Ab auf die Couch!

“Wie gestört ist die Gesellschaft ?”, fragt Ken Jebsen und es antworten Gunther Moll (Kinderpsychiater und Kommunalpolitiker), Birgit Assel (Diplom-Sozialpädagogin und Trauma-Expertin), Franz Ruppert (Professor für Psychologie), Hans-Joachim Maaz (Psychiater und Psychoanalytiker). Kluge Menschen,  interessantes Gespräch. (Und einmal mehr ein Beleg, dass der “Bildungsauftrag” des Fernsehens mittlerweile  eher von crowdfinanzierte Kanälen wie KenFM wahrgenommen wird als von den gebührenfinanzierten TV-Beamten und öffentlich-rechtlichen Gehirnwäschern…)

Die Goethe-Verschwörung

„Warum jetzt Goethe ?“, wurde ich zu meinem neuen Buch schon öfters gefragt, und meine erste Antwort darauf ist: Ich hab in den letzten fünfundzwanzig Jahren immer nur in den Kloaken der Politik herumgebuddelt und mich an politischen Morden, verdeckten Operationen, Verschwörungen und Fake-News abgearbeitet – jetzt wollte ich mich endlich mal dem Wahren, Guten, Schönen widmen. Als ich vor einem Jahr die Absicht kundtat, einen längeren Essay zu Goethes Fragment über die Natur zu schreiben, das am Anfang seiner lebenslangen naturwissenschaftlichen Forschungen steht, meinte mein Sohn: „Nenn das Buch einfach Die Goethe-Verschwörung, da gehen gleich 20.000 weg. Verschwörungsmäßig bist du doch ne Top-Marke, da nehmen die Fans sogar einen alten Hut wie Goethe in Kauf.“ Verkaufstechnisch hat der Junior da vielleicht sogar Recht, aber es ging mir um genau diesen „alten Hut“ und darum zu zeigen, dass der mit seinen Ansichten und seiner Haltung zur Natur und zur Wissenschaft nach zweihundert Jahren wieder zeitgemäß ist. Und dass seine Forschungen und Erkenntnisse absolut edgy und trendy sind, wenn es darum geht, eine neue Wissenschaft vom Leben zu definieren.

Und was soll „Newtons Gespenst“? Als Newton sein berühmtes optisches Experiment durchführte, bei dem er durch ein Loch im Fensterladen weißes Licht durch ein Prisma fallen ließ und an der Wand gegenüber dann Farben sah, benannte er diese Erscheinung „spectre“, dem englischen Wort für „Gespenst, Phantom, Erscheinung“. Seine heutige Bedeutung als Spektrum von Farben oder in Begriffen wie „Spektralanalyse“ erhielt das damalige „Gespenst“ erst durch Newtons Entdeckung und seine Theorie, dass sämtliche Farben im Licht enthalten sind. Als Goethe nun 1790, mehr als achtzig Jahre nach dem Erscheinen von Newtons Opticks, durch ein Prisma an eine weiße Wand schaut, die weiß bleibt und nur an den Rändern, wo Schatten ins Spiel kommen, Farben erscheinen, kommt ihm schlagartig der Gedanke, dass die ganze Newton’sche Theorie falsch sein muss. Die dunklen Farben stecken nicht allein im weißen Licht, sondern entstehen erst aus der Polarität von Licht und Schatten – um diese Wahrheit zu beweisen, forschte Goethe dann vier Jahrzehnte lang und publizierte über tausend Seiten seiner „Farbenlehre“.

Von seinen Zeitgenossen und der Nachwelt oft als amateurhafte Spinnerei eines ansonsten genialen Kopfs abgetan, steht es im Farbenstreit Goethe vs. Newton mittlerweile aber mindestens unentschieden – beide hatten ebenso Recht wie Unrecht. Womit wir bei „Goethes Polaroid“ wären. Als der Harvard-Physiker Dr. Edwin Land, der die Sofortbildkamera erfunden hatte, bei seinen Versuchen mit Farbbildern nämlich mit Newtons Theorie nicht weiterkam, forschte er mit Goethes Methoden weiter – und entwickelte nicht nur die Polaroid-Farbfotografie, sondern auch eine neue Theorie des Farbsehens.

Es war keine Verschwörung, es war schlichte Ignoranz, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse Goethes fast zweihundert Jahre lang als amateurhafter Unsinn angesehen wurden. Und das gilt nicht nur für das Licht, das Sehen und die Farben, sondern auch für die vielen anderen Bereiche der Natur, mit denen er sich beschäftigte und intuitiv forschend vieles vorwegnahm, was die „harte“ Wissenschaft erst zweihundert Jahre später entdeckte. Dass dies alles schon in dem kleinen aphoristischen Fragment über die Natur enthalten ist – und nicht nur in der Vergangenheit viele Menschen inspirierte, sondern für eine enkeltaugliche Zukunft auf diesem Planeten von größter Bedeutung ist – darum geht es in “Newtons Gespenst und Goethes Polaroid.”

Lasst hundert Wikileaks blühen!

„Was machen eigentlich “New York Times”, “Guardian” und “Spiegel” ? Da wird ihr Informant Julian Assange in Haft  genommen, da werden seiner Plattform Wikileaks die Server abgeklemmt und die Bank-und Kreditkartenkonten gesperrt – da wird also ein ein Medium, ein Organ der Presse, massiv und ohne rechtliche Grundlage seiner finanziellen und publizistischen Mittel beraubt, und die Großmedien, die eben noch mit Wikileaks-Informationen Auflage und Kasse gemacht haben, sagen dazu: Nichts ! ?

Wenn irgendwo auf der “Achse des Bösen” ein westlicher Journalist in die Bredouille gerät, lassen Editorials nicht lange auf sich warten,  die  “Pressefreiheit”,  “Menschenrechte”, “Demokratie” mit scharfen Worten anmahnen; Chefredakteure lassen ihre Beziehungen zur Regierung spielen, Außenminister protestieren, Botschafter werden einbestellt, öffentlicher und politischer Druck wird aufgebaut. Was indessen Wikileaks betrifft blasen die Herolde der Pressefreiheit derzeit nicht einmal ein laues Lüftchen – dass die NewYork Times-Besitzer persönlich protestiert hätten, dass der “Guardian” die britische Öffentlichkeit gegen die skandalöse Inhaftierung mobilisiert oder der “Spiegel” androht, seine Visa-und Mastercard-Konten zu kündigen, wenn diese Firmen Wikileaks weiterhin ausschließen… wenn dergleichen in den letzten Tagen geschehen wäre, hätte man davon gehört und gelesen. Es ist nicht geschehen und es ist zu vermuten, dass die vermeintlichen Flaggschiffe der ‘freien Presse’ auch künftig gegen die Unterdrückung von Wikileaks  nichts weiter einzuwenden haben;  von “Quellen,- und Informantenschutz” – immer gern betont wenn’s um die verfassungsmäßigen Rechte der Presse geht –  ist bei Julian Assange, der wichtigsten  “Quelle”  für NYT, Spiegel & Co. seit Jahren,  plötzlich keine Rede mehr und das  Wort  “Zensur” nehmen die Edelfedern unserer “Leitmedien” offenbar nur in den Mund,  wenn  sie in China oder Iran stattfindet.

Dass der Presse diskrete Informationen zum Zwecke der Veröffentlichung zugespielt werden ist nicht nur so selbstverständlich und so alt wie das gesamte Zeitungsgewerbe, in der heutigen Zeit gehört es sogar zu den Pflichten der Medien  als kontrollierende ‘vierte Säule’ der Verfassung, sich solche Informationen zu verschaffen. Nichts anderes hat Wikileaks in der Vergangenheit getan, wie jedes andere Presseorgan auch hat es sich Informationen verschafft, ihre Echtheit überprüft und sie veröffentlicht. Freilich  nicht, um damit Geschäfte zu machen, sondern um sie der Public Domain zuzuführen, d.h. frei und öffentlich zugänglich zu machen.“

Soweit ein Kommentar zum Fall Julian Assange – er stammt vom 13. Dezember 2010 und ist nach der erneuten Verhaftung des Wikileaks-Gründers aktueller denn je. Und die schulterzuckende Niedertracht der Leitmedien ist in diesen fast zehn Jahren noch widerwärtiger geworden. In einem Zwischenbericht hielt ich 2017 dazu fest:

Um den Vorwurf zu entkräften, das Vorgehen der Behörden verstoße gegen den Verfassungsgrundsatz der Pressefreiheit, behauptet CIA-Direktor Pompeo, Julian Assange sei kein Journalist und Wikileaks kein Medium, sondern ein “feindlicher Geheimdienst”.  Richtig daran ist, dass Assange kein Fake-Journalist ist, der wie die oben genannten Großmedien von der CIA fabrizierte Fake-News verbreitet und dass Wikileaks nicht unter der Kontrolle eines Medienkonzerns steht – und gerade deshalb heute das verkörpert, was eine freie Presse als vierte Gewalt im Staat zu leisten hat: die Kontrolle der Macht. Diese unabdingbare Funktion als demokratischer Wachhund ist der Grund, warum die Pressefreiheit essentielles Verfassungsgut aller Rechtsstaaten ist – nicht weil die Schoßhündchen, Arschkriecher,  PRe$$titutes und Hofschreiber ein besonders schützenswerte Art wären, sondern weil eine Demokratie ohne Wachhunde, Wadenbeißer und Whistleblower nicht funktionieren kann und diese deshalb unter besonderen Schutz gestellt werden. Wenn unliebsame Journalisten einfach zu “feindlichen Geheimdiensten” umdefiniert werden können ist die Pressefreiheit definitiv tot.“

Mit der Verschleppung von Julian Assange aus seinem Asyl, das ein korrupter Präsident für nichtig erklärte, nachdem ihm das Imperium einen Kredit von 4,2 Milliarden Dollar gewährt hatte, haben wir einem Beerdigungszug beigewohnt, der nunmehr jeden Journalisten treffen kann, der die Verbrechen des Imperiums aufdeckt.

Der Philosoph Slavoj Žižek schrieb dazu an vergangenen Wochenende:

Assange hat sich selbst als Spion des Volkes bezeichnet: Er späht nicht im Auftrag der Mächtigen die Menschen aus, er bespitzelt die Mächtigen im Auftrag der Menschen. Deshalb können auch nur wir, das Volk, ihm helfen. Es liegt an uns, Druck auszuüben, wir können mobilisieren, um seine Zwangslage zu verbessern.“(…) Wikileaks ist nur der Anfang, und unser Motto sollte ein maoistisches sein: Lasst hundert Wikileaks erblühen. Die Panik und die Wut, mit der unsere Machthaber und jene, die unser digitales Gemeingut verwalten, auf Assange reagiert haben, ist nur Beweis dafür, dass er, mit dem, was er tat, einen Nerv getroffen hat. In diesem Kampf wird es nicht wenige Schläge unter die Gürtellinie geben – unsere Seite wird beschuldigt werden, mit dem Feind zusammenzuarbeiten (so wie man Assange unterstellte, er arbeite im Auftrag Putins), aber wir sollten uns daran gewöhnen und lernen, gleich noch einmal so hart zurückzuschlagen, gnadenlos eine Seite gegen die andere auszuspielen, mit dem Ziel, sie alle zur Strecke zu bringen.“

Julian Assange hat das Imperium gezwungen, die ohnehin bröckelnde Fassade von Demokratie, Freiheit und Menschenrecht gänzlich fallen zu lassen und die blutrünstigen Klauen kolonialer, imperialistischer Macht offen zu zeigen. Es muss alles dafür getan werden, dass er ihnen nicht ausgeliefert wird.

Auch als Podcast auf KenFM

Alles unter Kontrolle

“Bei der Festnahme von Wikileaks-Gründer Julian Assange spielte die britische Polizei eine „tragende“ Rolle. Was nun? Außerdem: NATO-Pressesprecher Klaus Kleber kündigt im ZDF das nächste große Ding an – Krieg gegen Russland. Nach der Pleite in Sachen Russiagate schlägt Donald Trump jetzt gegen den Tiefen Staat zurück. Und: Passwort oder Beugehaft – neue Gesetze ebnen den Weg zum Polizei- und Überwachungsstaat. Über all dies und mehr sprechen die Journalisten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in der neuesten Ausgabe #23 des Dritten Jahrtausends!”

 

Free Julian!

Julian Assange wurde heute morgen in der ecuadoriansichen Botschaft verhaftet und einem Richter vorgeführt – wegen eines Verstosses gegen Bewährungsauflagen von 2012 und eines Auslieferungsantrags der Vereinigten Staaten. (Hier der Twitter-Thread eines BBC-Journalisten über die Anhörung) Die USA werfen  dem Wikileaks-Gründer Spionage vor, die Verhandlung über den Auslieferungsantrag soll am 2. Mai stattfinden – und sollten die britischen Richter diesem Antrag folgen, wäre ein folgenreicher Präzedenzfall geschaffen: kein Journalist – und nichts anderes war und ist Julian Assange – kann mehr vor den Klauen des Imperiums sicher sein, wenn er unerwünschte Nachrichten veröffentlicht. Egal welcher Nationialität er ist, gleich wo er lebt und welche Gesetze dort herrschen – wer die schmutzigen Geheimnisse und brutalen Verbrechen des Imperiums öffentlich macht, wird gejagt und zur Strecke gebracht. Und wer sich nicht wie Edward Snowden rechtzeitig nach Russland absetzen kann, dem drohen wenn nicht Folter und  Guantanamo, dann 35 Jahre Knast wie Chelsea Manning. Willkommen im MICIMATT-Komplex der “westlichen Wertegemeinschaft”, dem Reich der Pressefreiheit und des Rechtsstaats.

Julian Assange hat keine Verbrechen begangen, er hat die Welt über begangene Verbrechen in Kenntnis gesetzt. Eben deshalb hat der damalige Präsident Ecuadors ihm das Asyl gewährt, wo ihn sein korrupter Nachfolger jetzt verraten hat –  für einen IMF-Kredit von 4 Milliarden, der letzten Monat zugesagt wurde. Wenn die Richter, die über das Schicksal des wichtigsten Journalisten unserer Zeit  entscheiden, noch einen Rest von Anstand und Würde haben, setzen sie ihn nach Verhängung einer Geldstrafe wegen des Kautionsverstoßes auf freien Fuß und lassen ihn in ein Land seiner Wahl ausreisen.  Falls die Richter aber auch diese Reste des alt-ehrwürdigen britischen Rechtsstaats abschütteln und sich als “America’s bitch” der politischen Opportunität beugen, wie die Assange-Unterstützerin Pamela Anderson befürchtet, dann bliebe nur noch ein Aufstand der Medien gegen die Verhaftung und Auslieferung ihres hervorragendsten investigativen Kollegen. Da habe ich leider – siehe MICIMATT – wenig Hoffung. Einen spekulativen Silberstreifen am dunklen Horizont fand ich bei einer Facebook-Freundin: Das Trump-Regime könnte Julian nach einer Auslieferung mit Samthandschuhen anfassen, weil seine Aussage, dass er die geleakten emails des DNC von dessen (später ermordeten) Mitarbeiter Seth Rich und nicht über “russische Hacker” erhalten hat, sehr nützlich wäre – der ganze Russiagate-Fake wäre definitiv erledigt und das Clinton/Obama/Deep State-gate stünde weit offen für Trumps Revanche und Wiederwahl… Mmmhhh? Verlassen würde ich mich darauf nicht, deshalb kann die Parole jetzt nur lauten, es gar nicht dazu kommen zu lassen: Free Julian!

Welcome to MICIMATT

Ray McGovern hat gerade eine passende Abkürzung geprägt, die den guten alten “Military Industrial Complex” (MIC), vor dessen schleichender Machtübernahme Präsident Eisenhower in seiner Abschiedsrede einst gewarnt hatte, zeitgemäß auf den Punkt bringt. Denn mittlerweile hat sich MIC zu einem monströsen “Military-Industrial-Congressional-Intelligence-Media-Academia-Think-Tank” ausgewachsen: welcome to MICIMATT. Klingt bisschen wie MickyMaus ist aber nichts für Kinder, sondern eher der Versuch, die diskreten politischen Strukturen zu beschreiben, die auch “deep state” genannt werden. Da kennt sich Ray McGovern, mit 27 CIA-Jahren auf dem Buckel und als Vorstand der “Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS)”, ohne Frage gut aus und gibt  einen Ausblick auf das nach dem “Russiagate”-Flop nunmehr anstehende “Deep-State-gate” . Die dunkle Allianz aus Politik, Geheimdiensten, Polizei und Medien, die schon im Wahlkampf 2016 begann mit illegalen Methoden gegen den Horrorkandidaten Trump vorzugehen und diesen Feldzug nach der Wahl mit dem “Russiagate”-Zirkus fortsetzte, wird nunmehr zumindest ein wenig ans Licht gezerrt werden. Schon hat der Geheimdienstauschuss des Kongresses in sieben Schriftsätzen an das Justizministerium Aufklärung über das Zustandekommen der Lauschangriffe auf  Trump und sein Team und angefordert.  Einen Beweis für “collusion”, “conspiracy”  und “treason”, den die Mueller-Untersuchung  in Bezug Trump und  Russland zwei Jahre lang nicht finden konnte, solche belastbaren Belege für Absprachen und Verrat liegen in Sachen Deep-State-gate schon jetzt reichlich vor. Amtierendes und ehemaliges CIA/NSA/FBI-Führungspersonal ebenso wie der demokratischen Partei werden jetzt in den Fokus von Ermittlungen und offiziellen Befragungen rücken. Nur die Großmedien sind sich nach wie nur keiner Schuld bewusst, wie Ray McGovern schreibt:

Readers of The Washington Post on Monday were treated to more of the same from editorial page chief Fred Hiatt. Hiatt, who won his spurs by promoting misleading “intelligence” about weapons of mass destruction in Iraq and suffered no consequences, is at it again.(…)
In his Monday column Hiatt warned: “Trump was elected with the assistance of Russian spies and trolls, which he openly sought and celebrated. But he did not (or so we are told) secretly conspire with them.” In effect, Hiatt is saying, soto voce: “Fie on former (now-de-canonized) Saint Robert of Mueller; we at the Post and our colleagues at The New York Times, CNN et al. know better, just because we’ve been saying so for more than two years.”
Times executive editor Dean Baquet said, about the backlash to the Times‘ “collusion” coverage: “I have no regrets. It’s not our job to determine whether or not there was illegality.” CNN President Jeff Zucker said: “We are not investigators. We are journalists.”

Genau das, nämlich Journalisten, sind diese Herren natürlich nicht, und ihre Organe keine journalistischen Institutionen mehr sondern News-Outlets des MICIMATT. Weshalb sie als Journalisten-Darsteller auch nichts dafür zu befürchten haben, zwei Jahre Fake-News als Nachrichten verkauft zu haben, schließlich haben 90% aller Medien dabei mitgemacht. Und wenn es alle machen kann es so falsch ja nicht sein.  Zumal man mit Trump-Bashing und Russen-Paranoia die Klickzahlen und Quoten wunderbar steigern konnte und die künftigen Gehaltsschecks gesichert sind. Das Geschäftsmodell stimmt also, und so kann der MICIMATT-Komplex für seine eingebettete Darsteller und eine Journalismus-Simulation sorgen, in der Fake-News nicht mehr als Sünde, sondern als Tugend gelten.

Dass der milliardenschwere Präsidentschaftswahl genannte Schönheitswettbewerb  im us-amerikanischen “Einparteisystem mit zwei rechten Flügeln” (Gore Vidal) mit echter Demokratie und Volkssouveränität nicht mehr viel zu tun hat, ist keine besonders neue Erkenntnis. Das Vorgehen gegen  Trump mit “Russiagate” zeigt aber eine weitere Stufe des Verfalls. Noch Richard Nixon verwahrte sich entschieden dagegen, die ihm zugetragenen und bezeugten Bettgeschichten seines Konkurrenten John F.Kennedy auf irgendeine Weise im Wahlkampf einzusetzen – heute hingegen werden große Summen aufgewendet, um solche Geschichten und Zeugen zu erfinden und via CIA, FBI und Medien verbreiten zu lassen. Nixon lies noch ein paar Handlanger ins gegenerische Parteibüro einbrechen, um Strategien und Taktiken auszuspähen – und wurde von der Polizei erwischt. Das Clinton-Team behauptete, russische Hacker hätten auf ihrem Server eingebrochen, lies den Einbruch aber nicht von der Polizei untersuchen, die dann auch nichts unter,- sondern die Behauptung einfach über-nahm. Sie spielte mit, genauso wie die Geheimdienste und die Medien. Nixon musste damals wegen der im Watergate-Gebäude erwischten Einbrecher gehen,  das Auffliegen der konzertierten Russiagate-Aktion – ein konspirativer MICIMATT-Coup zur Beseitigung eines gewählten Präsidenten – hat bisher aber hat bisher noch keinen politischen Kopf gekostet. Ginge es den Medien um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit müssten sie genau dafür sorgen – so unsympathisch und unerträglich dieser gewählte Präsident sein mag.

“Am farbigen Abglanz haben wir das Leben”

Und Goethe hatte doch recht ! – so lautet der Titel einer Rezension von Hartmut Fanger, die bei “schreibfertig” erschienen ist:

In dem so schmalen wie gehaltvollen Band von Mathias Bröckers wird Goethes Naturbild anhand von Farbenlehre und Forschung detailgenau und auf neuestem Stand vor Augen geführt. Dabei wird zugleich Verständnis für Goethes Polemik gegenüber Newton geweckt. Denn Goethe hatte nach heutigem Wissensstand mit den Ergebnissen seiner Farbenlehre entgegen der Meinung von Zeitgenossen und vielen Naturwissenschaftlern doch Recht. Zumindest bilden die aus dem mechanistischen Weltbild Newtons und Goethes ganzheitlichem Verständnis hervorgehenden Resultate zwei Seiten ein und derselben Medaille ab. Spannend lesen sich die Ausführungen und lassen einmal mehr darauf schließen, dass Goethe seiner Zeit als hellsichtiger Vorreiter der Ökologiebewegung weit voraus gewesen ist. Er sah die Erde zum Beispiel als ‚ein großes lebendiges Wesen an, das im ewigen Ein- und Ausatmen begriffen ist’, wie er hochbetagt 1827 gegenüber Eckermann äußerte. Seine jahrzehntelange akribische Auseinandersetzung mit der Entstehung von Farben dokumentiert dies im ganzheitlichen Sinne so polemisch, dichterisch wie wissenschaftlich. Hingegen sah Goethe in der Forschung von Newton vorgenommenen Teilung der Natur in kleine und kleinste Einheiten nur ‚Halbwahrheit’. „Natur verstummt auf der Folter“ – sein Statement. Mathias Bröckers begibt sich auf Spurensuche nach Belegen, die aufzeigen, wie aktuell das Goethische Naturverständnis bis ins 21. Jahrhundert hinein ist.”
Weiter geht’s hier.

“Newtons Gespenst und Goethes Polaroid” ist überall im Buchhandel und direkt beim Westendverlag erhältlich. Dort gibts auch schon einen Blick ins Buch und eine kleine Leseprobe.

“Was hätte *Ralph* gesagt ?”

Zum Tod von Ralph Metzner (auf dem Foto aus dem Jahr 1964 mit Timothy Leary und Nena von Schlebrugge) hatte ich hier schon am 15. März geschrieben. Als  Pionier im Weltraum der Seele und Erforscher der Grenzen des Bewusstseins war er für mich neben Albert Hofmann nicht nur einer der bedeutendsten Wissenschaftler unserer Zeit, sondern als Leiter innerer Reisen auch ein wichtiger Therapeut und Gesprächspartner. Auch über die Zustände in der äußeren Welt.  Als nach den Veröffentlichungen über die Ungereimtheiten von 9/11 ein übler Shitstrom aus den Medien über mich hereinbrach, war es eine große Hilfe, von einem gelehrten Geist wie Ralph Metzner Zuspruch zu erfahren. Dass Ralph sich dann nicht scheute, seine begründeten Zweifel am offziellen 9/11-Narrativ auch öffentlich zu äußern, hat ihm dann auch nicht unbedingt zum Vorteil gereicht. In Michael Pollans Bestseller “Verändere dein Bewusstsein – Was uns die neue Psychedelik-Forschung über Sucht, Depression, Todesfurcht und Transzendenz” lehrt, kommt Ralph Metzner deshalb kaum vor – nachdem er seine tiefe 9/11-Skepsis bei einem Treffen mit dem Autor geäußert hatte, hielt dieser ihn für einen verwirrten Verschwörungsesoteriker. Und so kam es, dass ausgerechnet der Wissenschaftler, der die Themen dieses Buchs am längsten und intensivsten erforscht, gelehrt und Dutzende von Büchern und Studien dazu veröffentlicht hat, in diesem Werk keine Rolle spielt. Ich habe das in meiner kurzen Radio-Besprechung des ansonsten durchaus ordentlichen Buchs von Michael Pollan nicht erwähnt (hier der Podcast von “Gutenbergs Welt”, Rezension ab min. 19, aber die ganze Sendung ist hörenwert), es macht aber deutlich, dass erweitertes Bewusstsein und freier Geist für Ralph Metzner keineswegs nur esoterische Formeln waren und die einst von Timothy Leary ausgegebene Parole  “Question Authority – Think For Yourself”  natürlich nach wie vor gültig und zuallererst auf die Propaganda der herrschenden Autoritäten gerichtet.

Immerhin hat ihm jetzt eine dieser Autoritäten, das paper of the record  “New York Times”, einen würdigen Nachruf zukommen lassen. Darin ein schönes Video, in dem er über seine Arbeit spricht und auch über eines seiner Bücher, das ich 2008 ins Deutsche übersetzt habe:“Die Erweiterung des Bewusstseins – Alchemistische Transformation des Individuums und der Gesellschaft”.  Nicht nur deshalb hatte ich ihm im Februar als pdf mein Büchlein über den Alchemisten Goethe geschickt – und mich gewundert, dass keine Antwort von ihm gekommen war. Wie gerne hätte  ich seinen Zuspruch und auch seine Kritik gehört – und wie traurig, dass man mit dem Älterwerden immer weniger Menschen fragen und bei immer mehr nur noch denken kann: “Was hätte *Ralph* gesagt ?”

Gespräch über Goethe

Über “Goethes Gespenst und Newtons Polaroid” und warum die Naturforschung Goethes auch nach 200 Jahren noch relevant ist, habe ich mit Dirk Pohlmann ein ausführliches Gespräch geführt. Die ersten 10 Minuten kann man sich über das Link unten anschauen, der Rest ist leider hinter einer Bezahlschranke.  Die gibts auch für das Buch, denn von irgendetwas müssen Autoren ja leben, weshalb ich alle LeserInnen dieses Blogs bitten möchte, nach diesen 10 Minuten auf das Link oben zu klicken und das Buch zu bestellen.  Obwohl es auch für Goethe-Kenner wie Dirk Pohlmann einige Überraschungen barg, kann es  für Nicht-Kenner der “Fack ju Goethe”-Generation durchaus als geeignete Einführung gelten. Und weil es als Hardcover gebunden ist und sehr schön aussieht, macht es auch als Geschenk was her.