Kultursenator zieht Rufmord vom Leder – und schießt sich ins Knie

Dass die taz ihre friedenspolitischen Wurzeln gekappt hat und ähnlich wie die Partei der (Oliv-)Grünen seit dem Jugoslawienkrieg die illegalen Kriege des US-Imperiums akzeptabel findet, können Leute wie ich, die vor 38 Jahren diese antimilitaristisch verwurzelte “linke radikale tageszeitung” mitgründeten, nur als tragischen Niedergang empfinden. Die unter dem Fähnchen “Menschenrechte”, “humanitäre Intervention”  oder “war on terror” getarnten US-Kriege werden von der  taz-Redaktion mittlerweile nicht nur achselzuckend hingenommen, sondern gern auch noch publizistisch gefördert. Wie zuletzt die Bürgerkriege in der Ukraine und Syrien, mit der einst linksradikalen taz ganz auf Seiten von NATO, USA und ihren terroristischen Söldnern.
Einen ähnlichen Niedergang in die “Regierungsfähigkeit” wie die Grünen haben auch weite Teile der Partei “Die Linke” gewählt – Abschied von aktiver Friedenspolitik und Akzeptanz des us-amerikanischen Bellizismus sind das Ticket für Regierungspöstchen in Deutschland. Der Ex-Linke Joschka Fischer hat es vorgemacht und seitdem sind  viele Grüne und Linke auf dieser Schleimspur erfolgreich unterwegs. Einer von ihnen ist Klaus Lederer (Linke), der es so bis zum stellvertretenden Bürgermeister und Kultursenator Berlins gebracht hat. Als solcher hat er zum Beispiel unlängst die Proteste gegen die Abwicklung der “Volksbühne” in eine Event-Plattform mit der Polizei beendet und gerade dafür gesorgt, dass die idiotischen Al-Qaida-Busse hochkant vors Brandenburger Tor gestellt werden, als Mahnmal für Aleppo, wo Islamisten sie als Straßensperre benutzten. Für Lederer handelte es sich bei terroristischen Jihadisten aber um “moderate Rebellen”, denen man mit monumentaler Schrott-Kunst Denkmäler setzen muss. (Update: In einer ersten Fassung stand hier dass Lederer Mitglied des Lobbyvereins “Atlantikbrücke” sei, das ist falsch; es beruhte auf einer Verwechslung mit  seinem Parteikollegen  Stefan Liebich)

Ganz im Sinne atlantischer Frontkämpfer-Mentalität hat Klaus Lederer jetzt das Babylon-Kino – eine von seinem Senat geförderte Spielstätte – aufgefordert, den Mietvertrag für eine Preisverleihung an Ken Jebsen zu kündigen. Der Blog  “Neue Rheinische Zeitung” aus Köln, der alle zwei Jahre den Karls- Preis für engagierten Journalismus vergibt, hatte den Saal für den 14. Dezember gebucht – und bei mir angefragt, ob ich eine Laudatio auf den Preisträger halten würde. Ich sagte sofort zu, weil es höchste Zeit wird, Ken Jebsen und KenFM in höchsten Tönen zu loben, denn dieses Programm und sein Macher – der Chef des Grimme-Instituts, Lutz Hachmeister, lobte ihn unlängst erst als Medienpionier   – sind für mich seit Jahren der Leuchtturm eines friedens-politisch, anti-militaristisch und anti-kapitalistisch engagierten Journalismus. Dass solcher Journalismus Figuren wie Lederer nicht ins Konzept passt, kann man verstehen, dass sie sich aber übler Verleumdungen bedienen, um ihn zu verhindern, ist absolut inakzeptabel:  “Der Preisträger und mehrere an dieser Veranstaltung Beteiligte sind in der Vergangenheit durch offenen, abgründigen Israelhass, die Verbreitung typisch antisemitischer Denkmuster und kruder Verschwörungstheorien in Erscheinung getreten(..) Als Plattform für diesen Wahnsinn stehen wir nicht zur Verfügung,” richtet der Herr Senator über Facebook aus und die taz entblödet sich nicht, dieses dumpfe Mobbing unter dem Titel “Querfront-Preisverleihung abgesagt” unreflektiert nachzubeten.

Abgesagt ist unterdessen gar nichts und ob die per email erfolgte Kündigung  des Mietvertrags rechtens ist, nur weil ein gestörter Senator eine Veranstaltung für “Wahnsinn” hält, wird zu sehen sein. “Kunst soll verstören” hatte Lederer zu den Bussen am Brandenburger Tor gesagt,  Journalismus aber soll offenbar handzahm sein und der NATO, den USA sowie einem rasenden Philo-Semitismus huldigen, bevor Berlin “zur Verfügung” steht.
Nö, lieber Klaus, so looft det nich!  In deinem Mobbing sind zwar keine Namen genannt, sonst wären gleich einige Klagen vor Gericht gelandet und es würden Beweise fällig, warum es sich bei dem “Preisträger”  und “Beteiligten” um   Antisemiten, abgründige Israelhasser und krude Verschwörungstheoretiker handelt. Die gibt es aber genausowenig wie eine ominöse “Querfront”, wie sie die taz in ihrem Artikel halluziniert, weshalb es sich bei der ganzen Aktion um nichts anderes als um Mobbing handelt – Rufmord.
Der ist aber im Falle Ken Jebsen schon einmal nach hinten losgegangen, als der notorische Denunziant Broder es damit beim RBB versucht hatte:  KenFM wurde aus dem öffentlich-rechtlichen Kanal verbannt und erreicht seitdem im Netz ein Vielfaches an Zuschauern. Und so wird es auch dem Karlspreis an Ken Jebsen ergehen, der bisher an Werner Rügemer (2008), Wolfgang Bittner (2010), Rolf Gössner (2012) und Evelyn Hecht-Galinski (2014) verliehen wurde, und der dank der haltlosen Diffamierung durch einen Kultursenator nun noch größere Aufmerksamkeit als ohnehin finden wird.

Mehr zum Thema Rufmord,  KenFM und der Person des Preisträgers in   “Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann (2016)”

Der Beitrag ist auch auf Rubikon erschienen

Wenn aus dem I ein Y wird

Mit einem neuen Schulgesetz lodert der Sprachenstreit in der Ukraine wieder auf, dem wir 2014 in  “Wir sind die Guten”  schon einen kurzen Absatz gewidmet haben. Der es allerdings in sich hatte, zumindest für einen FAZ-Vollpfosten namens Reinhold Veser, der unserem Buch daraufhin “Volksverhetzung” und “rassistische Esoterik” vorwarf. Dabei hatten wir uns als Nicht-Experten slawischer Sprachen bei den Ausführungen über das Russische und Ukrainische auf den größten Dichter der Stadt Kiew, Michail Bulgakow, berufen. Und diesen dazu auch zitiert, was der Rezensent aber unterschlagen musste, denn sonst hätte er seine Fake-News von der “Volksverhetzung” nicht produzieren können. Wie auch immer, das Buch erscheint kommenden Monat auf Russisch, was ja auch sehr viele Ukrainer/innen sprechen und lesen, und wir sind gespannt wie die Linguisten vor Ort die Sache sehen. Hier der Ausschnitt aus dem Buch:

“Im Jahr 1918 war Kiew von drei verschiedenen Mächten beherrscht: zuerst von den Bolschewisten, die nach dem Sturz des Moskauer Zaren auch in Kiew die Macht übernommen hatten, dann von den Deutschen, welche die Rotarmisten verjagten und ein Marionettenregime unter Pawlo Skoropadsky einsetzten, das sogleich die russische Amtssprache verbot und eine ukrainische Grammatik einführte, und zuletzt nach dem Rückzug der Deutschen im Dezember 1918 von einem selbst ernannten ukrainischen Nationalisten, Simon Petljura, in dessen Herrschaftsbereich während seiner nur 15 Monate dauernden Amtszeit mindestens 35000 Juden ermordet werden.

Der in Kiew aufgewachsene Arzt und Schriftsteller Michail Bulgakow beschrieb diese schreckensreiche Jahre in seinem autobiografisch geprägten Roman “Die Weiße Garde”, in dem er aus seiner tiefen Abneigung gegen die roten Revolutionäre keinen Hehl macht, den entstehenden ukrainischen Nationalismus aber noch viel furchtbarer findet, vor allem weil er »die russische Bevölkerung terrorisiert mit einer scheußlichen Sprache, die es gar nicht gibt«. In dieser Neuerfindung liegt für Bulgakow die Wurzel des Nationalismus, und schon in seinem ersten Roman erweist sich der spätere Autor von “Der Meister und Margerita” als der satirische Großmeister der Weltliteratur, wenn er die neue Sprachverwirrung mit beißendem Spott beschreibt:

»Vorgestern fragte ich diese Kanaille Doktor Kurizki, der kann seit November vorigen Jahrs plötzlich kein russisch mehr. Früher Kurizki, jetzt ukrainisch Kuryzky. Ich frage ihn also, wie Kater (russisch Kot) auf ukrainisch heißt, das wußte er noch (Kit), aber als ich ihn fragte, wie der Wal (russisch Kit) heißt, glotzt er mich an und schweigt.«

Die Etablierung des Ukrainischen, das nichts anderes als Russisch mit ein paar abgeleiteten Vokalen ist und als Bauernsprache keine Worte für die Tiere hat, die nicht auf Feld und Flur leben, – die Einführung dieses Dialekts als Nationalsprache war für den Wortkünstler Bulgakow nicht ein neuer, patriotischer Anfang, sondern ein Rückschritt in einen beschränkten, bornierten Nationalismus

Fast ein Jahrhundert später ist der von Bulgakow thematisierte Sprachenstreit immer noch hochaktuell: bei einer Debatte über das von Präsident Janukowitschs „Partei der Regionen“ eingebrachte Gesetz, dass Minderheitssprachen in den Regionen als zweite Amtssprachen genutzt werden können, flogen noch 2012 im Kiewer Parlament nicht nur schlagkräftige Argumente, sondern auch die Fäuste. Was verdeutlicht, dass es sich in einem Land, in dem fast die Hälfte der Einwohner zu Hause Russisch spricht, um mehr als bloße Symbolpolitik handelt, die mit simpler Schwarz/Weiß bzw. „y“/“i“ –Malerei auf Wählerfang aus ist, sondern dass die Ukraine nach wie vor und emotional höchst aufgeladen um die fundamentalen Grundlagen eines Nationalstaats ringt. Was nicht nur einer übersteigerten Zurückdrängung alles Russischen geführt hat, sondern auch zu einer ungebrochenen Verehrung äußerst zwielichtiger Helden wie dem radikalen Nationalisten Petljura, dem in Kiew ein übergroßes Denkmal errichtet wurde. Wie auch seinem Nachfolger im Geiste, dem Partisanenkämpfer und Kollaborateur der deutschen SS Stepan Bandera, den Präsident Juschtschenko kurz vor seiner Abwahl 2010 noch mit dem höchsten Orden des Landes zum „Held der Ukraine“ erhob. Als sein Nachfolger Janukowitsch dies über die Gerichte 2011 rückgängig machte, beschuldigten ihn Juschtschenko „die Geschichte umzuschreiben und die Helden des ukrainischen Volks zu erniedrigen, um Russland zu gefallen.“

Hallo “Jamaica”: Bitte Bio-Hanf statt Designer-Junk!

Die Berliner Polizei warnte am Wochenende einmal mehr vor sogenannten “legal highs” – Käutermischungen, denen  hochgiftige Chemikalien beigemischt sind und die derzeit unter dem Namen”Bonzai”  für 5 Euro in Berlin verstärkt angeboten würden. Bei den Beimischungen handelt es sich um synthetische Cannabinoid-Abwandlungen, die Ohnmacht, Krämpfe, Herzprobleme und schwere Übelkeit hervorrufen können und schon zu Todesfällen führten. Ähnlich wie bei der schon vor einigen Jahren bekannt gewordenen Designer-Droge “Spice” docken diese synthetischen Stoffe an den Cannabinoid-Rezeptor im Gehirn an und produzieren eine ähnliche Wirkung wie Cannabis – allerdings mit den oben genannten schweren Nebenwirkungen, die bei natürlichem Cannabis nicht vorkommen. Zudem ist die Dosierung und Wirkung dieser Substanzen, die in Mischungen mit allen möglichen Kräutern angeboten werden, nicht kalkulierbar, was dazu führt, dass schon ein einziger Zug aus einem solchen “K.O.-Joint” zur Ohnmacht führen kann.
Wer zieht sich so etwas rein ? Abgesehen von irgendwelchen “Druffis”, denen es völlig egal ist, mit was sie sich gerade die Birne wegknallen, freiwillig wohl niemand. Wenn es sich dennoch so weit verbreitet, dass Polizei und Rettungsstellen Alarm schlagen, haben wir ein Problem,  und die vielen Antworten auf die Facebook und Twitter-Postings der Polizei zeigen, dass die Lösung durchaus bekannt ist – bei den Leuten und der Bevölkerung, nicht aber bei den Verantwortlichen der Politik. Wer die Gefahren von unkalkulierbaren, synthetischen Designer-Drogen abwehren will, darf ungefährlichere natürliche Drogen wie Hanf nicht Illegalisieren. Es sei denn, er ist immer noch dem Wahn verfallen, mit Strafrecht und Polizei eine “drogenfreie Gesellschaft” durchzusetzen. Dass diese Leitlinie des “war on drugs” mehr Opfer produziert als rettet und jede vernünftige Drogenpolitik sich um Schadensminderung zu kümmern hat, statt um die illusorische Beseitigung sämtlicher Drogen – diese Einsicht beginnt sich immer noch zu langsam durchzusetzen.
Neuerdings klingt aber in den Kommentaren zu den Sondierungen der “Jamaica”-Koalition an, dass ein mögliches Ergebniss der Verhandlungen die Entkriminalisierung von Cannabis sein könnte. Weil man den Grünen und der FDP, die an anderen Stellen große Kompromisse machen, irgendetwas Vorzeigbares für ihre Klientel überlassen muss, könnte man ihren Liberalisierungs-Forderungen in Sachen Hanf nachgeben. Ein Verkauf über Apotheken, wie ihn sich FDP-Chef Lindner vorstellt, scheint dabei aber keine wirklich gute Lösung. Seit Anfang 2017 können ja Patienten schon auf Rezept medizinische Hanfblüten aus der Apotheke beziehen, allerdings zu Preisen, die deutlich über denen in anderen Ländern liegen – und auch deutlich über denen des Schwarzmarkts. Nur sehr betuchte Partygäste werden also zwecks Stimmungsaufheiterung die Nachtapotheke besuchen und sich für 25 Euro ein Gramm Gras kaufen – für Freizeitkonsumenten scheint das Apotheken-Modell  also noch keine wirkliche Lösung, um Gefahren durch Designer-Junk wie “Bonsai” abzuwenden.
Wenn bei den nun anstehenden Koalitionsverhandlungen als Nebeneffekt tatsächlich die längst überfällige  Entkriminalisierung der Hanfpflanze herausspringen sollte, müßte deshalb zu allererst und jenseits aller sonstigen Regulierungen der private Anbau  für den Eigenbedarf gestattet werden. In den US-Bundesstaaten, die Cannabis legalisiert haben und auch schon in einigen europäischen Ländern hat man damit gute Erfahrungen gemacht und es wird höchste Zeit, dass auch in Deutschland die Polizei nicht mehr für Grünzeug ausrücken muß, sondern gegen echte Kriminelle vorgeht. Mit 135.000 Strafverfahren allein gegen Cannabis-Konsumenten stellte Deutschland im Jahr 2015 einen unrühmlichen Rekord auf – diesen Irrsinn zu stoppen, Millionen an Steuergeldern sparen, die Justiz erheblich zu entlasten und die Zerstörung von Schullaufbahnen, Ausbildungen, Lebensentwürfen zu beenden… damit könnte eine “Jamaica”- Koalition, von der niemand wirklich Neues erwartet, ihrem Namen dann doch ein wenig Ehre machen. Peace!

Auch als Podcast auf KenFM

Betr.: Prima Klima

Hui, da hab ich ja in ein Nest gestochen, mit dem kleinen Kommentar über Propheten und Profiteure der Klimadebatte hier im Blog, der als Podcast auch bei KenFM und youtube erschien. Hunderte Kommentare, die ich gar nicht alle lesen kann, viele Beschimpfungen aber auch Beileidsbekundungen, weil ich nun auch der “Klimareligion” anheim gefallen sei, sowie Handreichungen und Links, um mich von diesem Irrglauben zu bekehren. Entäuschte “Entfreundungen” auf Facebook, weil ich bei aller Zuverlässigkeit in Sachen 9/11, JFK etc. nun doch die “Klimalüge” verbreiten würde, anstatt investigativ Chemtrails aufzudecken und Geo-Ingeneering zu kritisieren. Dazu heiße Debatten über C0-2, das in meinem Artikel überhaupt nicht erwähnt wird.
Der Text nahm eine Prognose der UN zur Erdrwärmung und dem Anstieg des Meeresspiegels nur zum aktuellen Anlass, um die Schwierigkeiten von homo sapiens im Umgang mit neuen Werkzeugen und Erkenntnissen zu beleuchten. Und auf zwei Dinge hinzuweisen: dass ein fröhliches “Weiter so” beim Verballern fossiler Rohstoffe nach dieser Prognose für einige Küstenregionen den Untergang bedeuten könnte; und dass die Plädoyers für ein solches “Weiter so!” und die Zweifel an einer menschengemachten Erderwärmung und ihren Folgen seit Mitte der 90er Jahre von Ölkonzernen (Koch Industries, Exxon etc.) finanziert und propagiert werden.

Nicht mehr aber auch nicht weniger sagt dieser Kommentar und einer neuen Religion bin ich damit nicht verfallen, sondern hänge weiter meiner Privatreligion an, die auf Empirismus der ersten Person setzt: Erfahren,  Sehen, Verstehen.
Zum Beispiel die Gletscher in den Alpen, wo ich öfter bin, und die Jahr für Jahr  schrumpfen, oder die Erfahrung, dass die Insekten verschwunden sind weil die Windschutzscheibe auch im Hochsommer sauber bleibt. Letzteres wollten mir Experten mit der “verbesserten Aerodynamik” heutiger Autos erklären, aber ich glaube diese “Experten” tun nichts anderes, als den Kopf in den Sand stecken. So wie die “Es war doch schon immer so!”-Experten für Eiszeiten und Erwärmungen der letzten 500 Millionen Jahren.
Die Berichte über das dramatische Voranschreiten der Artenvernichtung, der Regenwaldzerstörung, der Bodenerosionen usw. usf. scheinen mir insgesamt äußerst glaubhaft und passen in das Bild, das die Klimaforscher vom Treibhauseffekt aufzeigen, für den nicht nur Kohlendioxid verantwortlich ist.

In “Cogito Ergo Bumm – und 49 weitere Beweise für die Unausweichlichkeit des Scheitern” schrieb ich 2007: “Die Gattung der Menschen, denen die Handhabung des Feuers einst den entscheidenden Evolutionsvorteil sicherte, scheint nun an der Perfektionierung eben dieser Technologie zu scheitern: Sie fährt wider besseres Wissen fort, den Planeten in einen giftigen Backofen zu verwandeln. Und diejenigen, die davon profitieren, werden nicht müde, die Ausrottung von Pflanzen und Tierarten als »vertretbar« und die Warnungen vor einer Klimakatastrophe als »Panikmache« zu bezeichnen. Sie bezweifeln lieber weiter die wissenschaftlichen Daten und liefern damit den Beweis, dass homo stultus, der domestizierte Primat, einfach erst dann bereit ist zum Lernen, wenn es richtig auf dem Pelz brennt (bzw. das Wasser bis zum Hals steht) – zu spät.”

Paradise und Parasiten

Wie schon vor einiger Zeit die Panama-Papers, sind auch die Paradise-Papers  zwar viel besser als Nichts, aber wohl doch wieder nur ein “limited hangout” – die skandalisierende Sichtbarmachung der Spitze eines Eisbergs, der schon lange bekannt ist, aber weiter fröhlich vor sich hintreiben kann. In seiner ganzen Verachtungswürdigkeit und Niedertracht zeigt sich in diesem Zusammenhang die Ideologie der Springer(stiefel)presse in der gestrigen “Bild”-Schlagzeile Sind die kleinen Leute wirklich ehrlicher als die Reichen?  – sowie in der Verteidigung des parasiätren Raubrittertums in der “Welt”: Es ist gut, dass es Steueroasen gibt.

In “Die ganze Wahrheit über alles” haben wir “Steuern und Steueroasen” ein Kapitel gewidmet und auch die eigentlich sehr einfachen Lösungen skizizziert, wie man diese Raubritterburgen der Neuzeit schleifen kann. In Frankreich brauchte es 1789 eine blutige Revolution, um Adel und Klerus zu Steuerzahlungen zu zwingen, um dem heutigen Finanzadel an die Brieftasche und an den Briefkasten zu gehn, braucht es hingegen nur ein paar Daumenschrauben: ein internationales Finanzkataster, das die Besitzverhältnisse von Wertpapieren eindeutig registriert. Standorte, die sich weigern, dieser Registrierungspflicht nachzukommen, werden so lange mit Strafzöllen auf ihre Transaktionen belegt werden, bis sich ihre Geheimnistuerei nicht mehr rechnet.
Wie dringend notwendig solche Maßnahmen sind, wenn die Welt nicht wieder in einen totalitären Neo-Feudalismus regredieren soll, hat John Urry gezeigt, einer der wenigen Soziologen, die dieses gigantische Schattenreich der globalen Ökonomie erforschen (John Urry: Grenzenloser Profit – Wirtschaft in der Grauzone, Berlin 2015) :

„Die Beträge, die in solche Standorte geflossen sind, stiegen von 11 Milliarden US-Dollar im Jahr 1968 über 385 Milliarden US-Dollar 1978 und 6 Billionen US-Dollar 1998 auf 21 Billionen US-Dollar im Jahr 2010. Nach konservativen Schätzungen hat die Verlagerung von Geldvermögen von 1968 bis heute somit um das 2.000fache zugenommen. Nahezu alle großen Konzerne verfügen über Offshore-Zweigunternehmen, mehr als die Hälfte des Welthandels fließt durch diese Steueroasen, fast alle hochvermögenden Privatpersonen besitzen Offshore-Konten, die ihnen steuerliche „Gestaltungsmöglichkeiten“ eröffnen.“

Da es sich bei den Betroffenen nicht um irgendwen, sondern die mega-reichen 0,1 % der Weltbevölkerung handelt, wird ein internationales Finanzkataster nicht von heute auf morgen durchsetzbar sein. Deshalb empfehlen wir in unserem Buch eine auf Ebene der UN und der nationalen Gesetzgebung einfach und schnell durchsetzbare Initiative, die Einführung einer rigiden Residenzpflicht:
“Ein Offshore-Briefkasten darf nicht mehr ausreichen, um sich vor Steuerzahlungen drücken zu können, die Person oder die Firma muss leibhaftig anwesend, sprich niedergelassen sein, um in den Genuss der Steuervermeidung zu kommen. Wir prognostizieren: Es wird nur sehr kurzfristig ein wenig voller auf den Caymans, den Jungferninseln oder Jersey…” Wenn die Steueroasen in Wüsten verwandelt sind, hält es dort niemand mehr lange aus.”

Mehr über Steueroasen, alle anderen schwierigen Weltprobleme und ihre einfachen Lösungen in: Die ganze Wahrheit über alles.

Der oben abgebildete Titel des sehr empfehlenswerten Buchs zum Thema von Nicholas Shaxson liegt mittlerweile auch auf deutsch vor: Schatzinseln – Wie Steueroasen die Demokratie untergraben.

Die geheimen JFK-Akten (10): Der “Geist” hinter Oswald – James Jesus Angleton

Am vergangenen Freitag ist ein weiterer Schwung der JFK-Files freigegeben worden. Auch wenn mit  über 30.000 Seiten noch immer der allergrößte Teil unter Verschluß ist, wird es langsam interessant. So sprang Jefferson Morley in einem schon lange veröffentlichten Kabel des CIA-Büros in Mexico an die Zentrale in Langley, das im Oktober 1963 vom Besuch eines Amerikaners namens Lee Oswald in der sowjetischen Botschaft berichtet, eine bisher geschwärzte Betreffzeile auf: “LCIMPROVE” – der Code für die CIA-Abteilung “Gegenspionage sowjetischer Geheimdienste weltweit”. Ihr Chef war James Jesus Angleton, über den Jeff Morley gerade eine Biographie (“The Ghost”) veröffentlicht hat (ich bin erst zur Hälfte durch, kann sie aber schon empfehlen) – und dies ist deshalb interessant, weil Angleton und die CIA  jahrzehntelang abgestritten haben, irgendein Interesse an Oswald gehegt oder Akten über ihn geführt zu haben.
Dieser Hinweis auf ein Gespräch Oswalds mit einem sowjetischen Konsularbeamten namens Kostikov, der dem Ermordungskommando des KGB zugeordnet wird, landet also auf dem Tisch des obersten Kommunistenjägers der CIA – und der unternimmt: nichts. Oder doch? Nur einen Tag nachdem das Kabel eingetroffen ist, geschieht etwas sehr Merkwürdiges:  Lee Harvey Oswald, der wegen seiner “Pro Kuba”-Aktivitäten unter besonderer Beobachtung des FBI steht, wird von der Liste der “persons of interest” gestrichen. Zwei Tage später kann er ohne Probleme  wieder nach Dallas zurückreisen, sechs Wochen später feuert er die magische Kugel auf JFK und wird zum Sündenbock.
Wer genau Oswald gedeckt hat und dafür sorgte, dass er nach diesen höchst verdächtigen Kontakten nicht einmal verhört wurde, das müssen jetzt die noch zurückgehaltenen Akten des FBI über die Streichung Oswalds von der Beobachtungsliste zeigen. Diese liegen bisher nur in stark redigierter Form vor und auch hier können für den Laien völlig unbedeutende merkwürdige Codes beweisen, wer wann etwas wusste und anordnete.
Dass James Jesus Angleton dabei definitiv die Finger im Spiel hatte, dafür habe ich in meinem Buch schon sehr viele Verdachtsmomente  aufgeführt, die mit einem solchen Aktenbeweis weiter bestätigt würden. Das Geständnis, das  er kurz vor seinem Tod 1985 dem Autor Jospeh Trento machte, spricht ebenfalls nicht dagegen:

“Grundsätzlich waren die Gründerväter des U.S.-Geheimdiensts Lügner. Je besser du lügen und betrügen konntest desto eher wurdest du befördert. Diese Leute zogen sich gegenseitig an und beförderten sich gegenseitig. Neben ihrer Doppelzüngigkeit war das einzige was sie gemeinsam hatten das Streben nach absoluter Macht. Wenn ich auf mein Leben zurückschaue habe ich Dinge getan, die ich bedauere. Aber ich war ein Teil des Ganzen und liebte es dazu zu gehören… Allen Dulles, Richard Helms, Carmel Offie und Frank Wisner waren die Großmeister. Wenn du mit ihnen in einem Zimmer warst, warst du in einem Raum mit Leuten von denen du glauben mußtetst, dass sie verdientermaßen in der Hölle enden. Ich denke ich werde sie da bald treffen. .. Die CIA hat zehntausende braver Menschen getötet…wir spielten mit Menschenleben als ob sie uns gehören würden.” ( Joseph Trento: The Secret History of the CIA, Roseville 2001, S. 478 f.)

Mehr zum Thema in der aktualisierten Neuauflage von “JFK – Staatsstreich in Amerika”

Die Drei-Grad-Welt: Von Propheten, Professoren und Profiteuren

Neue Werkzeuge gebären neue Weltbilder. Wobei sich die Geburt oft lange hinzieht. Als der Tuchhändler Antoni van Leeuwenhoek das erste Mikroskop gebaut und festgestellt, dass in menschlicher Spucke “kleine Tierchen” lebten, erklärte man ihn erst Mal für verrückt. Den Ingenieur Galilei aus Padua, der sich ein Fernrohr gebaut hatte und damit beweisen konnte, dass sich die Erde um die Sonne dreht, verurteilte man zu Hausarrest. Ähnlich wie diesen Entdeckern ging es vielen Pionieren, die mit neuen Werkzeugen oder Ideen in unbekannte Bereiche  vorgestoßen waren und Erkenntnisse mitbrachten, die dem allgemeinen Stand des Wissens und der herrschenden Meinung zuwider liefen.  Auch wenn es nicht wie bei Galilei immer über 350 Jahre dauert, bis sie offiziell rehabilitiert und Konsequenzen aus ihren Entdeckungen gezogen werden, zögern allgemeine Trägheit und institutionelles Beharrungsvermögen Innvovationen oft unmäßig hinaus.
Ein Blick auf die obenstehende Grafik, die jetzt im  “Guardian” erschien, zeigt wieviel Zeit noch bleibt, um auf die Erkenntnisse zu reagieren, die neue Werkzeuge der Beobachtung des Klimas und der Atmosphäre mit sich gebracht haben. Wenn die Erderhitzung und damit der Meeresspiegel weiter so ansteigt wie von den Forschern vorhergesagt, wird  sich die Weltkarte gegen Ende des nächsten Jahrhunderts dramatisch geändert haben. Städte wie Shanghai, Osaka, Rio de Janeiro, Miami, Alexandria sowie Den Haag und fast ganz Holland werden dann geflutet sein und 275 Millionen Menschen auf der Suche nach einer neuen Bleibe.

Ähnlich wie der Papst im 17. Jahrhundert den Blick durch das Fernrohr zu verweigerte, um die dank neuer Werkzeuge gewonnenen Erkenntnisse unter den Tisch zu kehren,  scheint angesichts der Lage keine Lösung. Und doch mutet die Sekte der “Klimaskeptiker” ganz so wie jene Kirchenvertreter an, die die Entdeckung des Kopernikus oder die experimentelle Bestätigung Galileis für eine ketzerische, teuflische Verschwörung hielten. Und ähnlich wie diese Kämpfer gegen den Heliozentrismus vom Vatikan einst mit Mitteln ausgestattet wurden, werden die Kämpfer gegen die “Klimalüge” heute von großen Konzernen finanziert. Sie haben “wissenschaftlich” nachgewiesen, dass es einen globalen Temperaturanstieg einfach nicht gibt – und falls doch, dass er keinesfalls mit dem Verballern fossiler Rohstoffe durch Menschen zu tun hat. Und sie bedienen sich dabei  denselben Methoden der wissenschaftlichen Verwirrung mit der zum Beispiel die Tabakindustrie Konsequenzen aus den Erkenntnissen über die Krebsgefahren durch Rauchen verhindern wollte.

“Und sie bewegt sich doch” soll Galilei gemurmelt haben, als ihm die Heilige Inquisition jegliche Äußerungen über die Erdumdrehung verbot – und er sollte recht behalten, als Prophet ( von lat. profiteri: gestehen, bekennen) gegen die Profiteure und Professoren (von proficere: nützen). Seine neuen Werkzeuge hatten den Blick nach außen gelenkt und die Autoritäten mit der Nachricht geschockt, dass der vermeintliche Mittelpunkt der Welt, die Erde,  nicht mehr ist als eine Billardkugel im leeren Raum.
Die neuen Messgeräte und Computer, die seit einigen Jahrzehnten neue Erkenntnisse über die Atmosphäre und Biosphäre ermöglichten, lenken den Blick jetzt wieder zurück, auf den Planeten Erde und die dünne, zerbrechliche Hülle in der Leben möglich ist. Und der Schock, in welche Kloake wir sie mit der brutalen Zerstörungskraft unserer Wirtschaftsweise verwandelt haben, ist für die heutigen Autoritäten – die kapitalistischen Konzerne – mindestens so groß wie damals Galileis Entdeckung für den Papst. Insofern wundert es nicht, wenn Profiteure und Professoren die Prophezeiungen der Klimaforscher ins Lächerliche ziehen. Nie aber lagen die Argumente für ein unbeirrbares “Weiter so” derart nah an der zynischsten aller Parolen: “Nach mir die Sintflut!”.

Auch als Podacast auf KenFM

Die geheimen JFK-Akten (9): No “come along with Russia”!

Dieser Tage wurde ich wieder einmal gefragt, warum ich mich immer noch mit dem Kennedy-Mord beschäftigen würde, das wäre doch ein Fass ohne Boden und so lange her, dass selbst eine vollständige Aufklärung heute gar nichts mehr nützen würde. Was das Fass betrifft, stimme ich teilweise zu, was die Aufklärung angeht aber gar nicht. Für die Weltmacht USA und das “amerikanische Jahrhundert”  war der 22. November 1963 ein entscheidendes Datum, ein Wendepunkt, der die von Kennedy angekündigte und schon eingeleitete Wende – den Rückzug aus Vietnam und ein Ende des Kalten Kriegs – rückgängig machte. Mit den folgenden (und ebenfalls bis heute ungeklärten) Morden an Martin Luther King und Robert Kennedy, der JFKs Erbe antreten wollte, war das Rollback komplett und mit den charismatischen Reformern unter der Erde auch jede Wende zu einer friedlicheren, kooperativeren Politik der Vereinigten Staaten definitiv beerdigt.
Seitdem regiert was Kennedys Vorgänger Eisenhower in seiner Abschiedsrede den “militärisch-industriellen Komplex” genannt und vor seiner Einflußnahme gewarnt hatte. Der bekam nach Kennedys Tod was er wollte – einen gigantischen Krieg in Südostasien, bei dem die Air Force allein über Laos, einem kleinen Land von Reisbauern, mehr Bomben abwarf als über Deutschland im Zweiten Weltkrieg – und sorgt seitdem mit immer gigantischeren Budgets überall auf der Welt dafür, dass dieses Bombengeschäft weiter läuft.
Mit JFK, der mit einem Erdrutschsieg für weitere vier Jahre im Amt bestätigt worden wäre und seinem Bruder Bobby als Präsident für weitere vier oder acht Jahre danach,  hätte Amerika sowohl innen,- wie außenpolitisch einen deutlich anderen Kurs genommen. Deshalb war dieser “Königsmord” ein so einschneidendes Ereignis und deshalb ist die Ermittlung seiner Hintergründe und Hintermänner bis heute von so großer Wichtigkeit, denn die Folgen erschüttern die Welt bis heute – mit einer brutalen imperialistischen Politik, die nur eine Alternative kennt: Pax Americana oder Bombenteppich.
Diese Politik, so hatte er in seiner “Friedens”-Rede im Juni 1963 deutlich gemacht,  wollte JFK beenden.  Nach dem folgenden Besuch in Deutschland und der umjubelten “Ich bin ein Berliner”-Rede vor dem Rathaus Schöneberg hatte Kennedy  seinen Beratern angekündigt, dass er nach der Wiederwahl nach Moskau zu reisen werde, um einen Friedensvertrag mit der Sowjetunion zu schliessen. Was die Schüsse von Dallas verhinderten.
Merkwürdigerweise sitzt nun 54 Jahre später ein Präsident im Weißen Haus, der sich nicht nur verhindert sieht, dem Gesetz nachzukommen, nach dem sämtliche Kennedy-Akten bis zum 26.10.2017 veröffentlicht sein müssen – gerade mal 58 von über 3000 Geheimdokumenten lagen zum Stichtag vor –  sondern auch daran, nach Moskau zu reisen, um sein im Wahlkampf verkündetes Vorhaben zu starten: “to come along with Russia”.  Paul Craig Roberts – einst  unter Reagan im Finanzministerium und ehemaliger Herausgeber des “Wall Street Journals” – fragt, warum Trump eine Normalisierung der Beziehung zu Russland “schier unmöglich gemacht wird”.  :

Warum ist die Opposition gegen eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen unseres Landes mit einer Atomsupermacht wie Russland derart groß? Warum sind selbst die heimischen Grünen auf den Anti-Trump-Propagandazug aufgesprungen? Sind sich die Grünen den Auswirkungen, die ein nuklear geführter Krieg auf unseren Planeten haben würde, nicht mehr im Klaren? Und warum sind die verrückten und inhaltlich haltlosen Bemühungen zur Amtsenthebung eines US-Präsidenten, der die bilateralen Beziehungen zu Russland zu normalisieren beabsichtigte, derart groß? Und warum werden solche Fragen nicht im öffentlichen Diskurs aufgeworfen? Das Versagen der politischen Führung, der Konzernmedien und der intellektuellen Schicht Amerikas sowie ein Mangel an politischer Führung in unserem Land sind komplett. Der Rest der Welt wird Mittel und Wege finden müssen, um Washington zu quarantänisieren, bevor Washington das Leben auf unserem Planeten zerstört.

So himmelweit die Unterschiede zwischen Kennedy und Trump sind ist die Parallele doch unübersehbar: “to come along with Russia” ist damals wie heute verboten, es unterminiert das Geschäftsmodell der Rüstungsindustrie…

Mehr zum Thema in der aktualisierten Neuauflage von “JFK – Staatsstreich in Amerika”