Das Win-Win der Hanf-Legalisierung

Als ich 1994 mit Jack Herer in Deutschland auf Tour war, um unser auf Hanfpapier gedrucktes Buch “Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf” vorzustellen und im Anschluss Fragen beantworteten, wurde oft gefragt: “Wann wird die Legalisierung in Deutschland kommen?”. Meine Antwort: “Ich glaube nicht mehr in diesem Jahrtausend” stieß dann auf unverständiges Murren im Publikum: wo jetzt die unglaublichen Fakten über den universellen Nutzen dieser Pflanze vorliegen und die haarsträubenden Lügen, die zu ihrem Verbot führten schwarz auf weiss dokumentiert sind, muss doch die Prohibition sofort beendet werden. So dachten die Leute und selbstverständlich auch wir Autoren, die diese Informationen auf über 500 Seiten zusammengetragen hatten: ein Ende des schädlichen und schändlichen Verbots-Irrsinns war überfällig.

Mit der Antwort wollte ich keinen Pessismus verbreiten, sondern ein realistisches Bild: über die Trägheit der politischen Mühlen und die Tiefe, mit der  die Prohibtions-Propaganda über das “Mörderkraut Marihuana” nach wie vor im öffentlichen Bewusstsein verankert war. Ich war zum Beispiel damals mit einem der ersten Stapel Hanfpapier in die Greenpeace-Zentrale nach Hamburg gefahren, um ihnen für ihr Magazin einen Rohstoff zu empfehlen, der 4-5 Mal soviel Papier liefert wie ein gleichgroßer Wald. Die Öko-Aktivisten waren hellauf begeistert, doch sagten nach zwei Wochen wieder ab, sich an einer größeren Produktion zu beteiligen: man befürchtete einen Spendenrückgang, wenn man sich für Cannabis  einsetzt. Dasselbe hatte Jack Herer in  den USA erlebt und den Glauben an Greenpeace als ökologische Alternative verloren.

“Go medical” hatte er als Strategie geraten, als wir 1996 an seinem Infostand in Venice Flugblätter für die “Medical Marihuana”-Volksabstimmung in Kalifornien verteilten. In Deutschland war in diesem Jahr immerhin erreicht worden, dass Hanf (ohne rauschwirksames THC) wieder angebaut werden durfte und dass Tetra-Hydro-Cannabinol auch wieder in das offizielle Arzneibuch aufgenommen wurde. Mit dem Erfolg der kalifornischen “Medical Marihuana” Abstimmung fiel dann im Mutterland der Cannabis-Prohibition der erste Dominostein auf dem Weg der Rehabilitierung, Entkriminalisierung und Legalisierung der Hanfpflanze. In Deutschland erhielt ich unterdessen Anrufe von Ärzten: “Bei mir sitzen Leute im Wartezimmer mit ihrem Buch und wollen Cannabis verschrieben haben. Ich habe zufällig einen Doktor in Medizin  und in Pharmazie, aber davon noch nie gehört. Haben Sie sich das alles ausgedacht?”

Das hatten wir selbstverständlich nicht, sondern alle Quellen über das seit mehr als 10.000 Jahren verwendete Heilkraut dokumentiert, das mit der Prohibition aus den medizinischen Lehrbüchern verbannt und einer unwissenschaftlichen “Rauschgift”-Inquisition zum Opfer gefallen war. Bis mit der Entdeckung des körpereigenen Cannabinoid-System seit Mitte der 1990er Jahre klar wurde, warum Cannabis seit der Steinzeit überall auf der Welt als entkrampfende, entspannende Medizin genutzt wurde: ein eigens auf die Hanfwirkstoffe zugeschnittenes Netz von Cannabinoid-Rezeptoren ist im gesamten Körper und allen Organen verteilt. Und das nicht nur beim Menschen. Seit über 600 Millionen Jahren kommen körpereigene Cannabinoide außer bei Insekten in jedem lebenden höheren Tier über der Stufe von Polypen und Mollusken vor. Für das »Futtern und Füttern« spielt das Cannabinoidsystem eine zentrale Rolle, es hält die Körper im homöostatischen Gleichgewicht.  Seit diesen fundamentalen Entdeckungen eines endogenen  Cannabinoidsystems sind die jahrzehntelang ignorierten Hanfwirkstoffe mittlerweile stark in den Fokus der Pharmaforschung geraten. Denn die Chance, dass sich mit einigen der über 60 verschiedenen Cannabinoide, die von der Pflanze produziert werden, patentierbare Medikamente herstellen lassen, ist  groß; das Patent auf die Gesamtwirkung aber liegt bei Mutter Natur, die Pflanze wächst  in jedem Garten schneller als jedes Unkraut und liefert fast kostenlos ihre Medizin.

In Deutschland reagierte die Politik auf solche Entdeckungen, indem die rot-grüne Bundesregierung den Verkauf medizinischer Hanfsamen, die keinerlei rauschwirksame Substanz enthalten, 1998 unter Strafe stellte. Dass die Firma “HanfHaus” solche Samen dann als Vogelfutter “Hänfling” weiter anbot, brachte umgehend die Justiz in Furor und am Ende mir, als Geschäftsführer, 15 Monate auf Bewährung ein, nachdem die  Staatsanwaltschaft vorgerechnet hatte, wieviele Tonnen Marihuana mit dem nachgewiesenen Verkauf  von 50 Kilo Samen produziert werden könnten. In den USA beschloßen unterdessen weitere Bundesstaaten eine medizinische Legalisierung, während die von Bill Clinton vorangetriebene Privatisierung des Gefängniswesens, der “Prison Industrial Complex”, sich unter George W.Bush weiter mit Marihuana-Gefangenen füllte.  Seitdem haben zwar 22 US-Bundestsstaaten neben dem medizinischen auch “rekreationellen” Freizeitgebrauch legalisiert, doch noch immer betrifft die Mehrzahl aller Drogendelikte Marihuana, noch immer sind es in der Regel nur Konsumenten und Kleinhändler und noch immer  werden Farbige weit über proportional zum Opfer von Verhaftungen und Gefängnisstrafen.  
Auch in Deutschland benötigt der Repressionsapparat von Polizei und Justiz nach 50 Jahren “Krieg gegen Drogen” dringend eine neue Beschäfttigungstherapie: über 60 % aller geahndeten “Delikte” betreffen nach wie vor Cannabis, Kiffer sind das Fahndungsziel Nr 1. Nicht nur aus diesem Grund ist es begrüßenswert, dass sich die kommende Ampel-Koalition zu einer Reform der Cannabisgesetze entschließt, selbst wenn der vom Gegner zum Befürworter mutierte SPD-Spezialexperte Karl Lauterbach seinen Wandel mit Horror-Fakenews aus der Mottenkiste des Drogekriegs begründet :

“Immer häufiger wird dem illegal verkauften Straßencannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lässt. Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben.”

Als unser selbstverwaltetes Jugendzentrum auf dem Limburger Domfelsen 1971 vom alten SPD-Stadtrat Jacobi mit der Begründung geschlossen wurde: “Die fixe da das pure Hasch und rauche LSD!” gingen wir fest davon aus, dass die nächste Generation Politiker es besser wissen und machen wird. Mit SPD-Gesundheitsministerin Käthe Strobel in den 80ern wurde es dann aber nicht besser (Moneyquote: “Alkohol wird getrunken um in Stimmung zu kommen, während es den Haschern auf den Rausch ankommt!”), in den 90ern faselte Edmund Stoiber davon, dass Legalisierungsbefürworter  “den Tod tausender junger Menschen in Kauf nehmen.” Und jetzt erfindet der aufs Ministeramt scharfe Lauterbach Heroinraucher, um effektvoll vor Verunreinigungen von Schwarzmarktware zu warnen, die ein grundsätzliches Problem des illegalen Drogenmarkts insgesamt darstellen – und ein starkes Argument für eine regulierte Abgabe aller illegalisierten Substanzen. Weil Cannabis ein Naturprodukt ist und in Form von Blüten oder als Harz nicht so leicht zu “strecken” ist  kommen Beimischungen hier deutlich seltener vor wie bei Heroin oder Kokain. Neben Pestiziden und anderen Schadstoffen sind aber auch schon Beimischungen mit Blei (zur Gewichtserhöhung) und in den letzten Jahren mit synthetischen Cannabinoid-Derivaten aufgetaucht, mit denen verantwortlungslose Dealer ihr schlechtes Gras “pimpen”. Halten wir dem von Corona immer noch schwer traumatisierten Dr. Lauterbach also zu Gute, dass er hier nur mal wieder was verwechselt hat, aber immerhin mit dem richtigen Ziel: die Gesundheit der Konsumenten zu schützen. Es könnte also etwas werden mit der Legalisierung von Hanf. Aber wie?

In der Schweiz starten verschiedene Kantone im kommenden Jahr Pilotprojekte, bei denen unter wissenschaftlicher Begleitung der Verkauf von Marihuana und Haschisch über Apotheken und Social Clubs leaglisiert wird. Wer zum Beispiel in Zürich lebt, älter als 18 Jahre ist und schon einmal Cannabis konsumiert hat, kann sich bei “ZüriCan” registrieren dann im nächsten Sommer dort einkaufen.  In Basel, Bern und  anderen Städten werden ähnliche Projekte aufgelegt, wobei die zum Verkauf kommenden Produkte alle aus Bio-Anbau in der Schweiz stammen müssen. Damit ist dem Import ein Riegel vorgeschoben, was für die heimischen Konsumenten aber keine Nachteile bedeutet. Schon 1917, als wegen des Weltkriegs die Versorgung der Apotheken mit harzreichem “Ganja” aus Britisch-Indien und anderen exotischen Destinationen  unterbrochen war, hatte man diese Sorten in Deutschland angebaut und “die Hanfdroge aus eigener Züchtung für noch besser gehalten als die Sansibar-Ware”, wie eine Studie der “Versuchstation für offiizinellen Pflanzenbau” in Happing (Oberbayern) damals feststellte. Ein Jahrhundert später sind Züchtungen und Varietäten in kaum noch ermeßlicher Sortenvielfalt vorhanden und bringen auch im mitteleuropäischen Klima beste “Hanfdrogen” hervor.

Als unlängst bei einer Podiumsdiskussion zum Thema nach einem Ausblick auf die Zukunft gefragt wurde verwies ich auf historische Vorbilder: so wie früher jede kleine Stadt ihre eigene Brauerei hatte und aus lokalen Rohstoffen Bier herstellte, so wie sich regionale Winzer zu einer Genossenschaft zusammentun, die ihre Produkte verarbeitet und vertreibt, so braucht es in jeder Region und jeder Stadt eine Hanfgenossenschaft, die den Rohstoff für den lokalen Konsum anbaut und verarbeitet. Wir sollten also in einer künftigen Cannabis-Wirtschaft nicht erst gigantische Großkonzerne entstehen lassen bevor  dann lokales “Craft”-Bier wiederentdeckt wird, sondern den gesetzlichen Rahmen gleich auf regionale Genossenschaften zuschneiden. Würden diese dann noch dazu verpflichtet, ihre Gewinne aus dem Geschäft mit Hanfdrogen in den Aufbau einer lokalen Nutzhanfindustrie zu investieren, die Fasern für Papier oder Textilien oder Dämmstoffe oder Öl oder Lebensmittel gewinnt, wäre das ein “Green New Deal” , der den Namen wirklich verdient. Falls sich der alte Genossenschafts-Fan Olaf Scholz an seine Wurzeln noch irgendwie erinnert wäre er genau der Richtige,  als Chef der Ampel grünes Licht für eine solche “Hanf-Agenda 2030”  geben.

Aber auch wenn das nicht gleich geschieht, bleibt genug zu tun – mit den Aufräumarbeiten nach 50 Jahren Drogenkrieg gegen eine Pflanze. Als erster Schritt ist neben der Einstellung sämtlicher Strafverfahren auch die (Un-)Rechtspraxis zu beenden, mit Hilfe des Fahrerlaubnis- und Verwaltungsrechts Hanfkonsumenten zu jagen – durch  einen realistischen Gefahrengrenzwert für die Verkehrsteilnahme, der in Deutschland derzeit bei absurd niedrigen 1 ng (Nanogramm) THC im Blutserum liegt. In der Schweiz geht man davon aus, dass selbst Fahrer von Bussen und Bahnen noch unter 3 ng/THC sicher steuern können, in den USA stellt man sogar mit einem Grenzwert bis zu 10 ng noch keine Gefahr für die Verkehrsicherheit dar.
Ebenfalls realistische und bundesweit geltende Grenzwerte braucht es sodann für den Besitz und Anbau der Pflanze zum privaten Gebrauch, was nicht nur Polizei und Justiz von der Fahndung nach Grünzeug  auf Fensterbänken entlastet, sondern auch schon einen Großteil der Fragen um die Organisation eines regulierten Anbaus und Verkaufs erledigt. Denn es braucht nicht mehr als Erde, Wasser und Sonne um in 100 Tagen aus einem Samen 100, 200 oder mit grünem Daumen sogar 500 Gramm Blüten zu gewinnen. Oder eine 7, 30  Meter große Faserpflanze, wie sie jetzt in Kalifornien für das “Guiness Buch der Rekorde” angemeldet wurde.

“Mancher Schad ist nicht zu heilen durch die Kräuter aller Welt: Hanf hat viel verzweifelt Böses gut gemacht und abgestellt”, heißt es in einem Vers, den die Brüder Grimm in ihr “Deutsches Wörterbuch” aufgenommen haben. Er stammt aus dem  17. Jahrhundert, als das Hanfkraut nicht nur selbstverständlicher Bestandteil jeder Hausapotheke war, sondern wie in den Jahrtausenden zuvor und bis zur Prohibtion Mitte des 20. Jahrhunderts weltweit auch unverzichtbare Rohstoffe lieferte. Die auch für das 21. Jahrhundert unverzichtbar sind, weshalb neben dem überfälligen Ende der Strafverfolgung und der Rehabilitierung der einzigartigen medizinischen Qualitäten des Hanfs sein Comeback im Zeichen des Klimawandels ein absolutes Muss ist.

Jack Herers These aus unserem Buch, das mittlerweile in der 43. Auflage vorliegt, ist heute aktueller denn je:

Wenn wir, um unseren Planeten zu retten und den Treibhauseffekt umzukehren, künftig auf alle fossilen Brennstoffe und petrochemischen Produkte ebenso verzichten wollen wie auf die Abholzung unserer Wälder zur Gewinnung von Papier und landwirtschaftlichen Nutzflächen, dann gibt es nur eine Pflanze, die als nachwachsender Rohstoff in der Lage ist, den größten Teil an Papier, Textilien und Nahrungsmitteln sowie des privaten und industriellen Energieverbrauchs zu liefern, und die zugleich die Umweltverschmutzung eindämmt, die Böden verbessert und unsere Luft reinigt: Es ist ein alter Gefährte, der dies schon immer für uns getan hat: Cannabis – Hanf -Marihuana!

Mit dem oben skizzierten Modell von Hanfgenossenschaften in jeder Region, deren Lizenz zum Anbau und Verkauf  daran gebunden wird,  die Gewinne aus dem Marihuana-Geschäft  in den Aufbau einer Hanfverarbeitung zur Gewinnung von Fasern, Dämmstoffen, Lebensmitteln etc.pp. zu re-investieren,  ist eine solche Revolution leicht finanzierbar und machbar. Es ist das Win-Win der Hanf Legalisierung: eine vernünftige, schadensmindernde Drogenpolitik fördert eine uralte zukunftsträchtige Agrar-Innovation, die an Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit  schlicht unüberbietbar ist. Wenn  “Klimapolitik” nicht nur eine wohlfeile Parole der kommenden Regierung bleiben soll, muss ihr ins Pflichtenheft geschrieben werden, dass es  mit einem Cannabis-Reförmchen zur Entkriminalisierung des Kiffens nicht getan ist. Es geht um nicht weniger als eine Agrarrevolution,  eine Rohstoffwende,  die Rückkehr des Biorohstoffs Nr. 1. In den USA stellt dank Marihuana die Hanfbranche mit 170.000 Jobs schon mehr Arbeitsplätze als der Kohlebergbau und das Comeback der Nutzpflanze hat gerade erst begonnen: Cannabis ist die (CO2-negative!) Kohle des 21. Jahrhunderts. Wer ein Herz für Bergbau-Kumpels hat, durch ihre Ernte aber nicht weiter die Luft verpesten will, muss sie jetzt zu Hanfbau-Kumpels machen. Es gibt viel zu tun, Olaf, pflanzen wir’s an!

Jack Herer, Mathias Bröckers (Hrsg.), Katalyse-Institut:
“Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf”, 43. Auflage 2020 Nachtschatten Verlag, Solothurn Hardcover, 532 Seiten, 35,00 Euro

 

This Has Gotta Stop!

Wenn die Testemie gestoppt wird, verschwindet die “Pandemie” – und mit ihr die kranke Zweiklassengesellschaft von Geimpften und Ungeimpften.

Wenn die Geimpften die Gesunden weiter anstecken können sowie die Ungeimpften die Genesenen und vice versa – was haben wir dann? Doch offenbar nichts, was den Namen “Impfstoff” verdient, der zumindest nach landläufiger Meinung etwas mit Immunisierung zu tun hat. Sodass man als Geimpfter außer in seltenen Ausnahmefällen nichts mehr zu befürchten hat von einer Infektion.

Als Kinder wurden wir in den 1960er Jahren gegen Pocken geimpft und gegen Polio. Die komplette Schulklasse musste mit aufgekrempeltem Arm antreten bzw. ein Stück Würfelzucker mit dem Polio-Impfstoff schlucken. Es waren Pflichtimpfungen mit effektiven Vakzinen, die dazu führten, dass Pockenepidemien und Kinderlähmung fortan der Vergangenheit angehörten. Insofern bin ich kein “Impfgegner” und aus eigener Erfahrung auch kein grundsätzlicher Feind von Impflichten – sofern sie gegen gefährliche Krankheiten wirklich schützen. Aber das scheint bei den derzeitigen Covid-Vakzinen nicht der Fall zu sein, selbst vor “schweren Verläufen” bleiben Geimpfte nicht verschont, auch dann nicht, wenn sie wie beim “Impfweltmeister” Israel schon den dritten “Booster” bekommen haben.

Das eingangs zitierte Infektionskarussell mit Geimpften, Gesunden und Genesenen spricht nicht für eine funktionierende Wirksamkeit, was dann bedeuten würde, dass die Impferei möglicherweise mehr Schaden anrichtet als verhindert. Mit solchen Fragen bewegen wir uns freilich schon gefährlich auf das Terrain des unerlaubten Querdenkens hinaus, Zweifel am erlösenden Sakrament aus der Spritze gelten in der Schönen Neuen Post-Corona-Welt als Gedankenverbrechen und werden von den schwarzen Reitern der Silicon-Valley-Stasi gnadenlos verfolgt. Hören wir deshalb einen wirklichen Fachmann, Dr. Karl Lauterbach, der Anfang der Woche zwitscherte:

“Die sehr hohe Zahl Infizierter trotz Impfung zeigt, dass die Rückkehr zur Normalität zur sofortigen Infektion und Erkrankung der Ungeimpften mit Covid führen würde. Daher werden wir erst normal leben können, wenn Ungeimpfte geimpft oder infiziert wurden.”

Lesen Sie dieses Schmankerl zwei Mal und lassen es langsam auf der Zunge zergehen: Die Impfung hilft nicht gegen Infektionen, wegen der “sehr hohen Zahl” infizierter Geimpfter gibt`s Normalität aber erst wieder, wenn alle geimpft sind. Willkommen in der neuen Normalität des Pandemium Perpetuum Mobile, dem immerwährenden Infektions-Karussell und der dauerhaften PCR-Testemie, die Krankheiten feststellen kann, die gar nicht ausbrechen – und dann auch Impfungen verordnen, die gar nicht wirken müssen. Weil sie dem Schutz vor einer “Infektion” dienen, die 99,8 % aller Infizierten sowieso überleben und mit der gesunde Immunsysteme prima klarkommen.

Aber auch vor Hinweisen auf das Immunsystem sollte man sich hüten – als ich die Grafik hier auf Facebook gepostet hatte, kam als erster Kommentar: “Populistisch, spalterischer Schwachsinn!” In den Augen dieser Verängstigten ist es nicht die Regierung, die ihre Untertanen in erstklassige Geimpfte und zweitklassige Ungeimpfte spaltet, sondern diejenigen, die auf die hochgradige Fragwürdigkeit (und Rechtswidrigkeit) dieses Unterscheidungskriteriums hinweisen.

Wer Impfungen mit diesen experimentellen Stoffen aus welchen Gründen auch immer ablehnt und zum Schutz gegen Covid 19 lieber auf sein Immunsystem vertraut – ein solcher “Ungläubiger” – aka “Aluhuträger”, “Verschwörungstheoretiker”, “Covidiot” – hat unter dem ideologischen Regime der “Zeugen Coronas” derzeit so wenig zu lachen wie eine Gleichstellungsbeauftragte bei den “Taliban”. Als der Kollege Dirk Pohlmann bei einem Vortrag neulich eine Cartoon-Parodie der schlauen Lisa Simpson zitierte – “The same people that took 20 years to replace the Taliban with the Taliban are now fighting a war with Covid” – wollten empörte Zuschauer sofort den Saal verlassen. Witze sind in der Kirche der Angst nicht zugelassen bzw. nur möglich, wenn sie schlecht und unfreiwillig sind, wie der oben zitierte von Lauterbach, gelten ansonsten aber als ketzerische Blasphemie.

Das begann schon mit der diffamierenden Klassifizierung von Kritikern der Pandemie-Maßnahmen als “Covid-Leugner” und setzt sich jetzt mit der Diskriminierung von Ungeimpften fort. Obwohl es eine “sehr hohe Zahl Infizierter trotz Impfung” gibt, sind Zweifel an der Effizienz des Sakraments verboten. Weshalb es in den täglichen Corona-Nachrichten auch kein Thema ist, dass die geleakten Geheimverträge, die die Staaten mit den Herstellern abgeschlossen haben, als Knebelverträge an Sittenwidrigkeit kaum zu überbieten sind und keinerlei Garantien über die Wirksamkeit enthalten, dafür einen 100-prozentigen Haftungsausschluss. Da könnte jemand auf den Gedanken kommen, der blanken Willkür von Big Pharma ausgeliefert zu sein … das wird dann in den Nachrichten besser mal weggelassen. Auf dass es auch an allen woken und öko-liberalen Familientischen heißen kann: “Gespritztes Obst kommt hier nicht auf den Tisch, aber die Kinder lassen wir impfen!”

Stell dir vor es ist Pandemie und keiner stirbt

Wie schon gesagt bin ich kein Impfgegner und habe auch nichts gegen Impfpflichten, wenn ein Notstand herrscht und ein erprobter Impfstoff vorliegt. Beides ist derzeit aber nicht der Fall. Während der gesamten Pandemie sind nicht mehr Menschen in Deutschland erkrankt und gestorben als in den Jahren zuvor, auch eine Überbelegung der Krankenhäuser und “Überlastung der Gesundheitssysteme” durch Covid gab es nicht, und ohne die PCR-Tests, die keine Krankheit oder Infektion, sondern nur einen Gen-Schnipsel entdecken können, wäre diese Pandemie überall auf der Welt als normale oder schwere Grippewelle in die Gesundheits- und Sterbestatistiken eingegangen.

Dass man auch gegen eine solche Grippe mit neuartigen Symptomen etwas tun muss, Vorerkrankte und Immunschwache davor schützen, Medikamente, Therapien und auch Impfungen entwickeln soll, ist keine Frage. Äußerst fraglich dagegen ist der “Krieg gegen Viren”, den die Regierungen sofort ausgerufen haben und mit Maskenzwang, Lockdowns und jetzt mit Testpflichten und Zwangsimpfungen (direkt oder durch die Hintertür) gnadenlos durchziehen.

Über den Irrsinn, gegen die 3,5 Milliarden alte Supermacht der Viren, den Weltmeister der Mutationen, mit der Spritze Krieg zu führen, hatte ich auf meinem Blog schon einiges angemerkt. Diese desinfektionistische Kriegsführung ist noch absurder als der “War On Terror”, der, wie wir in Afghanistan gerade erleben, natürlich nicht den “Terrorismus” besiegte (der sich mit Krieg nie beseitigen lässt), sondern nur eine neue Mutation der Taliban produziert hat.

Das alte Sprichwort der paschtunischen Stammeskrieger, die seit über 1000 Jahren jede große Imperialmacht vertrieben haben – “Ihr habt die Uhren, wir haben Zeit.” – gilt für die Stämme der Viren in umgekehrter Form. Ein Wettlauf mit diesen Verwandlungskünstlern wird immer so enden wie das Rennen zwischen Hase und Igel. Die Buchstaben von Alpha bis Omega reichen schon längst nicht mehr aus, um alle Mutationen von Sars-Cov-2 zu bezeichnen, wahrscheinlich müssen die neuen Varianten dann demnächst getauft werden, wie Hurrikans und Orkane – und an der Schwimmbadkasse wird es dann heißen: “Sie sind nur gegen ‘Adolf’ geimpft, ohne Update auf ‘Angela’ leider kein Zutritt.”

Als ich in meinem Nebenberuf als Diplom-Konspirologe zu Beginn der Pandemie auf die drohende Gefahr hinwies, dass unter der “Leadership” (EU-Kommissarin v.d.Leyen) eines Bill Gates das bewährte Microsoft-Geschäftsmodell regelmäßiger Updates auf das Gesundheitswesen übertragen wird, wurde das noch mit dem üblichen “er nun schon wieder” als Verschwörungstheorie abgetan. Mittlerweile zeichnet sich aber recht deutlich ab, dass es in der Realität auf nichts anderes als ein solches Impf-Abo hinausläuft.

Beim “Weltmeister” Israel wird mittlerweile schon der 4. “Booster” verabreicht, Baden-Würtemberg empfiehlt wg. “Delta” den dritten Schuss, und es ist absehbar: ohne Impf-Update läuft das Programm “Grundrechte”, das wg. Virenattacke leider heruntergefahren werden musste, demnächst gar nicht mehr.

Krieg gegen den Terror und Krieg gegen die Viren

Denn wie wir ebenfalls im “War on Terror” gelernt haben sollten: Die Notstands-, und Sicherheitsgesetze, die unter Panikgeläut der Alarmglocken im Ausnahmezustand erlassen werden, haben die gefährliche Tendenz zum Überdauern. Der nach 9/11 aus der Schublade gezogene Patriot Act zum Beispiel gilt bis heute. Dass mit diesen “Anti-Terror”-Gesetzen totalitäre Überwachungsmaßnahmen möglich gemacht werden, galt nach 9/11 als krude Verschwörungstheorie bösartiger “Anti-Amerikaner” – bis Edward Snowden kam und nachwies, dass die NSA sogar das Handy der Bundeskanzlerin abhört.

Dass die mit den “Anti-Virus”-Gesetzen einhergehenden Maßnahmen ebenso weitreichend wie von Dauer sein werden, diese Befürchtung ist nicht aus der Luft gegriffen. Genauso wenig wie das Misstrauen vieler Menschen in die experimentellen Impfstoffe und die paradoxe Lage, in der sie durch die massive Propaganda gebracht werden. Nämlich einerseits “auf die Wissenschaft” zu hören, andererseits aber alle Kriterien der Wissenschaft zur Erprobung und Sicherheit von Impfstoffen sofort zu vergessen. Also nur noch einem bestimmten, regierungsamtlich verkündeten “Wissen” zu folgen und alles andere zu ignorieren. Nun ist dieses Wissen in Sachen Covid nach 18 Monaten immer noch äußerst lückenhaft, die Herkunft des Virus (Labor oder Frischtiermarkt, Biowaffenforschung oder Zooogenese?) ist nach wie vor genauso ungeklärt, wie auch die Frage der tatsächlichen Effizienz von Masken- und Lockdown-Verordnungen und ob die aberwitzigen sozialen und seelischen Schäden, die sie anrichten, noch in irgendeinem einem angemessenen Verhältnis zu den angeblichen Gewinnen – der “Rettung vor schweren Verläufen” – stehen.

Wie es mit den Verläufen der Covid-Erkrankungen insgesamt lief, zeigt der Anteil von Covid-Erkrankten an der Gesamtmenge von Krankenhaustagen in Deutschland im Jahr 2020: es waren laut BMG 1,9%. Natürlich nur dank Masken, Lockdown und Ausgangssperren, sonst wären es auf der nach oben offenen Lauterbach-Skala sicher 91% geworden. Scherz beiseite: Haben die 1,9% vielleicht doch eher damit zu tun, dass die Immunsysteme von 98,1% der Bevölkerung mit Sars-Cov-2 so gut umgehen, dass sie gar nicht ernsthaft krank werden? Mit solchen Fragen bewegen wir uns wieder auf verschwörungstheoretisch vermintem Gelände – gefährliche Verharmlosung des Killervirus! – denn zum Teufel, diesem unsichtbaren Feind, darf es wie weiland unter der Heiligen Inquisition nur eine Meinung geben: Wer seine Anwesenheit bestreitet, ist selbst von ihm besessen.

“Mit uns oder mit den Terroristen” hatte George W.Bush nach 9/11 verkündet und dieser manichäische Dualismus von Gut und Böse feiert mit der 2020 verkündeten Pandemie fröhliche Urstände. Und weil mit einem “Killervirus”, von dem jede/r getroffen werden kann, noch viel mehr Angst gemacht werden kann als mit Terroristen, ist auch die Inbrunst viel größer, mit der dieses Schwarz/Weiß-Welt auf Biegen und Brechen verteidigt wird. Dazu werden dann notwendige und unverzichtbare Sachfragen in den Bereich unbezweifelbarer Glaubensfragen verschoben und “Ungläubige” (Ungeimpfte) als Schädlinge an der Gemeinschaft deklariert, ganz nach dem Muster fundamentalistischer Sekten oder totalitärer Systemen.

Als der bekannteste Podcaster der USA, Joe Rogan, Anfang September sagte, dass er sich von einem heftigen Anfall der Covid-Grippe innerhalb von drei Tagen völlig erholt hätte und dies auf das Medikament Ivermectin zurückführte, brach in den “Wachturm”-Medien des pandemistischen Mainstreams die Hölle los, weil er einen gefährlichen “Pferde-Entwurmer” empfehlen würde. Tatsächlich war ihm das milliardenfach bewährte anti-parasitische Mittel, für dessen Entwicklung es 2015 den Nobelpreis gab, von seinem Arzt verschrieben worden. Dass es (wie Penicilin et.al.) auch in der Veterinärmedizin eingesetzt wird, musste dann allerdings dazu herhalten, einen gefährlichen Ketzer zu diffamieren, der mit seinen Aussagen das heilige Dogma der “Zeugen Coronas” unterläuft: dass allein die Sakramente von Moderna & Pfizer den Teufel austreiben, das “Killervirus” besiegen und uns vom Übel der Pandemie erlösen werden. Ein preiswertes, nebenwirkungsfreies Anti-Parasiten-Mittel aber auf gar keinen Fall.

Wo Demokratie, Rechtsstaat, Religions- und Glaubensfreiheit herrschen, darf selbstverständlich niemand davon abgehalten werden, eine Impfung plus Gratis-Bratwurst in Empfang zu nehmen. Auf dringendes Anraten meines Arztes, für den ich wg. Raucherlunge und verengten Arterien ein Hochrisikopatient bin, hatte ich mir schon im Frühjahr Astra-Zeneca verpassen lassen – und dann das Glück, mindestens zwei Wochen den Blues besser spielen zu können als “Gitarrengott” Eric Clapton, der nach der Impfung schwere Lähmungserscheinungen beklagte und glaubte, nie wieder spielen zu können. Gottseidank ging es dann doch wieder, er hat einen tollen Song darüber gemacht: This Has Gotta Stop!

Doch weil er auch noch darüber redete und sagte, dass er bei Impfpflicht nicht auftreten wird, hagelte es Proteste. Als er mit seinem alten Kollegen Van Morrison dann auch noch einige Anti- Lockdown-Songs aufnahm, wurde er in den USA als Trump-Unterstützer gebasht. Weil Staat und (Wissenschafts-)Kirche in Corona-Zeiten nicht mehr säkular getrennt sind, ist es zu einem Politikum geworden, sich zu den ex cathedra als alternativlos verkündeten Wahrheiten zu äußern – wer ihnen widerspricht, wird umgehend einem Lager zugeschlagen, ein falsches Wort auf der Bühne oder in den Sozialen Medien reicht, um auf der “Achse des Bösen” mit “Leugnern”, “Verschwörungsideologen”, “Nazis” in einen Topf gerührt zu werden.

So wird dann auch dem alten anti-autoritären Schlachtross Van Morrison, der sich angesichts von Covid fragt, wo eigentlich der Widerstand geblieben ist (“Where have all the rebells gone?”) für eine Songzeile (“They control the narrative, they perpetuate the myth / Keep on telling you lies, tell you ignorance is bliss”) Antisemitismus unterstellt. Das ist zwar vollkommen lächerlich, aber so funktioniert mittlerweile die “Cancel Kultur”, mit der auch Musiker und Künstler umgehend ins Abseits gestellt werden, wenn sie dem offiziellen Narrativ widersprechen.

Nun darf jede/r Bill Gates’ Idee, 7 Milliarden Menschen zu impfen und 20% der Weltbevölkerung regelmäßig zu testen, für einen großartigen Plan halten und da die Faktor-Zertifikate von Moderna in den letzten 18 Monaten schon um 12.500 Prozent zugelegt haben, ist das fraglos ein noch besseres Geschäft als das Ersetzen der Taliban durch die Taliban mit 20 Jahren Krieg. Doch diesen Plan für gefährlichen Wahnsinn zu halten und den guten Oligarchen-Onkel Bill für einen geldgeilen Wolf im menschheitsrettenden Schafspelz – auch diese Meinung laut und deutlich über allen verfügbaren Kanälen zu verkünden, muss jedem Mitglied der Menschheitsfamilie zugestanden werden. Ebenso wie der Verzicht auf eine unerprobte Impfung, der Protest gegen diktatorische Maßnahmen wegen eines “Notstands von nationaler Tragweite” der keiner ist und gegen den Unsinn von PCR-Tests und “Inzidenzen” als Maßstab der Politik. Den hat nach 18 langen Monaten offenbar auch der leitende Coronamanager Jens Spahn mittlerweile eingesehen: “Wenn wir auch die Geimpften testen, hört die Pandemie nie auf.”

That’s it! This Has Gotta Stop! Und es hätte schon vor über einem Jahr aufgehört, denn diese Pandemie war und ist nichts anderes als eine Testemie. Wenn das Testen gestoppt wird, verschwindet sie sofort. Falls dies dann dazu führt, dass es mehr Covid-Patienten gibt und mehr als 1,9% aller Krankenhaustage und mehr als 3,4 % der Intensivbetten beanspruchen, können Tests dann wieder verordnet werden. Stattdessen aber sollen die Ungeimpften jetzt für diese Tests auch noch bezahlen und auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verzichten, um sie am eigenen Geldbeutel zu packen und zu einer Gratis-“Impfung” zu treiben, die aber, wie die führenden Pandemie-Päpste selbst bekunden, weder vor Infektionen noch vor Infektiösität wirklich schützt.

Wo über solche, vorsichtig ausgedrückt, Ungereimtheiten und Widersprüche nicht mehr offen diskutiert werden kann, fällt eine Gesellschaft hinter alle Errungenschaften und Werte der Aufklärung und Demokratie zurück. Wo unerprobte, nur vorläufig zugelassene Impfstoffe der Gesamtbevölkerung durch Einführung einer Zweiklassen-Gesellschaft aufgezwungen werden, herrscht kein Rechtsstaat mehr, sondern eine Gesundheitsdiktatur. Wo Skepsis und Kritik an diesem Regime nur noch bei “Feindsendern” zu Wort kommen und privat nur noch flüsternd gegenüber besten Freunden, sollte statt von “offener Gesellschaft” und Pressefreiheit eher von einem totalitären System und Gleichschaltung die Rede sein.

Eine starke Tendenz in diese Richtung scheint mir offensichtlich und sie geht, dank der permanenten Angstproduktion durch die Großmedien, schleichend und nahezu unwidersprochen voran. Solange das nicht aufhört, solange die Bevölkerung permanent hysterisiert und in einem mentalen Kriegszustand gehalten wird, solange kann es einen Runden Tisch und eine sachliche Debatte über diese “Pandemie” nicht geben. Und so lange werden auch extremistische Fundamentalisten auf beiden Seiten weiter aufeinander losgehen…..

Teil 2: Weiterlesen auf krass&konkret

Der gesamte Essay erscheint in der kommenden Ausgabe 168  des Zeitpunkt

3JT #69: WHISTLEBLOWJOB

Die Büchse der Pandora Papers ist geöffnet – aber kennen wir wirklich schon den ganzen üblen Inhalt?  Außerdem: Während Facebook und YouTube die Pressefreiheit zu Grabe tragen, herrscht in Berlin das nackte Wahl-Chaos. Das FBI hatte bei der Erstürmung des Capitols die Finger im Spiel. Und was gibt’s Neues von Julian Assange? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #69 des 3. Jahrtausends.

Pandora Papers: Schlapphüte spielen Whistleblower

“Pandora” ist kein Datenleck, sondern eine Geheimdienstoperation. Die angeblich 12 Millionen Dokumente über Offshore-Geldwäsche und Steuerhinterziehung kamen nicht von einem Whistleblower, sondern wurden in 14 Anlagefirmen abgesaugt. Nicht von “russischen Hackern”, dem fiktiven Gottseibeiuns seit “Russiagate”, und auch nicht von eifrigen Finanzbeamten und Steuerfahndern, sondern von unseren Freunden von NSA und CIA. Um das festzustellen, reicht ein Blick auf die Landkarte, denn von den 300 verdächtigten Politikern und Prominenten stammt kein einziger aus den USA. Den angeblich 600 Journalisten, die den Datenbestand an 1,29 Terabyte ein Jahr lang durchforstet haben, ist das offenbar nicht aufgefallen. Und bei der Pressekonferenz des Internationalen Investigativ Konsortiums ICIJ und auch in den Veröffentlichungen, die ich dazu gesehen habe, wurde die Kernfrage gar nicht gestellt: woher kommen die Daten eigentlich, wer hat sie zur Verfügung gestellt und welche Interessen werden damit verfolgt ?

Da wird “The largest investigation in journalism history exposes a shadow financial system that benefits the world’s most rich and powerful” präsentiert und bei den Reichen und Mächtigen ist kein einziger Ami ist dabei,  aber reichlich Oligarchen, Autokraten samt Familien aus Afrika, Asien und natürlich Russland? Putin hat es zwar nur über den Umweg über eine “angebliche” Geliebte, die vor 20 Jahren ein Appartment in Monaco erstanden haben soll, in die Top-Charts gebracht, muss aber auf dem “Fahndungsplakat” des “Guardian” mit dem größten Kopf herhalten; der Schweizer “Tagesanzeiger”  trumpft auf einer Doppelseitesogar nochmal  mit dem “Putin-Palast” auf, den der Fake-Artist Nawalny der Öffentlichkeit vergeblich andrehen wollte.

Kommen die Ultra-Reichen aus den USA  einfach deshalb nicht vor, weil sie keine “Steueroasen” brauchen, da sie  ja sowieso keine Steuern zahlen? Das ist natürlich Quatsch… Oligarchen wie Pierre Omidyar oder George Soros “optimieren” ihre Steuern mit Stiftungen , die dann Konsortien wie das ICIJ finanzieren, welche dann wiederum (with a little help of CIA) andere Steuroptimierer enttarnen, die  sich unbeliebt gemacht haben oder im Rahmen von Regime Change-Operationen auf der Abschußliste stehen. Taucht also jetzt Ex-Premier Tony Blair dort auf, der bei einem Hauskauf über einen Offshorefirma 400.000 Steuern sparte, weil man ihm seinen millionenschweren Beratervertrag beim saudischen Knochensäger Bin Salman abspenstig machen will ? Oder will Joe Biden den  treu verbündeten König von Jordanien vor den Bus werfen, weil der letzte Woche erstmals seit zehn Jahren wieder mit Syriens Assad telefonierte ? Inwieweit haben sich der Herrscher von Dubai, oder die  Präsidenten von Kongo, Kenia, der Elfenbeinküste oder Tschechien unbotmäßig verhalten, dass sie jetzt von der einzigen Supermacht an den Pranger gestellt werden? 

Das sind die Fragen, denen jetzt investigativ nachgegangen werden müsste, denn ein Zufall ist diese neue Steuersünderliste nicht. Hier wird der Unterschied zwischen einer unabhängigen Whistleblower-Plattform wie Wikileaks und eher fragwürdigen Vereinen wie ICIJ deutlich:  auch Julian Assange gab seine Informanten niemals preis und wollte sie möglichst gar nicht kennen, aber Wikileaks sicherte ihnen zu, dass man nur die Echtheit prüft und dann sämtliche Dokumente veröffentlicht. Edward Snowden war das zu heiß und er übergab sein Material an Glenn Greenwald und der auch von Omydiar finanzierten Plattform “The Intercept”, mit dem Ergebnis, dass nur ein kleiner Teil überhaupt an die Öffentlichkeit kam. Für die weitere Aufarbeitung des Materials sei kein Geld da, wurde dann später mitgeteilt (und Glen Greenwald letztes Jahr entlassen). Wenn jetzt nicht 14 ehrbare Angestellte der 14 Offshore-Firmen dem ICIJ ihr Material über unlautere Machenschaften gesteckt haben, sondern  US-Geheimdienste Whistleblower gespielt haben, wird die Frage was hier – aus Geldmangel (Zwinkersmiley) – unterm Teppich bleibt, sehr interessant. Wie 2016 die Panama-Papers  und 2017 die Paradise-Leaks (“Paradise und Parasiten”) macht “Pandora” eine weiteres Stückchen der  Spitze des  gigantischen Eisbergs sichtbar, der aber weiter fröhlich vor sich hintreiben wird, totgeschwiegen und umschifft, denn er ist für die Ultra-Reichen unverzichtbar.

»Steueroasen« sind fast schon ein zu idyllisches Wort für diese Rückzugsorte, die wie einst die Burgen der Raubritter oder die Schatzinseln der Piraten für die Geplünderten und Beraubten uneinnehmbar sind. Und es sind nicht erfolgreiche Zahnärzte oder Besserverdienende, kleine Millionäre wie Uli Hoeneß oder Alice Schwarzer, die ein bisschen Schwarzgeld am Finanzamt vorbei offshore parken, in der Schweiz oder in der Karibik – es sind die globalen Großkonzerne, Multimilliardäre und korrupten Oligarchen, die hier den Wohlstand ihrer Nationen privat bunkern.
»Die Beträge, die in solche Standorte geflossen sind, stiegen von elf Milliarden US-Dollar im Jahr 1968 über 385 Milliarden US-Dollar 1978 und sechs Billionen US-Dollar 1998 auf 21 Billionen US-Dollar im Jahr 2010. Nach konservativen Schätzungen hat die Verlagerung von Geldvermögen von 1968 bis heute somit um das 2000-Fache zugenommen. Nahezu alle großen Konzerne verfügen über Offshore-Zweigunternehmen, mehr als die Hälfte des Welthandels fließt durch diese Steueroasen, fast alle hochvermögenden Privatpersonen besitzen Offshore-Konten, die ihnen steuerliche ›Gestaltungsmöglichkeiten‹ eröffnen.« So summiert John Urry, einer der wenigen Soziologen, die dieses gigantische Schattenreich der globalen Ökonomie erforschen, das Problem ( John Urry, Grenzenloser Profit. Wirtschaft in der Grauzone, 2015).  (“Oh wie schön ist Panama“, 10.4.2016)

Die Offshore-Oasen sind die Raubritterburgen des globalen Neo-Feudalismus. So erfreulich es ist, wenn jetzt mit “Pandora” ein paar kleinere Plünderer öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben sind und sogar ein paar Köpfe rollen, werden diese Festungen des Finanzkapitals wohl fürs Erste uneinnehmbar bleiben.
In unserem Buch  “Die ganze Wahrheit über alles” haben wir “Steuern und Steueroasen” ein Kapitel gewidmet und die sehr einfachen Lösungen skizizziert, wie man diese Raubritterburgen schleifen kann. In Frankreich brauchte es 1789 noch eine blutige Revolution, um Adel und Klerus zu Steuerzahlungen zu zwingen. Um dem heutigen Finanzadel an die Brieftasche und die Briefkastenfirma zu gehen, braucht es hingegen nur ein paar Daumenschrauben: ein internationales Finanzkataster, das die Besitzverhältnisse von Wertpapieren eindeutig registriert. Standorte, die sich weigern, dieser Registrierungspflicht nachzukommen, werden so lange mit Strafzöllen auf ihre Transaktionen belegt, bis sich ihre Geheimnistuerei nicht mehr rechnet:

“Ein Offshore-Briefkasten darf nicht mehr ausreichen, um sich vor Steuerzahlungen drücken zu können, die Person oder die Firma muss leibhaftig anwesend, sprich niedergelassen sein, um in den Genuss der Steuervermeidung zu kommen. Wir prognostizieren: Es wird nur sehr kurzfristig ein wenig voller auf den Caymans, den Jungferninseln oder Jersey… Wenn die Steueroasen in Wüsten verwandelt sind, hält es dort niemand mehr lange aus.”

Erschienen auf krass&konkret; und auf Rubikon

Willkommen im Kalten Medienkrieg

Ohne Vorwarnung hat Youtube zu Beginn der Woche den deutschen Kanal von rt (russia today) komplett gesperrt. Mit mehr als 600.000 Abonnenten und über 540 Millionen Zugriffen gehört das deutschsprachige Programm des russischen Auslandsenders zu den beliebtesten News-Kanälen im deutschen Netz. In der Kategorie „News & Politics“ belegten die Videos von „rt“ im August 2021 den 5. Platz hinter den Angeboten des Springer-Verlags („Welt“, „Bild“) sowie der „Tagesschau“ und „spiegel tv“ – und lagen damit in der Beliebtheit des deutschen Publikums noch vor dem ZDF und den großen ARD-Sendern WDR und NDR. Auch in den Sozialen Medien verzeichnet der 2013 in Deutschland gestartete “Feindsender” großen Zuspruch und vollzieht damit einen ähnlich steilen Aufstieg wie in den USA, wo Russia Today die etablierten Nachrichtensender (CNN, MSNBC) im Netz schon überholt hat.

Da musste etwas geschehen, zumal von Joe Biden (bzw. seinen Pfleger) die Parole ausgegeben wurde, dass die USA sich jetzt China vornehmen und Deutschland und Europa gegen den Russen aufrüsten sollen. Von Zensur und einem Angriff auf die Pressefreiheit kann bei dieser Löschaktion natürlich keine Rede sein, denn Google/Youtube ist ein privater Konzern, dem es freisteht, die über seine Server verbreiteten Inhalte zu sperren. Der rt-Kanal habe „gegen unsere COVID-19-Richtlinie über medizinische Falschinformationen“ verstoßen, begründete Youtube die Sperrung. Ein Argument, das ohne weitere Konkretion auch verwendet werden könnte, um auch den Kanal der „Tagesschau“ und viele andere sperren: „Falschinformationen“ über Corona wurden und werden zwangsläufig überall verbreitet, weil weder über die Herkunft noch über die Gefährlichkeit des Virus noch über die Effizienz der Impfstoffe wirklich Klarheit herrscht. (Siehe die nebenstehenden  ehrlichen Angaben des Paul Ehrlich Instituts auf seiner Website.) Das Abschalten eines kompletten Nachrichten-Kanals basiert somit auf der Unterstellung, dass er bewusst falsche Informationen verbreitet. Tatsächlich hatte „rt“ nichts anderes getan, als Kritiker der Pandemie-Maßnahmen bisweilen noch zu Wort kommen zu lassen, die auf den gleichtönenden Kanälen der Großmedien ausgeblendet waren.
Dass die Bundesregierung hinter der Abschaltung steckt, hat Regierungssprecher Seibert zwar als „Verschwörungstheorie“ zurückgewiesen, doch ist es nur schwer vorstellbar, dass eine politisch derart sensible Entscheidung ohne Absprache getroffen wird. Das Außenministerium in Moskau hat denn auch in scharfen Ton von einer „beispiellosen Aggression“ gesprochen, RT-Chefredakteurin Simonjan warf dem deutschen Staat einen „Medienkrieg“ vor und forderte, deutsche Korrespondentenbüros in Russland zu schließen. Noch sind das nur „Dit for Dat“ Verbalattacken auf diplomatisches Feld, doch wenn Russland seine Drohung wahrmacht, und etwa im Gegenzug Youtube im russischen Internet sperrt, könnte sich das zu einem echten Schlachtfeld im kalten Medienkrieg entwickeln. Und zu einem Armdrücken zwischen Googles Profitinteressen im russischen Markt und der auf Bekämpfung Russlands gerichteten Geopolitik des Pentagon. Das „rt deutsch“ demnächst wieder auf Youtube erscheint ist deshalb durchaus vorstellbar – und wenn nicht sollte sich die „Deutsche Welle“ in Russland warm anziehen. Der deutsche Staatssender kann dort noch immer frei berichten und sich wie 2018 sogar herausnehmen, zur Sabotage der Wahlen und Ungültigmachen von Stimmzetteln aufzurufen, ohne wegen aktiver Wahlmanipulation sofort zensiert und des Landes verwiesen  zu werden.

Für die Eliminierung von  „rt-deutsch“ auf Youtube bieten ominöse COVID-Richtlinien nur den willkommenen Anlass, der eigentliche Grund liegt woanders und hat schlicht mit dem Erfolg des Senders zu tun, der trotz permanenten Naserümpfens der etablierten Medien über „Putins Propagandakanal“ (FAZ) eingetrten ist: Weil „rt“ ordentlichen, kritischen Journalismus macht. Aus russischer Perspektive, was nicht weniger verwerflich sein sollte als die britische Sicht der BBC oder die amerikanische von CNN.  Über den Afghanistankrieg, der aus der NATO-Perspektive westlicher Großmedien 20 Jahre als Erfolg (Mädchenschulen!) präsentiert wurde, konnte man auf „rt“ zum Beispiel weitaus realistischere Informationen beziehen. Auch wer über die Bürgerkriege in Syrien oder der Ukraine oder jetzt zu den Informationen über Corona ein Gegengewicht zum multimedialen Gleichklang suchte, konnte auf dem Sender fündig werden: aktuell, journalistisch professionell und so seriös, dass in den USA sogar der berühmteste „Hosenträger“ der TV-Geschichte, Talkmaster Larry King, seine letzten zehn Plauderjahre auf „Russia Today“ absolvierte.

Im Rahmen der in demokratischen Verfassungen garantierten Pressefreiheit ist ein solcher Sender ohne Frage  legitim und darf nicht zensiert werden. Da die Kanäle der öffentlichen Kommunikation aber privatisiert sind, entscheiden über Erlaubtes und Verbotenes nicht mehr Gerichte, sondern die unsichtbaren Instanzen einer Silicon-Valley-Stasi. Diese arbeitet aufs Engste mit Geheimdiensten und Regierungen zusammen und bietet Politikern den Vorteil der „deniablity“: sie wissen von nix und sind für die Aktivitäten von Privatfirmen nicht verantwortlich. Presse,- und Meinungsfreiheit sind natürlich weiter garantiert und wenn ein Donald Trump mit 70 Millionen Followern auf Twitter einfach gelöscht werden kann, muss sich ein Wladimir Putin und sein „Russia Today“ eigentlich nicht wundern. Genauso wenig wie jeder andere erfolgreiche Podcaster, Blogger oder  Youtuber, der erfolgreich Regierungsverlautbarungen kritisiert und unerwünschte Fakten ans Licht bringt. Sobald sie Reichweite erzielen, werden sie geblockt und verbannt. „rt“ kann die Aktion deshalb als weiteren Beleg für den Erfolg seines Programms verbuchen – und das deutschsprachige Publikum muss sie als weitere Verengung des Informations- und Meinungskorridors und des Debattenraums hinnehmen, die unter der COVID-Hysterie so bedrohlich  geworden ist, dass Zensur mittlerweile schon als selbstverständlich und doppelte Standards als normal hingenommen wird. Journalistenverbände jedenfalls haben bis dato noch nicht gegen die Youtube-Sperre der rt-Kolleg*innen protestiert, im Gegenteil . Um so schneller und schärfer aber werden sie verurteilen, wenn Russland auf diesen Angriff reagiert und ein paar westlichen Journalisten den Saft abdreht. Die Erklärungen dazu sind  sicher schon in Arbeit und wir werden davon hören. Unweigerlich. In allen Wiederholungsschleifen der „Nachrichten“….

UPDATE 6.10.21: RT-Deutsch hat  dazu mit mir ein Interview geführt

3JT #68: ROTE LINIE 9/11

Auch 20 Jahre nach 9/11 dürfen Zweifel an dem offiziellen Märchen von Osama und 19 Teppichmessern als Alleintäter nicht geäußert werden.
Selbst fiktive Krimi-Hörspiele, die eine andere Geschichte erzählen, werden über Nacht aus dem Programm gestrichen. Wahrscheinlich deshalb, weil man daraus mehr erfährt als aus den jetzt freigegebenen FBI-Dokumenten zu 9/11. Was also sollen wir nicht erfahren? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #68 des 3. Jahrtausends.

Jenseits der roten Linie

Dass zum 9/11 Jahrestag eher seichter Krokodilstränen-Kitsch auf der Tagesordnung stand als ein realistischer Fakten-Check und eine Auseinandersetzung mit dem  “War On Terror” war keine Überraschung. Es hängt zuviel an der Ur-Mutter aller Fake News des 21. Jahrhunderts, dem Höhlenmärchen von Osama und den 19 Teppichmessern als Alleintätern, als dass Zweifel an diesem Narrativ zugelassen  werden dürfen. Sie mögen begründet, dokumentiert, nachvollziehbar und rational in jeder Hinsicht berechtigt sein – wer sie öffentlich äußert, überschreitet eine rote Linie. Bush’s “Mit uns oder mit den Terroristen!” gilt noch immer, 9/11 ist auch nach 20 Jahren ein “no go” für Kritik und Debatte. Weil die Zwickmühle der kognitiven Dissonanz, die sich da auftut,  die Öffentlichkeit nur verwirren könnte, muss verantwortungsethisch die fromme Lüge des “Great War On Terror” weiter verbreitet werden. Dass sie auf einem haarsträubenden Verschwörungsmärchen beruht ist nicht hinderlich, wenn die Penetrationshäufigkeit stimmt, mit der es über alle Kanäle verbreitet, geht es als Selbstverständlichkeit durch.
Dass über den Krieg in Afghanistan 20 Jahre lang  permanent die Unwahrheit verbreitet wurde, gilt zwar mittlerweile als unbestreitbare Tatsache, dass aber auch der Anfang und die Begründung des “Great War on Terror”auf einer großen Lüge beruhen… –  schon dieser Gedanken überschreitet die rote Linie, willkommen in der  Zone “frevelhafter Verschwörungstheorien” (G.W.Bush).

Einige alte Freunde raten mir ja seit Jahren, ich solle meine Zeit doch nicht weiter darauf verwenden, über diesen “Verschwörungskram” zu  schreiben – und ehrlich gesagt dachte ich schon so ähnlich, als im Juli 2002 “Verschwörungen,  Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9” fertig war, und ein Jahr später “Fakten,Fälschungen…” und auch 2011 nach dem Buch zum 10. Jahrestag und noch einem Thriller zwischendurch kam mir der Gedanke, dass es jetzt wirklich genug ist.
Ich war nach dem ersten Text am 13.9.2001 ja in keiner Weise davon ausgangen, dass dies der Start zu einem Marathon werden würde, der über zwei Jahrzehnte und mehr als 1500 Buchseiten gehen würde. Dass die Bücher sich gut verkauften und auch im Ausland auf Interesse  stießen war zwar ein Ansporn, an diesem Thema  weiter zu arbeiten, was mich aber eigentlich auf Trab hielt, war etwas anderes: das Realitätspuzzle von Merkwürdigkeiten, Ungereimtheiten, Widersprüchen und Fälschungen, das wir zusammengestellt hatten, schien zu einem realistischeren Abbild der Wirklichkeit zu kommen als das lückenhafte und zusammengestauchte Zerrbild, das die US-Regierung und ihre Lautsprecher in den Medien lieferten. Und das ja auch 2004 in seiner geglätteten und abgerundeten »Photoshop- Version« – dem Abschlussbericht der 9/11-Kommission – nicht glaubwürdiger wurde, denn die Aussagen des Kronzeugen zur Täterschaft Bin Ladens beruhten ausschließlich auf Folterprotokollen .

Stattdessen aber wurde unser  konspirologisches Provisorium ein ums andere Mal von den Nachrichten bestätigt: die gestern noch als “Verschwörungstheorie” denunzierte Analyse stellt sich heute als Verschwörungsrealität heraus. Und so konnte ich in meinem kleinen Rückblick auf zwanzig Jahre Mythos 9/11 und diese 1500 Seiten auch gar nichts finden, was einer wirklichen Korrektur, Zurücknahme oder gar Entschuldigung bedurft hätte – zumal dort Quellen und die hermeneutischen Schritte meiner Erkenntnisgewinne stets dargelegt und Irrtümer ausdrücklich vorbehalten werden. Eine “Wahrheit” über 9/11 wird nirgendwo verkündet, allein das offizielle Lügengebäude wird zum Einsturz gebracht und eine Reihe prominenter Verdächtiger ins Rampenlicht gestellt, ohne deren Mitwissen und Zutun dieser Massenmord nicht geschehen konnte.  Osama und seine 19 Teppichmesser indessen rücken mangels Beweisen weit nach hinten auf der Liste potentieller Täter, denn weder konnte er aus einer afghanischen Höhle diese Operation steuern, noch konnten die angeblichen Hijacker einen Boeing-Jet fliegen oder gar in kunstvoller Schleife mit 800 km/h Fullspeed das Pentagon in 3 Meter Höhe treffen.

Ob und wie ein solches Manöver  tatsächlich stattgefunden hat, können Journalisten und Historiker nicht ermitteln, das kann nur ein Gericht. Was sich aber aus dem öffentlich zugänglichen Material erschließt – sei es über die Flugkünste eines Hani Hanjour oder die schützende Hand verschiedener Geheimdienste über die späteren “Hijacker” oder über die bauphysikalische Singularität der WTC-Einstürze und und und – macht unverkennbar deutlich, dass die offizielle Geschichte des 11.September definitiv falsch ist. Und dass es sich dabei nicht um eine realitätsgerechte Beschreibung der Ereignisse handelt,  sondern um eine Verschwörungslegende, die auf wenigen  Indizien und Behauptungen aus Foltergeständnissen beruht, aber nicht auf  überprüfbaren Fakten. Weil das so offensichtlich ist,  muss jeder Zweifel an dieser Legende aus dem öffentlichen Diskurs verbannt werden, schon die simple Frage, warum ein Selbstmordattentäter sein Testament in den Koffer packt mit dem er sich dann in die Luft jagen will, führt in die verbotene Tabuzone der Skepsis. Wie sich die rote Linie nach zwei Jahrzehnten weiter zu Ungunsten des Sagbaren und zu Gunsten der inquisitorischen Exkommunikation von Kritik verschoben hat, darüber reden wir in der kommenden Folge des 3. Jahrtausend.

Wissen ist eine Holpflicht! Das amtliche 9/11 Buchpaket gibts in jedem Buchladen und bei den Buchkomplizen:

Das Ende der Zukunft

Rüdiger Suchsland hat für Telepolis “Mythos 9/11” rezensiert:

(…)”Wenn man versuchen will, sich das vermeintlich Unerklärliche dieses Ereignisses doch zu erklären, ist die viele Teile umfassende “WTC Conspiracy”-Serie, die Mathias Bröckers seit dem 13.09.2001 auf Telepolis schrieb, nach wie vor eine großartige und unüberholte Quelle. Weiterentwickelt wird sie nur durch die Bücher des Autors. Zuletzt erschien Mythos 9/11. Die Bilanz des Jahrhundertverbrechens – 20 Jahre danach.

Die Lektüre von Bröckers’ Buch ist mindestens sehr anregend, ein intellektuelles Vergnügen und eine notwendige Korrektur der allzu einfachen Narrative, die auch nach zwanzig Jahren zu 9/11 vorherrschen. Zu vielen einzelnen Fragen muss und kann man ausgehend von Bröckers weiter recherchieren und sich sein eigenes Urteil bilden. Das Buch ist im Grunde ein Kommentar zu seinem bisherigen Büchern vergleichbar hier mit Oliver Stones neuem Film über das Kennedy-Attentat 1963.

Es nützt den Kritikern des Autors nichts, dass sie Matthias Bröckers, den deutsche Mainstreammedien schon vor 20 Jahren als “Verschwörungstheoretiker” bezeichnet haben, neuerdings, seit etwa eineinhalb Jahren, “Verschwörungsideologe” nennen.

Denn die Fragen, die er stellt, und die Merkwürdigkeiten, die er konstatiert, bleiben. Zum Beispiel: Wie kam es zum Zusammenbruch der Hochhäuser, der ein in der Geschichte des Stahlbaus einzigartiges Phänomen war? Bisher gibt es dafür plausible Theorien, aber keine schlüssigen Belege.

Fehlende Daten, unzugängliche Zeugenbefragungen und Vorhörprotokolle

Es gibt eine Fülle von Details, die jedes für sich merkwürdig waren, in ihrer Summe aber deutlichen Anlass zu Zweifeln an der offiziellen Version des Ereignisablaufs geben, zumal diese Fakten im Abschlussbericht der US-Untersuchungskommission von 2009, dem “9/11 Commission Report”, konsequent ausgeblendet bleiben. Der Ausschuss habe alles, was nicht ins Bild passte, einfach ignoriert, Bröckers. Hinzukommt: Daten wurden vernichtet. Zeugenbefragungen und Vorhörprotokolle bleiben unzugänglich.

Bröckers stellt, wie auch Franziska Augstein schon vor Jahren in der SZ konstatierte, “gute Fragen”. Warum packt ein Attentäter sein Testament in einen Koffer, der in einem Flugzeug befördert werden soll, das ins World Trade Center fliegt? Oder: “Wie kann drei Monate nach der aus Ägypten kommenden Warnung vor einem Anschlag die logistische Meisterleistung gelingen, vier Flugzeuge gleichzeitig zu entführen?” Oder: “Passagiere konnten aus den Maschinen mit ihren Angehörigen telefonieren – aber das Militär, dessen globalem Schnüffelsystem kein Furz eines indischen Reisbauers entgeht, hat nichts mitbekommen?”

Wie kommt es, dass mehrere der von den USA namentlich identifizierten Attentäter in einem Rekrutierungsprogramm der CIA genannt wurden und dort als potentielle Spitzel auftauchen? Dass das der 9/11-Hauptverantwortliche, der saudische Millionärssohn Osama Bin Laden, 15 Jahre zuvor unter dem Namen “Tim Osman” CIA-Agent gewesen sein soll?

Medien schauten weg

Hart kritisiert der Autor die eigene Zunft:

“Die gesamte journalistische Branche schaute nach 9/11 einfach gar nicht hin oder sogar weg. Denn sonst hätte jedem zweiten Kollegen auffallen müssen, dass hier eine lupenreine, vor haarsträubenden Ungereimtheiten, unbewiesenen Behauptungen und irrsinnigen Zufällen nur so strotzende Verschwörungstheorie als offizielle Wahrheit entfaltet wurde.”

Er kämpft gegen den Spiegel und andere große Medien. Sie mussten ihre Märchen erzählen, damit ihr altes Weltbild von der freiheitlichen demokratischen Führungsmacht USA nicht zusammenbricht, so sieht es Mathias Bröckers. Er konstatiert eine “Zwickmühle der kognitiven Dissonanz”.

“Diffamierungsvokabel” und “Diskurskeule”: Verschwörungstheorie

Zu einer konzisen Verschwörungstheorie will Bröckers nicht kommen. Trotzdem wird ihm genau das vorgeworfen:

Wer Verschwörungen und Verschwörungstheorien erforschte, wurde konsequent mit seinem Forschungsgegenstand verwechselt und galt als übler Anstifter und Verbreiter derselben. Besonders taten sich mit Beschimpfungen und Verleumdungen die linksliberalen Medien hervor wie das ehemalige Nachrichtenmagazin Spiegel oder das ARD-Magazin Panorama sowie der ehemalige Investigativjournalist Hans Leyendecker, damals bei der Süddeutschen Zeitung.

Mathias Bröckers, Mythos 9/11

Im Spiegel wurde sein früheres Buch “als ‘September Lüge’ “konnotativ in die Ecke von Auschwitzlüge” gestellt, wie Bröckers schreibt. Er bezeichnet die Einwände seiner Gegner genau besehen als “recht primitive Standardeinwände von der Stange”, die gern gegen sogenannte Verschwörungstheorien erhoben würden, aber nur der persönlichen Diffamierung dienen.

Bröckers Ansatz lautet: “Ein Ausblenden von Verschwörungsrealität kann nicht zu brauchbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen über Verschwörungstheorie führen.”

Dabei versucht er sich an einer interessanten Pointe: Er nimmt gewissermaßen den Vorwurf seiner Kritiker, die “Diffamierungsvokabel” und “Diskurskeule”, auf und dreht ihn um. Verschwörungstheorie treffe eigentlich auf die Amerikaner zu. Bereits “am Morgen” des 11.September, noch bevor er von den Ereignissen in New York erfuhr, habe er Folgendes notiert:

“Verschwörungstheorien haben eine besondere Eigenschaft: Sie reduzieren Komplexität. Komplexe Ursachen von Ereignissen werden auf einen einfachen Sündenbock reduziert. Das macht sie zu einem idealen Werkzeug der Agitation und Propaganda.”

Was bleibt sind Auslassungen, Widersprüche und Fehler. “Es braucht ein monströses Ereignis, um einen monströsen Krieg zu erklären”, und so wurde der 9/11-Report zwar zu einem Rechtfertigungsprojekt für den Great War on Terror, “die monströsen Terroranschläge aber wurden darin nicht aufgeklärt”. Seine allgemeinen Definition und Arbeitshypothesen, mit denen er diesem Phänomen vor 20 Jahren auf die Spur kommen wollte, seien noch immer nicht überholt, so Bröckers. Sein Urteil ist klar: Freispruch aus Mangel an Beweisen. “Das Verbrechen des Jahrhunderts ist bis heute nicht aufgeklärt.”

Corona – das neue 9/11?

Gegen Ende seines neuen Buches spricht Bröckers dann auch Corona an. Die Pandemie verstärke den Eindruck, dass im Notfall durchregiert werden muss, keine langwierigen demokratischen Debatten geführt werden können, dass mit solchen Notstandsverordnungen starke Einschränkung der allgemeinen Grundrechte und Freiheiten verbunden sein können. Das verstehe sich “von selbst”, “gegen eine solche Außerkraftsetzung der Gewaltenteilung ist überhaupt nichts einzuwenden, solange eine Gefahrenlage gegeben ist”.

Im Zuge der Pandemie lasse sich aber ähnliches beobachten wie im Fall von 9/11: Mit dem “Phantomteufel Virus” könne noch viel mehr gemacht werden als mit Terrorakten. Die neuen Gesundheits- und Infektionsschutz-Verordnungen griffen auch sehr viel brachialer in die Grundrechte ein.

Mit der Pandemie hat die Desinfektion des Meinungsspektrums geradezu groteske Formen angenommen und wie die Rodelpolizei im Winter Kinder jagte, die mit dem Schlitten absurde Ausgangssperren ignorierten, wurde nun multimedial an hundertprozentiger Diskurshygiene gearbeitet … selbst leise Zweifel an der Pandemie-Politik und der Hinweis, dass es darauf ankommt, den Schaden auf ein Minimum zu reduzieren, wurde den missionierten Massen als lebensgefährlicher Verrat eingebläut. … Auf Fakten kommt es dabei, wie der 9/11-Report gezeigt hat, nicht wirklich an, sondern allein auf eine prosaische Erzählung, die autoritativ verkündet, massenhaft eingetrichtert und als Dogma betoniert wird.

Mathias Bröckers, Mythos 9/11

Und wer dies wieder als Verschwörungstheorie abtun möchte, dem sei das neue Buch von Umberto Eco (posthum erschienen) empfohlen: “Verschwörungen. Eine Suche nach Muster” von 2017.”

Erschienen auf Telepolis

Wissen ist eine Holpflicht! Das amtliche 9/11 Buchpaket kann bei den Buchkomplizen bestellt werden: