Wird 9/11 endlich ermittelt?

Man mag es ja kaum glauben, doch nach mehr als 17 Jahren könnte  es jetzt eine ordentliche gerichtliche Untersuchung der Anschläge vom 11.September 2001 geben. Die Staatsanwaltschaft des “Southern Distric New York” hat eine Petition des “Lawyers Comittee for 9/11 Inquiry” angenommen. In dem 52-seitigem Antrag sind 57 Beweise angeführt, die nach dem Gesetz nun einer “Grand Jury” vorgelegt werden müssen, die darüber entscheidet, ob staatsanwaltliche Ermittlungen aufgenommen werden müssen. Die Petition und die Beweise beziehen sich nur auf den Einsturz der drei WTC-Türme und die Indizien, die auf eine kontrollierte Sprengung der Gebäude deuten. Viele davon – Gutachten, Zeugenaussagen, seismische Messungen – wurden in den vergangenen Jahren von Richard Gage und seiner Vereinigung von  über 3000 Architekten und Ingenieuren zusammengetragen. Im Vorstand des Kommitees, das die Petition eingebracht hat, ist Barbara Honegger – politische Analystin im Weissen Haus unter Ronald Reagan, später Whistleblowerin in Iran-Contra-Skandal (“October Surprise”) und eine 9/11-Truth-Aktivistin der ersten Stunde. Sie ist überzeugt, dass eine Jury, der diese Beweise vorgelegt werden, nicht anders kann, als staatsanwaltliche Ermittlungen anzuordnen. Noch aber sind die nächsten Schritte unklar, genauso wie die Frage, wie weit die Ermittlungen der Grand Jury und der Staatsanwaltschaft gehen, wenn klar wird, dass die eigene Regierung in das Verbrechen involviert ist. Unter einem Interview mit Gage und Honegger kommentierte ein User: “Arrest Larry Silverstein, Dick Cheney and Donald Rumsfeld for starters. Why these bastards haven’t been lynched has puzzled me for years” – würde die Gelbwesten-Revolte über den großen Teich expandieren und Robbespierre-artige Züge annehmen, könnte das ja möglicherweise so laufen. So aber wären wir schon mit einem halbwegs ordentlichen Gerichtsverfahren schon derart zufrieden, dass ich kaum dran glauben kann….

Bahnsteigkarten statt Gelbwesten?

Mein Fiat “Punto” kam unlängst ohne Beanstandungen durch den TÜV, nur eine fehlende Gelbweste wurde angemahnt. Die muss ich dringend besorgen – für das Auto, aber auch weil ich das Manifest der Gelbwesten gelesen habe. Anders als in den Medien kolportiert gehen die Forderungen der Bewegung weit über einen Stopp der Benzinpreiserhöhungen hinaus – der sechsmonatige Aufschub, den die Regierung jetzt verkündet hat, wird  die Proteste deshalb auch nicht stoppen.

“Abgeordnete Frankreichs, wir übermitteln Ihnen die Direktiven des Volkes, damit Sie diese in Gesetze umsetzen. Abgeordnete, verschaffen Sie unserer Stimme Gehör in der Nationalversammlung!” heißt es in dem von den Protestierenden an Parlament und Presse übermittelten Kommuniqué – und wie die Bewegung selbst sind auch ihre Forderungen nicht von Parteien oder NGOs gesteuert , sie kommen nicht von “links” oder “rechts”, sie kommen von unten. Und sind gerichtet gegen eine Regierung und ein Wirtschaftssystem, in dem  20% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben und sich nicht einmal mehr ihre Lebensmittel leisten können.

Der als strahlender Hoffnungsträger gehypte Emmanuel Macron steht nach 18 Monaten Amtszeit so schlecht da wie kein französischer Präsident vor ihm und sein desolater Umgang mit den Protesten wird die Zustimmung weiter sinken lassen. Dass er sich hinsetzt und beginnt, die Direktiven der “Gelbwesten” abzuarbeiten ist bei einem Muster-Zögling der Finanzelite und des Rothschild-Konzerns schwer vorstellbar, denn es widerspricht den Direktiven derer, die ihn als Präsident aufgebaut haben. Weiter Aussitzen und Ignorieren kann Macron die Proteste aber auch nicht – mit der Ankündigung die von ihm abgeschaffte Vermögenssteuer  möglicherweise wieder einzuführen, deuteten sich heute schon weitere Zugeständnisse an. Die “Gelbwesten” zeigen also Wirkung, auch wenn sie in den Medien hierzulande nur als randalierende Gewalttäter gezeigt und ihre konkreten Forderungen kaum erwähnt werden. Sie sind in weiten Teilen 1:1 übertragbar und würden auch in Deutschland eine Mehrheit finden – da aber die Deutschen bevor sie revolutionäre Forderungen stellen bekanntlich immer eine Bahnsteigkarte lösen, ist damit nicht zu rechnen.

Schon warnen Linke und Transatl-Antifa vor brauner Unterwanderung der gelben Westen und dass man sich nicht mit ihnen soldiarisieren sollte – wär ja auch noch schöner, Demonstrieren ohne Bahnsteigkarte und Segen aus Brainwashington. Da war der Franzmann dem Teutonen ja schon immer voraus: wenn er die Faxen dicke hat,  haut er auf den Putz und geht auf die Barrikaden – und überwindet, wie man an den Forderungen des Kommuniqués sehen kann, die Gegensätze zwischen Parteien, Ideologien und Lagern. Wohin der Aufstand führt, ist noch nicht abzusehen; dass er von oben kleingemacht, diffamiert, gespalten werden soll,  ist erwartbar; dass er dennoch weiter geht, bis seine Forderungen abgearbeitet und auf den Weg gebracht sind, kann man nur wünschen.

Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen

Die Straße von Kerch ist seit der Antike der Seeweg der russischen Flüsse Don und Wolga, die das Schwarze Meer mit dem Baltikum verbinden. Seit der Abspaltung der Halbinsel Krim  2014 hat die etwa 5 Kilometer breite Wasserstraße auf beiden Seiten russische Küsten. Zur Klarstellung  der völkerechtlichen Debatte –  Annexion oder Sezession? –  hat Wolfgang Bittner gerade noch einmal eine kompetente Zusammenfassung geliefert. Da ich in dieser juristischen und politischen dieser Frage stark dazu neige, dass keine gewalttätige “Annexion” Russlands, sondern ein freiwilliger Übertritt der Krim-Bevölkerung stattgefunden hat,   kann ich in dem aktuellen Kerch-Zwischenfall auch keine “russische Aggression” erkennen, sondern die legitime Antwort auf eine unkrainische Provokation.
Dass das  von Präsident Poroschenko geforderte Kriegsrecht von seinem Parlament vorerst auf 30 Tage beschränkt wurde, wird derweil als immerhin sichtbare demokratische Errungenschaft des failed state Ukraine gefeiert. Die Wahlen in vier Monaten sind damit vorerst nicht verschoben und die stillose Tarnkleidung, in die sich der übergewichtige Oligarch bei Fototerminen zwängt, wird sein Umfragetief (7,8%) nicht nachhaltig liften. Und auch die Nato nicht zum “Eingreifen” bringen.  Seit dem Fake-Mord an einem Kreml-Kritiker, den Poroschenkos Geheimdienst im Frühjahr inszenierte, kann den Alarmismus seines Regimes ohnehin kaum jemand mehr wirklich ernst nehmen.

Frieden wird es in der Ukraine nur geben, wenn der status quo der Krim als Teil der russischen Föderation zumindest provisorisch anerkannt wird (wie einst  die DDR von der BRD) und den abtrünnigen Ost-Provinzen der Ukraine ein ebenso provisorischer Autonomie-Status zugesprochen wird. Dies bedeutet freilich, den von USA/Nato/EU betriebenen “regime change” und den geostrategischen Plan der Übernahme des russischen Stützpunkts Sebastopol und damit der Kontrolle über das Schwarze Meer als gescheitert zu akzeptieren. Ebenso wie  den Versuch, durch eine Assoziation mit der EU den zollfreien Handel und Wandel der Ukraine mit Russland abzuschneiden. Wer aus dem Bürgerkrieg in der Ukraine keinen globalen Konflikt machen will, muss meiner bescheidenen Meinung nach an  solchen Lösungen arbeiten, d.h. die Ukraine nicht als nationalistisch-faschistoide Bastion gegen ein “Reich des Bösen” im Osten aufbauen, sondern als prosperienden Brückenstaat zwischen Russland und der EU. 

Erfolgreiche Friedenspolitik, so haben wir von Willy Brandt und Egon Bahr gelernt, ist “Wandel durch Annäherung” – und darum geht es in dem Buch, das die Ehefrau des “Architekten der Ostpolitik”, Adelheid Bahr, im Oktober im Westendverlag herausgebracht hat. Dazu findet heute abend in Frankfurt ein Gespräch mit der Russland-Expertin Gabriele Krone-Schmalz und Willy Brandts ehemaligem Pressechef Albrecht Müller statt:  Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen

Wir sind (immer!) die Guten.

Unser Buch “Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder: Wie uns die Medien manipulieren” war eines der meistgelesenen Bücher im Herbst 2014 und wochenlang in den Bestsellerlisten. Bis heute ist das Interesse an diesem Werk nicht abgerissen, was bei der üblichen Kurzlebigkeit aktueller politischer Sachbücher recht ungewöhnlich ist. Ein Grund dafür ist sicher, dass sich an der Einseitigkeit, mit der über den Ukraine-Konflikt und Russland berichtet wird, nicht nur wenig geändert hat, sondern weitere eklatante Beispiele für das unqualifizierte Russland-Bashing hinzugekommen sind, gegen das wir uns ironisch und provokativ als “Putinversteher” geoutet hatten. Auch bei dem Novichok-Skripal-Fake in England und dem “Russiagate”-Pipifax in den USA lieferten die Medien wieder den bekannten Schwarz/Weiß-Film, mit Putin als dem Ultrabösen.

Diese Rolle soll dem russischen Präsidenten jetzt auch bei dem jüngsten Zwischenfall in der Meeresenge von Kertsch zufallen, bei dem Russland drei ukrainische Militärschiffe festsetzte und die Besatzung verhaftete. Seit Russland in Rekordzeit zwischen der Krim und dem russischen Festland eine Brücke über diese Wasserstraße erstellt hat sind Durchfahrten nur noch mit Anmeldung möglich. Daran hatten sich auch  ukrainische Schiffe, die den Hafen Mariupol anlaufen wollten, bisher gehalten und konnten problemlos passieren. Jetzt aber wollte die Regierung in Kiew ein wenig provozieren und lies drei Militärschiffe unangemeldet aufkreuzen, um den russischen Bären zum Einschreiten zu zwingen und den Ultrabösen als skrupellosen Aggressor wieder ins Gespräch zu bringen. Das hat der amtierende Oligarch Poroschenko vier Monate vor den Wahlen in der Ukriane dringend nötig, in den Umfragen liegt er derzeit bei nur 7,8% Zustimmung. Vorsorglich hat er wegen des Zwischenfalls jetzt das Kriegsrecht ausgerufen, was die Möglichkeit gibt, die Wahlen zu verschieben.

Dass das Regime in Kiew die EU, die Nato und deutsche Kriegsschiffe zum Eingreifen auffordert, wird im Westen  auf taube Ohren stossen, dafür ist das Täuschungsmanöver einfach zu plump. Da in Porschenkos TV-Kanal sogar schon Pläne diskutiert wurden, die Kertsch-Brücke in die Luft zu sprengen, ist vollkomen klar, dass die russische Küstenwache mit Argusaugen darauf achtet, welche Schiffe die Brücke passieren dürfen. Zwar hat der PR-Stunt, perfekt getimed vor dem G20 Gipfel, dem Ultrabösen wieder einmal ein paar Negativschlagzeilen beschert, viel mehr wird für Poroschenko aus dem Zwischenfall nicht zu holen sein.

Auf dem Weg in die Kleptokratie

Dass wir in einer Plutokratie leben, die hinter einer demokratischen Fassade von wenigen Ultra-Reichen regiert wird, ist zwar keine neue Erkenntnis, wird aber dieser Tage mal wieder sehr deutlich. Die Aufdeckung des “Cum-Ex”-Betrugs, bei dem den Steuerzahlern über 30 Milliarden Euro gestohlen wurden, spielt allenfalls in Kurzmeldungen ein Rolle, wenn aber der Kandidat für den CDU-Vorsitz, F.Merz, den Furz lässt, dass das Asylrecht geändert werden müsste, ist das ein Thema für alle Titelseiten und Talkshows.

Der von den Großmedien eher achselzuckend durchgewunkene “Cum -Ex”-Betrug zeigt, wie unser plutokratisches System  mittlerweile dabei ist, seiner Degenerationsform – der Kleptokratie -zuzustreben. Die Ultra-Reichen regieren nicht nur nach ihrem Gusto, sondern stehlen und betrügen auch immer ungenierter. Und es scheint, dass mit dem Banken-Bailout in  der Finanzkrise 2008 nun alle Hemmschwellen gerisssen sind, wer “to big to fail” ist eben eben auch”to big to jail”…

“Auf dem Weg in Kleptokratie” hatte Paul Schreyer unlängst eine Rezension des Bestsellers von “Mr. Dax” Dirk Müller (“Machtbeben”) überschrieben. Müller ist ein unabhängiger Kopf, der über seine Website ein großes Publikum erreicht und politisch gern Klartext redet.  So auch über die Tatsache, dass wir von zunehmend kleptokratischen Plutokraten regiert werden. Das hört man in diesen Kreisen natürlich nicht gern, schon bei den alten Griechen versuchten die Ultra-Reichen, wenn sie die Demokratie mal wieder beseitigt hatten, pro forma gewisse Elemente beizubehalten, weil sie nicht als nackte, nur an privatem Profit interessierte Tyrannen dastehen wollten. Sie finanzierten sogar Theaterstücke, in denen sie als Geldgeier und Ausbeuter verspottet wurden, Kommödiendichter die dabei zu weit gingen wurden allerdings dann schnell in die Verbannung expediert. Klartext war schon damals unerwünscht, zumal wenn er viele Menschen erreichte. Und dass er es noch heute ist, zeigt aktuell ein erbärmlicher Rufmordversuch der “Süddeutschen Zeitung”, die einen 28-jährigen Jung-Schurnalisten schickte, Dirk Müller in die Pfanne zu hauen. Der Versuch ging zwar nach hinten los, aber wie das so ist: man muss einfach nur viel Dreck werfen, irgendwas bleibt schon hängen.

( Wer sich wundert, dass eine doch eigentlich ehrenwerte und liberale Zeitung wie die SZ derart unterirdisch operiert – mich wundert es nicht. Als im Frühjahr 2002 mein erstes Buch über die 9/11-Anschläge erschien und davon in zwei Wochen schon über 20.000 Exemplare verkauft waren, wollte der Verlag Zweitausendeins in einigen großen Tages,-und Wochenzeitungen ganzseitige Anzeigen schalten.  In diesen hatten wir die lange Reihe von offenen Fragen und Ungereimtheiten der offziellen Ermittlungen aufgelistet, die im Buch dokumentiert sind. Weil  ganzseitige Anzeigen ziemlich viel Geld kosten, druckten die Zeitungen (FAZ,taz, Zeit, Frankfurter Rundschau) sie dankbar ab. Nur die “Süddeutsche” wollte nicht, beziehungsweise nur, wenn sie von Anwaltskosten bei einer möglichen Klage freigestellt wird. Das hätten wir zwar ohne jedes Kostenrisiko unterschreiben können, weil in der Anzeige nur Fragen gestellt und Fakten zitiert wurden, verzichteten dann aber. Einer Zeitung, die derart ängstlich vor den Plutokraten kriecht, muss man ja nun auch wirklich kein Anzeigengeld zukommen lassen…)


Die dunkle Seite von Amazon

Auf die kleine Amazon-Polemik meines Bruders Johannes Bröckers hatte ich hier schon kurz hingewiesen, die Frankfurter Rundschau hat jetzt ein ausführliches Gespräch mit ihm geführt.

Sie haben sich für Ihr Buch „Schnauze, Alexa“ intensiv mit Amazon und dessen Gründer Jeff Bezos befasst. Sie legen dar, wie Bezos seinen Laden zum Marktführer gemacht hat, wie Zehntausende kleiner Händler ruiniert oder geschluckt werden, wie Amazon Gewinne kleinrechnet, bis das Unternehmen in Europa eine Steuerrückzahlung von 15 Millionen Euro bekommt. Angesichts der Wucht, mit der Amazon den Onlinehandel umgekrempelt hat, können ein paar Konsumverweigerer ja wohl nicht viel ausrichten… 
Amazon ist ja nicht der einzige smarte Laden im Internet. Aber Amazon ist ein gutes Beispiel, weil Jeff Bezos so marktradikal vorgeht. Da kann man alles ablesen, was ein Unternehmen an Schaden anrichten kann. Für diesen vermeintlichen Komfort, der uns da verkauft wird, bezahlen wir nicht nur mit unseren Daten, sondern mit unseren individuellen Persönlichkeitsrechten. Und wenn ich das ein bisschen weiter nach vorne spiele, dann wird mir Angst und Bange,.. 

Warum das?
Am Beispiel China kann man schon ablesen, was da kommen könnte. Der chinesische Staat will ja sein Bürgerbewertungssystem Citizen Scoring einführen. Und für die Verarbeitung der Daten nutzt er dann Alibaba, das chinesische Pendant zu Amazon. Problematisch ist dabei nicht nur, dass die Bürger mit einem Bonussystem klassifiziert werden, etwa 500 Millionen Chinesen machen ja sowieso schon mit bei Alipay und was Alibaba noch so an Dienstleistungen bietet. Bedrückend ist, dass Finanzgeschäft, Konsumwelt und Staat quasi schon ein Konstrukt sind. Wenn du kein Geld hast oder der Staat findet, du darfst aus bestimmten Gründen nicht mehr mitmachen, dann heißt es: Ein Klick und du bist draußen. Eine grauenhafte Vorstellung.

Das komplette Interview hier

“Schnauze Alexa!” ist im Westendverlag erschienen, 96 Seiten, 7,50 Euro

Real Game of Thrones: Bald wieder mit Knüppeln und Steinen?

Was König Donalds Blick auf obigem Lichtbild der Agentur AFP aussagt, lässt sich nicht ohne Weiteres deuten. Mit seinen heruntergezogenen Lippen und der wie immer prächtigen Eichhörnchenfrisur hat er etwas von einer frustrierten älteren Bulldogge. Bei Königin Angela gehören Mundwinkel auf Halbmast ja zum optischen Standardrepertoire, ihr halb erwartungsvoller, halb skeptischer Blick gen Himmel scheint der Stimmungslage angesichts ihrer baldigen Abdankung recht gut zu entsprechen. Der kleine König Emanuel, der von seinen Untertanen auch das “Macrönchen” genannt wird und zu dem Erinnerungstreffen des großen Weltkriegs geladen hatte, hat einen leicht grimmigen Feldherrnblick  aufgesetzt und gibt den “Sonnenkönig für Arme”. Er will ja auch eine “europäische Armee” aufbauen, was der ultraböse Vladimir, der auf dem Bild halb souverän, halb pikiert nach unten blickt, eigentlich gut findet, schon deshalb, weil Donald sich furchtbar darüber geärgert hat. Weil es regnete cancelte Donald danach noch den Besuch am Ehrengrab der gefallenen Soldaten, den der Ultraböse (ohne Schirm und hinterher platschnass) selbstverständlich absolvierte. Wie der australische Ministerpräsident (auf dem Bild ganz rechts) später mitteilte,sollen sich Don und Vlad beim Lunch zuvor aber immerhin eine halbe Stunde unterhalten haben.

Einige Beobachter haben die bärbeißige Hängelippe von Donalds Frustblick in Richtung Vladimir dahingehend gedeutet, dass dieser bei ihrem Lunch einen dezenten Hinweis auf “Avangard” untergebracht hat – ein Stichwort, das bei allen Generälen und Militärs im exzeptionalistischen Königreich und natürlich auch bei ihrem Präsidenten sämtliche Alarmglocken aktiviert, weil jeder Alarm zu spät kommt. Es handelt sich bei “Avangard” nämlich um eine hyperultraschnelle Rakete mit 20-facher Schallgeschwindigkeit, die in Vladimirs Reich alsbald in Dienst gestellt wird und gegen die sämtliche bekannten Abwehrsysteme machtlos sind. Damit ist der ganze Stolz der exzeptionalistischen Armee – ihre ultrateuren Riesenschiffe mit Kampfdrachen, die an der Küste jedes Königreichs vorfahren können um es mit Bombenhagel in Schutt und Asche zu legen – praktisch wertlos, denn Vlad kann diese “lame ducks” per Knopfdruck überall auf der Welt innerhalb von 15 Minuten versenken. Selbiges gilt natürlich auch für den Rest der Armee und alle die glitzernden Städte in Donalds Reich, die gegen “Avangard” einfach nicht zu verteidigen sind.
Und so spricht aus dem enttäuschten Blick Donalds auch die Einsicht, dass es mit dem Exzeptionalismus zumindest auf miltärischem Sektor alsbald vorbei ist. Insofern entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, wenn Donald auf Emanuels Ankündigung zurückzwitscherte, er und Angela sollten für den Europa gewährten “Schutz” gefälligst mehr bezahlen. Wo aber Avangard hyperultraschnell heranfliegt ist man mit Donalds “Patriots”-Abwehr in etwa so gut geschützt wie mit einem Regenschirm. Da wird also mit Schutzgelderpressung – bis dato ein erfolgreicher Geschäftsbereich der exzeptionalistischen Außenpolitik – künftig nicht mehr viel zu holen sein.

Der erste große Weltkrieg soll ja einst begonnen haben, weil die beteiligten Nationen schlafwandelten und gleichsam ohne es zu wollen in diesen blutigen Konflikt hineinspazierten, nachdem irgendwo auf dem hintersten Balkan irgendein Prinz erschossen wurde. Hinterher wollte es jedenfalls keiner gewesen sein, der diesen Blutrausch angezettelt hat und die Geschichtsschreiber streiten sich bis heute darüber, sicher ist nur, dass hinter den schlafwandelnden Königen und Kaisern einige hellwache Hasardeure kräftig die Strippen zogen. Wenn hinter den Schlafwandlern auf unserem Lichtbild auch heuer solche unsichtbaren Meister am Werke sind – und etwa wie einst Serbien dieses Mal den Iran als Katalysator für einen großen Weltkrieg vorgesehen haben – sollte ihnen schnellstens das Handwerk gelegt werden. Denn “Avangard” kann auch Atomsprengköpfe. Und dass Angelas Flinten-Uschi mit ihren Nato-Knallköpfen unter einem Oberkommandierenden Donald erreichen, was weder Napoleon, noch Kaiser Wilhelm, noch Adolf der Schreckliche geschafft haben – nämlich Russland unter die Knute zu kriegen – können nur völlig Wahnsinnige glauben. Falls ein paar ihrer Kinder und Enkel das Desaster überleben werden diese dann, wie Vladimir unlängst Albert Einstein zitiert hat ,   wieder “mit Knüppeln und Steinen kämpfen”.

Mehr über “König Donald, die unsichtbaren Meister und den Kampf um den Thron” steht im Buch.

Wer regiert das Geld?

Kollege Paul Schreyer war in Östereich und hat  beim ORF ein interessantes Gespräch zu seinem Buch “Wer regiert das Geld” geführt: “Die Sendung erwies sich als Glücksfall: Moderator und Programmchef Matthias Neustädter war hervorragend vorbereitet und hatte im Vorfeld Stellungnahmen von etablierten Bankern eingeholt, so vom Sprecher der österreichischen Nationalbank und vom Chef der Raiffeisen-Landesbank Vorarlberg. So gelang etwas, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber dennoch kaum passiert: kritische Ansichten zum Geldsystem den Einschätzungen von Mainstream-Bankern direkt gegenüberzustellen.”

Der Wink mit dem Zeitpfahl

Frisch aus dem Archiv: Neun Tage nach der Maueröffnung 1989 erschienen in der taz meine “Spekulationen über den 9.November”. Was die  Prognose betrifft, dass dies das Ende der Ära Kohl sei, lag ich als pseudo-kabbalistischer Wahrsager damals schwer daneben. Ansonsten sind die datumsmagischen Koinzidenzen aber nach wie vor verblüffend:

Wenn in Deutschland jemand einen Witz macht, sitzt bekanntlich die halbe
Nation auf dem Sofa und nimmt übel. Kaum ist in Deutschland einmal
irgendetwas Außerordentliches passiert, muß jemand gleich einen
National-Feiertag daraus machen – und die halbe Nation nimmt übel. Über
Hans-Jochen Vogels schlechten Witz, den 9. November zum Nationalfeiertag zu machen haben sich sofort diverse Bedenken erhoben und auf die Kollison mit der Pogromnacht 1938 und die Unvereinbarkeit von Bußtag und Freudenfest verwiesen. Wer noch genauer auf den Kalender blickt, dem kann eine sehr viel mysteriösere Koinzidenz nicht entgehen: der 9. November 1918 (Sturz des Kaisers, deutsche Revolution), der 9. November 1923 (Hitler-Putsch), der 9. November 1938 (”Reichskristallnacht”) und der 9. November 1989: Durchbruch der Berliner Mauer. Vier mal entladen sich die politischen Prozesse in einem explosiven Ereignis, vier mal brechen latent gärende Tendenzen plötzlich an die Öffentlichkeit: das Ende des Kaisertums, der erste Aufmarsch des 3. Reichs, der eigentliche Beginn seines Weltkriegs – gegen die eigene Bevölkerung, und jetzt das Ende der Mauer. Vier mal hat sich das deutsche Volk am 9. November zu Wort gemeldet und ein entscheidendes Kapitel der Geschichte aufgeschlagen.
Daß all dies Zufall sein soll, will mir nicht in den Kopf – doch welchen
Umständen verdanken wir es, daß die Turbulenzen der Geschichte mit deutscher Pünktlichkeit ihre Quantensprünge in eine neue Ordnung ausgerechnet am 9. November vollziehen?

NEUnter NOVEMber – zweimal, deutsch und lateinisch, das Wort “neu” – kein anderer der 365 Tage ist von seinem Namen her besser geeignet, ein Omen – ein schicksalhaftes Zeichen -zu geben. Das Wort “neu” wird etymologisch der “Neun” zugeordnet, mit der bei der ursprünglichen Zählweise im Vierer-System ein “neuer” Vierer-Block begann.
Auch numerologisch geben die 9. November etwas her, die magische 5
jedenfalls tauchte bei meinen pseudo-kabbalistischen Berechnungen dauernd auf: Von 1918 bis 1923 – 5 Jahre, vom ersten Aufmarsch des 3. Reichs 1923 bis zum perversen Anfang seines Endes – 15 Jahre, diese 15 umgekehrt ergeben 51 – 51 Jahre, nachdem die Deutschen in der Pogromnacht 1938 einen Bevölkerungsteil brutal von sich abtrennten, geschieht am 9. November 1989 das exakt umgekehrte Ereignis: auf sanfte Weise werden sie mit einem anderen, scheinbar auf ewig abgetrennten Bevölkerungsteil, plötzlich wieder zusammengeführt. Die Hölle des Hasses auf dem Berliner Kudamm 1938 reinkarniert sich also 1989, gleiche Stelle gleiche Welle, als Himmel der Versöhnung? – Schwachsinn, sage ich mir, es haben sich nicht Juden und Deutsche, sondern Mördersöhne und Täterinnen -Töchter versöhnt. Doch der Kabbalist gibt sich noch nicht geschlagen: Daß es “ganz andere” sind, die sich da versöhnen, zeigt nur, daß die Emanationen der Weltgeschichte nicht der Mechanik eines Hollywood-Schinkens folgen, sondern der fraktalen Dramaturgie einer Zeitwelle, die eben nicht das immer Gleiche, sondern permanent Transformiertes spiralisiert – und sich den 9. November als psychokinetischen Plot-Point ausgesucht hat.

Die Frage, ob man in Deutschland nun trauern oder feiern soll, hat die
Weltgeschichte am 9. November ganz eindeutig beantwortet: wer fortan nicht trauert und feiert, hat keines von beiden verstanden. Der Abgang des
Kaisers und das Verschwinden Helmut Kohls, der Aufstieg des Führers und der Abschied vom Führerprinzip (Einheitspartei), das ekstatische Morden und die begeisterte Umarmung – von tieferer Weisheit als am 9. November kann ein Wink mit dem Zeitpfahl nicht sein. Dieses Datum darf natürlich nicht auf einen neuen “Tag der deutschen Einheit” reduziert werden. Es muß, schul- und arbeitsfrei im gesamten geographischen Gebiet, als raumzeitliches Ereignisfeld deklariert werden, als Aussichtspunkt in die verborgene Landschaft der kollektiven Psycho-Energie, als ein Magnetfeld der Geschichte. Der Bevölkerung muß an diesem Tag vor allem Zeit gegeben werden. Um Vergangenheit und Zukunft zu beobachten, das Unerwartete zu erwarten und – gegebenenfalls – geistesgegenwärtig zu handeln.