3. JT #104: Krieg & Spiele

Der israelische Angriffskrieg im Gaza-Streifen sorgt weltweit für Empörung – auch an deutschen Universitäten. Aber amerikanische Senatoren bedrohen den internationalen Strafgerichtshof. Außerdem: Die Lage in der Ukraine eskaliert, ohne dass wir davon viel erfahren. Die BRICS-Staaten kündigen ein neues globales Zahlungsmittel an. Was gibt’s Neues von Julian Assange – und: Wir sprechen unser finales Verdikt über die Gewinner und Verlierer des Eurovision Song Contest. All das und noch viel mehr besprechen Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers im 3. Jahrtausend #104.

“The Germans to the front” (2)

“Der SPIEGEL war gestern mal wieder ganz außer sich. In Wilhelmshaven stieß ein deutscher Einsatzgruppenversorger in See. Zusammen mit einer deutschen Fregatte wird er die Welt umrunden und dabei auch – mit gehörigem Abstand – China passieren. Deutschland zeige Zähne und sende eine Warnung an China aus, so der SPIEGEL. Man fühlt sich in wilhelminische Zeiten zurückversetzt. Der extra nach Wilhelmshaven angereiste Verteidigungsminister Pistorius beruhigt – es ginge nur um die Sicherung deutscher Handelswege. Für so einen Spruch musste Bundespräsident Köhler vor gerade einmal 14 Jahren zurücktreten. Wie schnell sich die Zeiten doch geändert haben. Dass ausgerechnet Deutschland nun wie ein Zwerg auf Steroiden unter Größenwahn leidet und im Indopazifik eine Kanonenbootpolitik probt, ist jedoch kaum mehr als eine bittere Farce. Sind unsere politischen und medialen Eliten der kollektiven Selbstbesoffenheit verfallen?”

Warum das eine rhetorische Frage ist, erläutert Jens Berger in seinem Artikel:

“Es ist fraglich, ob Deutschlands Seestreitkräfte überhaupt über der Wahrnehmungsschwelle Chinas liegen. Neben den 120 Fregatten verfügt China auch noch über 52 Zerstörer und Kreuzer und drei Flugzeugträger – Deutschland hat keines dieser Waffensysteme. Es ist so, als „drohe“ ein Dreijähriger einem Schwergewichtsboxer. Doch so absurd die ganze Sache ist, so überzeugt wird sie vom SPIEGEL vorgetragen. Handelsrouten, Menschenrechte, blabla – Deutschlands Seestreitkräfte sollen sogar Taiwan und „unsere Verbündeten im Westpazifik“, also Australien und Neuseeland, gegen die bösen Chinesen verteidigen. Auf die Idee, dass Deutschland mit solchen peinlichen Aktionen nur mehr und mehr in den amerikanischen Rückzugskampf aus dem indopazifischen Raum hineingezogen wird und damit seine eigenen Interessen denen der USA opfert, kommt natürlich niemand.”

Es kommt für den Super-Vasallen Deutschland einfach nicht mehr in Frage, Pfiff und Befehl seines Herrchens zu überhören. Wer sich demütig die Energie-Adern wegbeißen lässt, hat denn auch kein Problem damit, sich als kleiner Kläffer im Westpazifik lächerlich zu machen, oder wie unlängst im Roten Meer, wo die Fregatte “Hessen” der US-Operation “Wohlstandssicherung” Folge leistete und mit millionenteuren Luftabwehrkanonen auf die Spatzen der Huthi-Drohnen feuerte. Um  nachdem das Pulver “erfolgreich” verschossen war – ohne an der  Seeblockade der Yemeniten irgendetwas zu ändern – nach ein paar Wochen wieder heimwärts zu schippern.
Dass bei der lustigen Seefahrt deutscher Süßwassermatrosen gen China ebenfalls nichts Nennenswertes herauskommt, weil die Bundesmarine als “Zwerg auf Steroiden” eher für Lachnummern als für den Kriegsfall taugt, ist absehbar. Und das ist gut so! Denn – man muss es angesichts der kollektiven Kriegsbesoffenheit immer wieder betonen – das deutsche Militär ist nach Gesetz und Verfassung eine reine Verteidigungsarmee und hat ( außer an Nord,-und Ostseeküste) auf den Weltmeeren nichts zu suchen. 
Nicht zum (Milch-)Zähne zeigen und schon gar nicht mit “boots on the ground” in der Ukraine, wie es Frankreichs Macron angekündigt – und wie es scheint jetzt zurückgerudert ist, nachdem das russische Außenministerium  den französischen und den Botschafter einbestellt und ihnen die unmittelbaren Konsequenzen eines solchen Schritts klar gemacht hat – unter Verweis auf die einige Tage zuvor angekündigten russischen Manövern mit taktischen Atomwaffen. Diese Botschaft scheint auch in NATOstan angekommen zu sein, wie der italienische “Corriere della Sera” berichtet:


„Keine Bodentruppen“. Dies ist laut „Corriere“ einer der Schlüsselsätze im ursprünglichen Entwurf des Dokuments, der auf dem Nato-Gipfel vom 9. bis 11. Juli in Washington verabschiedet werden soll. Der Hinweis bezieht sich auf die Ukraine: Das nordatlantische Bündnis wird keine Soldaten in die Schlacht schicken („no boots on the ground“). Die von den Vereinigten Staaten diktierte Strategie ändert sich nicht.”

Russland-Analytiker Gilbert Doctorow sieht darin den Versuch, die “Großmäuler”  in Paris und London zum Schweigen zu bringen. Der große Bruder aus Washington wird den Kleinen nicht helfen, wenn sie auf eigene Faust loslegen. Und seit ihren Botschaftern in Moskau offenbar gesteckt wurde, welche Ziele auch außerhalb der Ukraine mit einem Gegenschlag rechnen müssen, halten  sie den Mund. Details über diese Treffen sind nicht durchgesickert, aber Medwedew unplugged hat den undiplomatischen Klartext getwittert: “None of them will be able to hide either on Capitol Hill, or in the Elysee Palace, or on Downing Street 10. A world catastrophe will happen.”

Man kann nur hoffen, dass die Zwerge es beim verbalen Zähne zeigen belassen. Keiner von ihnen und nicht einmal NATOstan zusammen kann einen Krieg gegen Russland und China gewinnen. Larry Johnson:

“Das Fazit ist simpel: Die Vereinigten Staaten und die NATO sind weder ausgerüstet noch organisiert noch ausgebildet, um in einem Zermürbungskrieg gegen eine gleichwertige Macht wie Russland oder China zu bestehen. Einer der größten Mängel sind die kostspieligen, anfälligen Waffen, die das angeblich wichtigste Mittel der NATO zur Führung eines Krieges darstellen. Nehmen wir das gemeinsame Kampfflugzeug F-35. Es ist eine Spielerei und ein Truthahn, aber es hat die Aktionäre von Lockheed Martin reich gemacht.(..)Die Wartungszahlen für die F-35 und die F-16 sind ein Alptraum, wenn sie über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden sollen: Bei den F-35A kommt es alle 11 Flugstunden zu kritischen Ausfällen, und die Wartung der reinen Zelle (ohne Triebwerke und Systeme) beträgt 4,4 Mannstunden pro Flugstunde. Jedes F-35-Tarnkappenflugzeug hat jedes Jahr über 25 kritische Ausfälle. Die F-16 hatte 29,5 Flugstunden zwischen kritischen Ausfällen. Für jede Flugstunde benötigt die F-16 17 Stunden Wartung. Sie muss regelmäßig inspiziert, repariert und ausgetauscht werden, damit sie in der Luft sicher und zuverlässig bleibt. Die Vereinigten Staaten zeichnen sich durch die Herstellung sehr teurer Waffen aus – z. B. Flugzeugträger im Wert von 13 Milliarden Dollar und Abrams-Panzer im Wert von 10 Millionen Dollar, die pro Stunde Kampfeinsatz 8 Stunden Wartung erfordern. Diese Waffensysteme sind jedoch sehr anfällig für kostengünstige Gegenmaßnahmen, wie etwa eine Drohne oder eine Artilleriegranate, die den Abrams-Panzer außer Gefecht setzt.(…)”

So überteuert und untauglich die angeblichen Wunderwaffen und game changer  F-16 und F-35 sein mögen – (Scholz und Pistolius haben gerade Milliarden Schulden via “Sondervermögen” ihren Kindern und Enkeln aufgebürdet, um diesen Schrott kaufen !) –   da sie in der Lage sind weitreichende Nuklearraketen mit sich zu führen, würde ihr Auftauchen im russischen Radar  als potentieller Atomangriff gewertet und zu einem entsprechenden  Gegenschlag führen. Die “Zwerge auf Steroiden”, die den Krieg nach Russland tragen wollen, tanzen auf Messers Schneide.



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Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt, ‎ Fifty-Fifty (Oktober 2022),  288 Seiten, 20 Euro

“The Germans To The Front!”

Oooops: Die zwei Jahre lang als “Verschwörungstheorie” disqualifizierte Tatsache, dass sich Moskau und Kiew vor zwei Jahren in Istanbul weitgehend geeinigt hatten, wird nunmehr “exklusiv in der Welt am Sonntag” gemeldet. Dass es der Westen, die USA und NATOstan waren, die die Ukraine in diesen Krieg getrieben haben – und verantwortlich sind für die Leichenberge und das zerstörte Land – auf dieses Faktum wird man in unseren ehemaligen “Qualitätsmedien” aber vermutlich noch lange warten müssen.


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Dass Ulrike Hermann  – Wirtschaftredakteurin der “taz” – einer Sarah Wagenknecht  nicht das Wasser reichen kann, war eigentlich zu erwarten; wie sich aber die ehemalige Bankangestellte und Buchautorin in diesem Gespräch blamiert ist schon bemerkenswert. Nicht wegen des Gefuchtels mit Zetteln, den dümmlichen Fragen und dem keifendem Zeigefinger, sondern wegen des erschreckend beschränkten Horizonts in ehemals “links-alternativen” Kreisen, der über  Woke- und Waffen-Kult samt NATO-Sprech nicht mehr hinauskommt.Unlängst hatte Hermann ja auch schon Atomwaffen für Europa gefordert.

 

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Anders als derart kriegsbesoffene Granaten militärischer Inkompetenz weiß General a.D. Harald Kujat, wovon er spricht, wenn er über den Krieg und seine Fortsetzung mit immer mehr Waffen sagt: “Es ist ein fataler Irrtum zu glauben, dass sich die Zukunftsaussichten der Ukraine verbessern, je länger der Krieg dauert.” Mit der neuen 60-Milliarden-Spritze für den Militärisch-Indutriellen-Komplex hat Joe Biden jetzt per “Ukraine-Hilfe” zwar sicher gestellt, dass seine Senatoren und Abgeordneten gut geschmiert in den Wahlkampf-Endspurt gehen können, die Aussichten an der Front werden damit aber wohl kaum verbessert. Zumal es der Ukraine nicht nur an Munition, sondern vor allem an Soldaten fehlt.  Weshalb es man in Washington es jetzt an der Zeit befindet, dass die Personallücken in den Schützengräben durch europäische Truppen gefüllt werden sollen. Dass diese Idee in Europa auf wenig Gegenliebe stößt, ist verständlich – allein in der letzten Woche verlor die Ukraine laut russischen Angaben  8000 Mann – und was die westlichen Wunderwaffen betrifft, meldet AP gerade, dass die amerikanischen  Abrams-Panzer von der Front abgezogen werden, weil sie ein zu leichtes Ziel sind. Die deutschen Leoparden, denen es auch nicht besser ergangen ist, werden unterdessen als Trophäen im Museum ausgestellt.
Minister Pistolius hat aber keine Probleme, weitere zu schicken, auch mit deutscher Besatzung, er will im Mai “Druck”  zur Wiedereinführung der Wehrpflicht machen und gibt  zu Angriffen auf Moskau den Kiesewetter: “Das Völkerrecht erlaubt das.” Demnächst sollen die Vorschläge für das Winterhilfswerk den “Operationsplan Deutschland” vorgelegt werden, mit dem auch Zivilbürger in die Kriegsvorbereitungen einbezogen werden.
“The Germans to the Front!” befahl 1900 der britische Admiral Seymour in China, als das von ihm geführte “Expeditionskorps” in die Bredouille durch chinesische Widerstandskämpfer geriet – 124 Jahre später erschallt derselbe Ruf nunmehr seitens des us-amerikanischen Hegemons, dem in der Ukraine gerade der Schneid abgekauft wird. In der Tradition des deutschen Militärs wird  diese Episode mit Stolz gesehen, als höchste internationale Anerkennung für seine Kriegstüchtigkeit. Solche Anerkennung heimst derzeit auch Boris Pistorius – als beliebtester deutsche Politiker – ein; und statt eines britischen Befehlshabers fordert jetzt das “Council of Foreign Relation” den Kriegseintritt der Deutschen und Europas Auch wenn sich Geschichte nicht einfach wiederholt, irgendwie scheint sie sich zu reimen…

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Dass die westlichen Mächte gegenüber China die arrogante Haltung ihrer kolonialistischen Vergangenheit noch immer nicht wirklich abgelegt haben und glauben, den Chinesen mit Drohungen und Ermahnungen kommen zu müssen, bekommen die Staatsführer bei ihren Besuchen mittlerweile zu spüren – in vollendet diplomatischem fernöstlichen Stil. Kanzler Scholz wurde bei seinem Besuch unlängst nicht vom Staatspräsidenten oder einer Regierungsdelegation empfangen, sondern von einem Bürgermeister und Landrat, und US-Außenminister Anthony Blinken erging es jetzt  nicht anders. Er wollte Staatschef Xi ermahnen, nicht länger mit Russland zu kooperieren. Dass er danach  allein zurück zum Flughafen mußte und nur vom US-Botschafter verabschiedet wurde, war aber noch nicht alles:  “Die NATO trägt eine nicht zu reduzierende Verantwortung für die Krise in der Ukraine. Das Bündnis muss über seine Rolle nachdenken, aufhören, anderen die Schuld zu geben, und sich für eine politische Lösung der Ukraine-Krise einsetzen”, gab Außenamtssprecher Wang Wenbin ihm und der Presse noch mit auf den Weg. Mit leeren Händen und dezent abgewatscht zuhause angekommen, packte Blinken dann als Mitbringsel  aus dem “Reich der Mitte” eine Räuberpistole aus: die Entdeckung, das China versuchen würde, die US-Wahlen zu manipulieren. Soll Xi jetzt die Rolle Putins bei der Wahl 2016 übernehmen ? Oder geht es nur darum, mit TikTok den einzigen starken Social-Media-Kanal auszuschalten, den NSA/CIA nicht unter Kontrolle haben ?

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Und wer thematisiert im UN-Sicherheitsrat den Terroranschlag mit dem größten Schaden aller Zeiten ? Nicht Deutschland, das diesen Schaden erlitten hat und erleidet, sondern Larry Johnson (Ex-CIA, Ex-State-Departement Counterterrorism) auf Einladung der Chinesen und Russen. Die hätten gerne aufgeklärt, wer derart kostenträchtige und folgenreiche Terroranschläge durchführt, um sie künftig besser verhindern zu können. Auch wenn es sich bei den Hauptgeschädigten um eine Art Masochisten zu handeln scheint, der solche Prozeduren dankbar hinnimmt, haben andere Länder der Welt kein Interesse, sich von anderen die Energieadern abklemmen zu lassen…


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3. JT #103: KRIEGEN WIR KRIEG?

Krieg im Nahen Osten: Im Gazastreifen haben Teams von Euromed Dutzende Massengräber mit Frauen, Kindern und Zivilisten gefunden.Wie konnte es zu so vielen toten Zivilisten kommen? Unter anderem, weil künstliche Intelligenz eingesetzt wurde, um Verdächtige aufzuspüren und zu töten – ohne Rücksicht auf Kollateralschäden. Außerdem: Die Versicherung will für den Nord Stream Anschlag nicht zahlen, weil die Pipeline nicht von Terroristen, sondern von einer Regierung in die Luft gejagt worden sein muss. Und was gibt’s Neues von Julian Assange? All das und noch viel mehr besprechen Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers im 3. Jahrtausend #103.

Pistolius hitlert für mehr Geld

 

 

„Putin wird nicht aufhören, wenn der Krieg gegen die Ukraine vorbei ist, das hat er klar gesagt. Genau so klar wie Hitler, der auch immer sagte, dass er nicht stoppen würde,verkündete unlängst Verteidigungsminister Pistolius, um weitere Milliarden für die Aufrüstung der Bundeswehr locker zu machen. Auf Nachfrage von Florian Warnweg in der Bundespresskonferenz, wo denn Putin das “klar wie Hitler” gesagt hätte, musste der Sprecher des Ministers aber “erst mal seinen Puls runterfahren”, um dann keine Quelle für Putins “Hitler”-Aussage zu nennen zu erklären “die Geschichte seit 2007” sei ja wohl Beleg genug. Nun wird im politischen Show-Biz mit Vorliebe “gehitlert”, wenn ein politischer Gegner zum brandgefährlichen Verrückten gestempelt werden soll. Was den russischen Präsidenten betrifft hatte sich da schon 2016 Hitlary Clinton hervorgetan, als sie die mit der Botschaft “Putin=Hitler” und Trump sein Agent die “Russiagate”-Verschwörungstheorie ankurbelte. Und ganz so wie in dem Märchen, dass der ultraböse Diktator die amerikanischen Wahlen manipuliert und die “Demokratie” unterminiert hat, wird er in Pistorius` erfundener Räuberpistole zum hitler-artigen Aggressor aufgeblasen, der morgen Europa bis zum Rhein vorstößt. Wenn wir nicht sofort weitere Milliarden in die Aufrüstung der Bundeswehr investieren und die NATO-Osterweiterung am Dnjepr erkämpfen und durchsetzen müssen. Mittlerweile sind für diesen Job kaum noch Ukrainer vorhanden und weil von den Milliarden, die der US-Kongress gerade locker gemacht hat, über 80% gar nicht in Kiew sondern bei Raytheon, Lockheed und anderen US-Rüstungskonzernen landen, wird das den Zusammenbruch der Front allenfalls ein paar Wochen länger hinziehen.

Dass eine Truppe von militärischen Verlierern – USA und NATOstan konnten seit Jahrzehnten nur wehrlose Länder mit Bombenteppichen zerstören, aber kein einziges “Match” gewinnen – in einem Auswärtsspiel gegen den russischen Bären keinerlei Chance hat, habe ich hier seit Jahren immer wieder geschrieben und begründet, ebenso wie die Aussichtslosigkeit, einen autarken Rohstoffriesen wie Russland mit Sanktionen ruinieren zu wollen. Wenn nun der Generalinspekteur der Bundeswehr verkündet, man gehe mit 90.000 NATO-Soldaten an der russischen Grenze jetzt “All in”, macht das sehr deutlich, dass der Westen noch immer keinen “Plan B” hat und den verlorenen Krieg nur “sturheil” fortzusetzen kann. Die KIA (Killed-In-Action) – Rate für die ukrainischen Truppen liegt nach russischen Angaben aktuell bei etwa 1000 Mann pro Tag – an die Front verlegt wäre das komplette NATO-Kontigent also für maximal drei Monate gut. Mit einem solchen Blatt “all in” zu gehen ist wie russisches Roulett mit komplett geladenem Revolver. Vorgetragen von Strategen, die zuletzt von einer Barfußgtruppe aus Afghanistan verjagt wurden, seitdem eine halbe Million Ukrainer zur Schlachtbank getrieben haben und noch immer die Echokammer ihrer Illusionen (“Russland gehen die Raketen aus!”) mit der militärischen Realität an der Front verwechseln, wo die Russen die fünf- bis zehnfache “firepower” haben. Dagegen hilft auch nicht, wenn als triumphalistische PR-Aktion mit den neu gelieferten Raketen aus dem Hilfspaket jetzt endlich “die Krimbrücke zerstört” werden sollte, wie es US-Falke Lindsey Graham im TV fordert.

Mit den per Gesetz durchgewunkenen neuen Waffenlieferungen an die Ukraine haben US-Kongreß und Senat auch ihr Okay zur Konfiskation der (schon eingefrorenen) russischen Zentralbankgelder gegeben. Wenn die Pfleger von Joe Biden ihn das Gesetz unterschreiben lassen, ist im Rahmen der “regelbasierten internationalen Ordnung” nunmehr auch der Bankraub von 300 Milliarden Dollar regelgemäß. Windige Völkerrechtler versuchen zwar noch, den Diebstahl als moralisch gerechtfertigten Schadensersatz für die Ukraine zu begründen, der dem “Aggressor” Russland aufgebürdet werden dürfe, doch wenn das tatsächlich rechtlich sauber dargelegt werden könnte: wie viel Schadensersatz käme dann auf die “Aggressoren” USA und NATO zu – aus Serbien, Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen, usw. usf. ? Ganz abgesehen davon warnen auch führende westliche Finanzinstitute vor einem Zugriff, der den gesamten globalen Süden und sämtliche Nationalbanken mißtrauisch machen und das internationale Finanzsystem erschüttern könnte. Wenn heute russsische Staatsgelder in Euro und Dollar ungestraft gestohlen werden können, was ist dann morgen mit unseren ?

Szenenwechsel in den Nahen Osten, wo man sich in Israel dieselbe Frage stellt: wenn heute der Iran mit 300 billigen Drohnen die Luftabwehr ausschalten und mit ein paar alten Raketen entscheidende strategische Ziele treffen kann, was ist dann, wenn morgen 1000 Drohnen und Dutzende iranische Überschallraketen kommen ? Dass die Antwort des Irans auf Israels Bombardment seiner Botschaft in Damaskus eine tektonische Plattenverschiebung, “einen Wendepunkt in der Geopolitik des Nahen Ostens” (Scott Ritter) markiert, hatten wir hier letzte Woche herausgestellt. Israel ist als Aggressor nicht mehr sakrosankt und Teherans kluge, symbolische Attacke auf militärische Ziele hat die gesamte arabische und muslimische Welt hinter dem Iran vereint – jenseits der Sunni/Shia-Spaltung, die der Hegemon USA mit seinen sunnitischen Terrorsöldnern (Al Qaida, ISIS) instrumentalisiert und militarisisert. Was den folgenden Gegenschlag Israels und verschiedene Explosionen nahe der Stadt Isfahan betrifft, wurde der von beiden Seiten merkwürdig herunter gespielt. Gleichzeitig sind zwei sehr geschätzte und gewöhnlich gut informierte Kollegen – Pepe Escobar und Sy Hersh – von ihren Geheimdienstquellen mit zwei ebenso unterschiedlichen wie unüberprüfbaren Geschichten über den Hintergrund dieses mysteriösen und scheinbar harmlosen Gegenschlags gefüttert wurden: Ein israelischer F-35 Bomber, der in großer Höhe einen nuklearen EMP-Schlag (Elektro-Magnetischer-Puls der alle Elektrogeräte ausschaltet) gegen Iran ausführen sollte und laut Escobars Quellen von den Russen in Absprache mit den Amerikanern abgeschossen wurde; beziehungsweise laut Hershs Quelle ein israelischer F-35 Bomber, den das Pentagon davon abgehalten hat, mit einer angeblich hypersonischen Rakete keine iranische Nuklearanlage anzugreifen, sondern sich mit einem Militärflughafen zu begnügen.
Weder Hersh noch Escobar gehören zu den Pre$$titutes, die für Geld jedes Gerücht in die Welt setzen, sondern sind erfahrene, mit allen Geheimdienst,- und Propaganda-Wassern gewaschene Journalisten, die gut einschätzen können, ob und wie sie instrumentalisiert werden sollen. Dass die zwei atomaren Großmächte hinter den Kulissen kooperieren, um Konflikte wildgwordener Kleinstaaten zu deeskalieren, ist ja durchaus vorstellbar. Genauso wie  Versuche von beiden Seiten, mit Gerüchten Verwirrung zu stiften. Beide Journalisten  machen – wie es sich gehört – sehr klar, dass es sich um Gerüchte handelt, die sie aktuell nicht verifizieren können, die aber aus Quellen stammen, die sich in der  Vergangenheit als zuverlässig erwiesen haben. Was wirklich geschah, bleibt weiter im Nebel des (Informations-) Kriegs verborgen…

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Russophrene und biblische Psychopathen

Dmitri Orlov hat kürzlich auf seinem Blog den Begriff “Russophrenie” geprägt, um die schizophrene Haltung des Westens gegenüber Russland und dem Konflikt in der Ukraine zu beschreiben. Das scheint mir eine ebenso zutreffende Diagnose wie Pepe Escobars Hinweis, dass es sich bei den Massenmorden Israels in Gaza um eine Art “biblische Psychopathie” handelt. Wie geht man mit solchen gefährlichen Verrückten um ?

Der Iran hat es mit seinem Raketenangriffen auf Israel am Wochenende ziemlich smart gemacht, mit einer symbolischen Attacke auf die Militärflughäfen und die Geheimdienstzentrale, von denen die Angriffe Israels auf die iranische Botschaft in Damaskus vor zwei Wochen ausgegangen waren; “symbolisch” weil Teheran Israel und die Nachbarstaaten (Jordanien, Irak, Türkei) über die Ziele der Attacke vorher informierte, und seine stärksten Raketen nicht dafür einsetzte, und “smart”, weil sie zuerst einige hundert langsame Drohnen einsetzten, die Israels formidablen “Iron Dome” und die anderen Luftabwehrsysteme beschäftigten und erst danach die schnelleren und wirkungsvolleren Raketen. Nach Schätzungen verschiedener Militärblogs zufolge haben Israel und die Verbündeten Abwehrraketen im Wert 1 bis 1,3 Milliarden Dollar verschossen um iranische Geschosse im Wert von ca. 30 Millionen Dollar zu bekämpfen. Das wurde in den Jubelartikeln, dass die großartigen Israelis “99 Prozent” der Drohnen der dämlichen Iraner abgewehrt hätten, freilich genauso wenig erwähnt wie die Tatrache, dass mindestens 9 Raketen ihre Ziele getroffen haben. Man muss keine Osipov-Lanchester-Gleichungen beherrschen um auszurechnen, zu wessen Gunsten die Schlacht ausgeht, wenn der Iran, der über zig tausende Drohnen und tausende Raketen verfügt, solche Angriffe wiederholt und es nicht, wie angekündigt, bei dieser Vergeltung auf die israelische Attacke beläßt .Scott Ritter schreibt:

Die “Raketen des April” stellen einen Wendepunkt in der Geopolitik des Nahen Ostens dar – die Etablierung einer iranischen Abschreckung, die sich sowohl auf Israel als auch auf die Vereinigten Staaten auswirkt. Auch wenn die Emotionen in Tel Aviv, insbesondere bei den radikaleren Konservativen in der israelischen Regierung, hochkochen und die Gefahr eines israelischen Vergeltungsschlags gegen den Iran nicht ganz von der Hand zu weisen ist, so ist es doch eine Tatsache, dass das eigentliche politische Ziel, das der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu in den letzten mehr als 30 Jahren verfolgt hat, nämlich die USA in einen Krieg mit dem Iran zu ziehen, vom Iran schachmatt gesetzt wurde. Darüber hinaus ist es dem Iran gelungen, dies zu erreichen, ohne seine strategische Ausrichtung nach Osten zu stören oder die Sache der palästinensischen Staatlichkeit zu untergraben. Die “Operation Wahres Versprechen”, wie der Iran seinen Vergeltungsangriff auf Israel nannte, wird als einer der wichtigsten militärischen Siege in der Geschichte des modernen Iran in die Geschichte eingehen, wenn man bedenkt, dass der Krieg nur eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist. Die Tatsache, dass der Iran eine glaubwürdige Abschreckungsposition aufgebaut hat, ohne wichtige politische Ziele zu verletzen, ist die eigentliche Definition eines Siege

Insofern ist Irans “Operation Wahres Versprechen” auch mehr als nur symbolisch, denn sie hat Israels Hybris in die Schranken verwiesen: den als Terrorbekämpfung getarnten Massenmord an Zivilisten in Gaza ebenso wie die Ignoranz gegenüber jeder zivilisierten Ordnung, in der seit dem Westfälischen Frieden im 17. Jahrhundert diplomatische Botschaften als unantastbar gelten.
Wie es sich in einer zivilisierten Auseinandersetzung gehört, hat die iranische Regierung zuerst den UN-Sicherheitsrat angerufen, die israelische Attacke in Damaskus, bei der zwei Generäle und weitere Mitarbeiter getötet wurden, einstimmig zu verurteilen. Hätten sich die USA, Großbritannien und Frankreich nicht geweigert, wäre der Angriff wahrscheinlich nicht ausgeführt worden. So aber lieferten die Iraner ihr “Versprechen” ab, beim nächsten Mal wirklich ernst zu machen – und demonstrierten nicht nur die Verwundbarkeit des bis an die Zähne bewaffneten Israels, sondern auch ihre taktische und strategische Überlegenheit. Ohne damit dem innigsten Wunsch der “biblischen Psychopathen” unter Netanyahu nachzukommen, die USA in einen Krieg mit Iran zu ziehen. Das Weiße Haus hat denn auch verkündet, einen weiteren Schlag Israels gegen Iran nicht zu unterstützen. Auch wenn sie des Rechnens fähig sind und allein schlicht keine Chance haben, weiß man bei Psychopathen aber nie…

Wechseln wir von der Station, in der gefährliche Verrückte die Märchen des Alten Testaments für einen Katastereintrag halten und auf ihrem eingebildeten Landbesitz alle Ureinwohner beseitigen wollen, in eine andere Sektion der globalen Irrenanstalt. Die ist viel größer und versammelt alle jene Patienten, die aufgrund der Doppelbotschaften der westlichen Medien an akuter “Russophrenie” leiden. Sie sind der Überzeugung, dass Russland sich gleichzeitig in zwei völlig gegensätzlichen Zuständen befindet: extrem mächtig und extrem schwach, angeführt von unglaublich klugen, hinterhältigen 4-D-Schachspielern, die aber auch beschränkte Idioten sind, die von jedem 4-Jährigen reingelegt werden können,  mit einer starken, rohstoffreichen   Wirtschaft, die eine Bedrohung für die westliche Welt darstellt, aber auch  kurz vor dem Zusammenbruch steht, wenn nur noch ein weiteres Sanktionspaket beschlossen wird, mit einem unfähigen, schwachen Militär, das in der Ukraine kaum vorankommt weil ihm “die Raketen ausgehen”, aber morgen bis zum Rhein vorstoßen wird, wenn wir es nicht sofort stoppen, usw. usf. Ein Ausweg aus dieser Kommunikationsfalle, die die Menschen verrückt macht, wäre es, diese Paradoxien zu benennen. Aber das gilt  auf der Station als “Kremlpropaganda” und ist verboten.  Solange das Publikum in dieser russophrenen Verunsicherungs-Trance gehalten werden kann – und so lange die “biblischen Psychopathen” nicht mir ihrem KI-industrialisierten Massenmord konfrontiert und in Zwangsjacken ruhiggestellt werden – so lange geht das lukrative Blutbad für die Veranstalter (Abbildung oben: anonymer Netzfund /Update ht Rabauke:  Bob Moran) tragischerweise einfach immer weiter….


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Vom “Verteidigungsbündnis” zum Schutzgeldeintreiber und Schlägertrupp

‘Keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down.’ zum 75. Jahrestag der NATO-Gründung erlebt das Motto ihres ersten Generalsekretärs, Lord Ismay, einen neuen Höhenflug: um Russland zu schwächen wird ein lukrativer Krieg geführt, die USA sind dick im Geschäft mit Waffen und Fracking-Gas, Deutschland als Supervasall zahlt und lässt sich in “dienender Führungsrolle” (R.Habeck) de-industrialisieren – und der amtierende  Nachfolger Ismays, Stoltenberg, will weitere 100 Milliarden Euro haben, um den verlorenen Krieg in der Ukraine weiter zu führen. Es ist derselbe norwegische Holzkopf, der vor einem  Jahr die erfolgreiche “Gegenoffensive” der Ukraine versprach, wenn nur genug Waffen geliefert werden – und der sich weder von hunderttausenden toten und verwundeten Ukrainern noch von den gigantischen Schrotthaufen westlicher “Wunderwaffen” beirren lassen will. Und weiter davon fabuliert, dass eine am Ende siegreiche Ukraine dann natürlich in die NATO aufgenommen wird. Wir wissen nicht, ob der führende NATOstan-Bürokrat seine Phantastereien wirklich selbst glaubt oder nur erzählt, was seine rüstungsindustriellen Geldgeber vorschreiben, für die fortgesetzte Materialschlachten wie in der Ukraine ein wunderbares Geschäft sind: “Das Ziel ist endloser Krieg, nicht erfolgreicher Krieg” so Julian Assange 2011 – und diesem Ziel entspricht die Bilanz  der NATO und ihrer Mitglieder seit einem Vierteljahrhundert voll und ganz: mit dem völkerrechtswidrigen Bombardement des souveränen Jugoslawiens, von dem für kein NATO-Mitglied irgendeine Gefahr ausging, wurde der Mythos vom “Verteidigungsbündnis” 1999 definitiv begraben und seitdem agiert der Verein eigentlich nur noch als Schlägertruppe und Schutzgeldeintreiber für die Interessen der USA wie zuletzt in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien und aktuell zwar nicht offiziell aber doch sehr massiv in der Ukraine.  Und die Deutschen, die als es 2014 dort losging noch nicht so richtig mitmachen wollten und  – wie Gerhard Seyfrieds Zeichnung zeigte – von Obamas Hilfssheriff ein wenig angetrieben werden mussten, haben die Scheuklappen aus den ersten beiden Weltkriegen abgelegt und zündeln eifrig am nächsten mit.

 

Sevim Degdalen, Bundestagsabgeordnete der Linken, hat zum 75. Geburtstag dieses dringend reform,-und überholungsbedürftigen Bündnisses, eine kritische “Abrechnung  mit dem Wertebündnis” vorgelegt. Ihr Fazit:

“Anstatt mit der NATO weiter auf Eskalation zu setzen und damit die Menschheit in den Abgrund zu treiben, gilt es, die gegenwärtige existenzielle Krise des Militärbündnisses in Richtung eines wirklichen Systems kollektiver Sicherheit aufzulösen, das nicht gegen einen äußeren Feind gerichtet ist, sondern nach innen Wirksamkeit entfaltet. Die Sozialdemokratie kannte nach dem Ende des Kalten Krieges von 1989 bis 2007 noch die Überwindung der NATO als Programm. Bundeskanzler Olaf Scholz zeigte sich in seiner Zeit als stellvertretender Bundesvorsitzender der Jugendorganisation der SPD »Jusos« offen für die Diskussion über einen NATO-Austritt. Auch die Grünen forderten in ihrem Bundestagswahlprogramm 1987, dass sich die Bundesrepublik der militarisierten Außenpolitik von NATO und der USA entzieht und aus der NATO austritt. Das ist leider allzu schnell in Vergessenheit geraten. Solche Überlegungen werden nun als zu radikal gebrandmarkt. Welch eine Farce! Heute hat sich die Situation angesichts der Neuausrichtung der NATO zu- gespitzt. Der Militärpakt wird auch in der Öffentlichkeit immer weniger als wirkliches Verteidigungsbündnis wahrgenommen. Daher nimmt es nicht wunder, dass laut einer Umfrage von 2023 inzwischen eine Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland die militärische Unterstützung eines anderen NATO-Landes – und damit den Kern der NATO – nicht unterstützt. Mit ihrer Unterstützung von Israels Krieg in Gaza hat sich die NATO auch in ihrem Anspruch als Wertebündnis mindestens im Globalen Süden endgültig desavouiert. Und indem die NATO versucht, ihren globalen Dominanzanspruch umzusetzen, beschwört das Militärbündnis schließlich die für sie gefährlichste Kräftekonstellation gegen sich selbst herauf. Das Streben nach Alternativen zur NATO ist Widerstand zu einer Weltkriegspolitik. Wir brauchen Frieden statt NATO.”
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In der Tat. Aktuell scheint NATOstan freilich schon kräftig an der Selbstabschaffung zu arbeiten: eine Stellvertreterarmee von 500.000 Mann ist nahezu verheizt, die Strategie, Russland mit Sanktionen und Krieg zu schwächen, ist auf ganzer Linie gescheitert ebenso wie der Plan, damit Putin stürzen zu können. Vielmehr hat der Militärpakt einmal mehr unter Beweis gestellt, dass er Krieg nur gegen wehrlose Länder führen kann, von einem Gegner auf Augenhöhe aber völlig  überfordert ist. Und gesetzt den hypothetischen Fall, die 500.000 sinnlos geopferten Ukrainer könnten morgen durch eine halbe Million NATO-Soldaten ersetzt werden –  und die 583 Flugzeuge, 270 Helicopter, 19.681 Drohnen, 499 Luftverteidigungssysteme und 15.762 Panzer und Kampffahrzeuge, die nach russischen Angaben  bereits zerstört sind. stünden erneut zur Verfügung – sie würden die Niederlage nur hinauszögern, aber nicht abwenden. Verteidigungsminister Pistolius denkt unterdessen über die Wiedereinführung der Wehrpflicht nach und die ukrainische Neo-Naziorganisation “Centuria” rekrutiert in Deutschland “Helden” für den “Höllensturm auf den Feind”.  Dass die Russen mit dieser NATO-Nazi-Koalition exakt so verfahren werden wie die Rote Armee es vor 80 Jahren mit den Hitler- Nazi-Truppen durchexerziert hat, ist absehbar – wer noch halbwegs bei Verstand ist in Europa sollte das Risiko nicht eingehen.
Aktuell ist von derlei Vernunft aber nicht viel zu spüren, im Gegenteil sind die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens weiter im Kriegsfieber und wollen auch über den letzten Ukrainer hinaus kämpfen. Man sollte diese Herren mal  in einen der Schützgräben an der Front schicken – zusammen mit den Chefs der großen Medien und US-Militärexperten wie Edward Luttwak, die NATO-Truppen an die Front schicken wollen. Wenn sie nach einem Tag mit dem Leben davon kommen, sind sie von ihrem Wahn mit Sicherheit kuriert…


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“Für eine grüne Erde mit Hanf und Fuß”

Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für Deutschland:  drei Hanfpflanzen pro Kopf sind seit gestern wieder im Garten erlaubt. Immerhin. Wie sich das beschlossene Bürokratiemonster der Cannabis-Entkriminalisierung entwickelt, bleibt abzuwarten, aber dass ein erster Schritt gemacht wurde ist aller Ehren wert. Selbst wenn er seit Jahrzehnten überfällig ist – und nur der Anfang der vollständigen und umfassenden Rehabilitierung und Renaissance des Hanfs. Nicht als Stoff für  Joints und Vaporizer, sondern als Universalrohstoff für die Felder. Vor 31 Jahren, im Juli 1993,  schrieb ich dazu im Vorwort für das Buch, das ich mit Jack Herr gemacht hatte und das seitdem 45. Auflagen erlebte:

“(…)Ohne die grüne Kraft des Hanfs wird eine erdverträgliche Ökonomie des nächsten Jahrtausends nicht zu haben sein, genauso wenig wie ein Ende der globalen Vernichtung der Wälder. Insofern haben wir gar keine andere Wahl, als auf diesen seit der Steinzeit bewährten universellen Biorohstoff zurückzugreifen. Wie lange allerdings der internationale Krieg gegen Drogen die Rehabilitierung der Hanfpflanze verhindert, darüber möchten wir keine Prophezeiung wagen. Wie jeder fundamentalistische Krieg wird auch der Kampf gegen Drogen nicht von den Gesetzen der Vernunft, sondern der Willkür des Dogmas regiert; jeder vernunftgemäße Kompromiß gilt als Kapitulation vor dem Bösen. Schon die Aufforderung, ein uraltes Heil- und Genußmittel wie das Hanfkraut nicht in derselben »Gefahrenklasse« des Gesetzes zu führen wie die industriellen Turbodrogen Heroin und Kokain, gilt im heiligen Drogenkrieg als verharmlosende Ketzerei. Wie einst die Prohibition des Alkohols dafür sorgte, dass in Amerika mehr gesoffen wurde als je zuvor, hat es die Prohibition des Hanfs erreicht, daß er zu dem am weitesten verbreiteten illegalen Genußmittel der westlichen Welt wurde – und als Nutzpflanze heute ausgestorben ist. (…)

Bevor also Forschung, Landwirtschaft und Industrie die überragenden Eigenschaften der Nutzpflanze Hanf wiederentdecken können, müssen Politik und Justiz aktiv werden: Eine Reform der Cannabisgesetze ist überfällig. Nicht nur als Abrüstungsmaßnahme in einem längst verlorenen Drogenkrieg, sondern auch als Friedensinitiative in jenem Krieg gegen die Natur, den wir mit Kettensägen, fossilen Brennstoffen und chemischem Giftmüll täglich weiter anheizen. Die biologische Alternative zu diesem Terror heißt Hanf; doch von einer Pflanze, die nur unter Polizeischutz angebaut werden darf, ist eine Stimulanz der ökologischen Wirtschaft nicht zu erwarten.

Für die deutsche Ausgabe haben wir Jack Herers Arbeit über die erstaunliche Geschichte des Hanfs und die industriepolitischen Hintergründe der modernen Hanfprohibition ergänzt. Dieses Verbot hatte seinen Ursprung in den Vereinigten Staaten, und eine internationale Rehabilitierung des Hanfs wird ohne Zutun der USA nicht zu haben sein. Deshalb ist die amerikanische Sicht der Dinge, die Jack Herer im ersten Teil des Buchs dokumentiert, zwangsläufig auch die unsere: Amerika führt den »war on drugs« weltweit an und dominiert auch die Gesundheits- und Agrarressorts der UNO.

Der zweite Teil des Buchs schildert die europäische und besonders die deutsche Geschichte der Hanfnutzung und ihren Niedergang im Zuge der industriellen Revolution. Billige Ersatzfasern aus den Kolonien der Dritten Welt, säurehaltiges Papier aus Holz, die petrochemischen Kunstfasern der I.G. Farben und pharmazeutische Wunderdrogen wie das von der Firma Bayer entwickelte Heroin verdrängten zu Beginn dieses Jahrhunderts den Hanf als universellen Lieferanten von Kleidung, Papier, Nahrung und Medizin. In Kriegszeiten freilich erwies sich der Rohstoff Hanf nach wie vor als unverzichtbar. In Nazideutschland propagierte der »Reichsnährstand« den Anbau des universellen Rohstoffs mit einer Lustigen Hanffibel, und in den USA forderte die Regierung ungeachtet des kurz zuvor ergangenen Verbots ihre Farmer 1942 auf, Hanf für den Sieg! anzubauen. Wir haben diese staatlichen Cannabislobgesänge nicht allein aus historischen Gründen dokumentiert, sondern vor allem deshalb, weil unsere heutige Lage denen der damaligen »Notzeiten« durchaus gleicht. Allerdings nicht aus militärischen, sondern aus ökologischen Gründen. Wenn wir heute wieder Hanf anbauen müssen, dann nicht, um einen Krieg zu führen, sondern um den globalen Krieg gegen die Natur einzustellen.

Der dritte Teil des Buchs steckt die Felder für eine solche »Friedenswirtschaft« ab. Die Hanfstudie des Kölner Instituts für angewandte Umweltforschung Katalyse, die wir für dieses Buch in Auftrag gegeben haben, ist die erste wissenschaftliche Publikation über die Nutzpflanze Hanf in Deutschland seit mehr als 35 Jahren, und ihr Ergebnis kann durchaus als kleine Sensation gelten. Der Vergleich des Hanfs mit anderen Nutzpflanzen bestätigt die universellen Eigenschaften und die hohen Erträge der Pflanze und zeigt anhand aktueller Forschungsdaten ein immenses Potential für die Zukunft auf. Fakten, die angesichts von Treibhauseffekt und fortschreitender Waldvernichtung nicht einfach ignoriert werden können. Deshalb sind wir überzeugt, dass dieses Buch weder das einzige aus Hanf bleiben wird noch das letzte über Hanf.(…)

Die im folgenden ausgebreiteten Informationen über diese wunderbare Pflanze können nur den ideellen Acker bereiten; aufgehen und vermehrt werden kann die Saat allein durch die Leserinnen und Leser. Vor allem solche, die sich in Bereichen der Ökologie, der biologischen Landwirtschaft, der Energie- und Rohstoffpolitik sowie der Medizin und Gesundheit, kurz: für Gaia, unseren Heimatplaneten, engagieren. Ihnen sei dieses Pflanzenbuch besonders ans Herz gelegt. Erst wenn genügend Hirne überzeugt sind, werden auch die Hände wieder aktiv werden –für eine grüne Erde mit Hanf und Fuß.”

aus: (Jack Herer, Mathias Bröckers (Hrsg.), Katalyse-Insititut: Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf, Cannabis, Marihuana)

“Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s lesen”

Die am 7. März veröffentlichte Warnung der US-Botschaft in Moskau, größere Versammlungen und Konzerthallen zu meiden, weil möglicherweise ein Terroranschlag droht, bezog sich auf die kommenden 48 Stunden, also den 8. und 9. März, den Frauentag – einen offiziellen Feiertag in Russland – und das Konzert des patriotischen Rockstars Shaman in der “Crocus-City”-Halle. Bei dessen Megahit “Ya Russkyi” (Ich bin Russe), den tausende Teenies im ganzen Saal mitsingen, die Halle mit Sturmgewehren und Brandsätzen zu stürmen, wie es die Terror-Dramaturgen möglicherweise geplant hatten – als grandioser Plot vor der Wahl am 27.3. –  konnte aber nicht stattfinden. Die Halle war an diesem Tag mit erhöhtem Sicherheits-Maßnahmen  geschützt, weshalb die schon in Moskau befindlichen Terroristen ihren Anschlag verschieben mussten. Es ist also nicht so, dass Russland selbst schuld ist, weil es auf die freundlichen Warnungen der USA nicht gehört hätte.   Eine zeitlich derart konkrete Terrorwarnung wird nur herausgegeben – so Larry Johnson, Ex-CIA und State-Department mit 35 Jahren Counter-Terrorism-Erfahrung-  wenn es sehr konkrete, glaubhafte Quellen dafür gibt:


Wenn also der Anschlag nicht stattfindet, muss man zu den Analysten zurückgehen und fragen: WTF!!! Wenn die Analysten gesagt hätten: “Oh, warte, die Russen haben am 8. März die Sicherheitsvorkehrungen an der Krokus-Halle erhöht und den Anschlag vereitelt”, dann hätte die nächste Frage lauten müssen: “Glaubst du immer noch, dass es einen weiteren Anschlag geben wird?” Die Analysten hätten ja, nein oder vielleicht sagen können.

Wenn Sie also glauben, dass die Geheimdienstinformationen glaubwürdig sind, dann hätte die US-Regierung eine weitere Warnung herausgeben müssen, große Versammlungen, wie z. B. Konzertsäle, weiterhin zu meiden. Die US-Regierung hat das nicht getan. Nein. Die US-Regierung behauptet: “Wir haben die Russen gewarnt und sie haben nicht gehandelt. Für mich sieht das nach einer Psycho-Operation aus, mit der Putin als herzloser Schläger dargestellt werden soll, der unsere Geheimdienstinformationen ignoriert hat. Das ist genau die Linie, mit der die Geheimdienstler Sy Hersh in seinem jüngsten Artikel konfrontieren:

“Die Amerikaner haben ihren Job gemacht, aber der russische Geheimdienst, der auf seinen Chef hörte, hat es nicht getan. Präsident Wladimir Putin bezeichnete die Warnung drei Tage vor dem Anschlag öffentlich als “provokative Äußerungen”, und die russischen Sicherheitsdienste ignorierten sie. Nach Ansicht amerikanischer Geheimdienstexperten tragen sie die Verantwortung dafür, dass sie nicht getan haben, was zum Schutz der Konzertbesucher notwendig war.”

Die “amerikanischen Geheimdienstexperten” geben das, was öffentlich bekannt gegeben wurde, falsch wieder. Es hieß nicht: “Ab heute, dem 7. März, beabsichtigen Extremisten, große Versammlungen, einschließlich Konzerte, anzugreifen; daher sollten amerikanische Bürger diese Orte bis auf weiteres meiden.” NOPE! Nur für 48 Stunden. Das ist ein sehr gefährliches Spiel, das hier gespielt wird. (übersetzt mit DeepL.com)

Laut Angaben der russischen Ermittler liegen mittlerweile “substantielle Beweise” vor, dass den Attentätern zur Finanzierung des Anschlags größere Geldmengen aus der Ukraine in Form von Kryptowährungen zugeflossen seien. In diesem Zusammenhang wurde eine weitere nicht identifizierte Person verhaftet. Dass die Russen die Ukraine,  USA und UK als Auftrags,-und Geldgeber der angeblichen “ISIS-K”-Terroristen verdächtigen, liegt aber wohl nicht nur an dieser Spur. Im Dezember hatte US-Generalstabschef Milley zu Terrorattacken ausdrücklich animiert, Victoria Nuland Ende Januar in Kiew “böse Überraschungen” versprochen und noch Ende Februar betont, dass für diese “asymmetrische Kriegsführung” jetzt auch Geld fließen würde.Wenn militärisch nichts mehr zu machen ist, bleibt nur noch Terror. Denn: “Wir können es uns nicht leisten, dass Russland diesen Krieg gewinnt. Sonst werden die Interessen der USA und Europas geschädigt.” Sagt der ungewählte EU-Außenminister  Borrell.  Auch nachdem  schon ein halbe Million Ukrainer für diese “Interessen” ihre Leben gelassen haben, will er das Schlachtfest fortsetzen

Die westlichen Eliten können und wollen nicht einsehen, dass sie den Krieg verloren haben, sie haben keinen Plan B außer ihn fortzusetzen. Sie wollen aus einer “Position der Stärke” verhandeln, die aber nicht erreichbar ist, sondern im Gegenteil mit jedem Tag in weitere Ferne rückt. Sie haben acht Jahre lang in Minsk jede friedliche Einigung blockiert, sie haben im April 2022 die in Istanbul verhandelten Friedensvereinbarungen sabotiert, sie haben die ukrainischen Armee zur größten Landstreitmacht Europas aufgerüstet, gegen Russland gehetzt und nahezu aufgerieben, und machen sich jetzt wie Frankreich  die Illusion, dass ein paar NATO-Brigaden an der Front die Russen nun aber wirklich aus der Krim und dem Donbas vertreiben könnten. Da bis dato nur die baltischen Giftzwerge bei Macrons Napoleon-Reenactment mitmachen wollen, bleibt es wohl (und hoffentlich) bei heißer Luft, die anderen NATO-Länder üben sich in Zurückhaltung und scheinen Putins Ankündigung ernst zu nehmen, das jeder Flughafen, von dem westliche Kampfjets starten, zum legitimen Kriegsziel wird.

Sollte mit der Terror-Offensive eine diplomatische Offensive sabotiert werden, fragt Ralph Bosshard, der bei der OSZE eine neue diplomatische Verhandlungsbereitschaft der Russen ausgemacht hat. Freilich eine, die nicht aus einer Position der Schwäche resultiert, was bedeutet, dass man dem Unterlegenen einen Ausweg ohne Gesichtsverlust ermöglichen müsste:

“Da stellt sich umgehend die Frage, ob Russland bereit ist, dem Westen eine gesichtswahrende Lösungsvariante anzubieten. Dabei muss man sich aber dessen bewusst sein, dass die Vorreiter des Bellizismus im Westen wohl nicht so einfach zurückkrebsen können und dass sie ihre Glaubwürdigkeit und ihr politisches Überleben riskieren, wenn sie sich nur schon auf Gespräche über Verhandlungsmodalitäten einlassen. Andererseits darf man davon ausgehen, dass gerade die lautesten Schreier im Westen in Verhandlungen am wenigsten zu sagen haben werden.”

Willkommen in der WW1-Schlafwandler-Abteilung 2.0, wo keiner einen großen Krieg aber auch keiner Gesicht und Geltung verlieren will…bis es kracht:
“Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt?  Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s lesen”, hatte  Karl Kraus 1914 notiert , nachdem auf eine Falschmeldung der deutschen und österreichischen Presse über einen französischen Bombenabwurf auf Nürnberg Ende Juli 1914 unmittelbar die Kriegserklärung an Frankreich erfolgt war. Als einer der Pioniere der Medienkritik hatte Kraus erkannt, dass die Medien die Wirklichkeit nicht abbilden, sondern erzeugen und dass Meinungen und Stimmungen nicht einfach entstehen, sondern gemacht werden: “Ich habe erlebt, wie Krieg gemacht wird, wie Bomben auf Nürnberg, die nie geworfen wurden, nur dadurch, dass sie gemeldet wurden, zum Platzen kommen.”

Die Stimmungsmache in unseren Großmedien hat mittlerweile ein Ausmaß angenommen, dass Kriegserklärungen nur noch einen Hauch entfernt scheinen, aufgehetzt und von Falschmeldungen in  die Irre geführt taumeln die europäischen Nationen in eine Konfrontation, die noch katastrophaler enden könnte als die Blutbäder des 1. und 2. Weltkriegs.

PS: Kaum poste ich etwas von Karl Kraus kommt von meinem Freund Wolfgang aus Wien eine Notiz aus der “Fackel”:

Ein Geduldspiel für Groß und Klein
»Die vom Kriegsfürsorgeamt in den Verschleiß gebrachten heurigen Osterkarten haben durch den »Russentod« eine erfreuliche Ergänzung erfahren. Der »Russentod«, eine sinnreiche Erfindung der Gräfin Taaffe, ist ein für Groß und Klein interessantes Geduldspiel, ein Erzeugnis der Verwundeten des Roten Kreuz-Lazaretts auf der Kleinseite, wo die Gräfin als Oberschwester Samariterdienste versieht. In einem sehr geschmackvoll ausgeführten Osterei erscheint eine Miniaturfestung mit Drahthindernissen und Sumpf dargestellt, nebst kämpfenden verbündeten und russischen Soldaten. Durch Schütteln des Eies müssen die Verbündeten in die Festung hereingebracht und die Russen in den Sumpf getrieben werden. Der »Russentod« bildet ein geeignetes Ostergeschenk nicht nur für die Jugend, sondern auch für die Soldaten in den Spitälern, denen es eine angenehme Zerstreuung und spannende Unterhaltung bietet. Das »Russentod«-Osterei, in sehr geschmackvoller schwarz-gelb-seidener Ausführung, kostet 3.60 Kronen und ist in der Prager Zentralverkaufsstelle des Kriegsfürsorgeamtes erhältlich.«
Die Fackel, Nr. 426.27 (1916)

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