“Was hätte *Ralph* gesagt ?”

Zum Tod von Ralph Metzner (auf dem Foto aus dem Jahr 1964 mit Timothy Leary und Nena von Schlebrugge) hatte ich hier schon am 15. März geschrieben. Als  Pionier im Weltraum der Seele und Erforscher der Grenzen des Bewusstseins war er für mich neben Albert Hofmann nicht nur einer der bedeutendsten Wissenschaftler unserer Zeit, sondern als Leiter innerer Reisen auch ein wichtiger Therapeut und Gesprächspartner. Auch über die Zustände in der äußeren Welt.  Als nach den Veröffentlichungen über die Ungereimtheiten von 9/11 ein übler Shitstrom aus den Medien über mich hereinbrach, war es eine große Hilfe, von einem gelehrten Geist wie Ralph Metzner Zuspruch zu erfahren. Dass Ralph sich dann nicht scheute, seine begründeten Zweifel am offziellen 9/11-Narrativ auch öffentlich zu äußern, hat ihm dann auch nicht unbedingt zum Vorteil gereicht. In Michael Pollans Bestseller “Verändere dein Bewusstsein – Was uns die neue Psychedelik-Forschung über Sucht, Depression, Todesfurcht und Transzendenz” lehrt, kommt Ralph Metzner deshalb kaum vor – nachdem er seine tiefe 9/11-Skepsis bei einem Treffen mit dem Autor geäußert hatte, hielt dieser ihn für einen verwirrten Verschwörungsesoteriker. Und so kam es, dass ausgerechnet der Wissenschaftler, der die Themen dieses Buchs am längsten und intensivsten erforscht, gelehrt und Dutzende von Büchern und Studien dazu veröffentlicht hat, in diesem Werk keine Rolle spielt. Ich habe das in meiner kurzen Radio-Besprechung des ansonsten durchaus ordentlichen Buchs von Michael Pollan nicht erwähnt (hier der Podcast von “Gutenbergs Welt”, Rezension ab min. 19, aber die ganze Sendung ist hörenwert), es macht aber deutlich, dass erweitertes Bewusstsein und freier Geist für Ralph Metzner keineswegs nur esoterische Formeln waren und die einst von Timothy Leary ausgegebene Parole  “Question Authority – Think For Yourself”  natürlich nach wie vor gültig und zuallererst auf die Propaganda der herrschenden Autoritäten gerichtet.

Immerhin hat ihm jetzt eine dieser Autoritäten, das paper of the record  “New York Times”, einen würdigen Nachruf zukommen lassen. Darin ein schönes Video, in dem er über seine Arbeit spricht und auch über eines seiner Bücher, das ich 2008 ins Deutsche übersetzt habe:“Die Erweiterung des Bewusstseins – Alchemistische Transformation des Individuums und der Gesellschaft”.  Nicht nur deshalb hatte ich ihm im Februar als pdf mein Büchlein über den Alchemisten Goethe geschickt – und mich gewundert, dass keine Antwort von ihm gekommen war. Wie gerne hätte  ich seinen Zuspruch und auch seine Kritik gehört – und wie traurig, dass man mit dem Älterwerden immer weniger Menschen fragen und bei immer mehr nur noch denken kann: “Was hätte *Ralph* gesagt ?”

Gespräch über Goethe

Über “Goethes Gespenst und Newtons Polaroid” und warum die Naturforschung Goethes auch nach 200 Jahren noch relevant ist, habe ich mit Dirk Pohlmann ein ausführliches Gespräch geführt. Die ersten 10 Minuten kann man sich über das Link unten anschauen, der Rest ist leider hinter einer Bezahlschranke.  Die gibts auch für das Buch, denn von irgendetwas müssen Autoren ja leben, weshalb ich alle LeserInnen dieses Blogs bitten möchte, nach diesen 10 Minuten auf das Link oben zu klicken und das Buch zu bestellen.  Obwohl es auch für Goethe-Kenner wie Dirk Pohlmann einige Überraschungen barg, kann es  für Nicht-Kenner der “Fack ju Goethe”-Generation durchaus als geeignete Einführung gelten. Und weil es als Hardcover gebunden ist und sehr schön aussieht, macht es auch als Geschenk was her.

Nach Russiagate-Fake jetzt das “wahre Russiagate”

Sie machen einfach fröhlich weiter, die Russiagater, und klammern sich, wie hier schon gesagt, krampfhaft an den Strohhalm, dass ja tatsächlich  eine russische Einmischung in die US-Wahlen stattgefunden habe, da Sonderermittler Mueller ja 13 Russen angeklagt hat. Dass es sich dabei um eine Farce wegen ein paar Facebook und Google-Anzeigen handelt, die “Putins Koch und die Wilde Dreizehn” geschaltet und laut offiziellen Angaben keinerlei Einfluss auf das Wahlergebnis hatten – dieser Hinweis fehlt dann aber bei der Erwähnung des Tatbestands. Auch wenn Trump laut Mueller nichts damit zu tun hatte  und auch die Täterschaft vermeintlicher “russischer Hacker” in der Mueller-Ermittlung gar nicht untersucht wurde, bleibt die “russische Einmischung” Bestandteil des Narrativs. “So oder so” – da sind sich der Korrespondent des ehemaligen Nachrichtenmagazins und Paul Farhi, der Medienchef der “Washington Post”  vollkommen einig:

SPIEGEL ONLINE : So oder so, die Russen haben die US-Wahlen 2016 manipuliert.

Farhi: Und das ist das wahre Russiagate. Es gab eine Verschwörung auf russischer Seite, um sich in die US-Wahlen einzumischen und diese Wahlen Richtung Trump zu lenken. Trump will das nicht zugeben.

Das “wahre Russiagate” jetzt also, nachdem das falsche geplatzt ist , das Spiegel, WaPo & Co. zwei Jahre lang wie einen Ballon mit täglichen Breaking News aufgeblasen haben. Plopp!…. aber kein Drama. Wie bei der russischen Puppe in der Puppe gibt’s bei BreakingFakeNews den Ballon im Ballon: eine “Verschwörung auf russischer Seite” um die Wahlen Richtung Trump zu lenken. Und der will das nicht zugeben. Unverschämt! Da haben wir ihn wieder, diesen unflätigen, dreisten, lügenden Präsidenten, der diese seine Eigenschaften nicht einmal zugibt – während wir, die ehrenwerte “Washington Post”, die einst Watergate aufdeckte, uns auch bei Russiagate journalistisch natürlich nichts haben zu Schulden kommen lassen. Und keineswegs zwei Jahre lang unflätig und dreist eine Verschwörung von Putin und Trump zusammengelogen haben, weshalb auch keinerlei Grund besteht, sich beim zahlenden Publikum oder gar bei diesem Unflat Trump persönlich für irgendetwas zu entschuldigen.

“Mensch Bröckers, was regste dich so auf”,  raunt mir ein Kollege entspannt zu, als ich mich am Telefon über den Niedergang unserer Branche mal wieder echauffiere, “ist doch eh komplett gescriptet, dieses ganze Politiktheater. Russiagate ist erledigt, jetzt kommt die Fortsetzung. Neue Staffel im Real Game of Thrones.” Da hat er natürlich Recht – und irgendwie scheint sich im exzeptionalistischen Königreich schon ein Sequel anzubahnen. Nach dem Motto: ok, vergessen wir den Ultrabösen, selbst wenn er aus dem Hintergrund jederzeit als Großgefahr wieder aktiviert werden kann, und wenden uns anderen Leichen aus Donalds königlichem Keller zu – zum Beispiel den angeblichen Schutzgeld-Zahlungen, die sein Schwiegersohn von dem Scheich von Katar erpresst haben soll . Gegen die Blockade Katars durch den saudischen Knochensäger MBS soll Donald erst interveniert haben, nachdem der Scheich für 1 Milliarde $ einen maroden Wolkenkratzer aus dem Familienbesitz übernahm.
Auf ein kleines “Saudi-Gate” könnte auch die neuesten Enthüllungen des kahlköpfigen Jeff deuten, dessen  Liebesbotschaften an eine heimliche Geliebte unlängst samt Bildern im größten Klatschblatt des Königreichs veröffentlicht waren. Da dem ultrareichen Jeff nicht nur “Amazon” und die “Washington Post” gehören (von Donald nur noch “Amazon Post” genannt), sondern auch die Rechenmaschinen, auf denen die unsichtbaren Meister in den Tiefen des Reichs ihre Erkentnisse speichern, war schnell heraus zu finden, wer für den Diebstahl der amourösen Post verantwortlich war. Es war der Bruder der Geliebten, der sie von ihrem Zwitschergerät kopiert und an das Klatschblatt verscherbelt hatte. Jetzt aber will Jeff ermittelt haben, dass es gar nicht der künftige Schwager, sondern der saudische Geheimdienst war.  Kommen also nach den unsichtbaren russischen Häschern jetzt solche aus dem Reich der wahabitischen Wickelmützen in’s Spiel ? Wenn sie dem reichsten Mann der Welt die Post klauen können, sind sie jedenfalls nicht zu unterschätzen, zumal mit Hazma Bin Laden, Osamas Ältestem, jetzt auch wieder ein Megaschurke von Format am Start wäre, auf den schon 1 Mio. Kopfgeld ausgesetzt ist. Nachdem eine Verbindung Donalds mit dem ultrabösen Wladimir nicht nachzuweisen war, wäre eine mafiose Connection mit dem Knochensäger und Terrorfürsten jedenfalls keine schlechte Fortsetzung.  Aber noch immer glauben 84 Prozent aller Demokraten-WählerInnen an Absprachen zwischen Donalds Lager und dem Reich des Ultrabösen, zwei Jahre Vollwaschprogramm aus Brainwashington lassen sich eben nicht von heute auf morgen rückgängig machen. Zumal die Herolde der “Amazonpost”, die für ihre Russiagate-Berichterstattung den großen “Pulitzer”-Lautsprecherpreis gewonnen haben, den mit Fake News gedopten, toten Gaul noch eine Weile weiter reiten werden. Irgendwas mit Russen wird ja  schon gewesen sein…bis Gras drüber wächst…. oder der kleine Bin Laden es demnächst  mal  -“Hazma Bisschen Terror ?”-   irgendwo amtlich krachen lässt und “Saudi-Gate” richtig hoch gefahren werden kann…
Bis dahin aber – und darüber hinaus – sollte man auf der Suche nach Informationen über das exzeptionalistische Königreich alle McMedien-Outlets ignorieren, die uns zweieinhalb Jahre mit Breaking Fake News einer Großverschwörung gefüttert haben und sich auf jenen Stamm autonomer Heretiker verlassen, die diesen Spuk vom ersten Tag an durchschauten. Man musste dazu kein Hellseher sein, sondern sich nur weigern, politischen Verstand und journalistische Handwerksehre einfach an der Propaganda-Garderobe abzugeben. Umso tiefer freilich bleibt unsere Verachtung all jener Schreiberlinge, Leitartikler, Lallbacken und Pappnasen sowie ihrer Herren und Intendanten, die ungeniert und über Jahre mit diesem Bullshit die Gehirne ihres Millionenpublikums als Mülldeponie missbraucht haben….

Mueller-Dämmerung

Die Mueller-Dämmerung ist nunmehr perfekt: 19 Juristen, 40 FBI-Agenten, 2.800 Vorladungen, 500 Zeugenverhöre, 500 Durchsuchungen, 50 Telefonwanzen, 13 Anfragen an ausländische Geheimdienste,  mindestens 25 Millionen Dollar Kosten – Ergebnis: Zero, Null, Nada, Nothing, Niente. “Mueller findet keine Russland-Trump-Verschwörung” , musste das ehemalige  paper of the record “New York Times” am Montag titeln – nachdem es mehr als zwei Jahre den Russiagate-Sturm im Medienwald angeführt hatte, der diese Verschwörungstheorie mit täglich neuen Fake News fütterte. In unserem Buch “Wir sind immer die Guten” zitieren wir den Chefkolumnisten der NYT, Thomas Friedman, der im MSNBC-Fernsehen sagte: “Russland hat unsere Wahlen gehackt, das war ein Anschlag wie der 11. September (›a 9/11-scale event‹) auf den Kern unserer Demokratie, ein Ereignis wie Pearl Harbor”. Dramatischer und kriegstreiberischer kann man eine Verschwörungstheorie kaum auftischen – und wenn ein zweiter Senior-Kolumnist der einst angesehensten Zeitung des Landes, Prof. Paul Krugman, sekundiert: “There’s really no question about Trump/Putin collusion” hat jeder brave Leser guten Grund, dies für wahr zu halten – wie die Massenverichtungswaffen des Irak, wie die Golf von Tonkin Attacke,  wie den “Überaschungsangriff” am 11. September.

Noch klammern sich die verzweifelten Russiagater an den Strohhalm, dass die smoking gun in der Gesamtfassung des nur in Auszügen veröffentlichten Mueller-Reports verborgen sein könnte und von dem korrupten (oder von Putin gesteuerten !) Justizminister geheimgehalten wird. Doch auch diese Offenlegung wird nichts enthüllen was den Kern und das Ziel der Ermittlung – die Trump/Putin-Absprachen – betrifft und allenfalls noch ein wenig “Beifang” wie die 39 Mueller-Anklagen wegen Steuerhinterziehungen, Geldwäsche, Falschaussagen usw. bescheren. Also das Übliche im Washingtoner Sumpf, aber nichts über die Trump/Putin-Connection, die mehr als zwei Jahre auf allen Kanälen beschworen wurde. Auch Muellers Anklagen gegen Putins Koch und die Wilde Dreizehn – jene ominösen “russischen Trolle” und “Hacker”, die mit Anzeigen in den sozialen Netzwerken brave Wähler verwirrten (und dafür sage und schreibe 4.000 $ bei Google und 70.000 $ bei Facebook investierten, während Clinton und Trump 2,3 Milliarden verballerten) gibt als Anschlag auf den “Kern der Demokratie” nicht mehr viel her. Aber immerhin können sich all die verzweifelten Schurnalisten, die zwei Jahre Breaking Fake News verkündet und gesendet haben, wegen solcher Peanuts jetzt darauf berufen, dass sich ja  tatsächlich irgendwelche “Russen” in den US-Wahlkampf eingemischt haben. Ein schlechter Witz, eine faule Ausrede, aber man muss das verstehen, im Zustand der kognitiven Dissonanz werden selbst Strohlame zum Fels in einer Brandung, die mit unpassenden Fakten fundamentale Überzeugungen bedroht – und jede halbwegs demokratische Partei und jedes halbwegs journalistische Medium in den Grundfesten erschüttern müsste. Wer mehr als zwei Jahre lang haltlose Anschuldigungen, vage Verdächtigungen und unbewiesene Verschwörungsgerüchte als “Nachrichten” und politische Wahrheit verkauft, ist als Politiker und als Journalist defintiv disqualifiziert – untragbar als Volksvertreter an den Schalthebeln der Macht ebenso wie als Kontrolleur derselben und “vierte Säule der Demokratie”.

Und während diese unerträglichen Pseudo-Journalisten ihre Verschwörungs-Fakenews am laufenden Band produzierten, konnte man hier schon vor zwei Jahren – und kurz darauf in “König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron” – nachlesen, was da in den Tiefen des exzeptionalitischen Königreichs eigentlich ablief – und um welche Posse es sich bei “Russiagate”  handelte:

Dass Donald gegen alle Vorhersagen der Kaffeesatzleser, gegen die Gilde der Herolde und Lautsprecher und gegen Hillarys doppelt so schwere Kriegskasse den Sieg errang, hatte das unterlegend Lager so tief getroffen, dass es sich ein demokratischen Spielregeln entsprechendes Eingeständnis dieser Niederlage nicht abringen konnten. Weil Hillary mit Betrug den alten Bernie aus dem Rennen geboxt hatte, der die Massen anzog und auch Donald besiegt hätte, trug sie die eigentliche Hauptschuld. Und wie das so ist, wenn man ein Versagen vor sich selbst nicht eingestehen kann – „Das habe ich getan“ sagt mein Gedächtnis. Das kann ich nicht getan haben — sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich — gibt das Gedächtnis nach“, hatte einst der Psychologe Nietzsche dieses Procedere beschrieben – sucht man die Schuld bei anderen. So kam König Wladimir als Watschenmann und „Ultraböser“ in Spiel: er soll Hillarys Post gestohlen, ihren Betrug öffentlich gemacht und so seine „Marionette“ Donald auf den Thron gebracht haben. Diese zwar unbewiesene und nur behauptete „Einmischung“ in das heilige Ritual der exzeptionalistischen Demokratie, die Wahlen, wurde sodann als „kriegerischer Akt“ bezeichnet, mit dem der Ultraböse das Königreich angegriffen habe und nun mittels seines Agenten Donald zerstören will. Dass das unterlegene Hillary-Lager für diese haarsträubenden Verschwörungstheorie nicht umgehend ausgelacht wurde, verdankte es nur seiner engen Verbindung mit den „Mainstreammedien“ genannten Lautsprechern, die diese Gruselgeschichte als „Nachrichten“ verbreiteten und damit am laufenden Band das produzierten, was im Königreich neuerdings „Fake News“ genannt wurde.

Da König Donald schon dafür berüchtigt war, heute dies und morgen das zu erzählen und es beim Zwitschern mit Präzision und Wahrheit nicht so genau zu nehmen, wurde auch ihm im vorgeworfen am laufenden Band „Fake News“ zu produzieren. Was dann zu der absurden Situation geführt hatte, dass auf der öffentlichen Bühne nur noch kreischende Antagonisten auftauchten, die sich gegenseitig der Lüge, der Fälschung, des Betrugs bezichtigen. Man schrieb das 21. Jahrhundert und kam sich doch vor wie bei Richard III. und Großmeister Shakespeare: „Ich tu das Böse und schreie selbst zuerst. Das Unheil, das ich angestiftet, leg ich den andern dann zu schwerer Last.“ Oder wie im Puppentheater mit einer betrügerischen Hexe („Crooked Hillary“) einem falschen Clown („Lying Donald“) und einem gar schrecklichen Krokodil („Tarantula Putin“). Sowie dem Chor der Herolde und Lautsprecher die die ganze Saga atemlos kolportierten und kommentierten, wobei ihnen aus dem Souffleurskasten von den Meistern der Intelligence stets neue Stichworte geflüstert wurden.

…die nun wirklich schaurige Pointe dieser Posse haben wir dann im Januar 2019 in “Wir sind immer die Guten”   so zusammengefasst:

“Wäre das Ganze nicht gefährlicher Ernst, könnte man über die plumpen und offensichtlichen Fälschungen, aus denen die »Russiagate«-Story gestrickt ist, nur lachen. Doch was hier geschieht, ist fatal: Um einen gewählten Präsidenten zu vertreiben, wird die Gewaltenteilung des demokratischen Systems aufgehoben: Geheimdienste (CIA, NSA, MI6), Polizei (FBI) und Medien arbeiten Hand in Hand, und die vom Horrorclown Donald Trump nachhaltig geschockten Demokraten, Liberalen, Linken feuern diese polizeistaatlichen, totalitären Methoden sogar noch an. Und so erleben wir die surreale Situation, dass es nicht der monströse Meteorit Trump ist, dessen Einschlag die Grundfesten der freiheitlichen Demokratie erschüttert, sondern seine Gegner, die abseits aller rechtsstaatlichen Regeln und mit einer nahezu uniformen Medienfront gegen ihn vorgehen.”

Das wären die Anklagepunkte, an dem eine neue Ermittlung über “geheime Absprachen” (collusion) und Einmischung in die Wahlen jetzt ansetzen müsste – es waren keine  Russen, sondern die Regierung Obama, die US-Geheimdienste, das FBI und die Großmedien, die im US-Wahlkampf mit illegalen Methoden einen unerwünschten Kandidaten bekämpften. Den rüden, großmäuligen, stillosen, unberechenbaren Horrorclown Donald loszuwerden – für diesen Zweck war für Demokraten, Liberale und Progressive offensichtlich jedes undemokratische, polizeistaatliche, totalitäre Mittel recht.
Als Trockenübung, wie man auch den “kritischen” Teil der Bevölkerung auf Linie bringen kann, war der Russiagate-Zirkus und Mueller’s Null-Ergebnis durchaus erfolgreich:  um ein Narrativ zu schaffen und zu kontrollieren braucht es keinerlei Fakten, die multimediale und dauerhafte Wiederholung von Gerüchten reicht vollkommen aus. Noch ist die Übung aber nicht abgeschlossen: als Fortsetzung steht  an, wie man diese faktenfreie Großerzählung jetzt im Erinnerungsloch verschwinden lassen kann. Um weiter als irgendwie glaubwürdiger Politiker oder unabhängiger Journalist aufzutreten, selbst wenn man bei McMedien zwei Jahre lang BreakingFakeNews serviert hat. Coaching-Kurse für “Rumeiern”, “Drehen und Winden” und “Lügen ohne Rotwerden” können mit Überbuchung rechnen, ebenso wie das bekannte “Wendehals”-Yoga. Schon zittern die Russiagater beim ehemaligen Nachrichtenmagazin vor “Trumps Rachfeldzug” und das wäre nun wirklich eine krachende Pointe dieser ganzen Farce: dass ausgerechnet der irre König mit der Eichhörnchenfrisur, dass der Lügenbold Donald die letzten Reste der Demokratie rettet, indem er die Verschwörung von Geheimdiensten, Polizei und Medien gegen einen Kandidaten und einen amtierenden Präsidenten ermittelt und die Akteure vor Gericht bringt.

Zahlreiche Indizien für eine solche “collusion” liegen schon jetzt vor – und Trump hat noch Zeit, denn etwas Besseres konnten ihm seine Gegner als Wahlkampfmunition für die zweite Amtszeit gar nicht liefern. Er muss nicht einmal lügen und braucht nur zwei Worte “Hexenjagd ” und “Fake News”.

Als Kommentar auch auf telepolis erschienen, als Podcast auf KenFM

Hexenjagd mit Fake News

Nach über 18 Monaten hat US-Sonderermittler Robert Mueller seinen Untersuchungsbericht über die große Russiagate-Verschwörung dem Justizministerium vorgelegt. Weil diesem Ermittelter, der einst die FBI-Untersuchung zu 9/11 leitete und Osama und die 19 Teppichmesser als Alleintäter “ermittelte” sowie die “Massenvernichtunsgwaffen des Irak” FBI-amtlich bestätigte, weil also diesem Mister Mueller  nur etwa so weit zu trauen ist wie man seine Waschmaschine werfen kann, haben wir diese Sonderermittlung hier ja von Beginn an als weitere Posse im Real Game of Thrones klassifiziert. Gewachsen auf dem Mist der unterlegenen Königin Hillary, genährt und gezüchtet von sämtlichen Herolden und Lautsprechern der Medienmaschine sowie den Meistern der Intelligence und seit über zwei Jahren dem Publikum dargeboten als die gar schröckliche Geschichte des ultrabösen Wladimir, dessen unsichtbare Häscher Hillarys Post gestohlen und König Donald auf den Thron im Weißen Haus gehievt haben. Dass es sich bei dieser Story um die Beeinflussung der US-Wahlen und Trump als “Marionette Putins” (Hillary Clinton) um eine äußerst dubiose Verschwörungstheorie handelt, war für jeden Beobachter mit einem IQ über Zimmertemperatur  zwar von Beginn an ersichtlich – die Leser*innen von “König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron” konnten sich über diese Farce schon im Sommer 2017 amüsieren –  doch gegen einen wie Trump war einfach jedes Mittel recht und so beteten sämtliche “Qualitätsmedien” diese Räuberpistole seit über zwei Jahren rauf und runter. Und jetzt das:

“Die Untersuchungen des Sonderermittlers haben nicht ergeben, dass sich das Kampagnen-Team Trump – oder wer auch immer mit diesem in Verbindung stand – mit Russland verständigt oder abgesprochen hat, um die amerikanische Präsidentschaftswahl 2016 zu beeinflussen” (Justizminister William Barr)

Schlimmer konnte es für journalistische “Institutionen” von New York Times bis CNN, von ARD/ZDF bis Spiegel/FAZ/taz  in Sachen Trump eigentlich kaum kommen, aber wer am Montag danach durch die Schlagzeilen dieser Medien klickt, findet nirgendwo eine Entschuldigung, dass man sich zwei Jahre lang mit “Fake News” an einer “Hexenjagd” beteiligt hat – und dass Donald Trump (ausnahmsweise) vollkommen Recht hatte, diese Kampagne mit genau diesen Begriffen zu bezeichnen. Auch eine relotius-artige Überprüfung und Offenlegung ihrer Fake-News-Storys haben die “Fakten-Checker” unserer McMedien-Outlets  bis dato nicht angekündigt und sie wird wohl auch nicht kommen. Das Eingeständis, über zwei Jahre lang haltlose Verschwörungstheorien als “Nachrichten” verbreitet zu haben, wäre zwar die Bankrotterklärung schlechthin, doch ohne eine solche tabula rasa  wird auch nichts zu retten sein von dem was man mal “Journalismus” nannte. “Russiagate” sind die Massenvernichtungswaffen des Irak unserer Generation, schreibt Matt Tabibi in seiner lesenswerten Zusammenfassung des Spuks: “The Iraq war faceplant damaged the reputation of the press. Russiagate just destroyed it.”

Deshalb wird ein  lauwarmes mea culpa auch nicht ausreichen, denn die Folgen und das Ergebnis dieses Debakels sind schon jetzt absehbar, die Hexenjagd mit Fake News geht voll nach hinten los:  Trump wird auch die nächste Wahl gewinnen und braucht bis dahin nichts anderes als die Worte “Witch hunt”, “Fake News” und den obigen Tweet, denn er gestern abend dazu absetzte. “Well done, Qualitätsmedien”, kann man da nur sagen und den  “demokratischen”, “liberalen” und “progressiven” Hexenjäger*innen, die weiter machen wollen wie bisher, nur noch etwas Herzliches hinterher rufen, z.B.:  “F*ck You!”

Als Goetheversteher in Leipzig

Am kommenden Samstag stelle ich “Newtons Gespenst und Goethes Polaroid” auf der Leipziger Buchmesse vor. Helmut Höge wird mir dazu einige Fragen stellen und sicher auch die, wie ich denn nach all den Büchern über Hanf und Verschwörungen und LSD und 9/11 und die ganze Wahrheit über alles und zuletzt über Russland und die Ukraine als “Putinversteher” denn jetzt ausgerechnet auf Goethe komme ? Und wieso ich über einen heute weitgehend unbekannten, aphoristischen Text des Dichters –  das “Fragment über die Natur” – schreibe, der eigentlich gar nicht aus seiner Feder stammt ? Und was denn überhaupt an dem ollen Goethe noch so interessant ist, das man sich im 21. Jahrhundert damit beschäftigen sollte ? Oder was es mit diesem merkwürdige Titel inklusive “Gespenst” und “Polaroid” auf sich hat ? Vielleicht fragt er aber auch nach ganz anderen Sachen. Ich jedenfalls freue mich als frisch gebackener Goetheversteher nach bestem Wissen und Gewissen zu antworten – und auf Interessierte, die zuhören wollen: Am Samstag, 23.März um 16:15 im TAZ STUDIO, Halle  5, Gang H 408. 
Neugierige können das Buch beim Händler ihres Vertrauens erwerben oder direkt beim Westendverlag, der auch schon eine kleine Leseprobe (PDF) bereitgestellt hat

Neue Bücher über Drogen

„LSD – das sind doch die Drogen mit denen Leute aus dem Fenster springen weil sie glauben sie könnten fliegen“ – meine schon sehr betagte Mutter war leicht entsetzt, als ich ihr 2005 erzählte, dass ich an einem Buch über dieses Teufelszeug schreibe. Und meine Antwort – „Mit Alkohol passieren an jedem Wochenende mehr schwere Unfälle als mit LSD seit über 60 Jahren“ – konnte sie nicht wirklich beruhigen. Das geschah erst als ich sagte, dass ich dafür mit dem Entdecker des LSD, Albert Hofmann, zusammenarbeite, der bald 100 Jahre alt würde und das Gegenteil von verrückt sei nämlich geistig topfit. Obwohl er oft LSD genommen hat. Oder: weil? Auf diese Frage könnten einige kommen, die das Buch von Michael Pollan „Verändere dein Bewusstsein“ gelesen haben. Denn es ist dies das erste Buch über psychedelische Substanzen, das in einem großen Verlag erscheint und in den USA von vielen Medien sehr gelobt wurde, das NCHT die moralische Panik und Horrorpropaganda reproduziert, mit der Ende der 60er Jahre das internationale Verbot von LSD und Psilocybin durchgesetzt wurde. Für frenetische Drogenkrieger freilich muss schon der Versuch, sachlich und objektiv zu berichten, als gefährliche Verharmlosung und Tabu-Bruch gelten. Denn Michael Pollan, der als Journalismus Dozent in Berkeley arbeitet, hat das getan hat, was ein guter Sachbuch-Autor zu tun hat, wenn er ein solches Thema recherchiert und nicht wie ein Blinder von der Farbe reden will: er hat sich der Wirkung dieser Substanzen ausgesetzt. Und das Ergebnis ist nicht der blanke Horror, sondern ein staunendes „Wow!“

So beginnt meine Besprechung des Buchs von Michael Pollan („Verändere Dein Bewusstsein. Was uns die neue Psychedelik-Forschung über Sucht, Depression und Transzendenz lehrt“. Kunstmann Verlag, 496 Seiten. 26 €), das ich in “Gutenbergs Welt” auf WDR3 kurz vorgestellt habe. Als Podcast kann man die gesamte, sehr interessante Sendung hier anhören, mein Beitrag beginnt dann ab Min. 20.