Giftgaswochen bei McMedien – Ein Interview

Wenn Journalisten „gegen ein Volk oder bestimmte Volksgruppen hetzen oder zum Krieg treiben, muss das Strafgesetzbuch greifen“, sagt Autor Mathias Bröckers im Interview mit den NachDenkSeiten. „Die Art und Weise, wie Russland im Fall Skripal an den Pranger gestellt und beschuldigt wurde, ohne dass bis heute irgendein Beweis vorliegt, steht da meines Erachtens schon scharf an der Grenze zum Illegalen“, so Bröckers. Ein Interview unter anderem über die „Giftgaswochen bei McMedien“ und die zu befürchtende Berichterstattung zur Fussball-WM in Russland. Das Interview führte Marcus Klöckner.

Herr Bröckers, auf Ihrem Blog schreiben Sie gerade: Der Westen will Krieg. Auch die NachDenkSeiten verweisen immer wieder auf das Verhalten und die Manipulationen und Lügen in der aktuellen Politik. Sie beobachten die politischen Entwicklungen schon seit langem. Ist die Lage wirklich so schlimm?

Wenn man Trumps martialische Kriegserklärung auf Twitter – “Get ready, Russia” – liest und die Meldungen, dass amerikanische Flugzeugträger Richtung syrische Küste unterwegs sind, kann einem schon Angst und Bange werden, denn hier prallen zwei atomare Supermächte direkt aufeinander. Auch Großbritannien und Frankreich rasseln mit dem Säbel gegen Russland wie lange nicht mehr und Deutschland wollte sich, zumindest nach den ersten Aussagen seines neuen Außenministers, ebenfalls an möglichen militärischen Konfrontationen beteiligen. Da musste der Minister unseres Äußersten aber mittlerweile auf Anweisung seiner Chefin zurückrudern. Mir scheint die Lage sehr gefährlich. Denn die aktuelle Eskalation entwickelte sich ja nicht zufällig, sondern wurde mit der Giftgas-Affäre um den Agenten Skripal und seine Tochter und den angeblichen erneuten Gaseinsätzen in Syrien gezielt herbeigeführt.

Mittlerweile sprechen viele davon, dass die Lage noch schlimmer ist als zur Zeit des Kalten Krieges.

In der heißesten Phase des Kalten Kriegs, während der Kuba-Krise im Oktober 1962, saß mit John F. Kennedy ein besonnener Präsident im Weißen Haus, der hinter dem Rücken seiner Generäle und Geheimdienste über einen geheimen “Back Channel” mit dem Sowjet-Führer Chruschtschow korrespondierte und so die Bombardierung und Invasion Kubas – die seine sämtlichen “Joint Chiefs” und die CIA vorschlugen – verhinderte. Zum Glück für Amerika und die Menschheit, denn die Sowjets hatten – was die Amerikaner nicht wussten – ihre auf Kuba stationierten Raketen mit Nuklearsprengköpfen ausgerüstet. Ein einzige auf eine Metropole der Ostküste hätte gereicht um ein Desaster und einen nuklearen Weltkrieg auszulösen. Heute regiert mit Trump das genaue Gegenteil eines besonnenen Staatsführers und es scheint eher so, als ob die Generäle ihren Präsidenten von Kurzschlusshandlungen abhalten müssen als umgekehrt. Insofern ist die Lage durchaus brisanter als damals.

Was halten Sie von der Berichterstattung hierzulande?
Friedensjournalismus oder Kriegstreiberei?

Journalisten müssen sich nicht für Abrüstung und Frieden einsetzen, ihr Job ist, so umfassend und objektiv zu berichten wie möglich. Wenn sie gegen ein Volk oder bestimmte Volksgruppen hetzen oder zum Krieg treiben, muss das Strafgesetzbuch greifen. Die Art und Weise, wie Russland im Fall Skripal an den Pranger gestellt und beschuldigt wurde, ohne dass bis heute irgendein Beweis vorliegt, steht da meines Erachtens schon scharf an der Grenze zum Illegalen. Das sieht im Übrigen auch der Merkel-Vertraute und promovierte Jurist Norbert Röttgen so, wenn er behauptet es sei ” wirklich Unsinn”, die “Unschuldsvermutung auf die internationale Ebene zu übertragen.” Soviel Ignoranz gegenüber dem Völkerrecht und internationalem Rechtsverständnis muss man erst mal haben – aber solche Hemmungslosigkeit entspricht durchaus dem Tenor, in dem die Leitmedien in Sachen Giftgas berichteten. Wie die NachDenkSeiten und andere dokumentiert haben, wurden Fake News am laufenden Band produziert – wo “in dubio pro reo”, also im Zweifel für den Angeklagten, als Unsinn gilt, geht eben auch jede journalistische Sorgfaltspflicht über Bord.

Wie kommt es zu diesem Journalismus? Es ist ja nicht so, dass die Redaktionen nicht wüssten, wie man sauber arbeitet.

Es ist Rudelverhalten. Wenn ein paar Leitwölfe losheulen kläfft die Meute einfach mit. Es sind ja nur noch eine Handvoll internationaler Konzerne, unter denen die großen Nachrichtenagenturen, Sender und Zeitungen operieren und die geben den Kammerton vor. Was da dann aus dem Ticker kommt gilt grundsätzlich als “seriös” und wird nachgebetet, selbst wenn es sich dabei – wie in dem geleakten Papier, mit dem die britische Regierung im Fall Skripal die EU-Außenminister von einer Diplomaten-Ausweisung überzeugten – überhaupt nicht um solide Informationen handelt, sondern um eine lupenreine Verschwörungstheorie. Eine Kette aus Indizien, Vermutungen, Behauptungen und Verdächtigungen, aber nicht die Spur eines Beweises für die Herkunft der Tatwaffe und gar die des Täters. Dass ein solches nur aus Behauptungen bestehendes Sündenregister für einen Urteilsspruch ausreicht und eine große diplomatische Krise heraufzubeschwören kann, ist erschreckend.

Um zu zeigen, wie “Fake News” und “Verschwörungstheorien” funktionieren, wenn sie von höchster Stelle verlautbart und von den McMedien-Outlets konzertiert verbreitet werden, bieten die sechs geleakten Power-Point-Folien samt ihrer politischen Folgen einen hervorragenden Anschauungsunterricht. Und wer nicht glauben will, dass mit dreisten Unterstellungen so einfach Politik gemacht wird, der konnte sich von der “Zeit” belehren lassen: “Es braucht keine eindeutigen Beweise!”

Erstaunlich in einem einst für den liberalen Rechtsstaat stehenden Blatt, aber wenn’s gegen den Richtigen geht, sind rechtsstaatliche Normen offenbar zweitrangig.

Was bedeutet das denn für die Mediennutzer?

Nichts Gutes. Und mit Räuberpistolen wie der Skripal-Nummer, bei der letztlich zwei Meerschweinchen und ein verendeter Kater als einzige Toten zu beklagen sind, verspielen Medien und Politik das ohnehin schon stark angeknackste Vertrauen immer weiter. Nicht weil soziale Medien oder russische Trolle dazwischen funken, sondern weil von oben systematisch desinformiert und gelogen wird. Da sich die Muster dabei aber wiederholen, merken das immer mehr Leute. Die “Giftgaswochen bei McMedien” wie ich die an “Los Wochos” bei McDoof erinnernde Kampagne genannt habe, sind da einmal mehr eine deutliche Lektion. Nachdem in England aus der Skripal Geschichte keine Funken mehr zu schlagen waren, wird termingerecht ein angeblicher Giftgaseinsatz in Syrien gemeldet.

Und von den britischen “White Helmets” mit Kinderbildern untermalt und der syrischen Armee in die Schuhe geschoben – was einmal mehr die Verlautbarung von allgemeinem Entsetzen über das “Animal Assad” (Trump) und dann weitere Bombenangriffe ermöglicht. Ob und von wem Gas eingesetzt wurde, ist ungeklärt, auch hier reichen Behauptungen, Vermutungen, Beschuldigungen – Fake News. Wie beim “Hufeisenplan” vor dem Angriff auf Jugoslawien, wie bei dem Angriff auf den Irak, auf Libyen. Nach den jüngsten Bombardements hat Russland nun Konsequenzen angekündigt und man kann nur hoffen, dass die Russen vernünftig bleiben und nicht etwa auf die Idee kommen, ein US-Kriegsschiff im Mittelmeer zu versenken.

Stichwort Fußballweltmeisterschaft in Russland und Medienberichterstattung. Was sind Ihre Erwartungen oder: Befürchtungen?

Rein sportlich sollte das deutsche Team mindestens ins Halbfinale kommen. Wenn ein paar Politiker einen Besuch der WM betont auffällig boykottieren wollen, stört das weder die Spieler noch die Fans, im Gegenteil. Selbst wenn der Trump-Verschnitt im britischen Außenamt, Boris Johnson, der die WM mit der Olympiade 1936 verglichen hat, seine Kicker zum Boykott zwingen könnte, wäre das kein großer Schaden, denn England hat außer dem Titel durch ein Fake-Tor 1966 bei einer WM noch nie was gerissen. Dann könnten Italien oder Holland nachrücken, die für mich als Fan bei so einem Turnier eigentlich dazugehören.

Zu befürchten ist nun, dass man sich auf Nervengift in mindestens jeder zweiten Reportage einstellen muss. Denn natürlich sollen die Zuschauer von unseren Öffentlich-Rechtlichen Kanälen bei all dem schönen Fußball ja auch über die “Hintergründe” im Gastgeberland informiert werden – und da eignen sich die 20 Millionen Russen, die von Hitlers Armeen im 2. Weltkrieg ermordet wurden natürlich weniger als ein pensionierter Doppel-Agent, der “wahrscheinlich”, “ganz bestimmt”, “ziemlich sicher” von Adolfs aktuellem Nachfolger ganz persönlich um die Ecke gebracht werden sollte.

Beim Confed-Cup im letzten Jahr war das Russen-Bashing einiger Reporter und Kommentatoren manchmal schon sehr penetrant, da scheint nach den aktuellen Zuspitzungen noch heiße Luft nach oben. Dass sich die Spieler danach in einem offenen Brief bei ihren Gastgebern und dem russischen Publikum für den herzlichen Empfang und die perfekte Organisation bedankten, zeigt, dass es auch anders geht. Und gäbe es statt transatlantischer Scharfmacherei in Deutschland noch eine friedensfördernde Ostpolitik, könnten solche Sportereignisse auch diplomatisch genutzt werden. Doch Bundeswehr und Nato wollen aufrüsten, da ist ein Großfeind einfach unverzichtbar.

 

Atemlos in Douma

Robert Fisk in Douma, Foto: The Independent

Der legendäre Nah-Ost-Reporter Robert Fisk,  in Großbritannien als Auslandskorrespondent des Jahres mehrfach ausgezeichnet, ist auf eigene Faust nach Douma gereist, um die Wahrheit über den angeblichen Giftgasanschlag herauszufinden. Er suchte das unteriridsche Krankenhaus auf, aus dem die Videos von Kindern mit Sauerstoffmasken stammten, die von den “White Helmets” als Beleg für einen Chemiewaffenangriff in die Welt gesetzt wurden. Als erster Journalist überhaupt sprach Fisk mit dem Leiter der Klinik, Dr. Rahaibani:

“I was with my family in the basement of my home three hundred metres from here on the night but all the doctors know what happened. There was a lot of shelling [by government forces] and aircraft were always over Douma at night – but on this night, there was wind and huge dust clouds began to come into the basements and cellars where people lived. People began to arrive here suffering from hypoxia, oxygen loss. Then someone at the door, a “White Helmet”, shouted “Gas!”, and a panic began. People started throwing water over each other. Yes, the video was filmed here, it is genuine, but what you see are people suffering from hypoxia – not gas poisoning.”

Also: Aufgrund starker Winde wehten in der Nacht zum 8. April aus den Trümmern der seit langem bombardierten Stadt Staubwolken in die Keller und Unterstände der Bevölkerung und die Menschen kamen zur Klinik, weil sie an Atemnot litten. Nicht an Gasvergiftung. Bis ein “White Helmet” an der Tür “Gas” schrie und eine Panik auslöste, sodass die Patienten sich mit Wasser übergossen. Diese Bilder zusammen mit der Behauptung, es handele sich um Giftgasopfer, wurden dann von den McMedien-Outlets weltweit verbreitet und dienten Trump, May und Macron als Begründung für den Bombenangriffe vom Wochenende.
Es scheint, als könnten wir der bekannten Kategorie der “False Flag”- Operation eine neue Art, die “Fake False Flag”, hinzufügen, was immerhin den Vorteil hat, dass niemand wirklich vergiftet werden muss, um anderen einen Gifteinsatz in die Schuhe zu schieben. Im Zeitalter der Fake News reicht das völlig aus, weil ohnehin niemand mehr recherchiert und die journalistischen Laptop-Bomber zum Angriff blasen wenn es befohlen wird.  Jetzt dürfen wir gespannt sein, wie sie aus der sicheren Deckung ihres Schreibtischs auf diese Enthüllungen reagieren und “Experten” aus geheizten Amtsstuben und luxuriösen Think-Tanks auffahren, um diese Vor-Ort-Recherchen zu widerlegen. Die Giftgas-Wochen bei McMedien gehen in eine neue Runde….

Auch auf Rubikon erschienen

Rote Linien

Cartoon: Steve Bell, Guardian

Als „Déjà-vu“ werden Situationen bezeichnet, von denen man glaubt, sie genau so schon einmal erlebt zu haben. Und ein solches Erlebnis konnte man am vergangenen Wochenende haben, als die Nachrichten von den Bombenangriffen auf Syrien eintrafen. Blenden wir kurz fünf Jahre zurück:

Im August 2013 stehen die Truppen der USA, Englands und Frankreichs kurz davor, mit Bombardements in den syrischen Konflikt einzugreifen, weil nach mehreren Giftgaseinsätzen, die der Assad-Regierung zugeschrieben wurden, laut Präsident Obama eine »rote Linie« überschritten war. Nachdem am 21. August in der Stadt Ghuta erneut mehrere hundert Zivilisten durch den Einsatz chemischer Waffen ums Leben gekommen waren, setzte Obama den Termin des Bombenangriffs auf den 2. September fest, England verlegte ein U-Boot und Kampfflugzeuge nach Zypern, eine Staffel der französische Luftwaffe wurde in Bereitschaft versetzt. Ohne Frage wäre es zu diesem Angriff auf Damaskus gekommen – der US-Präsident hatte ihn sogar schon öffentlich angekündigt. Dass er im letzten Moment abgewendet wurde, verdankte sich einem russischen Agenten, der dem britischen Geheimdienst MI-6 ein Muster des in Ghuta verwendeten Giftgases zukommen ließ – samt eines vertrauenswürdigen Belegs, dass dieses nicht aus russischen Beständen stammte und daher auch nicht im Arsenal von Assad gewesen sein konnte. Nachdem die Chemiker des MI-6 dies geprüft hatten, funkten sie eilig nach Washington: »Wir wurden reingelegt!«

Wie dies geschah, deckte der investigative Reporter Seymour Hersh dann einige Monate später auf: In einer klassischen »False-Flag-Operation« hatten die »Rebellen« selbst das Giftgas eingesetzt. Die Kampfstoffe stammten aus der Türkei und waren auf der von der CIA eingerichteten »Rattenlinie« zur Versorgung der Aufständischen nach Syrien gebracht worden. Mit dem von der Türkei, Katar und Saudi-Arabien ausgeheckten Plot sollten die Großmächte in den Konflikt hineingezogen werden, was Russland verhinderte und danach einen Deal mit Assad aushandelte, sämtliche syrischen Chemiewaffen zu vernichten – was unter Aufsicht der zuständigen UN-Kommissionen auch geschah.

Doch das Auffliegen der Geschichte und die Beweise, dass 2013 nicht der »Schlächter« Assad Chemiewaffen einsetzte, sondern die vom Westen eingeschleusten islamistischen Söldner, änderte rein gar nichts – und im Frühjahr 2018 kommt es zum „Déjà-vu“, und wieder ist dauernd von „roten Linien“ die Rede:

  • am 4.März werden Sergey und Julia Skripal in England angeblich mit einem Nervengift angegriffen
  • am 6. März macht Englands Außenminister Johnson Russland dafür verantwortlich
  • am 7. März kommt der saudische Kronprinz Bin Salman zu einem offiziellen Besuch nach London
  • am 13. März berichtet der russische Generalstab, dass aus Syrien Geheimdiensterkenntnisse über die Vorbereitungen zu einem Chemiewaffen-Anschlag vorliegen, die eine Begründung für Bombenangriffe auf Damaskus liefern sollen
  • am 19. März ist der saudische Kronprinz Bin Salman auf Staatsbesuch in Washington
  • am 8. April trifft Bin Salman zu einem offiziellen Besuch in Paris ein
  • am 9. April behauptet die von den Saudis finanzierte Dschihadisten-Truppe „Jaish al Islam“ und ihre von England finanzierte Sanitäter-Truppe, die “White Helmets“, dass in ihrer Enklave in Duma ein Chemiewaffenangriff der syrischen Armee stattgefunden habe.
  • am 11. April bekundet Saudi Arabien Unterstützung für einen Angriff auf Syrien. Trump twittert vom „Animal Assad“
  • am 12. April trifft eine Delegation der internationalen Chemiewaffenkontrollbehörde, der untersuchen soll, ob ein Giftgasangriff in Duma stattgefunden hat. Doch noch bevor sie ihre Untersuchung aufnehmen kann wird Syrien
  • am 14. April mit über 100 amerikanischen, britischen und französischen Raketen bombardiert.

Die deutsche Regierung stellt sich – wie 2013 – auf die Seite der Angreifer, Angela Merkel begrüßte, dass sie „Verantwortung“ übernommen hätten. Verantwortung für was, fragt man sich – denn dieser Angriff ohne Rechtsgrundlage und ohne UN-Mandat war nichts anderes als ein völkerrechtswidriges Kriegsverbrechen. DAS ist die rote Linie, die mit diesem Angriff überschritten wurde – wie schon im Irak, wie schon in Libyen und fast überall, wo der US-Hegemon seit Jahrzehnten seine Bomben abwirft… oder wie in Vietnam vor 50 Jahren flächendeckend Chemiewaffen einsetzt, oder sie an den noch verbündeten Saddam Hussein lieferte, der sie gegen den Iran nutzte. »Rote Linien«, so können wir nach dem letzten Wochenende lernen, gelten immer nur für eine Seite: Wir, die Guten, dürfen alles, weil wir für »Freiheit« und »Menschenrechte« unterwegs sind. Wir bekämpfen den Terror“, wir beseitigen »Diktatoren« und sind ganz strikt und humanitär natürlich gegen „Giftgas“. Sofern wir es nicht gerade selbst einsetzen…

Auch als Podcast auf KenFM

Der Westen will Krieg

“Diese Blechköpfe haben einen großen Vorteil. Wenn wir auf sie hören und tun, was sie wollen, ist hinterher niemand von uns mehr am Leben, um ihnen zu sagen, dass sie falsch lagen”, sagte John F. Kennedy zu seinem Berater O’Donell, als sie im Oktober 1962 eine Sitzung mit dem Generalstab verliessen, in der sich die Militärs und fast alle seiner Kabinettsmitglieder außer John McNamara und Robert Kennedy für einen sofortigen Angriff auf Kuba ausgesprochen hatten. Um einen Krieg zu verhindern, sah JFK nur noch die Möglichkeit, eine letzte Opiton zu nutzen, von denen weder die Militärs noch die Geheimdienste und sein Kabinett zu dieser Zeit wussten: seinen geheimen »Back Channel« mit dem Partei- und Regierungschef auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs, den Kontakt mit Nikita Chruschtschow.

Vermittelt über seinen Bruder und einen in Washington stationierten russischen Journalisten hatte Kennedy kurz zuvor einen Briefwechsel mit dem Kremlchef begonnen, und dieser erst 1993 im Rahmen des Freedom Of Information Act an die Öffentlichkeit gekommene Austausch wirft ein faszinierendes Licht nicht nur auf die aktuelle Krise im Oktober 1962, sondern auch auf die Rolle, die Persönlichkeiten an den Schaltstellen der Macht in entscheidenden Momenten spielen können. Denn auch Chruschtschow fühlte sich umringt von säbelrasselnden Generälen, die von politischen und diplomatischen Problemlösungen wenig und von massiven militärischen Aktionen umso mehr hielten. So sahen sich beide Staatsmänner genötigt, diskret hinter dem Rücken ihrer Beraterstäbe direkte Verhandlungen miteinander aufzunehmen. Zu welcher Katastrophe es ohne diese beiden um Frieden bemühten Führer im Herbst 1962 hätte kommen können, wurde erst 40 Jahre später bei einer historischen Konferenz in Havanna wirklich klar, als die teilnehmenden ehemaligen Mitglieder der Kennedy-Regierung erfuhren, dass damals nicht nur 12000 russische Truppen auf Kuba stationiert waren, wie die CIA angenommen hatte, sondern insgesamt 40000 – und diese nicht nur mit Mittelstreckenraketen, sondern auch mit nuklearen Sprengköpfen ausgerüstet waren. »Robert McNamara fiel fast vom Stuhl«, schreibt Arthur Schlesinger über diese Konferenz, »als der damalige Chef des Kontingents der Roten Armee auf Kuba das plötzlich enthüllte. … Damit hätten wir niemals gerechnet.«

Diese Szene – aus meinem Buch “JFK-Staatsstreich in Amerika” – fiel mir ein, als ich eben Donald Trumps Kriegserklärung las – und fast alle Hoffnung fahren lassen musste, dass sich ein Krieg  noch vermeiden läßt. Der Westen will unbedingt Krieg und wird ihn bekommen. Die Optionen der Angreifer listet der russisch-amerikanische Militäranalyst The Saker wie folgt:

1) A repeat of last year’s attack on the Syrian Air Force base in Shayrat. That would be by far the best option and that would allow the Neocons a face-saving, even if entirely symbolic, “look how tough we are” option. They might as well strike the same T4 base the Israelis did a few days ago, just with more missiles. And, just to make this look all very “democratic” they might ask the French, Brits or Israelis to participate in that attack.

2) It is too late, militarily speaking, to try to reverse the situation on the ground, but hitting more Syrian Air Force bases, communication nodes, air defenses, etc. is definitely an option. Following such an attack, the US allies on the ground (the “good” and the “bad” terrorists) would go on the offensive and the Syrians and their allies would struggle to “plug the holes” thus created. That would not fundamentally change the outcome, but would prolong the chaos and associated bloodbath.

3) Attack the Iranians. This is a grand favorite with the Israelis and the Neocons, but it is also a much riskier option because if the attack is successful, the Iranians would have a huge number of potential US targets to chose from to retaliate, as would Hezbollah. Still, that would placate the Iran-haters, at least temporarily, and it would allow Trump to show how “tough” and “great” a guy he is.

4) A full scale attack on the Syrian military and on the government (including Presidential facilities). We are talking about hundreds of cruise missiles in the first wave. Targets would include not only purely military targets (ammo dumps, troop concentrations, etc.) but also the “regime support infrastructure”, i.e. civilians and that which makes civilian life possible: power plants, water purification, communications, bridges, roads, ports, schools and hospitals (“camouflaged regime objectives”) etc. Basically, that is what the US/EU/NATO did to Serbia and what the Israelis have done many times to Lebanon: murder as many civilians as possible to make them pay for supporting the “Animal Assad”. A time honored Anglo and Jewish tradition, by the way.

5) A deliberate attack on Russian and Iranian positions in Syria to “punish” them for supporting “Animal Assad’s” chemical attacks.

Of course, a combination of the options above are possible. Roughly speaking options 1, 2 and 3 might (conditional) remain manageable. Only option 1 is (relatively) safe. Options 4 and 5 are absolutely insane and are likely to result in an extremely dangerous escalation.

Wir werden sehen – falls wir noch da sind, wenn die beiden atomaren Supermächte wirklich aneinander geraten. Dass der Geduldsfaden des einzigen noch  vernünftigen Staatsmanns in diesem Konflikt – Wladimir Putin – nicht reißt, kann man nur hoffen. Denn wenn er die lahmen Enten der US-Flotte, die Marsch auf die syrische Küste genommen haben, mit  seinen neuartigen Hyperschallwaffen in Nullkommanix versenkt, ist die Hölle los: “But just in case, you may want to grab your popcorn… and if you live near a military installation, you may not need a microwave.”

False Flag mit deutschem Giftgas ?

 

( UPDATE: Dieser Artikel wurde von Facebook als “Spam” bewertet kann dort nicht mehr platziert werden. Möglicherweise ist dafür das Foto verantwortlich, das aus dem verlinkten Beitrag von “VeteransToday”  stammt, denn die darauf gezeigten Chlorgas-Kartuschen sind schon sehr alt (mit 4-stelliger deutscher Postleitzahl). Ob das der Grund ist wurde mir aber nicht mitgeteilt, deshalb weiß ich nicht, inwieweit hier die FB-“Fake News”-Zensoren zugeschlagen haben oder nicht…)

Die Giftgaswochen bei McMedien haben eine neue Wende genommen. Harte Zeiten für den britischen MI-6 und seine Schlapphut-Brigaden. Nachdem aus der Skripal-Inszenierung mit zwei toten Meerschweinchen und einem verendeten Kater in Salisbury kein Funke mehr zu schlagen ist, mußte jetzt der MI-6-Ableger “White Helmets” übernehmen und Giftgasalarm im syrischen Ghuta ausrufen. Der ist von unabhängiger Seite zwar nicht bestätigt und UN-Organisationen vor Ort haben keine Beweise dafür gefunden – aber das war schon im letzten Jahr und den vorausgegangenen Gaseinsätzen so. Die McMedien-Outlets verdammten den “Schlächter Assad” – und wurden sehr kleinlaut, als später herauskam, dass die “moderate Rebellen” genannten Al Qaida-Söldner des Westens das Gas eingesetzt hatten. Dieses Mal ist das von vorneherein klar, denn es war dem syrischen Militär schon vor Wochen aufgefallen, dass in einem Trainingscamp  islamistische “Rebellen” von westlichen Instrukteuren im Gebrauch von Gaswaffen angelernt wurden.  Sie stammen aus deutscher und britischer Produktion und wurden beim Vorrücken auf Ghuta  jetzt entdeckt.

Dass die syrischen Truppen, die mit Hilfe Russlands und Irans den Krieg so gut wie gewonnen haben, jetzt zur Vertreibung der letzten islamistischen Söldner  Giftgas eingesetzt haben sollen, entbehrt jeder Logik, genau wie schon die Behauptung, die Russen hätten einen Ex-Agenten, den sie zuvor sechs Jahre im Gefängnis hatten, jetzt öffentlichkeitswirksam auf diese Weise beseitigen wollen.

Der ehemalige britische Botschafter Craig Murray schreibt dazu:

“In diesem seltsamen Krieg, in dem von den Saudis finanzierte Kopfabschneider-Dschihadisten israelische Luftunterstützung und militärische „Berater“ aus Großbritannien und den USA an die Seite gestellt bekommen, attackiert die Syrische Armee angeblich immer dann militärisch völlig unbegründet Kinder mit chemischen Waffen, wenn sie kurz davor ist, eine wichtige Enklave der Dschihadisten zu einzunehmen — und zwar im allerletzten Moment, wenn der Sieg zum Greifen nah ist.
Dieses Narrativ hat man uns immer und immer wieder vorgesetzt. Dann erleben wir eine Propaganda-Attacke durch neokonservative Politiker, Think Tanks und „Hilfsorganisationen“, die einen Bomben- und Raketenhagel aus dem Westen fordern. Und wenn wir uns dem verweigern, wirft man uns Gefühllosigkeit gegenüber leidenden Kindern vor. Und das, wo wir doch wissen, dass Militärinterventionen des Westens in Afghanistan, dem Irak und Libyen bis zum heutigen Tage vollkommen desaströse Folgen haben.”

Diese Propaganda-Attacke läuft derzeit auf Hochtouren. Donald Trump, der vom “animal Assad” getwittert hatte, hat eine geplante Südmerikareise gecancelt ” to oversee the American response to Syria”. Dass er vor kurzem noch den Rückzug der US-Truppen aus Syrien angekündigt hatte und dann prompt wieder mit Giftgas eine neuerliche Überschreitung der “roten Linie” gezogen wird, ist kein Zufall – und deutet einmal mehr auf den internen Konflikt zwischen Trump und der Neocon-Kriegspartei. Beim letzten Mal lies Donald 42  Raketen auf einen militärisch unwichtigen syrischen Flugplatz feuern und wurde für diese “Antwort” von der “New York Times” dann – erstmals überhaupt –  gelobt. Dieses Mal  wird er es  nicht so einfach haben, Lob von der falschen Seite einzuheimsen. Russland hat angekündigt, bei weiteren Attacken auf Syrien zurückzuschlagen und bei aller souveränen Zurückhaltung, die Putin in diesem Krieg bisher gezeigt hat, sollte diese Warnung ernst genommen werden. Wenn die russischen Truppen – die einzigen, die sich völkerrechtlich legal in Syrien aufhalten ! – zum Beispiel mit ihren neuen Hyperschall-Raketen mal kurz einen US-Flugzeugträger im Mittelmeer versenken, liegt ein Weltkrieg in der Luft. Und dass USA und Nato einen solchen Krieg gewinnen, können nur Wahnsinnige glauben.  Dass sich aber nach den großartigen Militärerfolgen in Afghanistan, Irak und Libyen die Leichenproduktion ins Unermeßliche steigern läßt, das ist sicher.

Martin Luther King und der Staatsstreich in Amerika

Vor 50 Jahren, am 4. April 1968, wurde Martin Luther King ermordet, der angebliche Einzeltäter, James Earl Ray, wurde zwei Monate später gefasst und bekannte sich  auf Anraten seines Pflichtverteidigers schuldig, um die Todesstrafe zu vermeiden. Schon wenige Tage später widerrief er das Geständnis und versuchte bis zu seinem Tod im Gefängnis 1998 vergeblich, ein Wiederaufnahmeverfahren zu erreichen. Das gelang aber 1999 der Familie Kings mit einer symbolischen Entschädigungsklage vor einem Zivilgericht, in dem 70 Zeugen unter Eid aussagten und 4000 Seiten Transkripte eingebracht wurden. In “JFK- Staatsstreich in Amerika” habe ich außer der Ermordung John. F.Kennedys auch die von Martin Luther King und Robert Kennedys im Juni 1968 untersucht, denn nach der Tötung des Reformers JFK war der “Staatsstreich” erst komplett, nachdem auch sein Bruder und sicherer Nachfolger RFK und der charismatische Bürgerrechtler MLK erledigt waren. Hier ein Auszug:

“Nach nur 59 Minuten kam die Jury in dem Zivilverfahren zu ihrem Urteil: Sie sprach der Familie King  die verlangten 100 Dollar Entschädigung zu und stellte fest, dass Martin Luther King einer »Verschwörung unter Beteiligung von Regierungsbehörden« zum Opfer gefallen ist.

Die Dokumente und beeideten Aussagen dieses Verfahrens liegen vor und lassen keine Zweifel mehr zu, dass der eindeutige Spruch dieser Jury gerechtfertigt und auch der Mord an Martin Luther King eine Staatsaktion war. Nicht erst seit dem von ihm 1963 organisierten Marsch auf Washington, bei dem er vor Hundertausenden Menschen seine berühmte »I have a dream«-Rede hielt, war der Pastor und Bürgerrechtsadvokat zu einer Obsession des Establishments in Washington und namentlich des FBI-Direktors Hoover geworden – zum Staatsfeind Nr. 1. Seit 1961 hatte das FBI King auf Schritt und Tritt beschattet, seine Telefone abgehört, die Post und seine Kontakte überwacht und ihn – Hoovers Spezialität – bei außerehelichen Intimitäten abgehört. Robert Kennedy als Justizminister hatte diese Überwachung anfangs abgesegnet, weil in Kings Stab einige Mitglieder der kommunistischen Partei arbeiteten. Paralysiert vom Mord an seinem Bruder kümmerte er sich danach aber nicht mehr um die FBI-Wanzen und hätte sicher nicht akzeptiert, dass Hoover King weiterhin rund um die Uhr abhörte – und schon gar nicht, was er mit den Aufzeichnungen anstellte. Einen Monat vor der Verleihung des Friedensnobelpreises an King im Dezember 1964 ließ der FBI-Direktor eines dieser Tonbänder an Kings Büro schicken, mit einer Empfehlung, Selbstmord zu begehen: »Es gibt nur einen Ausweg für dich. Du hast noch 34 Tage Zeit. Du wählst ihn besser, bevor dein schmutziges, abnormales, betrügerisches Selbst vor der Nation ausgebreitet wird.«
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Herzland, Weltinsel und die “Novichok”-Saga

Wer die “Pivot Area”, den Drehpunkt beherrscht, beherrscht die Welt

In der aktuellen Ausgabe von “Lettre International” (No.120/Frühjahr 2018)  ist erstmals auf Deutsch der Aufsatz „Der geographische Drehpunkt der Geschichte“ erschienen, den der britische Geograph und Direktor der “London School of Economics” 1904 veröffentlichte, der Schlüsseltext seiner geopolitischen “Heartland”-Theorie. Wer dieses Herzland, das Zentrum des eurasischen Kontinents beherrscht, beherrscht die Welt, so Mackinders These, und da durch die kommenden Technologien der Eisenbahnen und des Automobils der Handel und Wandel zwischen Europa und Asien unausweichlich sei, wäre das auf seiner Seeherrschaft beruhende britische Weltreich chancenlos, vor allem wenn das rohstoffreiche Russland mit dem industriestarken Deutschland zusammenwachse. »Wer Osteuropa regiert, beherrscht das Heartland; wer das Heartland regiert, beherrscht die Weltinsel; wer die Weltinsel regiert, beherrscht die Welt.«, brachte Mackinder seine Theorie 1919 auf den Punkt, nachdem er zuvor noch erfolglos versucht hatte, die Weiße Armee des Zaren gegen die von Deutschland finanzierten Bolschewiken Lenins aufzurüsten.

In “Wir sind die Guten” habe ich ausführlich über die Bedeutung dieses Grundlagentextes der westlichen Geopolitik und die Linien geschrieben, die sich von dort aus über Hitlers Geostrategen Karl Haushofer zu Zbiginew “Zbig To Jail” Brzezinski und die aktuelle Politik des US-Imperiums ziehen, das pünktlich 110 Jahre nach Mackinders Vortrag – und nicht zufällig an einem zentralen Achsenpunkt des “Heartlands” –  einen Putsch in der Ukraine inszenierte. Über die Aktualität Mackinders schreibt in “Lettre” jetzt auch der Historiker Alfred McCoy,  dessen eminentes Grundlagenwerk “Die CIA und das Heroin -Weltpolitik durch Drogenhandel” für ein Verständnis der aktuellen internationalen Konflikte und Kriege unverzichtbar ist. Ebenso wie eine Kenntnis der Generalstrategie im “Great Game”, die auf Mackinder zurückgeht und im geopolitischen Match auf dem “eurasischen Schachbrett” (Brzezinski) nach wie vor auf der Agenda steht.
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“Nervengift!”, “Kampfstoffe!” Russen!”

Zeichnung: Steve Bell, Guardian

Weil der Abgeordnete der Linken, Dieter Dehm, bei einer Ostermarsch-Demo den amtierenden Außenminister als “gut gestylten Strichjungen der Nato” beschimpft hat, steht er jetzt heftig in der Kritik. Ich kann mich da nur anschließen, denn “gut gestylt” geht für das Maas-Männchen im Auswärtigen Amt zu weit. Ansonsten aber liegt Dehm schon ziemlich richtig, wobei Strichjungen ja in der Regel weniger aus Lust, sondern aus Not einem zahlenden Freier zu Diensten sind. Heiko Maas aber hat sich völlig ohne Not entschieden, dem windigen Fake-Dossier der britischen Regierung – laut A. Merkel eine “fundierte Analyse” –  Glauben zu schenken und mit der Ausweisung von Diplomaten eine internationale Krise anzuheizen. Mit dabei aus “Solidarität” mit den lügenden Briten auch der grüne Posterboy Cem Özedmir, der “unsere Werte gegen Russland verteidigen” will, sowie der grüne Europa-Abgeordnete Sven Giegold, der den EU-Staaten, die bei der konzertierten Ausweisungs-Operation nicht mitzogen, die Unterwanderung durch russisches Schwarzgeld unterstellt. Dass sie einfach nur lesen konnten und aufgrund reiner Verdachtsberichterstattung keine Vorverurteilung treffen wollten – von derlei gesundem Menschenverstand sind diese ganz auf Nato-Linie (oder -Strich) marschierenden Olivgrünen mittlerweile weit entfernt.

Zu den Hinweisen, dass die internationale Chemiewaffenkontrollebhörde OPCW keinen Nachweis über die konkrete Herkunft des verwendeten Gifts erbringen wird und die britische Regierung lügt, wenn sie behauptet diese zu kennen, hatte ich im Zuge der Giftgaswochen bei McMedien ( hier, hier und hier) schon einiges geschrieben. Beides ist nun bestätigt – das Herkunftsland der “Tatwaffe” Novichok kann von der OPCW nicht ermittelt werden und das britische Außenministerium teilt mit, man hätte  nie gesagt,  dass es aus Russland stammt.  Dabei hatte der Trump-Epigone Boris Johnson genau das in mehreren Interviews “kategorisch” festgestellt. – und sein Ministerium hatte am 22.3. genau das getwittert (und die Peinlichkeit mittlerweile wieder gelöscht.)

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Falsche Flaggen – Von Anthrax bis Novichok

Lehrkräfte, Professoren, politische Bildungseinrichtungen… bitte mal kurz herhören:  im Zusammenhang mit dem vergifteten britisch-russischen Spion Skripal und seiner Tochter sind jetzt Dokumente aufgetaucht, die sich ganz hervorragend für das Medienkompetenz-Training von Studierenden eignen. Es handelt sich um die geleakten Papiere, mit denen die britische Regierung die europäischen Nationen erfolgreich überzeugte, sich an der Ausweisung russischer Diplomaten zu beteiligen.  Beweise werden auf den fünf Seiten des Briefings keine benannt – außer dass das Gift sehr wahrscheinlich von einem Typ sei, der in der Sowjetunion entwickelt wurde. In dem Papier heißt es allerdings, dass  dieser “Novichok” genannte Gifttyp “nur  von Russland” entwickelt worden sei.  Ein Hinweis darauf, dass die Formeln seit Jahrzehnten allgemein bekannt sind und im Prinzip jeder so ein Gift herstellen kann, legten die Briten ihren EU-Kollegen nicht vor. Stattdessen aber eine beeindruckende Seite, warum nur Russland als Täter in Frage kommt und dass dies eine – Zitat – “neue Phase der russischen Aggression” – bedeuten würde. Zwölf Schwerverbrechen werden dem Täter hier zur Last gelegt: von der Vergiftung Alexander Litvinenkos 2006 über die “Destabiliserung” der Ukraine 2014  und den Abschuss der MH-17 bis zur “Einflussnahme auf die US-Wahlen und den ominösen “Bundestagshack”.

Für keine dieser “Taten” liegen Beweise vor, die von einem Gericht oder einer internationalen Behörde geprüft  und anerkannt sind –  das  Vorstrafenregister ist somit komplett im Bereich der  Verdächtigung, Vermutung, sowie der üblen Nachrede anzusiedeln. Es handelt sich dabei um nichts anderes als Verschwörungstheorien, also Hypothesen, für die es Indizien und Spuren geben mag, aber eben keine Beweise. Doch reicht eine solche Litanei von Behauptungen  ganz offensichtlich aus, um die “Solidarität” anderer EU-Staaten einzufordern und eine internationale diplomatische Krise herauf zu beschwören.

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