“Aus Parasiten müssen Symbionten werden!”

Für die Nachdenkseiten hat Marcus Klöckner mit mir über das neue Buch gesprochen.

Herr Bröckers, in Ihrem aktuellen Buch setzen Sie sich zwischen zwei Stühle. Sie kritisieren sowohl diejenigen, die in Sachen CO2-Ausstoß die Apokalypse an die Wand malen, als auch diejenigen, die den Klimawandel leugnen. Warum? Was machen die beiden Lager falsch?

Weder ist der anthropogene CO₂-Ausstoß harmlos, noch ist er der einzige Faktor, der bekämpft werden muss, um den Planeten zu retten. Das fröhliche „Weiter so!“ mit fossiler Energie, das die Skeptiker und Leugner vertreten, ist genauso falsch wie der panische Blick auf die „Parts per Million“ (ppm) Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre und die Horrorszenarien, die bei einem weiteren Anstieg drohen.

Richtig und entscheidend ist vielmehr: Auf diesem Planeten findet ein großes Sterben statt – der Meere, der Böden, der Wälder, der Feuchtgebiete, der Tier- und Pflanzenarten – und es ist unstrittig, dass Menschen für die weltweite Zerstörung von Ökosystemen verantwortlich sind. Wer glaubt, dass dieses Problem mit einer Reduktion anthropogener Treibhausgase gelöst werden kann, macht sich etwas vor. Denn fiebersenkende Maßnahmen bei einem Patienten machen kaum Sinn, wenn gleichzeitig Herz, Nieren und Lungen weiter zerstört werden.

Sie sprechen in Ihrem Buch davon, dass der menschengemachte CO2-Zuwachs ein „Nebenkriegsschauplatz“ ist. Warum das?

Panikmacher, Apokalyptiker und Fatalisten lügen sich in Sachen CO₂ genauso in die Tasche wie die Skeptiker und Leugner einer menschengemachten Erderwärmung. Wir haben also „Klimalügner“ auf beiden Seiten. Denn auch wenn die Erderwärmung nicht CO₂-bedingt sein sollte, müssen wir dringend etwas tun – und wenn menschengemachtes CO₂ die Ursache ist, dann erst recht. Nur was wir nicht mehr tun sollten, ist, diese nutzlose Debatte weiterzuführen. Stattdessen müssen wir an den Lösungen arbeiten.

Und die können nicht darin bestehen, das Problem zu monetarisieren, aus dem Handel mit Verschmutzungsrechten ein Finanzprodukt zu machen und das Heil in CO₂-Steuern zu suchen, denn das kann allenfalls die Symptome kurieren, nicht aber die Krankheit heilen. Was nottut ist ein grundlegender Systemwechsel und der kann nicht mit denselben Methoden erreicht werden, die die Zerstörung angerichtet haben, also mit Wall Street, Finanzprodukten, Zertifikaten etc. Ein solcher „Green New Deal“ kann nur nach hinten losgehen, an einem grundlegenden Systemwechsel haben diese Akteure nämlich keinerlei Interesse, denn der geht an ihr Eingemachtes, was ich mit dem Untertitel dieses Buchs ausdrücken wollte: „Vom Ende des Kaputtalismus und der Zuvielisation“.

Erinnern wir uns: Es gab eine Zeit, da wurde von „Treibhauseffekt“ und „Erderwärmung“ gesprochen. Irgendwann ist dann der Begriff „Klimawandel“ aufgetaucht. Aber dieser neue Begriff ist nicht einfach so entstanden und hat nicht einfach so seinen Weg in die Medien gefunden.

Nein, es war der Strategieberater und Spin-Doktor der republikanischen Partei Frank Luntz, der damals die Regierung von George W. Bush darauf aufmerksam machte, dass die Erkenntnisse und Messungen der Klimaforschung fast alle darauf hinauslaufen, die Nutzung fossiler Brennstoffe für den Treibhauseffekt verantwortlich zu machen. Und dass, wenn man dagegen vorgehen will, zwei Dinge entscheidend wären: erstens Zweifel an den wissenschaftlichen Daten zu säen und zweitens, statt von „Treibhauseffekt“ und „Erderwärmung“ zu reden, den Begriff „Klimawandel“ zu verwenden. Den hat es schließlich schon immer gegeben.

In einem später geleakten Memo hatte Luntz seine Klienten 2003 angefeuert: „Fahrt damit fort, das Fehlen wissenschaftlicher Sicherheit zum Kernaspekt in der Debatte zu machen, betont die Wichtigkeit, erst dann zu handeln, wenn alle Fakten bekannt sind … Das wichtigste Prinzip ist euer Bekenntnis zu solider Wissenschaft.“

In Sachen Klima-Diskussion sind also auch Spin-Doktoren unterwegs und eine Beeinflussung der Öffentlichkeit findet statt?

Auf jeden Fall. Es war ja nicht allein das geschickte Wording, statt von Treibhaus und Erwärmung nun allgemein von Wandel zu sprechen, das zu der politisch und emotional erhitzten Klimadiskussion führte, die wir heute erleben. Es waren sehr viele Milliarden Dollar, die aus der Ölindustrie in Think Tanks und Öffentlichkeitsarbeit flossen, um die wissenschaftlichen Zweifel an einer menschengemachten Erderwärmung publik zu machen. Und ähnlich wie es einst der Tabakindustrie über Jahrzehnte gelang, mithilfe gekaufter Ärzte und Wissenschaftler Zweifel an den Sucht- und Krebsgefahren ihrer Produkte zu säen und damit Werbeverbote und Verkaufsbeschränkungen zu verhindern, so gelingt es dieser Kampagne seit nunmehr zwei Jahrzehnten, einschneidende Maßnahmen gegen fossile Rohstoffe abzuwehren.

Nachdem er und sein Haus 2017 nur knapp von den verheerenden kalifornischen Waldbränden verschont geblieben sind, ist Spin-Doktor Frank Luntz mittlerweile vom Saulus zum Paulus und Mitglied der Initiative „Conservatives for Climate Action“ geworden. In dieser Eigenschaft hat er dem US-Senat jetzt neue Begriffe und Worte vorgeschlagen und er sagt, dass man “Klimaschutzmaßnahmen als Ohne-Reue-Strategie” gestalten müsse.

So langsam ist dann auch bei so manchen Mitgliedern der Elite die Erkenntnis gereift: So geht es nicht weiter.

Nun ja, wenn du wegen zunehmender Dürre und Waldbränden jeden Sommer um dein Haus fürchten mußt, beschleunigt das möglicherweise gewisse Erkenntnisprozesse, wobei die Lösungsvorschläge aber keine sind, wenn sie davon ausgehen, dass man nur an ein paar Stellschrauben etwas drehen müsste und alles wird wieder gut. Dass man also ein zerstörerisches, auf ständigem Wachstum und steigender Ressourcenausbeutung basierendes System, den Kaputtalismus, behalten kann, wenn man ihn nur etwas „umweltfreundlicher“ gestaltet.

Dass ein solches, auf grenzenlosem Wachstum fußendes Geld- und Wirtschaftssystem für einen Planeten mit begrenzten Ressourcen ungeeignet ist, versteht eigentlich jedes Kind und natürlich auch die Elite, diese etwa 80 Multimilliardäre, denen schon mehr als die halbe Welt gehört. Aber das sind auch nur Menschen und sie schleppen Prägungen in ihren Gehirnen mit sich herum, die Milliarden Jahre alt sind und noch aus einer Zeit stammen, als das Bewusstsein der Lebewesen nur aus einem Befehl bestand: „Wenn sich was bewegt, hau drauf und friss es.“

Dieses Programm, das einmal die wichtigste Regel des Überlebens auf diesem unwirtlichen Planeten war, steckt auch noch in den domestizierten Primaten des 21. Jahrhunderts, selbst wenn sie höhere Bewusstseinsstufen entwickelt haben und ein paar Methoden, diese Programmierung im Zaum zu halten. Aber die reichen offensichtlich nicht. In diesem Zusammenhang habe ich die bekannte – und bedrückende – Einsicht von Gus Speth zitiert, der als Professor für Nachhaltige Entwicklung an der Yale-Universität und Chefberater der Nationalen Umweltkommission gegen Ende seiner langen Karriere resigniert feststellte:

„Früher dachte ich, dass die größten Umweltprobleme der Verlust der Artenvielfalt, der Kollaps der Ökosysteme und der Klimawandel wären. Ich dachte, 30 Jahre gute Wissenschaft könnte diese Probleme angehen. Ich habe mich geirrt. Die größten Umweltprobleme sind Egoismus, Gier und Gleichgültigkeit, und um mit ihnen fertig zu werden, brauchen wir einen kulturellen und spirituellen Wandel. Und wir Wissenschaftler wissen nicht, wie man das macht.”

Wenn man Ihr Buch liest, bekommt man den Eindruck, eines der Grundprobleme im Kampf für einen Planeten, auf dem man auch weiterhin leben kann, liegt darin, dass alle Lager in gewisser Weise auch einfach borniert sind, nicht bereit sind, ihre eigene Perspektive zu hinterfragen. Ein effektives Handeln bleibt so aus.

Was die Perspektive, das Weltbild betrifft, wird das „Neue Kliamregime“, wie Bruno Latour es in seinen Vorträgen zum „Kampf um Gaia“ nennt, für einen radikalen Umsturz sorgen: Der Mensch wird auf die Erde zurückgeholt, in ein planetarisches Gesamtsystem, dessen „Klimaanlage“ seit Milliarden Jahren von Mikroben, Bakterien, Pflanzen und Tieren gemanaged wird und in der die Menschen , als relativ neues Produkt der Evolution, nur eine Randerscheinung darstellen. Das hat man unlängst sogar im Vatikan erkannt, als Papst Franziskus darauf hinwies, dass es sich bei dem biblischen Auftrag „Macht euch die Erde untertan“ um einen Übersetzungsfehler handelt: „Macht euch der Erde untertan“, müsse es heißen.

Das ist ein radikaler Schritt, eine Wende, wie sie vor 500 Jahren Kopernikus und Galilei brachten, als die Erde als vermeintliches Zentrum des Universums abgelöst und auf ihren eigentlichen Platz gesetzt wurde. Und so wie damals die Vorstellung vom Mittelpunkt des Universums muss unter dem neuen Klimaregime das Weltbild vom Menschen als Krone der Schöpfung und Herrscher über die Natur fallen. Oder die Menschen werden verschwinden, weil sie mit ihrer Lebens- und Wirtschaftsweise den Ast, auf dem sie sitzen, einfach abgesägt haben. „Irgendwann“, sagt Bruno Latour, „wird man es genauso seltsam finden, dass die Tiere und Pflanzen kein Stimmrecht haben – wie nach der Französischen Revolution, dass bis dahin die Menschenrechte nicht auch für Frauen und Schwarze galten.“

Leben ist Mannschaftssport, „Klima“ ist nicht einfach da, sondern wird permanent produziert, von den Milliarden Kleinstlebewesen, die in jedem Tropfen Meerwasser aktiv sind, in jeder Handvoll Erde aus der immer dünner werdenden Humusschicht und in den Pflanzen, die den Großteil des Festlands bedecken. In dieses Team muss der evolutionäre Youngster Homo sapiens sich einordnen und Anschluss finden an den Teamspirit, ohne den selbst die fittesten und trickreichsten Einzelspieler auf diesem Planeten nicht überleben können.

Wo und wie müsste man denn aus Ihrer Sicht ansetzen?

Weil CO-2 nur ein Symptom der Klimakrankeit ist, müssen wir an die Ursache ran, an den Motor des Wachstumszwangs.

Der da ist?

Geld! Ohne eine Wurzelbehandlung – eine globale Entschuldung und ein Geldsystem, das von seinem von schulden- und zinsgetriebenen Wachtumszwang befreit ist – wird nichts zu ändern sein am „Kaputtalismus“ und der „Zuvielisation“. Solange Mangel auf der Erde herrschte, waren Gier und Konkurrenz – das „Hau-drauf!“-Programm – unverzichtbar für das Überleben, mittlerweile aber herrscht ein solcher Überfluss, dass wir des Mülls – auf dem in den USA und Westeuropa mehr als ein Drittel aller Lebensmittel landet – schon kaum noch Herr werden.

Da gleichzeitig den Konsumenten mit gigantischen Propagandamaßnahmen eingeredet wird, dass sie weiterhin an Mangel leiden und dieses oder jenes Produkt unbedingt brauchen, muss Werbung – die unsinnige Stimulation nicht vorhandener Bedürfnisse durch Simulation nicht vorhandenen Mangels – auf Produkt- und Preisinformationen reduziert werden. Und es dürfen nur noch 100 Prozent biologisch abbaubare oder langlebige Produkte hergestellt werden, die „cradle to cradle“ am Ende der Lebensdauer in den Materialkreislauf zurückgeführt werden. Da Maschinen und Roboter kein Verständnis für den Generationenvertrag haben, müssen für ihren Einsatz dieselben Steuern und Sozialabgaben fällig werden wie für menschliche Angestellte.

So könnten dem Kaputtalismus schon einige wirksame Leitplanken eingezogen werden in seinem Bestreben, das allgemeine Wohl auf einem Minimum und die Ausbeutung und Monetarisierung von Ressourcen auf einem Maximum zu halten.

So läuft es aber schon seit ziemlich langer Zeit.

Ja, solange sich das „allgemeine Wohl“ auf das billige Minimum von Junk Food&Porno (ehemals Brot&Spiele) beschränken konnte, war diese parasitäre Methode durchaus erfolgreich, unter dem neuen Klimaregime aber ist sie untauglich, denn fortan muss dem Gemeinwohl aller Lebewesen der Biosphäre Rechnung getragen werden.

Die Liste der Forderungen, die der Wohlfahrtsausschuss der Erdlinge den Neo-Feudalherren vorlegt, ist natürlich noch viel länger, aber es ist klar, worauf diese Transformation hinausläuft. Wenn die Erde noch länger als ein paar hundert Jahre bewohnbar bleiben soll, ist das Weltbild der Menschen vom Herrn und Meister als „Krone der Schöpfung“ nicht zu retten. Aus Parasiten müssen Symbionten werden.

Hier auch als Podcast

Masthias Bröckers: Klimalügner – Vom Ende des Kaputtalismus und der Zuvielisation

Klimalügner

Kaum eine Debatte wird derzeit emotionaler geführt als die um den Klimawandel. Aktivisten von “Fridays For Future” und “Extinction Rebellion” stehen Skeptiker und Leugner gegenüber, die die Gefahren von CO₂ und der Erderwärmung für überschätzt halten oder für nicht einmal vorhanden.

Zwar schmilzt Grönland wieder zu Grünland, aber wächst nicht anderswo gerade wieder das Packeis? Und gab es nicht vor 250 Millionen Jahren Unmengen CO₂ in der Atmosphäre und einen rapiden Anstieg der globalen Temperatur und im Mittelalter, wo sie gar nicht hingehört, eine kleine Eiszeit? Und war die Erde nicht schon immer klimatischen Zyklen, Veränderungen der kosmischen Strahlung und des Sonnenmagnetfelds ausgesetzt, die dann zu Dürreperioden, Hitzewellen oder Überflutungen führten? Und wenn nachgewiesenermaßen simpler Wasserdampf zu 80 Prozent für den Treibhauseffekt verantwortlich ist, wie können da Stoffe wie CO₂ oder Methan, die nicht einmal ein Prozent der Atmosphäre ausmachen, eine entscheidende Rolle spielen?

Und wenn die Klimaforscher an ihren Kurven, die menschengemachte CO₂-Emissionen als Ursache für den Temperaturanstieg aufzeigen, ein wenig herumgeschraubt haben, ist das nicht ein Beweis, dass diese Klimamodelle falsch sein müssen? Werden wir nicht nach Strich und Faden verschaukelt von Wissenschaftlern, die nicht die wahren Fakten aufzeigen und erklären, sondern einer politischen Agenda folgen? Oder die in einem Gruppendenken verhaftet sind, das durch Forschungsförderung und Schwerpunktsetzung bei Publikationen sowie durch politischen Druck nur die herrschende Lehrmeinung bestätigt, aber mit echter Wissenschaft nichts mehr zu tun hat?

Den Gegenpol zu solchen kritischen, skeptischen Fragen bilden die Gutachten des Weltklimarats (IPCC) und die von den meisten Forschern weltweit unterstützten Klimamodelle, die bei einem weiteren CO₂-Anstieg in der Atmosphäre stark steigende globale Durchschnittstemperaturen und fatale Folgen nicht nur für küstennahe Regionen der Erde vorhersagen. Dazu gehören extreme Hitzewellen, Dürre, Ernteausfälle, Flüchtlingsströme und – in letzter Konsequenz – das Ende der Zivilisation. Doch Panikmacher, Apokalyptiker und Fatalisten lügen sich in Sachen CO₂ genauso in die Tasche wie die Skeptiker und Leugner einer menschengemachten Erderwärmung. Wir haben also “Klimalügner” auf beiden Seiten, die blind geworden sind für die Wirklichkeit.

Denn weder ist der anthropogene CO₂-Ausstoß harmlos, noch ist er der einzige Faktor, der bekämpft werden muss, um den Planeten zu retten. Deshalb ist das fröhliche “Weiter so!” mit fossiler Energie, das die Skeptiker und Leugner vertreten, genauso falsch wie der panische Blick auf die “Parts per Million” (ppm) Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre und die Horrorszenarien, die bei einem weiteren Anstieg drohen. Richtig und entscheidend ist vielmehr: Auf diesem Planeten findet ein großes Sterben statt – die weltweite Zerstörung von Ökosystemen – und es ist unstrittig, dass Menschen dafür verantwortlich sind.

Der Streit über menschengemachten CO₂-Zuwachs ist ein Nebenkriegsschauplatz, der im Zuge der Klimadebatte zum einzigen Schlachtfeld geworden ist, während das große Sterben der Wälder, der Meere, der Böden, der Feuchtgebiete und die Vernichtung der Tier- und Pflanzenarten als sekundär gilt. Wer glaubt, dass dieses Problem mit einer Reduktion anthropogener Treibhausgase gelöst werden kann, macht sich etwas vor. Denn fiebersenkende Maßnahmen machen kaum Sinn, wenn Herz, Nieren und Lungen weiter zerstört werden.

Das heißt: Auch wenn die Erderwärmung nicht CO₂-bedingt sein sollte, müssen wir dringend etwas tun – und wenn menschengemachtes CO₂ die Ursache ist, erst recht. Nur was wir nicht mehr tun sollten, ist, diese nutzlose Debatte weiterführen. Stattdessen müssen wir an den Lösungen arbeiten. Und die können nicht darin bestehen, das Problem zu monetarisieren, aus dem Handel mit Verschmutzungsrechten ein Finanzprodukt zu machen und das Heil in CO₂-Steuern zu suchen, denn das kann allenfalls die Symptome kurieren, nicht aber die Krankheit heilen. Was nottut, ist ein grundlegender Systemwechsel und der kann nicht mit denselben Methoden erreicht werden, die die Zerstörung angerichtet hat. (…)

“Das Ende – von der heiteren Hoffnungslosigkeit im Angesicht der ökologischen Katastrophe” war der Titel eines literarischen Essays von Gregory Fuller, der angesichts des dramatischen Artensterbens, der Wirkungslosigkeit der Klimaschutzabkommen und den irreparablen Schäden der globalen Umweltzerstörung bereits 1993 zu dem Schluss kam: Es ist zu spät. Als er ein Vierteljahrhundert später für eine zweite Auflage recherchierte, erschrak er “über das Tempo, in dem der Planet zugrunde gerichtet wird. Anfang der 1990er-Jahre hatte ich in meiner damaligen Naivität an einen prozessualen Zeitraum von vielen Jahrhunderten für die Endkatastrophe gedacht. Nun wurde mir klar, das Zerstörungstempo hat sich potenziert. In der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts werden wir uns bereits, viel früher als ich jemals vermutet hätte, am Anfang der Endphase befinden. Unsere Kinder und Enkel werden es ausbaden.”

Diese potenzierte Beschleunigung gibt Anlass zu apokalyptischer Hoffnungslosigkeit. Angesichts dieser Katastrophe heiter zu bleiben, zivilen Ungehorsam und Mitgefühl zu üben, weiter Freude und Begeisterung für Schönes zu empfinden und nicht zu verzweifeln, ist ein freundlicher und durchaus weiser Rat. Mir aber, als Freund des Galgenhumors, ein bisschen zu wenig. Denn das Wissen, die Lösungen, die Ansätze, wie wir die Zukunft retten und den Planeten bewohnbar halten können, liegen vor. Es nicht einmal versucht zu haben, sie umzusetzen, keine Anstrengung unternommen zu haben, Leid zu verringern und Dinge zu verbessern, scheint mir verantwortungslos und wäre überaus tragisch. Denn es könnte funktionieren.

Wir können die Erde zu einem besseren Platz und die Menschen zu besseren Erdbewohnern machen. Wenn auch nicht sofort zu voll bewussten, aktiven Erdlingen, die nach den Schulstreiks fürs Klima am Freitag auch an den anderen Wochentagen zum Generalstreik für Gaia aufrufen; montags für die Ozeane, dienstags für den Boden, mittwochs für die Pflanzen, donnerstags für die Tiere, freitags für die Atmosphäre und am Wochenende für das Leben insgesamt.

Wie lange müsste solch ein Generalstreik laufen, um die Billionäre, die Feudalherren der Welt, zum Einlenken zu zwingen? Ich vermute: Nicht allzu lange, auch wenn der Forderungskatalog der Erdlinge lang ist und teuer wird – aber Geld ist mehr als genug da. Zumal außer den Schätzen der Feudalherren künftig auch öffentliche Gelder sinnvoller eingesetzt werden. Mit den zwei Prozent vom BIP etwa, wie sie für einen “hirntoten” Verein wie die NATO aufgewendet werden sollen, können die Erdlinge schon eine ganze Menge anfangen, dank des gigantischen Budgets des Pentagon – Heimat des größten institutionellen Umweltzerstörers überhaupt, mit einem CO₂-Ausstoß wie ganz Schweden – mit diesen zwei Prozent würde “God’s Own Country” im Nu geradezu paradiesisch aufblühen.

“Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin” lautete eine friedensbewegte Hippie-Utopie, die sich bis dato nur insoweit bewahrheitet, als Krieg mittlerweile per Drohne ferngesteuert wird. Angesichts der Tatsache, dass die Lösungen und das Geld vorhanden sind, den Treibhauseffekt zu kontern und die Mitweltzerstörung zu stoppen, stehen wir jetzt vor einem umgekehrten Paradox: “Stell dir vor, es geht, und keiner kriegt’s hin.”

Also kein Grund zur Hoffnungslosigkeit, eher Motivation, es noch einmal zu versuchen. Das geht, wenn wir uns – mit Albert Camus – Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen und bedenken, dass die domestizierten Primaten, bei all ihrer Ungeschicklichkeit und Dummheit, ja auch über eine wunderbare Kreativität und Erfindungsgabe verfügen, dank derer sie mittlerweile in der Lage wären, aus dem von Mangel und Knappheit geprägten Planeten ein Paradies zu machen: mit einem gigantischen Atomkraftwerk am Himmel, das (für die nächsten circa zwei Milliarden Jahre) kostenlos freie Energie liefert, mit (noch) fruchtbaren Böden, (noch) leidlich sauberem Wasser und einer (noch) gerade ausreichenden Vielfalt von Pflanzen und Tieren, sodass die Erde auch eine größere Menschenbevölkerung ernähren könnte als die derzeit lebende – sofern sich diese Bevölkerung an die Spielregeln hält.

Deren wichtigste Regel, die auf diesem Planeten gilt, seit sich das erste Leben ausbreitete, lautet: Aus Parasiten müssen Symbionten werden. Entscheidend ist die Gesundheit des ganzen Planeten und nicht irgendeiner einzelnen Art von Organismus, entscheidend für die Regulierung des Gesamtsystems ist die Vielfalt des organischen Lebens. Wer sich nur parasitär, auf Kosten dieser Vielfalt ausbreitet, wird zwangsläufig untergehen.”

Auszug aus dem neuen Buch von Mathias Bröckers: “Klimalügner. Vom Ende des Kaputtalismus und der Zuvielisation”.

3JT #55: Die totale Desinfektion

Der Bundestag hat das neue Infektionsschutzgesetz mit weitreichenden Grundrechtseinschränkungen beschlossen. Zunächst sahen wir das kritisch – doch dann erblickten wir das Licht und verstanden endlich die Wahrheit. Und zwar die richtige Wahrheit. Das ist auch gut so – denn vielen Kollegen, die sich kritisch äußerten, wurde der YouTube-Kanal gelöscht. Soweit wollen wir es nicht kommen lassen. Und so berichten wir diesmal richtig – über die Handvoll Covidioten, die sich vor dem Bundestag zusammengerottet hatten, um angeblich das Grundgesetz zu retten. Über Säuberungsaktionen des Geheimdienstes im Meinungskorridor. Über Querdenker im Königreich. Über den Triumph des „President Elect“ Joe Biden. Und über die vorbildliche Zusammenarbeit des dänischen Geheimdienstes mit der NSA. Alle Links zur Sendung wie üblich auf exomagazin.tv.

“Klimalügner” im Gespräch

“Klimalügner – Vom Ende des Kaputtalismus und der Zuvielisation”  ist ab morgen im Buchhandel erhältlich, als dritter Band der Reihe “Brennende Bärte”,  die herausgegeben von Christoph Pfluger und mir in der Schweizer edition Zeitpunkt und im Westendverlag erscheint.  Ihren Namen verdankt die Reihe Georg Christoph Lichtenberg: “Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen”
Als erster Band ist im März von C.Pfluger  “Die Strategie der friedlichen Umwälzung” ,  im Juni von D.Orlov “Die Lehre vom Kollaps” erschienen und jetzt aus meiner Feder dieser Essay über die Klimadebatte. Anläßlich der ausgefallenen Frankfurter Buchmesse hat mein Bruder Johannes, der ebenfalls Autor bei Westend ist,  mit mir ein Gespräch darüber geführt.

UPDATE: Und hier schon eine erste Rezension des Buchs.

Und hier ein kleiner Auszug

Prä-dement und Präsident

Noch ist der Wahlausgang nicht offiziell entschieden, beide Kandidaten haben sich zu Siegern erklärt und am Montag beginnt vor den Gerichten die juristische Schlacht um Nachzählungen. Vor 20 Jahren im Kampf  George W. Bush vs. Al Gore dauerte diese fast fünf Wochen und so lange könnte es jetzt auch wieder gehen. Unterdessen haben die  Leitmedien Joe Biden zum Gewinner und Trump zum schlechten Verlierer erklärt – wie sie es ja auch schon in den Wochen und Monaten vor der Wahl getan haben, als sie einen “Erdrutschsieg” und eine “blaue Welle” für die Demokraten behaupteten. Wo “Sleepy Joe” ohne die einseitige “Pro-Biden”-Berichterstattung gelandet wäre, kann man sich leicht ausrechnen, wenn er es selbst mit dieser massiven Unterstützung nur knapp über die Ziellinie schafft.

So viele gute Gründe es gibt, sich über die Abwahl von Trump zu freuen, so wenige gibt es, einen “Neuanfang” unter Biden zu begrüßen. Denn weder war Donald der erzböse Putin-Nazi, zu dem er vier Jahre lang stilisiert wurde (apropós: Wo ist eigentlich die russische Einmischung geblieben, man hört seit einer Woche gar nichts mehr …), noch ist Joe eine Figur, mit der wieder “Anstand und Ehrlichkeit” ins Weisse Haus einziehen. Zumal ihm möglicherweise noch vor der Vereidigung eine Ermittlung wegen Korruption drohen könnte, wenn der vor der Wahl unter den Teppich gekehrte Email-Verkehr seines Sohnes Hunter genauer untersucht wird, der sich von ukrainischen Oligarchen für den Zugang zu seinem Vater bezahlen lies und Ähnliches auch in China einfädelte. Doch auch ganz abgesehen von derlei unehrenhaften Kleinigkeiten haben die Bürger von einem Präsidenten Biden wenig Gutes zu erwarten: als Senator seines Heimatstaats Delaware hat er Politik für die dort ansässigen Kreditkartenunternehmen gemacht, um Verschuldeten private Insolvenzen zu erschweren, unter Bill Clinton hat er die Privatisierung des Gefängniswesens vorangetrieben und mit der “Crime Bill” dafür gesorgt, dass im  “Land of the Free” mehr Menschen eingesperrt werden als irgendwo sonst auf der Welt. Und er hat alle  illegalen US-Kriege unter Bush und dem sympathischen Friedhof-Nobelpreisträger Obama unterstützt und gehörte mit ihnen, ginge es auf Erden gerecht zu, eigentlich als Kriegsverbrecher vor das internationale Gericht in Den Haag.

Dass Kandidat Biden sich selbst während einer Pandemie nicht zu der Forderung durchringen konnte, endlich eine allgemeine Krankenversicherung einzuführen, machte nochmals deutlich, für was er steht: für Plutokratie as usual statt für sozialpolitische Reformen.  Und auch dass es dank seiner Vizepräsidenten Kamala Harris doch wenigstens etwas fortschrittlicher zugeht, ist nicht zu erwarten.Von ihrem Charme und der braunen Hautfarbe sollte sich niemand täuschen lassen, dass mit Harris jetzt eine anti-rassistische “Gute” mitregiert. Harris hat als Staatsanwältin die neuen Strafgesetze ihres künftigen Chefs mehr als nur dienstfertig umgesetzt – auch und vor allem gegen Schwarze. Es ist also nicht so, dass mit dem prä-dementen Joe und der dynamischen Kamala ein neues Dreamteam ins Weisse Haus einzieht, selbst wenn es ein wenig von dem Porzellan, das Trump zertrampelt hat (Klimaabkommen, Iran-Deal) wieder reparieren könnte. Dass aber die mörderische Kriegsmaschine des Imperiums nicht gestoppt, sondern verschärft angetrieben wird, das muss durchaus befürchtet werden.

 

Klimalügner – Vom Ende des Kaputtalismus und der Zuvielisation

Autorenselfie mit druckfrischer Neuerscheinung, ab 16.11. im Buchhandel. Demnächst mehr dazu an dieser Stelle. Hier schon mal der Klappentext:

“Panikmacher und Apokalyptiker lügen sich in Sachen CO2 genauso in die Tasche wie die Skeptiker und Leugner einer menschengemachten Erderwärmung. Wir haben also ­«Klimalügner» auf beiden Seiten. Der Streit über menschengemachten CO2-Zuwachs ist ein Nebenschauplatz, der zum einzigen Schlachtfeld geworden ist, während das große Sterben der Wälder, Meere und Böden und die Vernichtung der Tier- und Pflanzen­arten als sekundär gilt. Wer dieses Problem mit einer Reduktion der Treibhausgase lösen will, macht sich etwas vor. Der Mensch muss vom Parasiten wieder zum Symbionten werden.”

3JT #53: Einer von Biden

Die US-Wahl ist gelaufen. Noch steht nicht fest, welcher der beiden rechten Flügel des Einparteiensystems das Rennen macht. Fest steht: Es ist ein Desaster für die Medien – dies und jenseits des Atlanik. Außerdem: Sind wir schon mitten drin im Great Reset? Die jüngsten Löschaktionen bei YouTube lassen nichts nichts Gutes erahnen. Über all das und mehr berichten die Journalisten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #53 des 3. Jahrtausends!

Meine Wahlwette

(UPDATES siehe unten) So, heute entscheidet sich in den USA, welcher der beiden rechten Flügel des Einparteiensystems in den nächsten vier Jahren den Präsidenten stellen und regieren darf. Als im Sommer vergangenen Jahres bei der Geburtstagsparty eines Kollegen das Reizwort “Trump” fiel und die üblichen Invektiven gegen den narzisstischen Clown im Weissen Haus abgelassen wurden, schwang ich mich zu der steilen These auf: “Wenn die Demokraten so weiter machen mit diesem Russiagate-Zirkus wird er nochmal gewählt!” – “Niemals”, war sich die Runde daraufhin einig und  auch meine Begründung – “Sie machen doch gar keine Opposition gegen seine Politik, sondern nur gegen seine Person – Rassist, Sexist, Faschist usw. – und selbst wenn da etwas dran ist,  ist er doch eins auf keinen Fall, ein russischer Agent!” –  konnte niemanden überzeugen. Genausowenig aber leuchteten mir die Gegenargumente ein und am Ende stand eine Wette mit dem Kollegen F.:  100 Euro wenn Trump wieder gewählt wird. Das war wie gesagt im letzten Sommer, als der Gegenkandidat Trumps noch nicht feststandt aber schon ziemlich klar war, dass es Bernie Sanders (der imho 2016 gewonnen hätte) nicht werden würde – und auch Corona lag noch nicht in der Luft. Mit seinem sehr hemdsärmeligen Handling der Pandemie schien Trump sich dann zum Jahresbeginn seine Wiederwahl selbst zu vermasseln, sodass ich einen Wettgewinn schon ganz abgeschrieben hatte. Das änderte sich aber, als  die Demokraten als ihren besten Kandidaten die traurige Gestalt des semi-debilen Joe Biden aus dem Köcher zogen. Seitdem ist das Rennen wieder offen – und das sagt ja schon alles. In vier Jahren Opposition haben die Dems  es nicht geschafft irgendeine politische Alternative auf die Beine zu stellen, mit einem halbwegs überzeugenden Kandidaten, der einen “unmöglichen”, “obszönen”, “rassistischen”, “faschistischen” Putin-Hitler-Clown wie Donald einfach aus dem Rennen fegt. Sodass für heute Nacht ein Kopf an Kopf-Rennen angesagt ist…

Das Ergebnis wird möglicherweise auf sich warten lassen und wenn es knapp wird erst in einigen Wochen und vor Gericht entschieden. Mit Freund F. habe ich deshalb unlängst vereinbart, dass unsere Wette erst mit der Vereidigung des nächsten Präsidenten fällig wird. Auch wenn es jemand anderes als Joe Biden wird – falls der zwar gewinnt aber von dem “Laptop from Hell” seines mißratenen Sohnes  und einem Ermittlungsverfahren wegen Korruption eingeholt wird und (Gott bewahre!)  eine Killary Clinton als Ersatzfrau einspringen muss – hätte ich die Wette  verloren. Mittlerweile bin ich aber relativ sicher, dass wir uns auf weitere vier Jahre Trump einstellen können, denn es gibt gute Gründe, den Umfragen, die Biden deutlich vorne sehen, auch dieses Mal anzuzweifeln. Und ein Blick auf die Wahlkampfaufritte in den letzten Wochen machte deutlich, dass Trump ohne Frage und nach wie vor populär ist, während “Sleepy Joe” und seine Fanbase diesem Nickname alle Ehre machen. Was nicht wundert, denn das einzige Argument ihn zu wählen ist “Never Trump!”. Biden ist keine Lösung, sondern Teil des Problems, das mit ihm als Präsident nicht aus der Welt geschafft wird… zumal wenn The Donald, wie schon gerüchtet wird,  dann einen Medienkanal eröffnet und als Ex-POTUS noch wilder twittert als bisher. Aber dazu wird es wohl nicht kommen. Prophylaktisch sollte sich das  gesamte Medienestablishment  eher schon mal darauf einstellen, mit dem Wahlergebnis einen gigantischen Mittelfinger zu sehen zu bekommen.

DISCLAIMER: Falls ich gewinne, werde ich den Hunderter natürlich für einen guten Zweck spenden (-;

UPDATE (4.11., 16:30): Und da ist er, der Stinkefinger für alle Großmedien, Umfrageinstitute und das politische Establishment: keine einzige ihrer Vorhersagen, die Joe Biden noch am Wochenende 10 – 15 % Vorsprung prognostizierten ist eingetroffen und wenn überhaupt gewinnt er mit hauchdünnem Vorsprung. Doch statt irgendeinem “mea culpa” für dieses völlige Versagen, übt man sich dort weiter im  Trump-Bashing, denn der  hatte in der Wahlnacht wie gewohnt vollmundig schon seinen Sieg verkündet. Der ist freilich gar nicht sicher, bis die letzten Briefwahlstimmen ausgezählt sind kann es bis zum Wochenende dauern. Da diese wohl mehrheitlich für Biden ausfallen, kann Trumps Vorsprung in einigen Swing-States noch dahinschmelzen und am Ende müssen Gerichte entscheiden. Gleich wie das dann ausgeht steht der Verlierer dieser Wahl jetzt schon fest: es ist das abgehobene Medien-und Politik-Establishment, das vom eigentlichen Souverän jeder Demokratie – dem Volk und dem Wählerwillen – keinerlei Ahnung mehr hat.

ByeBye youtube – KenFM geht ins Exil

Großes Aufatmen  bei den Freunden des systemkonformen Diskurses, der totalen Desinfektion und allen “Zeugen Coronas”, reichlich Sektkorken bei den Presstitutes der Konzernmedien, Nato-Pressestellen und Konsensfabriken und echte Partystimmung bei  ihren kompatiblen Mitläufern in den “social media”: der alternative Stachel im Fleisch der deutschen Medienlandschaft ist verschwunden, das erfolgreichste crowdfinanzierte Medienportal im deutschsprachigen Raum ist nicht mehr auf Youtube,  KenFM hat sämtliche Videos unsichtbar gemacht. Zwar sind die 2500 Interviews, Berichte, Reportagen und Kommentare, die KenFM seit 8 Jahren produziert hat, nach wie vor über KenFM.de und andere Kanäle erreichbar, für die über 500.000 Abonnenten auf youtube aber gibt es derzeit nur eine Erklärung von Ken Jebsen, warum er von der youtube- Zensur genauso die Schnauze genauso voll hat wie von der Cancel-Kultur, die es immer schwieriger macht, Studios oder Säle anzumieten. Und warum er mit seinem Team Berlin verläßt und ins Exil geht, auf’s Land, wo ein Studio und  ein “Campus” gebaut werden sollen und auch analoge Kommunikation wieder stattfinden kann.

Aktueller Auslöser für diesen Schritt war der zweite  “strike” von youtube – die Löschung eines KenFM-Interviews mit Rechtsanwalt Markus Heinz, der auf der Querdenken-Demo am 25.10. festgenommen worden war – verbunden mit einer einwöchigen Sperre weitere Videos hochzuladen. Sowie der Drohung, dass beim dritten Mal eine grundsätzliche Sperrung des Kanals erfolgt. Das übliche Procedere also, mit dem bei Youtube Urheberrechtsverstöße, pornografische Inhalte und andere Rechtsbrüche verhindert werden sollen – mit dem Unterschied freilich, dass es sich hier um presserechtlich völlig einwandfreies Material handelt,  das auch nicht unter irgendwelche dubiosen “Hate Speach” oder “Fake News”-Regularien fällt, sondern allein aufgrund seiner  inhaltlichen Aussagen gesperrt wurde. Da von Zensur zu sprechen ist sicher berechtigt, auch wenn es sich nicht um eine staatliche Maßnahme handelt,  sondern Alphabet/Google/Youtube als privater Konzern selbst entscheiden kann, was auf seinen Plattformen stattfindet und was nicht. In Deutschland hingegen findet Zensur dank Auslagerung der Information der Öffenlichkeit an internationale Medienmonopole weiterhin natürlich nicht statt.

An der Schmierenkampagne gegen Ken Jebsen – losgetreten durch den notorischen Denunzianten Henryk Broder –  die zu seinem Abgang aus dem öffentlich-rechtlichen rbb geführt hatte, war ich indirekt nicht ganz unschuldig.  Im Sommer 2011 war mein Buch zum zehnten Jahrestag von 9/11 erschienen und Ken Jebsen wollte ein Interview für seine Sendung “KenFM” darüber führen. Ihn kannte ich genausowenig wie dieses Format, das im Berliner Raum Kultstatus hatte, und wunderte mich, dass er mit einem ganzen Katalog Fragen angerückt war, denn Radiomoderatoren haben oft nicht mal den Klappentext gesehen. Er aber hatte nicht nur  das ganze Buch gelesen, sondern stellte auch richtige und wichtige Fragen. Ich ging dann davon aus, dass von den 90 Minuten unseres Gesprächs nur drei oder fünf über den Äther gehen würden, wie es bei solchen Sendungen ja oft vorkommt – und fiel dann vom Hocker, als jedes Wort ungeschnitten und nur unterbrochen von Musik in drei Stunden gesendet wurde. Wow! War auf meinem alten “Heimatsender”, wo ich 2001 als Autor das Handtuch geworfen hatte, weil mein Kommentar über Mohamed Attas Koffer und die lachhaften Elefantenspuren von 9/11 nicht möglich war, etwa die neue journalistische Freiheit ausgebrochen ? Leider nicht, denn  Ken Jebsen stand fortan unter Beschuß – das 9/11-Tabu bricht niemand ungestraft. Als KenFM nach seinem Abgang dann sehr schnell im Netz reüssierte und sich im Zuge der Ukrainekrise lautstark auf die Seite der Friedensbewegung schlug, nahmen die Vorwürfe  (“antisemitisch, “neurechts”, “rechtsoffen”) weiter an Fahrt auf, obwohl sich im Programm des Kanals keinerlei Beispiele dafür finden liesen. Um diesem Widerspruch auf den Grund zu gehen führte ich ein langes Gespräch mit ihm, das 2016 als Buch erschienen ist: “Der Fall Ken Jebsen oder Wie der Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann”.

Dass journalistische Unabhängigkeit von GEZ-Beamten und Konzernbossen via Crowdfunding machbar ist, hat KenFM seitdem nicht nur überzeugend unter Beweis gestellt – die Gespräche und Talkrunden hatten auch von der inhaltlichen und technischen Qualität  allemal das Niveau öffentlich-rechtlicher Kanäle. Dort laufen konnten sie freilich nicht, denn KenFM nahm sich die Pressefreiheit, nicht staatstragend, nicht stiefelleckend, nicht konsenskonform zu sein und der Chefredakteur die Freiheit, sein anti-militaristisches, anti-imperialistisches und anti-neoliberalistisches Herz auf der Zunge zu tragen. Weil der Mann ein Schnellsprecher sondergleichen ist konnte es nicht ausbleiben, dass er bei vielen aneckt,  zumal er die (ohnehin fiktive) Grenze zwischen Journalismus und Aktivismus nicht akzeptiert. Dass wirkliche journalistische Unabhängigkeit aber künftig auch bedeutet, sich von den Gatekeepern der “Sozialen Medien” – von Konzernen wie Google, Facebook, Twitter & Co. – zu befreien, macht der aktuelle Fall sehr klar. Und weil auch ein scheinbar sicherer Server im Irgendwo für eine Redaktion kein Garant ist, dass ihre Nachrichten auch verbreitet werden, visioniert der digitale Pionier Ken Jebsen im Gespräch jetzt einen Schritt zurück:  ins Analoge, auf einen Campus in dem man in Ruhe reden und senden kann. Ich kann das nachvollziehen, denn ich kenne kaum einen Journalisten, der übler diffamiert wurde als er – und keinen, der derart souverän damit umgegangen ist

Unterdessen ist ein weiterer Kollege der verborgenen Zensur zum Opfer gefallen, die der ehemalige Botschafter Craig Murray als Beobachter und Protokollant der Assange-Anhörungen feststellen konnte und jetzt wieder anhand der Unterdrückung der emails von Hunter Biden kritisiert hat. Der Pulitzer-Preisträger Glenn Greenwald – einst der Mann der Wahl als unabhängiger Journalist für Edward Snowden – konnte  einen Artikel über den Korruptionsverdacht von Hunter und Joe Biden auf dem von ihm selbst gegründeten  (und vom eBay-Gründer Omidyar finanzierte)  Portal “The Intercept” nicht veröffentlichen und hat gekündigt. Und was Craig Murray sagt, stimmt für die Zukunft nicht gerade optimistisch: “Vor zehn Jahren hätte ich es nicht als eine Gefahr erachtet, dass das Internet zu einer Methode der politischen Kontrolle statt der politischen Freiheit wird. Jetzt befürchte ich, dass es zu spät ist, die Gefahr abzuwenden.”

Unlängst wunderte sich mein Bruder, der in den 90er Jahren in einer großen Werbeagentur arbeitete, über den mittlerweile zum Schimpfwort geronnenen Begriff “Querdenker”: “Damals haben wir doch dauernd “Querdenker gesucht!” – Anzeigen konzipiert!” Dass jetzt schon ein journalistisches Interview mit dem Anwalt einer Querdenker-Demo ein Fall für Zensur wird zeigt deutlich, wie weit der totalitäre Konformitätswahn mittlerweile gediehen ist. Und dank Corona als Brandbeschleuniger für ein “Great Reset” ( deutsch hier ), wie ihn sich Klaus Schwab und die Davos-Elite ausgedacht haben,  geht derlei Flurbereinigung im Medienbetrieb weitgehend widerspruchslos vonstatten und auch für Liberale und Linke, die sonst so gern von “divers” reden und “Vielfalt” und “Freiheit” loben, hört beim Querdenken der Spaß auf. Weshalb sich Querdenker wie Ken Jebsen nicht wundern müssen – über den Tellerrand von Mutti und Dr.Drosten hinauszuschauen ist jetzt genauso verboten wie nach 9/11 Zweifel an dem Höhlenmärchen von Osama und den 19 Teppichmessern. Und wer sich in den USA jetzt nicht entscheiden kann zwischen Donald Putin-Hitler und dem semi-dementen aber einzigen Erlöser Sleepy Joe – und über den validen Korruptionsverdacht gegenüber Letzterem berichten will,  wie Journalist Greenwald – hat einfach Pech gehabt. Zensur findet natürlich weiterhin keine statt, aber vorsicht: Wer bei Demos ein Grundgesetz hoch hält macht sich verdächtig und kann  verhaftet werden – als Querdenker.

Als Podcast auch auf KenFM