9/11 ist der Lackmustest

Aufgrund eines Todesfalls in der Familie habe ich an der Veranstaltung im “Babylon” nicht teilgenommen und – aufgrund des ganzen Hickhacks darum und der schlußendlichen Nichteilnahme des Preisträgers – wohl auch nichts versäumt. An meiner Laudatio auf Ken Jebsen und KenFM hat sich trotz der unrühmlichen Begleitumstände aber nichts geändert – sie ist heute auf Rubikon erschienen.

 

Me too, Mrs. Robinson!

#Metoo und kein Ende: Die Nachrichtenagentur AP hat unlängst die neueste “Weinstein-Liste” prominenter Männer veröffentlicht, die sexueller Übergriffe bezichtigt werden,  eine “Zeit”-Journalistin schreibt von einer privaten  Liste mit (ungenannt bleibenden) Namen aus dem Berliner Kulturbetrieb und es ist zu erwarten, dass die Welle noch weiter geht. Sex sells und für unerlaubten, übergriffigen Sex gilt das nämliche – it’s entertainment.  Führen würde das Medienspektakel nur dann zu etwas, wenn die betroffenen Frauen Anzeige erstatten, nur so könnte die Hemmschwelle übergriffiger Männer erhöht werden. Solange nur #metoo getwittert wird – und das Spektrum vom dumpfen Herrenwitz bis zur Vergewaltigung reicht – bleibt das Ganze eher ein digitaler Pranger, der wenig zum Besseren ändert. Oder nur zu lachhaften polictial correctness – Debatten führt, ob nach “Urin” Langstrumpf jetzt auch Grimms Märchen zensiert werden müssen, weil sich der Prinz, der das schlafende Dornröschen küsst, eines sexuellen Übergriffs schuldig gemacht hat.

In der Kriminologie kennt man das Paradox der “Prävention durch Nichtwissen” – wären alle unbestraften, unaufgeklärten Verbrechen allen bekannt, würde der Respekt vor den Gesetzen massiv zurückgehen: wenn gewußt wird, dass viele es tun und sehr viele damit straffrei durchkommen sinkt die Hemmschwelle.  Unter diesem Aspekt ist das Argument der Verteidigerinnen der #metoo-Kampagne – dass  es auf jeden Fall sein Gutes hat, wenn das Ausmaß sexualisierter Gewalt sichtbar wird – nur dann nicht zweischneidig, wenn die Täter tatsächlich zur Rechenschaft gezogen werden. Und wenn auch bei genialen Künstlern – What Do We Do with the Art of Monstrous Men? – kein Auge mehr zugedrückt wird.  Andererseits: jetzt alle Hans Albers Filme ohne den Hauptdarsteller nachzudrehen, weil er einst einer 17-jährigen Statistin unaufgefordert sein Gemächt präsentierte, geht vielleicht ein bißchen zu weit..

Wo zieht man die Grenze ? Mein Rat an die Frauen wäre: wenn Männer auf euer  klares “Nein!” nicht hören und auch wenn ihr ihnen auf die Finger gehauen habt noch handgreiflich werden: bringt die Kerle vor den Kadi.  Wenn es aber nur ein “Jein” war, haltet besser die Klappe! Nun ahne ich, dass in dieser Sache Ratschläge von einem “alten weißen Mann” weniger als Rat und mehr als Schläge empfunden werden, zumal ältere, alleinstehende Herren tendenziell als Tätergruppe gelten, auch wenn sie sich, wie yours truly,  gegenüber Frauen stets zurückhaltend und unaufdringlich verhalten. Dies vielleicht deshalb, weil sie in Sachen Sex eine wichtige Lektion früh gelernt haben: dass sich nämlich die Frauen die Männer aussuchen und nicht umgekehrt, die Machtverhältnisse im Bett also anders aussehen als in der männlich dominierten Gesellschaft  Wie lernt man das ?

Bei mir war es mit 16  eine Art “Mrs.Robinson”-Erlebnis: sie war nicht so schön wie Anne Bancroft, die den jungen Dustin Hoffman verführt, und sie war auch nur 12 Jahre älter als ich, es war nur eine Nacht im  Schlafzimmer und diese “Reifeprüfung” führte auch noch nicht zum finalen “Verkehr” – aber zu der Erkenntnis, dass die Frauen Bescheid wissen und man sie beim Sex erst Mal einfach nur machen lassen soll. So kam ich später nie auf die Idee, beim Flirten mehr als Freundlichkeit und zarte Überredungskünste walten zu lassen. Wer auf  diese Balzversuche nicht ansprang, musste dann schon gar nicht mehr explizit “Nein!” sagen.

Ein psychoanalytisch geschulter Freund, dem ich meine These vortrug, dass mehr “Mrs.Robinsons” zu weniger “#metoo”-Beschwerden führen würden und daher die Aufforderung an alle Frauen ergehen müsste, sich mehr jüngere, unerfahrene Männer zur Brust zu nehmen, sie an das Thema heran zu führen und entsprechend zu erziehen, hatte Zweifel, dass dies zu einer allgemeiner Entspannung beitragen würde. “Du weißt doch, was die Feministinnen gemacht haben”, sagte er, “sie haben uns zu Sitzpinklern erzogen und sind dann mit den Stehpissern ins Bett.” Dies sei ein grundsätzliches evolutionsbedingtes Dilemma, da die sexuell attraktivsten Männchen eben nicht immer auch die zuverlässigen Versorger abgeben, die für die Weibchen zwecks Nachwuchs unverzichtbar sind. Außerdem meinte er, ich würde meine “Mrs.Robinson”-Episode im Nachhinein romantisieren, so etwas sei auch nicht verallgemeinerbar und hätte im Übrigen wohl eher mit einer altersbedingten Art “Triebumkehr” zu tun, weil ich mir wohl “unbewußt” wünschen würde, “ein Mister Robinson zu sein, dem jüngere  Schönheiten zufliegen.”

Ähem… wer wünscht sich das nicht – mal abgesehen davon, dass Sex wohl die am meisten überschätzte Angelegenheit auf Erden ist. Sie wurde von unseren ziemlich unterbelichteten Vorfahren vor vielen Milliarden Jahren erfunden, um auf dem damals äußerst unwirtlichen Planeten fortpflanzungsmäßig über die Runden zu kommen und deshalb mit einer starken Dosis chemisch-neuronaler Leckerli ausgestattet. Diese Belohnungen mussten sein, weil sich sonst kein Lebewesen freiwillig dem ganzen Paarungs,-und Beziehungsstress unterzogen hätte und man lieber bei der schon lange bewährten asexuellen Selbstvermehrung geblieben wäre.

“Oh, dass wir unsere Ur-ur-ahnen wären/Ein Klümpchen Schleim in einem warmen Moor/Leben und Tod, Befruchten und Gebären/Glitte aus unsern stummen Säften vor”,  zitierte mein Freund dann Gottfried Benn. Angesichts des äffischen Zirkus um die Sexualität, der fortpflanzungsmäßig  mittlerweile überflüssig und sogar kontraproduktiv (Stichwort: Überbevölkerung) geworden ist, möchte man sich diesem Wunsch gern anschließen.  “Bis die Evolution dafür sorgt, dass die neuronalen Belohnungscocktails für “Orgasmus” nicht mehr auschließlich mit Befruchtungsgymnastik verknüpft werden, wird es aber noch sehr viele Generationen brauchen.” Wohl wahr.  Aber bis dahin scheint mir Forderung richtig, dass es mehr Mrs. Robinsons  – “Jesus loves you more than you will know!” – geben müsste, die jungen Männern beibringen, wie man sich benimmt. Wo sollen sie es denn sonst lernen….?

Maidan-Massaker: Mörder gestehen – Medien schweigen

Drei aus Georgien stammende Männer haben zugegeben, am 20. Februar 2014 zu den Schützen gehört zu haben, die auf dem Maidan in Kiew auf Polizisten und Demonstranten feuerten. Das Massaker auf dem zentralen Platz der ukrainischen Hauptstadt war bekanntlich der Auslöser,  der in der Folge zur Absetzung und Flucht des Präsidenten Janukowitsch, zur Abspaltung der Krim und zum Bürgerkrieg in der Ostukraine führte.
Mit diesen Geständnissen gerät die offizielle Version der westlichen Medien und der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft, die Sicherheitskräfte des damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch seien für das Massaker verantwortlich, weiter ins Wanken.  Schon 2015 und im vergangenen Jahr hatten die Aussagen zweier Maidan-Kämpfer, an der Schießerei beteiligt gewesen zu sein, große Skepsis an der offiziellen Schuldzuschreibung geweckt. Mit den Geständnissen der drei Schützen, die in einer Dokumentation des italienischen Fernsehens ausgestrahlt wurden, sind diese Zweifel jetzt nicht nur bestätigt worden – ihre Aussagen benennen auch die Personen, von denen sie rekrutiert, angewiesen und mit Waffen versorgt wurden:  führende Mitglieder der oppositionellen “Vaterlandspartei” und des militanten “Rechten Sektors”.
Zuerst, so einer der Todeschützen, sei es ihre Aufgabe gewesen, auf dem Platz “Provokationen zu arrangieren, damit die Polizei die Menge angreift“.  Als dies nicht geschah – die Polizei riegelte tagelang nur das Regierungsgebäude ab, ohne aktiv gegen die Demonstranten vorzugehen – seien am 18. Februar Waffen verteilt worden. „Die Dinge sind komplizierter geworden, wir müssen anfangen zu schießen“, habe der Kommandeur, ein Georgier namens Mamulashvili, den Kämpfern gesagt. „Wir können nicht bis zu den Präsidentenwahlen warten.“ Es sei egal, wohin genau geschossen würde, es ginge darum, Chaos und Verwirrung zu stiften.
Mit Dutzenden Toten gelang dies auf tragische Weise,  ebenso wie die sofortige Schuldzuweisung durch die Medien: an den moskau-freundlichen Janukowitsch und Wladimir Putin, die wahllos auf die friedliche, demokratische, europa-freundliche Masse hätten feuern lassen. An dieser Erzählung hält der ukrainische Generalstaatsanwalt, der die Dokumentation kurzerhand als “Fake” bezeichnete, bis heute fest, ohne freilich nach fast vier Jahren irgendwelche anderslautenden Ermittlungsergebnisse vorweisen zu können.

Stellen wir uns vor, statt der vom “Rechten Sektor” angeheuerten Scharfschützen hätten drei von Russland rekrutierte Söldner solche detaillierten Geständnisse abgelegt, in einer seriösen Dokumentation, von einem erfahrenen Korrespondenten des italienischen Fernsehens. Was wäre da los ? – vom “Brennpunkt” nach der Tagesschau bis zu Titelseiten in der “New York Times”, mit “Breaking News”  und Sondersendungen würden die Großmedien aus allen Rohren feuern, um die Botschaft rüberzubringen: der Russe war’s! Durchgeknallte Olivgrüne wie Rebecca Harms und Marie-Luise Beck würden gleich den atomaren Erstschlag fordern und Hillary Clinton schäumen, wenn die “Putin-Marionette” Trump nicht sofort auf den roten Knopf drückt. Kurz: die Hölle wär los.

So aber hören wir von diesen explosiven Geständnissen… Nichts! Und gäbe es nicht Organe wie Telepolis, Rubikon oder KenFM hätten Sie und ich wahrscheinlich bis heute davon nie  gehört und würden es vielleicht nie erfahren. Selbst wenn es sich bei diesen Geständnissen um einen Fake handeln würde – was ziemlich unwahrscheinlich ist – wäre das der  Berichterstattung und Recherchen wert, denn das Maidan-Massaker war und ist ein weltweit bedeutsames Ereignis, die Intialzündung eines immer noch andauernden Bürgerkriegs. Deshalb spricht das durchgängige Schweigen der Großmedien zu diesen Geständnissen Bände.  Sie sind noch immer Tag für Tag mit der  “Russiagate” -Luftnummer unterwegs, da wäre die Enthüllung einer echten “false flag”, ein  “Euromaidan-Nazi-Gate”-Skandal, jetzt einfach kontraproduktiv. Okay, wir haben verstanden…

Mehr zum Ukraine-Konflikt und zum neuen Kalten Krieg  in “Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder Wie uns die Medien manipulieren” .  Wie der aktuelle Fall zeigt ist das 2014 erschienene Buch nach wie vor höchst aktuell. Nach der tschechischen Ausgabe ist es jetzt auch in russischer Sprache erschienen und im Verlag Rosspen, Moskau, erhältlich.

 

 

Auch als Podcast auf KenFM

PR mit dem “Holocaust als PR”

Der  “Tagesspiegel” hat mal wieder eine Breitseite gegen “Putinversteher und Aluhüte” abgelassen. Aufhänger ist eine geplante Veranstaltung der Partei der “Linken”, bei der neben Sarah Wagenknecht, Oskar Lafontaine auch Jean-Luc Mélenchon von der französischen Linkspartei  und Matthias Platzeck von der SPD auftreten. Also einer, der für einen Dialog mit Russland eintritt und  “ähnlich tickt wie jener Flügel der Linken, der ebenfalls mit der russischen Autokratie wenig Probleme hat.” So etwas grenzt für eine transatlantische Kirchenzeitung wie den “Tagesspiegel” zwar fast an Gotteslästerung, wäre aber noch kein Thema, hätte  der Organisator der Veranstaltung, der Abgeordnete Dieter Dehm, sich nicht gerade auch noch gegen die Zensurversuche seines Parteigenossen Lederer in Sachen Ken Jebsen ausgesprochen. Das ist dann ein schöner Anlass, die Antisemitismus-Keule gegen den “umstrittenen Moderator” auszupacken – und damit die Linken in der Linkspartei ein wenig mit brauner Soße zu begießen: “Jebsen hatte in einer Mail an einen Hörer unter anderem geschrieben, er wisse, wer den Holocaust als PR erfunden und wie Goebbels die entsprechenden Kampagnen umgesetzt habe.”
Hier wird einmal mehr aus dem privaten Chat Jebsens zitiert, den dieser Hörer  dem Springer-Journalisten Broder zuspielte, der damit die Diffamierungskampagne startete, welche zum Ende von KenFM beim “rbb” führte. Und die trotz der Klarstellung des Senders, dass die Vorwürfe gegen den langjährigen Moderator unzutreffend sind, bis heute immer wieder hochgezogen wird. Ohne diese Klarstellung zu erwähnen, ohne weitere Recherche und natürlich ohne jede Rückfrage bei dem Betroffenen. Mit Journalismus hat das nichts zu tun, es wird PR gemacht mit dem  “Holocaust als PR” – gegen einen kritischen Journalisten, gegen einen entschiedenen Friedensaktivisten, gegen eine Weltsicht, die über den transatlantischen Tellerrand hinausgeht. Und wenn “Putinversteher” als Denunziation kaum noch zieht und “Verschwörungstheoretiker” durch inflationären Gebrauch nur noch Gähnen hervorruft, dann muß eben die Nr.1 der Diffamierungsvokabeln, der gute alte “Antisemit” herhalten. Und wenn der nicht zu haben ist, nehmen wir “antisemitische Denkmuster” (Lederer).

Wie war das nun mit dem “Holocaust als PR” ? Weil mit dieser Äußerung seit fünf Jahren nur PR gemacht wurde, hatte kein Journalist bei Ken Jebsen nachgefragt, wie er das eigentlich gemeint hatte.  Als ich ihn im vergangenen Jahr zwei Tage festnageln konnte und interviewte, wollte ich Genaueres über diesen nächtlichen Chat wissen, bei dem er das geschrieben hatte. Das Ganze scheint mir mittlerweile ein Lehrstück, wie aus dem Zusammenhang gerissene Zitate zum Rufmord verwendet werden und wie Journalisten, die keine sind, mit dieser Methode PR machen.

Irgendwann hatte ich in einem dieser Chats mal jemanden, von dem sich später herausstellte, dass es ein Historiker war. Der hatte erkennbar eine andere politische Meinung als ich. Zum Beispiel zur Geopolitik der Amerikaner, zu dem was die Russen tun, kurz, der Typ war auf Krawall gebürstet. Das reizte mich. Die digitale Diskussion, eine Art Schlagabtausch, kam ins Rollen. Mir wurde später klar, mein Gegenüber spekulierte darauf, mir irgendeine Art von Falle zu stellen, nach dem Motto, wie kann man dem Jebsen einen Strick drehen. Wir kamen jedenfalls in einem sehr, sehr langen Chat auch auf das Thema Drittes Reich, Staatsterror und den Holocaust. Das ging wirklich sehr, sehr lange. Und irgendwann ist mir der Kragen geplatzt. Ich wollte mich nicht permanent von oben herab belehren lassen. Hier ließ einer wirklich den Oberlehrer raushängen. Ich war schwer genervt. Also habe ich morgens irgendwann geschrieben: »Sie müssen mir nicht den Holocaust erklären, ich weiß, wer ihn als PR erfunden hat.«
Dieser Satz ist natürlich missverständlich, denn er lässt offen, ob der Schreibende meint, der Holocaust hätte nie stattgefunden, oder aber, der Holocaust sei mit den Techniken der PR auf den Weg gebracht worden. Ich spreche dann in meinem Chat aber konkret Edward Bernays an. Bernays war der Schwiegersohn von Sigmund Freud und hatte 1928 das Standardwerk “Propaganda” veröffentlicht. Eine Anleitung, um Massen zu manipulieren und ihnen fremde Ideen als die eigenen zu verkaufen. Das ist kein fauler Zauber, das ist angewendete Verhaltensforschung.
Auch Joseph Goebbels hatte “Propaganda” gelesen, er erkannte das »Potential« und wendete die dort beschriebenen Techniken der Manipulation eins zu eins an. Er kreierte den Zeitgeist, der nötig war, um später Millionen Menschen industriell zu vernichten. Edward Bernays wurde mit dieser Tatsache später konfrontiert, als ihm ein amerikanischer Reporter berichtete, er hätte Propaganda in Goebbels’ privater Bibliothek entdeckt. All das schrieb ich.
Bernays antwortete dem US-Reporter ganz pragmatisch, ihm sei immer klar gewesen, dass man mit seinen Erkenntnissen aus der Psychologie auch perverse Dinge anstellen könne. Du kannst ja auch ein Messer nehmen und dir ein Brot streichen oder jemanden erstechen.
Bernays hatte für meinen Geschmack recht variable Moralvorstellungen. Für ihn ging es vor allem um Erfolg. Erfolg um jeden Preis. Er hat ja später dann sowohl für die United Fruit Company gearbeitet, die in Südamerika Plantagen wie zu Sklavenzeiten betrieb, als auch für die US-Tabakindustrie Demos mit öffentlich rauchenden Frauen organisiert. Er hatte von der Tabakindustrie den Auftrag bekommen, jene fünfzig Prozent der Bevölkerung, die nicht rauchten, die Frauen, zum Tabakkonsum zu bringen, was ihnen damals in der Öffentlichkeit per Gesetz verboten war.
Also stellte er junge dynamische Frauen in für die damalige Zeit kurzen Röcken breitbeinig auf die Straßen New Yorks und ließ Fotos schießen, die diese Frauen dabei zeigten, wie sie öffentlich gegen das Gesetz verstießen, indem sie rauchten.Ein Sturm der Entrüstung wurde in den USA losgetreten. Mit welchem Effekt? Dass jetzt extrem viele junge Frauen, die nie Bock auf Tabak hatten, mit dem Rauchen anfangen, denn sie fühlten sich jetzt durch den Gesetzgeber gegängelt. Bernays hatte diese Frauen bewusst in ihrem Stolz getroffen. Wer als Frau cool sein wollte, verfiel jetzt dem Glimmstängel. Die Frauen wurden benutzt, merkten es aber gar nicht und fühlten sich auch noch gut dabei. Das ist perfekte Manipulation. Bernays ist einer ihrer perfidesten Pioniere und Joseph Goebbels war sein größter Fan.
Das alles schrieb ich in diesem Chat. Wer sich da aber nur den, zugegeben, hingeklatschten Satz rausschnappt, betreibt selber exakt das, was ich verurteilt habe: bewusste Manipulation. Dieser Historiker wendete Bernays’ Techniken gegen einen ARD-Reporter an und kam damit durch – und bis heute haben die meisten meiner Kritiker von damals nicht realisiert, dass man sie benutzt hatte wie Bernays seinerzeit die dann rauchenden Frauen. Aber wie erklärt man Menschen, dass sie manipuliert werden, wenn der wesentliche Erfolg des Tricks doch darin besteht, dass sie es nicht wahrhaben wollen?
Zudem gab es in meiner Sendung KenFM über alle 545 Sendungen ohne Ausnahme eine Rubrik, die von Anfang an vertreten war. Sie hieß »RückblickKEN« und beschäftigte sich jede Woche mit dem Holocaust. Der Holocaust wurde 52-mal im Jahr und das über den gesamten Zeitraum der Sendung, also über neuneinhalb Jahre, Woche für Woche als die größte Warnung der Geschichte zitiert, und jede Woche gab es einen aktuellen Bezug zur Gegenwart. (…)
Ausgerechnet mir, der diese Epoche, wie gesagt, jede Woche behandelte, zu unterstellen, ich würde den Holocaust leugnen und als Erfindung zu PR-Zwecken bezeichnen, das geht nur, wenn man vorsätzlich die gesamte Geschichte von KenFM ausblendet und leugnet. Exakt das passierte in meinem Fall und die Mainstreampresse machte vollkommen gleichgeschaltet mit.(…)”

 Mehr dazu in: “Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann (2016)”

Auch bei Rubikon erschienen

„Russiagate“ und kein Ende

Vor einem Jahr wurde Donald Trump gewählt – ein alles zerstörender Meteorit, ein Monster, eine Horrorgestalt war Präsident der Vereinigten Staaten, so präsentierten die Großmedien das Wahlergebnis. Und waren selbst am meisten geschockt, denn sie hatten einen Wahlsieg Hillary Clintons mit über 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit vorhergesagt. Die Wähler unterdessen hatten die von den Medien im Wahlkampf konstruierte Parallelwelt – mit einem absoluten Horrorclown auf der einen und einer allseits gütigen Landesmutter auf der anderen Seite – durchschaut. Und so kam es   dass sich die War Party-/Neocon-Neoliberal/Wall Street-/Think Tank-/Corporate Media-Maschine, die Clinton unterstützt hatte, trotz  milliardenteurem Brainwashing nicht durchsetzte.
Sensationell – und irgendwie auch sehr demokratisch: nicht das größte Budget an Wahlkampfgeldern gewinnt – Hillary setzte mit sagenhaften 1,3 Milliarden fast doppelt so viel wie Trump ein – sondern der glaubwürdigere Kandidat, selbst wenn die Großmedien ihn als notorischen Lügner porträtieren. Das war der größte anzunehmende Unfall, der Super-GAU für Clinton und die Medienmaschine – und die Geburtsstunde der verrücktesten Verschwörungstheorie unserer Tage: der Behauptung, dass „russische Hacker“ die US-Wahlen manipuliert hätten und Trump von Putin auf den Thron gehievt worden sei. Konkrete, nachvollziehbare Beweise gab es dafür nicht, auch die Chefs von FBI, CIA und NSA konnten nicht liefern, gaben sich aber „überzeugt“ von diesem Verdacht – und so kam „Russiagate“ in die Welt.
Anders als bei „Watergate“ in den 70er Jahren, als echte Einbrecher im Wahlkampfbüro der demokratischen Partei geschnappt wurden und der republikanische Präsident Nixon wegen dieses Manipulationsversuchs zurücktreten musste, beruht „Russiagate“ allein auf Behauptungen, Vermutungen und Gerüchten.
Weil mir das vorkam wie eine mittelalterliche Intrigengeschichte, begann ich über dieses „Real Game of Thrones“ zu schreiben und die Intrigen um „König Donald, die unsichtbaren Meister und den Kampf um den Thron“ in satirischem Ton zu begleiten. Anders war die absurde Posse um „Russiagate“ nicht zu fassen und nach 100 Tagen Trump-Regentschaft schien es mir dann genug.
Die Meister in den Tiefen des Königreichs ließen freilich nicht locker, ihre Herolde und Lautsprecher wurden nicht müde, die ebenso unsichtbaren wie allmächtigen Hacker des ultrabösen Putin und dessen heimliche Allianz mit dem Horrorpräsidenten Trump zu beschwören. Anhörungen, Vorladungen, Ausschüsse, Sonderermittler…“Russiagate“ ist bis heute täglich in den Schlagzeilen. Hat etwa ein hohes Tier aus Donalds Stab vor fünf Jahren mit jemandem gesprochen, der einen russischen Schäferhund besitzt ? Oder Geschäfte mit einem Unternehmer gemacht, der mit der leibhaftigen Großnichte Stalins verheiratet war ?
„Es ist schwer, keine Satire zu schreiben“ notierte einst der Dichter Juvenal zu seinen Beobachtungen am Hofe der römischen Kaiser und das gilt angesichts von „Russiagate“ noch immer – wäre das Ganze nicht wirklich ernst. Denn um was geht es bei dieser Nullnummer, die seit einem Jahr nichts und wieder nichts zu Tage gefördert hat ?
Zum einen um einen nützlichen Sündenbock, um das selbstverschuldete Debakel der Wahlniederlage zu kaschieren – die geleakten emails hatten ja keine äußeren, russischen Manipulationen aufgedeckt, sondern die internen von Clinton und wie den populären Kandidaten Bernie Sanders weggebissen hat. Vor allem aber geht es bei „Russiagate“ darum, Trump an der Einlösung seines Wahlversprechen zu hindern: „to come along with Russia“. Verständigungen, Verhandlungen, De-Eskalation des Kalten Kriegs – all das darf es nicht geben und schon um einen Versuch Trumps in diese Richtung zu verhindern, wird das substanzlose „Russiagate“-Gerücht seit über einem Jahr geköchelt und verbreitet. Jetzt ist es sogar über den Atlantik gekommen – russische Hacker sollen sowohl hinter den Autonomiebestrebungen Kataloniens stecken, wie auch für den Brexit verantwortlich sein.
Irre? Verrückt ? Durchgeknallt? – Nein. Sie meinen das ernst. Der militärisch-industrielle Komplex braucht einen Feind, Frieden und Verständigung sind geschäftsschädigend. Und so konnte Trump letzte Woche auf dem G-20-Treffen mit Putin nur zwischen Tür und Angel reden, und was er danach sagte – sich mit Russland zu verständigen sei nicht nur „gut“ für Amerika, sondern „great“ – das war für New York Times nichts anderes als „Betrug“ und „Verrat“ .
Dass sich die beiden größten Atommächte an einigen Konfliktfeldern der Welt militärisch gegenüberstehen und jede Eskalation eine Bedrohung für die gesamte Menschheit darstellt, und dass es in einer solchen Situation nichts Dringenderes und Wichtigeres geben kann als dass beide Seiten miteinander reden – von diesem Gebot der Vernunft haben sich die Russia-Gater verabschiedet. Die Gegnerschaft zu Trump – für die es ja durchaus vernünftige Gründe gibt – ist zu in einer hysterischen Russophobie ausgeartet, die lieber einen Weltkrieg riskiert als Gespräche über Frieden und Abrüstung zu akzeptieren.

Auch als Podacst auf KenFM

“Wie bist du eigentlich links geworden?”

Nicht nur bei Ernst Jandl geraten rinks und lechts  gelegentlich durcheinander. Auch bei mir befürchtete gestern ein alter Kollege, der seit langem im Ausland lebt,  einen solchen Illtum. Weil er im Netz gelesen hatte, dass ich den Berliner Kultursenator von den “Linken” scharf kritisiert und den angeblich “neu-rechten” Ken Jebsen in Schutz genommen hätte, rief er mich an. Nachdem ich ihm den Unsinn des Vorwurfs “neu-rechts” und “Querfront” klar gemacht und ein pdf meines Interview-Buchs mit Ken Jebsen  losgeschickt hatte, kamen wir noch in ein längeres Gespräch – und ließen das Band laufen.

 “Wie bist du  eigentlich links geworden?” fragte er und ich erzählte, wie mir als Teenie nicht in den Kopf wollte, warum mit den Bomben auf Vietnam die Demokratie  verteidigt und Napalm auf Reisbauern in Asien unsere Freiheit gesichert werden muss. Ich verweigerte den Kriegsdienst und weil es nach dem Abitur keine Zivi-Plätze gab aber einen Studienplatz in Berlin, nahm ich den, und ging gleich auf meine erste Demo, nach dem 11.9.1973. “Chile si, Junta no” riefen wir, um gegen den von der CIA lancierten faschistischen Putsch gegen Allende zu protestieren. So ging das weiter, Nicaragua, El Salvador, stets nach demselben Muster, wo immer eine linke und sei es nur sozialdemokratische Regierung an die Macht kam, zog Amerika verdeckt oder offen in den Krieg.

“Also du wurdest links über den Anti-Imperialismus ?” – Kann man so sagen. Der Vietnamkrieg war so mit Vierzehn eine Art Schlüsselerlebnis, über die Welt und Gerechtigkeit nachzudenken, dann kam Willy Brandt, den ich bei meiner ersten Wahl wählte und sogar bei den Jusos eintrat, aber gleich wieder aus – weil die SPD ihr Wahlversprechen nicht einlöste, das Gerichtsverhör für Kriegsdienstverweigerer abzuschaffen. Ich absolvierte das dann, mein Vater unterstützte mich – was Anti-Kriegs-Politik betrifft waren wir uns immer einig. Im Studium lernte ich dann die Hintergründe der Wiederbewaffnung  kennen, das 1953 abgelehnte Stalin-Angebot der Wiedervereinigung bei militärischer Neutralität, die Geopolitik des Kalten Kriegs. Dann kam die RAF, deren gewalttätige Strategie ich ablehnte und für aussichtslos hielt, emotional aber die auf Seite dieses terroristischen Davids gezogen wurde je stärker der Goliath des Staats sich dagegen aufblähte. Ein weiteres Schlüsselerlebnis war dann die Einseitigkeit und nahezu Gleichschaltung der Medien im “Deutschen Herbst”. Da hörte ich von einer Gruppe Leute, die eine unabhängige linke Zeitung gründen wollten, beim Tunix-Kongress 1978 gab es ein großes Treffen… und so kam ich zur taz.

“Die taz ist heute doch keine  linke Zeitung mehr, das ist doch fast nur noch  Jamaica-Gelb-Grün und bisschen Vegi-Lifestyle.” – Das ist der Zahn der Zeit, wie bei den Grünen, man ist halt “in der Mitte der Gesellschaft” angekommen und macht sich’s gemütlich. Das geht nur mit political correctness, nicht nur bei der Wortwahl sondern auch beim Ausblenden politischer Zustände, die nicht ins Bild passen, da schwimmt man dann eben im Mainstream mit und setzt höchstens hier und da ein paar schrille Ausreißer.

“Aber du arbeitest noch für die taz?” – Ja,  seit einigen Jahren wieder für den Verlag, nicht in der Redaktion. Auch wenn ich mit vielem in der Zeitung nicht einverstanden bin, ist sie noch die beste die wir haben in Deutschland. Auch die Grünen hab ich ja noch gewählt, solange Christian Ströbele kandidierte. Die “Linke” war mir lange zu SED-mäßig, aber Sarah & Oskar & noch ein paar dort finde ich gut. Dass man die jetzt auch in die “rechte” Ecke schiebt ist symptomatisch – wer nicht  ewige Treue der NATO schwört,  wird von der neuen Pseudo-Linken als Nazi  oder “neu-rechts”deklariert.

“Dein Anti-Amerikanismus sitzt tief!” – Quatsch, ich bin Karl May- und Amerika-Fan seit je. Aber wer die Weltgeschichte seit 1945 studiert und die endlose Reihe von Kriegen sieht, mit denen vor allem die USA die Erde überzogen haben, kommt als vernünftiger Mensch nicht darum herum, diesen permanenten Massenmord zu kritisieren. Es ist eine entsetzliche und brutale Politik, die die einzige Weltmacht betreibt.

“Deshalb hast du dich über den Wahlsieg von Trump gefreut?”  Nein, über Bernie Sanders hätte ich mich gefreut, über Trump nur deshalb  weil die schreckliche Clinton den Bernie weggebissen hat, der die Wahl klar gewonnen hätte. Aber auch Trumps Ansage “to come along mit Russia” fand ich richtig und es ist höchst spannend, wie mit aller Macht versucht wird,  ihn davon abzuhalten. Der miliätrisch-industrielle Komplex braucht einen Feind, Frieden und Verständigung sind geschäftsschädigend…

“Dass du als “Putinversteher” ein Buch geschrieben hast ist ja auch nicht gerade links, oder?”  – Verstehen heißt nicht Verehren. Ohne Putin würde es in Russland heute aussehen wie im Irak, das kann niemand wünschen, außer vielleicht das US-Imperium zwecks Chaosverbreitung. Ich bin für Friedens,-und Handelsverträge von  Lissabon bis Wladiwostock und Peking, für Handel und Wandel zwischen Europa und Asien auf der “neuen Seidenstraße” – ob das “links” ist weiß ich nicht, aber es macht Sinn. Und Putin und Xi würden sicher gerne in solche Verhandlungen eintreten, aber diese Verständigung ist tabu. Sie war es schon für das britische Weltreich und ist es jetzt für seinen Nachfolger in Washington: wenn Eurasien zusammenwächst ist das Imperium nicht mehr zu halten. Deshalb dürfen sich  Deutschland und Russland, West,-und Osteuropa, nicht vertragen. Deshalb wird die NATO nicht reformiert oder abgeschafft, sondern weiter auf Konfrontation gebürstet. Deshalb gibt es die von den USA verordneten Sanktionen, die Deutschland und Westeuropa mehr schaden als den Russen.

“Auch viele Rechte finden Putin gut…” –  So what? Die finden auch Borussia Dortmund oder Bier oder sogar Rotwein gut. Das ist doch nicht das Problem mit “rechts”, sondern ihr reaktionärer Rassismus. Dieser Schwachsinn von der weißen Rasse und einem speziellen Deutschtum oder Polentum oder Schlagmichtot. Jedes Land hat seine Kulturen und das ist wunderbar, aber daraus eine Suprematie abzuleiten ist Wahnsinn. “Wir müssen den Nationalismus in Folklore verwandeln”, hat schon mein Freund Wolfgang Neuss gesagt…

“Und die Flüchtlinge?” – Da war ich anfangs ganz bei Merkel, die Notaufnahme war ok – und sie ist ok, solange sich Deutschland an Kriegen beteiligt oder Waffen  dafür liefert. Wer Fluchtursachen bekämpfen will, muss aufhören, andere Länder in Schutt und Asche zu legen. Aber hier läuft ja jetzt eher das Gegenteil, die Bundeswehr soll für mehr Auslandseinsätze fit gemacht werden, mit gräßlichen Werbe-Kampagnen, wie geil das Kämpfen in Mali ist. Das ist die Obergrenze des schlechten Geschmacks – wir wollen mehr Krieg, wir liefern mehr Waffen und wollen gleichzeitig eine Obergrenze für Flüchtlinge, die wir mit dem Export von Panzern und Bomben weiter produzieren.

“Viele in der “Linken”-Partei würden da zustimmen, aber du greifst ihren Kultursenator scharf an.”
– Ja, weil er mit diesem Saalverbot die Meinungs,-und Pressefreiheit mit Füssen tritt. Weil er Ken Jebsen in eine Ecke stellt, in der er nicht gehört, wie jeder, der das KenFM-Programm anschaut, sehr leicht feststellen kann, und weil er die Beteiligten an diesem Programm und der Veranstaltung einfach nur diffamiert. Ein solcher Unkultursenator muss sich schon sagen lassen, dass er daneben liegt, selbst wenn ihm die antideutsche Transatlantifa  dafür zujubelt…

“Transatlantifa?” – Das ist eine spezielle pseudo-linke Truppe hier, die sich “Antideutsche” nennt und “Israel über alles” als Antifaschismus verkauft, die sämtliche US-Kriege unterstützt und jeden, der da nicht mitzieht, als Nazi und Antisemit deklariert,  vor allem wenn er  – wie es zum Beispiel Ken Jebsen getan hat- die Besatzungspolitik Israels kritisiert. Oder die Zentrale des Drohnenmords in Ramstein, oder die Aufrüstung der NATO, oder die Geldpolitik der Federal Reserve Bank, oder den CIA-gesteuerten Putsch in Kiew, oder die islamistischen Al CIAda-Söldner in Syrien… Das sind für viele Pseudo-Linke und Grüne und vor allem für die kognitiv dissonanten  “Antideutschen” absolute Tabus, wer sie wahrnimmt und anspricht, muss ausgegrenzt und diffamiert werden, sonst bricht ihr verqueres Weltbild zusammen.

“Du solltest die Laudatio auf Ken Jebsen halten bei der abgesagten Preisverleihung…” – Die ist nicht abgesagt, nur ein gemieteter Saal wurde gekündigt, der Preis wird verliehen und wenn nicht im Babylon dann eben anderswo.  KenFM und sein Macher haben diesen Preis verdient, denn sie machen ein vorbildliches Programm, anti-militaristisch, anti-kapitalistisch, ur-demokratisch und höchst professionell. Dass darauf nur mit Verleumdung und Diffamierung reagiert wird, ist keine Überraschung, denn sachlich, inhaltlich gibt es keine Argumente. Deshalb wird eben mit dem standardisierten Dreck –  “Verschwörungstheorie”, “Antisemitismus” – geworfen.

“Das kennst du doch…” – Ja klar, nach meinen 9/11-Büchern lief das damals genau so:  keine sachlichen Argumente gegen die Inhalte, aber kräftige Denunziation des Überbringers. Und für Ken Jebsen fing der ganze Ärger – nach Jahrzehnten als erfolgreicher Moderator und Journalist im ARD-Radio – ja 2011 auch just in dem Moment an, an dem er zum 10. Jahrestag  seine Zweifel an der offiziellen Legende äußerte und mich in seiner Sendung reden lies. 9/11 ist ja so etwas wie der Lackmustest für echten Journalismus, wer das Märchen von Osama  und den Teppichmessern als Alleintäter nicht stillschweigend akzeptiert, ist für die Großmedien untragbar. Das war schon bei JFK und Lee Harvey Oswald so – und um die Zweifler zur Strecke zu bringen, lancierte damals die CIA  die Vokabel “Verschwörungstheoretiker” als Kampfbegriff der psychologischen Kriegsführung. Diese feiert nach 9/11 fröhliche Urstände und heute gehen auch Leute, die sich “links” oder “grün” verstehen, völlig ungeniert und unreflektiert damit um, so auch der Berliner Unkultursenator. Es ist die perfekte Diskurskeule, um unerwünschte Nachrichten und Meinungen außen vor zu halten… allerdings durch inflationären Gebrauch mittlerweile auch schon ziemlich abgenutzt. Noch haben wir einen Rechtsstaat, der Presse-und Meinungsfreiheit garantiert, deshalb werden diese peinlichen Zensurversuche auch scheitern.

Der Beitrag ist auch auf Rubikon erschienenen

Kultursenator zieht Rufmord vom Leder – und schießt sich ins Knie

Dass die taz ihre friedenspolitischen Wurzeln gekappt hat und ähnlich wie die Partei der (Oliv-)Grünen seit dem Jugoslawienkrieg die illegalen Kriege des US-Imperiums akzeptabel findet, können Leute wie ich, die vor 38 Jahren diese antimilitaristisch verwurzelte “linke radikale tageszeitung” mitgründeten, nur als tragischen Niedergang empfinden. Die unter dem Fähnchen “Menschenrechte”, “humanitäre Intervention”  oder “war on terror” getarnten US-Kriege werden von der  taz-Redaktion mittlerweile nicht nur achselzuckend hingenommen, sondern gern auch noch publizistisch gefördert. Wie zuletzt die Bürgerkriege in der Ukraine und Syrien, mit der einst linksradikalen taz ganz auf Seiten von NATO, USA und ihren terroristischen Söldnern.
Einen ähnlichen Niedergang in die “Regierungsfähigkeit” wie die Grünen haben auch weite Teile der Partei “Die Linke” gewählt – Abschied von aktiver Friedenspolitik und Akzeptanz des us-amerikanischen Bellizismus sind das Ticket für Regierungspöstchen in Deutschland. Der Ex-Linke Joschka Fischer hat es vorgemacht und seitdem sind  viele Grüne und Linke auf dieser Schleimspur erfolgreich unterwegs. Einer von ihnen ist Klaus Lederer (Linke), der es so bis zum stellvertretenden Bürgermeister und Kultursenator Berlins gebracht hat. Als solcher hat er zum Beispiel unlängst die Proteste gegen die Abwicklung der “Volksbühne” in eine Event-Plattform mit der Polizei beendet und gerade dafür gesorgt, dass die idiotischen Al-Qaida-Busse hochkant vors Brandenburger Tor gestellt werden, als Mahnmal für Aleppo, wo Islamisten sie als Straßensperre benutzten. Für Lederer handelte es sich bei terroristischen Jihadisten aber um “moderate Rebellen”, denen man mit monumentaler Schrott-Kunst Denkmäler setzen muss. (Update: In einer ersten Fassung stand hier dass Lederer Mitglied des Lobbyvereins “Atlantikbrücke” sei, das ist falsch; es beruhte auf einer Verwechslung mit  seinem Parteikollegen  Stefan Liebich)

Ganz im Sinne atlantischer Frontkämpfer-Mentalität hat Klaus Lederer jetzt das Babylon-Kino – eine von seinem Senat geförderte Spielstätte – aufgefordert, den Mietvertrag für eine Preisverleihung an Ken Jebsen zu kündigen. Der Blog  “Neue Rheinische Zeitung” aus Köln, der alle zwei Jahre den Karls- Preis für engagierten Journalismus vergibt, hatte den Saal für den 14. Dezember gebucht – und bei mir angefragt, ob ich eine Laudatio auf den Preisträger halten würde. Ich sagte sofort zu, weil es höchste Zeit wird, Ken Jebsen und KenFM in höchsten Tönen zu loben, denn dieses Programm und sein Macher – der Chef des Grimme-Instituts, Lutz Hachmeister, lobte ihn unlängst erst als Medienpionier   – sind für mich seit Jahren der Leuchtturm eines friedens-politisch, anti-militaristisch und anti-kapitalistisch engagierten Journalismus. Dass solcher Journalismus Figuren wie Lederer nicht ins Konzept passt, kann man verstehen, dass sie sich aber übler Verleumdungen bedienen, um ihn zu verhindern, ist absolut inakzeptabel:  “Der Preisträger und mehrere an dieser Veranstaltung Beteiligte sind in der Vergangenheit durch offenen, abgründigen Israelhass, die Verbreitung typisch antisemitischer Denkmuster und kruder Verschwörungstheorien in Erscheinung getreten(..) Als Plattform für diesen Wahnsinn stehen wir nicht zur Verfügung,” richtet der Herr Senator über Facebook aus und die taz entblödet sich nicht, dieses dumpfe Mobbing unter dem Titel “Querfront-Preisverleihung abgesagt” unreflektiert nachzubeten.

Abgesagt ist unterdessen gar nichts und ob die per email erfolgte Kündigung  des Mietvertrags rechtens ist, nur weil ein gestörter Senator eine Veranstaltung für “Wahnsinn” hält, wird zu sehen sein. “Kunst soll verstören” hatte Lederer zu den Bussen am Brandenburger Tor gesagt,  Journalismus aber soll offenbar handzahm sein und der NATO, den USA sowie einem rasenden Philo-Semitismus huldigen, bevor Berlin “zur Verfügung” steht.
Nö, lieber Klaus, so looft det nich!  In deinem Mobbing sind zwar keine Namen genannt, sonst wären gleich einige Klagen vor Gericht gelandet und es würden Beweise fällig, warum es sich bei dem “Preisträger”  und “Beteiligten” um   Antisemiten, abgründige Israelhasser und krude Verschwörungstheoretiker handelt. Die gibt es aber genausowenig wie eine ominöse “Querfront”, wie sie die taz in ihrem Artikel halluziniert, weshalb es sich bei der ganzen Aktion um nichts anderes als um Mobbing handelt – Rufmord.
Der ist aber im Falle Ken Jebsen schon einmal nach hinten losgegangen, als der notorische Denunziant Broder es damit beim RBB versucht hatte:  KenFM wurde aus dem öffentlich-rechtlichen Kanal verbannt und erreicht seitdem im Netz ein Vielfaches an Zuschauern. Und so wird es auch dem Karlspreis an Ken Jebsen ergehen, der bisher an Werner Rügemer (2008), Wolfgang Bittner (2010), Rolf Gössner (2012) und Evelyn Hecht-Galinski (2014) verliehen wurde, und der dank der haltlosen Diffamierung durch einen Kultursenator nun noch größere Aufmerksamkeit als ohnehin finden wird.

Mehr zum Thema Rufmord,  KenFM und der Person des Preisträgers in   “Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann (2016)”

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Wenn aus dem I ein Y wird

Mit einem neuen Schulgesetz lodert der Sprachenstreit in der Ukraine wieder auf, dem wir 2014 in  “Wir sind die Guten”  schon einen kurzen Absatz gewidmet haben. Der es allerdings in sich hatte, zumindest für einen FAZ-Vollpfosten namens Reinhold Veser, der unserem Buch daraufhin “Volksverhetzung” und “rassistische Esoterik” vorwarf. Dabei hatten wir uns als Nicht-Experten slawischer Sprachen bei den Ausführungen über das Russische und Ukrainische auf den größten Dichter der Stadt Kiew, Michail Bulgakow, berufen. Und diesen dazu auch zitiert, was der Rezensent aber unterschlagen musste, denn sonst hätte er seine Fake-News von der “Volksverhetzung” nicht produzieren können. Wie auch immer, das Buch erscheint kommenden Monat auf Russisch, was ja auch sehr viele Ukrainer/innen sprechen und lesen, und wir sind gespannt wie die Linguisten vor Ort die Sache sehen. Hier der Ausschnitt aus dem Buch:

“Im Jahr 1918 war Kiew von drei verschiedenen Mächten beherrscht: zuerst von den Bolschewisten, die nach dem Sturz des Moskauer Zaren auch in Kiew die Macht übernommen hatten, dann von den Deutschen, welche die Rotarmisten verjagten und ein Marionettenregime unter Pawlo Skoropadsky einsetzten, das sogleich die russische Amtssprache verbot und eine ukrainische Grammatik einführte, und zuletzt nach dem Rückzug der Deutschen im Dezember 1918 von einem selbst ernannten ukrainischen Nationalisten, Simon Petljura, in dessen Herrschaftsbereich während seiner nur 15 Monate dauernden Amtszeit mindestens 35000 Juden ermordet werden.

Der in Kiew aufgewachsene Arzt und Schriftsteller Michail Bulgakow beschrieb diese schreckensreiche Jahre in seinem autobiografisch geprägten Roman “Die Weiße Garde”, in dem er aus seiner tiefen Abneigung gegen die roten Revolutionäre keinen Hehl macht, den entstehenden ukrainischen Nationalismus aber noch viel furchtbarer findet, vor allem weil er »die russische Bevölkerung terrorisiert mit einer scheußlichen Sprache, die es gar nicht gibt«. In dieser Neuerfindung liegt für Bulgakow die Wurzel des Nationalismus, und schon in seinem ersten Roman erweist sich der spätere Autor von “Der Meister und Margerita” als der satirische Großmeister der Weltliteratur, wenn er die neue Sprachverwirrung mit beißendem Spott beschreibt:

»Vorgestern fragte ich diese Kanaille Doktor Kurizki, der kann seit November vorigen Jahrs plötzlich kein russisch mehr. Früher Kurizki, jetzt ukrainisch Kuryzky. Ich frage ihn also, wie Kater (russisch Kot) auf ukrainisch heißt, das wußte er noch (Kit), aber als ich ihn fragte, wie der Wal (russisch Kit) heißt, glotzt er mich an und schweigt.«

Die Etablierung des Ukrainischen, das nichts anderes als Russisch mit ein paar abgeleiteten Vokalen ist und als Bauernsprache keine Worte für die Tiere hat, die nicht auf Feld und Flur leben, – die Einführung dieses Dialekts als Nationalsprache war für den Wortkünstler Bulgakow nicht ein neuer, patriotischer Anfang, sondern ein Rückschritt in einen beschränkten, bornierten Nationalismus

Fast ein Jahrhundert später ist der von Bulgakow thematisierte Sprachenstreit immer noch hochaktuell: bei einer Debatte über das von Präsident Janukowitschs „Partei der Regionen“ eingebrachte Gesetz, dass Minderheitssprachen in den Regionen als zweite Amtssprachen genutzt werden können, flogen noch 2012 im Kiewer Parlament nicht nur schlagkräftige Argumente, sondern auch die Fäuste. Was verdeutlicht, dass es sich in einem Land, in dem fast die Hälfte der Einwohner zu Hause Russisch spricht, um mehr als bloße Symbolpolitik handelt, die mit simpler Schwarz/Weiß bzw. „y“/“i“ –Malerei auf Wählerfang aus ist, sondern dass die Ukraine nach wie vor und emotional höchst aufgeladen um die fundamentalen Grundlagen eines Nationalstaats ringt. Was nicht nur einer übersteigerten Zurückdrängung alles Russischen geführt hat, sondern auch zu einer ungebrochenen Verehrung äußerst zwielichtiger Helden wie dem radikalen Nationalisten Petljura, dem in Kiew ein übergroßes Denkmal errichtet wurde. Wie auch seinem Nachfolger im Geiste, dem Partisanenkämpfer und Kollaborateur der deutschen SS Stepan Bandera, den Präsident Juschtschenko kurz vor seiner Abwahl 2010 noch mit dem höchsten Orden des Landes zum „Held der Ukraine“ erhob. Als sein Nachfolger Janukowitsch dies über die Gerichte 2011 rückgängig machte, beschuldigten ihn Juschtschenko „die Geschichte umzuschreiben und die Helden des ukrainischen Volks zu erniedrigen, um Russland zu gefallen.“