Wir schwören ab!

Zum 15. Jahrestag der 9/11-Attacken hatte ich hier über die neue Glaubensgemeinschaft “Church of Free Fall” (C.O.F.F.) berichtet und deren Glaubensbekenntnis  auf  telepolis veröffentlicht:

“Wo Legenden als Realgeschichte etabliert und zur Staatsräson erkoren werden, um auf dieser Basis Machtpolitik zu exerzieren, hat kritische Vernunft ausgedient. Deshalb wollen wir eine Glaubensgemeinschaft gründen, die sich klar und unzweideutig zur offiziellen 9/11-Geschichte bekennt und die Promotion dieser wunderbaren Ereignisse in den Status soliden, staatlich geprüften Wissens feiert. Weil dabei sowohl die Naturgesetze, wie auch die der Wahrscheinlichkeit, der Logik und des gesunden Menschenverstands teilweise in Frage gestellt werden, haben wir uns (vorläufig) für den Namen “Church Of Free Fall” (C.O.F.F.) entschieden und streben mittelfristig die Zulassung als offizielle Religionsgemeinschaft an. Dass die C.O.F.F. als eigentlich säkulare “Wissensgemeinschaft” dabei auf Gründungsmythen und Wunder verweisen kann, die hinter denen der etablierten Kirchen kaum zurückstehen, zeigt unser Glaubensbekenntnis…”

So hieß es in dem Anschreiben der C.O.F.F. und die sagenhaften Wunder, zu denen sich diese Gemeinde bekennt, können es in der Tat mit denen im Alten und Neuen Testament und im Koran aufnehmen. Deshalb sollte einer offiziellen Zulassung als Religionsgemeinschaft eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Neben Einnahmen aus der Kirchensteuer könnten dann auch C.O.F.F.-Theologen an deutschen Universitäten ausgebildet werden und für einen angemessenen Religionsunterricht an den Schulen sorgen. Dies sei “dringend notwendig”, so der Sprecher des C.O.F.F.-Episkopats, Reverend Bob Dobbs, “um den Irrglauben an Verschwörungen und das Gift der Verschwörungstheorien zu bekämpfen.”

Ganz in diesem Sinne hat jetzt Ernst Florian Kirner aka Prinz Chaos II.  ein Bekenntnisvideo veröffentlicht, dass nicht nur in seinem Hofstaat Furore machen wird: “Wir schwören ab!”

Frisch aus dem Archiv: Die Welt als Wille und Spätvorstellung

Die Forscher streiten sich noch um die Terminologie, doch über die fünf Kriterien, die ein Klartraum (lucid dream, high dream) erfüllen muß, herrscht Einigkeit:

1. Die träumende Person ist sich vollständig darüber im klaren, daß sie träumt;

2. Ist ihr Bewußtseinszustand in keiner Weise eingetrübt und liegt nicht selten sogar über dem Niveau des normalen Wachzustandes;

3. Funktionieren alle fünf Sinne dem subjektiven Erleben nach genauso gut wie im Wachzustand;

4. Existiert dabei sowohl eine uneingeschränkte Erinnerung an das bisherige Wach- und Klartraumerleben als auch

5. Ein klares Bewußtsein der eigenen Entscheidungsfreiheit.

Klarträumen heißt mit anderen Worten, daß sich die träumende Person vom Hauptdarsteller eines chaotischen Traumgeschehens zum Regisseur einer bewußten Inszenierung wandelt, in der sie gleichwohl immer noch die Hauptrolle spielt. Und zum Beispiel, wie weiland Heinz Rühmann im Film mit dem Kopf durch die Wand geht und den Chef erschreckt – statt wie bisher, von gar finsteren Mächten und Autoritäten gepeinigt, naßgeschwitzt aus einem Alptraum aufzuwachen…

Im ersten „Somnambulen Salon“, zu dem Micky Remann zu nächtlicher Stunde in ein Frankfurter Cafe geladen hatte, stand einer der raren Fachkundigen auf diesem Gebiet, Dr.Thomas Metzinger, Rede und Antwort. Der Klartraumforscher, der an der Uni Gießen dem ontologischen Pingpong zwischen Gehirnstruktur und Bewußtseinszuständen auf der Spur ist, begann mit einer äußerst ermutigenden Eröffnung: Das luzide, bewußtseinszustandsklare Träumen ist ein seit Jahrtausenden bekanntes Phänomen und jeder kann es lernen. Die einfachste Methode ist die, sich anzugewöhnen, täglich 8-15 mal einen Realitäts-Check durchzuführen: Ich bin wach, es ist Sonnabend 17 Uhr, ich sitze am Schreibtisch und schreibe einen Artikel, in meiner Umgebung ist alles normal, nichts Ungewöhnliches zeichnet sich ab, draußen regnet es, ich kaue hektisch ein Kaugummi, weil ich nicht rauchen will, dies ist die Wirklichkeit…

Wenn mir diese Art von Zustandsüberprüfung nach etwa 3 Monaten in Fleisch und Blut übergegangen ist, besteht die Möglichkeit, daß ich einen solchen Realitäts-Check einmal während eines Traums durchführe – und dann eben plötzlich feststelle, daß ich nicht wach bin, sondern träume. Mit diesem Bewußtwerden, einem „Aufwachen“ während der Realkörper weiterschnarcht, beginnt der Klartraum – und damit die Möglichkeit, Personal und „Action“ des Traumgeschehens selbst zu bestimmen. Geübte Klarträumerinnen (Frauen sollen es übrigens leichter lernen können als Männer) verschaffen sich erstmal ein paar Orgasmen, deren Lustgefühle es durchaus (siehe oben, Punkt 2 und 3) mit denen des Wachzustands aufnehmen können, um sodann den Erlebnisraum Traum nach Gusto und Bedarf zu nutzen – für Diskussionen, Abenteuer und Experimente aller Art.

So schwierig die Technik des bewußten Träumens zu erlernen ist, so leicht ist es, einen Klartraum zu beenden: wer seine ausgestreckten Hände oder irgendeinen anderen Gegenstand fest fixiert, beendet die Phase des Rapid Eye Movement und wacht auf. Thomas Metzinger berichtete in diesem Zusammenhang kurz von einem unlängst in USA durchgeführten Experiment: dem Live-Bericht eines Klarträumers über seinen Traum, den er mit Augenbewegungen in Morseschrift durchgab, sie wurden von Detektoren auf den Lidern des Schlafenden aufgezeichnet.

Für die Traumforschung besonders interessant ist ein Volksstamm in Malaysia, der normale Realität und Traum -Realität als völlig gleichberechtigt betrachtet und seine Kinder von klein an zum Klarträumen anleitet. So wird ihnen beigebracht, daß, wenn sie im wirklichen Leben einen Tiger sehen, sie wegrennen und das Dorf vor ihm warnen müssen. Begegnet er ihnen aber im Traumleben, sollen sie stehenbleiben, den Tiger scharf anschauen und ihn zwingen, ihnen Geschenke zu bringen. Es überrascht nicht, daß in diesem Volk Gewaltverbrechen fast nie vorkommen und Geisteskrankheiten nahezu unbekannt sind: wer ein solches Doppelleben führt, kann in der somnambulen Spätvorstellung bei völlig klarem Bewußtsein all das ausleben, was tagsüber aufgrund der Gesetze der Physik, des Sozialen und anderer Hemmnisse völlig unmöglich ist. Wir werden demnächst ausführlicher über den Klartraum (und die Frage nach der Notwendigkeit, seine Techniken als Hauptfach an Grundschulen einzuführen) berichten. Interessierte sollten sich bis dahin vielleicht stündlich einmal fragen, ob sie wach sind und dies hier wirklich die Wirklichkeit ist. Oder am Ende nur ein schlechter Film? Die Vorstellung, daß wir auch im Wachzustand eigentlich noch schlafen, ist die einzige Entschuldigung für die verluderte Dumpfheit, mit der die Menschheit über den Planeten torkelt.

Frisch aus dem Archiv: taz vom 15.5.1990

Massaker zum Geburtstag

Nachdem ich von den jüngsten Massakern an oppositionellen Demonstranten  hörte, bei denen über 50  Menschen  erschossen und über 1000   verletzt worden waren, atmete ich kurz auf, dass das nicht Russland passiert ist. Denn sonst wäre jetzt vielleicht ein Weltkrieg im Gange, weil damit ja wohl der letzte Beweis vorläge, dass es sich bei Putin um ein “Monster” handelt, das dringend beseitigt werden muss. Bibi Netanjahu aber, der israelische Präsident, kann zum 70. Geburtstag seines Staats einfach so tun, als ob er von Wasserwerfern, Tränengas und Gummiknüppeln noch nie gehört hat und unbewaffnete Demonstranten einfach abknallen lassen – aber niemand nennt ihn “Tier” oder “Monster” oder einen schießwütigen “Autokraten”. Ja, nicht einmal mit großen Ohren und fieser Nase darf man ihn karikieren, dann fliegt man als Cartoonist gleich raus bei der “Süddeutschen Zeitung”, denn das ist “Stürmer”-Stil und erinnert an die dunkelste Phase der deutschen Geschichte, die sich nie wiederholen darf.

Die Karikatur von Dieter Hanitzsch war am Dienstag in der Printausgabe der Zeitung erschienen. Sie zeigt Netanjahu in Gestalt der Siegerin des Eurovision Song Contest, der Israelin Netta. In einer Sprechblase heißt es “Nächstes Jahr in Jerusalem”, dazu hält Netanjahu eine Rakete mit Davidstern in der Hand. Damit, so meinte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, sei eine rote Linie überschritten: „Mit einer derartigen geschmacklosen Zeichnung entwertet man jede berechtigte Kritik an den Handlungen der israelischen Regierung“, sagte er der “Bild”-Zeitung.

Was aber, wenn von solcher “berechtigten Kritik” kaum eine Spur ist, wenn Netanyahu ein Gemetzel nach dem anderen veranstalten und die palästinensische Minderheit in seinem Land  wie Untermenschen behandeln kann, ohne irgendwelche Sanktionen, Forderungen nach “regime change” oder gar militärische Drohungen befürchten zu müssen ? Wie tief muss die angeblich “einzige Demokratie im Nahen Osten” noch sinken, bis der Rest der Welt ihren an finsterste Kolonialzeiten und  Apartheidsregime erinnernden Methoden  Einhalt gebietet ? Und aufhört, wie die deutsche Bundesregierung,  “beide Seiten” zur Mäßigung zu mahnen – also die Opfer und die Täter.

Dass unter den nach Deutschland geflüchteten arabischen Menschen auch einige mit strikt antisemitischer Gesinnung sind, kann  – sofern sie dieser Gesinnung durch öffentliche Äußerungen oder Straftaten Ausdruck geben – sicher ein Problem darstellen.  Mindestens ebenso problematisch ist es aber, wenn ein rasender Philosemitismus zur Staatsräson wird, der nach einem Massaker wie dem jüngsten in Gaza den Opfern dieselbe Schuld zuweist wie den Tätern und protestierende Demonstranten auf eine Stufe mit mordenden Killertruppen stellt.  Denn das ist nichts anderes, als nach den Mordanschlägen bei  “Charlie Hebdo” die Zeichner zur Mäßigung oder angesichts Hitlers Verfolgung der “raffenden Juden” diese zu etwas mehr Großzügigkeit aufzufordern: menschenverachtender Zynismus.

Wäre ein solches Massaker an einer unterdrückten Minderheit in Russland, Syrien oder Iran geschehen könnten wir uns vor dem Aufschrei und dem Kriegsgetrommel bei McMedien kaum retten und der übelste “Stürmer”-Stil wäre in den Karikaturen von Putin oder Assad  gerade recht. Netanjahu aber muss stets als freundlicher alter Herr dargestellt werden, ganz gleich, wie viele Menschen er ermorden läßt ? Wenn die besondere Verantwortung Deutschlands für die Existenz Israels in derart doppelten Standards besteht, ist sie untragbar.

Oh, wie ist das schön

Schon für dieses Foto muss man der Frankfurter Eintracht für ihren Sieg im Pokalfinale dankbar sein. Aber auch ansonsten war es ein denkwürdiges Match, das eine Minute vor Schluss noch zu kippen schien, als der Schiedsrichter ein Foul im Frankfurter Strafraum per Videobeweis überprüfte. Jetzt ist alles vorbei, dachte ich, Elfmeter für Bayern, Ausgleich in letzter Sekunde und dann gewinnen sie in der Verlängerung.  Die Beine der Kontrahenten in dieser Szene trafen sich in der Luft und verfehlten beide den Ball, worauf sich der Bayernspieler Martinez fallen lies – da kann man einen Elfer geben. Doch der Schiri entschied auf Eckball und das muss der Moment gewesen sein, als Rolex-Kalle und Wurst-Uli parallel die Mienen entgleisten. Und als hätten es die Kicker auf dem Rasen gesehen, setzten sie nach dem Abpraller nach der Ecke aus lauter Spass noch einen drauf – 3:1.
Nach drei Jahrzehnten der erste Titel für Eintracht Frankfurt – aber nicht nur deshalb, und weil ich schon vor über vier Jahrzehnten Grabowski, Hölzenbein und “Dr.Hammer” Bernd Nickel live im Waldstadion bejubelt habe, war das ein wunderbares Match. Denn es hat mal wieder gezeigt, dass Geld eben doch noch nicht alles ist im Fussball und man Spirit und Teamgeist nicht einfach kaufen kann.

Der Kampf um die „Weltinsel“

“Der geographische Drehpunkt der Geschichte“ lautete der Titel eines Vortrags, den der Politikberater und Direktor der “London School of Economics”, Halford Mackinder, im Jahr 1904 veröffentlichte. In der aktuellen Ausgabe der Kulturzeitschrift “Lettre International”   ist dieser Vortrag jetzt zum ersten Mal auf Deutsch erschienen, wofür man sehr dankbar sein muss. Denn es handelt sich zum einen um einen klassischen Schlüsseltext der Geopolitik und zum anderen ist Mackinders „Heartland“-Theorie nach wie vor von erstaunlicher aktueller Bedeutung. Wer das „Herzland“, die Mitte zwischen Europa und Asien und somit das Zentrum des eurasischen Kontinents beherrscht, beherrscht die Welt, lautete Mackinders These. Da durch die kommenden Technologien der Eisenbahnen und des Automobils der Handel und Wandel zwischen Europa und Asien unausweichlich sei, wäre die auf der Seeherrschaft beruhende britische Weltmacht chancenlos. Vor allem wenn das rohstoffreiche Russland mit dem industriestarken Deutschland zusammenwachse. »Wer Osteuropa regiert, beherrscht das Heartland; wer das Heartland regiert, beherrscht die Weltinsel; wer die Weltinsel regiert, beherrscht die Welt«, brachte Mackinder seine Geostrategie später auf den Punkt.
Wer die Geschichte des 20. Jahrhunderts auf diesem Hintergrund liest, kann erstaunliche Einsichten über die Kontinuität gewinnen, mit der Briten und Amerikaner ihre globale Machtpolitik betreiben. Etwa über die Frage, warum Hitler und die Wehrmacht massiv von der Wall Street finanziert wurden, oder warum die Nato nach 1991 mit ihren Raketen unbedingt bis an die russische Grenze vorrücken musste oder warum 2014 mit einem Putsch in der Ukraine ein russlandfreundlicher Präsident durch einen russlandfeindlichen ausgetauscht werden musste oder warum eine zweite „North-Stream“-Pipeline durch die Ostsee den Amerikanern ein Dorn im Auge ist. Immer geht es um Mackinders „Herzland“ in dem auf keinen Fall Handel, Wandel und Frieden herrschen darf, weil dies die transatlantische Dominanz bedrohen würde.
Es zieht sich von dieser Theorie aus dem Jahr 1904 eine Linie über Hitlers Geostrategen Karl Haushofer zum geopolitischen Berater von fünf US-Präsidenten, Zbiginew Brzezinski, bis in die aktuelle Politik des US-Imperiums. Über die Aktualität Mackinders schreibt in “Lettre” auch der Historiker Alfred McCoy,  dessen eminentes Grundlagenwerk “Die CIA und das Heroin -Weltpolitik durch Drogenhandel” für ein Verständnis der aktuellen internationalen Konflikte und Kriege unverzichtbar ist. Ebenso wie eine Kenntnis der Generalstrategie im “Great Game”, die auf Mackinder zurückgeht und im geopolitischen Match auf dem “eurasischen Schachbrett”, wie es Brzezinski nannte, nach wie vor auf der Agenda steht.
Auf diesem Hintergrund kann man dann auch den scheinbaren Irrsinn der Tagesnachrichten ein wenig begreifen, etwa warum aus Afghanistan immer neue Produktionsrekorde für Opium und Heroin gemeldet werden, während in USA Tausende an dieser Überproduktion krepieren; oder warum eine Gas-Pipeline zwischen Russland und Deutschland ein “Problem” darstellen soll, während der ökonomische und ökologische Hochgrad-Schwachsinn, Fracking-Gas mit Riesentankern von Amerika nach Europa zu schippern, von der EU gefördert wird. Oder warum Polen sich gerade von den USA für irrsinnige Milliarden
“Patriot”-Luftabwehr andrehen lässt – “gegen die Russen”, gegen deren neue Hyperschall-Raketen die veralteten Patriots aber keinerlei Chance haben.
Nadelstiche ins „Herzland“ zu setzen, Konflikte zu schüren, Waffen zu liefern und Kriege anzuzetteln um ein Zusammenwachsen des Osten Europas mit dem Westen Asiens zu verhindern ist nach wie vor die grundlegende außenpolitische Agenda des US-Imperiums. Dazu gehört auch, die strategischen Angelpunkte an den Rändern des eurasischen Doppelkontinents zu kontrollieren – vor allem die rohstoffreichen Regionen des Persischen Golfs. Wobei die desaströsen Krieg in Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien mittlerweile, so Alfred McCoy, weniger an ein kühnes geopolitisches Gambit erinnern als „an Deutschlands katastrophale Entscheidung, das russische Kernland anzugreifen.“ Er sieht darin den „sicherlich letzten imperialen Versuch, sich eine Angelpunktposition am Rand des eurasischen Kernlands zu sichern, vergleichbar mit den Forts des britischen Kolonialismus entlang der Nordwestgrenze.“
Darum geht es auch bei den jüngsten Kriegsdrohungen gegen den Iran, der ja gar keine Atomwaffen besitzt und sich regelmäßig von den internationalen Behörden kontrollieren lässt – anders als Israel, das illegal welche hat und jegliche Kontrollen verweigert. Dass es sich bei den jüngsten US-Kriegen, wie Alfred McCoy meint, um den „letzten imperialen Versuch“ des überdehnten amerikanischen Imperiums handelt, könnte sein, denn Russland und im Hintergrund auch China haben spätestens im Syrienkrieg klar gemacht, dass sie weitere Expansionen des US-Imperiums nicht dulden werden, auch keinen „Regimechange“ im Iran.
Dass Teheran im April den Ausstieg aus dem US-Dollar angekündigt hat und sein Öl künftig in Euro abrechnet, ist eine Provokation erster Klasse. Saddam Hussein und Gaddafi hat es das Leben gekostet, als sie aus dem Petro-Dollar aussteigen wollten – ihre nahezu wehrlosen Länder wurden umgehend überfallen und verwüstet. Doch anders als Libyen oder Irak hat der Iran zwei mächtige eurasische Atommächte als Verbündete im Hintergrund. Und auch die EU scheint nicht bereit, aus den Atomverträgen mit Iran auszusteigen und mit den USA, Israel und Saudi- Arabien weiter an der Eskalationsschraube drehen. Die Leichenberge und das Chaos, das dieses infernale Trio im Irak und in Syrien produziert hat, würde von einem Angriff auf Teheran in neue Dimensionen wachsen – bis hin zum Schrecken eines nuklearen Kriegs. Dass ein solcher Großkonflikt der Blöcke weniger auf amerikanischem oder russischen oder chinesischen Boden, sondern im kontinentalen mittleren Europa zu Katastrophen führen würde, hat man in Brüssel, Berlin und Paris offenbar verstanden. Es geht noch immer um Mackinders „Weltinsel“, die nicht zusammenwachsen darf.

Auch als Podcast auf KenFM

König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron

Vor genau einem Jahr ging “König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron.” in den Druck. Ich hätte mir ja “Real Game of Thrones” für den Titel gewünscht, aber davon hatten die Verlagsjuristen wegen des Titelschutzes der berühmten TV-Serie und möglicher Klagen abgeraten. Weil es in den Großmedien keine Rezensionen  gab, hat das Buch bisher noch kein sehr großes Publikum gefunden, obwohl ich dachte, dass die Besetzungsliste des Dramas doch eigentlich schon ziemlich vielversprechend klingt:

Real Game of Thrones: Tragödie oder Farce?

Und so ist auch zu erklären, dass die Leser, die das Büchlein erreichte, ziemlich begeistert klingen, wie etwa “Peter G.”, der am 5.Mai auf amazon eine Kundenrezension schrieb:

“Lustiges und Wirkliches müssen sich ja bekanntermassen nicht gegenseitig ausschliessen. Dieses Buch als Enthüllungsbuch zu diffamieren, wäre ziemlich humorlos. Aber genau den lässt Bröckers aus ‘vollen Rohren’ in des Leser’s Hirn krachen, dass es nur so brummt. Man kommt aus dem Stauen nicht mehr heraus, wie es passt, dass ein Präsident der USA gewählt wurde, der aus Sicht seiner Gegner garnicht gewählt hätte werden dürfen. Dieses Meisterwerk kann man ungesehen in die Reihe der Harry Potter Erfolge eingliedern, wobei meine Phantasie mit mir etliche Bocksprünge vornahm, so dass ich das ‘Büchelchen’, nichts ‘Gutes’ ahnend in einem Ritt lesen wollte, immer wieder aus der Hand legen musste, um Erstickungsanfällen durch ‘Lachsalven’ vorbeugen zu können. Aber ernsthaft, Bröckers versteht es, das Einparteinsystem mit den zwei Flügeln derart zu sezieren, dass einem eigentlich das Lachen im Halse stecken blieben müsste, aber dieser Geniestreich von ihm hat dazu geführt, zu verstehen, wo Rockefeller und Rothschild im Untergrund arbeiten, die Fäden ziehen und sich der Milliardär Soros ‘verzockt’ hat, weil er König Donald angegriffen hat, der dummerweise ein ‘Rothschild Zögling’ ist, der ihm schon öfter seinen ‘Zocker-Arsch’ gerettet hat. Dieses Buch ist jeden Cent wert. Leider nicht mehr Sterne möglich Bravo Bröcking!!!!!!

Manu K. kommentiert an selber Stelle:

Mathias Bröckers ist ein cooooooler Schriftsteller, sehr schlau, sehr belesen und es macht immer Spaß seine Bücher zu lesen !!!! Zum einen wegen neuem Erkenntnisgewinnen, aber auch wegen seinem immer lustigen Sarkasmus!!!!! Danke an den immer wieder lustigen Diskurs von Herrn Bröckers. Das macht Spaß, thank you so lot !!!!!

Und “Humanwrites” konstatiert “Humor und Wirklichkeitsanalyse”:

Im deutschen Fernsehen ist es ja mittlerweile so, dass die eigentlichen Nachrichten und Hintergrundinformationen von Satireformaten wie “Die Anstalt” geliefert werden. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Buch von Mathias Bröckers, der uns den aktuellen Machtkampf in den USA in einem sehr unterhaltsamen Märchenton erzählt, der allerdings einen sehr erhellenden Blick auf die Wirklichkeit öffnet. Kluge Einsichten, viele Links und Quellenangaben gepaart mit viel Humor – volle Punktzahl für dieses empfehlenswerte Buch.

Da kann man nun wirklich nicht meckern und sich als Autor für so viel Lob nur bedanken.

Russland: Eskalation im Medienkino

Am 16.5. werde ich beim telepolis-Salon in München diese Eskalation diskutieren. Hier die Einladung der telepolis-Redaktion:

“Wir haben ein Wahrheitsproblem mit Russland. Es bringt sogar den Zweifel zum Durchdrehen. Die gute alte westliche “Schule des Zweifels” als Methode zur Wahrheitsfindung hilft nicht mehr viel, wenn der Zweifel selbst als Teufel der russischen Destabilisierungsmethode ausgemacht wird.

Die russische Propaganda beruhe ganz zentral darauf, Unsicherheiten zu säen und Gewissheiten zu untergraben, wird gewarnt. So gesehen spielt jede Forderung nach eindeutigen Beweisen für die Verantwortung Russlands bei Giftattacken in London oder bei Chemiewaffenangriffen des Verbündeten Syriens der russischen Propaganda in die Hände. Ein Dilemma. Wer trägt den Vorteil davon?

Es gibt kein zweites Land, dem sich die westliche Medienktivität derart engagiert zuwendet. Und man kann nicht behaupten, dass es dabei objektiv zugeht. Keinem anderen Land werden solche raffinierten Superschurkenfähigkeiten zugesprochen wie Russland.

Wenn sich der Verdacht gegen Russland wendet, so bekommt er ein großes Spielfeld. Wer westliche Zeitungen liest, erfährt, dass vom Kreml aus Befehle für Sabotage an der Demokratie und an Menschenrechten in die ganze Welt hinausgehen und nicht zuletzt, dass im Kalkül Russlands die syrische Zivilbevölkerung weit weniger zählt, als dass der “Schlächter seines Volkes”, der Folter-Tyrann Baschar al-Assad, an der Macht bleibt.

List und Tücke made in Russia machen diesen Planeten gefährlich, ist der gängige Schluss aus unzähligen Berichten und Kommentaren seit der Ukraine- und Krimkrise 2014. Seitdem wird gerne und oft von der “russischen Gefahr” gesprochen, Eklärungen braucht es dann nicht mehr viel. Bereits Grundschüler sind davon überzeugt, dass Putin die malaysische Passagiermaschine mit der Flugnummer MH17 abgeschossen hat. Der Nato-Stab und die deutsche Verteidigungsministerin von der Leyen warnen seit dem Krim-Referendum im März 2014 verstärkt vor den verdeckten Operationen Russlands, seiner aggressiven hybriden Kriegsführung.

Sich zu Russland zu positionieren, ist eine Herausforderung in einer schwierigen Gegenwart, die verlangt, über alles im Bild zu sein bei stetiger Veränderung. Anders als im Film oder Geschichtsbüchern ist nicht klar, welchen Ausgang die Konflikte nehmen, wie sie einzuschätzen sind, ob es nur um verbale Muskelspiele geht, um bloßes “Politiktheater”, oder ob es sich um vorbereitende Kriegspropaganda handelt. Dass der dritte Weltkrieg immer häufiger in den Diskussionen vorkommt, ist Zeichen kommunikativ eskalierender Zeiten.

Als Bösewicht wird oft Putin plakatiert, als Chef eines neo-totalitären repressiven Regimes in Russland und Vorreiter einer ganzen Reihe von strong men, die neue Attraktivität gewonnen haben – ein simples Bild, das aber zu funktionieren scheint und auch Artikeln unterliegt, die an kritische Leser (“Seien Sie anspruchsvoll!”) gerichtet sind.

Russland ist wieder Weltmacht und die Medien, die uns das meiste von dem beibringen, was wir dann fast ausschließlich von der Realität wissen, haben sich in der überwiegenden Mehrheit auf ein Bild geeinigt, das im Putinschen Russland eine (Kriegs-)Gefahr sieht.

Welche Haltung wollen wir einnehmen, wenn wir über Russland reden? Immun sein gegen Manipulationen des Großkonsens und auf jeden Fall klüger sein als der Mainstream, der eine anti-russische Schlagseite hat? Zugleich aber auch menschenfreundlicher als die eingefleischten Putin-Fans, die noch jedes autoritäre Durchgreifen in Russland und jeden Bombenangriff in Syrien zur Notwendigkeit erklären?

Der wieder belebte Kalte Krieg findet in den Medien eine wichtige Bühne. Der Kampf geht um die Deutungshoheit. Wer hat die Macht, uns seine “Story” als die glaubhaftere zu erzählen, wie stellt er das an? Was ist neu am Info-War zwischen dem Westen und Russland knapp 30 Jahre nach dem “Ende der alten Kalte-Kriegs-Geschichte”? Hat das Fiktive mit den neuen Medienmöglichkeiten jetzt größere Überzeugungskraft? Können wir aus dem Propaganda-Schlagabtausch etwas lernen?

Beim Telepolis-Salon sollen die erwähnten Fragen bis auf Weiteres geklärt werden. Dafür sorgen die kompetenten Gäste, die zum Gespräch mit Florian Rötzer und Thomas Pany eingeladen sind: der Doyen aller Verschwörungstheorien-Experten in Deutschland, Mathias Bröckers, Autor des Buches “Wir sind die Guten. Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren”, und Michael Meyen, Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der LMU München und Mitglied des Netzwerks Kritische Kommunikationswissenschaft.

Glanzpunkte findet der Abend wie immer durch die Arbeit der Künstlergruppe Prismen mit ihren eindrucksvollen Videos.”

Wir laden ein zum nächsten Telepolis-Salon “Russland – Eskalation im Medienkino” mit den Gästen Mathias Bröckers und Prof. Dr. Michael Meyen im Münchener Lovelace in der Kardinal-Faulhaber-Str. 1 am 16. Mai um 19 Uhr. Eintritt: 5 EUR, ermäßigt 3 EUR

McMedien beenden Giftgas-Wochen

Wie geht’s eigentlich den Skripals ? Und wie war das denn jetzt mit den Chemiewaffen in Douma ? Die Giftgaswochen bei McMedien sind offenbar beendet. Aus heiterem Himmel und mit internationalen PR-Fanfaren gestartet wie “Los Wochos” bei McDoof ist der Nothing-Burger “Novichok” jetzt still und heimlich vom “Breaking News”-Menu verschwunden.  Und auch von den “White Helmet”-Stuntmen in Douma ist nach dem prächtigen Tomahawk-Feuerwerk gar nichts mehr zu hören. Aber gab es da nicht einen perfiden Giftgas-Angriff der “aggressiven Russen” auf das Vereinigte Königreich und eine grausame Untat des “animal” Assad, der seine eigenen Kinder vergast ? Gab es nicht über Wochen ein gigantisches Bohei auf allen Kanälen mit der eine “Ab 5 Uhr 45 wird zurückgeschossen!”-Stimmung geschürt wurde ? Mußte Mutti Merkel ihren Nato-Callboy Heiko nicht zurückpfeifen, der mit Donald und Macrönchen gern ein wenig mit geballert hätte, um als toughes Kerlchen da zu stehen ? Ja – und jetzt ? Werden die angeblichen Schwerverbrechen, die als Begründung für das Bombardement dienten, weiter aufgeklärt ?  Nein.  In England werden in Sachen Skripal   seltsame Medienkorrekturen vorgenommen, die deutsche Regierung verweigert  der Linkspartei die Einsicht in den vollständigen Bericht der Chemiewaffenkontrollbehörde OPWC und die internationalen McMedien-Outlets ignorieren konsequent die von Russland in Den Haag präsentierten syrischen Zeugen aus dem Krankenhaus in Douma, die auf dem Propaganda-Filmchen der “White Helmets” als Giftgasopfer auftauchten und allesamt berichten, dass es gar keinen Chemiewaffeneinsatz gab. Weshalb wohl auch in dem vollständigen OPWC-Bericht, den die deutsche Regierung offenbar auf Druck der Briten geheimhält, schlicht und ergreifend nichts zu finden sein wird, was die Anschuldigungen gegen Russland und Assad bestätigen könnte.
Unterdessen hat der stets gut informierte Ex-Diplomat  Craig Murray auf eine weitere Nachrichtenblockade hingewiesen: die Tatsache, dass der Agentenführer Pablo Miller aus den Nachrichten verschwunden ist, der Sergey Skripal einst in Russland zum Überlaufen zum MI-6 anheuerte und auch in England weiter in Kontakt mit ihm  sowie mit dem privaten “Orbis”-Geheimdienst stand. Also mit jenem Laden des (Ex-?)MI-6 Mannes Christopher Steele , aus dem das  haltlose “Golden Shower”-Dossier stammt, mit dem die Clinton-Kampagne den Kandidaten Trump zu Fall bringen wollte. Dass der Russland-Kenner Skripal bei der Zusammenstellung dieses Dossiers geholfen hat und nach dem Auffliegen des Fakes ein unsicherer Kandidat war, den man zum Schweigen bringen wollte – diesen möglichen Hintergrund für einen Inside-Job hatten wir hier schon Anfang April ventiliert. Und es scheint, dass diese konspirologische Spekulation (einmal mehr) näher an der Wahrheit liegt als die offiziellen Verlautbarungen, die von den McMedien-Outlets kolportiert werden. Dass diese die haarsträubenden Ungereimheiten über die angeblichen Gifteinsätze in Salisbury und Douma unter einem Mantel des Schweigens begraben, statt zu recherchieren, richtig zu stellen und für Transparenz zu sorgen, hat Methode. Wo kämen wir denn hin, wenn man bei McMedien statt mit Junk-News mit vollwertigem Journalismus gefüttert würde. Dann müssten die Verantwortlichen für illegale Kriegseinsätze zur Verantwortung gezogen werden und das geht nun mal gar nicht…