Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 53

Im April 2022 und noch einmal im  August hätte der Ukrainekrieg beendet sein können. Schon im Frühjahr waren der ukrainischen Armee die meisten ihrer sowjetischen Waffen ausgegangen und bei den von der Türkei moderierten Treffen waren die Vertreter aus Kiew und Moskau nahe an einem Kompromiss. Nach dem Scheitern dieser Verhandlungen gab es im August einen weitere Runde und Hoffnungen auf einen Waffenstillstand und vorläufige Friedensvereinbarungen, die aber schnell wieder zunichte gemacht wurden. Auch wenn die Frage,  warum die Kriegsparteien zu keiner Einigung kamen, sicher mehr als eine mono-kausale Antwort erfordert, war ein entscheidender Grund der Besuch, den Präsident Zelensky bekam, als seine Unterhändler auf Einladung von “Sultan” Erdogan mit den Russen verhandelten: Boris Johnson war aus London angereist und hatte seinen Freund Wolodomyr zur Brust genommen. Und schon war Schluss mit Verhandlungen und Kompromisslösungen.
Im Juni und noch im August – als BoJo als Premier schon abserviert war – folgten zwei weitere “Überraschungsbesuche” und der als Friedenspräsident angetretene und gewählte  Zelensky war wieder auf Linie und  in Hau-Drauf-Stimmung. Wenn man sagt, dass der Ex-Komiker im Präsidentenamt ein “Getriebener” ist,  muss das keine Anspielung  auf die Doping-Gerüchte um Zelensky sein, sondern eher ein Verweis auf den Antreiber, der ihn weiter in diesen Krieg hetzt.

Es ist also kein Zufall, wenn Putin in seiner Rede  zum “Beitritt” der vier Oblaste (Text auf englisch, z.Zt. keine deutsche Transkription auffindbar, ist bei historischen Reden mittlerweile unwichtig, wir haben ja “Experten” ,”Analysten” und Schurnalisten, UPDATE: Anti-Spiegel hat den Wortlaut  auf deutsch) auf die Hintermänner der Nordstream-Sabotage als “Angel-Sachsen” verweist: die Briten geben auf westlicher Seite den Spielführer und folgen dabei wie seit 120 Jahren der  Mackinder-Strategie: Frieden, Handel und Wandel im “Herzland” – Osteuropa in Verbindung mit Asien – um jeden Preis zu verhindern. Im  20. Jahrhundert ist das mit zwei Weltkriegen gelungen und derzeit tun sie mit dem großen Bruder in Amerika alles dafür,  auch im 21. Jahrhundert mit einem weiteren Weltkrieg auf europäischem Boden erneut klare Verhältnisse zu schaffen und einen eisernen Vorhang hochzuziehen, der Deutschland und Europa von Russland und Asien abschneidet.

Mit der Nordstream-Sprengung wurde jetzt unübersehbares Zeichen gesetzt, das den ökonomischen Schnitt besiegelt: das Geschäftsmodell Deutschlands, mit preiswerten Rohstoffen aus Russland global konkurrenzfähige Produkte zu exportieren, ist am Ende. Für Italien, Frankreich und andere EU-Staaten sieht es nicht besser aus, während sich für die USA, so Außenminister Blinken, “ungeheure Möglichkeiten” ergeben. Auch wenn Washington den Anschlag “verurteilt” klingt das doch  wie die Genugtuung eines Mafia-Bosses, der mit einem Coup der Konkurrenz auf dem Weltmarkt erfolgreich der Saft abgedreht hat.
Dass “Old Europe”, allen voran die deutsche Regierung, das ohne große Aufregung hinnimmt, kann eigentlich nur damit zu haben, dass man dort den Schuss nicht hören will und noch immer nicht gecheckt hat, dass man auf dem geopolitischen Schachbrett  gerade  geopfert wird.  Und sich Henry Kissingers  Ansage (aus dem verlorenen Vietnam-Krieg) – “To be an enemy of America can be dangerous, but to be a friend is fatal.” –  im Ukraine-Krieg jetzt wiederholt, der militärisch nicht gewonnen werden kann und dessen Fortsetzung für Deutschland eine Dekade brutalen  ökonomischen  Abstiegs bedeutet, die auch EU und Euro in ihrer heutigen Form kaum überleben werden. Willkommen in der US-Kolonie BRD, die nach dem ökonomischen Suizid auch auf Souveränität, Außenpolitik und eigene Währung verzichtet, sich aber wie Puerto Rico künftig “Freistaat” nennen darf (-; .

Dass Russland auf die Zerstörung seiner Pipelines nicht mit einem Gegenschlag und auch nicht mit martialischer Rhetorik reagierte, sondern “nur” eine akribische Aufklärung und Ermittlung  der genauen Täterschaft ankündigte, könnte – wie John Helmer vermutet – damit zu tun haben, das man von einer “Oktober Überraschung” Wind bekommen hat:

“Das bedeutet, dass die russische Regierung abwartet und verzögert. Vorerst wird es keine Vergeltungsmaßnahmen geben. Der Grund dafür ist, dass russische Offizielle die Biden-Administration verdächtigen, kurz vor dem Wahltag am 8. November eine “Oktober-Überraschung” vorzubereiten: einen Angriff auf die inländische US-Infrastruktur – zum Beispiel die Stromnetze -, der als russische Vergeltungsmaßnahme gemeldet wird, die es nicht gibt.
Die Angriffe auf Nord Stream waren eine Militäroperation der USA, Polens, Dänemarks und Schwedens, mit zusätzlicher NATO-Luftüberwachungsunterstützung von Stützpunkten in Italien aus. Politisch gesehen waren sie ein Angriff auf Deutschland, aber der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz hat noch nicht öffentlich gesagt, was er im Voraus wusste und was er jetzt weiß.”

…und wenn er überhaupt etwas weiß, wird er den Teufel tun und einen Ton verraten. Genauso wenig wie sein Vize Habeck, der ohnehin in “dienender Führungsrolle” für die USA tätig ist und nicht für die Interessen seines Landes. Was im Übrigen auch für fast alle seine EU-Kollegen gilt, die ihre Länder mit den Sanktionen in den Ruin und ihren Kontinent an die Schwelle eines Weltkriegs treiben. Weil sie mit Russland umspringen wie mit einem der wehrlosen Länder, die sie in den letzten Jahrzehnten überfallen haben. Zusammen mit den “Angelsachsen”, von denen Mark Twain 1906 schrieb: “Die Engländer und die Amerikaner sind Diebe, Wegelagerer und Piraten, und wir sind stolz darauf, zu dieser Kombination zu gehören.” Es war sein Kommentar auf eine Festrede im “Ends of The Earth Club” in New York, bei der führende Geschäftsleute und Intelektuelle den Redner “zwei Minuten lang” beklatschten, nachdem er bekundet hatte: “Wir sind von angelsächsischer Rasse, und wenn der Angelsachse etwas will, nimmt er es sich einfach.” Twain setzte hinzu: “Von allen anwesenden Engländern und Amerikanern hatte nicht einer den Anstand, aufzustehen und zu sagen, er schäme sich, ein Angelsachse zu sein, und er schäme sich auch, ein Mitglied der menschlichen Rasse zu sein, da diese unter der Präsenz des angelsächsischen Makels leiden müsse.”

Dass diese “Wegelagerer” 116 Jahre später dafür gesorgt haben, eine Versorgungsader Europas zu sprengen, um die kontinentalen Vasallen an der Kandare zu halten, daran kann wenig Zweifel bestehen. Und auch wenn Putin die Autobiographie von Mark Twain wohl nicht gelesen hat, liegt seine Anklage der “Angelsachsen” und  der “neo-kolonialen” Aktivitäten des “kollektiven Westens” ganz auf dessen Linie.  Und so steht statt einem Friedensvertrag von Lissabon bis Wladiwostok, wie ihn Gorbatschow (und auch noch Putin bei seinem Amtstritt)  erreichen wollte, jetzt ein Krieg gegen Russland auf der angelsächsichen Agenda…und man fragt sich, warum sich in Deutschland, Frankreich, Italien noch niemand schämt, da weiter mitzumachen und sich in diesem Krieg zuerst “entheizen” und wenn`s ernst wird dann auch “verheizen” zu lassen. Aber noch immer scheinen die Regierenden ihrer eigenen Propaganda zu glauben, feiern 20 Kilometer Landgewinn auf 1000 Kilometer Front als “Wende”, “Durchbruch” und “Putins Niederlage” und sehen darüber hinweg,  dass  die jüngste “Offensive”  in drei Tagen schon über 2000 ukrainische Soldaten das Leben gekostet hat. Anfang September in der Gegend um Kharkov waren mehr es drei Mal soviel und Jacques Baud – Ex-Oberst des Schweizer Militärgeheimdiensts  und UN-Waffeninspekteur – kann in diesen im Propagandakrieg  triumphalistisch  gefeierten “Erfolgen” realistisch nichts anderes als “Pyrrhus-Siege” erkennen. So sieht es auch Scott Ritter – Ex-US-Marines-Geheimdienst und ebenfalls Ex-UN-Waffeninspekteur – der auf das Dilemma verweist, in  das die NATO durch die Referenden und die Annexion  gebracht wurde: dass man keinen direkten Kriege gegen Russland führt ist jetzt nicht mehr möglich, weil Russland das Schlachtfeld auf sein eigenes Territorium verlegt hat:
“In einigen Jahren, wenn die Geschichte des Konflikts endgültig geschrieben ist, wird die Entscheidung von Präsident Putin, die russischen Reserven zu mobilisieren und gleichzeitig das Territorium der Süd- und Ostukraine in die Russische Föderation einzugliedern, als eines der wichtigsten Beispiele der modernen Geschichte dienen, wie man einen Gegner “auf die Hörner eines Dilemmas” treibt. Die effektive Neutralisierung der NATO durch diese Aktion wird höchstwahrscheinlich als Wendepunkt in diesem Konflikt betrachtet werden, der angesichts eines unvermeidlichen russischen Sieges das Schicksal der Ukraine besiegelt hat.”

(wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 52

“Abhören unter Freunden – das geht gar nicht” meinte Angela Merkel 2013, als bekannt wurde, dass ihr Handy aus den USA angezapft wird, räumte später dann aber ein, dass sie dieses Ausspähen dann eher als “nachrangig” betrachtet habe. Interessant dürfte jetzt werden, wie Kanzler Olaf Scholz und Frau von der Leyen es mit dem  “Pipelinesprengen unter Freunden” sehen: geht das, oder geht das gar nicht, oder sieht man es eher als nachrangig. Klar ist, dass Anschläge auf europäische Infrastruktur  kriminell sind und entsprechend ermittelt werden müssen. Da ein solcher Anschlag  sicher nicht von ein paar Hobby-Tauchern bewerkstelligt werden kann ist auch ziemlich klar, dass es sich um einen Akt des Staatsterrorismus handelt. Was  sogleich die Frage aufwirft: wo sind eigentlich Bundeswehr und  NATO wenn man sie mal braucht? Bzw. wozu sind sie zu gebrauchen, wenn sie von solchen Anschlägen überrascht werden und rein gar nichts mitkriegt haben, trotz aller Unterwassermikrofone und Überwachung der Ostsee ? Oder hat man was mitgekriegt und ist auf Anweisung ihres obersten Dienstherrn Joe Biden zum Schweigen verdonnert ? Der hatte ja gegenüber Olaf Scholz im Februar schon angekündigt, dass man für dein Ende von Nordstream schon sorgen werden. Das ist jetzt geschehen und ich gehe davon aus, dass die Täterschaft des Anschlags trotz vollmundiger Ankündigungen  nicht ermittelt und unbekannt bleiben wird, weil ähnlich wie bei dem bis heute ungeklärten Anschlag auf den Flug  MH17 über der Ukraine 2014 vorhandene Radar-und-Überwachungsdaten nicht freigegeben werden. Und so das weite Feld für Spekulationen, Schuldzuweisungen und Verschwörungstheorien versumpfen…
Dass sich der ehemalige polnische Außenminister gleich  mit einem Foto des Gasaustritts und “Thank you, USA” zu Wort meldet könnte zum Beispiel ein  geschicktes PR-Manöver sein, um davon abzulenken, das Polen hinter dem Anschlag steckt, das schon einmal den  Bau von NS 2, ziemlich genau an derselben Stelle attackiert hatte. So jedenfalls sieht es der Veteran der Moskau-Korrespondenten  John Helmer:

“Die Militäroperation am Montagabend, bei der Munition verschossen wurde, um Löcher in die Nord Stream I- und Nord Stream II-Pipelines auf dem Grund der Ostsee in der Nähe der Insel Bornholm zu sprengen, wurde von der polnischen Marine und Spezialkräften durchgeführt. Sie wurden von dänischen und schwedischen Militärs unterstützt, mit nachrichtendienstlicher und technischer Unterstützung der USA geplant und koordiniert und vom polnischen Premierminister Mateusz Morawiecki genehmigt.

Die Operation ist eine Wiederholung der Bornholm-Bash-Operation vom April 2021, bei der versucht wurde, russische Schiffe, die Gasleitungen verlegten, zu sabotieren, was jedoch mit einem schmachvollen Rückzug der polnischen Streitkräfte endete. Dies war ein direkter Angriff auf Russland. Diesmal zielt der Angriff auf die Deutschen, insbesondere auf die Wirtschafts- und Gewerkschaftslobby und die ostdeutschen Wähler, mit einem Plan, Moskau für die Probleme verantwortlich zu machen, die sie bereits haben – und für die Probleme, die mit dem Winter kommen werden.”

Ich empfehle Helmers Artikel zu lesen – hier oder auf seiner Website. Mehr als halbwegs fundierte Vermutungen kann man derzeit nicht anstellen. Völlig unfundiert hingegen spekuliert  der Bundeswehr-Kommandeur Giss im Interview mit der “Tagesschau” davon, dass es ….. Trommelwirbel… Fanfare…. “bei der russischen Marine Drohnen gibt – oder auch Kleinst-U-Boote -, die man für solche Zwecke nutzen könnte.” So was aber auch, diese Russen schon wieder, typisch,  beschießen ja auch schon seit Wochen ihr eigenes Atomkraftwerk, klar, dass sie dann auch ihre Pipelines zerstören. Denn auch wenn sie überhaupt kein Motiv dafür haben,  besitzen sie doch Kleinst-U-Boote und Drohnen,  wie im Übrigen auch die Bundeswehr und viele andere NATO-Staaten einschließlich der USA – aber das vergisst Herr Giss und fügt stattdessen hinzu: “Ich möchte auch nicht ausschließen, dass man vielleicht schon im Vorfeld beim Bau der Pipeline bestimmte Maßnahmen getroffen hat, um ein solches Ereignis auszulösen.”  Ja klar, es könnte auch sein, dass die Russen die ganze Röhre überhaupt nur gebaut haben, um sie danach in die Luft zu jagen, das kann man bei diesen unberechenbaren Halb-Asiaten nicht 100-prozentig ausschließen! Und möchten das auch nicht tun  und erwähnen es sicherheitshalber in der Tagesschau. Denn niemand sonst kann als Verdächtiger für diesen Terroranschlag in Frage kommen –  außer der im Grunde seines Herzens auto-destruktive Russe.

Als habilitierter Diplom-Konspirologe konnte ich mir bis vor Kurzem nicht vorstellen, dass sogenannte Nachrichtensendungen verschwörungstheoretisch auf ein derart unterirdisches  Niveau fallen, doch mittlerweile gehen selbst die absurdesten Gerüchte über Russland in der “Tagesschau” als Nachrichten durch. Ohne Nachfrage, ohne Wimpenrzucken und allen Ernstes wird jeder Logik, jedem Sinn  und Verstand zum Trotz eine bizarre  Hyperrealität konstruiert, in der hinter jedem Ungemach der ultraböse Putin steckt – und diese Geschichte wird 24/7 in immer neuen Varianten wiederholt. Sie mögen noch so bizarr und  faktenfrei sein, irgendwas bleibt immer hängen und verankert im kollektiven Bewusstsein die gewünschte Mentalität: “Die Russen sind unsere Unglück!”
Aus dem Linguistik-Studium erinnere ich noch, dass wir dort einmal politische Reden und Artikel auf den Gebrauch bestimmter Vokabeln und Metaphern und ihren Gehalt an fiktionalen, emotionalen und suggestiven Elementen untersuchten. Ohne Computer war das damals noch  Lese,-und Kopfarbeit. Würde man heute den Output der westlichen Großmedien auf ihre anti-russische Diktion und Tendenz schnell mal maschinell analysieren, wäre  schon 2016  – mit den fiktiven “Russiagate”-Vorwürfen gegen Donald Trump –  ein massiver Anstieg zu verzeichnen und 2022 würde auf der nach oben offenen Russophobie-Skala eine unfassbare Steilkurve himmelwärts zeigen.  Die Übrigens genauso aussieht  wie die Preiskurve meiner (aktuell vervierfachten) Gasrechnung.

Aber zum Glück – siehe oben –  gibt`s schon touristische Angebote für einen warmen Winterurlaub. Echte Sparfüchse stellen zu Hause die Heizung ab, streichen  die Entlastungszuschläge ein, überwintern im geheizten Sibiren und verdienen noch daran. Kleiner Scherz, aber wahrscheinlich  rechnet sich das mittlerweile sogar – und scheint auch sicherheitstechnisch durchaus sinnvoll. Dass die Bundeswehr in Sachen Landesicherheit und Verteidigung essentieller Infrastruktur nicht einmal die Küsten vor ihrer Haustür unter Kontrolle hat, hat der Anschlag deutlich bewiesen. Wenn sie zur Aufklärung und Ermittlung der Täterschaft jetzt nichts anderes beitragen kann, als groteske Unterstellungen russischer Selbst-Sabotage, ist sie entweder völlig ahnungslos – was mehr als peinlich wäre, denn Kapitän zur See Giss betont im oben verlinkten Tagesschau-Interview stolz die  deutsche “Führungsrolle” bei der Überwachung der Ostsee –  oder sie spielt als Komplize und Vasall in einem größeren Spiel mit, bei dem sie selbst dann nichts zu melden hat, wenn es sich gegen das Wohl ihres eigenen Landes richtet…

(wird fortgesetzt)
Um “Nordstream Null” ging es auch gestern im 3. Jahrtausend

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 

 

3.JT #83: Nord Stream Null

Anschlag auf drei Gaspipelines – wer hat Nord Stream 1 und 2 gesprengt? Und was bedeutet das für Europa? Außerdem: Die Ukraine schließt einen Atomkrieg nicht mehr aus. Und was machen die Deutschen? Sie kümmern sich lieber um den Infektionsschutz und um Impfstoffe, von denen keiner weiß, ob sie überhaupt helfen. Und was gibt’s Neues von Julian Assange? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #83 des 3. Jahrtausends.

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 51

Dmitry Medwedew, einst als Präsident fast so etwas wie ein Darling der Westpresse, weil scheinbar mit offenem Ohr für neoliberale Avancen ausgestattet, ist als Vize des Sicherheitsrats im Kreml mittlerweile so etwas wie der Mann für`s außenpolitisch Grobe. Anders als der stets deutliche aber zurückhaltende Putin und der allzeit verbindliche Lawrow nimmt Medwedew vor allem auf Telegram kein  Blatt vor den Mund. Hier ein  Stück von rt.com, automatisch übersetzt, weil in Deutschland zensiert und nur über VPN erreichbar:

Auf “Telegram” vom Donnerstag betonte Medwedew, dass die für den 23. bis 27. September geplanten Referenden auf jeden Fall stattfinden würden und “die Donbass-Republiken und andere Gebiete in Russland aufgenommen würden”. Der ehemalige Präsident erklärte weiter, dass das russische Militär die Verteidigung aller eingegliederten Gebiete “erheblich verstärken” werde. Er fügte hinzu, dass Russland zur Verteidigung seiner Gebiete “nicht nur seine Mobilisierungskapazitäten, sondern auch alle russischen Waffen, einschließlich strategischer Atomwaffen” einsetzen könne. Ohne Namen zu nennen, warnte Medwedew, dass “pensionierte Idioten mit Generalsstreifen” nicht versuchen sollten, Moskau einzuschüchtern, indem sie behaupten, dass die NATO die Krim angreifen könnte, eine Halbinsel, die 2014 nach einem Putsch in Kiew mit überwältigender Mehrheit für die Vereinigung mit Russland gestimmt hatte. “Hyperschallraketen werden Ziele in Europa und den USA mit Sicherheit viel schneller treffen”, warnte er und fügte hinzu, dass “das westliche Establishment und die NATO-Bürger verstehen müssen, dass Russland seinen eigenen Weg gewählt hat” und es “keinen Weg zurück gibt”.

Am Mittwoch erklärte Ben Hodges, ehemaliger Befehlshaber der US-Armee in Europa, dass Washington die russische Schwarzmeerflotte, die auf der Krim stationiert ist, oder ihre Stützpunkte auf der Halbinsel zerstören könnte, falls Moskau in der Ukraine auf Atomwaffen zurückgreift. Er wies darauf hin, dass es “sehr unwahrscheinlich” sei, dass der russische Präsident Wladimir Putin den Einsatz von Atomwaffen anordnen würde.
Letzte Woche beschuldigte Medwedew westliche “Schwachköpfe” aus “dummen Denkfabriken”, ihre Länder mit ihrem hybriden Krieg gegen Moskau auf den Weg in ein nukleares Armageddon zu führen. Er warnte auch, dass das “hemmungslose Aufpumpen des Kiewer Regimes mit den gefährlichsten Waffentypen” Russland dazu veranlassen könnte, seinen militärischen Feldzug auf die nächste Stufe zu stellen.

Medwedews Hinweis auf den hypersonischen Vorsprung des russischen Militärs wird von den hiesigen Sofa-Generälen und ihren Propaganda-Kompanien wohl einmal mehr als Aufschneiderei abgetan…schließlich hat die Chefin von Stupidistan, U. von der Leyen, mitgeteilt, dass die Russen für den Krieg schon “Chips aus Spülmaschinen und Kühlschränken” einsetzen müssen, “weil sie keine Halbleiter mehr haben”. Da ist ja wohl klar, dass der niederträchtige Putin jetzt “am Ende” ist, sich “verkalkuliert” hat und seine “Niederlage” ausgemachte Sache, wenn nur noch ein paar Leopard-Panzer und geile Raketen geliefert werden. Schon fliehen ja junge Menschen massenweise aus Russland weil sie die Einberufung fürchten, weiß der “Stürmer”-Spiegel,  da werden also bald auch die Soldaten ausgehen, so wie schon im März die Raketen, und die seitdem am Boden liegende Wirtschaft wird endgültig ruiniert, der Rubel wird auf Null fallen und der “Diktator” samt seien Mannen aus dem Kreml verjagt…

Was westliche Politiker und Medienschaffende derzeit an Hyperrealität halluzinieren und simulieren – nachdem Putin angekündigt hat, 300.000 Reservisten zur Verstärkung der “Militäroperation” in der Ukraine einzusetzen, das sind 1,2 % von 25 Millionen militärischer Reserve – hat mit der Wirklichkeit am Boden wenig zu tun. Was eigentlich nicht wundert, denn es kommt wieder von denselben, die uns schon Irak, Libyen, Afghanistan  als Mogelpackung verkauft haben – und  nach 20 Jahren “Stabilierungseinsatz” (so hieß die “Spezielle Militäroperation” der Bundeswehr in Afghanistan ) selbiges nunmehr in der Ukraine verhökern müssen. Wieder mit gar schröcklichen Bildern und Geschichten über einen abgrundtief bösen Feind und die tapferen weißen Ritter, die ihn bekämpfen um die Welt zu retten. Also  Brunnen bauen, Mädchenschulen errichten, Hunger bekämpfen, “Freiheit” und “Werte” verteidigen etc.pp. während der Feind das genaue Gegenteil im Sinn hat. Aber nicht mehr lange, denn der Endsieg steht mehr oder weniger kurz bevor. Die Fakten am Boden stören bei dieser eindeutigen Erzählung. Dass es hier nicht um eine manichäische Schlacht zwischen  Gut und Böse, Wahr und Falsch, Freiheit und Unterdrückung geht, sondern um einen seit acht Jahre währenden Bürgerkrieg, in den der Nachbar jetzt eingegriffen hat, geht in nuklearem Kriegsgetöse unter. Ebenso wie die Tatsache, dass dieser lokale Bürgerkrieg von den USA und ihren NATO-Gehilfen angefeuert und gepusht worden ist, um den großen Krieg, der jetzt herrscht, herauf zu beschwören – um “Russland zu schwächen” und den Endgegner China angehen zu können.

Diese Hintergründe müssen ebenso ausgeblendet bleiben wie die Vorgeschichte des Bürgerkriegs, – all das spielt nur dem Feind in die Hände und erfüllt fast schon den Tatbestand der“Wehrkraftzersetzung”.  Fatal, wo doch unser Führer Olaf Scholz gerade schon den Endsieg  verkündet hat: “Russland wird diesen Krieg nicht gewinnen!” Woher er diese Zuversicht nimmt, ist zwar unklar, doch Zweifel gelten in der hyperrealen Welt der Scholzens und von der Leyens, wo die Russen schon mit der Hand abwaschen und warmen Wodka trinken müssen, als Verrat. Wie auch jede Kritik an den astronomischen Energiekosten, dank denen die einst stolzen Industriestaaten Europas gerade mit Vollgas an die Wand gefahren werden. Nicht weil Russland in der Ukraine Krieg führt, sondern weil es die EU-Sanktionsritter von der traurigen Gestalt so beschlossen haben, und lieber teures Gas bei den Kopf-ab-Wickelmützen am arabischen Golf zu kaufen als billiges beim Russen. Und dann auch noch wie Olaf der Tollkühne zu behaupten, damit sei “die Winter-Energiekrise gelöst”.  Dabei hat der Exodus von energie-intensiven Industriebetrieben gerade erst begonnen und sie wandern  dort hin, von wo der ökonomische Suizid Europas befohlen wurde:  in die USA. Ist natürlich reiner Zufall und keineswegs die Falle, die den europäischen Schlafwandlern gestellt wurde, denen weiter suggeriert wird, dass sie mit mehr Waffen den Krieg gewinnen, wenn sie nur über diesen Winter kommen. Doch im nächsten Frühjahr,  und im nächsten Winter, und in den übernächsten wird es ja nicht besser, ohne billige Rohstoffe aus dem Osten ist Europa auf den Weltmärkten nicht mehr konkurrenzfähig. Aber kein Verantwortlicher will aufwachen und Olaf Scholz wähnt sich in “kanzler kompakt” immer noch bei den Guten, weil man schließlich ja auch was gegen den Welthunger getan und “Lösungen” auf den Weg gebracht hätte. Das “Joint Coordination Center” der UN, in dem Russland, Ukraine und Türkei seit Ende Juli die Ausfuhr von Mais und Weizen über das Schwarze Meer organisieren und mit dem Deutschland und die EU nichts zu tun haben, kann er eigentlich nicht gemeint haben – und falls doch, ist auch das eine hyperreale Erzählung, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat: Von den 2,7 Millionen Tonnen Lebensmitteln, die bis zum 12.September aus der Ukraine verschifft wurden, landeten laut JCC  nur 3% in wirklich bedürftigen Ländern Afrikas, 72 % hingegen in Ländern mit hohem und mittleren Einkommen, vor allem und Europa. Also: Welthunger-Business as usual – Brot für die Welt, die Wurst bleibt hier! –  aber jetzt mit den Russen als Buhmann.
Dass die nun auch noch “Scheinreferenden” durchführen hat unterdessen zu schwerer “Scheinaufregung” geführt,  denn dass die Menschen im Osten und Süden der Ukraine auch bei einem idealen, nicht unter Kriegsbedingungen stattfindenden Referendum mehrheitlich keinesfalls für das Regime in Kiew stimmen würden, ist eigentlich ziemlich klar. Nicht nur, weil es sie seit acht Jahren beschießen lässt, sondern auch weil die Wahlergebnisse der letzten beiden Jahrzehnte schon immer deutlich “pro-russisch” ausfielen (Klick auf die Karte vergrößert).   Weshalb  das Ergebnis der Referenden nur eine Formsache ist, wie auch schon 2014 bei der Abstimmung auf der Krim – zumal die Regierung in Kiew seit acht Jahren nichts  für ihre  russlandfreundliche und russischsprachige Bevölkerung getan, sondern sie mit Raketen und Verfolgung malträtiert hat. Gesetzt den Fall, dass morgen alle Waffen in der Ukraine schweigen und die Regionen im Süden und Osten unter UN-Aufsicht  entscheiden könnten, ob sie aus Kiew oder aus Moskau regiert werden möchten – wie würde ein solches Referendum ausgehen? Sie würden es wahrscheinlich nicht, oder nur auf Umwegen, erfahren – denn Journalisten, die die Wahl vor Ort beobachten, um Bericht zu erstatten, würden als “Putin-Propagandisten” sofort exkommuniziert. Und wenn sie, wie Patrick Baab, auch noch Professor sind, gleich auch noch ihre Stelle verlieren.   Wer den aktuellen kriegstreiberischen Output unserer Journaille zur Kenntnis nimmt, versteht aber umgehend, warum Journalisten nicht mehr weiter beigebracht werden muss, dass zur Auslandsbericherstattung Recherchen vor Ort unverzichtbar sind und in Konfliktfällen immer beide Parteien zu Wort kommen müssen.

 (wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 

 

 

 

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 50

Während in den russisch kontrollierten Gebieten der Ukraine Referenden über den Beitritt zu Russland durchgeführt  werden, hat Wladimir Putin am Mittwoch eine Teilmobilisierung der Streitkräfte verkündet.  Da absehbar ist, dass die etwa 15 Millionen Bewohner im Osten und Süden des Landes mehrheitlich nicht für einen Verbleib unter der Regierung in Kiew abstimmen werden, wird dieses Votum vom “kollektiven Westen” nicht anerkannt und der Beschuss dieser Regionen fortgesetzt werden. Wenn Moskau den Beitrittsersuchen dann nachkommt,  kann aus der “Speziellen Militäroperation” leicht ein offizieller Krieg werden, weil jeder Angriff auf die “Volksrepubliken” dann ein direkter Angriff auf Russland und seine Grenzen wird. Das russische Verteidigungsministerium will jetzt 300.000 ehemalige Berufssoldaten “nach und nach” einberufen, “ein Mähdrescher mit extrabreitem Einzug”, so Minister Schoigu laut TASS, sei aber “nicht vorgesehen”. Unterdessen drohte die die ukrainische Vizepremierministerin Irina Wereschtschuk, dass die Teilnahme an den Referenden mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet wird und forderte die Bewohner auf, diese Regionen zu verlassen. Da am Dienstag mitten in Donezk 13 Zivilisten von westlichen  Rakten zerstückelt wurden, werden sie das aber sicher nicht in westliche Richtung tun. Dass die “Scheinreferenden und Mobilisierung” ein “Zeichen der Schwäche” Russlands seien wird derweil aus Berlin und anderen westlichen Regierungssitzen betont: „Das alles kann man sich nur erklären vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der russische Angriff auf die Ukraine nicht erfolgreich verlaufen ist“, so ein Sprecher von Olaf Scholz. Das ist er bisher sicher nicht, wobei es schon darauf ankommt, wie “Erfolg” definiert wird.

Erstmals seit Beginn der “Militäroperation” hat der russische Verteidigungsminister konkrete Zahlen über die Verluste genannt – danach seien 5.937 seiner Soldaten bisher ums Leben gekommen. Die Verluste der ukrainischen Seite bezifferte Shoigu auf 61.207.  Auch wenn diese Angaben im Nebel des Kriegs nicht überprüfbar sind, scheinen sie mir halbwegs realistisch. Zumal wenn man sie in Relation damit setzt, dass Russland bisher nur 10-15% seiner Streitkräfte gegen eine personell überlegene ukrainische Truppe eingesetzt hat, die von der NATO zur größten Landstreitmacht Europas hochgerüstet worden ist. Sie wollten Krieg und auch nicht auf Putins letzte Ansage vom 7. Juli –  hören“ – ….jeder sollte wissen, dass wir  – im Großen und Ganzen – noch gar nicht richtig angefangen haben.”– und jetzt bekommen sie ihn.

Und man kann allen Brüdern und Schwestern in NATOstan nur noch zurufen: zieht euch warm an! Und das nicht nur, weil Gaspreise und Heizkosten sich weiter vervielfachen und die ganze Ökonomie an die Wand gefahren wird, sondern weil ihr sogenanntens “Verteidigungsbündnis” schon mit seinen Kriegen gegen Jugoslawien, Irak, Libyen, Syrien, Afghanistan weder Sicherheit noch Frieden, sondern nur Zerstörung, Chaos und Krieg in Permanenz verbreiten konnte. Dass es sich dabei um weitgehend wehrlose Nationen handelte, von denen für NATOstan keinerlei Gefahr ausging, macht die blutige “Erfolgsbilanz” dieser Truppe noch unansehnlicher. Und niemand sollte darauf setzen, dass diese Gurkentruppe, nach den Debakeln gegen dritt,-und viertklassige Amateurclubs, jetzt gegen die Profis eines mehrfachen Champions-League-Siegers ( über PSG Napoleon 1812, und SS Hitler 1945) militärisch  irgendetwas reißen könnte.

Dass Russland jetzt  300.000 (von insgesamt 25 Millionen Reservisten)  als zusätzliche Kräfte in der Ukraine einsetzt, war nach der “Gegenoffensive” der letzten zwei Wochen ein erwartbarer Schritt, der die Kämpfe an der 1000 Kilometer langen Front nun deutlich intensivieren wird.  An den bisher weitgehend mit den Milizen der “Volksrepubliken” besetzten Grenzen im Donbass wird jetzt die russische Armee präsent sein. Für die eingebunkerten ukrainischen Truppen kann das nur  unangenehm werden – Russland wird ernst machen, denn anders als der semi-debile Joe Biden und sein durchgeknallter Präsidentendarsteller Zelensky ist Putin kein Schwätzer. Und NATOstan hat keine weiteren Trümpfe im Ärmeln, als neben ukrainischem Kanonenfutter weiteres Material in die Schlacht zu werfen und verschrotten zu lassen – wie gestern 28 Exemplare der Wunderrakete “HIMAR” und den 5202. Panzer.  Werden ein paar mehr davon jetzt aber wirklich zum “Game Changer”  und die Schlacht entscheiden ?  Selbstverständlich nicht. Sie werden sie nur verlängern und weitere 100.000 Tote und Verwundete kosten. Die Rüstungslobbyistin Strack-Zimmermann trommelt indessen weiter für schwere Waffenlieferungen: “Wenn wir den russischen Präsidenten Putin nicht stoppen, und zwar politisch und militärisch, wird er als Nächstes in die Westukraine gehen und irgendwann ist das Baltikum dran. Jetzt ist Schluss.” Dass man sich in Russland auf diese Ansage der FDP-Vampirette dreimal bekreuzigt und dem Befehl folgt ist freilich nicht zu erwarten.

“Das Glück ist immer auf der Seite der großen Bataillone” – die vom Preußenkönig Friedrich II. überlieferte französische Redensart muss im 21. Jahrhundert umformuliert werden. Nachdem The (Real) Revolution in Military Affairs stattgefunden hat, so das gleichnamige Buch von Andrei Martyanov (2019), ist das Kriegsglück jetzt auf der Seite der »hypersonischen Waffen«: Präzisions-Raketen, die aufgrund ihrer extremen Geschwindigkeit von keinem Luftabwehrsystem abgefangen werden können und ihr Ziel aus tausenden Kilometern Entfernung auf den Meter genau treffen. Da nur Russland (und demnächst auch China) über solche Waffen verfügt – und ganz abgesehen davon, dass diese Raketen auch mit Nuklearsprengköpfen ausgestattet sein können – sind USA und NATO in jeder direkten militärischen Auseinandersetzung unterlegen. Auch ihre vielfach größeren Bataillone können da nicht helfen. Selbst ein massiver nuklearer »Erstschlag« auf Moskau und Sankt Petersburg kann eine durchschlagende Antwort auf Washington, New York oder London nicht verhindern – gegenseitige Vernichtung ist garantiert. Oder besser: war garantiert. Denn die überlegenen Luftverteidigungs-Systemen (S-400 / S-500) können den russischen Luftraum für ballistische Raketen schließen und den »Erstschlag« wahrscheinlich abfangen. Doch auf den russischen Gegenschlag gibt es im Westen keine Verteidigung. Deshalb wird  NATOstan in der Ukraine militärisch nicht direkt eingreifen, sondern weiter “bis zum letzten Ukrainer” kämpfen lassen. Wenn NATO-Sprecher Stoltenberg behauptet, dass Russland einen nuklearen Konflikt “nicht gewinnen” könne, ist das nicht mehr als ein Pfeifen im Walde.

(wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 49

Gilbert Doctorow schaut regelmäßig die russischen Talkshows auf den staatlichen und privaten Kanälen, um  die Stimmung der “Volksseele” ebenso auszuloten wie das Maß an Kritik der Regierung und aktuell der Kriegsführung,  das auf “kremltreuen” Sendern zu Wort kommen kann. Nach den ständigen Erfolgsmeldungen der “Special Military Operation” (SMO) haben die Meldungen über die Gebietsgewinne der ukrainischen Truppen in der Region um Kharkow die positive Stimmung im Land eingetrübt und die Forderungen lauter werden  lassen, die “Samthandschuhe” auszuziehen.Womit gemeint ist, dass statt einer militärischen “Polizeiaktion” nun ernsthaft “Krieg” geführt werden soll. Ich hatte am Ende der letzten Folge (Notizen*48) spekuliert, dass das nicht geschieht und die Russen weiter mit ihrer “schonenden” SMO fortfahren und die Attacken auf Kraftwerke in der Zentralukraine eher Warnschüsse waren und noch nicht der Beginn einer systematischen Zerstörung der Infrastruktur. Der “american way of war” steht im russischen Generalstab scheinbar nach wie vor nicht zur Debatte. Der in Kiew und im Westen triumphal gefeierte Geländegewinn – laut dem ehemaligen Nachrichten,- (und nunmehrigen “Stürmer”)-Magazin “Eine der besten Gegenoffensiven seit dem Zweiten Weltkrieg” – bringt Moskau offenbar nicht von der Linie ab, nach der es nicht um Landgewinne und Besatzung  geht, sondern um “Demilitarisierung”. Und letztere wurde auch bei der “Gegenoffensive” sowohl im Süden bei Kherson, als auch danach im Nordosten um Kharkow fortgesetzt, wo sich die verteidigenden Milizen der “Volksrepublik” zurückgezogen hatten – weitgehend geordnet und nicht, wie die Financial Times behauptet “wie olympische Sprinter” – und die angreifenden Ukrainer große Verluste erlitten, weil sie mangels Luftunterstützung auf der offener Steppe ein leichtes Ziel für Artillerie und Luftangriffe wurden. Wenn schon die “Washington Post” zugeben muss, dass die Zahl der getöteten Soldaten bei dieser Offensive bei 5:1 (zugunsten Russlands) liegt, kann man realistisch durchaus von noch höheren Verlusten ausgehen. Weil Kiew aber bereit ist, weiter Kanonenfutter zu liefern, werden in den nächsten Tagen weitere Angriffe an anderen Stellen der Frontlinie erwartet.  Diese werden anders als die weitgehend von den LDPR-Milizen gehaltenen Stellungen um Kharkow aber jetzt verstärkt auf russische Bataillone treffen, die taktische (und PR-mäßig wertvolle) Geländegewinne nicht mehr so leicht zulassen. Das schreckliche Gemetzel “bis zum letzten Ukrainer” wird also weitergehen.

„Hier kämpft Autokratie gegen Demokratie. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir Putin mit Mut und Solidarität zum Scheitern bringen werden und Europa am Ende die Oberhand gewinnt.“, sagte EU-Chefin von der Leyen in ihrer Ansprache zur Lage Europas, zu der Martin Sonneborn – der imho (neben Sarah Wagenknecht) derzeit einzige bei Verstand gebliebene Parlamentarier – zu Recht “nichts mehr einfällt” .
„Dies ist ein Krieg gegen unsere Energieversorgung”, behauptet von der Leyen weiter – obwohl Putin im Telefonat mit Turbinen-Kanzler Scholz gerade noch die Belieferung über NordStream 2 angeboten hatte – “ein Krieg gegen unsere Wirtschaft” – die sie mit ihrem Sanktions-Irrsinn selbst stranguliert –  “ein Krieg gegen unsere Werte” – die sie mit dem aktuelle Deal “aserbaid­schanisches Erdgas für armenisches Blut”  gerade hochhält –  “und ein Krieg gegen unsere Zukunft”, womit sie ausnahmsweise Recht hat. Denn abgeschnitten von billiger Energie und dem Zukunftsmarkt Eurasien haben die einst starken und souveränen Industrienationen Europas statt einer prosperierenden Zukunft nichts anderes als  den Niedergang in abgehängte Kolonien des US-Imperiums zu erwarten. Und je länger die EU diesen Krieg führt, desto schneller und rapider wird dieser Abstieg ausfallen. Man kann wirklich nur hoffen, dass bald Hirn vom Himmel fällt… nicht nur über Berlin, sondern auch über Brüssel.

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 48

Der erste Geländegewinn der Ukraine seit sechs Monaten hat zwar schon zu vielen Jubelkommentaren über eine “Wende” und bevorstehende “Niederlage” Russlands geführt, tatsächlich ist bisher aber noch nicht viel mehr geschehen, als dass den ukrainischen Truppen südöstlich von Kharkyv, an einer Stelle  der 1500 Kilometer langen Front,  ein Durchbruch gelungen ist. Da den Russen der massive ukrainische Aufmarsch von Truppen und Material an diesem Frontabschnitt nicht  verborgen geblieben sein kann, ist unklar,  ob sie ihre dünn besetzte Linie dort absichtlich nicht verstärkt haben, oder ob (nie auszuschließende) Schlamperei und Fehler dafür verantwortlich waren, dass den vorrückenden Ukrainern kaum Widerstand entgegengesetzt wurde. Die “Special Military Operation”(SMO) ist aber nicht am Ende, weil die Ukraine unterstützt von der NATO zwei Dutzend Dörfer und ein Stück Steppe zurückerobert hat und die russischen Truppen sich aus den Kleinstädten Izyum und Kupyansk zurückgezogen haben. Schon zu Beginn des Kriegs, als die russischen Truppen sich nach kurzer Zeit aus der Region Kiew zurückzogen, wurde das als triumphaler militärischer Erfolg hingestellt, was es definitiv nicht war. Und auch jetzt ist es zu früh für eine realistische Beurteilung der Lage. Sicher scheint aber, dass der Vorstoß nur unter immensen Verluste  erreicht worden ist, das russische Verteidigungsministerium spricht für den Zeitraum vom 6.-10. September von über 4000 getöteten und 8000 verwundeten ukrainischen Kämpfern. Bei derart großzügiger Bereitstellung von Kanonenfutter wundert es dann nicht, dass Präsident Zelensky gerade geladen wurde, als Headliner bei der Jahrekonferenz der US-Rüstungsgiganten aufzutreten – besser als der Ex-Komiker aus Kiew hat schon lange niemand mehr ihr Geschäft angekurbelt. Dazu passt es, dass in den hiesigen Meldungen über die aktuellen “Erfolge” der Ukraine stets auf die im jetzt im Einsatz befindlichen westlichen Waffen verwiesen und suggeriert wird, dass noch ein paar mehr von diesen Raketen den Russkies nun aber endgültig den Garaus machen.
Ich hatte in der letzten Folge (Notizen*47) auf das grundsätzliche Problem verwiesen, sich im Nebel des Kriegs und der Propaganda ein realistisches Bild zu machen. Deshalb kann im  Moment wirklich niemand – außer vielleicht den Generalstäben der kämpfenden Truppen – einschätzen, ob die taktischen Geländegewinne der Ukraine auch einen strategischen Vorteil darstellen. Auch das digitale Stakkato von Breaking News in den sozialen Medien ist da kaum hilfreich, zumal wenn in diesem Informationskrieg nach einer Studie der Universität Adelaide dort 60-80% von Bots und Fake Accounts kommen.
Dass die ukrainische Offensive eine PR-Show war, die den in Ramstein versammelten NATOstan-Ministern die Schlagkraft der Truppe demonstrieren sollte, wenn nur weiter Waffen geliefert werden  – und dass die Russen mit ihrem geordneten Rückzug dabei mitspielten –  ist nicht auszuschließen. Das erklärte Ziel der SMO  sind  “Demilitarisierung” und “Denazifizierung” und nicht territoriale Geländegewinne und wenn die oben zitierten Verlustzahlen auch nur halbwegs stimmen, wäre dieser taktische Rückzug für die Russen durchaus erfolgreich gewesen.
Viele pro-russische Blogs und Telegram-Kanäle sehen das aber anders. Auch die russischen Oppositionsparteien, rechte wie linke, halten Putin “Schwäche” vor und fordern jetzt solche Maßnahmen, bis hin zur Generalmobilmachung. Die Forderung wird lauter,  dass die zurückhaltende “Polizeiaktion” der SMO auf “Krieg” umgestellt werden muss: Zerstörung der Infrastruktur (Straßen, Bahn, Stromversorgung, Kommunikation), direkte Attacken auf die Kommandozentralen in Kiew und die Nachschublinien in der Westukraine. Ein Black-Out in der Ostukraine nach einem Raketenangriff auf Kraftwerke am Samstag könnte darauf hindeuten, dass der russische Generalstab jetzt  in dieser Richtung vorgeht (die Blitze auf der Karte oben zeigen die getroffenen Objekte) – nachdem die Ukraine begonnen hatte, außer dem Atomkraftwerk im Süden auch andere Kraftwerke auf russisch kontrollierten Gebiet zu beschießen.
Für die Bevölkerung in der zentralen und westlichen Ukraine,  deren Wasser,- Licht,- TV,- und Internetversorgung trotz Krieg bisher weiter läuft, könnte es sehr unangenehme Folgen haben, ebenso wie für die kämpfende Truppe an der Ostfront. So wie die Russen in den ersten zwei Tagen und Nächten ihrer Operation fast die gesamte Airforce und Luftverteidigung der Ukraine mit Raketen kaltgestellt haben, könnten sie das auch mit der gesamten Stromversorgung und  weiterer Infrastruktur tun. Auch wenn   Putins Ansage am 7. Juli – “….jeder sollte wissen, dass wir  – im Großen und Ganzen – noch gar nicht richtig angefangen haben.” – keine leere Drohung war, vermute ich,  dass die Attacken vom Wochenende nur Warnschüsse waren und Russland die Zerstörung von Infrastruktur nicht systematisch fortsetzt. Warum ? Alles was sie kaputtschießen, müssen sie hinterher wieder aufbauen… (-;
(wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 



 

 

Delegitimierung der Monarchie ?

Ob es wegen Majestätsbeleidigung war oder wegen Delegitimierung der Monarchie oder einfach wegen schlechter Laune weiß ich nicht. Aber ein empörter,  verletzter oder einfach schlecht gelaunter Konsument meines Blogs hat mich bei Twitter angezeigt, weil ich dort ein Link auf “Queen Over” gezwitschert hatte:

Zugegeben waren Überschrift und “Mutter aller Schreckschrauben” nicht gerade pietätvoll, sie passten aber sehr gut zu den folgenden Recherchen von Heathcote Williams über die blutrünstigen Geschäfte dieser schrecklich netten Familie, die man bei allem Pop, Pomp und “nihil nisi bene” nicht vergessen sollte. Das sahen auch die laut NetzDG zur Untersuchung verpflichteten Zensurbehörden bei Twitter so und sandten mir heute einen Freispruch zu. Im “Rahmen der Twitter Regeln oder deutscher Gesetze” unterliegt er “nicht der Entfernung”. Da hatten wir aber noch mal Glück….

 

Queen Over

13.05.15 23:20-BildschirmkopieAls letzte Amtshandlung hatte sie noch die junge Schreckschraube Liz Truss als neue Premierministerin empfangen, jetzt hat die Mutter aller Schreckschrauben und einer schrecklich netten Familie 96-jährig selbst das Zeitliche gesegnet. Hier Näheres über die Dame, zu der wir  Heathcote Williams anläßlich des Erscheinens von “Royal Babylon – The Criminal Record of British Monarchy” 2015 befragt hatten:

Das nach wie vor positive Image der Königsfamilie ist nur durch ein gehobenes Maß an Ignoranz und Selbstbetrug der Öffentlichkeit zu erklären, meint der britische Dramatiker und Autor Heathcote Williams. Die Fragen von Telepolis beantwortet er mit Passagen aus seinem investigative poem “Royal Babylon – The Criminal Record of The British Monarchy”, das jetzt auf Deutsch erschienen ist ( Die Windsors – Eine schrecklich nette Familie, Westend-Verlag). Ein notwendiges Antidot für das anschwellende Pomp,-und Popgedröhne anläßlich des Staatsbesuchs.

Die Queen und ihr Gemahl besuchen Deutschland und stehen einmal mehr im Fokus der Aufmerksamkeit. Sie aber sind not amused?

Heathcote Williams: Die Windsors sind ein Schandfleck im kulturellen Erbe Großbritanniens. Die Monarchie ist das Schmierfett der Kriege Großbritanniens, denn sie überzeugt ihre Soldaten, allzeit pflichtbewusst fürs Vaterland zu sterben.
Um schließlich, nach Ehrung der Opfer staatlichen Gemetzels, die Profite der Waffenhändler zu vermehren. Waffenhersteller und ihre Kunden werden auf Schloss Windsor gern zum Tee geladen – Flugschauehrung inklusive – denn Monarchie und Militärgeschäft sind eng verwoben. In Großbritannien ist “Rüstungsindustrie” ein royaler Markenname..
Die Majestäten profitieren die ganze Zeit auch selbst vom Geschäft mit Waffen,
 dank ihrer Kronagenten, die ihre Unternehmensbeteiligungen verwalten und mit Lockheed und BAE Systems ungerührt Anteile
 an Streubomben-, Uranmunition und Landminenproduzenten halten.”

Die Briten aber scheinen doch ihre Royals immer noch zu schätzen..
Das Land hält sich trotz, nicht wegen seiner eigenen Vergangenheit, und sein infantiler Wunsch nach gütigen Eltern jenseits aller Politik verleitet es, unliebsame Fakten zu übersehen, so etwa der Monarchin Unterstützung für den hässlichsten politischen Akt von allen, das Töten.
Das Königshaus wird als Symbol für den Patriotismus gesehen, für den Zusammenhalt und die Tradition Großbritanniens

Der Patriotismus der Königlichen selbst hält sich dagegen
 arg in Grenzen,
wie man im Ersten Weltkrieg sah, im Jahr 1915, als der Monarch, während in Flandern Millionen für König und Vaterland der Tod ereilte, selbst lieber zum Rodeln in St. Moritz weilte. Er kehrte heim, um eine Rekordzahl von Sandringham-Fasanen abzuknallen, Teil der blutigen Schneise, die er alljährlich durch den Wildbestand des Gutes schlug. Ebenso beschloss George VI. 1939 zum eigenen Gemach, dass es nicht erquicklich sei,
wenn der Krieg die “Jagdsaison auf Moorhühner in Balmoral” unterbrach. Großbritanniens militärisch-monarchischer Komplex ist eine zynische Industrie…

Die Wände des königlichen Balmore Castle im schottischen Hochland wurden mehr als ein Jahrhundert lang mit den Geweihtrophäen der Hirsche drapiert, die von Mitgliedern der königlichen Familie geschossen wurden. Die heutige Königin Elizabeth erlegte ihren ersten schon in jungen Jahren, angeleitet von ihrem Vater George VI. Dieser hatte einst bei einer viermonatigen Safari in Uganda einen Elefanten mit Stoßzähnen erlegt, von denen jeder 40 Kilo wog, und stolz von seinem Glück berichtet: “So viele Große sind ja nicht mehr übrig.”

Später zeigte George seiner ältesten Tochter den Kitzel
 auf Pirsch zu gehen und Hirsche zu erlegen.
 Die künftige Königin schoss ihren ersten 1945 mit sechzehn Jahren, und Gouvernante Crawfie erinnerte lebhaft, wie aufgeregt sie war.”Wir sprachen von nichts anderem als der Pirsch, von Geweihen und ihren Enden”,
 erzählte sie. ” Wir mussten mit ihr jedes aufregende Detail
 des Tages durchgehen, an das sie sich erinnerte. Dann wurde der Kopf des Hirsches abgeschlagen und bekam einen Ehrenplatz auf Balmoral.

Ihr späterer Mann Prinz Philip ist ebenfalls für seine Jagdleidenschaft bekannt.

Bis 1993 hatte der Herzog von Edinburgh, stolzer Besitzer
 von 56 Jagdgewehren, 30 000 Vögel vom Himmel geschossen, zwei Krokodile erlegt, ebenso wie unzählige Wildschweine, mehrere Hundert schottische Hirsche sowie einen Königstiger.1993, beim Fasanenschießen auf Gut Sandringham,
 häufig in Begleitung seiner Gemahlin, 
erlegte der Herzog 10 000 Stück in nur sieben Wochen.
Seine Norfolk-Jagdpartien haben schon 150 000 geschossene Tiere “eingesackt”. Sollte der Herzog mal nicht richtig treffen, wird ein verletzter Vogel von einem Jagdhund zur royalen Jagdgesellschaft apportiert, woselbst Ihre Majestät, die Königin, schon seiner Ankunft harrt. Um mit einem passenden Schlagholz das letzte Leben aus dem Tier zu keulen.

Philip und sein Sohn Charles kommen auch gern nach Deutschland zum Schießen.

Prinz Philip geht besonders gern auf Schwarzwildjagd
 in Deutschland auf den Gütern seiner Freunde”, so stands 
im Independent.
. Er und Prinz Charles sollen bei einer solchen Gelegenheit
 an einem einzigen Tag fünfzig Wildschweine weggemetzelt haben.

Was die königlichen Nachwuchsschützen betrifft beklagte ihre verstorbene Mutter Diana, dass ihre Söhne “so versessen seien aufs Töten”.

 “Sie sind nie glücklicher als mit einer Flinte in der Hand”, bemerkte ihre Mutter, riet jedoch, sich nicht mit Waffen ablichten zu lassen.“Ich ermahnte sie”, erzählte sie, “denkt dran, dass es immer Leute in Hochhauswohnungen gibt, die nicht wollen, dass ihr Bambis tötet.”

Dianas Ablehnung von “Blutsportarten” und ihr Engagement gegen Landminen passte nicht so recht in die Gepflogenheiten der Windsors…

 Als königliche Zuchtstute fühlte sie sich betrogen und eingesperrt und bezeichnete sich selbst als Gefangene von Wales.
Angeekelt von einer Ehe ohne Liebe, musste sie sich immer wieder übergeben, weil ihr speiübel war von einem Ehemann, der sie zurückwies. Sie gebar einen Thronfolger, wie verlangt, und schließlich womöglich ein uneheliches Kind, um ihre angeknackste Selbstachtung zu reparieren.
Dann wurde sie abgehört, abermals beleidigt und zurückgewiesen, woraufhin sie aus der Bahn geriet – oder aus ihr gestoßen wurde. Ob ihr Verfolgungswahn begründet war, man weiß es nicht, doch Gerüchte reichen aus,
 um Panik zu schüren, denn wer die Mächtigen erbost, wie sie es tat, ist in Gefahr. So weist Kronanwalt Mike Mansfield darauf hin, wie praktisch Dianas Unfall war,
 endete damit doch auch ihre Opposition gegen den Handel mit Landminen.

Opposition gegen Uranmunition – und die auf 6 Milliarden Dollar geschätzten königlichen Anteile an der Uranindustrie – kam erst gar nicht richtig auf.

Dank der Uraninvestoren finden sich nun radioaktive Isotopen
 auf einem Schießplatz des Verteidigungsministeriums in Dumfries im Fleisch von Würmern,
 die durch Uranmunition zu Mutanten geworden sind. Würmer sind ein Pfeiler des Ökosystems durch Belüftung des Bodens und indem sie die Nährstoffaufnahme von Pflanzen befördern, mit denen Prinz Charles 
angeblich gerne redet, auch wenn er nun vielleicht einen Geigerzähler braucht…

Wegen des karzinogenen Gemetzels wird es indes
 keine Entschuldigung des Palastes geben,
 sind doch mit Uran gehärtete Granatköpfe, die Beton durchschlagen, ein Exportschlager der Waffenschmiede Royal Ordnance. Die Uranmunition, an deren Produktion das britische Staatsoberhaupt Anteile hält,
 ist ein “hochmobiler, unterschiedsloser Killer”
 und wird als “permanenter Bodenkontaminant” bezeichnet, mit einer Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren. Anders als jede Erbmonarchie, wie “historisch” auch immer, verseucht Uranmunition die Umwelt für immer.

Das alles wird kein Thema beim Staatsbesuch sein, die deutschen Medien zelebrieren die Royals mit Pomp, als Pop, mit reichlich königlichem Schmarren.

Die belämmerten Untertanen der Welt winken und winken den Privilegierten in ihren goldenen Käfigen zu.
”Schau nur, die Königin!”, rufen sie atemlos wieder und wieder und sehen die Monstrosität vor ihren Augen nicht. Jene, die im Sternenstaub des Staatsfetischismus baden,
 stellen sicher, dass sich die Show ächzend weiterschleppt
 und eine königliche Hochzeit der Farce frisches Leben einhaucht. Wie ein Besuch in Hollywoods Traumfabrik, wo die Zelluloidmarionetten aus dem Lande Tralala,
 die einem weiteren Imperium Glanz verleihen,
 vor königlichen Berühmtheiten um die Wette kriechen und vergessen dass die Vereinigten Staaten von der Krone unabhängig sind.

Doch nun fällt den beiden jüngsten Erben von Ritus, Reichtum und Status
 bald ein Sechstel der Landmasse der Erde zu, ihnen gehört Kanada, Australien und der Rest. Und im Tausch bekommt die Welt ein steifes Lächeln. Die Königin ist die größte Grundeigentümerin der Welt,
 mit fast 27 000 000 Quadratkilometern weltweit.
 Ihre mordlustigen Erben werden ihre Besitzungen mehren wollen. Doch ist es höchste Zeit, dass sie jeden Quadratmeter zurückerstatten.

(Eine weitere Passage aus “Royal Babylon” hatten wir schon im Mai hier gepostet; im Netz findet sich außerdem ein Video der englischen Orignalfassung; eine Rezension von Dr. Seltsam erschien heute in der Jungen Welt)

(Posted on 12 Comments )