Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 67

 
Zum 80. Jahrestag der deutschen  Kapitulation in der Schlacht von Stalingrad wurde die Stadt Wolgograd  an einigen Stellen mit ihrem historischen Ortsnamen benannt. In Russland ist diese Entscheidungsschlacht des 2. Weltkriegs nicht vergessen, anders als in Deutschland, wo man es mit Kampfpanzern in der Ostukraine noch einmal versuchen will. Wahnsinn! Aber offensichtlich – siehe den Panzer-Porno auf dem aktuellen “Spiegel” – mit Methode. Oder, wie der Kabarettist Uwe Steimle gerade feststellte: “Es gab Zeiten in Deutschland, da wurde man wenigstens  noch gefragt ob man den totalen Krieg überhaupt will.”
Im folgenden als Erinnerung an diesen Horror ein Gastbeitrag von Marcel Bühler:
 
 
Liebe Zeitgenossen:

Vor rund 80 Jahren, am 31. Januar 1943 kapitulierte der Oberbefehlshaber der deutschen 6. Armee, Generalfeldmarschall Friedrich Paulus, im Keller des berühmten Kaufhauses “Unimag” und ging mit rund 90’000 verbliebenen Soldaten in sowjetische Kriegsgefangenschaft wo er bis 1953 verblieb. Den Rest seines Lebens verbrachte er in der DDR.
 
Die Schlacht von Stalingrad, die rund 1 Million Menschenleben forderte, gilt als der eigentliche Wendepunkt im sowjetisch-deutschen Krieg und wird in Russland entsprechend jedes Jahr gefeiert. Hier nachgestellte Szenen von der damaligen Kapitulation und den Aussagen einiger aktueller Darsteller:
 
 
Nachdem ich als 14-jähriger das Buch eines englischen Historikers über dieses bewegende Ereignis gelesen hatte, besuchte ich 1996 das heutige Wolgograd mit der Schweizerisch-Militärhistorischen Gesellschaft. Mit dabei war auch der deutsche Überlebende Horst Zank der das Buch “Stalingrad – Kessel und Gefangenschaft” geschrieben hat in dem er seine Erlebnisse als damals 24-jähriger Leutnant beschreibt. Wir trafen am Abschlussabend auch einige sowjetische Veteranen der Schlacht (im Anhang noch einmal einige Fotos die ich damals gemacht habe).
 
Noch immer leben einige wenige Zeitzeugen die bei RT zu Wort kamen:
 
 
Im “Ehrenbuch der deutschen Wehrmacht” von 1954 fand ich auf Seite 175 eine Karte, welche die nachfolgenden Kämpfe im Februar/März 1943 in der heutigen Ostukraine zeigen. Hier gingen die deutschen Verbände, besonders die 4. Panzerarmee (abgestützt durch die 1. Panzerarmee welche noch das Donbass mit Donezk, das damals Stalino hiess, hielt) noch einmal zu einer Gegenoffensive über und konnte Ende März 1943 den Frontbogen östlich von Charkow entlang des Flusses Donezk und südlich von Isjum bis an das östliche Ende des Asow’schen Meeres stabilisieren.
 
Wenn also heute durch den Entscheid der Bundesregierung (eine Marionette Washingtons), wenigstens 14 deutsche Kampfpanzer Leopard 2 vom Typ A6 an die ukrainischen Nationalisten zu schicken, wieder deutsche Panzer über die Felder der Ostukraine rollen, so hat das für die Russen natürlich eine tiefsinnige Bedeutung. Präsident Putin machte dies in seiner Rede zu den Feierlichkeiten zur Schlacht von Stalingrad sehr deutlich:
 
 
Die Provokation ist also maximal, auch wenn die militärische Bedeutung der vom Westen zugesagten “Panzerarmee” von weiteren 14 Leopard 2 Typ A4 der Polen, 14 Challenger der Briten und 31 M1 Bradley der Amerikaner (die USA schicken ebenfalls ältere Modelle um die noch geheime Wannenkonstruktion der modernsten Versionen nicht den Russen zu verraten) eher bescheiden sein dürfte. Die vorsätzlich geschaffene Spaltung Europas, insbesondere zwischen Deutschen und Russen, soll also möglichst nachhaltig sein (ähnlich der “Energiepolitik” mittels Windrädern) damit die Europäer weiter unter dem “Schutzschirm” der NATO leben und nicht auf die Idee kommen. sich von den USA zu emanzipieren und eine eigene Sicherheitsordnung aufzubauen.
 
Die “Kriegserklärung” von Annalena Baerbock an Russland im EU-Parlament kommentierte die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, Maria Sacharowa, kurz und bündig (“die Schuld wird nicht verjähren”):
 
 
Auch der amerikanische Militärexperte und Kritiker, Scott Ritter, bezeichnet die Politik des Westens in der Ukraine als “unverzeihlich”:
 
 
Militärisch hat in der Ukraine bereits der letzte Akt des Kriegstheaters begonnen. Die ukrainische Front wankt, die Verluste steigen und ein wesentlicher Teil der ukrainischen Bevölkerung hat bereits das Land verlassen. Laut amerikanischen Offizieren soll General Walerij Saluschnij vor kurzem gegenüber dem Vorsitzenden der vereinigten Stabschefs der USA, General Mark Milley, gar eingeräumt haben, dass bereits 257’000 Ukrainer ihr Leben verloren haben! Dies würde die bisherigen Schätzungen von Colonel Douglas MacGregor bei weitem übertreffen:
 
 
Auch Scott Ritter glaubt, dass der Krieg bereits in wenigen Monaten beendet sein wird und dass Russland dann wieder die grösste Landmacht in Europa sein wird:
 
 
Damit sind diese amerikanischen Militär-Experten zu den gleichen Einschätzungen gekommen, die ich bereits im März letzten Jahres, zu Beginn der russischen Intervention, vertreten habe. An Russland sind noch alle Aggressoren gescheitert, auch die NATO kommt an die Grenzen ihrer Expansion nach Osten und wird sich mit dem wiedererstarkten Russland arrangieren bzw. die “roten Linien” Putins und seiner Generäle akzeptieren müssen. Zu den Kämpfen um Bachmut, dem die Einschliessung und damit das gleiche Schicksal wie dem Kessel Stalingrad im 2. WK droht, hat “Hindustan Times” einen aktuellen Bericht veröffentlicht:
 
 
Die historischen Parallelen sind frappant, auch wenn heute die Ukrainer die Hauptlast des sinnlosen Kräftemessens und der Kriegssatire tragen.
 
Viele Grüße aus Zürich
 
M. Bühler 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 66

Nachdem die Türkei, stolzer Besitzer von 364 Leopard-Panzern,  2018 einige davon in Syrien zum Einsatz gebracht hatte, meldete die britische Daily Mail über den Erfolg des angeblich “weltbesten” Kampfpanzers: “Angesichts der Tatsache, dass die Panzer in großem Umfang von NATO-Mitgliedern – darunter Kanada, die Niederlande, Dänemark, Griechenland und Norwegen – betrieben werden, ist es besonders peinlich, dass sie von syrischen Terroristen so leicht zerstört werden können, obwohl sie der russischen Armee gewachsen sein sollen.” Anlass für diesen Artikel hatte ein Video der ISIS gegeben, das zehn zerstörte Leos (Stückpreis 7 Mio. Euro) zeigte. Man sollte das Filmchen jetzt vielleicht noch einmal kurz im Bundestag vorführen, um kriegsgeile Parlamentarier und die Journaille von ihrem Panzer-Fetischismus zu kurieren. Wenn Leopoarden schon von ein paar islamistische Wickelmützen reihenweise verschrottet werden, was sollen sie denn bitteschön gegen eine hundertfach stärkere russische Armee ausrichten ? Und wenn sie doch keine Papier-Tiger sind und man nur genug davon einsetzen muss, um die Schlacht zu wenden und Russland zu besiegen – warum haben die NATO-Mitglieder, bei denen sie “in großem Umfang” herumstehen, noch keine hin geschickt ? Muss nur Deutschland liefern, weil es das Ding seit 1970ern entwickelt und gebaut hat ? Wie viele Panzer, Raketenwerfer, wie viel Material und vor allem wie viele Menschen müssen noch vernichtet werden, bevor der kollektive Westen ein Einsehen hat, dass der Krieg damit nicht zu gewinnen ist ?
Der militär-analytische Blog Big Serge hat die aktuelle Front in der Ostukraine mit der “Blutmühle” von Verdun 1916 verglichen, in der 700.000 deutsche und französische Soldaten ihr Leben ließen. Seine Schätzung, dass auf ukrainischer Seite bisher 150.000 KIA (Killed In Action) und zwei bis drei Mal soviel Verwundete zu beklagen sind, scheint realistisch. Ebenso wie die Schätzung eines ukrainischen Generals, dass die Zahl der russischen “tubes”, der Rohre aus denen die Artillerie feuert, die der Ukraine aktuell um den Faktor 10 übersteigt. Wer glaubt, dass ein paar Dutzend Kampfpanzer da etwas richten, sollte  schleunigst zurück an die  World of Tanks – Konsole beordert werden, statt in Talkshows und Interviews.
Was hinter dem sinnlosen “Immer mehr, immer weiter” dieser mörderischen Materialschlacht steckt ist einmal mehr der Sinn fürs Geschäft: wer jetzt der Ukraine Leos liefert, bekommt gebrauchte US-Panzer als Ersatz – und Rumms sind die amerikanischen “Partner” mit Training, Ersatzteilen, Wartungsverträgen dick im Geschäft. Direkt an die Ukraine will das Pentagon seine Abrams-Panzer nicht liefern,  weil das Pleite-Regime in Kiew für  Anschlussverträge nichts auf Tasche hat.  Ein Schelm (bzw. Verschwörungstheoretiker), wer Böses dabei denkt… wie mit dem  Rumms  von “Nordstream 2” wird so unsere “Freiheit” verteidigt.

https://twitter.com/thorstenbenner/status/1617064545788522497

Die seit März 2022 immer wieder verbreitete Meldung westlicher Propagandaschleudern, dass den Russen “die Raketen ausgehen” und der Ukraine nur noch mehr  Waffen fehlen, um die Krim und die Donbass-Region zurück zu erobern, wird auch durch ständige Wiederholung nicht wahr, genau so wenig wie die anderen Berichte vom Kaliber “Feind schwach, Endsieg nah”, mit denen die “Blutmühle” immer weiter gefüttert wird. Unsere Väter haben 1941 ff. schon einmal mit Panzern versucht, Russland zu besiegen und die Knochenhaufen von Verdun zu ganzen Gebirgen mit Millionen Leichen noch überboten.

Das Ergebnis habe ich dann seit den 1970ern beim Transit nach Westberlin auf seinem Sockel kurz vor Dreilinden immer freudig und dankbar begrüßt:  den Panzer der sowjetischen Armee, der bis nach Berlin gerollt war, um Deutschland von der Nazi-Pest zu befreien. Ich habe wenig Zweifel, dass ein weiterer Versuch genau so enden wird, wobei es heute nicht mehr so vergleichsweise “gemütlich” wie einst mit dem Panzerchen T-34 und seinen Kollegen. Nicht nur weil der Westen es mit einer Nuklearmacht zu tun hat, sondern weil die Russen auch “konventionell” überlegen sind und es gegen Einschläge von  Kinzhal & Co. zu Hause keine Verteidigung  gibt – und an der Front  gegen “Penicilin” keine gute Abwehr. Ende Dezember wurden die russischen Truppen mit dem neuesten Gimmick der elektronischen Kriegsführung ausgestattet. Die nach dem Antibiotikum benannten Überwachunsgeräte können “Bakterien” – feindliche Radar-und Geschützstellungen – aufgrund von akustischen und Infrarot-Messungen lokalisieren, ohne selbst Radar-oder Funkwellen auszustrahlen. Irgendwo im Wald aufgestellt sind sie kaum zu entdecken, “riechen” Leoparden aber auf 30 Kilometer.  Insofern sollte Olaf,  statt schwere Leos im Schwarzen Loch Ukraine zu versenken, höchstens die T-34 aus dem Museum reaktivieren…
Also Schluss jetzt mit diesem Panzer-Porno!  Und ein dröhnendes “Schnauze!” an die verantwortungslosen  Presstitutes und Laptop-Bomber, die dazu lüstern lechzen und stöhnen –  in den ehemaligen “Qualitätsmedien”, wo sachliche Debatten und fachliche Analysen nicht mehr stattfinden. Wer die nüchterne Einschätzung und Beurteilung des Kriegs von wirklichen Fachleuten erfahren will – zum Beispiel von den Ex-Generälen Harald Kujat oder Erich Vad – muss in entlegenen Schweizer Magazinen (“Zeitgeschehen im Fokus”) oder Frauenzeitschriften (“Emma”) stöbern. Die Herren mögen die vielleicht erfahrensten Militärexperten in Deutschland sein – in den ehemaligen “Qualitätsmedien”, wo NATO-Callboys mit Strack-Zimmermann um die Wette stöhnen,  kommen sie nicht vor.

*

Wenn Sie die Arbeit an diesem Blog unterstützen wollen: kaufen, empfehlen, verschenken Sie meine Bücher. Vielen Dank!

Soeben erschienen:
Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt , ‎ Fifty-Fifty (2022),  288 Seiten, 20 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. JT # 87: Public Private Censorship

Seit mehr als einem halben Jahr sitzt der Querdenken-Gründer Michael Ballweg in Untersuchungshaft – warum dauert es so lange, bis es überhaupt zu einer Anklage kommt?
Außerdem: Die Twitter Files offenbaren eine erschreckende Verstrickung von Staat und Medienkonzernen, aber niemanden scheint es zu interessieren. Und: Hat der 3. Weltkrieg mittlerweile schon begonnen? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #87 des 3. Jahrtausends.

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 65

Für Emmanuel Todd, Anthropologe und einer der bekanntesten Intellektuellen Frankreichs,   hat bereits “der dritte Weltkrieg begonnen”. Hier einige Passagen aus einem Interview im “Figaro” (mit Bezahlschranke), die ich auf MoonOfAlabama entdeckt und mit deepl.com aus dem Englischen gehievt habe :

“Es ist offensichtlich, dass der Konflikt, der als begrenzter Territorialkrieg begann und sich zu einer globalen wirtschaftlichen Konfrontation zwischen dem gesamten Westen auf der einen Seite und Russland und China auf der anderen Seite ausweitet, zu einem Weltkrieg geworden ist.”

Todd stimmt mit John  Mearsheimers Analyse des Konflikts überein:

“Mearsheimer sagt uns, dass die Ukraine, deren Armee seit mindestens 2014 von NATO-Soldaten (Amerikanern, Briten und Polen) übernommen wurde, daher de facto Mitglied der NATO war und dass die Russen angekündigt hatten, dass sie die Ukraine niemals in der NATO dulden würden. Aus ihrer Sicht führen die Russen daher einen defensiven und präventiven Krieg. Mearsheimer fügte hinzu, dass wir keinen Grund hätten, uns über die eventuellen Schwierigkeiten der Russen zu freuen, denn da es sich für sie um eine existenzielle Frage handele, würden sie umso härter zuschlagen, je schwieriger es sei. Diese Analyse scheint zuzutreffen.”
Aber:
“Mearsheimer überschätzt, wie ein guter Amerikaner, sein Land. Er ist der Meinung, dass der Krieg in der Ukraine für die Russen existenziell ist, während er für die Amerikaner im Grunde nur ein ‘Machtspiel’ unter anderen ist. Nach Vietnam, Irak und Afghanistan, was ist da ein weiteres Debakel? Das Grundaxiom der amerikanischen Geopolitik lautet: “Wir können tun, was wir wollen, denn wir sind geschützt, weit weg, zwischen zwei Ozeanen, uns wird nie etwas passieren”. Nichts wäre für Amerika existenziell. Eine unzureichende Analyse, die Biden heute dazu bringt, kopflos vorzugehen. Amerika ist zerbrechlich. Der Widerstand der russischen Wirtschaft bringt das amerikanische imperiale System an den Rand des Abgrunds. Niemand hatte erwartet, dass die russische Wirtschaft der “Wirtschaftsmacht” der NATO standhalten würde. Ich glaube, dass die Russen selbst nicht damit gerechnet haben….
Wenn die russische Wirtschaft den Sanktionen auf unbestimmte Zeit widersteht und es schafft, die europäische Wirtschaft zu erschöpfen, während sie selbst, unterstützt von China, bestehen bleibt, würde die amerikanische Währungs- und Finanzkontrolle über die Welt zusammenbrechen und damit auch die Möglichkeit der Vereinigten Staaten, ihr riesiges Handelsdefizit umsonst zu finanzieren. Dieser Krieg ist also für die Vereinigten Staaten existenziell geworden. Genauso wenig wie Russland können sie sich aus diesem Konflikt zurückziehen, sie können nicht loslassen. Deshalb befinden wir uns jetzt in einem endlosen Krieg, in einer Konfrontation, deren Ergebnis der Zusammenbruch des einen oder des anderen sein muss.”

Todd ist der Überzeugung, dass die USA im Niedergang begriffen sind und sieht dies als schlechte Nachricht für die Autonomie der Vasallenstaaten:

“Ich habe gerade ein Buch von S. Jaishankar, dem indischen Außenminister (The India Way), gelesen, das kurz vor dem Krieg veröffentlicht wurde. Er sieht die amerikanische Schwäche und weiß, dass die Konfrontation zwischen China und den USA keinen Gewinner haben wird, sondern einem Land wie Indien und vielen anderen Raum geben wird. Ich füge hinzu: aber nicht für die Europäer. Überall sehen wir die Schwächung der USA, aber nicht in Europa und Japan, weil eine der Auswirkungen des Rückzugs des imperialen Systems darin besteht, dass die Vereinigten Staaten ihren Einfluss auf ihre ursprünglichen Protektorate verstärken. Während das amerikanische System schrumpft, lastet es immer schwerer auf den lokalen Eliten der Protektorate (und ich schließe hier ganz Europa ein). Die ersten, die ihre nationale Autonomie verlieren, werden die Engländer und die Australier sein (oder sind es bereits).”

Zu den kulturellen, ideologischen und anthropologischen Aspekten sagt Todd:

“Wenn wir sehen, dass die russische Duma ein noch repressiveres Gesetz über ‘LGBT-Propaganda’ verabschiedet, fühlen wir uns überlegen. Ich kann das als gewöhnlicher Westler fühlen. Aber aus geopolitischer Sicht ist es ein Fehler, wenn wir nur an diese Softpower denken. Auf 75 % des Planeten war die verwandtschaftliche Organisation patrilinear, und man spürt ein starkes Verständnis für die russische Haltung. Für den kollektiven Nicht-Westen vertritt Russland einen beruhigenden moralischen Konservatismus.
(..) Die UdSSR hatte eine gewisse Form von Soft Power, [aber] der Kommunismus hat im Grunde die gesamte muslimische Welt durch seinen Atheismus in Schrecken versetzt und in Indien, abgesehen von Westbengalen und Kerala, nichts Besonderes inspiriert. Heute jedoch kann Russland, das sich als Archetyp einer Großmacht neu positioniert hat, die nicht nur antikolonialistisch, sondern auch patrilinear und konservativ in Bezug auf traditionelle Sitten ist, viel mehr verführen. Zum Beispiel ist offensichtlich, dass Putins Russland, nachdem es moralisch konservativ geworden ist, mit den Saudis sympathisiert, die sich mit den amerikanischen Debatten über den Zugang von Transgender-Frauen zur Damentoilette sicher etwas schwer tun.
Die westlichen Medien sind auf tragische Weise komisch, sie sagen immer wieder, ‘Russland ist isoliert, Russland ist isoliert’. Aber wenn wir uns die Abstimmungen in der UNO ansehen, dann sehen wir, dass 75 % der Welt dem Westen nicht folgen, der dann sehr klein erscheint. Betrachtet man diese Kluft aus anthropologischer Sicht, so stellt man fest, dass die Länder des Westens häufig eine Kernfamilienstruktur mit bilateralen Verwandtschaftssystemen haben, d. h., dass männliche und weibliche Verwandtschaft bei der Definition des sozialen Status des Kindes gleichwertig sind. In den übrigen Ländern, dem Großteil der afro-euro-asiatischen Bevölkerung, finden wir gemeinschaftliche und patrilineare Familienorganisationen. Wir sehen also, dass dieser Konflikt, der von unseren Medien als politischer Wertekonflikt beschrieben wird, auf einer tieferen Ebene ein Konflikt anthropologischer Werte ist. Es ist dieser unbewusste Aspekt der Kluft und diese Tiefe, die die Konfrontation gefährlich machen.”

Soweit ein wenig Gedankenfutter für den Sonntag….

*

Wenn Sie die Arbeit an diesem Blog unterstützen wollen: kaufen, empfehlen, verschenken Sie meine Bücher. Vielen Dank!

Soeben erschienen:
Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt , ‎ Fifty-Fifty (2022),  288 Seiten, 20 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

Die konstante Kriegspropaganda

Im Rubikon-Exklusivgespräch diskutiert Walter van Rossum mit den Publizisten Mathias Bröckers und Dirk Pohlmann sowie dem Oberstleutnant a.D. Jürgen Rose über die immer weiter um sich greifende Kriegslust der westlichen Eliten.

Heute sind unsere Eliten von einem Willen zum Krieg berauscht, der uns alle unmittelbar bedroht. Wie gefährlich das alles ist, erläutert der einstige Luftwaffenoffizier Jürgen Rose und vermittelt zugleich ein Bild von der wahren militärischen Lage. Mit Sicherheit werden die Panzerlieferungen, die jetzt allerorten bejubelt werden, nicht über den Ausgang des Krieges entscheiden. Sie werden ihn bloß verlängern. Das wissen die Lieferanten ziemlich genau.

Mathias Bröckers hat kürzlich eine Art Kriegstagebuch veröffentlicht, „Vom Ende der unipolaren Welt“, in dem er erklärt, dass der Westen sich mit diesem Krieg sein eigenes Grab schaufelt. Wie lange dieser Krieg schon vorbereitet wurde, erläutert Dirk Pohlmann.

Unsere einstige Kanzlerin Angela Merkel hat vor ein paar Wochen in der Zeit unmissverständlich zu Protokoll gegeben, dass der Westen keine Sekunde daran gedacht habe, das Abkommen „Minsk 2“ in die Tat umzusetzen. Es sei vielmehr nur darum gegangen, durch dieses Abkommen Zeit zu gewinnen, um die Ukraine militärisch aufzurüsten. Es klang so, als sei ihr und den anderen westlichen Garanten des Abkommens damit ein großer Coup gelungen. (Walter van Rossum)

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 64

Zum Jahresbeginn scheint zwischen Russland und der Ukraine an einem entscheidenden Punkt Einigkeit zu herrschen, nämlich in der Frage, wer hier eigentlich gegen wen kämpft: Moskau gegen Kiew oder Russland gegen die NATO ? “Wir führen heute eine Mission für die NATO durch, ohne ihr Blut zu vergiessen. Wir vergiessen unser Blut und deshalb erwarten wir, dass sie uns Waffen liefern”, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Aleksey Reznikov in einem Interview.  Man sei das “Schild der Zivilisation” und “verteidige die gesamte zivilisierte Welt, den gesamten Westen”.
Einer der engsten Berater Putins, Nikolai Patrushev,  sieht die Sache im Kern genauso:  “Die Ereignisse in der Ukraine sind keine Auseinandersetzung zwischen Moskau und Kiew, sondern eine militärische Konfrontation zwischen Russland und der NATO, vor allem den Vereinigten Staaten und Großbritannien “, wird er von Reuters zitiert.  Der offizielle Sprecher des Kreml, Dmitry Peskov,  schloss sich  diesen Ausführungen an.

Jenseits des Atlantiks kriechen die unbestraften Kriegsverbrecher aus ihren wohlbestallten Rattenlöchern und melden sich in Form von Georg W.Bushs Verteidigungsminster und seiner Sicherheitsberaterin – Robert Gates und Condolezza Rice – mit dringenden Mahnungen,  mehr und schwerere Waffen zu liefern und bis zum letzten Ukrainer kämpfen zu lassen. Auch die meisten europäischen Vasallen, allen voran die deutschen Grünen, sind noch ganz auf der Linie der US-Neocons. Sturheil, als hätte es die mörderischen Desaster der von ihnen veranstalteten “Interventionen” in Irak und Afghanistan usw. usf. nie gegeben, hält man im deutschen Außenministerium an der Parole “Frieden durch Waffenlieferungen” fest. Ganz auf der Linie von A.Merkel, die ja bekundet hat, dass die Nicht-Verhandlungen von “Minsk” nur ein Zeitspiel waren um die ukrainische Armee aufzubauen – für den Stellvertreterkrieg gegen Russland, der 2014 gestartet wurde und, wie Caitlin Johnstone gerade noch einmal gezeigt hat, alles andere als  “unprovoziert” war.

Unterdessen demonstrieren die Russen, wie moderner Artilleriekrieg geführt wird, verschrotten eine westliche Wunderwaffe nach der anderen und de-militarisieren langsam aber sicher nicht nur die Ukraine, sondern auch die NATO. Die Arsenale der nordatlantischen Terrororganisation – kein Militärbündnis hat in den letzten Dekaden mehr Menschenleben auf dem Gewissen als die NATO – leeren sich dramatisch, die EU-Vasallen werden  schon gezwungen, ihr vorletztes Selbstverteidigungs-Hemd dem Schwarzen Loch Ukraine zu opfern. Kann man irgendwo schon darauf wetten, dass dort auch die 5, 10, 20, 50 ?? …deutschen “Leos” verschwinden werden ? Ohne am Ausgang des Krieges etwas zu ändern, aber um weiter an der Eskalationsschraube zu drehen und ihn dauern zu lassen.  Wie es das Konzept des permanenten Kriegs der Bush-Cheney-Wolfowitz-Bande vorsieht und von Rice und Gates, den Ko-Produzenten des Afghanistan- und Irak-Kriegs, jetzt noch einmal bekräftigt wird. Aber wie schon beim Wirtschaftskrieg(“Russland ruinieren!”-A.Baerbock) und an der Front im Donbass (“Russland gehen die Raketen aus!” – seit März 2022) haben diese Schreibtischtäter die Rechnung ohne die Russen gemacht. Die in der industriellen Kriegsführung ziemlich vorne liegen, weil dort wie beim Immobilienkauf nur die drei goldenen Regeln “Lage, Lage, Lage” gelten: Rohstoffe, Rohstoffe, Rohstoffe – Diesel, Strom, Stahl. Aber “zum Glück” – so die britische Presse –  haben die Ruskies bald die letzten Chips aus ihren Waschmaschinen ausgebaut und können keine Raketen mehr steuern oder gar die internationale Raumstation bedienen, während das glorreiche Britannien jetzt (fast) den Weltraum erorbert. 
Laut dem “Global Fire Power Index” liegen die USA 2023 zwar noch knapp vor Russland und China – doch die Kosten für die nur leicht überlegene Feuerkraft sind mehr als 10-mal so hoch wie die russischen. Die Rechnung, wer da den längeren Atem hat, ist einfach. Mit Rüstungsbudgets allein lässt sich kein Krieg gewinnen, so wenig wie mit Propaganda…

Auf dem Boden bricht mittlerweile auch die zweite Verteidigungslinie im Osten zusammen, wo sich die ukrainische Armee seit acht Jahren verbunkert und eingegraben hat und von russischem Dauerfeuer zermürbt und zermahlen wird. Niemand weiß, ob die Russen mit der langsamen, aber effektiven und personalschonenden Methode weiterfahren, aber – so kommentiert (mit passender Musik) der CIA-und State-Department-Veteran Larry Johnson: es scheint sich etwas zusammenzubrauen

In Ukraine, “There’s Something Happening There”

 

Zum Abschuss hier noch Pepe Escobars synoptischer Jahresausblick auf das “New Great Game on Crack”, in dem das Gemetzel in der Ukraine nur einer von vielen Schauplätzen ist:

“2022 endete eine Ära: der endgültige Zusammenbruch der “regelbasierten internationalen Ordnung”, die nach dem Zusammenbruch der UdSSR geschaffen wurde. Das Imperium bog in die “Desparation Row”  ein und versuchte mit allen Mitteln – Stellvertreterkrieg gegen die Ukraine, AUKUS, Taiwan-Hysterie – das 1991 geschaffene Gefüge zu zerschlagen.
Der Rollback der Globalisierung wird vom Imperium selbst durchgeführt. Das reicht vom Diebstahl des EU-Energiemarktes von Russland, damit die unglücklichen Vasallen extrem teure US-Energie kaufen, bis zur Zerschlagung der gesamten Halbleiter-Lieferkette, die gewaltsam um sich selbst herum neu aufgebaut wird, um China zu “isolieren”.
Der Krieg zwischen der NATO und Russland in der Ukraine ist nur ein Rädchen im Getriebe des New Great Game. Für den Globalen Süden kommt es darauf an, wie Eurasien – und darüber hinaus – seinen Integrationsprozess koordiniert, von BRI bis zur BRICS+-Erweiterung, von der SCO bis zur INSTC, von Opec+ bis zur Greater Eurasia Partnership.
Wir sind wieder so weit, wie die Welt 1914 oder vor 1939 aussah, wenn auch nur in einem begrenzten Sinne. Es gibt eine Vielzahl von Nationen, die um die Ausweitung ihres Einflusses kämpfen, aber alle setzen auf Multipolarität oder “friedliche Modernisierung”, wie Xi Jinping es formulierte, und nicht auf Kriege für immer: China, Russland, Indien, Iran, Indonesien und andere.
Also auf Wiedersehen 1991-2022. Die harte Arbeit beginnt jetzt. Willkommen beim New Great Game auf Crack.”

*

Wenn Sie die Arbeit an diesem Blog unterstützen wollen: kaufen, empfehlen, verschenken Sie meine Bücher. Vielen Dank!

Soeben erschienen:
Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt , ‎ Fifty-Fifty (2022),  288 Seiten, 20 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf ein Gutes Neues

Zum Jahreswechsel habe ich mich vom Nachrichtenstrom mal ein wenig abgeklemmt. Das tut gut. Auch auf Briefe und die vielen emails – mit guten Wünschen, aber auch mit Kritik – habe ich nicht reagiert und kann mich nur pauschal bei allen bedanken, die mir geschrieben haben und für Nicht-Antworten entschuldigen.
Im vergangenen Jahr hatte ich hier mit so  hoher “Schlagzahl”  gepostet, dass aus den Beiträgen schon im Oktober ein ganzes Buch geworden ist. Dieses Tempo werde ich 2023 wohl nicht beibehalten, auch wenn der Niedergang der unipolaren Welt  noch nicht zu Ende ist und der Krieg weiter geht. An den acht Thesen, warum dieser Niedergang unvermeidlich ist, halte ich weiterhin fest; militärisch kann der “Westen” diesen Krieg nicht gewinnen, sondern ihn nur bis zum “letzten Ukrainer” in die Länge ziehen. Das entspricht zwar dem Geschäftsmodell des US-Imperiums Kriege nicht zu “gewinnen”, sondern sie nur in Permanenz zu führen, liegt aber sicher nicht im Interesse Europas. Noch scheinen die europäischen Vasallen aber nicht gemerkt zu haben, vor welchen Karren sie sich haben spannen lassen und dass sie von den anglo-amerikanischen “Partnern” über den Tisch gezogen werden. Wann sie im Aufwachraum wieder zu sich kommen ist eine spannende Frage. Noch wirken sie von den permanenten Propaganda-Infusionen ziemlich zugedröhnt, aber auf Dauer wird sich damit nicht verhindern lassen, dass einer nach dem anderen zu Bewusstsein kommt. Wenn dann klar wird, dass die ukrainische Armee definitiv auf verlorenem Posten steht und der Ruf lauter wird, nicht nur auf Donbass, sondern mit weiter reichenden NATO-Raketen bis nach Russland zu feuern, könnte es gefährlich werden. Nicht für die Russen, die darauf eingestellt sind, sondern in Westeuropa, das sich bei einem Gegenschlag nicht verteidigen kann.
Weil ich so ganz ohne Nachrichten als Ex-News-Junkie auch nicht leben kann, lese ich weiter in Tolstois “Krieg und Frieden”, als der kollektive Westen unter Napoleon Russland besiegen wollte – und parallel dazu aus derselben Zeit die Geschichte einer erfolgreichen Unternehmerin und Witwe, deren Produkt wir zu Sylvester gerade im Glas hatten: Veuve Cliquot. Marie -Luise Wolf erzählt in “Die Unbeirrbare” nicht nur vom abenteuerlichen Leben der Nicole Cliquot, die die Zarenfamilie und  auch Napoleon mit ihrem Champagner belieferte, sondern auch über das Erstaunen des großen Feldherrn über das vollkommen leere und bald  brennende Moskau. So hatte er sich den “Sieg” nicht vorgestellt, der dann ja auch keiner war, sondern in einer vernichtenden Niederlage endete. Zum Jahresbeginn werde ich weiter in diesen 200 Jahre alten Geschichten lesen – und weiterhin auf jeder zweiten Seite erstaunt feststellen, wie aktuell sie sind.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gutes neues Jahr, bedanke mich für die Aufmersamkeit und hoffe, dass ihr mir weiter gewogen bleibt.

Kleine Weihnachtsmusik

In der gerichtsmäßigen Verhandlung über die Anerkennung meiner Kriegsdienstverweigerung hatte ich es nicht erwähnt, aber eine wichtige Rolle bei meinem Entschluss, den “Dienst an der Waffe” zu verweigern, hatte ein Lied gespielt, das ich einige Jahre zuvor zum ersten Mal und dann immer wieder gehört hatte: “Universal Solider” von Donovan. In Kombination mit den schrecklichen Bildern aus dem Vietnamkrieg, wo Reisbauern bombardiert wurden um “unsere Freiheit” zu verteidigen,  machte die Botschaft dieses Songs mir klar, dass es in Sachen Krieg eigentlich nur eine Lösung gibt: nicht mitmachen. Das Stück, geschrieben von der Kanadierin Buffy Sainte Mary , war in der Version von Donovan in den deutschen Hitparaden gelandet, seine “philosophische” Message hatte sich als kategorischer Imperativ meinem jugendlichen Hirn unmittelbar erschlossen. Ich weiß nicht, ob es für die heutigen 15/16-jährigen, die ja in noch größerem Ausmaß mit Kriegsbildern und mit Popmusik bombardiert werden, auch noch solche Songs gibt, die sie bei ihrem aktuellen Nachdenken über die Welt begleiten und beeinflussen. Wahrscheinlich schon, auch wenn “Krieg” aktuell kein Thema zu sein scheint für diese Altersgruppe. Wir hatten die Reste des letzten Kriegs noch vor Augen, in Form von Ruinen und Bombenkratern und in Form von schwach re-sozialisierten Nazi-Lehrern als nunmehr Oberstudienräten und waren empfänglich und dankbar für Alternativen, deren Botschaften in Form von Musik kamen und zum Denken anregten, wie Bob Dylans “Back Pages – I was so much older then,  I`m younger than that now” . Oder wie Joe Cockers “With a little help from my friends” 1969 in Woodstock – eine der besten Live-Performances des 20. Jahrhunderts – Visionen einer bessern, friedlicheren Welt evozierten. Die machbar ist. Dachten wir. Wenn wir nur die Arschlöcher einfach rausschmeißen: Kick out the Jams! Die Pioniere aus der MotorCity Detroit – MC5 – haben damals den Punk erfunden und traten im “Beat Club” bei Radio Bremen auf.  Heute jünger als 1969  bleibt die Feststellung: ist nicht so einfach mit dem Rausschmeißen. Aber wir ließen uns nicht mehr verarschen: Won`t get fooled again! Und selbstverständlich: Keine Macht für niemand!
Manchmal kommt es mir so vor, als ob es zu jeder Stimmung, die einen in dieser Zeit erfasste, den passenden Song gab,  der kreative Boom in der Popmusik ab Mitte der 1960er, die “Demokratisierung” des Radios mit dem Casettenrecorder als Plattensammlung des kleinen Mannes… man musste taub sein, um da nicht “seine” Musik zu finden – Who do you love? – oder “unsere”: “Do you feel like I do?“. Was  Beatles, Stones, Kinks, Cream u.a. vorgelegt hatte, erstrahlte in einem Feuerwerk musikalischer Facetten, Nuancen, Varianten, mit Can bis hinein in die kleinste Krautrock-Nische… Kann es sein, dass gigantische kleine Live-Bands  heute nicht mehr gebacken werden, wir also das Glück hatten, mit dem Gold-Standard der Livemusik groß zu werden (Drums, Gitarren, Bass und drei Verstärker) bevor sie zum Stadionrock aufgeblasen wurde: Did you hear about the Midnight Rambler? Nicht nur Performance, sondern auch Töne (der junge Mick Taylor ab 7:20) zum Niederknien. Finden in Kantinen noch Jamsessions statt wie die von “Traffic”: Gimme Some Lovin ? Werden 3-Akkord-Songs noch von epischen Intros eingeführt, symphonischen Präludien, die dann  beethovenartig in einen Hammer-Riff münden – wie hier von Steve Hunter 1970 live zelebriert für Lou Reeds “Sweet Jane” ? Ich weiß es nicht – es waren aufbrechende revolutionäre Zeiten, während es 50 Jahre später eher stagnierend und schwer restaurativ zugeht, und entsprechend dumpf tönt es, wenn ich mal kurz die aktuellen Hitparaden anklicke. Nichts wie weg hier…und back to the Sixties, als es noch kryptische Nazareth-Geschichten mit kommunitären Weihnachtsbotschaften gab:  – ein jeder trage des anderen Last. Seit das Stück von The Band im “Easy Rider”-Soundtrack verewigt wurde zählt es zu meinen All-Time-Favoriten. Und wurde 50 Jahre nach seinem Erscheinen von einer All-Star-Band nochmals eingespielt: Take a Load off Any, take a Load For Free.
Und jeden Tag pfadfindermäßig eine gute Tat. In diesem Sinne, liebe Leserinnen und Leser, Frohe Weihnachten, Happy Holidays und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!

3. JT # 86: Real – Irreal – Hyperreal

Bei dem, was uns die Massenmedien täglich um die Ohren hauen, wird es immer schwieriger, sich ein Bild zu machen. Dabei ist alles noch komplizierter, als man glaubt: Denn neben den irrealen Sachen, die uns als real verkauft werden, gibt es noch jede Menge reale Sachen, die uns völlig irreal erscheinen. Und dabei haben wir noch gar nicht darüber geredet, was Realität überhaupt ist. Fangen wir also an – jetzt in unserer Weihnachts-Sondersendung Das Dritte Jahrtausend #86. Alles Links zur Sendung auf exomagazin.tv