Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 23

Ich werde in den nächsten Tagen eine kleine Reise machen um mal nach dem Rechten zu sehen, in Russland, wo ich mich im Rahmen der “citizen diplomacy” auch bei möglichst vielen Russen für die rassistische Hetze und den Hass entschuldigen werde, der ihnen aus dem Westen derzeit so massiv entgegenschlägt. Weniger von Seiten der Bevölkerung, als von den Medien, die die Politiker vor sich hertreiben und ein sehr einseitiges Bild der “Militäroperation” in der Ukraine zeigen. Dass Deutschland zuerst nur Helme und jetzt den alten Flak-Panzer Gepard liefern will – ein kompliziertes Gerät auf dem man ein Jahr Training braucht, um irgendwas zu treffen – werde ich als kleinen Bonus-Punkt dafür anführen, dass Olaf Scholz bei diesem Krieg nur nolens volens mitmacht. Auch wenn es unverzeihlich ist, dass er acht Jahre Bombardement des Donbass  und 13.000 Tote als “lächerlich” bezeichnet hat. Auf die Frage, wie die deutsche Außenministerin eigentlich “Russland ruinieren” will, werde ich darauf verweisen, dass unsere Völkerballexpertin neu im Amt ist und sich als Young Leader was Rohstoffe und Geographie betrifft noch ein wenig einarbeiten muss. Auf die Frage, warum sich die EU mit ihrem Ölembargo selbst ins Knie schießt, fällt mir allerdings nichts mehr ein. Außer dem Hinweis, dass man dann wahrscheinlich auf “Lettisch Blend” (nur zu 49,99 % russisch) zurückgreifen wird, wie jetzt schon die USA.
Nur recht vorsichtig werde ich Begriffe wie “Völkerrechtsbruch” und “Angriffskrieg” verwenden, auch wenn sie auf die russische “Special Military Operation” durchaus zutreffen, doch weil ich mich bzw. den Westen im Gegenzug  für Dutzende von  illegalen “Interventionen” (zuletzt Jugoslawien, Irak, Libyen. Syrien) verteidigen müßte und dann sicher sofort die Sprache auf Doppelstandards und Scheinheiligkeit kommt, umschiffe ich diesen Themenkomplex besser mal….

Beim Zeitpunkt-Apero  Anfang dieser Woche  in Solothurn wurde nach der Diskussion mehrfach gefragt, warum wir das WEF und den Great Reset nicht angesprochen hätten, was vor allem damit zu tun hatte, dass das Thema die Neutralität der Schweiz, die von der Eigenossenschaft aufgegegben wurde, weil sich die Regierung ohne Debatte sofort den Sanktionsmaßnahmen anschloss. Zudem hat sich auch das “neutrale” World Economic Forum mittlerweile der anti-russischen Inquisition angeschlossen, und will statt Russen jetzt lieber Wladimir Zelenski einladen. Der ist ja in der Tat ein Young Global Leader wie er im Bucht steht und tut nur das, was His Masters Voice befiehlt. Seit Boris Johnson kürzlich bei ihm war, sind Friedensverhandlungen oder gar ein Gespräch mit Putin definitiv verboten und die Truppen in der Ostukraine  verdammt, im Bombenhagel als Kanonfutter weiter die Stellung zu halten.

Der Großverschwörungstheorie, dass  die Davos-Elite um Klaus Schwab, seine Young Leaders und der Great Reset  mit Putin, China und Russland unter einer Decke stecken und gemeinsam an der neuen Weltregierung arbeiten, kann ich nicht viel abgewinnen. Denn wenn dem so wäre, wie lassen sich dann sechs Jahre “Russiagate” erklären – das auf allen westlichen Kanälen verbreitete Narrativ, dass Trump von Putin ins Weisse Haus gehievt wurde, Russland die Wahlen manipuliert und die “Demokratie” unterwandert. Dass diese von Tag eins an als Fake durchschaubare Story von sämtlichen ( Ex-)CIAlern und Großmedien jahrelang gepusht wurde, scheint  (ähnlich wie der vom britischen MI-6 inszenierte Novichok-Skripal-Zirkus) eher der Vorbereitung auf den anti-russischen Furor gedient zu haben, den wir derzeit erleben. Die russische “Intervention” (wie solche Kriege auf NATOstanisch heißen) in der Ukraine durch verschärfte Bombardements des Donbass ab Anfang Februar geradezu herauszufordern, läßt ebenfalls nicht auf eine verdeckte Zusammenarbeit der westlichen Eliten mit Russland schließen. Und was sich mit dem Gas-Rubel-Yuan andeutet – ein neues internationales Finanz,-und Handelsystem als Alternative zu dem von London und New York  gesteuerten Casino mit seinem FIAT-Spielgeld – kann ebenfalls nicht im Sinne des WEF und seiner neoliberalen One-World-Ideologie sein.

Und  schon gar nicht im Sinne Europas und Deutschlands, dem der Ökonom Michael Hudson unlängst eine düstere Zukunft als US-Kolonie wie Puerto Rico ohne eigene Währung vorhersagte, wenn sich der  eiserne Vorhang zu Russland und Eurasien schließt. Da der Euro dramatisch abschmiert, und nicht nur gegenüber dem Rubel (- 27%) und dem US-Dollar (-13%) sondern auch gegenüber fast allen anderen Währungen deutlich an Wert verliert, bahnt sich hier schon an, wer die großen Verlierer im  Wirtschaftskrieg gegen Russland sein werden. Pssst: es sind nicht die USA und auch nicht die Russen, aber behalten Sie es für sich, sonst  Sie als Putinist gleich unten durch und quasi der “Wehrkraftzersetzung” schuldig.
Unterdessen wundert man sich im erlauchtesten Think-Tank des Imperiums, dem “Council of Foreign Relations”, darüber, wie die US-Außenpolitik “in Rekordzeit” eine multipolare Welt geschaffen hat: “Das Vertrauen in die von den USA geführte wirtschaftliche und geopolitische Ordnung schwindet. Der russische Einmarsch in der Ukraine und die Reaktion der USA darauf könnten – unabhängig von ihren Vorzügen – der letzte Strohhalm für das globale Monopol des Dollar-Reservesystems sein.”   Der aber, so der Ökonom James K. Galbraith in einem weiteren Essay, mit einem einschneidenden politischen Umbruch einhergehen muss:

“Können die Vereinigten Staaten den Aufstieg einer multipolaren Welt überleben? Die Frage ist absurd: Natürlich können sie das. Aber nicht ohne einen politischen Umbruch, der kurzfristig durch Inflation, Rezession und einen fallenden Aktienmarkt und schließlich durch die Forderung nach einer realistischen Strategie im Einklang mit dem tatsächlichen globalen Kräfteverhältnis ausgelöst wird. Die eigentliche Bedrohung liegt nicht so sehr in den Lebensmöglichkeiten des Landes, sondern in seinen politischen Eliten, die sich auf globale Finanzrenten und inländische Rüstungsaufträge stützen. Eine Welt, die sich von der ausschließlichen Abhängigkeit vom Dollar löst, wird dem US-Finanzwesen die Flügel stutzen. Eine multipolare Welt erfordert multilaterale Sicherheitsvereinbarungen, die mit dem derzeitigen Ausmaß der militärischen Machtprojektion der USA unvereinbar sind; mehr Geld für eine dysfunktionale Streitkräftestruktur wird das Land nicht sicherer machen und die Inflation verschlimmern. Andererseits würde ein niedrigerer Dollar dazu beitragen, die Selbstversorgung des Landes mit wichtigen Gütern wiederzubeleben, eine Industriestrategie kann den notwendigen Wiederaufbauprozess einleiten, während Investitionen in die Infrastruktur und neue Technologien die Auswirkungen der höheren Energiekosten ausgleichen können. Letztere sind auf jeden Fall notwendig, um den Klimawandel zu bekämpfen, so dass das, was für die kurzfristige Anpassung notwendig ist, ausnahmsweise mit dem übereinstimmt, was für das spätere Überleben notwendig ist. Multipolarität könnte also schlecht für die Oligarchie, aber gut für die Demokratie, die Nachhaltigkeit und den öffentlichen Zweck sein. Unter diesen Gesichtspunkten käme sie keinen Augenblick zu früh.”

Das sehen die Biden-Regierung und die US-Oligarchen derzeit aber noch anders und haben dazu mit einem Verteidigungsminister aus dem Aufsichtsrat des größten Raketenhersteller Raytheon den richtigen Mann auf Posten, um den lukrativen Ukraine-Krieg weiter in die Länge zu ziehen. Da Russland jetzt angekündigt hat, weitere Waffentransporte in die Ukraine als legitimes Angriffsziel zu betrachten, dürften die vor allem in Polen angelieferten NATO-Waffen die 600 – 800 Kilometer an die Front kaum heil überstehen und wenn doch nicht zu einer Wende, sondern nur zu der gewünschten Verlängerung des ungleichen Kampfs “bis zum letzten Ukrainer” beitragen.

Unterdessen wurde in  Russland am 3.Mai mit einer Executiv Order des Präsdidenten ein Beschluss gefaßt, der hierzulande bisher nur eine Kurznachricht im Deutschlandfunk wert war, obwohl sie das Land in den Ruin stürzen könnte.  Ab sofort wird der Handel mit Rohstoffen an “unfreundliche Nationen” untersagt, für die ähnlich wie für Öl und Gas auch mittelfristig kaum preisgünstige Alternativen aufzutreiben sein werden. Innerhalb von 10 Tagen sollen nun die Institutionen und Personen benannt werden, die von den Sanktionen betroffen sind und es wäre ein Wunder, wenn deutsche Unternehmen verschont bleiben. Bye bye “heiligs Blechle” kann man der einst stolzen und konkurrenzfähigen Autoindustrie dann nur hinterherrufen, wenn ihr Nickel, Titan und Eisen fehlen, und wenn das Neongas für die Chips ausgeht, sind auch fast alle anderen Branchen betroffen.

Dass die Therapie nicht mehr Schaden anrichten darf als die Krankheit – diese im Kampf gegen das “Killervirus” schwer mißachtete Gesetz muß auch bei diesem Kampf gegen nunmehr “Killerrussen” in Erinnerung gerufen werden. So wie Covid nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine schwere Grippewelle war und ist, so ist auch der russische “Befall” der Ukraine nichts anderes als eine der seit je kursierenden saisonalen Krankheiten der imperialen Mächte. Dass diese Infektion jetzt erstmals nicht von dem seit Jahrzehnten notorischen und tödlichen US-Erreger und seinen NATO-Varianten ausgelöst wurde, hat viele derart überrascht, dass sie ähnlich wie bei dem “neuartigen” Erreger Covid-19 zu völlig überzogenen, irrsinnigen Maßnahmen greifen. Wie dem versuchten ökonmischen Lockdown Russlands, der hier viel mehr Schaden anrichtet als dort. Und wie Waffenlieferungen in einen ungewinnbaren Krieg…

(wird fortgesetzt)

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 22 (04.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -21(1.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 20 (27.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -19 (25.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -18 (23.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 17 (20.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 16 (17.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -15 (14.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -14 (11.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 13 (8.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -12 (6.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -11(4.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -10 (31.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 9  (28.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 8 (26.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 7 (24.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 6 (22.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  5 (19.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 4 (18.03,22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 3 (16.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  2 (14.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 1 (13.03.22) 
Das Kriegsmotiv (08.03.22)
Was spricht eigentlich gegen eine militärisch neutrale Ukraine? (6.3.22)
Warum ich noch immer Putinversteher bin (25.02.22)
Das Jugoslawien Russlands in der Ukraine – und NATOstan muss wütend zuschauen (24.02.22)
Die Geduld des Bären ist zu Ende(23.02.22)
Wir sind schon wieder die Guten (17.02.22)
Drei Riesen und die “neue Ära der Multipolarität” (12.02.22)
Frisch aus dem Archiv: Ansichten eines Putinverstehers (18.02.22)
Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded (18.01.22)

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 22

Wir leben in einer bizzaren Welt, wenn die vernünftigste Rede zu den Waffenlieferungen im deutschen Bundestag vom Rechtsaußen Alexander Gauland (AfD) kommt, wenn die ehemals linke Friedenspartei der Grünen zur hemmungslosen Kriegstreiberin mutiert  und ein Vize-Chef der einst moderaten “Zeit” gegen den Russen auch einen Atomkrieg in Erwägung zieht. So kommt es dann auch,  dass das progressive Urgestein der USA, Noam Chomsky, die intellektuelle No-Fly-Zone durchbricht und zu der Ansicht kommen kann, dass es derzeit “nur einen westlichen Staatsmann von Statur” gibt, der eine diplomatische Lösung des Ukrainekriegs voranbringt, anstatt ihn anzuheizen und zu verlängern: “His name is Donald J.Trump”.
Was ist passiert, dass  die gefährlichen Irren von gestern sich heute in staatsmännische Vernunftmenschen verwandeln und vernünftige Liberale in schießwütige Irre ? Allein die etwa 5000  Zivilisten, die laut UN-Menschenrechtskommission in den ersten zwei Monaten der Ukraine-Invasion ums Leben gekommen sind, können es eigentlich nicht sein, wo das US-Bombardement der Irak-Invasion  schon in den ersten zwei Tagen 10.000 zivile Opfer hinterlassen hat, ohne dass sich hier irgendwer groß darüber empörte. Auch acht Jahre Beschuß der Ostukraine durch die Regierung in Kiew mit 13.000 zivilen Opfern hat hier niemanden aufgeregt. Und ein Wolodomyr Zelinskyi wollte diesen Krieg gegen alles Russische dringend beenden – “weil Ukrainer und Russen Brüder sind und sich verstehen, auch wenn sie eine andere Sprache sprechen” – bevor er sich als Präsidentendarsteller kaufen lies und ihn für NATOstan anheizte:

https://twitter.com/i/status/1520884255227744257

In der aktuellen Bizzarowelt, wo ein voll sympathischer Zeklinsky, der mit dem Porträt des Kriegsdienstverweigeres Muhamad “No Viet Cong ever called me nigger” Ali auf dem Hemd um Verständnis und brüderliche Völkerfreundschaft wirbt, plötzlich im olivgrünen T-Shirt aus dem Führerbunker Waffen anfordert und zum Krieg treibt –  da kann man es einem alten Mütterchen in der Ostukraine nicht verdenken, wenn sie die Militärfahrzeuge vor ihrem Haus, die Lebensmittel ausliefern, verwechselt. Sie kommt mit der alten sowjetischen Siegesfahne aus dem Haus und dankt Präsident Putin. Der ukrainische Soldat gibt ihr dennoch die Lebensmitteltüte, nimmt aber die Fahne und tritt darauf herum, was der Babuschka aber nicht gefällt – sie will die Fahne wieder, für die ihre Eltern gekämpft haben, und gibt die Lebensmittel zurück. Das Video und das Bild dieser Frau sind in Russland mittlerweile zur Ikone geworden ( Video auf yt über Einstellungen (unten rechts) mit deutschen Untertiteln ):

Dass nicht nur alte Mütterchen, sondern viele Russen ein Rollback in den großen vaterländischen Krieg empfinden ist weniger ein Produkt geschickter Propaganda, sondern hat mit der einhelligen Front zu tun, mit der es der Westen einmal mehr wirtschaftlich und militärisch auf Russland abgesehen hat. Da präemptiv dafür zu sorgen, dass in der Ukraine keine NATO-Waffen platziert werden, ist in den Augen einer großen Mehrheit angemessen.
Für die Russen ist dieser Krieg eine existenzielle Angelegenheit, für die Amerikaner nur einer Kriege und Regierungsstürze, die ihre Regierungen fern der Heimat in Permanenz führen. Oder wie im Fall der Ukraine von ihren Vasallen und Söldnern führen lassen. Jetzt auch – Adi lässt grüßen! – mit 88 Leopard-Panzern, was andeutet, dass nicht nur russische Babuschkas symbolisch in historischen Re-Enactments agieren, sondern auch die Wehrmacht entsprechend anrollt – und da die Bundeswehr für die Ausbildung der Leopard-Schützen sorgen will, dürften auch Hakenkreuz und Wolfsangel, die bevorzugten Tatoos der Asov-Brigaden, wieder mit am Start sein.  Ist hier – nach dem brühmten Satz von George Santayana “Wer die Geschichte nicht kennt ist verurteilt sie zu wiederholen”  – irgendwie ein “Stalingrad 2.0” in der Mache, diesmal mit einer Kesselschlacht am Donbass ?
Aus der Schulklasse meines Vaters, “Stalingrad-Jahrgang” 1922, haben nur 10 Prozent den Krieg überlebt und es ist ein krimineller Wahnsinn, so etwas jetzt mit Zehntausenden jungen Ukrainern zu wiederholen, denen aus dem Führerbunker in Washington befohlen wird,weiter zu kämpfen und in aussischtsloser Lage auszuharren. Ein Frontbericht von AFP über die Reste der 81. urkainischen Brigade, die 12 Kilometer zu Fuss flüchten mussten, weil sie keine Fahrzeuge mehr hatten, macht nicht nur den traurigen Zustand der Truppe sehr deutlich, sondern auch, dass mehr Waffen aus dem Westen hier so wenig helfen können wie vor 80 Jahren die “Operation Wintergewitter” den Eingeschlossenen in Stalingrad. Denn mit ukrainischen Siegesparolen auf Twittter können vielleicht Wahrnehmungs-Schlachten gewonnen werden, aber keine Kriege am Boden.
“Bislang haben die russischen Streitkräfte bei der Operation Z nur 12 % ihrer Soldaten, 10 % ihrer Kampfjets, 7 % ihrer Panzer, 5 % ihrer Raketen und 4 % ihrer Artillerie eingesetzt”, zitierte Pepe Escobar eine Twitter-Meldung ohne weitere Quellenangaben – was bei den im Nebel des Kriegs stets zweifelhaften Zahlenangaben angesichts der gesamten russischen Firepower als Schätzung aber durchaus realistisch sein könnte. Sicher ist auf jeden Fall, dass die russischen Streitkräfte keine Nachschubprobleme haben und bei Weitem nicht die Verluste, wie sie ukrainisches Material und Manpower Tag und Nacht erleiden, weil sie sich gegen die ständigen Raktenschläge nicht verteidigen können. Beim Lesen des oben zitierten AFP-Berichts über die erschöpfte und überforderte Truppe kam mir Komm und sieh” von Elem Klimov(1985)  in den Sinn, der vielleicht erschütterndste, brutalste und wahrste Anti-Kriegsfilm überhaupt,  der morgen anstelle von “Brennpunkt Waffenlieferungen” zur besten Sendezeit in ARD und ZDF laufen müsste. Danach würden es definitiv keine 70 Prozent der Bevölkerung mehr für eine gute Idee halten,  ausgerechnet aus Deutschland schwere Waffen gegen Russland zu schicken – aber eben deswegen läuft so etwas dort selbstverständlich nicht. Mit starken Nerven (und englischen Untertiteln) können Sie den Film auf YouTube anschauen.

Nachdem am 3. Mai ein wahrer Regen von Präzisionsraketen auf Depots und Militäreinrichtungen in der gesamten Ukraine niederging, werden dazu in unseren Medien garantiert wieder “Experten” melden, dass Russland jetzt aber sicher die Rakten ausgehen – Meldungen, die nur dazu beitragen, den aussichtslosen Krieg zu verlängern mitsamt der Schlachtbank, auf der die armen Schweine in den Schützengräben geschlachtet werden, statt ihre Leben zu retten – mit einer weißen Fahne. Es ist ein mörderisches Verbrechen, den Präsidenten Zelenski weiter Sieges,-und Durchhalteparolen verbreiten zu lassen, die er selbst nicht glaubt, und die westlichen Medienkonsumenten weiter mit  faktenfreier Propaganda über eine bevorstehende russische Niederlage zu  füttern. Denn die wird nicht kommen, genausowenig wie der ökonomische Zusammenbruch Russlands. Auch wenn dem exzeptionalistischen Amerika und seinen europäischen Vasallen das Eingeständnis schwer fallen wird: ihre Strategien im Wirtschaftskrieg sind gescheitert, militärisch können sie die Ukraine nicht zurückgewinnen und von ihrem eigentlichen Kriegsziel – regime change in Moskau – sind sie weiter entfernt als je. Die spanische Zeitung El Manifesto hat gerade die neuesten Umfragedaten veröffentlicht:

Die folgenden Daten stammen vom Levada Center, einer unabhängigen russischen Organisation, die alles andere als “Putinistisch” ist. Sie ist so wenig “Putinistisch”, dass sie sogar in die von Freedom House veröffentlichte Liste der unabhängigen Analysezentren in Europa aufgenommen wurde.
Die Daten dieser Umfragen sind eine weitere Bestätigung dafür, dass die politische und militärische Strategie des Westens gegen Russland (eine Strategie, die sogar russische Schriftsteller, Künstler und Sportler bestraft) nicht nur zu einer Barbarisierung des politischen und sozialen Lebens des Westens selbst führt, sondern auch als eine Art schrecklicher politischer und wirtschaftlicher Bumerang wirkt – sie bewirkt das Gegenteil von dem, was von den Befürwortern einer solchen Strategie gewünscht wird.

Dies sind die Ergebnisse der Levada-Center-Umfragen vom März 2022:

 – Im Vergleich zum Februar stieg die Zustimmung für den Präsidenten von 71 % auf 83 %. Die Zustimmung zu seiner Regierung stieg von 55 % auf 70 %. Die Zustimmung für den Premierminister stieg von 60 % auf 71 %. Die Zustimmung zu “Einiges Russland” [Putins politische Partei] stieg von 39 % auf 54 %.

69 % der Russen (52 % im Februar) sind der Meinung, dass sich das Land in die richtige Richtung bewegt, während die Zahl derer, die anderer Meinung sind, von 38 % auf 22 % gesunken ist.

Nach Putin (44 % Vertrauen) sind die beliebtesten Politiker (mit 15 %) Sergej Schoigu, Wladimir Schirinowski, Michail Mischustin und Sergej Lawrow.

64 % der Russen (43 % der jungen Menschen) verfolgen den Ukraine-Konflikt mit Interesse.
81 % (71 % der Jugendlichen) unterstützen die Militäroperation, 14 % sind gegen sie.
Konkret sind 89 % derjenigen, die Putins Politik gutheißen, für die Militäroperation, während 32 % von ihnen sie ablehnen.

Die Verurteilung des Krieges durch andere Länder wird mit Gehorsam gegenüber den Vereinigten Staaten (36 %), Fehlinformationen in den westlichen Medien (29 %), Vorurteilen gegenüber Russland (27 %), Verletzung des Völkerrechts durch Russland (16 %), Angst vor einer russischen Invasion (15 %) und Empörung über das russische Vorgehen (12 %) begründet. Unter jungen Menschen überwiegen die letzten drei Optionen.

 – 53 % der Russen (40 % der Moskauer) machen sich keine Sorgen wegen der Sanktionen.
69 % verspüren keine Probleme wegen der Sanktionen.”

Der Plan, den Russen 400 Milliarden Währungsreserven zu stehlen um den Rubel zu entwerten, den Oligarchen ihre Yachten, Villen und Konten in den Steueroasen zu sperren und zu hoffen, dass diese dann samt der verarmten Bevölkerung Putin vertreiben, war im besten Fall naiv. Außer NATOstan (i.e. ca 15% der Welt) macht bei dem Sanktionszirkus gegen Russland niemand richtig mit und der Energie-Bumerang ist schon auf dem Rückflug nach Europa, wo nur Traumtänzer noch in der Illusion schwelgen, von heute auf morgen auf die Hälfte ihres Energiebedarfs verzichten zu können ohne ins prä-industrielle Mittelalter zurückzufallen. Wir hatten hier schon vor der Invasion die Frage gestellt, wer ein Ende der russischen Energieliegerungen wohl länger aushält: “die russische Außenhandelsbilanz oder Industrie und Haushalte im Westen?” Um die mittlerweile gallopierende Inflation zu kontern würde ich gerne ein paar Wettgewinne einstreichen, wenn jemand einen Broker weiß, wo man auf diese “Pferde” setzen kann, wäre ich für einen Tipp dankbar….

(wird fortgesetzt)

Notizen vom Ende der unipolaren Welt -21(1.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 20 (27.4.22)
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Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 6 (22.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  5 (19.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 4 (18.03,22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 3 (16.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  2 (14.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 1 (13.03.22) 
Das Kriegsmotiv (08.03.22)
Was spricht eigentlich gegen eine militärisch neutrale Ukraine? (6.3.22)
Warum ich noch immer Putinversteher bin (25.02.22)
Das Jugoslawien Russlands in der Ukraine – und NATOstan muss wütend zuschauen (24.02.22)
Die Geduld des Bären ist zu Ende(23.02.22)
Wir sind schon wieder die Guten (17.02.22)
Drei Riesen und die “neue Ära der Multipolarität” (12.02.22)
Frisch aus dem Archiv: Ansichten eines Putinverstehers (18.02.22)
Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded (18.01.22)

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt -21

Während die Grand Dame europäischer Inkompetenz noch davor warnte, russisches Gas in Rubel zu bezahlen und ein sechstes Paket von EU-Sanktionen ankündigte, hat Italiens größter Energiekonzern Eni angekündigt, ein Konto in Russland zu eröffnen, um seinen Zahlungspflichten weiter nachkommen zu können. Auch weitere europäische Länder sind der Aufforderung Russlands schon gefolgt und zahlen den Rechnungsbetrag bei der Gazprom-Bank in Russland ein, die ihre Euro in Rubel wechselt und an Gazprom weiterreicht. Eigentlich sehr simpel, völlig transparent und überhaupt kein Problem. Dass es jetzt aber eines ist und Ursula von der Leyen von “Erpressung” spricht, hat wenig mit russischer Boshaftigkeit, sondern vor allem mit europäischer Inkompetenz und Dummheit zu tun. Um deren abgrundtiefe Bodenlosigkeit zu ermessen, müssen wir uns die phantastische Erfindung anschauen, mit der sie Russland in den Ruin treiben wollten: den Schrödinger-Euro.

“Schrödingers Katze” hat als Metapher für die Paradoxa der Quantenpartikel große Berühmtheit erlangt. Der Quantenzustand kann entweder als Teilchen oder als Welle betimmt werden, was sie “eigentlich” sind, entscheidet sich erst im Moment der Beobachtung, So verhält es sich auch mit dem Zustand einer Katze, die Erwin Schrödinger sinnbildlich in eine Kiste sperrte, in der ein zerfallender Atomkern und ein Geigerzähler ein Giftgas auslösen. Weil wir nicht genau sagen können, wie schnell der Zerfall läuft und sich Teilchen und Wellen-Zustand überlagern und sich erst im Beobachtungsmoment ein bestimmter Zustand manifestiert, befände sich auch die Katze in einem Zustand zwischen tot und lebendig, wäre  sowohl tot wie gleichzeitig lebendig, bis wir mit dem Öffnen der Kiste durch die Beobachtung eine Entscheidung herbeiführen. https://i0.wp.com/dxczjjuegupb.cloudfront.net/wp-content/uploads/2022/04/pbs-space-time-or-does-quantum-immortality-save-sch.jpeg?resize=485%2C271&ssl=1
Weil ein solcher Zwischenzustand in der makroskopischen Welt unmöglich ist, sind die Gesetze der Quantenwelt nicht auf die materielle, dingliche Welt übertragbar bzw. nur um den Preis unmöglicher, unwirklicher Paradoxa. Diese aus der Katzengeschichte des Nobelpreisträgers Schrödinger  abzuleitende Regel hat unterdessen die Sanktions-Heroen der EU nicht abgehalten, ein solches Paradoxon zu schaffen und auf seiner realen Existenz bestehen. Sie haben 400 Milliarden russsicher Währunsgreserven “eingefroren” (vulgo: beschlagnahmt, gestohlen), die russischen Banken aus dem internationalen Zahlungsverkehr verbannt und wollen gleichzeitige ihre dringend benötigten Rohstoffe aus Russland mit Euros zahlen – die allerdings nichts mehr anderes sind als Schrödinger-Euros. Weder tot, noch lebendig oder beides gleichzeitig, doch in jedem Fall unbrauchbar für den Zahlungsempfänger, den man die Kiste nicht öffnen läßt. Jorge Vilches hat in seiner Kolumne erklärt wie das funktioniert:

 

Zur Verdeutlichung: Das wäre so, als würden Sie an der Kasse eines beliebigen Geschäfts mit einem Foto einer vollständig versiegelten Schachtel, die angeblich “Geld” enthält und die Sie ungeöffnet zu Hause aufbewahren, so lange Sie wollen, so tun als würden Sie “bezahlen”. Erlauben Sie mir, die EU-Trickserei in Laiensprache zu erklären: In der Vergangenheit wurden russische Importe durch ganz gewöhnliche Überweisungen auf Konten russischer Exporteure bei EU-Banken bezahlt. Jetzt hat die EU-Führung angeordnet, dass solche Überweisungen sofort nach ihrem Eingang eingefroren werden, damit Russland – oder auch jeder andere – diese Euro nicht verwenden kann.
Die Europäische Zentralbank “druckt” nun also Euros mit einer Tastatur zu 100 % kostenlos und überweist diese Euros dann auf die Bankkonten der russischen Exporteure in der EU, obwohl sie nun “eingefroren” sind. Russland kommt also nie in den Genuss solcher Euro – die in Wirklichkeit nie das Licht der Welt erblicken – und dementsprechend sind sie in keiner Weise inflationär, da auch niemand sonst sie verwenden kann. Indem die EU also in keiner Weise in die Wirtschaft eingreift, überlistet sie Himmel und Erde und kann russische Produkte kostenlos importieren.
Leicht zu erkennen? Es  ist ein “Drucken & Hinterlegen + Einfrieren & Verstecken”-Trick, bei dem man erwartet, dass die Russen darauf hereinfallen… als ob sie Kinder wären.
Jetzt höre ich natürlich die verantwortlichen Verrückten argumentieren, dass dies nur “vorübergehend” wäre – natürlich – und dass, sobald Russland unter “akzeptablen” Bedingungen aus der Ukraine herauskommt – natürlich, wieder einmal – alles zum Yankee-Doodle-Normalzustand zurückkehren wird. Hier  kommt der “Schrödinger-Euro” ins Spiel, bei dem das hypothetische “Geld” als gleichzeitig existent und nicht existent betrachtet werden sollte… a-la-EU.
Im heutigen kommerziellen Umfeld würde nur ein Narr eine Schrödinger-Zahlung für irgendetwas akzeptieren – nicht einmal für Kaugummi – und sollte als der kindischste Vorschlag betrachtet werden, der jemals in der Geschichte des Handels gemacht wurde. Er ist sowohl naiv als auch eine sichtbare Beleidigung durch unreife Wunschdenker, die versuchen, dem Gesetz der finanziellen Schwerkraft zu trotzen, indem sie immer tiefer in ihre selbstgeschaffene Schlammgrube sinken.

Wir wissen nicht, wer unsere zur EU-Herrenreiterin aufgestiegene ehemalige “Panzer-Uschi” mittlerweile berät, klar scheint aber, das ihre Berater in Sachen Sanktionen mindestens so unterbelichtet sind wie es ihr üppig dotierter Beraterstab in Sachen Bundeswehr war. Und klar ist auch, dass es sich mit von der Leyens Rede von einer “Erpressung” durch Russland genau umgekehrt verhält, weil die Erpresser und Diebe der russischen Devisenreserven im Westen beheimatet sind – und jetzt mit ihrem Monopoly-Spielgeld auch noch für lau die dringend benötigten Rohstoffe abgreifen wollten.
Dabei geht es nicht um Peanuts, die Belieferung der EU mit russischem Gas und Öl schlägt mit 400 Millionen Euro zu Buche – pro Tag! –  von denen die Gaga-Strategen in Brüssel  scheinbar tatsächlich hofften, sie mit ihren hypothetischen Schrödinger-Euros zu begleichen. Sonst hätte ihnen die Kinnlade nach Putins Schachzug “Gas nur noch gegen Rubel(oder Gold)” nicht so dämlich erstaunt fallen können, dass sie unisono “auf gar keinen Fall” blökten. Und von “Vertragbruch” faselten, wo sie doch selbst mit ihrem Devisendiebstahl  zuerst nicht nur Verträge gebrochen, sondern auch alle Regeln des ökonomischen Anstands für nichtig erklärt und einen totalen Wirtschaftskrieg eröffnet hatten.
Weil aber Europa nicht auf Russland verzichten kann, Russland aber durchaus auf Europa, und Deutschland vor allen anderen auf absehbare Zeit auf russische Hydrocarbone angewiesen ist, werden alsbald alle brav die Rubel rollen lassen,  nachdem diese auf ihrem neuen russischen Konto aus ihren Einzahlungen gewechselt wurden. Dass dieser Umtausch zu einem immer schlechteren Kurs erfolgt, weil der Euro seit Wochen gegenüber dem Rubel fällt und mittlerweile  weniger wert ist als vor zwei Jahren , zeigt schon deutlich den Bumerang-Effekt der Sanktionen, die Europa mehr schaden als Russland – und wer außer der Ukraine der eigentliche Verlierer dieses Kriegs sein wird: nicht die USA und Russland, sondern Deutschland und Europa.

Willkommen im alten anglo-amerikanischen Great Game, ein Zusammenwachsen der “Weltinsel” – Europa und Asien – um jeden Preis zu  verhindern, weshalb ein “Sieg” für die durchgeknallte britische Außenministerin Liz Truss ein “strategischer Imperativ” ist. Sie will tatsächlich  – Operation “Barbierossa” ?   – “Russland aus der ganzen  Ukraine verdrängen” und fordert über ihren Thinktank die Deutschen auf, kein Öl mehr aus Russland zu kaufen:  “Berlin ist der größte Käufer russischer fossiler Brennstoffe”, sagte Bernice Lee, Forschungsdirektorin beim Thinktank Chatham House, dem Guardian. “Die Welt erwartet von Deutschland, dass es Stärke und Entschlossenheit gegenüber Russland demonstriert, aber stattdessen finanziert es den Krieg und blockiert ein europäisches Embargo gegen russisches Öl.” Dass Energieminster Habeck in “dienender Führungsrolle” mittlerweile verkündet hat, ein Ölembargo nicht mehr zu blockieren, löst das Problem allerdings nicht, denn wie beim Rubel sitzen auch beim Öl die Sanktions-Strategen in der Falle: seit der Invasion haben sich Russlands Einnahmen mit fossilen Rohstoffen schon fast verdoppelt. Ein Embargo durch NATOstan würde die Preise weiter steigen lassen und Russland in die Lage versetzen, dem Rest der Welt seine begehrten Rohstoffe zu günstigeren Konditionen zu verkaufen, als der Westen sie für “Petro-Dollar” bieten kann.
Was wir hier sehen, ist das neue, multipolare globale Finanz-und Handeslsystem im Embryonalstadium, mit einer rohstoff,- und goldgedeckten neuen Währung, mit einer Alternative zu SWIFT für den internationalen Zahlungsverkehr und einer hohen Attraktivität für den gesamten globalen Süden, d.h. für über 80 % der Weltbevölkerung. Es ist der Anfang vom Ende der unipolaren Hegemonie der USA, des US-Dollars als Weltreservewährung und der “Globalisierung” wie wir sie kannten – sowie vom Ende der militärischen Supermacht USA und ihrer Doktrin einer “Full Spectrum Dominance” des Planeten.

Letztere ist wegen der hypersonischen Raketen Russlands ohnehin schon beendet und in einer Rede am 27. April hat Wladimir Putin noch einmal deutlich vor weiteren Provokationen gewarnt, die ihren Einsatz herausfordern könnten:  “Ich möchte noch einmal betonen, dass, wenn jemand die Absicht hat, sich von außen in das Geschehen einzumischen und Drohungen strategischer Art ausspricht, die für Russland nicht akzeptabel sind, er wissen sollte, dass unsere Vergeltungsschläge blitzschnell sein werden. Wir haben alle Instrumente dafür. Solche, mit denen sich jetzt niemand rühmen kann. Und wir werden nicht damit prahlen. Wir werden sie einsetzen, wenn es nötig ist. Und ich möchte, dass jeder darüber Bescheid weiß – wir haben alle Entscheidungen in dieser Angelegenheit getroffen.”
Es sollte niemand darauf setzen, dass Russland blufft – zumal wenn er so nackt dasteht wie NATOstan mit seinen 800 US-Stützpunkten rund um die Welt und seinen Regierungsgebäuden und Waffendepots, die nicht verteidigt werden können gegen Kinzhal,- Zirkhon,- und Sarmat-Raketen. Und wir reden hier nicht von Nuklearkrieg, sondern von konventionellen Salven mit bunkerbrechender Sprengkraft: aufs Pentagon, auf die Rammstein-Zentrale und aufs Dach des Ministeriums der kriegsgeilen Liz Truss zum Beispiel. Was wäre los, wenn Russland mit kurzer Vorwarnung zur Zivilisten-Evakuierung solche Anschläge morgen durchführen würde ? Wenn Washington und London nicht mit Nuklear-Raketen auf Russland antworten, weil ihnen im Gegenzug blitzschnell dasselbe droht – was einen schon im Syrienkrieg für “Die Zeit” zum Krieg trommelnden Sesselpupser im Gasgewitter nicht abhält, das Risiko doch ruhig mal einzugehen:

Wie würde NATOstan, wo solche suizidalen  Laptop-Bomber gottseidank nicht das Sagen haben, konventionell auf solche russischen Anschläge reagieren ? Wenn immer mehr Waffen für den Kampf bis zum letzten Ukrainer nicht reichen und alle Sanktionen nach hinten losgehen – schicken wir dann die Bundeswehr an die Front, um die Krim und das Donbass zurückzuerobern ? Also “Stalingrad 2.0” nicht mehr als lokaler Nachbarschaftskrieg, sondern als großes europäisches Massenschlachten ?   Mit Deutschland einmal mehr mittenmang, wie der Pentagon-Sprecher Kirby gestern ankündigte:  “The United States has begun training the Ukrainian armed forces to use key weapons at US military bases in Germany.” Willkommen im Fadenkreuz kann man da nur sagen – und es  im Zusammenhang mit der Warnung vor “blitzschnellen” Antworten mit Pepe Escobar so übersetzen:
“Die ständigen Provokationen können dazu führen, dass Herr Kinzhal, Herr Zircon und Herr Sarmat gezwungen werden, ihre Visitenkarten in ausgewählten westlichen Breitengraden zu präsentieren, auch ohne offizielle Einladung.”
(wird fortgesetzt)

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Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 

 

 

3 JT 77: Panzer marsch!

Die Eskalationsspirale dreht sich immer weiter. Inzwischen liefert auch Deutschland schwere Waffen.
Und der ukrainische Präsident bedroht Oppositionelle. Russland hat die ersten Gaslieferungen in die EU eingestellt und der Rubel steigt und steigt. Was kommt da auf uns zu? Außerdem: Was gibt es Neues vom Auslieferungsprozess gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in der 77. Ausgabe des 3. Jahrtausends!

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 20


(Hinweis: Facebook hat das obenstehende Foto gelöscht, da “unabhängige Faktenprüfer” es als Fake entlarvt hätten. Ich kann die Echtheit nicht beurteilen, würde russischen Militär-Truckern auch nicht jeden Humor absprechen.)

Hatte Russland bei seiner “Operation Z” – mittelerweile wg. Buchstabenverboten im Westen praktischerweise auf  A-Z umgetauft – in der Ukraine auf die Zerstörung von ziviler Infrastruktur bisher weitegehend verzichtet, sind seit dem vergangenen Wochenende wichtige Eisenbahn-Knotenpunkte  und Umspannwerke zum Ziel von Raketenangriffen geworden. Der bisher noch über Bahnlinien noch mögliche Nachschub der im Osten konzentrierten Truppen wird dadurch weiter erschwert und was an “schweren” NATO-Waffen im Westen ankommt, staut sich dort in Depots – die, wenn sich nicht von russischen Präzisionsraketen zerstört werden, wie schon mehrfach geschehen, dem schwarzen Loch des ukranischen Waffenhandels anheimfallen und irgendwo in Afrika, im Nahen Osten oder anderswo wieder auftauchen, wo für Stinger, Javelin & Co. gutes Geld gezahlt wird. Auch für die ausrangierten Leopard 1 und den Flak-Panzer Gepard, die Deutschland jetzt  der Ukraine verkaufen will, besteht anderswo Bedarf wenn sie an der Front nicht ankommen.
Dass in NATOstan nach wie vor große Kriegseuphorie herrscht und “Experten” und Ex-Generäle in Funk und Fernsehen versichern, dass ein paar Panzer und Haubitzen mehr “den Krieg entscheiden” könnten, hat mit der Realität am Boden eher wenig zu tun, und sehr viel mehr mit dem hier schon oft zitierten Diktum von Karl Kraus zum 1. Weltkrieg: “Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt? Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s lesen”.
Und so holt der britische Verteidigungsminister Wallace mal eben 15.000 russische Gefallene und 500 Panzer aus dem Hut, die bis dato keinem Menschen aufgefallen sind, sonst wären sie auf den Social Media längst viral gegangen. Es wird einfach gelogen wie gedruckt. Und zwar von denselben,  die uns die “Massenvernichtungswaffen” im Irak, das “Giftgas” in Syrien, die “Befreiung” Libyens  und den 20 Jahre anhaltenden “Sieg” in Afghanistan angedreht haben… aber dieses Mal – großes Indianer:innen-Ehrenwort  – geht alles mit rechten Dingen zu. Und  es ist ja wohl offensichtlich, dass unsere Freiheit statt “am Hindukusch” jetzt am Donbass bis zum letzten Ukrainer verteidigt werden muss, weil bei uns sonst Saddam Husseins Raketen “in 45 Minuten”…ääh… Bin Laden und sein Al Qaida Terror…ääh, natürlich Putin und seine brutalen Russenhorden… unsere Fußgängerzonen in die Luft jagen und Babys vergewaltigen. Da kann man nicht mehr wegschauen und untätig bleiben… Panzer, Raketen, Bomben…Hauptsache irgendwas…
So ungefähr liest und hört es sich derzeit an, was einem aus dem westlichen Medienwald entgegendröhnt. „Die Ukraine glaubt eindeutig daran, dass sie gewinnen kann, und alle hier glauben das auch“, betonte der US-Verteidigungsminister beim heutigen NATOstan-Treffen in Rammstein. Woher die Gemeinschaft der Gläubigen ihre Zuversicht holt ist unklar, historisch bekannt hingegen ist, dass  Niederlagen nicht mehr weit sind, wenn unbedingtes “Glauben an den Endsieg” beschworen wird. Dass Deutschland ukrainische Truppen an den neuen Gerätschaften ausbilden will bevor sie an die Front verlegt werden, dies aber keinesfalls als Kriegsbeteiligung verstanden wissen will, zeugt ebenfalls von hoher Glaubensfestigkeit, dass die Russen schon nicht  den Gashahn abdrehen werden, wenns ihnen zuviel wird mit der Safari deutscher Leoparden und Geparden vor ihrer Haustür. Wobei: die aktuelle Abschussliste steht am 26.4. bei  “2,576 tanks and other armored combat vehicles”, hundert Panzer mehr sind da nicht spielentscheidend. Allerdings hat Außenminister Lavrov angekündigt, dass man  auch den Transport schweren Geräts in die Ukraine als feindlichen Akt betrachtet. “Wenn die Nato über einen Stellvertreter de facto in einen Krieg mit Russland tritt und diesen Stellvertreter bewaffnet, dann tut man im Krieg, was man im Krieg tun muss.”
Es sollte sich also niemand wundern, wenn dann alsbald ein Bahnhof in Polen oder einem anderen Ukraine-Anrainer unfreundlichen Besuch von Kinzhal bekommt, was natürlich den Bündnisfall bedeuten würde und NATOstan zeigen müsste, was es militärisch drauf hat um diese “Regionalmacht mit Tankstelle” (Barack Obama) in die Schranken zu weisen. Niemand kann sich das wünschen, weil damit ein nukleares Armageddon droht, aber dann sollte auch niemand weiter an der Eskalationsschraube drehen, um es dazu kommen zu lassen. Wenn in den Regierungen und Komissionen Europas noch irgendwelche Erwachsenen eingreifen können, sollten sie das dringend tun.
Und das nicht nur was Waffen, sondern auch was den Wirtschaftskrieg betrifft, mit dem die deutsche Außenministerin “Russland ruinieren” will –  eine Idee, auf die nur kommen kann, wer wie unsere Völkerballexpertin in Erdkunde offenbar nicht richtig aufgepasst hat:

Wie das ZDF berichtet, muss “Deutschland bis 2030 für russisches Erdgas selbst dann bezahlen, wenn das Gas nicht mehr importiert wird. Grund dafür sind sogenannte Langfristverträge mit Laufzeiten bis zu 30 Jahren, die deutsche Unternehmen mit dem russischen Konzern GAZPROM abgeschlossen haben. Das zeigen frontal-Recherchen. Insgesamt geht es um mehr als 140 Milliarden Euro.”

Dass BASF, der größte Chemie-Standort Europas, langfristige Verträge macht um günstige Energie für seine Produktion zu sichern, macht zwar betriebswirtschaftlich absolut Sinn, läuft aber unter der ZDF-Headline “Die Gier nach russischen Gas”, was ebenfalls von Erdkundeschwäche zeugt, denn ohne russisches Gas kann BASF den Laden dicht machen. Während Robert Habeck in  seiner “dienenden Führungsrolle” gegenüber den USA verkündet, “in wenigen Tagen” zu einem Ölembargo bereit zu sein,  sieht sich Brandenburgs Ministerpräsident noch eher als Diener seiner eigenen Bevölkerung und warnt: “Wenn gelegentlich von drei Millionen zusätzlichen Arbeitslosen geschrieben wird, falls kein Gas und Erdöl mehr aus Russland geliefert wird, so halte ich das für eine Untertreibung. Wir müssen davon ausgehen, dass ein Lieferstopp sofort Auswirkungen auf jeden einzelnen Haushalt in Deutschland hätte.”

Polen und Bulgarien kommen seit heute als erste in den Genuss einer “russenreinen” Energieversorgung, nachdem Gazprom die Lieferungen durch die Jamal-Pipeline gestoppt hat. Sie werden damit zu den ersten Experimentierfeldern, auf denen Europa sich ohne Energie aus dem Osten künftig durchschlagen will und können einen kleinen Vorgeschmack darauf liefern, wenn “Nordstream-1” und damit Deutschland ebenfalls abgeklemmt werden. Aber, “keine Panik”,  verkündet die FAZ,  weil so ” kommt Deutschland schneller damit voran, sich von russischen Rohstofflieferungen unabhängig zu machen.” Sorgen über  einen “veheerenden Schaden” der Volkswirtschaft müssen wir uns keine machen, denn “Ökonomen schätzen”, dass nur  “bis zu 6 Prozent der Wirtschaftsleistung verloren gehen.” Na dann ist ja alles halb so wild… und diese Top-Ökonomen haben den Nobelpreis schon sicher: ihr Konzept einer Industriegesellschaft, die trotz Ausbleiben von 40% der Energie (die Europa aus Russland bezieht)  mit 94% wirtschaftlicher Leistungskraft weiter brummt, dürfte weltweit gefragt sein.

Unterdessen wird gemeldet, dass Deutschland nun doch kein Leos, sondern nur Flugabwehrpanzer “Gepard” lieferen will, weil die, so Verteidigungsminsterin Lambrecht, “genau das sind was die Ukraine jetzt braucht um den Luftraum zu sichern.” Dafür holte sie sich in Rammstein von ihrem US-Kollegen brav ein  Lob ab und brachte ihren Kanzler aus der Schußlinie, der sich jetzt nicht mehr nachsagen lassen muss, dass er keine schweren Waffen liefern will. Wenn es Olaf Scholz ist, der in der Ampelregierung in Sachen Waffenlieferungen auf der Bremse steht, wie mir ein Mitarbeiter unlängst versicherte, dann hat er mit diesem Coup seine kriegsgeilen Koalitionären ein cleveres Schnippchen geschlagen. So sieht es auch Bernhard vom Blog “MoonOfAlabama”, der den Oldtimer noch aus seiner Bundeswehrzeit kennt :

“Dass Scholz sich entschlossen hat, diese anzubieten, statt echter Panzer oder Schützenpanzer, wie es die USA und die camouflage-grüne Partei forderten, ist ein schöner Ausweg. Er garantiert, dass die Ukrainer sie nicht vor Kriegsende einsetzen können. Das Gepard-System mit seinen zwei 35-mm-Kanonen ist mehr als 50 Jahre alt, wurde aber zwei- oder dreimal aufgerüstet. Die Bundeswehr hat ihr letztes Exemplar im Jahr 2010 ausgemustert. Seitdem sind sie eingelagert. Ich kenne sie noch gut aus meiner Zeit bei der Bundeswehr. Während ich in erster Linie als Richtschütze auf einem echten Panzer, dem Leopard 1A3, ausgebildet wurde, wurden zwei Leute, die ich kannte, als Richtschützen für den Gepard ausgebildet. Es gab jedoch einen großen Unterschied. Man brauchte 6 Monate Ausbildung, um ein einigermaßen guter Panzerschütze zu werden. Um Schütze auf einem Gepard zu werden, brauchte man 12 Monate, einschließlich Hunderter von Stunden in einem Simulator. Für die Rolle des Kommandanten war sogar noch mehr Ausbildung erforderlich. (…)
In der heutigen Bundeswehr gibt es wahrscheinlich weniger als zehn Personen, die noch wissen, wie man einen Gepard bedient und wartet. Die Chancen, deutsche Besatzungen für sie zu finden, sind also gering. Wenn die Ukrainer diese veralteten Systeme wirklich einsetzen wollen, müssen sie mindestens ein Jahr lang neue Besatzungen ausbilden. Andernfalls werden diese Geschütze ineffektiv und von geringem Nutzen sein.Ich vermute jedoch, dass keines dieser Geschütze jemals ausgeliefert werden wird. Dafür haben die Schweizer gesorgt, die die Kanonen und deren Munition hergestellt haben:
“Die neutrale Schweiz hat ein Veto gegen die Wiederausfuhr von in der Schweiz hergestellter Munition für die Gepard-Flugabwehrpanzer eingelegt, die Deutschland an die Ukraine liefert, wie die Regierung am Dienstag mitteilte.(…)Das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) bestätigte einen Bericht des Senders SRF, wonach es Deutschland daran gehindert habe, Munition für den Gepard-Panzer in die Ukraine zu liefern.”
Bundeskanzler Scholz dürfte das alles gewusst haben. Das Angebot der Gepards ist ein sicheres Mittel, um den auf ihn ausgeübten Druck, Waffen in die Ukraine zu liefern, zu mindern. Es ist ein Angebot für ein System, das innerhalb des Zeitrahmens des Krieges nicht eingesetzt werden kann und für daser die notwendige Spezialmunition nicht liefern kann.”

(wird fortgesetzt)

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Das Kriegsmotiv (08.03.22)
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Warum ich noch immer Putinversteher bin (25.02.22)
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Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 

 

 

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt -19

Dank der hervorragenden und vorauschauenden Führung der Europäischen Union und ihres kompetenten Spitzenpersonals haben die Energiepreise in Europa mittlerweile zwar schon schwindelerregnde Höhen erreicht (55% Preissteigerung im März, 591% im Jahresvergleich) doch da die EU-Bürokraten ebenso wie NATOstan nicht davon ablassen wollen, die “Freiheit des Westens” in der korrupten Oligarchenrepublik Ukraine zu verteidigen, ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Was das für Deutschland – die einstige “Lokomotive” der europäischen Industrie und schon jetzt mit den höchsten Strompreisen in der EU belastet – bedeutet, kann sich jeder mit einem IQ über Bordsteinkante ausrechnen: die wichtigsten, energieaufwendigen  Exportgüter – Autos, Maschinen und Chemieerzeugnisse – werden teurer und weniger konkurrenzfähig, die Wirtschaft und mit ihr das Land gehen den Bach runter. Willkommen in der verarmten Kolonie des US-Imperiums, die sich in einen idiotischen Krieg mit Russland hineinziehen lies und sich selbst ihre Energieadern kappte.

Dass eine solche Zukunft sehr schnell eintreten könnte, wenn kein russisches Gas mehr kommt, dämmert mittlerweile auch  den Executives in Brüssel, weshalb sie an die EU-Mitgliedsstaaten einen Handzettel mit Leitlinien verschickt haben, wie man in Russland weiter Hydrocarbone gegen Rubel einkaufen kann, ohne gegen die Sanktionen zu verstossen. Zwar stellt sich der Sprecher der EU-Kommission noch auf die Hinterbeine und sagte, “dass Unternehmen der russischen Forderung nicht nachgeben sollten”, doch zeigt der Eiertanz sehr klar, dass sich EU  und G-7, die vor vier Wochen die Rubelforderung Russlands noch als unanehmbar ablehnten, der neuen Realität anpassen müssen. Die Versprechen, Ende des Jahres “unabhängig” von russischem Gas zu werden, entsprechen dem BlaBla eines Junkies, der Weihnachten garantiert clean sein will  bis dahin aber weiter seinen täglichen Schuß braucht. Auch in den exzeptionalistischen Vereinigten Staaten wurde mittlerweile registriert, das man sich mit dem Energie-Embargo eher  ins eigene Knie schießt, als Russland wirklich schadet, das durch den Boykott mengenmäßig vielleicht weniger verkauft doch dank der Windfallprofits hoher Öl,-und Gaspreise geldmäßig mehr einnimmt. Dumm gelaufen.

Wir hatten hier schon öfter angemerkt, dass Amerika mit seinen traditionellen Monopoly-Methoden nicht mehr weiterkommt, weil Russland Schach spielt, was sowohl für das militärische  Schlachtfeld in der Ukraine gilt wie auch für den globalen Wirtschaftskrieg gilt. Dass die Zentrakbanken in New York und London 400 Milliarden Dollar russischer Währungsreserven  vor zwei Monaten “eingefroren” (= gestohlen) haben, um damit den Rubel in die Knie zu zwingen, hat Russland mit dem Zug “Gas nur noch gegen Rubel (oder Gold)” gekontert, mit dem Ergebnis, dass der Rubel heute besser dasteht als vor einem Jahr – Tendenz: weiter steigend. Schon meldet die russische Zentralbank, dass auch der Rauswurf aus dem internationalen Zahlungssystem SWIFT für den Westen nach hinten loszugehen droht: an die Alternative SFPS sind mittlerweile schon 300 Unternehmen aus 12 Ländern angeschlossen. Unterdessen sagen die  Wall Street Gurus für den Westen jetzt  zweistellige Inflationsraten auf Dauer voraus und die Finanz-Analysten von Goldman Sachs dem Dollar als dominierende Währung im Welthandel einen änlichen Niedergang wie dem Britischen Pfund zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Willkommen am Ende des amerikanischen Imperiums, das nach zwei Weltkriegen in Europa durch den Dollar das Pfund als “Weltwährung” ablösen konnt, aber mit dem Niedergang des Petro-Dollars und dem Aufstieg des Gas-Rubels sein globales Finanzmonopol verlor.

Sich als globaler Rüstungsriese (NATOstan) mit dem Rohstoffriesen (Russland) und dem Produktionsriesen (China) der Erde anzulegen, zumal wenn man militärisch jederzeit tödlich tödlich verwundbar ist, ist eine gefährliche Idiotie. Vorallem wenn man – wie aktuell in der Ukraine zu sehen –  keinen Plan B hat, wenn der Plan A  nicht aufgeht, weil sich Russland mit Sanktionen nicht in die Knie zwingen läßt. Und auch nicht mit weiteren Waffenlieferungen, die ohnehin, wie vorgestern wieder ein großes  Depot bei Odessa, zerstört werden bevor sie zum Einsatz kommen. Dass eine  Verdopplung der EU-Militärhilfe dazu führen wird, den Krieg in der Ukraine “siegreich” enden zu lassen, wie EU-Ratspräsident Charles Michel tönte, ist ein weiterer Beleg für die bellizistische Idiotie, dem auch der Großteil der Journaille anheimgefallen ist. Und die derselben Ignoranz und Hybris des Westens geschuldet scheint, wie im Kalten Krieg 1.0  als das Potential Russlands (bzw. der UdSSR) permanent überschätzt wurde, bis die Sowjetunion völlig überraschend einfach zusammenbrach; im aktuell schon köchelnden Kalten Krieg 2.0 indessen wird das ökonomische und militärische Potential Russlands maßlos unterschätzt. Und aus diesem ignoranten Unwissen speist sich nicht nur die derzeitige Kriegsrhetorik und das infantile Narrativ, mit “schweren Waffen” einen “Sieg” über die größte Nuklearmacht der Welt feiern zu können, sondern auch das absehbare Scheitern des Plans, Russland ökonomisch zu isolieren und niederzuringen. Larry Johnson – CIA und State Department “Counter-Terrorism”-Veteran –  meint dazu:
“Statt staatsmännisch und diplomatisch zu handeln, verhalten sich die Vereinigten Staaten, Kanada und Europa wie verwöhnte Kinder, die sich darüber ärgern, dass sie von Russland nicht bekommen, was sie wollen. Anstatt die Realität zu akzeptieren, dass Russland besser als alle anderen Länder der so genannten Ersten Welt in der Lage ist, eine sich selbst tragende Wirtschaft zu betreiben, die Lebensmittel und Technologie produzieren kann, hält der Westen an seiner Illusion fest, dass er Russland an den Rand des Zusammenbruchs treibt. Psychiater haben einen Begriff für diesen mentalen Zustand – er heißt PROJEKTION. Schlagen Sie ihn nach.”


Die Aussicht, dass weder Sanktionen noch militärische Lösungen funktionieren, müsste jeden Realpolitiker und Vernunftmenschen zu der Frage führen,  ob es Sinn macht, den Krieg weiter zu führen, wenn die ursprünglichen Kriegsziele nicht erreichbar sind und wie ein realistischer Plan C  für die (ehemalige) Ukraine aussehen kann. Dass wie im Jugoslawien-Krieg – der völkerechtswidrigen, kriegsverbrecherischen “Ursünde” NATOstans in Europa – auch die Ukraine nicht um eine Teilung oder Zerstückelung herumkommt, war schon vor Beginn der russischen Operation absehbar, mittlerweile zeichnet sich ab, wie das ausschauen könnte. Mit einer Föderation pro-russischer ukrainischer Volksrepubliken (weiß, lila, rot) im Osten und Süden, einer blau-gelben Ukraine in der Mitte, und ein Ex-Galizien im Westen. Der (pro-)russische Militär-Blogger Nightvision schreibt zu obiger Karte:


“Es sieht immer wahrscheinlicher aus, dass eine Version der Karte das Minimum dessen ist, was als Ergebnis der “Special Military Operation” zustande kommen wird. Ich sage Minimum, weil es keinerlei Anzeichen dafür gibt, dass Phase 2 die “Endphase” ist, sondern nur, dass dies in etwa die Ziele von Phase 2 sind. Es kann sehr wohl weitere Phasen geben, um den Rest der Ukraine zu erobern, obwohl Russland, selbst wenn es diese Gebiete erobert, sie sich höchstwahrscheinlich nicht einverleiben wird, sondern eher einen Regimewechsel und eine gründliche Entmilitarisierung /Entnazifizierung des verbleibenden Rumpfstaates Ukraine durchführen wird, um sicherzustellen, dass er nie wieder eine Bedrohung darstellen kann.”

In diese Richtung wird es laufen, auch wenn “uns” im  Westen das nicht gefällt, doch die Chance einer friedliche Wiedervereinigung wurde acht Jahre lang mit der Sabotage der Minsk-Gespräche vertan und stattdessen das Donbass bombardiert. Der Versuch die Ukraine mitsamt der Krim militärisch zurückzuerobern  ist ausssichtslos und auch weitere  Fake-News und Horror-Propaganda  – Eva Bartlett war vor Ort und hat die nicht vorhandenen Massengräber bei Mariupol besichtigt, die gerade als jüngste Kriegsverbrechersau durchs globale Mediendorf getrieben werden  – können daran nichts ändern.  Diese “schreckliche Wahrheit” dämmert langsam auch den ersten “Experten” im Westen, wie gestern dem Vize-Herausgeber des “Guardian” Simon Tisdall: “Seien wir realistisch. Bei allem Heldentum und allen Opfern könnte die Ukraine diesen Kampf verlieren. So schrecklich es auch klingt: Putin könnte gewinnen. Wenn der Westen seine Prinzipien und Werte so weit aufgibt, dass er das zulässt, wird der Preis dafür langfristig für alle eine ganz neue Welt des Schmerzes sein.”
Es wird dem Westen nichts anderes übrig bleiben, denn Putin hat schon gewonnen. Die Ukraine in ihrer bisherigen Form gibt es nicht mehr und es wird sie nicht mehr geben. Und wenn die ukrainische Armee im Osten geschlagen und das russische Operationsziel “De-Militarisierung” abgeschlossen ist, sind die “Werte” des Westens erneut gefragt: nicht in Form von sinnlosen Waffenlieferungen, sondern bei den Friedensverhandlungen.
Wenn einer Sache nicht zu helfen ist, so ist es eine Schande, sich mit ihr abzugeben”, schrieb Iwan Turgenjew in seinem Roman “Väter und Söhne”. Das gilt auch für einen aussichtslosen, nur um den Preis eines Nuklearschlags gewinnbaren Krieg, der nicht mit mehr Waffen beendet wird, sondern nur mit mehr Diplomaten und Verhandlungen. Also von Erwachsenen. Nicht von kriegsgeilen Schreckschrauben  und pubertären Laptop-Rambos aus dem  russophoben Kindergarten.  Als von dort jetzt gemeldet wurde, dass ein von Turgenjew vor 198 Jahren gepflanzter Baum  vom europäischen “Baum des Jahres”-Wettbewerb disqualifiziert wurde, fiel mir eine Anekdote über Otto von Bismarck wieder ein, die seine Tochter überliefert hat. Wenn der Reichskanzler aufgeregt war und vor Entscheidungen stand, ging er von seinem Gut zum nahen Waldrand und umarmte dort minutenlang einen Baum – um sich abzuregen und auf bessere Gedanken zu kommen. Unseren hysterisierten und denkunfähigen Staatsmännern und Regierunsgfrauen wäre dieser Bismarck-Trick ebenfalls dringend anzuraten…
(wird fortgesetzt)

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Was spricht eigentlich gegen eine militärisch neutrale Ukraine? (6.3.22)
Warum ich noch immer Putinversteher bin (25.02.22)
Das Jugoslawien Russlands in der Ukraine – und NATOstan muss wütend zuschauen (24.02.22)
Die Geduld des Bären ist zu Ende(23.02.22)
Wir sind schon wieder die Guten (17.02.22)
Drei Riesen und die “neue Ära der Multipolarität” (12.02.22)
Frisch aus dem Archiv: Ansichten eines Putinverstehers (18.02.22)
Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded (18.01.22)

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt -18


Die Grafik des amerikanischen Satiremagazins “Puck” aus dem Jahr 1901 spielt mit dem Titel “Die neueste chinesische Mauer” auf den Bruch der Acht-Staaten-Koalition an, die ein Jahr zuvor in China gemeinsam den “Boxeraufstand” niedergeschlagen hatte. Japan, England, USA, Deutschland, Frankreich, Italien und Östereich stellten sich dann dagegen, als Russland Gebietsansprüche auf die Mandschurei geltend machen wollte. Weil die meisten  Koalitonäre ihrerseits aber ebenfalls im Reich der Mitte Fuß fassen und Kolonien eröffnen wollten, brach das Bündnis bald wieder auseinander.  Auch wenn dass von der NATO aktuell noch nicht zu befürchten ist – man ist sich ja einiger als “je zuvor” – stehen sich aber 121 Jahre später nunmehr an der Westseite Russlands exakt die gleichen Nationen gegenüber. Zwei entscheidende Unterschiede: der Chinese im Hintergrund ist nicht nur mehr lachender Dritter, sondern  Freund der Russen und ebenfalls bewaffnet. Und der Bär steht nicht mehr mit dem archaischen Säbel gegen die Feuerwaffen der NATO da, sondern ist ihnen (nicht nur) mit seinen hypersonischen Raketen militärisch überlegen. Weil das bei den schurnalistischen Sofa-Generälen und politischen Laptop-Bombern im Westen noch nicht wirklich angekommen ist, die weiter und mehr “schwere Waffen” fordern, hat Wladimir Putin diesen Stammtischstrategen gestern ein wenig Gedankenfutter  serviert, mit dem erfolgreichen Test von “Sarmat”. Das 200-Tonnen-Monster hat eine Reichweite von 11.000 Kilometern, kann mit bis zu 15 separat steuerbaren Raketen (ggf. auch nuklear) ausgerüstet sein und  wegen seiner Geschwindigkeit von über 10.000 km/h und einer unvorhersagbaren Trajektorie von keinem Luft-Abwehrsystem abgefangen werden. Willkommen am Ende der unipolaren “Full Spectrum Dominance” des US-Imperiums und dem Anfang einer multipolaren globalen Sicherheitsarchitektur.

Ob diese Geburt eines neuen Zeitalters sehr blutig und schmerzhaft – in diesem Fall mit zigausend Toten in der Ostukraine – vonstatten geht, oder halbwegs glatt, wenn die die Ukrainer die Waffen niederlegen, liegt jetzt allein an ihren Kriegsherrn in Kiew und Washington. (Kapitulieren wir bei 5.000 Gefallenen oder erst bei 50.000 ?) “On the ground” jedenfalls  haben die gegen Luftangriffe schutzlosen Truppen keine Chance, außer sich mit den letzten verbliebenen Artillerie-Geschützen hinter der Zivilbevölkerung zu verschanzen und viele Unbeteiligte mit in ihren “Märtyertod” zu ziehen. Etwas anderes bleibt ihnen nicht, denn NATOstan kann und wird ihnen nicht helfen. “NATO isn`t ready for war with Russia” hat gerade ein britischer General bekundet und allen ahnungslos suizidalen  Bellizisten klar gemacht warum: “Ich glaube nicht, dass viele Menschen in Großbritannien über die Folgen russischer Marschflugkörper in London nachgedacht haben … es gibt sie, und wir haben einfach nicht die Mittel, um mit ihnen fertig zu werden.”

Dass die im Asovstal-Werk eingeschlossenen Kämpfer jetzt von den Völkern der Welt fordern, sie zu befreien und eine sichere Passage in ein Drittland zu gewähren, scheint darauf hinzudeuten, dass sich dort unten mehr verbirgt als reguläre ukrainische Truppen und  faschistische Asov-Brigadisten. “Sichere Passage” ist keine Forderung in militärischen Konflikten, sondern eher beim Bankraub mit Geiselnahme oder ähnlichen kriminellen Aktionen üblich, was die Gerüchte über Bio-Labore und höheres NATO-Personal in den Katakomben weiter nähren dürfte.
Am 21. April hat Präsident Putin angeordnet, die unterirdische Festung nicht zu zerstören oder zu stürmen, sondern “zu blockieren, dass keine Fliege rauskommt” und jedem der kapituliert “das Leben und anständige Behandlung nach internationalen Regeln” zu garantieren. In der Stadt Mariupol konnten unterdessen die Fahne der Volksrepublik Donezk  hochgezogen  und die russischen Truppenkontigente abgezogen werden, was den Kessel weiter verengt, den die Russen um den  Kern der ukrainischen Armee, der auf 50.000 Mann geschätzt wird, gezogen haben. Und der chancenlos ist, wenn Russland außer dem Kontingent der “Operation Z” das wirkliche Potential seiner Luft-und Bodenstreitkräfte einsetzt, das bisher zurückgehalten wird, wie es auch der Schweizer Militärexperte und Ex-Offizier Ralph Bossard in seinem aktuellen Lagebericht einschätzt.
Und auch andere echte Fachleute des Kriegs wie der hier schon zitierte UN-Waffeninspekteur  Jacques Baud oder sein erfahrener Kollege, der Ex-Marine Scott Ritter, der einst die “Massenvernichtungswaffen” des Iraks als Fake entarnte, sehen das so, wie auch der langjährige Ausbilder von US-Spezialeinheiten, Larry Johnson, der den aktuellen westlichen Propagnada-Bullshit über Mariupol zerpflückt.  Und was der deutsche Brigadegeneral a.D. Erich Vad über den Irrsinn sagt, diesen Krieg militärisch gewinnen zu wollen,  sollte jedem Sofa-Strategen und Laptop-General vom Kaliber Hofreiter, die “mehr Waffen” für einen “schnellen Sieg” fordern, ernsthaft zu denken geben. Falls von Denkfähighkeit bei Leuten überhaupt noch geredet werden kann, die mehr Waffen fordern “um den 3. Weltkrieg zu verhindern” oder  wie Annalena “Russland ruinieren” Baerbock “kein Tabu” mehr bei Waffenlieferungen kennen, weil Kanzler Scholz – in bester Trappatoni-Manier – “nicht erlauben” will, “dass Russland den Krieg gewinnt.”

Kleine Rückblende ins “Game of Thrones”, Neue Staffel:
“Wird Vlad der Schreckliche seine bärenstarke Armee mit den berühmten tschetschenischen “Kampfschweinen” zurückziehen, nachdem Olaf der Dumme dieses Verbot ausgesprochen hat? Können mehr Waffen für die Ukrainer und ihre Hakenkreuz-Orks am Ausgang der großen Schlacht noch etwas ändern? Und: Wie wird der beliebte Präsidentendarsteller  Zelenski enden: als großer Freiheitsheld oder als korrupter Kriegstreiber? Außerdem: was haben die von Sleepy Joe angeordneten Blockaden wirklich gebracht und wer sitzt im Wirtschaftskrieg der Königreiche am längeren Hebel?”


Was Letzteres betrifft bringt die nebenstehende Karrikatur den Stand der Dinge gut auf den Punkt. Nachdem die Energieagentur der EU schon im April chice Flyer zum Kaltduschen gegen Putin veröffentlicht hat, könnten ab Herbst dann wieder Wintersammlungen für die Front anstehen. Doch soeben wird aus Brüssel gemeldet, dass EU-Unternehmen Gas und Öl in Rubel zahlen können, ohne gegen die Sanktionen zu verstossen.  Das wird aber nicht mehr helfen, wenn die Vorhersagen des dunklen Finanz-Propheten Martin Armstrong zutreffen, der den Westen  auf einen großen Krieg zusteuern sieht:

“Der Westen braucht den Dritten Weltkrieg. Sie brauchen ihn einfach. Das eigentliche Problem ist, dass sie 2014 in Europa zu negativen Zinssätzen übergegangen sind. Sie waren nicht in der Lage, die Wirtschaft anzukurbeln, und die keynesianische Wirtschaftspolitik hat völlig versagt. . . . Ich würde sagen, das ist Missmanagement der Regierung auf globaler Ebene. Das Problem ist, dass die Zentralbanken keine Kontrolle über die Wirtschaft haben. Hinzu kommt, dass sich diese Art von Inflation wesentlich von einem Spekulationsboom unterscheidet. Diese Inflation basiert auf Knappheit. Diese Idioten mit Covid . . mit Abriegelungen, haben am Ende die Lieferketten zerstört. . . . Dinge, die da sind, kaufe ich extra, weil sie beim nächsten Mal weg sein könnten. Also hortet jeder mehr davon. . . . In Europa haben wir es mit Negativzinsen zu tun, die alle Pensionsfonds ausradiert haben. Sie brauchen 8 %, um kostendeckend zu arbeiten, keine Negativzinsen. Es gibt keinen einzigen Pensionsfonds in Europa, der in diesem Stadium des Spiels noch zahlungsfähig ist. . . . Die europäischen Regierungen brechen zusammen. Wenn es zu einem Zahlungsausfall kommt, werden Millionen von Menschen mit Mistgabeln das Parlament stürmen. Um das zu vermeiden, brauchen sie also Krieg. . . . Die Biden-Regierung hat die Weltwirtschaft absichtlich zerstört. (…) Sie wollen, dass Russland etwas tut… . . Diese Sache mit Russland ist immer wieder das Gleiche. Leider steuern wir auf einen Krieg zu.”

Man kann nur hoffen, dass die Schlafwandler in Europa noch rechtzeitig checken, dass sie die eigentlichen Verlierer sind, nicht nur eines bewaffneten Kriegs, sondern auch des Wirtschaftskriegs. Das US-Imperium verdankte seinen Aufstieg zur ökonomischen und militärischen Großmacht zwei zerstörerischen Weltkriegen auf europäischem Boden; doch anders als 1945,  als die Vereinigten Staaten 75% aller globalen Industriegüter lieferten, werden mittlerweile dort kaum noch konkurrenzfähige Produkte hergestellt, außer im Bereich der Rüstungsindustrie, die mit dem Ukraine-Krieg gerade einen neuen Goldrausch erlebt. Ansonsten ist das hochverschuldete Imperium weitgehend de-industrialiert und hat mit seiner FIRE-Ökonomie (Finance/Insurance/RealEstate) kaum real-wirtschaftliche Güter zu bieten, die auf den Weltmärkten konkurrenzfähig sind. Da die Konkurrenz gegeneiander zu hetzten und ihnen dazu die Waffen zu liefern, war schon 1936 ein probates Rezept, als General Motors in Brandenburg die modernste LKW-Fabrik Europas eröffnete, aus der nie ein ziviles Fahrzeug, sondern nur der Opel “Blitz” für Hitlers  “Blitzkrieg”  rollte – und die als US-Besitz bis August 1944 vor allierten Luftangriffen verschont lieb. An einer Demobilisierung der Wehrmacht bestand offensichtlich kein besonderes Interesse, genauso wenig wie an Frieden. Das sich auch jetzt Deutschland und Europa wieder gegen Russen hetzen lassen -wobei vorerst noch die Ukrainer als Kanonenfutter genutzt werden sollen -scheint diesem Geschäftsmodell sehr zu ähneln.
(wird fortgesetzt)

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 17 (20.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 16 (17.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -15 (14.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -14 (11.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 13 (8.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -12 (6.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -11(4.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -10 (31.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 9  (28.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 8 (26.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 7 (24.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 6 (22.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  5 (19.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 4 (18.03,22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 3 (16.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  2 (14.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 1 (13.03.22) 
Das Kriegsmotiv (08.03.22)
Was spricht eigentlich gegen eine militärisch neutrale Ukraine? (6.3.22)
Warum ich noch immer Putinversteher bin (25.02.22)
Das Jugoslawien Russlands in der Ukraine – und NATOstan muss wütend zuschauen (24.02.22)
Die Geduld des Bären ist zu Ende(23.02.22)
Wir sind schon wieder die Guten (17.02.22)
Drei Riesen und die “neue Ära der Multipolarität” (12.02.22)
Frisch aus dem Archiv: Ansichten eines Putinverstehers (18.02.22)
Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded (18.01.22)

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt -17

Dass Russen, auch wenn sie so aussehen,  “keine Europäer” sind und irgendwie grausam  und unmenschlich, weil “sie einen anderen Bezug zu Gewalt haben, einen anderen Bezug zu Tod haben” ….- wo ein nahtlos zum “Russismus” transformierter Rassismus in deutschen Talkshows von einer Vize-Direktorin des “EU-Instituts für Sicherheitsstudien”, Florence Gaub,  unwidersprochen propagiert wird, muss man sich nicht mehr wundern. Weder über gnadenlos gehirngewaschene TV-Konsumenten, noch über die gefährliche Ahnungslosigkeit der Think-Tanker in NATOstan. Dass die Dame zwecks Schadensbegrenzung auf Twitter noch ihre Geografiekenntnisse  hinterherschob: “77 Prozent von Russland liegen in Asien, nicht in Europa. Manche Leute scheinen das nicht zu wissen.” – also offenbar nur  die nicht europäisch aussehenden ehemaligen “Untermenschen” meinte ? (siehe Info-Broschüre des SS-Schulungsamts, 1942)  – macht die Sache kaum besser.

Nicht nur scheint sich in der Ukraine die Tragödie “Operation Barbarossa” als Farce zu wiederholen, bei der der Westen diesesmal aber nur “bis zum letzten Ukrainer” um Lebensraum 2.0 (“Demokratie”/”Werte”/”Freiheit”) gegen die “slawischen Barbaren” kämpfen lässt; auch an der “Heimatfront” hat der Mobilisierungsgrad der Medien eine anti-russische Hysterie geschaffen, die einen Joseph Goebbels entzückt hätte. Nicht nur weil ähnlich wie 1933 ff. eine jüdische Oma  in der aktuellen Cancel Cultur jetzt die Abstammung von Mütterchen Russland für Jobs und Karriere problematisch ist;  sondern auch – und vor dieser Meisterleistung von Brainwashington Inc. würde Hinkefuß Goebbels knien – in einer “Werte”-Kultur, die sich “Diversity” , “Toleranz”, “LBTG” , “Wokeness” und “Anti-Rassismus” auf ihre Fahnen geschrieben hat. Und deren Vertreter  jetzt reihenweise gestehen müssen, dass sie versagt haben, weil sie Russen als ganz normale Menschen einschätzten, ihren Präsidenten als vergleichsweise seriösen und kompetenten Staatschef, und in dieser selbstverschuldeten Verblendung nicht erkannt haben, dass hinter dieser Fassade der ewig brutale Russe lauert:

In diesen Wochen erleben wir in Deutschland eine wundersame Bewegung der inneren Einkehr, Selbstreflexion und Bußfertigkeit. Seit 1945 hat man kein solches Maß an Betroffenheit vom eigenen Irrtum erlebt. Nach WK II wurde die Erkenntnis, der gute Glaube habe versagt, durch die Gewissheit gemildert, aus purer Gutmütigkeit zum Opfer von Wahnsinnigen in Reichskanzlei und Reichspropagandaministerium geworden zu sein. Das klappt angesichts Ukraine II nicht ohne Weiteres.
Gnadenlos das neue Erforschen des Versagt-Habens: Reihenweise Politiker-, Industriellen-, Dichter- und Publizistenleben sinken im Rückblick in den Staub. Generationen von Ingenieuren, Geigern, Abgeordneten und Puschkin-Lesern bekennen unter Tränen, seit 60, 40 oder 20 Jahren geirrt zu haben. Zum Glück kennen die meisten der ehedem Gutgläubigen genügend Dritte, die noch mehr versagt haben als sie selbst. So hilft man sich gegenseitig beim Erinnern.

Als ehemaliger Bundesrichter und Strafrechtler ist Thomas Fischer gewissermaßen Experte in der Beurteilung von Geständnissen, weshalb ich seine Analyse der voll geständigen Russlandversager zur Lektüre empfehle. Dass nur wenige Schurnalisten darunter sind, überrascht nicht denn die interessiert ihr Geschwätz von gestern bekanntlich noch weniger als Politiker. Was mein eigenes “Geschwätz” als selbsternannter Putinversteher betrifft habe ich mir im frühzeitigen Russen-Durchschauen indes keinen Vorwurf zu machen und  for the record bereits am 14.März 2014 (mit Ausrufezeichen in der Überschrift) geschrieben: Vladimir Putin ist kein Anti-Imperialist!  Klingt auf der derzeit  nach oben offenen Russenhass-Skala vielleicht  ein wenig zurückhaltend, ist aber wohl deutlich genug. Zumal in demselben Artikel schon darauf hingewiesen wurde, worum es im Untergrund des Donbass-Konflikts geht: den wegen der Separation geplatzen 10-Milliarden schweren Fracking-Gas-Deal mit Chevron.
Autonomie in einer wiedervereinigten Ukraine, wie sie nach den Minsk-Abkommen vorgesehen war, konnte man den “Volksrepubliken” in der Folge schon deshalb nicht gewähren, weil sie dann selbst über ihre Bodenschätze verfügt hätten. Derlei “Nationalisierungen” werden vom anglo-amerikanischen Imperium traditionell als feindlicher Akt und Anlass zu militärischem Eingreifen gesehen und so wurde Kiew acht Jahre lang auf Rückeroberung der abgefallenen Regionen getrimmt und gerüstet. Seitdem – und nicht erst seit dem russischen Einmarsch – herrscht dort Krieg,  der aber auf westlichen Bildschirmen nicht vorkam. Weshalb auch niemand auf die Idee kam, das Regime in Kiew für seine mörderischen Angriffe auf die eignenen Bürger zu verurteilen, oder es gar, wegen tausender ziviler Opfer, dafür zu sanktionieren. Der Krieg in der Ukraine war ja genauso wie die Förderung des “Rechten Sektors” und die Aufrüstung der Asov-Brigaden als Sturmtruppen (“moderate Terroristen”) der NATO, weitgehend unsichtbar, zum medienwirksamen Ereignis wurde der Konflikt erst, als Ende Februar die Russen einmarschierten. Jeder Hinweis auf eine Vorgeschichte des Kriegs mit Tausenden von Toten aber gilt mittlerweile als Blindheit vor der unstillbaren russischen Mordlust und somit als Russland-Versagen auf ganzer Linie…

Als ich unlängst auf einer Party meinen Unmut über die Performance des “Kriegskanzlers” Scholz äußerte und zufällig ein Regierungsmitarbeiter anwesend war, nahm der mich auf der Terasse beiseite: “Du liegst falsch mit deiner Kritik an Olaf. Scholz steht auf der Bremse. Nicht die SPD, die Grünen  sind die scharfen Kriegstreiber in der Regierung.” Das ist keine Überschaschung, die “dienende Führungsrolle” (Habeck) dem US-Imperium beim “Russland ruinieren” (Baerbock) zu helfen, haben die führenden Camouflage-Grünen ja auch persönlich bekundet und wollen der Ukraine unbedingt mehr “schwere Waffen” liefern.
Dem Drängen kann Kanzler Scholz nun noch halbwegs entspannt nachkommen, weil Rheinmetall im Keller gerade noch ein paar alte Leopard 1-Panzer entdeckt hat, die jetzt auf die Reise über Polen in die West-Ukraine gehen sollen. Da es von dort noch gut 500 Kilometer an die Donbass-Front sind landen sie zuerst in Depots – und von dort dann schnell im Briefing der russischen Armee:
“Am Morgen des 18. April schlugen hochpräzise luftgestützte Raketen der russischen Luft- und Raumfahrtkräfte in der Nähe von Lemberg in das 124. gemeinsame Unterstützungszentrum des Logistikkommandos der ukrainischen Streitkräfte ein. Das Logistikzentrum und die großen Lieferungen ausländischer Waffen, die in den letzten sechs Tagen aus den USA und europäischen Ländern in der Ukraine eingetroffen sind, wurden zerstört.”

Auch wenn die Tagesberichte des russischen Verteidiungsministeriums nicht überprüfbar sind, scheinen sie mir realistischer als die Siegesmeldungen der ukrainischen Seite, die sich mangels “physikalischer” Erfolgsmeldungen mittlerweile ohnehin meist auf psychologische Kriegsführung mit dubiosen Horrorgeschichten verlegt hat. Unter Zugrundelegung der russischen Zahlen kommt die abegbildete   Hochrechnung zu dem Ergebnis, dass die “Demilitarisierung” der Ukraine rein statistisch am 23. Mai beendet sein müsste, weil der Armee dann außer Kleinwaffen keinerlei Gerätschaften und Fahrzeuge mehr zur Verfügung stehen.
Auch wenn einige der aufgelisteten Panzer, Raketenwerfer oder Fahrzeuge nicht  zerstört, sondern noch reparabel sein mögen – einem verantwortungsvoller Oberbefehlshaber, dem nach sechs Wochen Krieg eine solche Verlustliste vorgelegt wird und der von ausreichendem  Nachschub abgeschnitten  ist, bleibt eigentlich nur eine  Option: die weiße Fahne der Kapitulation. Eben dies soll aber  – laut russischen Angaben nach abgehörten Telefonate – den  in den Katakomben  des Stahlwerks Azovstal Eingeschlossenen von Offiziellen aus Kiew verboten worden sein, um die russischen Streikräfte weiter in Mariupol zu binden.

Warum das Regime in Kiew und seine US-Berater tatsächlich gewillt scheinen, nicht nur den Rest ihres Arsenals zu opfern, sondern auch den Großteil ihrer im Osten versammelten Armee, ist rätselhaft. Kann es sein, dass sie ihrer eigenen Propaganda zum Opfer gefallen sind und wirklich glauben, gegen die russische Übermacht an Materialnachschub und Manpower irgendeine Chance zu haben ? Sind sie den hohlen Versprechen der Überlegenheit westlicher Strategie und NATO-Waffen aufgesessen, sie “im Ernstfall” nicht im Stich zu lassen ? Hoffen sie etwa immer noch,  die  NATO – frisch von einer Barfußarmee aus Kabul vertrieben – mit der Inszenierung russischer Kriegsverbrechen für die Kamera in die große Schlacht im Donbass zu locken ?
Das kann nicht gelingen, weil schon dem Versuch eine No-Fly-Zone über der Ukraine zu errichten ganze Heerscharen von “Eurofightern”, “F-16”, “F-35”  den russischen S 400-Batterien wie Tontauben zum Opfer fallen würden.  Und ohne Kontrolle des Luftraums sind größere Aufmärsche genauso unmöglich wie der Transport schwerer Waffen. Es wird also keine nennenswerte Hilfe mehr kommen. Wenn ihnen ihr Leben lieb ist, sollten die ukrainischen Esel sofort aufhören, den Karren für ihre Kriegsherren zu ziehen.
(wird fortgesetzt)

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 16 (14.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -15 (14.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -14 (11.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 13 (8.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -12 (6.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -11(4.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -10 (31.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 9  (28.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 8 (26.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 7 (24.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 6 (22.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  5 (19.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 4 (18.03,22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 3 (16.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  2 (14.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 1 (13.03.22) 
Das Kriegsmotiv (08.03.22)
Was spricht eigentlich gegen eine militärisch neutrale Ukraine? (6.3.22)
Warum ich noch immer Putinversteher bin (25.02.22)
Das Jugoslawien Russlands in der Ukraine – und NATOstan muss wütend zuschauen (24.02.22)
Die Geduld des Bären ist zu Ende(23.02.22)
Wir sind schon wieder die Guten (17.02.22)
Drei Riesen und die “neue Ära der Multipolarität” (12.02.22)
Frisch aus dem Archiv: Ansichten eines Putinverstehers (18.02.22)
Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded (18.01.22)

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt -16


Nach dem kleinen Ausflug mit James Bond in den Katakomben von Azovstal bekam ich Post mit der Aufforderung, doch in diesem Doku-Fiction-Stil weiter zu schreiben, weil das “wahrscheinlich näher an der Wahrheit als die Tagessschau” und “so spannend und toll zu lesen” sei. Mal schauen, vielleicht muss ich ja mit Sven Boettcher  den Bestsellerautor John S.Cooper wiederbeleben, der wie nach 9/11  aus den  in der Tagesschau “vergessenen” Fakten einen Thriller bastelt. Bis dahin ist aber noch das Sammeln solcher Realitätspartikel angesagt und eines, besser gesagt Billionen davon, zeigt diese Karte: Es sind Billonen Kubikmeter Gas im Dnjeper-Donetzk-Becken, ein weiteres, kleines Feld liegt im Westen des Landes. Um diese Schätze durch Fracking abzubauen, hatten Shell und Exxon lange an Verträgen mit der Regierung in Kiew gearbeitet, doch zogen sich nach der Abspaltung der östlichen Republiken 2015 aus diesen Deals zurück.
Es ist also kein Zufall, dass die Frontlinie des aktuellen Kriegs fast identisch ist mit der Lage dieser Bodenschätze und es hatte einen wörtlich zu nehmenden tieferen Grund, warum seitens der USA und ihrer Euro-Vasallen eine friedliche Wiedervereinigung der Ukraine entsprechend der Minsk-Verträge verhindert wurde und der als Friedenspräsident angetretene und gewählte Präsident Zelenski zum Kriegstreiber mutiert ist.
Willkommen in Pipelinestan, beim Kampf um die Lebensadern, die Energie, der Industriestaaten, der schon bei den vergangenen Kriegen in Afghanistan, Irak, Syrien und Libyen im Hintergrund eine ebenso entscheidende Rolle spielt. Wären die Taliban mit den Mini-Transitgebühren für die geplante UNOCAL-Pipeline zufrieden gewesen, hätten sie 2001 an der Regierung bleiben können, hätte Assad seine Zusage einer Pipeline von Katar ans Mittelmeer nicht zurückgezogen, wäre Syrien nicht mit Krieg überzogen worden, dasselbe gilt für Irak und Libyen, die gewagt hatten,  ihr schwarzes Gold gegen Landeswährungen zu verkaufen und den Petro-Dollar zu unterlaufen. Und auch im aktuellen Krieg geht es einmal mehr um Rohstoffe und ihre Kontrolle – und um Flüssiggas für Europa nicht aus den USA, wo es ohnehin den Peak schon überschritten hat, sondern aus einer US-Kolonie Ukraine: nicht über den ganzen Atlantik, sondern mit einem Katzensprung übers Schwarze Meer nach Europa! Wo die Nachfrage nach dem Schiefergas trotz seiner ökologischen und ökonomischen Fragwürdigkeit ja gegeben ist, nachdem Nordstream 2 erfolgreich abgeklemmt wurde und NS1 dem Wirtschaftskrieg alsbald ebenfalls zum Opfer fallen könnte.

Derlei geo-ökonomische Kalkulationen dürfte auch der  globale Schachspieler des Imperiums, Zbigniew Brzezinski, im Hinterkopf gehabt haben, der als ehemaliger Ziehvater Osama bin Ladens grundsätzlich nichts dagegen hatte, in der Ukraine faschistische Sturmtruppen zu bewaffnen und  schon Anfang Mai 2014  die Obama-Regierung aufforderte, die US-Bevölkerung endlich zum Krieg zu mobilisieren und die »Freiheitskämpfer« in Kiew mit Waffen zur Rückeroberung der abgefallenen Ost-Provinzen auszurüsten:

»Die Ukrainer werden nur kämpfen, wenn sie denken, dann auch Hilfe vom Westen zu bekommen, besonders bei der Versorgung mit Waffen, um einen erfolgreichen Städtekampf zu führen. Sie können die Russen nicht auf offenem Feld schlagen, wenn Tausende Panzer einrollen. Sie können sie nur durch andauernden Widerstand in den Städten schlagen. Dann würden die ökonomischen Kosten des Kriegs für die Russen dramatisch ansteigen, und er würde politisch sinnlos. Um aber eine Stadt zu verteidigen, braucht man tragbare Antipanzergeschütze, tragbare Raketen und etwas Organisation.«

Das liest sich acht Jahre später wie eine Liste des Arsenals, mit dem NATOstan diesen Krieg aktuell versorgt und bis zum letzten Ukrainer führen lassen will. Weil aber auch die Russen nicht nur mit dieser US-Strategie vertraut sind, sondern auch ziemlich genau mitbekommen, was derzeit an Waffen in die Ukraine hineinkommt, werden sie sich auf die gewünschten Städtekriege wohl nicht einlassen. Wie sieht die russische Strategie aus ? Dazu zitiert John Helmer – Veteran der US-Korrespondenten in Moskau – einen kandaischen Militärvetranen:

“Ein kanadischer Militärveteran mit Erfahrung in der Kriegsführung der NATO analysiert die operative Karte folgendermaßen: “Ich glaube, dass die Stavka (der Generalstab) die Ukrainer in ihren Bann zieht, indem sie die Ost-West-Korridore offen lässt, so dass sie sich, ob zu Recht oder zu Unrecht, keine allzu großen Sorgen über die Lieferungen aus dem Westen machen. Die Ukrainer werden in den Kessel östlich des Dnjepr hineingezogen; diese Bewegung wird auch durch ihren tiefen Glauben an ihre eigene Propaganda genährt – ‘wir haben sie aus Kiew verjagt’, ‘wir haben sie in Charkow und im Donbass gestoppt’, ‘Mariupol leistet immer noch Widerstand’. Sie glauben auch, was ihre US-Ausbilder und -Berater ihnen über die Wirksamkeit der NATO-Waffen und anderer Unterstützung erzählt haben. Der ständige Unsinn über die russische Schwäche, der von den Medien und den Politikern in den sicheren Häfen hierzulande verbreitet wird, hilft ihnen auch nicht weiter. Diese Haltung scheint den Russen ganz recht zu sein.
Eines ist sicher – die Stavka ruft erhebliche Reserven ab, während die Ukrainer im In- und Ausland den Boden des Fasses ausschöpfen, um ihre Reihen zu verstärken. Jetzt bahnt sich sicherlich ein großer Kampf an. Wird es einen konzertierten Angriff auf die ukrainische Logistik in Verbindung mit der Offensive im Osten geben? Das ist gut möglich.(…)
Was passiert, wenn die Stavka “Go!” sagt und all diese Ukrainer, ausländischen weißen Rassisten und Söldner trotz der Waffenlieferungen eingekesselt und vernichtet werden? Was passiert, wenn die Haupttaktik der USA für diesen Krieg – die Aufstellung einer Stellvertreterarmee unter der Flagge der SS und anderer Faschisten – in diesem relativ kurzen Zeitraum offen und gründlich besiegt wird(…) Was ich sehe, sind Russen, die die zivile Autorität rehabilitieren, das heißt die russische Autorität von Cherson im Süden bis Sumy im Norden. Ich glaube nicht, dass die Galizier am Ende Odesssa oder Charkow und Sumy haben werden. Wenn die östliche Armee vernichtet wird, könnte Zelenskys Regime in internen Kämpfen zusammenbrechen. Er könnte gelyncht oder verschleppt werden, bevor die Russen eintreffen.”

John Helmer zitiert einen weitere interessante Prognose:

“Eine gut informierte Moskauer Quelle mit engen Kontakten zur Donbass-Führung geht davon aus, dass die künftige Landkarte der Ukraine klar wird, sobald die nächsten beiden großen Schlachten abgeschlossen sind – die erste um Kramatorsk, die zweite um Charkow.
Der russische Plan, so die Donbass-Führung, sieht vor, die Ukraine in “eine lose Konföderation umzuwandeln, in der die östlichen russischsprachigen, orthodoxen Regionen Charkow, Lugansk, Donezk, Saporoschje, Cherson, Nikolajew, Mariupol und Odessa die Kontrolle haben werden. Sie werden von neu eingesetzten Verwaltungen und lokal rekrutierten Sicherheitskräften verwaltet, die beide von Russland kontrolliert werden. Dniepropetrowsk, Poltawa und Krementschuk werden wahrscheinlich Teil dieses föderalen Bündnisses sein, das stark genug sein wird, um die nächsten ukrainischen Präsidentschaftswahlen zu gewinnen und Wladimir Zelenski abzulösen.” Zelenskys Amtszeit endet voraussichtlich im März 2024. Wahrscheinlich wird sie aber schon früher enden.

Die Zukunft Kiews in diesem neuen föderalen Gemeinwesen ist noch ungewiss, wie die Quellen einräumen. Nach Ansicht der Donbass-Führung wird die Zukunft Galiziens im Westen “eine Mini-Föderation konkurrierender ethnischer Nationalgruppen – katholische Ukrainer, Ungarn, Slowaken, Polen, Rumänen und andere. Eingesperrt, ohne exportierbare Ressourcen außer Flüchtlingen, Söldnern und Mädchen, blockiert von Weißrussland im Norden und Russland im Osten, wird die galizische Waffenplattform, die die USA und Kanada um Lemberg herum geschaffen haben, ihrer politischen Macht in Kiew beraubt werden. Nach der Zerstörung ihrer schweren Waffen, ihrer Treibstoffvorräte und ihrer Kommandozentralen werden sie motiviert sein, ihre Ideologien und ihre persönlichen Waffen gegeneinander zu richten. Zwischen ihnen und dem Osten wird der russische Plan zur Entmilitarisierung des Landes die Rückkehr von Massenbedrohungen und NATO-Stützpunkten östlich des Dnjepr verhindern.
Den Quellen zufolge handelt es sich weder um einen Plan zur Auflösung der alten Ukraine noch um einen Plan für den Beitritt Noworusslands. Es ist ein Plan, “um die Ukraine gebrochen zu halten”, bei dem die großen Bruchlinien nach Westen verlagert werden – und dort bleiben.”

Das scheint ein realistischer Plan für eine militiärisch neutrale Ukraine, der nach der Niederlage der ukrainischen Armee im Osten umgesetzt werden könnte. Dass diese Niederlage unausweichlich ist, wenn Russland nicht mehr nur die schlanke Eingreiftruppe dieser “Special Military Operation” (SMO) einsetzt, sondern die  gesamte Armee mit ihrer Feuerkraft zum Einsatz kommen, hatte ich hier unter Berufung auf Militärexperten wie Scott Ritter und andere, schon öfter ausgeführt. Dass die “Moskva”, das alte Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte am 14.4. gesunken ist – ob aufgrund von Raketen- Beschuss, wie die Ukraine reklamiert, einer Seemine oder einem Sabotageakt ist z.Zt. noch unklar – wird daran nichts ändern. Dass die Russen nun die SMO-Handschuhe abstreifen und einen “amtlichen” Krieg beginnen, deutet sich jetzt an der Asovstal-Festung in Mariupol an. Während wir in der letzten Folge noch halb-fiktional mutmaßten, dass Putin die einstige Industrie-Perle der Sowjetunion nicht zerstören will, haben strategische Bomber der russischen Luftwaffe vorgestern Nacht zugeschlagen und auf das  angeblich von Zivilisten geräumte Gelände Dutzende großkalibrige FAB-500 und mehrere FAB-3000 bunkerbrechende “Mega-Bomben” abgeworfen. Danach dürfte aus den Katakomben kaum noch einer der Asov-Brigadisten und ihrer Kombattanten heil entkommen. Auch nicht aus den Biowaffen-Laboren, die dort angeblich betrieben wurden – wie auch an dutzenden anderen Standorten in der Ukraine, wie aus den Russland in die Hände gefallenen Dokumenten zweifelfrei hervorgeht. Auch unter Beteiligung des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr und des Fritz Löffler Instituts Greifswald, wie jetzt die Sprecherin des russischen Aussenminsteriums noch einmal herausgestellt hat.:


“Seit 2016 gilt als der größte ukrainische Partner des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr nach seinen eigenen Angaben das Institut für experimentelle und klinische Tiermedizin in Charkow. Das Zusammenwirken erfolgt im Rahmen des Projekts “Ukrainisch-deutsche Biosicherheitsinitiative für ein Zoonosen-Risikomanagement nahe der EUAußengrenze”. Da sein offizielles Ziel die “Verbesserung der Biosicherheitslage” in der Ukraine und “insbesondere im Osten des Landes” lautet, stellt sich eine rhetorische Frage, welche Grenze die deutschen militärische Biologen als Außengrenze für die Zone ihrer Berufsinteressen betrachten. Die russisch-ukrainische Grenze?”

Während die Ostseezeitung nach Hinweisen auf diese fragwürdige Forschung das ehrenwerte Löffler-Institut als Opfer russischer Propaganda sieht, scheinen sich die Russen 80 Jahre zurück versetzt zu fühlen, als dieses Institut waffenfähige Biokampfstoffe entwickelte:
“Ab 1942 entwickelte die Anstalt gemeinsam mit dem Heereswaffenamt einen Erreger, der Maul-und-Klauenseuche bei Rindern hervorrief. Dieser wurde auf einer Insel im Peipussee im Sommer 1943 erfolgreich getestet. Wenig später standen ein Flüssigpräparat und Trockenmaterial zur Verfügung. Dieses war bei einer Verdünnung von 1:10000 noch immer tödlich, wie Versuche an Rindern bewiesen. Großflächige Versuchsreihen waren 1944 vorgesehen, das Testgelände wurde jedoch von der Roten Armee kurz vorher eingenommen.”
Auch jetzt scheinen russische Streitkräfte gerade noch rechtzeitig gekommen zu sein, den deutschen militärischen Biologen das Handwerk zu legen. Die selbstverständlich nur in Sachen “Biosicherheit” und keinesfalls in “Biowaffen” unterwegs sind und nur sicherheitshalber in diskreten Einrichtungen an der russischen “EU-Außengrenze” operieren….
(wird fortgesetzt)

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Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)