierung pocht, um das interne ukrainische Problem zu lösen – all das hält die hiesigen Großmedien nicht ab, die Invasionsgelüste Putins zu beschwören. Allen voran Nato-Clown Stoltenberg, dem es nach den großen Erfolgen seiner Truppe in Libyen, Syrien und Afghanistan nach neuen Budgets und Expansion gelüstet, die ohne einen fiesen Aggressor, den man “in die Schranken weisen muss”, nun mal nicht zu haben sind. Schon warnt die FAZ: “Nach der Ukraine ist Europa dran”, klar: mit weniger als der  Weltmacht ist das Kremlmonster nicht zufrieden.

Das weiß natürlich auch die vom Trampolin ins Außenministerium gehupfte Völkerballexpertin Annalena Baerbock, die bei ihrem Antrittsbesuch in Moskau den transatlantischen “Nicht-Dialog-Dialog” wohl fortsetzen wird: „Wir sind entschlossen, zu reagieren, wenn Russland stattdessen den Weg der Eskalation geht.“ Nun hat sich schon ihr olivgrüner Kollege Habeck im Wahlkampf mit Stahlhelm an der ukrainischen Ostfront fotografieren lassen und scheint gegen das Schlachtfeld, zu dem Europa und Deutschland in einem militärischen Konflikt mit Russland werden, nichts weiter einzuwenden haben.  Da kann nur hoffen, dass mit der Entschlossenheit “zu reagieren” nicht die Bundeswehr gemeint ist , die mit US-und Nato-Truppen gerade von der Barfussarmee der Taliban verjagt wurde – und dass auch Kanzler Scholz einen diskreten Back Channel nach Moskau hat und den Ball flach halten kann.

Ganz im Sinne von großen Vorgängern wie Willy Brandt und Egon Bahr, die nach dem Mauerbau auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs für eine Pipeline nach West-Berlin sorgten, von der die Inselstadt mit Benzin und Öl beliefert wurde – über die DDR-Raffinerie in Schwedt  direkt aus der Sowjetunion. “Die Amis haben damals getobt, aber wir haben es durchgesetzt, es ging ja nicht anders”, sagte Egon Bahr dazu, als wir einige Monate vor seinem Tod 2015  über “Nordstream 2” sprachen. Es geht auch heute nicht anders, der Industriestaat Deutschland und Westeuropa sind in Sachen Energie eine Insel wie damals die Mauerstadt – und Flüssiggastanker aus USA derselbe Schwachsinn wie seinerzeit Benzinlaster von  Helmstedt nach Berlin. Schwachsinnig wie im Übrigen auch die gesamte  “Kauft nicht beim Russen!”-Haltung, die den Rohstoff-Riesen dieses Planeten mit Sanktionen  in die Knie zwingen will:  China und ganz Asien werden jeden Kubikmeter russisches Erdgas und Öl auf Jahrzehnte dankbar abnehmen während der Westen in die leere Nordstream-Röhre guckt.

Bei der Frage, warum  von  deutscher und europäischer Seite so wenig vernünftige Realpolitik betrieben und statt auf Handel und Wandel auf Konfrontation gesetzt wird, stößt man unweigerlich darauf, dass sich das anglo-amerikanischen Imperium in seinem Great Game nach wie vor im  “Kampf um die Weltinsel” befindet. Und seine Raketen – wie weiland die Kanonenboote im Opiumkrieg mit China – vor der Haustür eines jeden aufstellen will, der sich nicht freiwillig unterwirft. Russland hat den “Partnern” nun im Dezember seine Sicherheitsbedenken schriftlich dargelegt und klar gemacht, dass es mit dieser Kanonenbootpolitik vorbei ist und Nato-Raketen in der Ukraine und Georgien inakzeptabel sind. Was ist an der Forderung nach militärischer Neutralität dieser beiden Ex-Sowjetstaaten und dem versprochenen  Ende der Nato-Expansion so “aggressiv”, dass man darüber nicht einmal reden will ? Wenn mir das jemand erklären kann bitte ich auch um eine Erklärung, was an der Nicht-Nato-Mitgliedschaft Östereichs und der Schweiz so gefährlich ist. Schon in unserem Buch “Wir sind die Guten” (2015/2019) ist dargelegt, warum eine blockfreie Neutralität als Hub zwischen Russland und der EU für die Ukraine eine weitaus bessere Lösung darstellt als der anti-russische Frontstaat, den der Westen jetzt daraus gemacht hat. Ein “failed state” in jeder Hinsicht…

Die akute Atomkriegsgefahr wurde vor 60 Jahren beendet, weil Kennendy die russischen Sicherheitsbedenken ernst nahm: die in der Türkei stationierten US-Raketen wurden ebenso zurückgezogen wie die sowjetischen auf Kuba. Wenn der mit quasi taoistischem Geduldsfaden ausgestattete russische Außenminister Lawrov jetzt sagt, dass seine Geduld am Ende ist, sind das keine leeren Worte. Schon im Syrienkrieg hatten die Russen dem Empire of Chaos bei seiner Expansion die Rote Linie gezogen, indem sie mit ihrem überlegenen S-400-Abwehrsystem die Luftraumkontrolle übernahmen; in Kasachtan haben sie gerade mit der CSTO  den Versuch eines Putschs im Huckepack von lokalen Protesten im Ansatz erstickt und mit der Inbetriebnahme der neuen Hyperschall-Raketen, die nicht abgefangen werden (und nuklear bestückt sein)  können, ist ein wahrer “Game Changer” am Start. Es braucht jetzt nicht einmal mehr einen Stützpunkt in der Karibik für eine global  äußerst brenzlige Situation wie in der Kubakrise: sie können jeden Punkt in den USA jederzeit erreichen. Und auch mit dem Stolz der US-Navy, den milliardenschweren Flugzeugträgern, mit denen man vorfahren und wehrlose Länder in Schutt und Asche legen konnte, ist es vorbei – angesichts der Mach 10 schnellen Rakete Kinzhal sind sie als lame ducks künftig nur noch für historische Flottenparaden tauglich. Russland verlangt Verhandlungen über die Nato-Expansion also nicht aus einer Position der Schwäche. Dass die “Blechköpfe” im Pentagon das wissen und entsprechend verhandeln, kann die Einwohnerschaft Mitteleuropas nur wünschen und sollte alles dafür tun, nicht zum Schlachtfeld zu werden und  Europa aus dem Schlepptau des sturheil unipolaren US-Imperiums zu lösen. Der planetare Rohstoffriese Russland ist keine “Regionalmacht mit Tankstelle” (wie noch Obama spottete), sondern ein militärischer Hyper-Schall-Bär, der mit der Werkbank der Welt China jetzt auch noch einen ökonomischen Drachen im Rücken hat – und in diesem Verbund den gesamten eurasischen Wirtschaftsraum erschließen wird. Wenn Europa von diesen Märkten des 21.Jahrhunderts nicht abgehängt werden will, ist ein Abrüstungs,- Beistands,- und Handelsvertrag von Lissabon bis Wladiwostok überfällig. Das “Kremlmonster” Putin hat das übrigens schon 2007 vorgeschlagen. Höchste Zeit, dass sich die Muppet-Figuren in Berlin und Brüssel daran erinnern…

Auch erschienen auf krass&konkret und auf Rubikon

“Wenn Du stirbst bevor du stirbst, wirst du nicht sterben, wenn Du stirbst” 

In der letzten Folge des 3. Jahrtausend hatten wir uns mit dem unsterblichen Bewusstsein und den Indizien und Beweisen für ein Weiterleben jenseits von Materie beschäftigt. In den Links zur Sendung sind zahlreiche Bücher und Publikationen angegeben, die Nahtod-Erfahrungen, Jenseits-Kontakte und Reinkarnations-Erinnerungen auf seriöse Weise untersucht haben. Darunter auch die umfangreichen Beiträge eines hoch dotierten Essaywettbewerbs des Bigelow Institute for Consciousness Studies, die einen sehr guten Überblick zum Stand der gegenwärtigen Forschungen geben. Dass nahezu alle Kulturen der Welt davon ausgehen, dass das Bewusstsein des Menschen den körperlichen Tod überdauert, wird von der materialistisch orientierten Wissenschaft gemeinhin als hoffnungsstiftende Illusion angesehen, mit der die Menschen zu allen Zeiten auf die Angst vor dem unausweichlichen Ende reagiert haben –  mit der es aber definitiv zu Ende ist, wenn Gehirn und Kreislauf ihre Arbeit eingestellt haben. In den letzten Jahrzehnten aber ist diese wissenschaftliche Ansicht ins Wanken geraten, weil aufgrund der Fortschritte der Notfallmedizin immer mehr klinisch tote Menschen wiederbelebt werden und unabhängig von Alter, Status, Religion und Kultur von übereinstimmenden Erfahrungen berichten. Diese empirischen Daten lassen es nicht mehr zu, die Forschungen zu diesem Phänomen in den Bereich der Esoterik und Glaubensfragen abzuschieben – mit harten Fakten tanzt der Tod aus der Reihe der materialisitischen Bauklötzchenwelt und macht klar: Bewusstsein…Geist…Seele sind nicht an einen Körper gebunden. Sie haben vor seiner Geburt “gelebt” und werden nach dem körperlichen Tod weiterleben.

Der rationale Aufklärer Immanuel Kant setzte sich in “Träume eines Geistersehers” (1766) mit den Schriften seines Zeitgenossens, des Naturiwssenschaftlers  Emanuel Swedenborg auseinander, der 1744 begonnen hatte, seine mystischen Offenbarungen auf über 20.000 Druckseiten zu publizieren. Zu Anfang höchst fasziniert fand Kant diese Enthüllungen dann zwar “ganz abscheulich und voll Unsinn” und schimpfte den Autor einen “Fantatsten”,  kam aber nicht umhin zu Swedenborgs Gesprächen mit Geistern und Engeln festzustellen: „…in welche erstaunlichen Folgen sieht man hinaus, wenn auch nur eine solche Begebenheit als bewiesen vorausgesetzt werden könnte?” Diese Voraussetzung scheint mittlerweile anhand  tausender durch die Nahtod-Forschung dokumentierter Begebenheiten durchaus gegeben – und die “erstaunlichen Folgen” sind für das herrschende materialistische Weltbild nach wie vor erschütternd. Wie auch schon Kants Bekenntnis “das Dasein immaterieller Naturen in der Welt zu behaupten und meine Seele selbst in die Klasse dieser Wesen zu versetzen. Was in der Welt ein Prinzipium des Lebens enthält, scheint immaterieller Natur zu sein.“  Weil wir es aber nicht erkennen können, hat es für ihn keinen Nutzen, sich Gedanken über die Frage zu machen “ob eine Seele, die sich geistig ganz in der anderen Welt sieht, in der sichtbaren Welt durch sichtbare Wirkungen erscheinen werde und könne. Dies ist nicht möglich” , konstatierte Kant, “denn nur Materie kann sinnlich angeschaut werden, nicht aber ein Geist.“ Womit für Aufklärung und Rationalismus die Untersuchung des Geistigen und Immateriellen quasi erledigt und eine Kernfrage der Existenz auf ein naturwissenschaftliches Abstellgleis verschoben war.

Dort ist sie bis heute weitgehend verblieben, auch wenn sämtliche Fortschritte der Neurologie und Hirnforschung noch immer nicht erklären können, was “Bewusstsein” ist und inwieweit die Aktivitäten von Gehirnzellen dafür verantwortlich sind. Das anhand schwerer Kopfverleztungen im Ersten Weltkrieg häufig beobachtete Phänomen, dass überlebende Hirngeschädigte plötzlich  eine andere (ihnen bis dahin  fremde) Sprache fehlerfrei sprechen, dass ungebildete Bauernjungen in medialer Trance Diktate komplexer Abhandlungen niederschreiben oder ein fünfjähriges Kind die statischen Probleme nach dem Einsturz eines Neubaus erklären kann, die es aufgrund eines früheren Lebens als Architekt parat hat – all diese Rätsel sind ungelöst und deuten darauf hin, dass das menschliche Gehirn nicht der Produzent, sondern der Empfänger von “Geist” ist, also ein Receiver und Verstärker und nicht die  Sendeanstalt. Auch wenn auf der zerebralen Festplatte einiges gespeichert ist, scheint Bewusstsein in einer  immateriellen “Cloud” gespeichert, die nach dem Ende der neuronalen Hardware weiterhin erreichbar ist. Und die es verstorbenen Seelen offenbar ermöglicht, Kontakt mit der materiellen Erde aufzunehmen und Lebenden, sofern sie mit besonderen “Antennen” ausgestattet sind, Nachrichten zukommen zu lassen. Das schloß auch Kant, der nüchterne “Alleszermalmer” jeglichen spekulativen Aberglaubens, seinerzeit keineswegs aus, auch wenn normalerweise „die über die fünf Sinne hinausgehenden immateriellen Sinne während des Lebens verschlossen (bleiben)”. Besonderen Personen aber, “deren Organe eine ungewöhnlich hohe Reizbarkeit haben”, sei es möglich, “sich bisweilen der Einflüsse von Seiten der Geisterwelt sogar in diesem Leben bewusst zu werden.”

Eine solche Person, ein  “Medium”,  suchte der Mediziner und Informatik-Professor Oliver Lazar 2017 auf, als er durch den Unfalltod einer ihm völlig unbekannten Mitschülerin seiner kleinen Tochter in eine unerklärlich tiefe Trauer und seelische Krise gestürzt war. Und die Botschaften und Identitätsbeweise, die ihm von dem verstorbenen Mädchen übermittelt wurden, waren so unglaublich, dass er eine wissenschaftliche Studie auflegte, um solchen Jenseitskontakten auf die Spur zu kommen. Sein Buch “Jenseits von Materie” ist gerade erschienen und mein Kollege Robert Fleischer hat mit Oliver Lazar ein Gespräch über seine Erfahrungen und Forschungen  geführt. Wie so oft bedurfte es auch bei Lazar einer intensiven persönlichen Erfahrung, um aus einem materialistischen Mediziner und Wissenschaftler einen Jenseitsforscher zu machen und wie der Neurochirurg Eben Alexander nach seinem Nahtoderlebnis sein Weltbild von Geist und Materie vom Kopf auf die Füsse zu stellen.

Schon zu Kants Zeiten, später  auf einem Höhepunkt des “Spiritismus” um die vorletzte Jahrhundertwende und bis in unsere Tage haben skeptische Wissenschaftler immer darauf hingiewesen, das man auf derlei paranormale Phänomene wenig geben  sollte, weil sie unbeweisbar seien und es sich dabei um Hirngespinste und Halluzinationen oder um Betrügereien handelt. Beides ist mit Sicherheit nicht auszuschliessen und die Geschichte ist voll von geschäftstüchtigen Scharlatanen, Ablaßverkäufern und Wunderheilern – und sie ist gleichzeitig voller wahrer Wunder, unerklärlicher Phänomene und immaterieller Aktivitäten. Schon vor hundert Jahren wurde der atomistischen Bauklötzchen-Physik mit der “geisterhaften Fernwirkung” (Einstein)der Quanten ihr materielles Fundament entzogen. Ist  “das sogenannte Übernatürliche” gar nicht übernatürlich, sondern wir und unser Wissen schlicht und ergreifend unternatürlich ? Und müssten nicht allein die Nahtod-Evidenzen, die massenhaften und übereinstimmenden Daten  dieser “Empirie in der ersten Person”, dazu führen, dass dieser naturwissenschaftliche Rückstand endlich aufgeholt wird ? Wie sinnvoll ist ein “Transhumanismus”, der mit Chips, Implantaten und Gentechnik an der menschlichen Hardware herumschraubt und die entscheidende Software des Humanen – die unsterbliche Seele – ignoriert. Und damit die Tatsache, dass Menschsein per se ein Transitzustand ist: vom aquatischen Wesen im Ozean des Mutterleibs über das Luftwesen nach der Geburt zum unsterblichen Geistwesen nach dem Tod.

  “Wenn Du stirbst bevor du stirbst, wirst du nicht sterben, wenn Du stirbst”  – die Inschrift, die sich am Kloster auf dem Berg Athos in Griechenland erhalten hat, weist nicht nur zurück auf die antiken Mysterien von Eleusis, sondern könnten auch sehr gut als Zustandsbeschreibung für jene Menschen gelten, die der aktuellen Forschung von Nahtod,-und Jenseitserfahrungen als Zeugen zur Verfügung standen: ihre Angst vor dem Tod schwindet, sie wissen, dass es weitergeht, dass es ein Bewusstsein jenseits des Körpers gibt. Das ändert ihr Weltbild und viele ziehen aus dieser  Erfahrung entscheidende Konsequenzen für ihr weiteres Leben. Ihr materielles Ego hatte aufgehört zu atmen, aber ihr Ich-Bewusstsein war geblieben und bedauerte es vielen Fällen, auf die kalte Notfallstation zurückgeschickt zu werden, in der es sich –   als wohlig aufgehobenes immaterielles Geistwesen schwebend –  auf dem Bett liegen sah. “Wer nicht in Eleusis war, kann Leben und Tod nicht verstehen” hatten die Griechen geraunt, nachdem ihnen die Initiation mit dem psychedelischen Trank der Demeter eine ähnliche Erfahrung beschert hatte wie den aus dem Jenseits zurückgekehrten Nahtod-Kandidaten: der ozeanischen Entgrenzung, der Auflösung des Ichs, einer Existenz und immateriellen Verbundenheit außerhalb des Körpers.

Diesem Geheimnis des “Sterbens vor dem Sterben” ist Brian Muraresku in seinem Bestseller „The Immortality Key: The Secret History of the Religion with No Name“ nachgegangen – den Spuren des in Eleusis gereichten Gebräus mit Mutterkornpilz, das sich in Form des von Frauen zubereiteten dionysischen Weins im gesamten griechischen Großreich verbreitet hatte. Bis in die Katakomben von Rom, wo die bis ins 4. Jahrhundert verfolgte Sekte der Christen ihre Rituale feierte…bis Kaiser Konstatin das Christentum zur Staatsreligion machte,  die Priesterinnen aus dem Ritus verschwanden und das psychoaktive Sakrament zum Messwein-Placebo verdünnt wurde. Mit der Zerstörung des Tempels von Eleusis durch den christlichen Barbaren Alarich im Jahr 395 wurde das Abendland von der Selbstverständlichkeit eines unendlichen, immateriellen  Bewusstseins, einer unsterblichen Seele, abgeschnitten.

Bessere Nachrichten als die, dass die gesamte Menschheitsfamilie – Geimpfte und Ungegeimpfte  – mit einem unsterblichen Bewusstsein geboostert ist, kann es angesichts eines weiteren Corona-Jahrs, in dem die Welt mit der Angst vor  einem “Killervirus” in Panik versetzt wird, eigentlich nicht geben. Ewiges Leben ist machbar, Herr Nachbar, es ist sogar werkseitig eingebaut! … möchte man den maskiert am TV bibbernden Verängstigten zurufen, oder mit dem “Eintracht”-Trainer und hessischen Groß-Philosophen Stepi Stepanovic: “Lebbe gehd weider!”. Wer das nicht nur glaubt, sondern weiss, kann den Massenwahn des Coronahorrors fraglos entspannter ertragen, auch wenn diese Gewissheit viele weitere Fragen aufwirft. Zum Beispiel, was sich die unsterblichen Seelen eigentlich dabei denken, sich im gefährlichsten und gierigsten Raubtier dieses Planeten – Homo sapiens – niederzulassen, wo sie doch immateriell und engelartig gelassen über den Dingen schweben könnten, statt sich hinieden mit 8 Milliarden Raubtieren um FFF (Fressen/Ficken/Fernsehn) etc. zu prügeln. Und das ist nur eine von vielen Unklarheiten, die sich beim Neusortieren von Geist und Materie, dem Paradigmenwechsel zu “Mind over Matter” ergeben. Tröstlich aber bleibt die Nachricht vom ewigen Leben auf jeden Fall…

 

One thing I can tell you is you got to be free

 

Am Heiligen Abend 1968 bekam ich das “Weiße Album” der Beatles. Ich war 14, LPs waren wertvoll und teuer und dies war mein erstes Doppelalbum. Mein Vater hatte ein Jahr zuvor die Grundig-Musiktruhe mit Bullaugen-Radio durch eine HiFi-Anlage mit vier Lautsprechern ersetzt und als das Weihnachtskonzert von Manfredini ausgeklungen war, hielt ich mein Geschenk hoch: “Nur ein Stück jetzt hier, aber laut, den Rest höre ich dann in meinem Zimmer.” Und wie liessen sich `68  barocke Weihnachts-Vibes besser rocken als mit dem Eröffnungsstück “Back in the USSR” , eigentlich nur eine ironische Antwort auf den “Surfin USA”-Hit  der Beach Boys, mit deren Sänger Mike Love sie gerade eine Zeit beim Guru Maharishi in Indien verbracht hatten – aber im  Kalten Krieg damals schon eine kleine Provokation, und dann auch noch “Revolution”. Ein etwas einfühlender DJ hätte dem klassischen Weihnachtskonzert auch nahtlos  “Blackbird” folgen lassen können oder  “Julia” oder “I will”, wunderbare, zeitlose Balladen, die den Menschen noch in 400 Jahren gefallen werden wie uns Heutigen die Barockmusik. Mir fiel das wieder ein, als ich jetzt  “Get back” angeschaut habe, die 3-teilige Dokumentation über dreieinhalb Wochen im Januar 1969, in denen die vier Jungs an den  Songs für ihr nächstes und letztes Album – “Let it be” – arbeiten.

Erst kurz zuvor war das weiße Album mit 30 Stücken erschienen, jetzt wollen sie in drei Wochen 12 weitere Songs komponieren, schreiben, einstudieren und diesem kreativen Prozess zuzuschauen und zuzuhören – Peter Jackson hat die Aufnahmen aus über 150 Stunden bisher unveröffentlichtem Video-und Tonmaterial ausgewählt und aufbereitet – ist faszinierend. Am Ende steht nicht das ursprünglich geplante Konzert in der Halle, sondern auf dem Dach ihres Apple-Studios in London – der letzte Live-Auftritt der berühmtesten Band der Welt  wird von der Polizei wegen Ruhestörung beendet. Dies ist auch das Ende dieser Doku, mit zwei Stücken, deren Entstehung und Ausarbeitung der Film zeigt. Die Fab Four stehen unter Druck, brauchen Song-Material, überlegen uralte Sachen, noch aus der Zeit als sie 1960/61 sechs Stunden live Rock’n Roll auf der Reeperbahn spielten (bis George Harrison ausgewiesen wurde, weil er noch nicht 18 war und nicht in Nachtclubs auftreten durfte.)

Und dann kommt Paul McCartney eines morgens,  schrammelt auf seinem Bass einen Shuffle-Riff und singt eine Melodie dazu…  “Sweet Loretta Martin thought she was a woman, but she was another man…” Viel mehr Text gibts noch  nicht… nur den Refrain: “Get back…”. Ringo und George sitzen daneben, hören zu, singen mit,  George spielt auf der Gitarre ein paar Licks, später kommt John Lennon, es wird am Text gebastelt, gewitzelt, probiert… dann 14 Tage später auf dem Rooftop live gespielt und  im März/April ist die Single Nr. 1 überall auf der Welt. Nie war das “Making Of” eines globalen Hits schöner zu beobachten, das organische Genie einer Band: Ringo, der kaum etwas sagt, ist das “lebende Metronom”, Paul der Mozart und das melodische Herz, John der Beethoven und poetisch-politische Kopf, und George, der sich mit seinen  Songs zurückgesetzt fühlt – und das Setting zwei Tage verläßt – füllt die Kompositionen der beiden “Großen” mit feinsten  Harmonien. Als noch ein Piano gebraucht wird, stößt Billy Preston dazu – “er ist besser als Ray Charles” hatte George den Freund aus Hamburger Tagen empfohlen und als er beim Proben von  Don`t Let Me Down   aus dem Nichts den Signatur-Riff auf dem Fender-Rhodes zaubert, bekundet John: “Du bist jetzt in der Band!”

Einer Band, die leider nie wieder auftrat…obwohl sie live phantastisch gut war, wie es dieser Film wieder zeigt, nachdem sie schon Jahre zuvor Live-Konzerte aufgegeben hatte, weil das Teenie-Gekreische jede Musik zunichte machte. Und Musiker mit Leib und Seele waren diese vier Liverpooler Underdogs, die sich von Rock`n Roll Akkord-Malochern über die weltweit bejubelte Boy-Group zu einem Quartett entwickelt hatte, dass in der Popmusik unerreicht ist. Dass sie alle noch unter 30  sind und schon über 10 Jahre Karriere und ein Opus von gut  150 Werken auf dem Buckel haben, ist diesen jungen Burschen kaum anzumerken, auch wenn sie manchmal müde und erschöpft wirken. Dass dieser frische und freche Sänger, dass John Lennon nur noch 10 Jahre zu leben hat, stimmt beim Zusehen unmittelbar traurig. Dass allein seine Unzertrennlichkeit mit Yoko Ono, die bei den gesamten Proben immer dabei sitzt, zum Bruch geführt hat, kann der Film zwar nicht bestätigen, spürbar aber wird, dass die Harmonie in dieser Jungs-Truppe, die mit ihrer Musik die Welt erorbert hatte, darunter leidet. Ebenso wie unter Georges Mißmut, als Komponist und Songwriter nicht genügend vorzukommen – und auch die beiden Titanen hatten musikalische Differenzen.

Mit ihrer Musik ging für die Generation der Baby Boomer  die Sonne auf. Die Beatles waren nicht die Einzigen, aber sie waren die Kreativsten und Begabtesten und nichts was danach kam in der Popmusik  reichte an dieses musikalische Biotop heran, aus dem in kaum zehn Jahren   Dutzende Meisterwerke wuchsen. Natürlich hatten Produzenten und Arrangeure geholfen die Rohdiamanten zu schleifen, aber im Kern und in diesem Film zu hören und zu sehen, ist eine im Zuge von Digitalisierung und Computerisierung langsam aussterbende Art: hand-made music. E-Gitarre und Verstärker hatten den Singer/Songwritern nach dem 2. Weltkrieg die Werkzeuge geliefert, mit denen sie ihr Publikum auch  in großen Hallen und Stadien erreichten, Radio und TV brachten ihre Lieder in jedes Wohnzimmer, die Beatles  waren Mitte der 60er Jahre das erste globale Ergebnis dieses technologischen Wandels  und – wie “Get back” zeigt – nach wie vor großartige musikalische Handwerker. Zwei Gitarren, ein zierlicher Bass, einer klatscht einen Rhythmus…und schon wird aus dem Sämling ein Keim, aus dem diese genialen Gärtner im Reich der Töne, Klänge und Gesänge ein Lied für die Ewigkeit wachsen lassen.

Paul McCartney hat jetzt gerade einen Doppel-Band seiner Songtetxe und Erinnerungen herausgebracht – “Lyrics” – was mir mit fast 1000 Seiten zuviel der Exegese ist, wobei  ich nie zu seinen Verächtern zählte wie einige Hardcore Lennon-Fans. Der eine wie der andere hat auch nach den “Beatles” noch wunderbare Musik geschaffen, aber zusammen waren sie die Über-Genies schlechthin. Nur wenige Monate nach  der Auflösung der Band gab George Harrison mit dem Dreifach-Album “All Things Must Pass” seinen spirituellen Kommentar zu diesem Ende ab und landete mit “My Sweet Lord” (gerade neu mit einem tollen Jubiläumsvideo) sofort einen Welthit. Und ein halbes Jahrhundert später ist eines seiner Stücke  auf Spotify , wo im Monat etwa 25 Millionen mal die Beatles gehört werden, mit weitem Abstand ihr meistgestreamter Song: Here Comes The Sun. Als ein Freund das bei einer Lagerfeuer-Fete  spielen konnte, fuhr ich am nächsten Tag 10 Kilometer zu ihm, um es mir zeigen zu lassen – wir hatten keine Songbücher, und schon gar keine  Gitarrenlehrer auf youtube, sondern mußten die Akkorde raushören und es uns dann zurechtfrickeln – und Harrisons Hymne an die Sonne ist eine Herausforderung, aber so schön, dass sich die Mühe lohnt. Dass Platz 2 der meistgehörten Beatles Songs 2021 von einem meiner persönlichen All Time Favourits belegt wird – John Lennons Support und Parole für Timothy Learys Gouverneurswahlkampf gegen Ronald Reagan – zeigt, dass 2021 nicht nur die  Schönheit ihrer Musik, sondern auch ihre Botschaften noch ankommen: “Come Together” . Ganz in diesem Sinne wünsche ich allen Geimpften und Ungeimpften Frohe Weihnachten.

3 JT #72: FREE YOUR MIND

Die Situation spitzt sich an allen Ecken und Enden zu. Doch zum Jahresende wollen wir in dieser Sendung mal nicht in den Abgrund schauen, denn sonst schaut er zurück.

Stattdessen reden wir diesmal über ein Thema, das uns Anlass zu großer Hoffnung gibt: Den Tod. Eine aktuelle Entwicklung wollen wir aber nicht auslassen: Julian Assange. Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #72 des 3. Jahrtausends.

KISS MY ASSange, Joe Biden!

Der High Court in London hat entschieden, dass Julian Assange an die USA ausgeliefert werden darf. Verkündet am “Tag der Menschenrechte” nachdem gerade ein virtuelles Großtreffen (pseudo-)-demokratischer Staatschefs die Schlagzeile machte: “Biden will Stärkung unabhängiger Medien thematisieren”, ist dieses Urteil nichts als ein zynischer Hohn. Und eine Schande für den einstigen Rechtsstaat UK, der einen Angeklagten an ein Land ausliefern will, das ihn nachweislich ermorden wollte. Wir haben im “3.Jahrtausend” und auch hier auf dem Blog seit Jahren über die unrechtmäßige Verfolgung und den kafkaesken Prozess gegen den Wikileaks-Gründer berichtet. Nach dem Urteil des Bezirksgerichts, dass ihm eine Auslieferung gesundheitlich und psychisch nicht zumutbar ist, bestand zumindest der Hauch einer Hoffnung, dass Julian zu Weihnachten den Hochsicherheitsknast in Belmarsh verlassen kann. Die haben die hirnlosen Richter unter ihren gepuderten Perücken zunichte gemacht – Freiheit für den wichtigsten politischen Gefangenen unserer Tage ist nicht in Sicht. Und der massive Anschlag auf die Pressfreiheit, den die USA mit der Verfolgung des australischen Publizisten und Journalisten Assange betreiben, geht auf europäischem Boden ungehindert weiter. Und wäre da nicht ein EU-Abgeordneter wie Martin Sonneborn, der den Prozess gegen Assange beobachtet hat und eine Denkschrift dazu herausbracht hat, dann herrschte zu dieser Schande seitens des EU-Parlaments auch weiter schändliches Schweigen.

Das kollektive Stockholm-Syndrom

Ein Gefangener auf Freigang, Jan Erik „Janne“ Olsson, überfiel 1973 mit einer Maschinenpistole bewaffnet eine Bank im Stadtzentrum von Stockholm. Er schoss in die Decke und rief: „The Party has just begun“. Er nahm vier Bankangestellte als Geiseln, forderte die Freilassung seines Mithäftlings Clark Olofsson, der zu ihm gebracht werden sollte, samt 3 Millionen Kronen, Waffen und einem Fluchtwagen. Die Geiselnahme zog sich mehr als fünf Tage hin und endete “unblutig”, nachdem die Polizei Gas in die Bank eingeleitet hatte, gaben die Geiselnehmer auf. In die Geschichte ist dieses Verbrechen eingegangen, weil sich die im Tresorraum gefangenen Opfer  während dieser Zeit mit den Geiselnehmern arrangierten, Sympathien für sie entwickelten und sich weniger von den Tätern als von den Aktionen der Polizei bedroht sahen. Diese psychologische Reaktion, die auch bei anderen Geiselnahmen beobachtet wurde, wird seitdem “Stockholm-Syndrom” genannt. In der Psychoanalyse wurde dieses unbewusste Motiv zur Abwehr angstvoller, traumatischer Erfahrungen   auch als “Identifikation mit dem Aggressor” beschrieben, zuerst von Wilhelm Reich, der diesen Abwehrmechanismus in seinen Werken  “Charakteranalyse” (1933) und “Massenpsychologie des Faschismus” (1934) untersucht hatte. Erstaunt darüber, dass sich ein ganzes Volk freiwillig einer Diktatur unterwirft und sich wie ein Kind von gewalttätigen Eltern mit dieser repressiven Autorität identifiziert. Inwieweit dieser individualpsychologische Mechanismus als Folge von Angst und traumatischen Erfahrungen auch auf Kollektive übertragbar ist und  eine ganze Gesellschaft einen “autoritären Charakter” ausbildet,  darüber haben sich seitdem namhafte Sozialpsychologen (Fromm, Marcuse, Adorno, Arendt, Foucault u.a.) Gedanken gemacht,  ohne zu einem einheitlichen Schluss zu kommen. Klar scheint nur, dass die Erzeugung fundamentaler Angst diesen psychischen Abwehrprozess in Gang setzen.

Mir waren diese Zusammenhänge, mit denen ich mich im Studium intensiver befasst hatte, vor 20 Jahren nach den 9/11 – Anschlägen wieder in den Sinn gekommen, als zum “War on Terror” geblasen wurde. Einem Kapitel in “Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse dess 11.9.” war dort ein Zitat aus dem Roman “Illuminatus”  von Robert Anton Wilson vorangestellt, der 1975 erschienen war:

»Beim derzeitigen Stand werden die Illuminaten das amerikanische Volk innerhalb der nächsten paar Jahre unter eine strengere Aufsicht stellen, als es Hitler mit den Deutschen machte. Und das Schönste daran ist noch, dass die Mehrzahl der Amerikaner durch die von Illuminaten gedeckten Terroranschläge so weit in Angst versetzt sein werden, dass sie darum betteln werden, kontrolliert zu werden, wie der Masochist nach der Peitsche wimmert.«

Das war, ein Vierteljahrhundert bevor die Bush-Regierung sofort nach 9/11 ein 250-seitiges Überwachungs,-und Kontrollgesetz namens “Patriot Act” fertig aus der Schublade zog, das der (selbstverständlich “patriotische”) US-Kongress ungelesen und dankbar durchwinkte,  eine  ziemlich realistische Prognose –  die einmal mehr verdeutlicht, dass es sich bei sogenannten “Verschwörungstheoretikern”  oft um  Wahrsager handelt. Fast Foward 2020/21 sehen wir die Massen von einem mysteriösen “Killervirus” wieder in derart panische Angst versetzt, dass sie schärfere Überwachungs,-und Kontrollgesetze nicht nur hinnehmen, sondern sich damit identifizieren und um den “Booster” mit einer “Impfung” genannten Gentherapie betteln. Und die “Wachhunde der Demokratie” , die Medien, tun nichts anderes, als nach der Peitsche zu wimmern: laut einer Anfang November vorgestellten Studie der Rudolf-Augstein-Stiftung bestand der regierungskritische Ansatz der Medien während der Pandemie vor allem darin, für noch härtere Massnahmen einzutreten. Wie zu diesem Zweck Kritik und Warnungen konsequent weggebissen und die “Fakten” auf die Reihe gebracht wurden, zeigte zum Beispiel der “ZDF-Faktencheck” am 6. Mai 2020:

“Prominente Verschwörungstheoretiker wie Ken Jebsen fürchten eine Impfpflicht durch die Hintertür, wie er in einem über zwei Millionen mal geklickten youtube-Video sagt. Wer keinen Immunitätsausweis habe, könne an bestimmten Veranstaltungen nicht mehr teilnehmen, so die Befürchtung.(…)Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums vermutet hinter dem Online-Geraune….eine Agenda: “Es handelt sich um eine Kampagne, die in den sozialen Medien losgetreten wurde, wo fälschlicherweise behauptet wird, eine Impfpflicht wäre geplant.”

Dass 18 Monate genau das eingetreten ist, war dann freilich kein Grund, den als gefährlichen Lügner diffamierten Kollegen Ken Jebsen zu rehabiliteren, im Gegenteil reden die Großmedien jetzt weiteren Verschärfungen inklusive Impflicht das Wort. Mit einem Masochismus der Medienbranche, der Masken, Lockdowns und Spritzen Lustgewinne bescheren, läßt sich das glaube ich aber nicht erklären. Hier scheint eher ein kollektives Stockholm-Syndrom  vorzuliegen, das sich von immer neuen Schreckens-Prophezeiungen nährt und sich mit immer drakonischeren Maßnahmen identifiziert.

“Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt? Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s lesen”, hatte Karl Kraus am Beginn des 1. Weltkriegs notiert, nachdem auf eine Falschmeldung der deutschen und österreichischen Presse über einen französischen Bombenabwurf auf Nürnberg Ende Juli 1914 unmittelbar die Kriegserklärung an Frankreich erfolgt war. Dieser fingierte Bericht (Fake News!) war für ihn die Urlüge und das Paradebeispiel für die Manipulation der Massen in Kriegszeiten, die Kraus dazu führte, “den Journalismus und die intellektuelle Korruption, die von ihm ausgeht, mit ganzer Seelenkraft zu verabscheuen”.

Zu einer solchen Abscheu hat der Journalismus auch in zwei Jahren “Krieg gegen Viren”  wieder reichlich Gründe geliefert. Als  Panikorchester in Permanenz beförderten die Großmedien die Permanenz des Ausnahmezustands und sorgten so für die Formierung der in Schrecken versetzten Massen: nie flimmerten mehr Krankenhausbetten und Intensivstationen über die Bildschirme (die in der Realität allerdings abgebaut wurden), nie mehr Beatmungsgeräte und “schwere Verläufe” ( auch wenn es 2020 nicht mehr tödliche Atemwegserkrankungen als üblich), nie wurden mehr unsichtbare Gefahren (“Inzidenzen”) beschworen, und damit die Notwendigkeit, in diesem  ungewinnbaren “Krieg gegen Viren” weiter aufzurüsten;  und Kontroll,-Überwachungs,-  und Repressionsmaßnahmen einzuführen, die jedem Machiavellisten feuchte Träume bescheren. Wobei auch Niccolo Machiavelli wohl das Opfer eines postraumatischen Stockholm-Syndroms war, denn er schrieb seinen berühmten Ratgeber “Il Prinicipe” über die Techniken autoritärer Machtpolitik, nachdem er 1512 gerade aus dem Gefängnis entlassen war, wo man ihn wegen seiner republikanischen Ansichten schwer gefoltert hatte. Noch mit verkrüppelten Händen von den Torturen des “Strappado” befürwortet er in seinem Buch Folter als Mittel  politischer Machterhaltung und widmete das Werk seinen Folterern höchstselbst, den Medici.

Nun ist es zwar nicht so, dass die Regierung für ihre massiven Freiheitseinschränkungen schon Widmungen und Dankesschreiben bekommen hätte, doch mehrheitlich nimmt die Bevölkerung  widerspruchslos hin, dass jetzt selbst archaische Menschenrechte (Habeas Corpus ! ) außer Kraft gesetzt werden können. Selbst in der traditionell freiheitlich gesinnten Schweiz stimmten Ende November 62 % für den Beibehalt der Covid-Gesetze, in Deutschland  sind es noch deutlich mehr, dort sind aktuell 60% mittlerweile der Meinung, dass die Maßnahmen nicht weit genug gehen.  Bis zu Plakaten “Deutsche, kauft nicht bei Ungeimpften!” scheint es nicht mehr weit, in Österreich haben diese Armen bereits Ausgangsverbot. Selbst “woke” Vegan-Familien, wo gespritztes Gemüse, Gentechnik und Bayer/Monsanto eigentlich Tabu sind, lassen die Kinder mit Pfizer/Moderna spritzen, ehemals Linke plädieren für den technokratischen Wahnsinn eines Zero-Covid-Totalitarismus, einstige Liberale haben mit der immer schärferen Desinfektion des Meinungskorridors kein Problem und die Intellektuellen halten entweder den Mund oder  irrlichtern wie Jürgen Habermas, der sich in einem Krieg von “Species gegen Species” wähnt, in Apologien des Ausnahmezustands, die einem Carl Schmitt alle Ehre gemacht hätten (nur dass der besser schreiben konnte (-; ).

Wie es kommt, dass massive Rechts-und Freiheitseinschränkungen und Impf-Pflichten von einer großen und sehr diversen Mehrheit nicht nur hingenommen, sondern sogar gefordert werden,  die Panik-Orchester der Medien bei der Manipulation und Formierung der Massen also derart erfolgreich waren, hat nicht allein mit der Angst-Propaganda vor dem “Killervirus” zu tun. Dass die “Formatierung” der Massen so leicht und selbstverständlich gelang, so der klinische Psychologe Prof. Mattias Desmet in diesem sehenswerten Interview, hat Gründe, die schon lange vor Covid existierten: im Mangel von emotionalen Bindungen im sozialen Raum, in der weit verbreiteten Empfindung, sinnlose Arbeit (“Bullshit-Jobs”) zu verrichten und in der Tatsache, das Angst-Störungen und Depressionen schon vor Covid auf dem Weg zu “Volkskrankheiten” waren: in Belgien werden für 11 Millionen Menschen pro Jahr 300 Millionen Dosen Anti-Depressiva verschrieben, in anderen westlichen Gesellschaften sieht es kaum besser aus; die USA verzeichneten 2020 über 100.000 Opioid-Tote.

In einer solchen beklemmenden, isolierten, bindungslosen Situation werden kollektiver Maskenzwang, Lockdowns und Impfpflichten als Wiederkehr der verlorenen Einbindung in ein soziales Ganze positiv empfunden. Und das offizielle Narrativ vom Killervirus und der einzigen Rettung durch  permanentes Impfen ebenso dankbar angenommen, wie jede Kritik und Widerrede hoch emotional abgelehnt  und  Andersdenkende als “Leugner”, “Querdenker”, “Ungeimpfte” mit wachsender Diskriminierungslust  zu Sündenböcken stigmatisiert. Wo dann ein Weltärztepräsdident Montgomery zum Kampf gegen die “Tyrannei der Ungeimpften”  aufrufen kann, ein neuer Bundeskanzler machtbesoffen verkünden, für seine Regierung gäbe es “keine roten Linien” mehr und ein Bundesverfassungsgericht den mit Zahlenkonfetti und Datensalat  begründeten “Notstand von nationaler Tragweite” ungeprüft durchwinken und der Regierung das Außerkraftsetzen der Verfassung nach gusto weiterhin gestatten kann… – und dieses Narrativ von einer Mehrheit attraktiv empfunden wird. Weil es eine Illusion von Kontrolle  – vom  “Abflachen der Kurve” mit Masken über den Lockdown und Testzirkus bis zum  quartalsmäßigen Impf-Update bei Pfizer/Moderna – und ein neues, “zertifiziertes” Wir-Gefühl beschert; selbst der ärmste Wicht, der mit Maske vor der Glotze auf den Booster wartet, hat jetzt jemanden, dem er die Schuld an seiner Misere zuschieben kann.

Letzte Meldung aus der bizarren Welt der Neuen Normalität: Junkfood bei McDoof nur noch mit digitalem Gesundheitsausweis! Aber “Ivermectin”, das billige, milliardenfach bewährte  Anti-Parasiten-Mittel, “das in fast allen Stadien von Covid-19 hilft”  wird  von den Panik-Orchestern weiter als gefährliche Pferdenentwurmung geschmäht. Wobei das Argument, dass keine ausreichenden Studien für die Wirksamkeit der patentfreien Pillen vorlägen, eigentlich zum Schmunzeln ist, angesichts der Wirksamkeit der “Impfstoff” genannten  Präparate, die weder vor Infektionen noch vor Infektiosität schützen, bestenfalls (aber keineswegs sicher)  einem “schweren Verlauf” vorbeugen und gleichzeitig (leider häufige und schwerwiegende) Nebenwirkungen zu haben. Doch davon  will  man unter der großen Blase des Corona-Traumas derzeit so wenig hören wie einst die Geiseln in Stockholm von den Befreiungsaktionen der Polizei. Eine Welt, in der sich ohne  SmartHealthCard und Zwangs-Abo bei der Pharma-Oligarchie kein Mensch mehr frei bewegen kann, wünscht sich zwar niemand – aber wenn die “Pandemie” anders nicht in den Griff zu kriegen ist, muss es eben sein. Divers und genderneutral, versteht sich, aber zuerst müssen die 6 Milliarden Ungeimpften dran glauben! Wir sehen: im Aufwachraum wird zwecks post-traumatischer Therapie künftig einiges zu tun sein. Bis es soweit ist muss sich wahrscheinlich aber auch noch der fünfte und sechste Booster als Schuss in den Ofen erweisen und die Einsicht durchsetzen, dass man gegen die Supermacht des Lebens – die Viren – keinen Krieg gewinnen kann, wenn man mit Vakzin-Spatzen gegen ihre Mutations-Kanonen feuert.

Am 11.12. auch erschienen auf Rubikon

Repost: Von guten Onkels und bösen Mutanten

Aus aktuellem Anlass  – “Omikron”  – hier nochmals unsere Warnung vor bösen Mutanten vom 11. Februar 2021

 

Als Kinder wurden wir vor „bösen Onkels“ gewarnt, die einen mit Süßigkeiten anlocken, die man aber weder annehmen noch ihnen irgendwohin folgen soll. „Wenn dir so einer begegnet, sag einfach „Nein Danke“ und geh weiter“ hatte mir meine Mutter eingeschärft, nachdem in unserem Städtchen wohl irgendwas in dieser Richtung vorgefallen war. Da sich nie eine Situation mit so einem Onkel ergab, hatte ich die Mahnung auch bald wieder vergessen. Sie fiel mir erst neulich wieder ein, als ich eine TV-Sendung sah, in der „Experten“ über die „gefährlichen Mutationen“ des Sars-Cov-2-Virus sprachen und ich den Eindruck bekam: hier warnen die guten Onkels vor den bösen Mutanten.

Weil Viren die absoluten Weltmeister der Verwandlungen sind, wurden von dem berüchtigten Sars-Cov-2 mittlerweile schon mehr als 1000 Mutationen entdeckt und die Dunkelziffer der unbekannten Mutanten liegt noch sehr viel höher. Da die aus England, Südafrika und Brasilien stammenden neuen Varianten „noch ansteckender“ als das Original sein sollen, sind diese Mutanten jetzt der neueste Joker im „Pandemie“ genannten Testemie-Zirkus.

„Zirkus“, weil über 80% der positiv Getesteten gar nicht krank werden und  99,7 % den Infekt überleben, und „Testemie“, weil diese „Seuche“ ohne die Tests gar nicht weiter aufgefallen und statistisch als neuartige aber durchaus normale Grippewelle durchgelaufen wäre. Das wurde schon im vergangenen Frühjahr klar, als sich herausstellte, dass das „tödliche Virus“ Corona kaum größere Gefahr mit sich bringt als sein Verwandter „Influenza“ und wie dieses fast nur Hochbetagte und Vorerkrankte dahinrafft. Das war auch schon in Regierungskreisen bekannt, wie ein im Mai an die Öffentlichkeit gekommenes Papier der Abteilung „Krisenmanagement“ des Innenministeriums zeigte, das von „Fehlalarm“ sprach und darlegte, dass die überzogenen Corona-Maßnahmen mehr Todesopfer fordern könnten als die Krankheit selbst. Doch statt solche Kritik ernst zu nehmen wurde sie als „Privatmeinung“ eines Querulanten abgetan und der Autor, Oberregierungsrat Stefan Kohn, von seinem Posten entfernt. Stattdessen bestellte das Ministerium, wie jetzt anhand eines umfangreichen E-Mail-Verkehrs bekannt wurde, bei externen „Experten“ – keiner von ihnen war ausgebildeter  Epidemiologe, Infektiologe, Immunologe, Virologe –  ein Gefälligkeitsgutachten mit einer Modellrechnung, die „Maßnahmen präventiver und repressiver Natur“ rechtfertigen kann, wie die „Welt“ berichtet:

„Die Wissenschaftler erarbeiteten dem Schriftverkehr zufolge in nur vier Tagen in enger Abstimmung mit dem Ministerium Inhalte für ein als geheim deklariertes Papier, das in den folgenden Tagen über verschiedene Medien verbreitet wurde.  Darin wurde ein „Worst-Case-Szenario“ berechnet, laut dem in Deutschland mehr als eine Million Menschen am Coronavirus sterben könnten, würde das gesellschaftliche Leben so weitergeführt wie vor der Pandemie.“

Es wurde also Panik bestellt – und von den Leitmedien, denen das „geheime“ Papier dann gesteckt wurde, dankbar abgeholt. Weil die Immunsysteme der Bevölkerung diesem Alarmismus dann aber nicht den Gefallen taten, millionenfach einzuknicken und einfach nicht mehr Menschen sterben wollten als sonst, fragten sich natürlich viele, was das denn für eine „Pandemie“ sein soll. Hier konnte nun die „Testemie“ auftrumpfen und mit täglich neuen Spitzenwerten von „Infizierten“ und „Corona-Toten“ die Panik am Leben halten. Stets mit absoluten Horror-Zahlen, nie mit dem Hinweis, dass es sich bei den „Infizierten“ nur um positiv Getestete und nicht um Kranke handelt und bei den Gestorbenen fast nur um Hochbetagte und Vorerkrankte und nie in Relation zu den normalen Sterberaten und Infektionskrankheiten. Dass der Alarm auf fragwürdigem Zahlenkonfetti und desolater Datenbasis gründet, war schon im letzten März offensichtlich, geändert hat sich daran nichts, eine repräsentative Studie über die reale Verbreitung von Corona liegt bis heute nicht vor und was die tatsächliche Gefährlichkeit des „tödlichen Virus“ betrifft kann man sich nur an die Sterblichkeits-Statistiken halten. Und die geben weder in Deutschland  (und auch nicht  in den USA oder im lockdown-freien  Schweden) wirklich Signifikantes her, auf dessen Basis sich die Fortsetzung drakonischer Maßnahmen (Lockdown, Ausgangssperren, Kontaktverbote etc.) begründen lässt.

Da sich die Prognosen (Millionen Tote, überfüllte Krankenhäuser, fehlende Intensivstationen etc.) seit einem Jahr als falsch erwiesen haben ist es nachvollziehbar, dass sich immer weniger Menschen von den täglichen Horrorzahlen Angst machen lassen und immer mehr den Sinn der Maßnahmen bezweifeln. Eine Pandemie ohne hohe Sterbezahlen ist einfach keine, die Leute fallen vom Glauben ab. Deshalb musste jetzt in der „Kirche der Angst“ ein Scheit nachgelegt werden. Willkommen im Mutanten-Stadl. Willkommen bei den bösen Mutanten, dem „Turbo-Virus“, für den der gute Onkel Lauterbach jetzt alle Grenzen dichtmachen will. Willkommen beim Pandemie-Schwachsinn im Quadrat.

Auf das falsche, technologische Denken, das einen „Krieg gegen Viren“ ausruft, hatte ich im vergangenen Jahr schon öfter hingewiesen (hier und hier oder hier). Mit der militanten Mutanten-Bekämpfung tritt es nun in eine völlig absurde Phase. Gegen die Weltmeister der High-Speed-Mutation mit Schlagbäumen und Grenzregime anzutreten ist nichts anderes als sich gegen den Fußballweltmeister mit einer quer durchs Tor genagelten Dachlatte zu verteidigen und zu hoffen, dass niemand drunter oder drüber schießt. Und gleichzeitig die desinfektionistische Kriegshaltung und den Glauben an die erlösende Wunderwaffe (Impfung) beizubehalten, mit der der “Feind” ein für alle Mal ausgerottet werden kann. Aber das wird niemals passieren, denn es gibt mehr Viren als Sterne am Himmel – allein in einem menschlichen Körper leben etwa 380 Billionen von ihnen – und weil  sich Viren in Windeseile verwandeln können, bräuchte es gegen „böse Mutanten“ jede Woche eine neue Impfung. Angesichts solcher „Süßigkeiten“ halte ich mich dann doch lieber  an den Rat aus der Kindheit:  „Nein danke“ sagen und weiter gehen.