Betr.: Prima Klima

Hui, da hab ich ja in ein Nest gestochen, mit dem kleinen Kommentar über Propheten und Profiteure der Klimadebatte hier im Blog, der als Podcast auch bei KenFM und youtube erschien. Hunderte Kommentare, die ich gar nicht alle lesen kann, viele Beschimpfungen aber auch Beileidsbekundungen, weil ich nun auch der “Klimareligion” anheim gefallen sei, sowie Handreichungen und Links, um mich von diesem Irrglauben zu bekehren. Entäuschte “Entfreundungen” auf Facebook, weil ich bei aller Zuverlässigkeit in Sachen 9/11, JFK etc. nun doch die “Klimalüge” verbreiten würde, anstatt investigativ Chemtrails aufzudecken und Geo-Ingeneering zu kritisieren. Dazu heiße Debatten über C0-2, das in meinem Artikel überhaupt nicht erwähnt wird.
Der Text nahm eine Prognose der UN zur Erdrwärmung und dem Anstieg des Meeresspiegels nur zum aktuellen Anlass, um die Schwierigkeiten von homo sapiens im Umgang mit neuen Werkzeugen und Erkenntnissen zu beleuchten. Und auf zwei Dinge hinzuweisen: dass ein fröhliches “Weiter so” beim Verballern fossiler Rohstoffe nach dieser Prognose für einige Küstenregionen den Untergang bedeuten könnte; und dass die Plädoyers für ein solches “Weiter so!” und die Zweifel an einer menschengemachten Erderwärmung und ihren Folgen seit Mitte der 90er Jahre von Ölkonzernen (Koch Industries, Exxon etc.) finanziert und propagiert werden.

Nicht mehr aber auch nicht weniger sagt dieser Kommentar und einer neuen Religion bin ich damit nicht verfallen, sondern hänge weiter meiner Privatreligion an, die auf Empirismus der ersten Person setzt: Erfahren,  Sehen, Verstehen.
Zum Beispiel die Gletscher in den Alpen, wo ich öfter bin, und die Jahr für Jahr  schrumpfen, oder die Erfahrung, dass die Insekten verschwunden sind weil die Windschutzscheibe auch im Hochsommer sauber bleibt. Letzteres wollten mir Experten mit der “verbesserten Aerodynamik” heutiger Autos erklären, aber ich glaube diese “Experten” tun nichts anderes, als den Kopf in den Sand stecken. So wie die “Es war doch schon immer so!”-Experten für Eiszeiten und Erwärmungen der letzten 500 Millionen Jahren.
Die Berichte über das dramatische Voranschreiten der Artenvernichtung, der Regenwaldzerstörung, der Bodenerosionen usw. usf. scheinen mir insgesamt äußerst glaubhaft und passen in das Bild, das die Klimaforscher vom Treibhauseffekt aufzeigen, für den nicht nur Kohlendioxid verantwortlich ist.

In “Cogito Ergo Bumm – und 49 weitere Beweise für die Unausweichlichkeit des Scheitern” schrieb ich 2007: “Die Gattung der Menschen, denen die Handhabung des Feuers einst den entscheidenden Evolutionsvorteil sicherte, scheint nun an der Perfektionierung eben dieser Technologie zu scheitern: Sie fährt wider besseres Wissen fort, den Planeten in einen giftigen Backofen zu verwandeln. Und diejenigen, die davon profitieren, werden nicht müde, die Ausrottung von Pflanzen und Tierarten als »vertretbar« und die Warnungen vor einer Klimakatastrophe als »Panikmache« zu bezeichnen. Sie bezweifeln lieber weiter die wissenschaftlichen Daten und liefern damit den Beweis, dass homo stultus, der domestizierte Primat, einfach erst dann bereit ist zum Lernen, wenn es richtig auf dem Pelz brennt (bzw. das Wasser bis zum Hals steht) – zu spät.”

Paradise und Parasiten

Wie schon vor einiger Zeit die Panama-Papers, sind auch die Paradise-Papers  zwar viel besser als Nichts, aber wohl doch wieder nur ein “limited hangout” – die skandalisierende Sichtbarmachung der Spitze eines Eisbergs, der schon lange bekannt ist, aber weiter fröhlich vor sich hintreiben kann. In seiner ganzen Verachtungswürdigkeit und Niedertracht zeigt sich in diesem Zusammenhang die Ideologie der Springer(stiefel)presse in der gestrigen “Bild”-Schlagzeile Sind die kleinen Leute wirklich ehrlicher als die Reichen?  – sowie in der Verteidigung des parasiätren Raubrittertums in der “Welt”: Es ist gut, dass es Steueroasen gibt.

In “Die ganze Wahrheit über alles” haben wir “Steuern und Steueroasen” ein Kapitel gewidmet und auch die eigentlich sehr einfachen Lösungen skizizziert, wie man diese Raubritterburgen der Neuzeit schleifen kann. In Frankreich brauchte es 1789 eine blutige Revolution, um Adel und Klerus zu Steuerzahlungen zu zwingen, um dem heutigen Finanzadel an die Brieftasche und an den Briefkasten zu gehn, braucht es hingegen nur ein paar Daumenschrauben: ein internationales Finanzkataster, das die Besitzverhältnisse von Wertpapieren eindeutig registriert. Standorte, die sich weigern, dieser Registrierungspflicht nachzukommen, werden so lange mit Strafzöllen auf ihre Transaktionen belegt werden, bis sich ihre Geheimnistuerei nicht mehr rechnet.
Wie dringend notwendig solche Maßnahmen sind, wenn die Welt nicht wieder in einen totalitären Neo-Feudalismus regredieren soll, hat John Urry gezeigt, einer der wenigen Soziologen, die dieses gigantische Schattenreich der globalen Ökonomie erforschen (John Urry: Grenzenloser Profit – Wirtschaft in der Grauzone, Berlin 2015) :

„Die Beträge, die in solche Standorte geflossen sind, stiegen von 11 Milliarden US-Dollar im Jahr 1968 über 385 Milliarden US-Dollar 1978 und 6 Billionen US-Dollar 1998 auf 21 Billionen US-Dollar im Jahr 2010. Nach konservativen Schätzungen hat die Verlagerung von Geldvermögen von 1968 bis heute somit um das 2.000fache zugenommen. Nahezu alle großen Konzerne verfügen über Offshore-Zweigunternehmen, mehr als die Hälfte des Welthandels fließt durch diese Steueroasen, fast alle hochvermögenden Privatpersonen besitzen Offshore-Konten, die ihnen steuerliche „Gestaltungsmöglichkeiten“ eröffnen.“

Da es sich bei den Betroffenen nicht um irgendwen, sondern die mega-reichen 0,1 % der Weltbevölkerung handelt, wird ein internationales Finanzkataster nicht von heute auf morgen durchsetzbar sein. Deshalb empfehlen wir in unserem Buch eine auf Ebene der UN und der nationalen Gesetzgebung einfach und schnell durchsetzbare Initiative, die Einführung einer rigiden Residenzpflicht:
“Ein Offshore-Briefkasten darf nicht mehr ausreichen, um sich vor Steuerzahlungen drücken zu können, die Person oder die Firma muss leibhaftig anwesend, sprich niedergelassen sein, um in den Genuss der Steuervermeidung zu kommen. Wir prognostizieren: Es wird nur sehr kurzfristig ein wenig voller auf den Caymans, den Jungferninseln oder Jersey…” Wenn die Steueroasen in Wüsten verwandelt sind, hält es dort niemand mehr lange aus.”

Mehr über Steueroasen, alle anderen schwierigen Weltprobleme und ihre einfachen Lösungen in: Die ganze Wahrheit über alles.

Der oben abgebildete Titel des sehr empfehlenswerten Buchs zum Thema von Nicholas Shaxson liegt mittlerweile auch auf deutsch vor: Schatzinseln – Wie Steueroasen die Demokratie untergraben.

Die geheimen JFK-Akten (10): Der “Geist” hinter Oswald – James Jesus Angleton

Am vergangenen Freitag ist ein weiterer Schwung der JFK-Files freigegeben worden. Auch wenn mit  über 30.000 Seiten noch immer der allergrößte Teil unter Verschluß ist, wird es langsam interessant. So sprang Jefferson Morley in einem schon lange veröffentlichten Kabel des CIA-Büros in Mexico an die Zentrale in Langley, das im Oktober 1963 vom Besuch eines Amerikaners namens Lee Oswald in der sowjetischen Botschaft berichtet, eine bisher geschwärzte Betreffzeile auf: “LCIMPROVE” – der Code für die CIA-Abteilung “Gegenspionage sowjetischer Geheimdienste weltweit”. Ihr Chef war James Jesus Angleton, über den Jeff Morley gerade eine Biographie (“The Ghost”) veröffentlicht hat (ich bin erst zur Hälfte durch, kann sie aber schon empfehlen) – und dies ist deshalb interessant, weil Angleton und die CIA  jahrzehntelang abgestritten haben, irgendein Interesse an Oswald gehegt oder Akten über ihn geführt zu haben.
Dieser Hinweis auf ein Gespräch Oswalds mit einem sowjetischen Konsularbeamten namens Kostikov, der dem Ermordungskommando des KGB zugeordnet wird, landet also auf dem Tisch des obersten Kommunistenjägers der CIA – und der unternimmt: nichts. Oder doch? Nur einen Tag nachdem das Kabel eingetroffen ist, geschieht etwas sehr Merkwürdiges:  Lee Harvey Oswald, der wegen seiner “Pro Kuba”-Aktivitäten unter besonderer Beobachtung des FBI steht, wird von der Liste der “persons of interest” gestrichen. Zwei Tage später kann er ohne Probleme  wieder nach Dallas zurückreisen, sechs Wochen später feuert er die magische Kugel auf JFK und wird zum Sündenbock.
Wer genau Oswald gedeckt hat und dafür sorgte, dass er nach diesen höchst verdächtigen Kontakten nicht einmal verhört wurde, das müssen jetzt die noch zurückgehaltenen Akten des FBI über die Streichung Oswalds von der Beobachtungsliste zeigen. Diese liegen bisher nur in stark redigierter Form vor und auch hier können für den Laien völlig unbedeutende merkwürdige Codes beweisen, wer wann etwas wusste und anordnete.
Dass James Jesus Angleton dabei definitiv die Finger im Spiel hatte, dafür habe ich in meinem Buch schon sehr viele Verdachtsmomente  aufgeführt, die mit einem solchen Aktenbeweis weiter bestätigt würden. Das Geständnis, das  er kurz vor seinem Tod 1985 dem Autor Jospeh Trento machte, spricht ebenfalls nicht dagegen:

“Grundsätzlich waren die Gründerväter des U.S.-Geheimdiensts Lügner. Je besser du lügen und betrügen konntest desto eher wurdest du befördert. Diese Leute zogen sich gegenseitig an und beförderten sich gegenseitig. Neben ihrer Doppelzüngigkeit war das einzige was sie gemeinsam hatten das Streben nach absoluter Macht. Wenn ich auf mein Leben zurückschaue habe ich Dinge getan, die ich bedauere. Aber ich war ein Teil des Ganzen und liebte es dazu zu gehören… Allen Dulles, Richard Helms, Carmel Offie und Frank Wisner waren die Großmeister. Wenn du mit ihnen in einem Zimmer warst, warst du in einem Raum mit Leuten von denen du glauben mußtetst, dass sie verdientermaßen in der Hölle enden. Ich denke ich werde sie da bald treffen. .. Die CIA hat zehntausende braver Menschen getötet…wir spielten mit Menschenleben als ob sie uns gehören würden.” ( Joseph Trento: The Secret History of the CIA, Roseville 2001, S. 478 f.)

Mehr zum Thema in der aktualisierten Neuauflage von “JFK – Staatsstreich in Amerika”

Die Drei-Grad-Welt: Von Propheten, Professoren und Profiteuren

Neue Werkzeuge gebären neue Weltbilder. Wobei sich die Geburt oft lange hinzieht. Als der Tuchhändler Antoni van Leeuwenhoek das erste Mikroskop gebaut und festgestellt, dass in menschlicher Spucke “kleine Tierchen” lebten, erklärte man ihn erst Mal für verrückt. Den Ingenieur Galilei aus Padua, der sich ein Fernrohr gebaut hatte und damit beweisen konnte, dass sich die Erde um die Sonne dreht, verurteilte man zu Hausarrest. Ähnlich wie diesen Entdeckern ging es vielen Pionieren, die mit neuen Werkzeugen oder Ideen in unbekannte Bereiche  vorgestoßen waren und Erkenntnisse mitbrachten, die dem allgemeinen Stand des Wissens und der herrschenden Meinung zuwider liefen.  Auch wenn es nicht wie bei Galilei immer über 350 Jahre dauert, bis sie offiziell rehabilitiert und Konsequenzen aus ihren Entdeckungen gezogen werden, zögern allgemeine Trägheit und institutionelles Beharrungsvermögen Innvovationen oft unmäßig hinaus.
Ein Blick auf die obenstehende Grafik, die jetzt im  “Guardian” erschien, zeigt wieviel Zeit noch bleibt, um auf die Erkenntnisse zu reagieren, die neue Werkzeuge der Beobachtung des Klimas und der Atmosphäre mit sich gebracht haben. Wenn die Erderhitzung und damit der Meeresspiegel weiter so ansteigt wie von den Forschern vorhergesagt, wird  sich die Weltkarte gegen Ende des nächsten Jahrhunderts dramatisch geändert haben. Städte wie Shanghai, Osaka, Rio de Janeiro, Miami, Alexandria sowie Den Haag und fast ganz Holland werden dann geflutet sein und 275 Millionen Menschen auf der Suche nach einer neuen Bleibe.

Ähnlich wie der Papst im 17. Jahrhundert den Blick durch das Fernrohr zu verweigerte, um die dank neuer Werkzeuge gewonnenen Erkenntnisse unter den Tisch zu kehren,  scheint angesichts der Lage keine Lösung. Und doch mutet die Sekte der “Klimaskeptiker” ganz so wie jene Kirchenvertreter an, die die Entdeckung des Kopernikus oder die experimentelle Bestätigung Galileis für eine ketzerische, teuflische Verschwörung hielten. Und ähnlich wie diese Kämpfer gegen den Heliozentrismus vom Vatikan einst mit Mitteln ausgestattet wurden, werden die Kämpfer gegen die “Klimalüge” heute von großen Konzernen finanziert. Sie haben “wissenschaftlich” nachgewiesen, dass es einen globalen Temperaturanstieg einfach nicht gibt – und falls doch, dass er keinesfalls mit dem Verballern fossiler Rohstoffe durch Menschen zu tun hat. Und sie bedienen sich dabei  denselben Methoden der wissenschaftlichen Verwirrung mit der zum Beispiel die Tabakindustrie Konsequenzen aus den Erkenntnissen über die Krebsgefahren durch Rauchen verhindern wollte.

“Und sie bewegt sich doch” soll Galilei gemurmelt haben, als ihm die Heilige Inquisition jegliche Äußerungen über die Erdumdrehung verbot – und er sollte recht behalten, als Prophet ( von lat. profiteri: gestehen, bekennen) gegen die Profiteure und Professoren (von proficere: nützen). Seine neuen Werkzeuge hatten den Blick nach außen gelenkt und die Autoritäten mit der Nachricht geschockt, dass der vermeintliche Mittelpunkt der Welt, die Erde,  nicht mehr ist als eine Billardkugel im leeren Raum.
Die neuen Messgeräte und Computer, die seit einigen Jahrzehnten neue Erkenntnisse über die Atmosphäre und Biosphäre ermöglichten, lenken den Blick jetzt wieder zurück, auf den Planeten Erde und die dünne, zerbrechliche Hülle in der Leben möglich ist. Und der Schock, in welche Kloake wir sie mit der brutalen Zerstörungskraft unserer Wirtschaftsweise verwandelt haben, ist für die heutigen Autoritäten – die kapitalistischen Konzerne – mindestens so groß wie damals Galileis Entdeckung für den Papst. Insofern wundert es nicht, wenn Profiteure und Professoren die Prophezeiungen der Klimaforscher ins Lächerliche ziehen. Nie aber lagen die Argumente für ein unbeirrbares “Weiter so” derart nah an der zynischsten aller Parolen: “Nach mir die Sintflut!”.

Auch als Podacast auf KenFM

Die geheimen JFK-Akten (9): No “come along with Russia”!

Dieser Tage wurde ich wieder einmal gefragt, warum ich mich immer noch mit dem Kennedy-Mord beschäftigen würde, das wäre doch ein Fass ohne Boden und so lange her, dass selbst eine vollständige Aufklärung heute gar nichts mehr nützen würde. Was das Fass betrifft, stimme ich teilweise zu, was die Aufklärung angeht aber gar nicht. Für die Weltmacht USA und das “amerikanische Jahrhundert”  war der 22. November 1963 ein entscheidendes Datum, ein Wendepunkt, der die von Kennedy angekündigte und schon eingeleitete Wende – den Rückzug aus Vietnam und ein Ende des Kalten Kriegs – rückgängig machte. Mit den folgenden (und ebenfalls bis heute ungeklärten) Morden an Martin Luther King und Robert Kennedy, der JFKs Erbe antreten wollte, war das Rollback komplett und mit den charismatischen Reformern unter der Erde auch jede Wende zu einer friedlicheren, kooperativeren Politik der Vereinigten Staaten definitiv beerdigt.
Seitdem regiert was Kennedys Vorgänger Eisenhower in seiner Abschiedsrede den “militärisch-industriellen Komplex” genannt und vor seiner Einflußnahme gewarnt hatte. Der bekam nach Kennedys Tod was er wollte – einen gigantischen Krieg in Südostasien, bei dem die Air Force allein über Laos, einem kleinen Land von Reisbauern, mehr Bomben abwarf als über Deutschland im Zweiten Weltkrieg – und sorgt seitdem mit immer gigantischeren Budgets überall auf der Welt dafür, dass dieses Bombengeschäft weiter läuft.
Mit JFK, der mit einem Erdrutschsieg für weitere vier Jahre im Amt bestätigt worden wäre und seinem Bruder Bobby als Präsident für weitere vier oder acht Jahre danach,  hätte Amerika sowohl innen,- wie außenpolitisch einen deutlich anderen Kurs genommen. Deshalb war dieser “Königsmord” ein so einschneidendes Ereignis und deshalb ist die Ermittlung seiner Hintergründe und Hintermänner bis heute von so großer Wichtigkeit, denn die Folgen erschüttern die Welt bis heute – mit einer brutalen imperialistischen Politik, die nur eine Alternative kennt: Pax Americana oder Bombenteppich.
Diese Politik, so hatte er in seiner “Friedens”-Rede im Juni 1963 deutlich gemacht,  wollte JFK beenden.  Nach dem folgenden Besuch in Deutschland und der umjubelten “Ich bin ein Berliner”-Rede vor dem Rathaus Schöneberg hatte Kennedy  seinen Beratern angekündigt, dass er nach der Wiederwahl nach Moskau zu reisen werde, um einen Friedensvertrag mit der Sowjetunion zu schliessen. Was die Schüsse von Dallas verhinderten.
Merkwürdigerweise sitzt nun 54 Jahre später ein Präsident im Weißen Haus, der sich nicht nur verhindert sieht, dem Gesetz nachzukommen, nach dem sämtliche Kennedy-Akten bis zum 26.10.2017 veröffentlicht sein müssen – gerade mal 58 von über 3000 Geheimdokumenten lagen zum Stichtag vor –  sondern auch daran, nach Moskau zu reisen, um sein im Wahlkampf verkündetes Vorhaben zu starten: “to come along with Russia”.  Paul Craig Roberts – einst  unter Reagan im Finanzministerium und ehemaliger Herausgeber des “Wall Street Journals” – fragt, warum Trump eine Normalisierung der Beziehung zu Russland “schier unmöglich gemacht wird”.  :

Warum ist die Opposition gegen eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen unseres Landes mit einer Atomsupermacht wie Russland derart groß? Warum sind selbst die heimischen Grünen auf den Anti-Trump-Propagandazug aufgesprungen? Sind sich die Grünen den Auswirkungen, die ein nuklear geführter Krieg auf unseren Planeten haben würde, nicht mehr im Klaren? Und warum sind die verrückten und inhaltlich haltlosen Bemühungen zur Amtsenthebung eines US-Präsidenten, der die bilateralen Beziehungen zu Russland zu normalisieren beabsichtigte, derart groß? Und warum werden solche Fragen nicht im öffentlichen Diskurs aufgeworfen? Das Versagen der politischen Führung, der Konzernmedien und der intellektuellen Schicht Amerikas sowie ein Mangel an politischer Führung in unserem Land sind komplett. Der Rest der Welt wird Mittel und Wege finden müssen, um Washington zu quarantänisieren, bevor Washington das Leben auf unserem Planeten zerstört.

So himmelweit die Unterschiede zwischen Kennedy und Trump sind ist die Parallele doch unübersehbar: “to come along with Russia” ist damals wie heute verboten, es unterminiert das Geschäftsmodell der Rüstungsindustrie…

Mehr zum Thema in der aktualisierten Neuauflage von “JFK – Staatsstreich in Amerika”

Die geheimen JFK-Akten (8): Eine Farce, ein Fiasko, ein Hohn

Es ist eine Farce, ein Fiasko, ein Hohn: 25 Jahre hatten Regierungen und Behörden der Vereinigten Staaten Zeit, sämtliche amtlichen Dokumente im Zusammenhang mit der Ermordung John F.Kennedys öffentlich zugänglich zu machen.  Doch was das National Archiv eine Stunde vor Ablauf der Frist am 26.Oktober auf seine Server hochlud, ist nur ein Bruchteil des Materials, das laut Gesetz zum Stichtag vollständig veröffentlich sein sollte. Darunter auch 3100 Dokumente – vor allem aus den Akten der CIA und des FBI – die bis dato noch kein Historiker zu Gesicht bekommen hat. Anders als die Medien über die Veröffentlichung berichten, nach denen nur ein kleiner Teil der JFK-Akten noch zurückgehalten wurde, ist es tatsächlich der größte Teil. Die ersten Forscher haben noch in der Nacht der Veröffentlichung durchgezählt und kamen gerade mal auf 52 Dokumente, die bisher tatsächlich geheim waren, der Rest der Veröffentlichung sind bereits bekannte Akten, die bisher nur redigiert und ohne Namensnennungen verfügbar waren.

Donald Trump hat den Geheimdiensten nun eine Frist von 180 Tagen gesetzt, die Nichtfreigabe der restlichen Dokumente zu begründen – wenn sie die “nationale Sicherheit” bedrohen oder Namen noch lebender Personen enthalten, bleiben sie weiter gesperrt. Historikern und Forschern bleibt dann  nur die Möglichkeit, im Namen des “Freedom of Information Act” vor Gericht zu klagen und diese Begründungen überprüfen zu lassen. Was sie bisher auch schon getan haben, und oft ohne Erfolg – wie etwa Jeff Morley, der seit mehr als zehn Jahren die Freigabe der “Operational Files” von George Joannides einklagt, einem leitenden CIA-Offizier, der eine Anti-Castro-Studentengruppe in Miami dirigierte. Diese fiel dadurch auf, dass sie schon wenige Stunden nach dem Attentat eine Pressekampagne startete, die Oswald als Kommunisten und Agenten Fidel Castros porträtierte. Da dieser in Dallas noch verhört wurde, öffentlich nichts über ihn bekannt und dies der erste “News”-Fetzen über den vermeintlichen Täter war, landete die Behauptung weltweit in den Medien und legte den ersten Grundstein für die offizielle Legende.

Welche Rolle die CIA bei dieser Medienkampagne spielte könnte die Akte Joannides zeigen – aber sie bleibt bisher weiter gesperrt. Ebenso wie die Akte von William Harvey, dem Attentats-Spezialisten der CIA, die von David Atlee Philipps, der mit Lee Harvey Oswald vor dem Attentat gesehen wurde oder von E.Howard Hunt, der auf dem Sterbebett vor einigen Jahren ein merkwürdiges Geständnis abgelegt hatte. Was 54 Jahre nach dem Attentat und lange nach dem Tod dieser CIA-Agenten noch so sicherheitsbedrohlich sein soll, dass es für die historische Forschung Tabu bleiben muss, erschließt sich dem gesunden Menschenverstand nicht. Auch das Argument, dass die Geheimdienste oder das FBI kein Interesse daran haben, sich mit Inkompetenz oder illegalen Aktivitäten bloßzustellen, sollte nach einem halben Jahrhundert längst verjährt sein.

Als Staatsanwalt Jim Garrison 1967 verdächtige CIA-Mitarbeiter aus dem Umfeld von Lee Harvey Oswald angeklagt hatte, brachte die CIA in einem berühmten Memo den Begriff “Verschwörungstheorie” als Diffamierung für jeglichen Zeifel an der Einzeltäterthese in Umlauf. Der bis dahin neutrale Begriff  wird zu einem Kampfbegriff der psychologischen Kriegsführung.  Und nichts anderes ist diese skandalöse und gesetzeswidrige Teilveröffentlichung der JFK-Akten: sie stiftet weitere Verwirrung statt Aufklärung und sie schürt Verdächtigungen, statt zur Wahrheitsfindung beizutragen. Sie füttert Verschwörungstheorien durch Veröffentlichung von Informations-Schippseln weiter an, statt sie durch vollständige Offenlegung zu beenden.
Wäre Lee Harvey Oswald tatsächlich der verwirrte Einzeltäter, als der er im Lexikon steht, wäre das ganze Tarnen und Täuschen schon seit über 50 Jahren unnötig gewesen. Dass zum Stichtag der gesetzlich vorgeschriebenen Offenlegung nur eine neue, gigantische Nebelkerze gezündet wurde,  räumt letzte Zweifel aus. Hier geht es um mehr als um einen einsamen Irren oder um Vertuschung von “Behördenversagen”, hier geht es um einen regime change von Innen: die Beseitigung eines Präsidenten, der den Vietnamkrieg beenden, den Kalten Krieg stoppen und die CIA in tausend Stücke zerschlagen wollte. Kein US-Präsident hat sich in den letzten 50 Jahren um eine Offenlegung der Akten und die Aufklärung des Mordes bemüht. Und auch Trump frißt den Geheimdiensten aus der Hand und hat die Lektion gelernt: Wer als Präsident aus der Reihe tanzt, dem blüht Dallas.

Auch als Podcast auf KenFM

Mehr zum Thema in der aktualisierten Neuauflage von “JFK – Staatsstreich in Amerika”

 

Die geheimen JFK-Akten (7): Cover Up geht in die Verlängerung

Dass in einem Rechtsstaat niemand über dem Gesetz stehen kann, ist auf dem Papier bekannt. In Wirklichkeit ist es ein frommer Wunsch, denn Regierungen und Geheimdienste müssen nur “Nationale Sicherheit!” rufen und schon sind Gesetze Makulatur. So auch der 1992 erlassene JFK-Records-Act, nach dem bis zum 26. Oktober 2017 alle behördlichen Akten im Zusammenhang mit dem Mord an John F.Kennedy veröffentlicht sein müssen. Doch das sind sie nicht. Zwar hat das National Archive zum Stichtag eine große Menge von Akten online verfügbar gemacht, doch tausende von Seiten bleiben weiterhin unter Verschluss. In einem Memorandum hat Präsident Trump – laut CNN “unhappy”, weil diese Restriktionen nicht “dem Geist des Gesetzes” entsprächen – den Geheimdiensten und dem FBI aber nun weitere 180 Tage eingeräumt, um ihre Begründungen für zurückgehaltene Dokumente zu überprüfen. Wenn sie dann weiter “nationale Sicherheit” rufen, wird auch weiter nichts veröffentlicht.

Laut Larry J. Sabato, Historiker der University Virgina, der Oswald für den einzigen Schützen hält und sich in der Nacht einen ersten Überblick über das “Durcheinander” des Rohmaterials gemacht hat, wird eine vernünftige Auswertung nicht nur viel Zeit brauchen, die meisten wichtigen Sachen – “the good stuff” – seien auch weiterhin unter Verschluss. Und werden es auch bleiben, es sei denn, Trump sieht das dann anders und ordnet die Publikation an. Was er auch jetzt schon hätte tun können. Dass er es sich in einem halben Jahr anders überlegt und  gegen das Votum der unsichtbaren “Intelligence”-Meister entscheidet, ist unwahrscheinlich.  Auch wenn Trump  am Samstag anderes twitterte

Das Cover Up geht also in die Verlängerung. Das Chaos ist komplett – und nichts Anderes war wohl auch beabsichtigt.Warum sonst hat man 25 Jahre gewartet, um genau eine Stunde vor Ablauf der Frist abertausende von Seiten zu publizieren ? Fiel es erst fünf Minuten vor Zwölf auf, dass die Veröffentlichung bestimmter Dokumente die “nationale Sicherheit” bedrohen, oder noch lebende Informanten bloßstellt ? Warum verkündet Trump zuerst “full disclosure” von 31.000 Akten und dann werden drei Tage später doch nur 28.000 veröffentlicht ? Eine solche Inszenierung dient nicht der Aufklärung, sondern der Verwirrung, nicht der Ermittlung eines ungeklärten Verbrechens, sondern der weiteren Vertuschung, nicht dem Ende von Verschwörungstheorien durch zweifelsfreie Fakten, sondern ihre Fortsetzung ad infinitum…

Die geheimen JFK-Akten (6): Fake-News vs. Fakten

(Update unten) Die auf über 110.000 Seiten geschätzten unveröffentlichten Akten im Zusammenhang mit dem Mord an John F.Kennedy, die laut Gesetz spätestens  am heutigen Stichtag zugänglich gemacht werden müssen, sind bisher (18.00 MEZ) auf der Website des National Archives noch nicht aufgetaucht. Aber in den USA ist noch kein Büroschluß, es könnte also noch etwas kommen. Auf den allerletzten Drücker, aber o.k. – das  Archiv hatte ja auch nur 25 Jahre Zeit. Was zeigt, wie wichtig es sämtlichen Präsidenten seitdem war, die wahren Hintergründe dieses Mords aufzuklären. Offenbar hatten sie die wichtigste Lektion gelernt: wer aus der Reihe tanzt als POTUS, dem blüht Dallas.
Jeff Morley hat einige Punkte zusammengefaßt, die man zu den anstehenden Veröffentlichungen wissen sollte. Auch in meinen vielen Postings zum Thema steht schon einiges darüber, was zu erwarten ist. Bevor die Unmengen von Files durchforstet sind, gilt das erste Interesse natürlich der Frage, welche Akten auch weiterhin zurückgehalten werden,  weil Trump den Einsprüchen der Geheimdiensten folgt, die “nationale Sicherheit” vorschützen.
Dass das  ehemalige Nachrichtenmagazin  gegen weitere Geheimhaltung nichts einzuwenden hat, weil : “…der Akten-Hype dürfte falsche Fährten eröffnen, die Verschwörungstheoretiker befeuern, das Vertrauen in den Staat weiter erodieren und Trumps parallele Schattenwelt stärken, in der Realität und Fiktion immer mehr im Fake-News-Dunst verschwimmen” –  wundert kaum. Wer wie der “Spiegel” wider besseres Wissen nach wie vor die Einzeltäterthese des Reichstagsbrands von 1933 hochhält, hat mit dem Märchen von Oswald und der magischen Kugel natürlich auch kein Problem. Genausowenig wie mit der Behauptung, dass nicht die Geheimhaltung, sondern die Veröffentlichung von Akten “Verschwörungstheoretiker befeuert”  und die Publikation von behördlichen Dokumenten, Protokollen, Unterlagen – von dokumentierten Fakten also – nicht zur Aufklärung, sondern zum “Fake-News-Dunst” beiträgt. Auch die FAZ befürchtet, dass die Veröffentlichung “den Verschwörungstheoretikern neue Nahrung liefern.”
Hallo “Qualitätsmedien” ! Seit wann habt ihr Angst vor Fakten, Akten und verstaubten Dokumenten ? Macht euch doch bitte gleich an die Arbeit, wenn das National Archiv in die Hufe kommt. Es könnte zwar sein, dass euer Märchenglaube und die dumpfe Copy-Paste-Fake-News-Produktion von einigen dieser Fakten erodiert wird…aber hey, dafür sind Journalisten doch eigentlich da. Wie ? Zuviel, können wir nicht schaffen? Okay, dann macht halt weiter Fake-News, es glaubt euch eh schon kaum noch ein  Schwein….

UPDATE 27.10.:  Wie schon erwartet bleiben etliche Dokumente auch weiter unter Verschluss, meldete das National Archive am Abend: “Based on requests from executive offices and agencies the President has allowed the temporary withholding of certain information that would harm national security, law enforcement, or foreign affairs.”