“Rapid Response” – Das neue G-7 ” Fake News-Ex”

Da wir die causa Skripal und Novichok dank konspirologischer Mustererkennung schon im März als PR-Kampagne und False Flag-Operation entarnen konnten – als  Giftgaswochen bei McMedien – kommt nun die Nachricht nicht überraschend, dass der Bundesregierung bis heute außer puren Behauptungen aus England keinerlei Beweise für eine Täterschaft Russlands vorliegen. Auf die Frage nach solchen zusätzlichen Belegen antwortete Regierunsgsprecher Seibert in der Bundespresskonferenz: “Wir haben damals gesagt: Wir teilen die Einschätzung des Vereinigten Königreichs, dass es keine andere plausible Erklärung gibt. Diese Haltung ist weiterhin die Haltung der Bundesregierung.”  Während der Regierunsgsprecher so daher plapperte, meldet die Tagesschau:

“Wie das rbb Inforadio aus Fraktionskreisen erfuhr, hat die britische Regierung der Bundesregierung bis heute keine Beweise präsentiert, die belegen würden, dass Russland für den Giftanschlag auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter verantwortlich ist. Darüber informierte die Bundesregierung gestern im geheim tagenden parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestages. Bisher habe man lediglich erfahren, dass es sich bei dem Gift um Nowitschok gehandelt habe – ein chemischer Kampfstoff, der in der Sowjetunion produziert worden war.”

Außerdem hat man mittlerweile aus den Medien erfahren, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) höchstselbst schon in  den 90er Jahren über Novichok-Proben verfügte. Es gab und gibt also keinerlei Spur nach Russland oder gar in den Kreml; und es gab und gibt nur Fake News und haltlose Beschuldigungen, wie sie Außenminister Boris Johnson in einem Gastbeitrag für die FAZ am 19.3.  wunderbar zusammenfasste:

Der rote Faden, der die Giftanschläge in Salisbury mit der Annexion der Krim, den Cyberattacken in der Ukraine, den Hackerangriffen auf den Bundestag und der russischen Einmischung in europäische Wahlen verbindet, ist die Missachtung der grundlegenden internationalen Regeln durch den Kreml.“

“Getretener Quark wird breit, nicht stark” wußte schon Goethe und nämliches gilt für diesen “roten Faden”, der freilich bei McMedien in tausenden Wiederholungsschleifen immer weiter penetriert wird. Da mag selbst der wissenschaftliche Dienst des Bundestags Russland im Fall Skripal “rechtskonformes Verhalten” bescheinigen, doch  kaum kommt ein neuer “News”-Partikel aus dem Ticker, der in das Fake-News-Puzzle paßt, wird der fiktive rote Faden verlängert und aus allen Rohren (und Tränendrüsen) sofort losgeblökt. Wie jetzt bei der Farce um die Fake-Ermordung des Journalisten Babtschenko in Kiew, die in Großmedien und Politik einen neuen Tsunami haltloser Diffamierungen auslöste.

Schon jetzt darf man gespannt sein, was während der Fußball-WM  in dieser Richtung abgehen wird, denn “der rote Faden” muss ja weiter gesponnen werden. Wladimir Putin hat schon darauf hingewiesen, dass eine Attacke auf die Ost-Ukraine, wie ihn die Hardliner unter den US-Sockenpuppen in Kiew wünschen, keine gute Idee wäre. Aber wie der Fall Babtschenko zeigt ist dem Poroschenko-Regime und seinen durchgeknallten Geheimdiensten jeder Wahnsinn zuzutrauen und kann – da bei McMedien Nachrichtensicherheit und  Recherche keine Rolle mehr spielen – umgehend Wirkung erzielen.

Unterdessen unterzeichneten in Peking die Präsidenten Xi und Putin nicht nur einen Mega-Deal in Sachen Atomenergie, sondern auch eine Vereinbarung,  militärische Aktionen anderer Staaten, die unter Umgehung der Vereinten Nationen erfolgen, zukünftig gemeinsam zu verhindern.  Wenn das ernst gemeint ist, woran wenig Zweifel bestehen kann, geht ein amerikanischer Albtraum schneller in Erfüllung als erwartet: das Imperium hat fertig. Der Rest der Welt – allen voran der Wirtschaftsriese China und der Rohstoffriese Russland – hat ganz offensichtlich die Faxen dicke vom globalen “America first!” und seinen permanenten regime changes. Das Pentagon kann sich seine “Full Spectrum Dominance”- Strategie ebenso abschminken wie das Weiße Haus seine unipolaren Weltherrschaftsträume. Die Welt wird multipolar – und das ist gut so. Und die Vasallen des niedergehenden Imperiums täten gut daran, dies zu erkennen, statt sich vorher noch militärisch verheizen zu lassen.

Wer wie die Bundesregierung  weiter aufrüsten und schnell noch eine große Zielscheibe – ein neues Nato-Hauptquartier – mitten nach Deutschland verlegen will, ist entweder verrückt oder lebensmüde. Denn der nächste Weltkrieg wird nuklear sein und das Schlachtfeld wird NICHT in Amerika, sondern in Europa liegen, vor unserer Haustür.  Und dass Panzer-Uschi und ihre Nato-Knallköpfe mit dem Oberkommandierenden Trump erreichen, was weder Napoleon, noch Kaiser Wilhelm, noch Hitler geschafft haben – nämlich Russland unter die Knute zu kriegen – können nur völlig Wahnsinnige glauben. Falls ein paar ihrer Kinder und Enkel das Desaster überleben werden diese dann, wie Putin unlängst Albert Einstein zitiert hat ,   wieder “mit Knüppeln und Steinen kämpfen”.

Unterdessen hat es beim dem G-7 Treffen am Wochenende nicht einmal zu einem gemeinsamen Abschluss-Kommuniqué gereicht, geschweige denn zu irgendeinem Kompromiss im Handelsstreit mit den USA. Nur in einem Punkt war man sich einig, nämlich “gemeinsam gegen Destabilisierungsversuche aus Ländern wie Russland” vorzugehen.  Wenn es Putin nicht gäbe müßte man den Ultrabösen erfinden – nur die große Angstmache hält den G7-Laden noch zusammen! Nun soll ein Rapid Response Mechanism “eine koordinierte und deutlich schnellere Reaktion auf Wahlmanipulationen, Propagandaattacken und andere “inakzeptable Handlungen” ermöglichen: “G-7-Staaten wollen Abwehrmechanismus gegen Fake News aufbauen” titelte die “Süddeutsche Zeitung”. Sind die Staaten jetzt bei Samuel Hahnemann und der Homöopathie angekommen – Gleiches mit Gleichem kurieren ? Das Ganze klingt – Rapid Response – dann doch eher nach Entlaubungsmittel und flächendeckender Chemiekeule. Und es ist angesichts der aktuellen Fälle Skripal und Babtschenko derart bizarr, dass einem dazu nur noch die Variante eines Klassikers einfällt: “Die größten Kritiker der Elche sind in Wahrheit selber welche.”

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“Zu viele Schusswaffen zwischen Bobby und dem Weißen Haus”

Vor fünfzig Jahren wurde Robert F. Kennedy ermordet – der angebliche Einzeltäter Sirhan Sirhan sitzt bis heute in Haft und kann sich an nichts erinnern. Dazu hier ein Auszug aus meinem Buch JFK-Staatsstreich in Amerika , der heute auch auf telepolis erscheint.

Am 4. Juni 1968 wurde Harold Weisberg, mit seinem Buch “Whitewash. The Report on the Warren Report” (1965) einer der ersten und akribischsten Kritiker der Ermittlungen des Mordes an John F. Kennedy, in einer kleinen Fernsehstation in Washington interviewt. Schon zuvor hatte er sich heftig darüber empört, dass die Kennedy-Familie und namentlich der von ihm geschätzte Robert F. Kennedy die Einzeltäterthese der Warren-Kommission anscheinend widerspruchslos hingenommen und so dem haltlosen Ergebnis des Reports öffentliche Akzeptanz verschafft hätten.

In dem Interview berichtete er von einem Gespräch, das er mit einem Vertrauten des Justizministers darüber geführt und den er gefragt habe, wie man die 26 Bände mit den Aufzeichnungen der Warren-Kommission lesen könne, ohne zu dem Schluss zu kommen, dass die Einzeltäterbehauptung falsch sei. “Das ist doch ganz einfach”, habe der Freund gesagt. “Bobby will leben … Es gibt einfach zu viele Schusswaffen zwischen Bobby und dem Weißen Haus.” Auf Weisbergs Nachfrage: “Wessen Schusswaffen?”, habe Kennedys Freund geantwortet: “Die der CIA.”

Am nächsten Abend wurde Robert F. Kennedy nach seiner Dankesrede zu den gewonnenen Vorwahlen in South Dakota und in Kalifornien, die ihm die Rolle des demokratischen Kandidaten für die nächste Präsidentschaftswahl gesichert hätte, im Ambassador-Hotel in Los Angeles angeschossen und schwer verletzt. Er starb 26 Stunden später.

Anders, als es die verborgenen Schützen beim Mord an seinem Bruder getan hatten, lauerte der Täter dieses Mal nicht in einem Versteck. Nach der Rede nahmen der Senator und seine Entourage den Weg zur Pressekonferenz statt durch die Masse der jubelnden Anhänger im Ballsaal durch die dahinter liegende Küche des Hotels. Der Küchenchef Karl Uecker fasste Kennedy am Arm und leitete ihn durch sein Reich, in dem 70 Angestellte arbeiteten, als plötzlich ein junger Mann mit einer Pistole vortrat. Er rief: “Kennedy, du Hurensohn!” und feuerte. Kennedy brach zusammen, und die Umstehenden überwältigten den Mann, der später als der 25-jährige Sirhan Sirhan identifiziert wurde, der elf Jahre zuvor aus Jordanien in die USA gekommen war.

Sirhan wurde verhaftet und nach einem kurzen Prozess am 23. April 1969 zum Tod in der Gaskammer verurteilt, wobei das Urteil wegen der kurz danach in Kalifornien aufgehobenen Todesstrafe in lebenslängliche Haft umgewandelt wurde. Nach Jahrzehnten im Hochsicherheitstrakt der kalifornischen Strafanstalt Corcoran ist Sirhan seit 2009 im Pleasant Valley State Prison in Coalinga, ebenfalls Kalifornien, inhaftiert.

Er hat seitdem 15 Begnadigungsgesuche gestellt, die ebenso abgelehnt wurden wie alle seine Anträge, in einem neuen Prozess seine Unschuld zu beweisen. Paul Schrade, ein einstiger Wahlhelfer Kennedys, unterstützt ihn dabei. Er stand hinter Kennedy und wurde von einer Kugel getroffen, die laut den Ermittlungen des Los Angeles Police Departments zuerst Kennedys Schulter durchdrang und dann Schrades Kopf traf, der daraufhin bewusstlos wurde. Wenn Sie jetzt den Kopf schütteln, weil hier schon wieder eine “magische Kugel” am Werk gewesen sein soll, kann ich Sie leider nicht beruhigen: Es waren sogar mehr als eine.

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Reichsvogelschutzwart

Dass Alexander Gauland kein gediegener Konservativer und jovialer Tory-Typ mit Tweed-Jacket und Dackelkrawatte ist, sondern eine dumpfe rechte Socke, weiß ich zufällig schon seit den 80er Jahren, als ein Freund meines Vaters von dem zum Chef der hessischen Staatskanzlei aufgestiegenen Gauland damals aus dem Amt gemobbt wurde. Dieser Freund war als Ministerialrat seit vielen Jahren für die Kirchenkoordination des Bundeslands zuständig gewesen und wurde von dem neuen Staatskanzleichef bezichtigt, dass die Kirchenvertreter sich über seine Amtsführung beschwert hätten und deshalb strafversetzt. Tatsächlich hatte es solche Beschwerden gar nicht gegeben, sondern es ging darum, einen Parteikollegen auf diesen Posten zu hieven. Der brachte keinerlei Kompetenz oder Erfahrung für diese Stellung mit, doch das war (wie so oft in der Politik) nicht der Grund, warum er das Amt letztlich nicht antreten konnte. Vielmehr war der von Gauland ausgesuchte “Experte” ein Mitglied und ehemaliger Funktionär des völkischen “Witiko”-Bunds. So viel rechte Vetternwirtschaft ging dem hessischen Parlament dann doch ein wenig zu weit, zum Staatssekretär in Thüringen reichte es für den Gauland-Freund aber später dann doch noch…

Über den Kampf des braven Beamten um seine Ehre, der erfolgreich zu seiner Rehabilitierung führt aber scheitert, als er den Staastskanzleichef  wegen Meineids verklagte, hat Martin Walser 1996 den Schlüsselroman “Finks Krieg” geschrieben, der in Fortsetzungen auch in der FAZ erschien. Als der am Ende verzweifelte Beamte in seinen Briefen und Notizen nur noch flucht und schimpft, läst Walser ihn an einer Stelle sagen: “Die deutsche Geschichte ist aus der Hitlerscheiße nicht herausgekommen, sondern die Hitlerscheiße wird so am Kochen gehalten, daß wir jederzeit mit ihr eingedeckt werden können.” Daraufhin wurden Walser “deutsch-nationale Merkwürdigkeiten” vorgeworfen, was mir damals ungerechtfergtigt schien – und jetzt wieder einfiel, als Gauland die 12 Jahre NS-Barbarei als “Vogelschiss” abtat: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“. Das ist nun wirklich deutsch-nationaler Unsinn sondergleichen. Aber überrascht hat es mich angesichts dieser Vorgeschichte überhaupt nicht – wer völkische Rechtsextreme als Religionsbeauftragte vorschlägt hat und einen Boateng nicht als Nachbarn haben will,  für den sind die Leichenberge des Weltkriegs und des Holocausts eben auch nur eine Petitesse.

Als gewiefter Polit-Manager weiß Gauland natürlich genau, was er mit solchen gezielten Tabubrüchen tut, die geballte Empörung, die ihm entgegenschlägt, ist kalkuliert, ein paar schockierte “bürgerliche” AfD-Wähler mögen da abspringen, der harte Kern aber wird zusammengeschweißt, denn auf ihren Reichsvogelschutzwart lassen sie nichts kommen…

Frisch aus dem Archiv: Goethes “wundersam erleuchtetes Amphitheater”

Wir waren zur Allerheiligsten-Pforte hinausgefahren und hatten bald Hanau hinter uns, da ich denn zu Gegenden gelangte, die durch ihre Neuheit mein Aufsehen erregten, wenn sie auch in der jetzigen Jahreszeit wenig Erfreuliches darboten. Ein anhaltender Regen hatte die Wege äußerst verdorben, welche überhaupt noch nicht in den guten Stand gesetzt waren, in welchem wir sie nachmals finden; und unsere Reise war daher weder angenehm noch glücklich. Doch verdankte ich dieser feuchten Witterung den Anblick eines Naturphänomens; denn ich habe nichts Ähnliches jemals wieder gesehen, noch auch von anderen, daß sie es gewahrt hätten, vernommen.Wir fuhren nämlich zwischen Hanau und Gelnhausen bei Nachtzeit eine Anhöhe hinauf, und wollten, ob es gleich finster war, doch lieber zu Fuße gehen, als uns der Gefahr und Beschwerlichkeit dieser Wegstrecke aussetzen. Auf einmal sah ich an der rechten Seite des Wegs, in einer Tiefe eine Art von wundersam erleuchteten Amphitheater. Es blinkten nämlich in einem trichterförmigen Räume unzählige Lichtchen stufenweise übereinander, und leuchteten so lebhaft, daß das Auge davon geblendet wurde. Was aber den Blick noch mehr verwirrte, war, daß sie nicht etwa still saßen, sondern hin und wieder hüpften, sowohl von oben nach unten, als auch umgekehrt und nach allen Seiten. Die meisten jedoch blieben ruhig und flimmerten fort. Nur höchst ungern ließ ich mich von diesem Schau- spiel abrufen, das ich genauer zu beobachten gewünscht hätte. Auf Befragen wollte der Postillon zwar von einer solchen Erscheinung nichts wissen, sagte aber, daß in der Nähe sich ein alter Steinbruch befinde, dessen mittlere Vertiefung mit Wasser angefüllt sei. Ob dieses nun ein Pandämonium von Irrlichtern oder eine Gesellschaft von leuchtenden Gestalten gewesen, will ich nicht entscheiden.

Es kann kaum ein Zweifel bestehen: das „Naturphänomen”, von dem Goethe im sechsten Buch seiner Autobiographie berichtet (WA I. 27, S.45 f.), war ein Ufo. „Irrlichter”, wie er sie als mögliche Verursacher in Erwägung zieht, sind mittlerweile als natürliche Gase identifiziert, die sich aufgrund klimatischer Bedingungen selbst entzünden und wie ein Feuerball durch die Luft schweben —sie kommen als Ursache des beschriebenen „Pandämoniums” nicht in Frage. Alles spricht dafür, daß es sich bei dem Erlebnis des Studenten Goethe um eine „Begegnung der Zweiten Art” handelt: die Sichtung einer gelandeten oder über dem Boden schwebenden Untertasse. Zu einem Kontakt mit den „leuchtenden Gestalten”, einer Unheimlichen Begegnung der Dritten Art, wie sie Spielberg in seinem Film beschreibt, ist es wohl nicht gekommen —die Details des Lichterphänomens aber lesen sich wie eine Regieanweisung dazu. Sie gleichen aufs Haar den zahlreichen Zeugen- aussagen, auf die sich die moderne Ufo-Literatur und im übrigen auch Spielberg berufen, der seinen Film als Dokumentation verstanden wissen wollte. „Wundersam erleuchtetes Amphitheater” —ein treffenderer Ausdruck für ein Ufo ist im 18. Jahrhundert kaum denkbar, alles sprich tdafür,daß es sich bei diesem „trichterförmigen Raum”, der „stufenweise” flimmert, nicht um einen im vorelektrischen Zeitalter schwerlich zu simulierenden Trick handelt — genausowenig wie um eine Freie (Amphi-)Theater-Gruppe, die auf dem Land zwischen Hanau und Gelnhausen gastierte —, sondern um ein Flugobjekt mit außergewöhnlichen technischen Eigenschaften. Dem zur Beurteilung des Phänomens herangezogenen Postillon fällt die klassische Rolle des aufgeklärten, gegen Unerklärliches immunisierten „Experten” zu: Zuerst streitet er grundsätzlich ab —er will von der Realität der Erscheinung „nichts wissen” —und wenn das nicht mehr hilft, weil der Zeuge insistiert, werden rationalisierende Erklärungen nachge- schoben —der „mit Wasser angefüllte Steinbruch”. Daß diese Wasseroberfläche Licht reflektiert haben könnte, ist fraglos möglich. Dagegen spricht aber nicht nur die trübe, regnerische Witterung dieser Septembernacht im Jahr 1768, sondern vor allem die Intensität und Regelmäßigkeit des Phänomens: „unzählige Lichtchen”, die „stufenweise übereinander” rhythmisch „hin und wieder hüpften” und so „lebhaft leuchteten, daß das Auge geblendet wurde”.

Für die Goethe-Forschung wäre die Identifizierung des „wundersam erleuchteten Amphi- theaters” als gelandetes unidentifiziertes Flugobjekt nur dann von Belang, wenn sich ein Kontakt mit seiner Besatzung nachweisen ließe. Die beiden Hinweise auf Goethes Zustand nach diesem „unerwartet glücklichen Ereignis” —ein „Schmerz” in der Brust, der „erst nach vielen Jahren mich völlig verließ”, und ein merkwürdiger hypnagoger Zustand, „daß ich eigentlich im Gehen schlief” —deuten nicht auf eine jener Entführungen (und operativen Eingriffe durch außerirdische „Ethnologen”), wie sie amerikanische Ufo-Forscher neuerdings zahlreich dokumentieren. Goethes Erklärungen für diesen „Verdruß” sind völlig plausibel: Auch damals ließ der ostzonale Straßenzustand zu wünschen übrig („durch Thüringen wurden die Wege noch schlimmer”), und bei Auerstädt blieb der Wagen stecken. Beim Anschieben „ermangelte [ich] nicht, mich mit Eifer anzustrengen und mochte mir dadurch die Bänder in der Brust übermäßig ausgedehnt haben.” Daß ihn nach solcher Anstrengung, „des Wachens und der Reisebe- schwerden nicht gewohnt”, später im Gasthaus eine „unüberwindliche Schlafsucht” überfällt, als er gerade unterwegs ist, „die erhoffte Suppe zu beschleunigen”, scheint mehr als verständlich. Als Ahnherr der Ufo-Entführungsopfer, wie sie sich in den USA mittlerweile in Selbsthilfegruppen organisiert haben, kommt Goethe deshalb nicht in Frage. Auch wenn die „Abductees” —die den Psychiater meist wegen einer Erinnerungsblockade aufsuchen, die unter Hypnose bricht und (erschreckend übereinstimmende) Details von Entführungserlebnissen und medizinischen Untersuchungen preisgibt —ihre Horror-Erfahrung durchaus mit positiven „Bewußtseins-Transformationen” verbinden, Verwandlungen von Weltbild und Lebenseinstellungen in einer Art, wie sie „goethischer” nicht sein könnte: ganzheitlich, spiritualistisch, kosmisch.

Für die Ufo-Forschung ist das Protokoll Goethes von weit größerem Belang —es stammt nicht nur von einem glaubwürdigen Zeugen, sondern darüber hinaus von einem der größten Lichtexperten seiner Zeit —Goethes nie akzeptierte „Farbenlehre” wurde erst in jüngster Zeit von der neuen Physik und Wahrnehmungsforschung im Grundsatz rehabilitiert, sie war dem mechanistischen Zeitalter Newtons 200 Jahre voraus. Wenn aber ein so deutlich als blinkende Untertasse identifizierbares „Amphitheater” bereits im 18. Jahrhundert landete, dann kann es sich weder um einen „modernen Mythus” handeln —als welchen C. G. Jung das Ufo-Phänomen klassifizierte —noch um geheimes militärisches „Stealth”-Fluggerät, mit dem nach Ansicht notorischer Skeptiker Ufos seit 1946 meistens verwechselt werden. Vielmehr darf „mit Goethe” behauptet werden —ohne den E. T.- Archäologen v. Däniken zu einem weiteren Werk („Waren die Dichter-Götter Astronauten?”) anregen zu wollen —, daß es „Untertassen” sehr wohl schon gab, bevor sie ihren Siegesflug durch die Yellow Press antraten. Die Spezies WEA —„Wundersam erleuchtete Amphitheater” —muß als legitimer Vorfahr der Gattung Ufo gelten.

 Bei der Arbeit an einem Buch über Goethes Naturforschung stieß ich in meinem Archiv auf diesen Artikel, der in der taz vom 10.5.1991  erschienen ist . In “Das sogenannte Übernatürliche” (1998, als Taschenbuch 2001 unter dem Titel: “Können Tomaten träumen?“) lieferte die Ufo-Sichtung des 19-jährigen Studenten Goethe dann den Auftakt zu einem Kapitel über “Außerirdische von unserem eigenen Planeten”.

Stop Fake Money

Christoph Pfluger, den Herausgeber des “Zeitpunkt”-Magazins, traf ich unlängstin Solothurn – leider viel kurz, denn wir haben uns immer viel zu erzählen. Er hat mit der „Allianz für Vollgeld und Gerechtigkeit“  in der Schweiz eine Volksabstimmung initiiert, die am 10. Juni wahrscheinlich keine Mehrheit erreichen wird.  Die Vorteile eines auf souveräner Geldschöpfung basierenden schuldenfreien Gelds erläutert er im Gespräch mit KenFM.

Es gab keine „Annexion” der Krim!

Im Verlauf des öffentlich geführten Dialoges des Kollegen Paul Schreyer mit dem ARD-Journalisten Georg Restle kritisierte dieser die Position des Strafrechtlers und Rechtsphilosophen Prof. Reinhard Merkel, der schon 2014 betont hatte, dass man nicht von einer „Annexion“ der Krim sprechen könne. Restle bezeichnete Merkels Darstellung als „relativierende Einschätzung“, „brandgefährlich“ und „Aufweichung wichtiger völkerrechtlicher Grundsätze“. Da Georg Restle der Bitte, diese massiven Anwürfe zu belegen, nicht nachkam, setzte Paul Schreyer Prof.Merkel davon in Kenntnis – und erhielt eine ausführliche Antwort.  Neben präzisierenden Details enthält sie auch ein simplifizerendes Beispiel, mit dem Reinhard Merkel auch Nicht-Völkerechtlern klar macht, warum es sich bei der Abspaltung der Krim nicht um eine völkrerechtswidrige “Annexion” , sondern um eine “Sezession” handelt:

„In unserer Frage geht es im Wesentlichen darum, wem eigentlich die Abspaltung der Krim primär zuzurechnen ist: ihrer Bevölkerung oder dem mit militärischer Drohgebärde anwesenden Russland? Stellen wir uns Folgendes vor: Jemand geht in das Haus eines anderen, hält der 16-jährigen Tochter eine Pistole an den Kopf und sagt ‚Mitkommen!‘, woraufhin die Tochter aus Angst mitkommt. Das ist der klare Fall einer Entführung – wenn Sie so wollen, einer Annexion der Tochter. Wenn nun – mein zweites Modell – jemand in das Haus des Nachbarn geht, wissend, dass dessen Tochter aus dem Haus hinauswill, um zu ihm zu ziehen, und ebenfalls wissend, dass der Hausherr das nach Möglichkeit zu verhindern suchen wird, wenn er also in das Haus dieses Nachbarn geht, dem Hausherrn eine Pistole an den Kopf hält und sagt ‚Du hältst dich ruhig!‘, womit er der Tochter ermöglicht, nach ihrem eigenen Willen mit ihm zu kommen, dann ist sein Verhalten selbstverständlich rechtswidrig – eine Nötigung per Androhung von Gewalt. Aber eine Entführung, eine Annexion, ist es nicht. Und das eben ist grosso modo das (selbstverständlich simplifizierende) Modell für die Krim. Russland hat die Macht des Hausherrn Ukraine blockiert, der verhindern wollte, dass seine Tochter Krim ihn verlässt und zu Russland zieht. Noch einmal: Dass die Tochter Krim zu Russland wollte, setze ich voraus, und warum das begründet ist, habe ich vorhin dargelegt. Russlands militärische Nötigung ist rechtswidrig gewesen; aber eine Entführung, eine Annexion, war es nicht.“

Soweit das auch Nicht-Juristen einleuchtende Beispiel, warum es falsch ist, von einer “Annexion der Krim” zu sprechen. Wenn Journalisten und Politiker dies weiterhin tun verbreiten sie Fake News – und wenn sie Kritik an ihren Fake News als “brandgefährlich” denunzieren betreiben sie Propaganda.

In diese Kategorie scheinen auch die jüngsten “News” über den Abschuß der MH17 über der Ukraine zu fallen, in denen der niederländische Ermittlungsauschuß zwar keine neuen Fakten oder Beweise präsentieren konnten, entscheidene Fragen weiter offen blieben und einmal mehr Bellingkatzenfotos gezeigt wurden, aber für die erneute Beschuldigung einer “russischen Militäreinheit” reicht es allemal.

Nach Ende der Giftgaswochen bei McMedien  ist unterdessen der Novichok-Kampfstoff, mit dem die Skripals angeblich um die Ecke gebracht werden sollten, wieder aufgetaucht. Aber dass er keineswegs nur aus Russland stammen konnte, sondern in den 1990er Jahren an zahlreiche westliche Geheimdienste verteilt wurde – und zwar… vom BND!  (also von jenen bundesdeutschen Schlapphüten, die 1995 schon einem Schmuggel von Plutonium am Münchner Flughafen erwischt wurden, der im Rahmen der “Operation Hades” Russland in die Schuhe geschoben werden sollte) –  das ist dann bei McMedien aber natürlich keine große Nachricht. Am Narrativ vom bösen Russen darf nicht gerüttelt werden. Fragen dazu beantwortet die Bundesregierung nicht – unter Hinweis auf “Sicherheit” und “Staatswohl” bleibt es ein Geheimnis, ob die Regierung davon wußte, dass Novichok keineswegs exklusiv aus Russland kommt, wie es die Briten behaupteten, und ihr eigener Geheimdienst damit hantierte – und dennoch  russische Diplomaten auswies.

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Wir schwören ab!

Zum 15. Jahrestag der 9/11-Attacken hatte ich hier über die neue Glaubensgemeinschaft “Church of Free Fall” (C.O.F.F.) berichtet und deren Glaubensbekenntnis  auf  telepolis veröffentlicht:

“Wo Legenden als Realgeschichte etabliert und zur Staatsräson erkoren werden, um auf dieser Basis Machtpolitik zu exerzieren, hat kritische Vernunft ausgedient. Deshalb wollen wir eine Glaubensgemeinschaft gründen, die sich klar und unzweideutig zur offiziellen 9/11-Geschichte bekennt und die Promotion dieser wunderbaren Ereignisse in den Status soliden, staatlich geprüften Wissens feiert. Weil dabei sowohl die Naturgesetze, wie auch die der Wahrscheinlichkeit, der Logik und des gesunden Menschenverstands teilweise in Frage gestellt werden, haben wir uns (vorläufig) für den Namen “Church Of Free Fall” (C.O.F.F.) entschieden und streben mittelfristig die Zulassung als offizielle Religionsgemeinschaft an. Dass die C.O.F.F. als eigentlich säkulare “Wissensgemeinschaft” dabei auf Gründungsmythen und Wunder verweisen kann, die hinter denen der etablierten Kirchen kaum zurückstehen, zeigt unser Glaubensbekenntnis…”

So hieß es in dem Anschreiben der C.O.F.F. und die sagenhaften Wunder, zu denen sich diese Gemeinde bekennt, können es in der Tat mit denen im Alten und Neuen Testament und im Koran aufnehmen. Deshalb sollte einer offiziellen Zulassung als Religionsgemeinschaft eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Neben Einnahmen aus der Kirchensteuer könnten dann auch C.O.F.F.-Theologen an deutschen Universitäten ausgebildet werden und für einen angemessenen Religionsunterricht an den Schulen sorgen. Dies sei “dringend notwendig”, so der Sprecher des C.O.F.F.-Episkopats, Reverend Bob Dobbs, “um den Irrglauben an Verschwörungen und das Gift der Verschwörungstheorien zu bekämpfen.”

Ganz in diesem Sinne hat jetzt Ernst Florian Kirner aka Prinz Chaos II.  ein Bekenntnisvideo veröffentlicht, dass nicht nur in seinem Hofstaat Furore machen wird: “Wir schwören ab!”

Frisch aus dem Archiv: Die Welt als Wille und Spätvorstellung

Die Forscher streiten sich noch um die Terminologie, doch über die fünf Kriterien, die ein Klartraum (lucid dream, high dream) erfüllen muß, herrscht Einigkeit:

1. Die träumende Person ist sich vollständig darüber im klaren, daß sie träumt;

2. Ist ihr Bewußtseinszustand in keiner Weise eingetrübt und liegt nicht selten sogar über dem Niveau des normalen Wachzustandes;

3. Funktionieren alle fünf Sinne dem subjektiven Erleben nach genauso gut wie im Wachzustand;

4. Existiert dabei sowohl eine uneingeschränkte Erinnerung an das bisherige Wach- und Klartraumerleben als auch

5. Ein klares Bewußtsein der eigenen Entscheidungsfreiheit.

Klarträumen heißt mit anderen Worten, daß sich die träumende Person vom Hauptdarsteller eines chaotischen Traumgeschehens zum Regisseur einer bewußten Inszenierung wandelt, in der sie gleichwohl immer noch die Hauptrolle spielt. Und zum Beispiel, wie weiland Heinz Rühmann im Film mit dem Kopf durch die Wand geht und den Chef erschreckt – statt wie bisher, von gar finsteren Mächten und Autoritäten gepeinigt, naßgeschwitzt aus einem Alptraum aufzuwachen…

Im ersten „Somnambulen Salon“, zu dem Micky Remann zu nächtlicher Stunde in ein Frankfurter Cafe geladen hatte, stand einer der raren Fachkundigen auf diesem Gebiet, Dr.Thomas Metzinger, Rede und Antwort. Der Klartraumforscher, der an der Uni Gießen dem ontologischen Pingpong zwischen Gehirnstruktur und Bewußtseinszuständen auf der Spur ist, begann mit einer äußerst ermutigenden Eröffnung: Das luzide, bewußtseinszustandsklare Träumen ist ein seit Jahrtausenden bekanntes Phänomen und jeder kann es lernen. Die einfachste Methode ist die, sich anzugewöhnen, täglich 8-15 mal einen Realitäts-Check durchzuführen: Ich bin wach, es ist Sonnabend 17 Uhr, ich sitze am Schreibtisch und schreibe einen Artikel, in meiner Umgebung ist alles normal, nichts Ungewöhnliches zeichnet sich ab, draußen regnet es, ich kaue hektisch ein Kaugummi, weil ich nicht rauchen will, dies ist die Wirklichkeit…

Wenn mir diese Art von Zustandsüberprüfung nach etwa 3 Monaten in Fleisch und Blut übergegangen ist, besteht die Möglichkeit, daß ich einen solchen Realitäts-Check einmal während eines Traums durchführe – und dann eben plötzlich feststelle, daß ich nicht wach bin, sondern träume. Mit diesem Bewußtwerden, einem „Aufwachen“ während der Realkörper weiterschnarcht, beginnt der Klartraum – und damit die Möglichkeit, Personal und „Action“ des Traumgeschehens selbst zu bestimmen. Geübte Klarträumerinnen (Frauen sollen es übrigens leichter lernen können als Männer) verschaffen sich erstmal ein paar Orgasmen, deren Lustgefühle es durchaus (siehe oben, Punkt 2 und 3) mit denen des Wachzustands aufnehmen können, um sodann den Erlebnisraum Traum nach Gusto und Bedarf zu nutzen – für Diskussionen, Abenteuer und Experimente aller Art.

So schwierig die Technik des bewußten Träumens zu erlernen ist, so leicht ist es, einen Klartraum zu beenden: wer seine ausgestreckten Hände oder irgendeinen anderen Gegenstand fest fixiert, beendet die Phase des Rapid Eye Movement und wacht auf. Thomas Metzinger berichtete in diesem Zusammenhang kurz von einem unlängst in USA durchgeführten Experiment: dem Live-Bericht eines Klarträumers über seinen Traum, den er mit Augenbewegungen in Morseschrift durchgab, sie wurden von Detektoren auf den Lidern des Schlafenden aufgezeichnet.

Für die Traumforschung besonders interessant ist ein Volksstamm in Malaysia, der normale Realität und Traum -Realität als völlig gleichberechtigt betrachtet und seine Kinder von klein an zum Klarträumen anleitet. So wird ihnen beigebracht, daß, wenn sie im wirklichen Leben einen Tiger sehen, sie wegrennen und das Dorf vor ihm warnen müssen. Begegnet er ihnen aber im Traumleben, sollen sie stehenbleiben, den Tiger scharf anschauen und ihn zwingen, ihnen Geschenke zu bringen. Es überrascht nicht, daß in diesem Volk Gewaltverbrechen fast nie vorkommen und Geisteskrankheiten nahezu unbekannt sind: wer ein solches Doppelleben führt, kann in der somnambulen Spätvorstellung bei völlig klarem Bewußtsein all das ausleben, was tagsüber aufgrund der Gesetze der Physik, des Sozialen und anderer Hemmnisse völlig unmöglich ist. Wir werden demnächst ausführlicher über den Klartraum (und die Frage nach der Notwendigkeit, seine Techniken als Hauptfach an Grundschulen einzuführen) berichten. Interessierte sollten sich bis dahin vielleicht stündlich einmal fragen, ob sie wach sind und dies hier wirklich die Wirklichkeit ist. Oder am Ende nur ein schlechter Film? Die Vorstellung, daß wir auch im Wachzustand eigentlich noch schlafen, ist die einzige Entschuldigung für die verluderte Dumpfheit, mit der die Menschheit über den Planeten torkelt.

Frisch aus dem Archiv: taz vom 15.5.1990