71 #: IMPF-APARTHEID

Bislang wurde man vom Arzt geimpft – doch jetzt kommt wohl bald die Polizei vorbei. Ungeimpfte dürfen das Haus nicht verlassen und die Impfpflicht steht nicht nur vor der Tür, sondern wird sie wohl bald auch eintreten. Doch auf welchen Grundlagen finden solche massiven Grundrechtsverletzungen statt? Außerdem: The Great Reset war gestern – jetzt folgt The Great Narrative. Und was gibt’s Neues von Julian Assange? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #71 des 3. Jahrtausends. Eine komplette Linkliste zur Sendung findet Ihr hier: ►►

Der Trend geht zum Zweitbuch!

Eva C. Schweitzer: Links blinken, rechts abbiegen Auf der Frankfurter Buchmesse war ich in diesem Jahr nicht. Gelesen wird natürlich trotzdem. Zum Beispiel aus dem  Westend Verlag das  neue Buch von Eva Schweitzer “Links blinken, rechts abbiegen” über die unheimliche Allianz zwischen Neurechten, woken Antideutschen und amerikanischen Neokonservativen: “Die Antideutschen sind eine kleine, aber schrille Politsekte, die links zu sein glaubt, bei Lichte betrachtet aber schon rechts angekommen ist und dem deutschen Belehrbedürfnis frönt. Einige waren mal Funktionäre in kommunistischen Gruppen der Studentenbewegung, andere kommen vom Schwarzen Block oder sind bloß Anti-Ostdeutsche, die Kleinbürger verachten. Sie haben viele Sympathisanten in den Medien. Das verleiht ihnen viel mehr Einfluss auf politische Debatten, als gut ist.” Eva Schweitzer kennt sich als langjährige Korrespondentin in den USA bestens aus und zeigt,  wie diese schrille Mode  über den großen Teich nach Deutschland geschwappt ist. Und zu Gruppen geführt hat, die sich “Antideutsch” und “Antifaschistisch” nennen, sich “divers” und “gendergerecht” gerieren, aber jeden Krieg, den das US-Imperium führt, nach Kräften bejubeln und denen zur Zerstörung Dresdens nichts Bessers als die Parole “Bomber Harris -Do it again” einfällt. Als die CIA in den 1950ern mit der “Operation Mockingbird” Jahren begann, ein Netz von Einflussagenten in ausländischen Medien und Insitutionen  aufzubauen, achtete man bei den Akquisitionen besonders darauf, auch die “compatible left” einzubinden, mit den nach der Wende 1989 auftretenden “Antideutschen” ist dann eine Pseudo-Linke entstanden, die derart kompatibel ist, dass sie rechts und totalitär wieder raus kommt.

Andreas Anton, Alan Schink: Der Kampf um die Wahrheit Seit der Begriff  “Verschwörungstheorie” samt seinen Mutationen nur noch als Diskurskeule zur Desinfektion des Meiningskorridors mißbraucht wird, taucht er zwar gefühlt in jedem zweiten Zeitungsartikel auf, Vernünftiges ist aber darüber aber äußerst selten etwas zu lesen. Die in den Großmedien durchgereichten Wissenschaftler und “Experten” blubbern allesamt die  immergleichen Plattitüden,  reale Verschwörungen finden in ihrer Welt einfach nicht statt und wer das nicht glaubt ist paranoid, verrückt und neuerdings sogar eine “Gefahr für die Demokratie”. Wer sich davon nicht irre machen lassen und Fundiertes zum Thema erfahren will, greife zu dem Buch der Soziologen Andreas Anton und Alan Schink:  Der Kampf um die Wahrheit – Verschwörungstheorien zwischen Fake, Fiktion und Fakten.  Es ist das Beste, was es über diesen Kampfbegriff und seinen inflationären Mißbrauch derzeit zu lesen gibt.

Dmitry Orlov: Die Lehre vom Kollaps Auf Dmitry Orlovs „Die Lehre vom Kollaps – Die fünf Stufen des Zusammenbruchs und wie wir sie überleben, hatte ich unter dem Titel “Das Ende zu Ende denken” schon im letzten Jahr hingewiesen. Es hat seitdem weiter an Aktualität gewonnen. Ein einfaches Zurück in die Prä-Corona-Ära, das macht Orlovs nüchterne Bestandsaufnahme klar, beschleunigt den Kollaps nur. Wirklich aufhalten aber lässt er sich nicht, weshalb es gilt, sich mit der Idee dieses Buchs anzufreunden, „dass der Zusammenbruch kein um jeden Preis zu vermeidender Alptraum ist, sondern Teil der normalen, unveränderlichen Zeiten der Geschichte.“ Anfang dieses Monats habe ich mit Walter van Rossum, Norbert Häring und Max Otte darüber gesprochen, “dass die enorme Schieflage des Kapitalismus auch von ihren Urhebern längst erkannt wurde. Vermutlich seit geraumer Zeit arbeiten sie an einer Agenda — The Great Reset —, den Kollaps zu kontrollieren, um sich danach als neue Feudalherren die Welt gänzlich zu Untertanen zu machen.”

Über fast jeden der Essays zu Politik, Philosophie und Gesellschaft, die Eberhard Sens unter dem schönen Titel “Liebe deinen Nachbarn, aber lass den Zaun stehn” veröffentlicht hat, könnte man eine kleine Rezension schreiben. Es geht um viel und in die Tiefe: Planetarische Perspektiven, Komplexität, Große Systeme, Kontingenz, Musik, Kosmische Katastrophen, Parapsychologie, Bürgerkriege, Medien – und um Norbert Elias, Peter Sloterdijk, Jürgen Habermas, Niklas Luhmann, Gottfried Benn, Ayn Rand, Max Weber, Thomas Hobbes und andere. Der Band versammelt Texte aus vierzig Jahren, was ziemlich genau der Zeitspanne entspricht, die wir uns  jetzt schon kennen, selten einer Meinung sind, aber als Sparringspartner regelmäßig in den Ring steigen, um dem anderen disputative Kinnhaken zu verpassen. Warum das ohne grobe Fouls oder Tiefschläge schon so lange und so gut geht, ist mir beim Lesen dieser Aufsätze jetzt wieder aufgefallen: im Grunde sind wir uns einig, dass wir bei allem überbordendem Wissen eigentlich immer noch nichts wissen. Und die Maxime von Eberhards Lehrer Dieter Claessens  “Schau unter jeden Stein!” ständig dazu führt, dass man Neues entdeckt von dem man nichts weiss und das auf die Reihe gebracht werden muss. Dass unser Wissen und unsere Wahrheiten also etwas Fluides sind, das sich laufend verändert – und wir uns mit ihnen. “Am Fluß des Heraklit – Neue kosmologische Perspektiven” hiess denn auch eine von Eberhard Sens herausgegebene Anthologie (Insel-Verlag, 1993), zu der ich damals beigetragen habe. In diesem Buch nun kann man nachvollziehen, wie er an diesen Fluß kam – und unter welche Steine er seitdem geschaut hat.

Karl Marx, der als als  heiterer Guru in einer fliegenden Suppenschüssel durchs Weltall rast und statt des Proletariats hienieden nun Außerirdische auf seiner Seite hat – das war einer der Plots in dem Anfang der 1980er erschienenen Sci-Fi-Roman “Weltgeist Superstar”  des pseudonymen Autors P.M., der unter dem Titel “BoloBolo”  auch die Grundrisse einer anarchistisch-utopischen Gesellschaft entworfen hatte. Beide wurden zu  Kultbüchern in der alternativen Szene, die ich noch in guter Erinnerung hatte, als ich Anfang des Jahres in den Weiten des WWW wieder auf den  Autor P.M. stieß: “Mit dem zehnbändigen Romanwerk “Die Große Fälschung”, das ab September 2020 in zweimonatigem Abstand erscheint, legt der Schweizer Autor P.M. ein vielseitiges Werk vor: ethnologischer Abenteuerroman ebenso wie gesellschaftliche Utopie. Wie ein Bruder im Geiste Karl Mays erzählt P.M. mit großer Fabulierkunst von Abenteuern in exotischen Welten, die sein Kara Ben Nemsi Rodulf von Gardau erlebt, und entwirft eine faszinierende Parallelwelt aus der Science-Fiction-Tradition der „Was wäre, wenn …“, die nicht nur Game of Thrones-Fans begeistern wird.” Ich besorgte mir das erste in feines Kunstleder gebundenen Bändchen, bin mittlerweile bei Band 6 angelangt und kann die Fortsetzungen kaum erwarten.

 

https://i0.wp.com/www.buchkomplizen.de/out/pictures/generated/product/1/1200_675_75/libri_9783946778219_0.jpg?resize=285%2C468&ssl=1Auch “Danny Patrick Rose” ist ein Pseudonym und sein Lebenslauf liest sich so abgedreht wie dieser Roman:  “Er begann als Stand-up-Comedian in seiner Heimatstadt Salt Lake City, studierte Civic Disobedience am City College in New York und arbeitete dann als Coach für das Baseballteam Boston Red Sox, Pizzalieferant für Tupac Shakur und Faktenchecker beim Council of Foreign Relations. Danach eröffnete er eine Stripbar in New Orleans. Als ihn das FBI als Person of Interest suchte, tauchte er in New Mexico unter, wo er bewusstseinserweiternde Kekse mit Kakteen kreuzte….” – soweit nur ein kurzer Ausschnitt. Denn mindestens so schrill und  komisch geht es auch in seinem 9/11-Roman “Die Verschwörung” zu, auch wenn seine Figuren nicht erfunden sind, sondern im Weissen Haus und im Pentagon residieren und zwar anders heißen, aber von George Dabbelju abwärts sofort erkennbar. Und mit derart bösem Strich überzeichnet, dass es eine wahre Freude ist – und gleichzeitig der Realität wahrscheinlich näher kommt als das offizielle Märchen von Osama und den Teppichmessern.

Mein Freund Ben Dronkers hatte Mitte der 80er Jahre mit  “Sensi Seed ” nicht nur die erste Hanfsamenbank gegründet und sowohl das Homegrowing von Marihuana nach Europa gebracht wie auch mit “Hempflax” einen der ersten Verarbeitungsvertriebe für Faserhanf.  Er hat auch in diesen Jahrzehnten alles gesammelt, was mit der Pflanze zu tun hat  und mit den Hanf-Museen in Amsterdam und Barcelona zwei hervorragende Kultur,- und Bildungseinrichtungen geschaffen. Die über 9000 Inventarieren des “Hash Marihuana & Hemp Mueseum” zeigen die enge Verbindung zwischen der Menschheit und Cannabis seit tausenden von Jahren – in zahlreichen farbigen Abbildungen und Texten wird die Geschichte dieses Wunderkrauts lebendig: Weed of Wonder. Obwohl ich selbst einige Bücher über die Universalpflanze dieses Planeten geschrieben habe war in diesem wunderbaren Buch noch viel zu entdecken. Nicht nur wegen der hervorragenden Bilder – Hanf hört niemals auf zu überraschen.

9/11 Review: In Memoriam John O’Neill

Unter “9/11 Review” werden hier in loser Folge einige der historischen Beiträge publiziert, die jetzt in  dem Sammelband  11.9.-20 Jahre danach – Einsturz einer Legende neu erschienen sind. Heute ein Artikel vom 24.November 2001: In Memoriam John O’Neill – der kaltgestellte Jäger Bin Ladens starb im WTC

24.11.01
Dass die US-Bundespolizei FBI an tiefergehenden Ermittlungen gegen das Netzwerk von Bin Laden spätestens seit 1996 gehindert wurde und seine in den USA lebenden und seit langem auf der Liste der Terrorverdächtigen stehenden Brüder nach dem 11.9. problemlos ausreisen konnten, hatten wir in der letzten Folge berichtet. In einem Anfang der Woche in Frankreich erschienenen Buch der beiden Geheimdienstexperten und Betreiber des Internetmagazins Intelligence Online, Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquié, wird diese verbotene Wahrheit bestätigt: Der seit 1993 mit den Ermittlungen gegen Bin Laden betraute Abteilungsleiter des FBI, John O’Neill, trat im August dieses Jahres aus Protest gegen diese Behinderungen zurück. »Das größte Hindernis bei den Ermittlungen gegen islamistische Terroristen«, so O’Neill gegenüber den Autoren, »waren die Interessen der US-Ölkonzerne und die Rolle Saudi-Arabiens.« Dass O’Neill nach seinem Rücktritt als Polizeidirektor den Posten als Sicherheitschef des World Trade Center annahm und bei dem Anschlag am 11.9. ums Leben kam, klingt wie ein Hollywoodplot, ist aber tragische Realität. Die Autoren haben ihr Buch John O’Neill gewidmet.

In seiner Rezension fasst Julio Goday einige Thesen von Brisard und Dasquié zusammen: »Die Autoren schreiben, dass es das Hauptziel der USA war, das Talibanregime zu konsolidieren und sich so den Zugang zu den zentralasiatischen Ölreserven zu sichern. Bis Anfang August 2001 sahen die USA die Taliban als eine Quelle der Stabilität in Zentralasien, die den Bau einer Pipeline ermöglichen würde, die die Ölfelder Turkmenistans, Kasachstans und Usbekistans durch Afghanistan und Pakistan mit dem Indischen Ozean verbindet. Bisher, so heißt es weiter, wurden die Ölreserven Zentralasiens von Russland kontrolliert. Das wollte die Bush-Regierung alles ändern., Doch konfrontiert mit der Weigerung der Taliban, auf die US-Konditionen einzugehen, wandelten sich, so die Autoren, die energiepolitischen Anstrengungen in militärische. An einem bestimmten Punkt der Verhandlungen, so Brisard in einem Interview in Paris, sagten die US-Vertreter den Taliban: Entweder ihr akzeptiert unser Angebot eines Teppichs aus Gold, oder wir begraben euch unter einem Teppich aus Bomben.«

Der Bombenteppich konnte mittlerweile, dem WTC-Anschlag sei Dank, problemlos ausgelegt werden. Da half es auch nichts mehr, dass sich die Taliban im Frühjahr zur Aufpolierung ihres Images eine PR-Repräsentantin in Washington zugelegt hatten. Da wirkte also kein bärtiger »Assassine« mit Fielmannbrille bzw. Augenklappe wie der Botschafter in Pakistan, sondern die professionell fesche Laila Helms, Tochter eines afghanischen Exministers und – nicht zu fassen! – Nichte des ehemaligen CIA-Direktors Richard Helms. Sie wird von Brisard und Dasquié als eine Art Mata Hari porträtiert, die die Händel zwischen Taliban und CIA seit Beginn des Jahresinoffiziell orchestrierte. Helms brachte den engsten Berater des Talibanführers Mullah Omar nach Washington, um auf höchster Ebene zu verhandeln.

Durch das Embargo der UN waren die Taliban seit Jahresbeginn unter immer stärkeren ökonomischen Druck geraten. Sofort nach Bushs Machterschleichung hatte die US-Administration die Anstrengungen in Sachen Taliban und Pipelineforciert. Unter Schirmherrschaft der UN und moderiert von Francesc Vendrell, Kofi Annans persönlichem Referenten, fanden seit Anfang des Jahres einige diskrete »6+2«-Verhandlungsrunden statt, bei denen die sechs Nachbarländer mit den USA und Russland die Situation Afghanistans diskutierten. Bei einigen dieser Treffen waren auch Vertreter der Taliban anwesend, so auch während eines Meetings im Juli in Berlin, bei dem sich nach Angaben des ehemaligen pakistanischen Außenministers Niaz Naik die Diskussion auf die »Bildung einer Regierung der nationalen Einheit« zuspitzte: »Wenn die Taliban dem zugestimmt hätten, wäre sofort ökonomische Hilfe geflossen«, und, so fügte Naik in einem Interview im französischen TV hinzu, »die Pipelines aus Usbekistan und Kasachstan hätten kommen können«. Der Chefverhandler der USA bei diesen Meetings, Tom Simons, soll den Taliban und Pakistan ganz offen gedroht haben: »Entweder die Taliban verhalten sich, wie es von ihnen verlangt wird, oder Pakistanüberzeugt sie, dies zu tun, oder wir werden eine andere Option wählen.« Die Worte, die Simons in diesem Zusammenhang fallen ließ, lauteten angeblich: »eine militärische Operation«. Soweit der pakistanische Außenminister Naik, wie ihn Brisard und Dasquié zitieren, über die Verhandlungsrunden, die im Juli immer mehr auf die Kippe zusteuerten und am 2. August, nach einem letzten Treffen von Talibanvertretern mit der Unterstaatssekretärin Christine Rocca, abgebrochen wurden. Im Februar hätten die Taliban noch angedeutet, dass sie Bin Laden unter Umständen ausliefern würden, aber im Juni, so Brisard und Dasquié, begannen die USA – eher an ihrer Pipeline als an Osama interessiert –, über militärische Aktionen nachzudenken.

Waren es im Februar 2001 immer noch dieselben Überlegungen wie 1996, als der Sudan angeboten hatte, Bin Laden auszuliefern, aber die US-Regierung darauf verzichtete, weil sie laut Washington Post entschied, sich seiner als nützlichem Mitstreiter in ihrem Untergrundkrieg weiter zu bedienen? Waren es dieselben Überlegungen, die dazu geführt hatten, das FBI bei der Untersuchung der Bombenanschläge auf die Khobat Towers in Saudi-Arabien 1996 und die USS Cole im Hafen von Aden im Oktober 2000 zurückzuhalten? Ebenso bei den Ermittlungen gegen die in den USA lebenden Mitglieder des Laden-Clans und ihre Aktivitäten für »wohltätige« Vereine? War John O’Neill – der »beste Terroristenjäger der USA«, wie ihn die New York Post einmal tituliert hatte, diese verordnete Inaktivität im Juli 2001 einfach so leid, dass er als Veteran mit 30 Dienstjahren das Handtuch schmiss?

Anfang des Jahres hatte die US-Botschaft im Jemen seine Rückkehr ins Land zu weiteren Untersuchungen – u. a. im Heimatort von Bin Ladens Vater, aus dem einer der Selbstmordattentäter auf die USS Cole kam – aus »diplomatischen Gründen« blockiert: Seine Ermittler würden sich aufführen »wie Rambos«. »Ich hätte kein Terrorist sein wollen, der von ihm gejagt wird, ich habe erlebt, wie er Himmel und Erde in Bewegung setzt«, bekundete der Anti-Terror-Chef des britischen Scotland Yard in einem Nachruf auf den international geschätzten Kollegen.[153] Ein harter Hund also, dieser John O’Neill, genau der richtige für die Jagd auf fanatische Terroristen – solange sie nicht unter den Fittichen der CIA und der Öldiplomatie stehen. Aufgrund seiner »Dickköpfigkeit« und »Aggressivität« sei er des öfteren mit den Geheimdiensten und dem State Department aneinander geraten, berichtete die New York Times bei seinem Rücktritt im August, der von einer internen Ermittlung gegen O’Neill überschattet war: Bei einem Meeting in Florida hatte er im Hotel eine Aktentasche mit sensiblen FBI-Unterlagen vergessen, die verschwunden war, am nächsten Tag aber unangetastet wieder auftauchte. Obwohl er seinen Fauxpas sofort gemeldet hatte, wurden die Ermittlungen gegen ihn an die große Glocke gehängt – eine »Schmierenkampagne«, wie viele seiner Kollegen meinten, denn O’Neill war, ohne dass er sich darum gedrängt hätte, für den Posten eines Nationalen Sicherheitsberaters vorgeschlagen worden. So reichte es dann, nach einer glanzvollen FBI-Karriere und mit 50 im besten Alter, nur zum Security Chef der Twin Towers, wo er am 1. September seinen Dienst antrat. Nach dem Einschlag des ersten Flugzeugs telefonierte er mit seinem Sohn, dass er im Freien und in Sicherheit sei – dann ging er wohl in das Gebäude zurück, um bei der Rettung zu helfen, und kam ums Leben. Seine Überreste wurden mittlerweile geborgen.

Wenn der Regisseur Oliver Stone, der schon die Kennedy- und die Watergate-Verschwörung zu Filmen gemacht hat, auch die WTC-Conspiracy in Szene setzen würde, er fände in George W. Bush, der auf dem Ticket der Terroristenjagd Ölkrieg führt, und in John O’Neill, dem kaltgestellten Jäger Osama Bin Ladens, zwei überaus geeignete Protagonisten.

Wer John O’Neill war, hat der New Yorker in einem ausführlichen Porträt geschildert. Es gibt sogar eine eigene Internetseite, die seinem Gedenken gewidmet ist. Schon als kleiner Junge wollte John O’Neill zum FBI, und er brachte es dort so weit, dass er später gern mit einem Grinsen sagte: »Ich bin das FBI.« Im Juli 2001 verließ er seinen Traumjob als frustrierter, trauriger Mann. Hätte man ihn seinen Job machen lassen, dann wären die Terrorhäfen Saudi-Arabien und Jemen im 01-Monopolyspiel der Bush-Regierung nicht sakrosankt und Bin Laden & Co. vielleicht schon vor dem 11.9. hinter Gittern gelandet. Dass sie unter der schützenden Hand der Geheimdienste und des State Department stehen, hatte O’Neill wohl zu spät bemerkt – sonst hätte er nicht den Fehler gemacht, sich davon frustrieren zu lassen und zu kündigen. Obwohl dieser Fall mit Sicherheit einer der tragischsten aller am 11. 9. ums Leben gekommenen Menschen ist, spielte der Tod O’Neills in den US-Medien kaum eine Rolle. Besser nicht dran rühren – die öffentliche Aufmerksamkeit, erst einmal geweckt, könnte ja eine falsche Richtung nehmen.

Pandemien und Orakel

Sollten “Verschwörungstheoretiker” nicht langsam “Wahrsager” genannt werden, fragte unlängst ein Leser, nachdem sich einmal mehr eine “verschwörungstheoretische” Prognose über das angebliche “Killervirus” als zutreffend herausgestellt hatte. Nun gilt “Wahrsager” in unseren Zeiten ja nicht mehr als ehrenwerter Berufsstand, sondern als Synonym für Humbug und Hokuspokus, steckt also in derselben Schubalde des Irrationalen, in die auch sämtliche “Verschwörungstheroetiker” gepackt werden. Also alle, die das offizielle Narrativ von der Menschheitsgefahr Covid und der einzigen Rettung durch das Sakrament der Impfung bezweifeln.

Sich mit einem Ablass Rettung vor der Hölle erkaufen zu können war im Mittelalter lange ein erfolgreiches Geschäftsmodell des Vatikans, bis die Zweifel an der Wirksamkeit auch von der Inquisition nicht mehr zu stoppen waren und zur Reformation führten. In einem solchen Religionskrieg befinden wir uns auch heute – Sachfragen sind in den Bereich von Glaubensfragen verschoben und wer letztere in Frage stellt wird als frevelhafter Ketzer exkommuniziert. Anders als vor 500 Jahren, als die Dogmen der Erlösung noch in Stein  gemeisselt waren und Gläubige wie Ungläubige wussten woran sie waren, sind die heute “ex cathedra” erlassenen Verkündigungen allerdings morgen schon wieder haltlos, wie zum Beispiel die Versprechen der in Deutschland für Glaubensfragen zuständigen Institution:

Während man sich im August also noch vor einer Ansteckung geschützt fühlen konnte,  schützte die Impfung Anfang September nur noch vor schwerem Verlauf  und dient seit Ende des Monats nur noch zur “Vorbeugung”. Da mittlerweile aber immer mehr Geimpfte an Covid erkranken – und zwar vor allem in Ländern mit hoher Impfquote scheint es auch mit der Vorbeugung nicht allzuweit her zu sein. Warten wir also auf das nächste Update,  und darauf dass die “Verschwörungstheoretiker”, die gestern unbotmäßige Zweifel an der Impfung äußersten – etwa: “Umgerechnet auf die Zahl der Geimpften erhielt das Paul-Ehrlich-Institut in Zusammenhang mit den sogenannten Corona-Impfungen rund 54 mal mehr Todesfallmeldungen als in den 21 Jahren davor zu allen anderen Impfstoffen insgesamt.”   – morgen als “Wahrsager” bezeichnet werden müssen.

Ein Titel, den sich auch yours truly als Diplom-Konspirologe schon verdient hat, wenn man z.B. diesen Artikel aus dem März 2020 über die  desolate Datenbasis der Corona-Prognosen und der darauf begründeten Maßnahmen liest, an der sich auch nach 18 Monaten NICHTS geändert hat. Im Gegenteil: noch immer wird der ganze Zirkus mit Zahlenkonfetti über “Inzidenzen” am Laufen gehalten, die aber jetzt nichtssagender denn je geworden sind, weil Geimpfte  ja gar nicht mehr getestet werden, denn sonst, so der Gesundheitsminister, “hört die Pandemie nie auf”. Da hat er ausnahmesweise vollkommen Recht, weshalb wir wahrsagermäßig hier ja auch schon lange nicht mehr von “Pandemie”, sondern von  “Testemie” reden (die wie von Zauberhand sofort enden würde, wenn das Testen gestoppt wird) und verschwörungstheoretisch davor gewarnt haben, das Bill Gates(-Microsoft)-Geschäftsmodell regelmäßiger Updates auf das Gesundheitswesen zu übertragen (was jetzt mit der “Booster”-Propaganda schon massiv Gang gekommen ist.)

Nun war es ja auch schon in Delphi und anderen Wahrsager-Destinationen der Antike oft nicht  entscheidend, was gesagt wurde, sondern  – weil die Wahrsager*innen nicht immer Klartext redeten – wie diese Aussagen ausgelegt wurden. Nicht jedes Orakel hatte bei allen Autorität und selbst das weit anerkannte Orakel von Delphi stand bisweilen im Verdacht, von Opfergaben und Spenden korrumpiert zu sein. Diese Gefahr besteht bei diesem kleinen Wahrsager-Blog hier  sicher nicht,  aber gegen die großen Instanzen und ihre Orakelpriester anzukommen ist nahezu unmöglich, selbst wenn deren Ansagen so widersprüchlich sind wie die oben zitierten. Oder wie die Horror-Prognose der Pythia Dr.Drosten aus dem April 2020 – „Da werden wir (aus Afrika) Bilder sehen in der Zeit zwischen Juni und August, die wir nur aus Kinofilmen kennen. Da wird es Szenen geben, die wir uns so heute nicht vorstellen können.” –  den man aber als falschen Propheten nicht mit Schimpf und Schande aus dem Tempel gejagt hat, sondern munter weiter orakeln läßt. Jetzt, da die Zombiefilme  in Afrika ausgefallen sind, mit drohenden 100.000 Covid-Leichen in Deutschland.

Weil ich auf derart aktuelle Nachrichten schon lange kaum noch etwas gebe, aber auch nicht völlig uninformiert sterben will, würfele ich mir morgens oft ein Jahr in der Geschichte aus, zu dem ich dann die Tagesnachrichten suche. Neulich bin ich da im Jahr 430 vor Christus gelandet, mitten in der Pandemie von Athen und dagegen ist die derzeitige ja wirklich eine Lachnummer: innerhalb von zwei Jahren starb damals fast die Hälfte der Bevölkerung. Wogegen in Deutschland „mit“ Pandemie sogar weniger Menschen gestorben sind als in den Jahren vorher „ohne“. Was schwer zu erklären ist und wohl damit zu tun hat, dass die Griechen eine andere Definition von Pandemie verwendeten und nur dann davon sprachen, wenn wirklich viele krank wurden und starben. Sie hatten noch keine so genialen Testmöglichkeiten wie wir heute, die “Pandemien” ja schon erkennen, bevor überhaupt jemand krank geworden ist. Und  die – ein Novum in der Menschheitsgeschichte – “symptomlose Krankheiten” entdeckt haben, also pechschwarze “weisslose Schimmel”.

In Athen aber starben Kinder wie Greise innerhalb von wenigen Tagen nachdem sie erste Symptome gezeigt hatten. Als sich die Seuche vom Hafen Piräus in die Stadt ausgebreitet hatte, verordnete Regierungschef Perikles verschärfte Opfer an der Statue der Hygiea, der Tochter des Heilgottes Asklepios nach der unsere heutigen Hygieneverordnungen benannt sind – und die Opposition behauptete, dass der Erreger in die heimischen Brunnen infiltriert worden wäre, vom Feind in Sparta,  den man sofort angreifen müsse. Die „Spartaner-Seuche“ nahm also Donald Trumps Rede vom „Chinesen-Virus“ schon irgendwie vorweg. Als die Hygiea-Opfer und die Rituale der Asklepios-Priester  nichts halfen und irgendwann auch Perikles infiziert war und starb, holte sein Ziehsohn Alkibiades einen innovativen Heilpraktiker von der Insel Samos, Hippokrates, der mit seinen neuen Methoden aber auch nichts ausrichten konnte. Weil ihm aber aufgefallen war, dass im verräucherten Quartier der Schmiede, hinter dem Tempel des Hephaistos, wo ständig Feuer brannte, kaum jemand krank geworden war, vermutete er eine Übertragung durch die Luft und empfahl, überall in der Stadt große Feuer zu machen. Weil sich die „Pest“ in Athen allerdings, wie man heute weiß, höchstwahrscheinlich durch Typhus-Bakterien im Wasser verbreitet hatte, halfen auch diese Räucheraktionen nichts. Doch Hippokrates hatte quasi schon die „Aerosole“ entdeckt, vor denen sich heute viele derartig fürchten, dass sie die frische Luft nur mit Gesichtswindel genießen.

Das „Social Distancing“ nahm in Athen übrigens ziemlich üble Formen an, weil Erkrankte allein in ihren Häusern zurückgelassen wurden, was sich dann Räuber und Diebe zu Nutze machten, sodass manche Häuser schon leergeräumt waren, bevor die wehrlosen Besitzer den letzten Löffel abgeben mussten. Selbst Tiere und Aasfresser rührten Verstorbene nicht an, berichtet jedenfalls Thukydides, weshalb man auch auf die üblichen Beisetzungsrituale verzichtete und die Leichen mitten in der Stadt verbrannt werden mussten. Verglichen mit derlei apokalyptischem Schauspiel, das der Maler Michiel Sweerts  1653 auf seinem Bild  “Die Attische Seuche” (oben) mit einigen attraktiven Grazien verzierte, wirkt die derzeitige Pandemie ja doch eher wie eine blasse Pantomime.
Nicht dass ich mir als “alter weißer Mann” aus meinem Logensessel hier mehr grausame Action wünschen würde, aber die Panik, die wegen Corona gemacht wird, scheint verglichen damit doch ziemlich übertrieben. Gegen die Rituale der Seuchen- und Schadensabwehr wie Maskenpflicht und Lockdown zu verstoßen, die zwar “wissenschaftlich” genannt werden,  in ihrer Wirksamkeit aber ebenso zweifelhaft sind wie  die “religiösen” Pandemie-Maßnahmen des Perikles, ist damals wie heute bei Strafe verboten. Athen war wegen der Seuche seinerzeit übrigens ziemlich pleite und musste den schon angezettelten Krieg gegen Sparta erstmal zurückstellen. Bei uns aber wurde der Etat der Bundeswehr trotz Pandemie weiter erhöht und der neue Imperator in Washington verkündete sofort  einen weiteren Rekordhaushalt für die Armee. Beruhigend eigentlich, denn wo knapp die Hälfte aller Staatsausgaben für Waffen und Söldnerheere ausgegeben werden können, kann keine wirkliche Not herrschen und keine lebensgefährliche Seuche…

Nachdem ich die fast 2.500 Jahre alten Breaking News aus Athen gecheckt hatte, konnten mich jedenfalls die Tabellen der Inzidenz-Liga, die jetzt jeden Tag abgedruckt werden, nicht mehr schrecken. Wenn das alles Leichen wären, ok, dann müsste man sich langsam Sorgen machen bzw. müsste es nicht mehr, weil man sich als alter Mann aus der Top-Risiko-Gruppe ja schon im Jenseits vergnügen dürfte, aber diese inzidenten „Infizierten“ sind ja nicht mal krank, geschweige denn tot und 95% kriegen von der “Inzidenz” nicht mal einen Schnupfen. Dass sie aber jetzt nicht mehr als Gesunde gelten, sondern als “symptomlos” Kranke, die eine Gefahr darstellen, dass es Gesunde eigentlich gar nicht mehr gibt, sondern nur noch Geimpfte und Ungeimpfte und letztere sich auf keinen Fall gesund fühlen dürfen, sondern nur als behandlungsbedürftige Kranke, die man notfalls zur “Gesundheit” zwingen muss… dies alles scheint von einer Willkür, wie sie sich die Athener nach Perikles dann selbst von den Dreißig Tyrannen nur acht Monate lang bieten liesen. Sie pfiffen auf alle (von Oligarchen bestochenen) Orakel und führten die Demokratie wieder ein.

Der Ursprung von Covid-19

Im April 2020 schrieb ich über den Verdacht des französischen Virologen Luc Montagnier – 2008 für seine Erforschung des HI-Virus (HIV) mit dem Nobelpreis ausgezeichnet – dass das SARS-CoV-2 Virus nicht von einem Tier übertragen worden ist, sondern in einem Labor entstanden sein muss. Auch Montganiers großes Renomeé half freilich nicht dagegen, dass dieser Verdacht sofort als  üble “Verschwörungstheorie” diffamiert wurde. Mehr als ein Jahr später, Anfang Juni 2021, wagten dann auch erste Mainstream-Journalisten in den USA, über die zahlreichen Evidenzen zu berichten, die klar auf ein “Lab Leak” und nicht auf einen natürlichen Ursprung dieses Virus hindeuteten und hier erschien “Die Frankenstein-Viren aus der “Eco-Health”-Hexenküche”. Auch in unseren Sendungen “Das dritte Jahrtausend” hatten wir über die Finanzierung und Zusammenarbeit und  des Viruslabors in Wuhan mit US-Instituten und die Biowaffenforschung in Fort Detrick  seit Frühjahr 2020 mehrfach berichtet. In den Großmedien wurden diese Zusammenhänge wenn überhaupt nur am Rande erwähnt oder gleich als Querdenker-Geschwurbel in die Tonne getreten. Im Rahmen der “Alles auf den Tisch”-Interviews kommen die von den notorischen Faktencheckern als unerwünscht ausrangierten Fakten jetzt erneut auf den Tisch – im Gespräch von Felix Adlon mit dem Nanotechnolgie-Forscher Prof. Dr. Dr. h.c. Prof. h.c. Roland Wiesendanger:

 

Das SARS-CoV-2 Virus weist charakteristische Merkmale von biotechnologischen Manipulationen zur Anpassung von SARS-Viren an menschliche Zellrezeptoren sowie Einführung einer Spaltstelle des „Spike“ (Zacken-) Proteins auf, welche es diesem Virus besonders leicht macht, in menschliche Zellen einzudringen. Damit können nicht nur obere Atemwege des Menschen befallen werden wie bei herkömmlichen Coronaviren, welche lediglich Erkältungskrankheiten auslösen, sondern auch die Lunge und andere innere Organe. Jüngste Offenlegungen von Forschungsanträgen führender Virologen beweisen, dass solche biotechnologischen Manipulationen auch mit MERS-Viren erfolgen sollten, welche wesentlich tödlicher sind als SARS-Viren. Auch andere, noch tödlichere Viren werden derzeit in biotechnologischen Laboren weltweit für Menschen gefährlicher gemacht. Auf Grund der Tatsache, dass sich jährlich eine dreistellige Zahl von Laborunfällen in biotechnologischen Laboren selbst der höchsten Sicherheitsstufen 3 und 4 ereignen, muss man sich bewusst werden, welchen riesigen Gefahren die Menschheit – selbst bei einer beabsichtigten friedvollen Nutzung dieser Technologien – zukünftig ausgesetzt ist, von den nachgewiesenermaßen existierenden Beziehungen zur Biowaffenindustrie ganz zu schweigen. Der Albtraum der biotechnologischen Bedrohung ist mit nichts zu vergleichen, was die Menschheit leidvoll im Zuge beider Weltkriege erfahren musste – der Entwicklung und dem Einsatz chemischer Kampfstoffe und atomarer Waffensysteme. Wir benötigen dringend internationale Abkommen und eine unabhängige internationale Aufsichtsbehörde für diese Art der biotechnologischen Forschung – ähnlich der Atomaufsichtsbehörde – um die Menschheit vor noch viel schlimmeren, menschengemachten Pandemien eventuell zu bewahren.

Kleine Geschichte vom Absinth

“Der Legende nach ließ sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein französischer Arzt namens Pierre Ordinaire im Schweizer Tal Val-de-Travers nieder. Angeblich aus politischen Gründen war er aus Frankreich geflohen – mit einem ganz besonderen Rezept im Gepäck: ein Destillat aus Wermutkraut, Anis, Fenchel und einer Menge anderer Kräuter. Ordinaire gab dem Getränk nach der lateinischen Bezeichnung des Wermutkrauts den Namen Absinth.Damit beginnt eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. Wie sie im Detail verlaufen ist, haben Mathias Bröckers, Christine Heidrich und Roger Liggenstorfer in ihrem Buch »Absinthe – Die Wiederkehr der Grünen Fee« zusammengestellt. Sie fängt – wie bei vielen Rauschmitteln – in der Medizin an. Denn die Verwendung des Wermutkrauts reicht lange zurück. Auf Grund seiner Eigenschaften als Entwurmungsmittel wird es zunächst als medizinisches Produkt genutzt. Im 18. Jahrhundert entwickeln Tüftler daraus Getränke, die nicht einzig Leib, sondern auch der Seele guttun sollen.So soll, wie eine weitere Ursprungslegende des Absinths besagt, in der Nähe des Ortes Couvet im Val-de-Travers eine Frau namens Henriette Henriod das erste Rezept für Absinth erstellt haben. Welche Legende auch immer stimmt, schlussendlich landet die Rezeptur bei einem gewissen Henri-Louis Pernod (1776–1851). Dieser gründet daraufhin 1797 in Couvet die erste Absinthdestillerie, zieht aber bald darauf ins französische Pontarlier um den Markt in Frankreich bedienen zu können.” (…)

Weiter lesen auf Spektrum.de

Oder gleich in unserem kleinen Buch Absinthe – Die Wiederkehr  der Grünen Fee”, das 2006 in Solothurn entstand, wo meine Freunde Chris und Roger zwei Jahre zuvor die gleichnamige  Absinthe-Bar eröffnet hatten. Die erste in der Schweiz nach 94 Jahren Prohibition und in der Kronengasse 11 noch immer geöffnet.

Der Wink mit dem Zeitpfahl

Frisch aus dem Archiv: Neun Tage nach der Maueröffnung 1989 erschienen in der taz meine “Spekulationen über den 9.November”. Was die  Prognose betrifft, dass dies das Ende der Ära Kohl sei, lag ich als pseudo-kabbalistischer Wahrsager damals schwer daneben. Ansonsten sind die datumsmagischen Koinzidenzen aber nach wie vor verblüffend:

Wenn in Deutschland jemand einen Witz macht, sitzt bekanntlich die halbe
Nation auf dem Sofa und nimmt übel. Kaum ist in Deutschland einmal
irgendetwas Außerordentliches passiert, muß jemand gleich einen
National-Feiertag daraus machen – und die halbe Nation nimmt übel. Über
Hans-Jochen Vogels schlechten Witz, den 9. November zum Nationalfeiertag zu machen haben sich sofort diverse Bedenken erhoben und auf die Kollison mit der Pogromnacht 1938 und die Unvereinbarkeit von Bußtag und Freudenfest verwiesen. Wer noch genauer auf den Kalender blickt, dem kann eine sehr viel mysteriösere Koinzidenz nicht entgehen: der 9. November 1918 (Sturz des Kaisers, deutsche Revolution), der 9. November 1923 (Hitler-Putsch), der 9. November 1938 (”Reichskristallnacht”) und der 9. November 1989: Durchbruch der Berliner Mauer. Vier mal entladen sich die politischen Prozesse in einem explosiven Ereignis, vier mal brechen latent gärende Tendenzen plötzlich an die Öffentlichkeit: das Ende des Kaisertums, der erste Aufmarsch des 3. Reichs, der eigentliche Beginn seines Weltkriegs – gegen die eigene Bevölkerung, und jetzt das Ende der Mauer. Vier mal hat sich das deutsche Volk am 9. November zu Wort gemeldet und ein entscheidendes Kapitel der Geschichte aufgeschlagen.
Daß all dies Zufall sein soll, will mir nicht in den Kopf – doch welchen
Umständen verdanken wir es, daß die Turbulenzen der Geschichte mit deutscher Pünktlichkeit ihre Quantensprünge in eine neue Ordnung ausgerechnet am 9. November vollziehen?

NEUnter NOVEMber – zweimal, deutsch und lateinisch, das Wort “neu” – kein anderer der 365 Tage ist von seinem Namen her besser geeignet, ein Omen – ein schicksalhaftes Zeichen -zu geben. Das Wort “neu” wird etymologisch der “Neun” zugeordnet, mit der bei der ursprünglichen Zählweise im Vierer-System ein “neuer” Vierer-Block begann.
Auch numerologisch geben die 9. November etwas her, die magische 5
jedenfalls tauchte bei meinen pseudo-kabbalistischen Berechnungen dauernd auf: Von 1918 bis 1923 – 5 Jahre, vom ersten Aufmarsch des 3. Reichs 1923 bis zum perversen Anfang seines Endes – 15 Jahre, diese 15 umgekehrt ergeben 51 – 51 Jahre, nachdem die Deutschen in der Pogromnacht 1938 einen Bevölkerungsteil brutal von sich abtrennten, geschieht am 9. November 1989 das exakt umgekehrte Ereignis: auf sanfte Weise werden sie mit einem anderen, scheinbar auf ewig abgetrennten Bevölkerungsteil, plötzlich wieder zusammengeführt. Die Hölle des Hasses auf dem Berliner Kudamm 1938 reinkarniert sich also 1989, gleiche Stelle gleiche Welle, als Himmel der Versöhnung? – Schwachsinn, sage ich mir, es haben sich nicht Juden und Deutsche, sondern Mördersöhne und Täterinnen -Töchter versöhnt. Doch der Kabbalist gibt sich noch nicht geschlagen: Daß es “ganz andere” sind, die sich da versöhnen, zeigt nur, daß die Emanationen der Weltgeschichte nicht der Mechanik eines Hollywood-Schinkens folgen, sondern der fraktalen Dramaturgie einer Zeitwelle, die eben nicht das immer Gleiche, sondern permanent Transformiertes spiralisiert – und sich den 9. November als psychokinetischen Plot-Point ausgesucht hat.

Die Frage, ob man in Deutschland nun trauern oder feiern soll, hat die
Weltgeschichte am 9. November ganz eindeutig beantwortet: wer fortan nicht trauert und feiert, hat keines von beiden verstanden. Der Abgang des
Kaisers und das Verschwinden Helmut Kohls, der Aufstieg des Führers und der Abschied vom Führerprinzip (Einheitspartei), das ekstatische Morden und die begeisterte Umarmung – von tieferer Weisheit als am 9. November kann ein Wink mit dem Zeitpfahl nicht sein. Dieses Datum darf natürlich nicht auf einen neuen “Tag der deutschen Einheit” reduziert werden. Es muß, schul- und arbeitsfrei im gesamten geographischen Gebiet, als raumzeitliches Ereignisfeld deklariert werden, als Aussichtspunkt in die verborgene Landschaft der kollektiven Psycho-Energie, als ein Magnetfeld der Geschichte. Der Bevölkerung muß an diesem Tag vor allem Zeit gegeben werden. Um Vergangenheit und Zukunft zu beobachten, das Unerwartete zu erwarten und – gegebenenfalls – geistesgegenwärtig zu handeln.

Die Lehre vom Kollaps

Dmitry Orlov, dessen Buch „Die Lehre vom Kollaps“ Mathias Bröckers übersetzt hat, geht von einem fünfstufigen Zusammenbruch aus, dem finanziellen folgt der kommerzielle, dann der politische, der den sozialen Zusammenbruch nach sich zieht und das Ganze endet im kulturellen Kollaps. Die Überlebenden fangen wieder neu an als Bauern und Viehzüchter. Norbert Häring sieht das „Endspiel des Kapitalismus“ — so der Titel seines aktuellen Buches — als Chance bessere Verhältnisse zu stiften, und Max Otte rechnet mit erheblichen Verwerfungen.

Alle drei haben aber auch verstanden, dass die enorme Schieflage des Kapitalismus auch von ihren Urhebern längst erkannt wurde. Vermutlich seit geraumer Zeit arbeiten sie an einer Agenda — The Great Reset —, den Kollaps zu kontrollieren, um sich danach als neue Feudalherren die Welt gänzlich zu Untertanen zu machen.

Wer nach diesem Gespräch noch Fragen hat, dem empfehlen wir folgende Bücher:


9/11 Review: Turmopfer im geopolitischen Schach?

Unter “9/11 Review” werden hier in loser Folge einige der historischen Beiträge erscheinen, die jetzt in  dem Sammelband  11.9.-20 Jahre danach – Einsturz einer Legende neu erschienen sind. Heute ein Artikel vom 7.Dezember 2001.

07.12.01

»Seit den Anfängen der Kontinente übergreifenden politischen Beziehungen vor etwa fünfhundert Jahren ist Eurasien stets das Machtzentrum der Welt gewesen … Inwieweit die USA ihre globale Vormachtstellung geltend machen können, hängt davon ab, wie ein weltweit engagiertes Amerika mit den komplexen Machtverhältnissen auf dem eurasischen Kontinent fertig wird – und ob es dort das Aufkommen einer dominierenden, gegnerischen Macht verhindern kann … Eurasien ist somit das Schachbrett, auf dem sich auch in Zukunft der Kampf um die globale Vorherrschaft abspielen wird.«

Nicht nur die ersten Sätze aus Zbigniew Brzezinskis 1997 erschienenem Buch The Grand Chessboard lesen sich wie ein Skript des »war on terrorism« genannten Krieges gegen Afghanistan. Und es wäre naiv, Brzezinski (Jahrgang 1928) nach seinem Abgang als Jimmy Carters Sicherheitsberater für einen abgehalfterten Professor zu halten, der nicht weiter ernst zu nehmen ist. Als einer der Vordenker und Mitbegründer der Rockefeller-Thinktanks Council an Foreign Relations (CFR)und der Trilateralen Kommission hat er nach wie vor bedeutenden Einfluss. Zum Beispiel auf den Vizepräsidenten Cheney, der 1998 bekundete: »Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der eine Region so schnell strategisch bedeutend geworden ist wie die kaspische …« – Cheney war damals noch als Chef von Halliburton, dem größten Ausrüster der US-Ölindustrie, der gerade das Pipelineprojekt durch Afghanistan projektiert hatte. Wegen der gigantischen Bodenschätze hat für Brzezinski »die Pipelinefrage für die Zukunft des Kaspischen Beckens und Zentralasiens eine zentrale Bedeutung«. In seinem vorausschauend »Der eurasische Balkan« genannten Kapitel über die Region heißt es weiter:

»Falls die wichtigsten Ölleitungen der Region weiterhin durch russisches Territorium zum russischen Absatzmarkt am Schwarzen Meer in Noworossijsk verlaufen, werden sich die politischen Konsequenzen, auch ohne dass die Russen die Muskeln spielen lassen, bemerkbar machen. Die Region wird eine politische Dependance bleiben und Moskau darüber entscheiden können, wie der Reichtum der Region verteilt werden soll … Amerikas primäres Interesse muss folglich sein, mit dafür zu sorgen, dass keine einzelne Macht die Kontrolle über dieses Gebiet erlangt und dass die Weltgemeinschaft ungehindert finanziellen und wirtschaftlichen Zugang zu ihr hat. Geopolitischer Pluralismus wird nur dann zu einer dauerhaften Realität werden, wenn ein Netz von Pipeline- und Transportrouten die Region direkt mit den großen Wirtschaftsknotenpunkten der Welt verbindet, über das Mittelmeer und das Arabische Meer ebenso wie auf dem Landweg.«

Die Hervorhebungen »Weltgemeinschaft« und »geopolitischer Pluralismus« sind von mir und kennzeichnen den Jargon, in dem die Interessen der USA mit denen der Weltgemeinschaft und die Dominanz Washingtons mit »Pluralismus« gleichgesetzt werden. Nicht nur von Brzezinski, sondern auch von seinem Kollegen Samuel Huntington, den er in seinem Buch zitiert: »Die Fortdauer der amerikanischen Vorherrschaft ist sowohl für das Wohlergehen und die Sicherheit der Amerikaner als auch für die Zukunft von Freiheit, Demokratie, freier Marktwirtschaft und internationaler Ordnung in der Welt von zentraler Bedeutung.«

Zum Schlachtruf »Entweder für uns oder für die Terroristen« ist es von da nicht mehr weit. Andreas von Bülow weist darauf hin, dass geostrategische Studien wie Brzezinskis Chessboard oder Huntingtons Clash of Civilizations als Auftragsarbeiten der CIA in der Regel aus einem. allgemein gehaltenen, zur Veröffentlichung bestimmten Teil sowie aus einem unter Verschluss bleibenden Anhang mit konkreten Vorschlägen und Handlungsanweisungen bestehen. Wie diese aussehen, ließ sich auch schon vor dem 11.9.2001 mit »an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit« erkennen: » Covert Operations der Geheimdienste (sind) das Mittel der Wahl beider Durchsetzung amerikanischer Großmacht– und auch Wirtschaftsinteressen, während der Einsatz der Militärmacht eher unpopulär bleibt.« Dies bestätigte eine CFR-Sprecherin in einer BBC-Sendung: Verdeckte Operationen seien »weniger teuer« und oft »effektiver« als offizielle Militäreinsätze.

Es geht um einen verdeckten Krieg, um ein Shoot-out in bester texanischer Tradition mit »dead or alive«-Steckbriefen, Aufrufen zur Lynchjustiz und der Einführung von Standgerichten. Selbst einer monströsen Terrorbande wie den Nazis wollten die Amerikaner nach Kriegsende mit zivilen, rechtsstaatlichen Methoden beikommen. Warum ist das mit dem zum Terrorprinzen aufgestiegenen saudischen Milliardärslümmel Bin Laden nicht möglich? Warum war zu keinem Zeitpunkt auch nur von dem Versuch die Rede, ihn vor den internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen? Warum wurde der erste internationale Haftbefehl für Bin Laden bei Interpol 1998 nicht von Washington, London oder Berlinbeantragt, sondern von Tripolis, also von niemand anderem als ausgerechnet Moamar Al-Gaddhafi (der Osama für die Unterstützung islamistischer Terroranschläge in Libyen verantwortlich machte, bei dem u. a. zwei deutsche Geheimdienstmitarbeiter getötet wurden)? Warum lässt man unsere neuen Freunde von der Nordallianz, die das Land vor den Taliban als brutale Schlächter zugrunde richteten, nun als blutige Rächer zurückkehren? Sind wir damit, wie Robert Fisk im Independent meint, nicht endgültig auf die Seite von Kriegsverbrechern gewechselt? Warum finden die Statements der afghanischen Frauenorganisation RAWA, die auf diese grauenhafte Absurdität hinweisen, keinen Eingang in die Medien, geschweige denn ihre Vertreterinnen einen Platz am Petersberger Verhandlungstisch? Warum sieht sich der Ölriese Unocal, der mit den Taliban jahrelang intensiv über die Pipeline verhandelte, zu einem Statement genötigt, die Islamschüler zu keiner Zeit unterstützt und gehätschelt zu haben?Könnte es sein, dass all dies mit einer Politik zu tun hat, die John Pilger, der Seniorkorrespondent des britischen Mirror, den »geopolitischen Faschismus« der USA nennt?

Richard Falk, Professor für internationale Politik in Princeton, hat das erklärt. »Westliche Außenpolitik, sagt er, »wird in den Medien selbstgerecht und moralisch einseitig dargestellt, mit positiven Bildern westlicher Werte und Porträts bedrohter Unschuldiger, die eine Kampagne unbegrenzter politischer Gewaltrechtfertigen. Der Aufstieg von Rumsfeld und seinem Vertreter Paul Wolfowitz sowie seinen Partnern Richard Perle und Elliot Abrams bedeutet, dass ein Großteil der Welt jetzt offen von einem geopolitischen Faschismus bedroht ist, der sich seit 1945 entwickelt und seit dem 11. September beschleunigt hat. Die amtierende Gang in Washington besteht aus authentischen amerikanischen Fundamentalisten. Es sind die Erben von John Foster Dulles und Alan Dulles, jener baptistischen Fanatiker, die in den 50er Jahren das State Department bzw. die CIA leiteten, Reformregierungen in einem Land nach dem anderen niedermachten – Iran, Irak, Guatemala – und internationale Verträge aufkündigten wie die Genfer Indochina-Vereinbarungen von 1954, deren Sabotage durch John Foster Dulles direkt zu Vietnam und fünf Millionen Toten führten. Die Twin-Tower-Attacken sorgten in Bushs Washington sowohl für einen Auslöser als auch für eine bemerkenswerte Koinzidenz. Pakistans früherer Außenminister Niaz Naik hat enthüllt, ihm sei von hohen amerikanischen Vertretern Mitte Juli gesagt worden, dass eine Militäraktion in Afghanistan Mitte Oktoberbeginnen würde. Außenminister Powell war damals in Zentralasien unterwegs und sammelte schon Unterstützung für eine antiafghanische Kriegskoalition.«

Wenn bei einer Schachpartie der Verlust einer Figur zu einem strategischen Vorteil führt, spricht man von Opfer. Für den Laien sind solche Opferstrategien schwer zu erkennen, zumal wenn wichtige, scheinbar unersetzliche Figuren betroffen sind wie zum Beispiel zwei Türme. Der Profi freilich kann sich durchaus vorstellen, zwei Türme an der Heimatfront zu opfern, um sich dadurch tief in der gegnerischen Hälfte festzusetzen und einen unschlagbaren strategischen Vorteil – »globale Vorherrschaft« – zu erzielen, der das verlorene »Material« allemal wieder wettmacht. Es spricht sehr viel dafür, dass die geopolitischen Schachmeister in Washington die talibanische Attacke auf ihre Türme vorhergesehen und sogar aggressive Läufer wie den FBI-Jäger Bin Ladens, John O’Neill, zurückgepfiffen haben, um die gegnerischen Vorbereitungen nicht zu stören. Intellektuelle Vordenker wie Brzezinski und Huntington – Letzterer hat sich u. a. auch als CIA-Berater für die Aufstandsbekämpfung nach dem Sturz von Diktatoren einen Namen gemacht – hätten einfach ihren Job verfehlt, wenn sie in den unter Verschluss bleibenden konkreten Szenarien ihrer Studien nicht auch solche Opferstrategien durchspielen würden. Und wir wären einfach blind, wenn wir hinter dem menschelnden Jargon von »geopolitischem Pluralismus«, »Menschenrechten«, »freier Welt« und »humanitärer Intervention« nicht das auf Sieg und Vorherrschaft um jeden Preis programmierte »Great Game« sehen würden.«

Auszug aus: Mathias Bröckers, Andreas Hauss, Christian C. Walther:  11.9.-20 Jahre danach – Einsturz einer Legende , Westend Verlag, 1182 Seiten, 18 Euro