9/11 Review: Turmopfer im geopolitischen Schach?

Unter “9/11 Review” werden hier in loser Folge einige der historischen Beiträge erscheinen, die jetzt in  dem Sammelband  11.9.-20 Jahre danach – Einsturz einer Legende neu erschienen sind. Heute ein Artikel vom 7.Dezember 2001.

07.12.01

»Seit den Anfängen der Kontinente übergreifenden politischen Beziehungen vor etwa fünfhundert Jahren ist Eurasien stets das Machtzentrum der Welt gewesen … Inwieweit die USA ihre globale Vormachtstellung geltend machen können, hängt davon ab, wie ein weltweit engagiertes Amerika mit den komplexen Machtverhältnissen auf dem eurasischen Kontinent fertig wird – und ob es dort das Aufkommen einer dominierenden, gegnerischen Macht verhindern kann … Eurasien ist somit das Schachbrett, auf dem sich auch in Zukunft der Kampf um die globale Vorherrschaft abspielen wird.«

Nicht nur die ersten Sätze aus Zbigniew Brzezinskis 1997 erschienenem Buch The Grand Chessboard lesen sich wie ein Skript des »war on terrorism« genannten Krieges gegen Afghanistan. Und es wäre naiv, Brzezinski (Jahrgang 1928) nach seinem Abgang als Jimmy Carters Sicherheitsberater für einen abgehalfterten Professor zu halten, der nicht weiter ernst zu nehmen ist. Als einer der Vordenker und Mitbegründer der Rockefeller-Thinktanks Council an Foreign Relations (CFR)und der Trilateralen Kommission hat er nach wie vor bedeutenden Einfluss. Zum Beispiel auf den Vizepräsidenten Cheney, der 1998 bekundete: »Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der eine Region so schnell strategisch bedeutend geworden ist wie die kaspische …« – Cheney war damals noch als Chef von Halliburton, dem größten Ausrüster der US-Ölindustrie, der gerade das Pipelineprojekt durch Afghanistan projektiert hatte. Wegen der gigantischen Bodenschätze hat für Brzezinski »die Pipelinefrage für die Zukunft des Kaspischen Beckens und Zentralasiens eine zentrale Bedeutung«. In seinem vorausschauend »Der eurasische Balkan« genannten Kapitel über die Region heißt es weiter:

»Falls die wichtigsten Ölleitungen der Region weiterhin durch russisches Territorium zum russischen Absatzmarkt am Schwarzen Meer in Noworossijsk verlaufen, werden sich die politischen Konsequenzen, auch ohne dass die Russen die Muskeln spielen lassen, bemerkbar machen. Die Region wird eine politische Dependance bleiben und Moskau darüber entscheiden können, wie der Reichtum der Region verteilt werden soll … Amerikas primäres Interesse muss folglich sein, mit dafür zu sorgen, dass keine einzelne Macht die Kontrolle über dieses Gebiet erlangt und dass die Weltgemeinschaft ungehindert finanziellen und wirtschaftlichen Zugang zu ihr hat. Geopolitischer Pluralismus wird nur dann zu einer dauerhaften Realität werden, wenn ein Netz von Pipeline- und Transportrouten die Region direkt mit den großen Wirtschaftsknotenpunkten der Welt verbindet, über das Mittelmeer und das Arabische Meer ebenso wie auf dem Landweg.«

Die Hervorhebungen »Weltgemeinschaft« und »geopolitischer Pluralismus« sind von mir und kennzeichnen den Jargon, in dem die Interessen der USA mit denen der Weltgemeinschaft und die Dominanz Washingtons mit »Pluralismus« gleichgesetzt werden. Nicht nur von Brzezinski, sondern auch von seinem Kollegen Samuel Huntington, den er in seinem Buch zitiert: »Die Fortdauer der amerikanischen Vorherrschaft ist sowohl für das Wohlergehen und die Sicherheit der Amerikaner als auch für die Zukunft von Freiheit, Demokratie, freier Marktwirtschaft und internationaler Ordnung in der Welt von zentraler Bedeutung.«

Zum Schlachtruf »Entweder für uns oder für die Terroristen« ist es von da nicht mehr weit. Andreas von Bülow weist darauf hin, dass geostrategische Studien wie Brzezinskis Chessboard oder Huntingtons Clash of Civilizations als Auftragsarbeiten der CIA in der Regel aus einem. allgemein gehaltenen, zur Veröffentlichung bestimmten Teil sowie aus einem unter Verschluss bleibenden Anhang mit konkreten Vorschlägen und Handlungsanweisungen bestehen. Wie diese aussehen, ließ sich auch schon vor dem 11.9.2001 mit »an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit« erkennen: » Covert Operations der Geheimdienste (sind) das Mittel der Wahl beider Durchsetzung amerikanischer Großmacht– und auch Wirtschaftsinteressen, während der Einsatz der Militärmacht eher unpopulär bleibt.« Dies bestätigte eine CFR-Sprecherin in einer BBC-Sendung: Verdeckte Operationen seien »weniger teuer« und oft »effektiver« als offizielle Militäreinsätze.

Es geht um einen verdeckten Krieg, um ein Shoot-out in bester texanischer Tradition mit »dead or alive«-Steckbriefen, Aufrufen zur Lynchjustiz und der Einführung von Standgerichten. Selbst einer monströsen Terrorbande wie den Nazis wollten die Amerikaner nach Kriegsende mit zivilen, rechtsstaatlichen Methoden beikommen. Warum ist das mit dem zum Terrorprinzen aufgestiegenen saudischen Milliardärslümmel Bin Laden nicht möglich? Warum war zu keinem Zeitpunkt auch nur von dem Versuch die Rede, ihn vor den internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen? Warum wurde der erste internationale Haftbefehl für Bin Laden bei Interpol 1998 nicht von Washington, London oder Berlinbeantragt, sondern von Tripolis, also von niemand anderem als ausgerechnet Moamar Al-Gaddhafi (der Osama für die Unterstützung islamistischer Terroranschläge in Libyen verantwortlich machte, bei dem u. a. zwei deutsche Geheimdienstmitarbeiter getötet wurden)? Warum lässt man unsere neuen Freunde von der Nordallianz, die das Land vor den Taliban als brutale Schlächter zugrunde richteten, nun als blutige Rächer zurückkehren? Sind wir damit, wie Robert Fisk im Independent meint, nicht endgültig auf die Seite von Kriegsverbrechern gewechselt? Warum finden die Statements der afghanischen Frauenorganisation RAWA, die auf diese grauenhafte Absurdität hinweisen, keinen Eingang in die Medien, geschweige denn ihre Vertreterinnen einen Platz am Petersberger Verhandlungstisch? Warum sieht sich der Ölriese Unocal, der mit den Taliban jahrelang intensiv über die Pipeline verhandelte, zu einem Statement genötigt, die Islamschüler zu keiner Zeit unterstützt und gehätschelt zu haben?Könnte es sein, dass all dies mit einer Politik zu tun hat, die John Pilger, der Seniorkorrespondent des britischen Mirror, den »geopolitischen Faschismus« der USA nennt?

Richard Falk, Professor für internationale Politik in Princeton, hat das erklärt. »Westliche Außenpolitik, sagt er, »wird in den Medien selbstgerecht und moralisch einseitig dargestellt, mit positiven Bildern westlicher Werte und Porträts bedrohter Unschuldiger, die eine Kampagne unbegrenzter politischer Gewaltrechtfertigen. Der Aufstieg von Rumsfeld und seinem Vertreter Paul Wolfowitz sowie seinen Partnern Richard Perle und Elliot Abrams bedeutet, dass ein Großteil der Welt jetzt offen von einem geopolitischen Faschismus bedroht ist, der sich seit 1945 entwickelt und seit dem 11. September beschleunigt hat. Die amtierende Gang in Washington besteht aus authentischen amerikanischen Fundamentalisten. Es sind die Erben von John Foster Dulles und Alan Dulles, jener baptistischen Fanatiker, die in den 50er Jahren das State Department bzw. die CIA leiteten, Reformregierungen in einem Land nach dem anderen niedermachten – Iran, Irak, Guatemala – und internationale Verträge aufkündigten wie die Genfer Indochina-Vereinbarungen von 1954, deren Sabotage durch John Foster Dulles direkt zu Vietnam und fünf Millionen Toten führten. Die Twin-Tower-Attacken sorgten in Bushs Washington sowohl für einen Auslöser als auch für eine bemerkenswerte Koinzidenz. Pakistans früherer Außenminister Niaz Naik hat enthüllt, ihm sei von hohen amerikanischen Vertretern Mitte Juli gesagt worden, dass eine Militäraktion in Afghanistan Mitte Oktoberbeginnen würde. Außenminister Powell war damals in Zentralasien unterwegs und sammelte schon Unterstützung für eine antiafghanische Kriegskoalition.«

Wenn bei einer Schachpartie der Verlust einer Figur zu einem strategischen Vorteil führt, spricht man von Opfer. Für den Laien sind solche Opferstrategien schwer zu erkennen, zumal wenn wichtige, scheinbar unersetzliche Figuren betroffen sind wie zum Beispiel zwei Türme. Der Profi freilich kann sich durchaus vorstellen, zwei Türme an der Heimatfront zu opfern, um sich dadurch tief in der gegnerischen Hälfte festzusetzen und einen unschlagbaren strategischen Vorteil – »globale Vorherrschaft« – zu erzielen, der das verlorene »Material« allemal wieder wettmacht. Es spricht sehr viel dafür, dass die geopolitischen Schachmeister in Washington die talibanische Attacke auf ihre Türme vorhergesehen und sogar aggressive Läufer wie den FBI-Jäger Bin Ladens, John O’Neill, zurückgepfiffen haben, um die gegnerischen Vorbereitungen nicht zu stören. Intellektuelle Vordenker wie Brzezinski und Huntington – Letzterer hat sich u. a. auch als CIA-Berater für die Aufstandsbekämpfung nach dem Sturz von Diktatoren einen Namen gemacht – hätten einfach ihren Job verfehlt, wenn sie in den unter Verschluss bleibenden konkreten Szenarien ihrer Studien nicht auch solche Opferstrategien durchspielen würden. Und wir wären einfach blind, wenn wir hinter dem menschelnden Jargon von »geopolitischem Pluralismus«, »Menschenrechten«, »freier Welt« und »humanitärer Intervention« nicht das auf Sieg und Vorherrschaft um jeden Preis programmierte »Great Game« sehen würden.«

Auszug aus: Mathias Bröckers, Andreas Hauss, Christian C. Walther:  11.9.-20 Jahre danach – Einsturz einer Legende , Westend Verlag, 1182 Seiten, 18 Euro

9/11 Review: Osama Meets CIA

Heute vor 20 Jahren, am 4. November 2001, erschien der Artikel “Juli 2001: Osama meets CIA”, der dem deutschen Publikum einmal mehr die enge Verbindung des Top-Terroristen mit den USA enthüllte. Unter “9/11 Review” werden in loser Folge hier noch weitere der historischen Beiträge erscheinen, die jetzt in  dem Sammelband  11.9.-20 Jahre danach – Einsturz einer Legende neu erschienen sind.

“Ein von Kritikern des konspirologischen Denkens oft angeführter Einwand lautet, dass es bei großen Verschwörungen mit vielen Beteiligten, wie z.B. dem Kennedy-Mord, unmöglich sei, alle Zeugen und Beweise über Jahre oder Jahrzehnte unter der Decke zu halten. Schon aufgrund dieser Unwahrscheinlichkeit könnten solche Verschwörungstheorien in den seltensten Fällen zutreffen. Das scheint auf den ersten Blick einleuchtend, auf den zweiten aber auch etwas naiv, denn nur die allerdümmsten Verschwörer weihen sämtliche Beteiligte in den gesamten Plan ein. In aller Regel arbeitet schon die einfachste Mafia-Struktur nach dem “need to know” -Prinzip: das einzelne kleine Rädchen weiß nur, was es wissen muss, und wenig oder gar nichts über das ganze Vorhaben – auch wenn der eine oder andere Beteiligte auffliegt, bleiben die Köpfe der Verschwörung.

Was den WTC-Anschlag betrifft, könnte auch eine solche Großverschwörung nicht auf Dauer völlig unter der Decke bleiben, ganz gleich, ob sie nun von Geheimorganisationen wie “Al Qaida” ausgeführt wurde oder von solchen wie “CIA”, von beiden zusammen oder von jemand ganz anderem. Das eine oder andere Rädchen wird auftauchen, enttarnt werden, ans Tageslicht kommen – die Gesamtstruktur ist damit aber noch lange nicht aufgedeckt, zumal es gleichzeitig Bemühungen gibt zu vertuschen, zu tarnen, zu täuschen. (…)

Doch während ich noch über die Nebenrollen kleiner halbseidener Agenten nachdenke, lässt die Pariser Tageszeitung “Figaro” eine Bombe hochgehen, die über die dubiose Rolle kleiner Randfiguren weit hinausgeht: Der Statthalter der CIA in Dubai stattete im Sommer dieses Jahres im dortigen “American Hospital” einen Lazarettbesuch der besonderen Art ab, nämlich beim derzeitigen Weltfeind Nr. 1 Usama Bin Ladin, der dort vom 4. bis zum 14. Juli 2001 stationiert gewesen sein soll:

“Während seines Krankenhausaufenthalts empfing Bin Ladin viele Besuche von Familienmitgliedern und prominenten Saudis und Emiratis. Dabei war auch der lokale CIA-Agent, den viele in Dubai kennen und der gesehen wurde, als er den Hauptaufzug zu Bin Ladins Krankenzimmer nahm. Einige Tage später prahlte er einigen Freunden gegenüber, dass er Bin Ladin besucht habe. Amtliche Quellen berichten, dass der CIA-Agent am 15. Juli, dem Tag nach dem Bin Ladin nach Quetta (Pakistan) zurückkehrte, in das Hauptquartier zurückgerufen wurde.”

Diesem Mann von der Filiale der “Firma” in Dubai einmal interviewmäßig auf den Zahn zu fühlen, um was es denn acht Wochen vor dem Anschlag beim Plauderstündchen mit dem topterroristischen Urologie-Patienten so ging, im Großen und Ganzen und im Besonderen, wäre journalistisch sicher eine reizvolle Aufgabe. Was bringt man so einem prominenten Millionärsbösewicht, der ja schon alles hat, beim Krankenbesuch Besonderes mit? Eine Handvoll Teppichmesser sicher nicht, ein Döschen Anthrax vielleicht – mit freundlichen Empfehlungen der chemischen Abteilung -, ein Kilo Koks zur Erfrischung ermatteter heiligen Krieger, den letzten Geschäftsbericht der Carlyle-Group – mit Grüßen von der ganzen Familie Bush an die ganzen Familie Ladin? Oder die notwendigen Codes für die Hijacker, um die Flugsicherung austricksen und Direkttelefonate mit der Air-Force-One führen zu können ? (Bush soll kurz nach dem Anschlag einen “Drohanruf” direkt in seinen Flieger erhalten haben)

Schade, dass ein solches Interview aus Gründen der “nationalen Sicherheit” derzeit nicht geführt werden kann. Auch die Frage, warum Osama am 14. Juli unbehelligt von der US-Air Force mit seinem Privatjet von Dubai nach Pakistan zurückschweben und in seiner Höhle verschwinden konnte, muss deshalb unbeantwortet bleiben. Aber sie liefert einen Grund mehr, das Schläfernest des CIA-Hauptquartiers Langley nicht mehr nur unter Observation, sondern langsam vielleicht auch unter Beschuss zu nehmen.

Die konspirative Einflussachse “CIA-ISI-Osama-Taliban”, die wir hier seit Wochen ventilieren, ist mittlerweile aus dem Bereich der Vermutungen anhand von Indizien und des Verdachts aufgrund historischer Parallelen in den Bereich des Faktischen getreten. Ein detaillierter Artikel von Professor Michel Chossudovsky: “Cover-up Or Complicity of The Bush Administration? The Role of Pakistan’s Military Intelligence Agency (ISI) in the September 11 attacks!” vom 2. November zeigt es wohl dokumentiert auf. Wo war der wegen der Überweisung an Atta mittlerweile entlassene ISI-Direktor, Generaleutnant Mahmud Ahmad (siehe Manus Manum Lavat – Money Money Lavamat), am 11. September? In den USA. Und was tat er da? Er führte schon in den Tagen vor dem Anschlag Gespräche mit Spitzenvertretern des Pentagon und des Auswärtigen Auschusses … über die Nachkriegsordnung.

PS: Natürlich wurde der Le-Figaro-Bericht von der CIA umgehend dementiert – auch Bin Laden dementierte später in einem Interview mit einer pakistanischen Zeitung seinen Aufenthalt in Dubai. Doch die Reaktion George W. Bushs auf die in den folgenden Tagen weltweit kursierende Meldung ist bezeichnend. Am 10. November verhängte er vor der UN seinen Bannfluch über »frevelhafte Verschwörungstheorien« . Der Verdacht, dass es sich bei Osama Bin Laden nicht nur um einen ehemaligen Mitstreiter, sondern um ein nach wie vor aktuelles geopolitisches Werkzeug der US-Außenpolitik handelt, konnte auch in den folgenden Wochen und Monaten nicht ausgeräumt werden.”

Auszug aus: Mathias Bröckers, Andreas Hauss, Christian C. Walther:  11.9.-20 Jahre danach – Einsturz einer Legende , Westend Verlag, 1182 Seiten, 18 Euro

JFK – Die Vertuschung geht weiter

Nach einem im Jahr 1992 erlassenen Gesetz sollten bis Dezember 2017 sämtliche in Staatsbesitz befindlichen Dokumente zur Ermordung John F.Kennedys freigegeben werden. Sowohl Barack Obama wie auch sein Nachfolger Donald Trump haben die Freigabe dieser letzten Akten – etwa 5 % des gesamten Bestands – verhindert und jetzt hat auch  Joe Biden eine weitere  Verschiebung bis Dezember 2022 angekündigt:

“Ein vorübergehender Aufschub ist notwendig, um erkennbare Schäden für die militärische Verteidigung, nachrichtendienstliche Operationen, die Strafverfolgung oder die Pflege der auswärtigen Beziehungen abzuwenden, die so schwerwiegend sind, dass sie das öffentliche Interesse an einer sofortigen Veröffentlichung überwiegen.”

So deutlich hat noch keiner seiner Vorgänger klar gemacht, warum diese Dokumente auch 58 Jahre nach dem Mord noch immer blockiert werden: wenn das Militär und Geheimdienste von diesen Akten nichts zu befürchten hätten, wären sie schon längst alle bekannt. Weshalb die Vertuschung auch nach dem jetzt angeküdigten Datum mit Sicherheit weitergehen wird. Dass bis heute zwei Drittel der US-Bevölkerung nicht an den offiziellen Einzeltäter Lee Harvey Oswald glauben, hat nichts mit einer genetischen Paranoia zu tun, sondern schlicht mit der Tatsache, dass der Mord bis heute nicht aufgeklärt ist und  zahlreiche Beweise dafür  vorliegen, dass Oswald nicht der Täter sondern nur der prädestinierte Sündenbock war. Und dass CIA und US-Militär bis zur Halskrause in den Fall verwickelt sind. Deshalb heißt mein 2013 erstmals erschienenes Buch “JFK – Staatstreich in Amerika”, denn nichts anderes als ein interner Putsch, ein heimischer regime change, war dieser Anschlag auf JFK und die folgenden Ermordungen  seines Bruders (und sicheren Nachfolgers) Robert F.Kennedy und des Bürgerrechtlers Martin Luther King. Das ließ sich auch schon mit den 95% der bereits veröffentlichten JFK-Files sehr deutlich aufzeigen und es wird von den noch unter Verschluß gehaltenen Akten garantiert nicht widerlegt, sondern bis aufs letzte i-Tüpfelchen bewiesen.

Der Mord an John F. Kennedy war ein Staatsverbrechen gegen die Demokratie: Hochverrat – und dieser Verrat hat die amerikanische Demokratie schwer beschädigt. Was einer der größten Staatsmänner der Geschichte, Marcus Tullius Cicero, im Jahr 58 vor unserer Zeitrechnung sagte, erweist sich auch noch 2000 Jahre später als zutreffend: »Eine Nation kann ihre Dummköpfe und sogar ihre Ehrgeizigen überleben, aber nicht Verrat von in- nen.« Die Verräter nach fünf Jahrzehnten zur Verantwortung zu ziehen kann nicht mehr gelingen, nur wenige dürften noch am Leben sein. Dennoch gilt es, weiterhin für die Aufklärung dieser Verbrechen zu streiten, die Freigabe immer noch gesperrter Akten der Geheimdienste zu fordern und weiteres Licht in die noch immer dunklen Bereiche dieses Kapitels der Zeitgeschichte zu bringen. Denn um mit dem spanischen Philosophen George San- tayana zu sprechen: »Wer sich an die Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.« Doch wer sich nur an ein Trugbild der Vergangenheit erinnert, ist dazu verurteilt, sich auch weiter betrügen zu lassen.

Verdeckte Operationen unter Beteiligung staatlicher, militärischer und wirtschaftlicher Eliten haben nach den Morden an den Kennedy-Brüdern und Martin Luther King nicht aufgehört. Vielmehr ziehen sie sich nahezu durchgehend durch die folgenden Jahrzehnte: vom erfundenen Zwischenfall im Golf von Tonkin, mit dem die Massenbombardements in Vietnam legitimiert wurden, über die Watergate-Affäre, die zum Rücktritt Präsident Nixons führte, und den Iran-Contra-Skandal mit seinem aus dem Weißen Haus organisierten illegalen Großhandel von Waffen und Drogen bis hin zum 11. September 2001 und den erfundenen Massenvernichtungswaffen des Irak. In allen diesen Fällen wurde die Bevölkerung, der Souverän jeder parlamentarischen Demokratie, mit Lug und Trug am Nasenring durch die Manege geschleift, und in den wenigsten dieser Fälle wurden die Verantwortlichen in angemessener Weise für ihre kriminellen Handlungen zur Rechenschaft gezogen. (..)

Fünfzig Jahre nach dem 22. November 1963 wird es höchste Zeit, sich diesen Dissonanzen endlich zu stellen – nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger der USA, die die offizielle Legende vom Einzeltäter Oswald mehrheitlich noch nie für die Wahrheit gehalten haben, sondern vor allem für die Meinungsmacher,Leitartikler, Journalisten und Historiker. Es ist auch höchste Zeit, dass diese sich von dem billigen Argument verabschieden, »dass wir die Wahrheit über den Kennedy-Mord wohl nie erfahren werden«, um sich mit dieser selbsterfüllenden Prophezeiung vor der Verantwortung zu drücken, die Lügen über diesen Mord zu entlarven. Andere Länder wie zum Beispiel Südafrika, Chile oder Argentinien haben in teilweise schmerzhaften Prozessen vorgemacht, wie eine Nation mit schrecklichen »Staatsverbrechen gegen die Demokratie« umgehen kann – und umgehen muss, um sie in Zukunft zu vermeiden.

Solange aber die Vereinigten Staaten diesen Beispielen nicht folgen, solange die verdeckte Staatsaktion zur Ermordung Kennedys nicht restlos aufgeklärt wird, solange Staatsverbrechen gegen die Demokratie ungeklärt und unbestraft begangen werden können, solange werden sie sich wiederholen. Nur, wer das will, kann den Fall John F. Kennedys für erledigt erklären und das Märchen von Oswald und der magischen Kugel in den Geschichtsbüchern stehen lassen.
Mathias Bröckers: JFK – Staatstsreich in Amerika, 2017, S. 254 f.

3JT #70: GEHIRNKRIEG

Der Fall Julian Assange – zum ersten Mal fordern die USA die Hilfe eines britischen Gerichts bei der Verfolgung eines Menschen an, den die CIA ermorden wollte. Wie steht es um den Auslieferungsprozess, der gerade verhandelt wurde? Außerdem: Die Desinfektion der öffentlichen Meinung schreitet immer weiter voran. Inzwischen haben Wissenschaftler und Militärs ein neues Schlachtfeld eröffnet: Unser Gehirn. Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #70 des 3. Jahrtausends.

Journalismus ist kein Verbrechen

Es steht viel auf dem Spiel, wenn heute vor dem High Court in London das Gerichtsverfahren gegen Julian Assange weiter geht: nicht nur  das Leben und die Gesundheit des Wikileaks-Gründers, der nach Willen der Vereinigten Staaten für 175 Jahre eingekerkert werden soll, sondern über dieses individuelle Schicksal hinaus die Antwort auf eine fundamentale Frage: Ist Journalismus ein Verbrechen? Wenn die Richter entscheiden, dass Julian Assange an die USA ausgeliefert werden darf – was eine erste Instanz aus gesundheitlichen Gründen und wegen der hohen Suizid-Gefahr des Angeklagten abgelehnt hatte –  lautet die Antwort eindeutig “Ja!”. Denn dann ist es mit Journalismus, wie wir ihn kannten und wie er in allen demokratischen Verfassungen als “Pressefreiheit” garantiert ist, definitiv vorbei – denn wer immer irgendwo auf der Welt etwas veröffentlicht, was den USA (oder auch einem anderen Staat) nicht passt, hat dann einen internationalen Haftbefehl zu gewärtigen.  Sein Status als Journalist, als Wachhund und Kontrolleur der nur geliehenen Macht demokratischer Regierungen, kann über Nacht entzogen werden, indem man ihn einfach als “feindlichen Geheimdienst” deklariert und kriminalisiert. Was nichts anderes ist als eine Kriegerklärung an den Journalismus: Jedes Urteil gegen Julian Assange ist eines gegen die Pressefreiheit hatte ich zu der erstinstanzlichen Entscheidung im Januar geschrieben, die 95% der absurden US-Anklage akzpetierte und allein den bedrohten gesundheitlichen und mentalen Zustand Assanges nach zehn Jahren Verfolgung und Isolation als Grund für die Nicht-Auslieferung gelten lies.  Zumal – wie es in der Urteilsbegründung hieß – “die Geheimdienst-Community ihm feindlich gesinnt ist“.  Für diese schon gut dokumentierte üble Gesinnung sind seitdem weitere Beweise aufgetaucht: der Kronzeuge für die angeblichen Hacker-Aktivitäten Assanges, Sigurdur  Thordarson, hat gegenüber einer isländischen Zeitung zugegeben,  seine Beschuldigungen erfunden zu haben, weil das FBI ihm dafür Geld und Strafmilderungen in einem Pädophilie-Verfahren versprochen hatte. Und ein Report von Michael Isikoff bestätigte einmal mehr die Pläne der CIA, Julian Assange aus der ecuadorianischen Botschaft zu entführen und zu ermorden. Dass in einem solchen Land kein faires Strafverfahren zu erwarten und die Anklageschrift nicht haltbar ist – der von Thorafdson erfundene Hacking-Vorwurf ist das einzige kriminelle Vergehen, die anderen 17 Anklagepunkte betreffen “Spionage” – sollte eigentlich auf der Hand liegen. Und wäre dieser Fall ein rechtsstaatliches Verfahren und kein kafkaesker politischer Prozess, hätte Assange schon längst aus der britischen Isolationshaft entlassen werden müssen.

Über den Verlauf des Verfahrens werde ich  heute und morgen hier Updates und Links einfügen, am Freitag gibts dann ein “3. Jahrtausend” dazu…

UPDATE
14:30 : Wenn man dem schon bei der ersten Verhandlung zuverlässigen Twitter-Thread von Kevin Gosztola folgt, verging der Vormittag vor allem mit Versicherungen seitens der Staatsanwaltschaft, dass die US-Seite nach der Ablehnung der Auslieferung ihrerseits Versicherungen nachgereicht hätte, dass Assange keine Sonderbehandlungen in Hochsicherheitsgefängnissen zu befürchten habe. Julian Assange folgt der Verhandlung aus dem Belsmarsh-Gefängnis über Video.

Auch der Jurist Dustin Hofmann, Büroleiter des EU-Abgeordneten Martin Sonneborn twittert aus London über die Verhandlung.

17:40: Die Verhandlung ist unterbrochen und wird morgen 10.30 Uhr fortgesetzt. Die Anklage hatte bis auf die letzten ca. 90 Minuten fast die gesamte Redezeit, die damit verbracht wurde, die psychiatrischen Gutachten aus dem ersten Verfahren anzuzweifeln.  Die Argumente der Veteidigung, das eine große Suizid-Gefahr gegeben wären aufgrund der “diplomatischen Zusicherungen” keine Hochsicherheitsverwahrung für Assange anzustreben hinfällig.

UPDATE  28.10, 18:30
Der zweite (und letzte) Verhandlungstag ist zu Ende:

“Der Lord Chief Justice sagt zum Abschluss, dass die beiden Seiten ihm viel zum Nachdenken gegeben hätten und dass Zeit brauchen wird, um zu einer Entscheidung zu kommen.”

Die Verteidigung Assanges hatte in ihrem Plädoyer vor allem auf die Unzuverlässigkeit us-amerikanischer Zusicherungen bei Auslieferungsverfahren verwiesen und Beispiele dafür aufgeführt. So könne etwa wie im Fall Chelsey Manning eine Grand ´Jury einberufen werden und wenn Assange dort die Aussage verweigert würde er wie Manning sofort in Beuge,-und Isolationshaft genommen. Auch die Zweifel der Ankläger an den psychiatrischen Gutachten zur schweren Depression und Suizidgefahr und die Behauptung, die Richterin der ersten Instanz hätte diese “einseitig” interpretiert, wurde von der Verteidigung zurückgewiesen. Am  Ende seines Plädoyers sagt Assange-Anwalt Summers: “First time that US has sought assistance of UK court to obtain jurisdiction over someone who an agency within the government planned to assassinate or poison” – Es ist das erste Mal, dass die USA die Hilfe eines UK-Gerichts bei der Verfolgung von jemandem ersucht, den ein Dienst innerhalb dieser Regierung ermorden oder vergiften wollte.”

Aktueller Stream zu Thema:

 

Die Rückkehr nach Eleusis

Ein kleiner Vortrag über das Mysterium von Eleusis brachte mir einst eine große Freundschaft und wunderbare Zusammenarbeit ein –  mit niemand Geringerem als Albert Hofmann, der nicht nur 1943 das LSD entdeckt hatte, sondern mit seinen Kollegen in den 70ern Jahren auch herausgefunden hatte, dass im Zentrum des wichtigsten Inititiationsrituals des Abendlands ein psychedelischer Trank stand. Der kleine Vortrag fand später Eingang in mein Buch über “Das sogenannte Übernatürliche” (1998), führte zum 100. Geburtstag von Albert Hofmann zu  einem gemeinsamen Buch (Albert Hofmann und die Entdeckung des LSD – Auf dem Weg nach Eleusis, 2006) und ist jetzt in erweiterter Fassung im Nachtschatten-Verlag erschienen. Im Folgenden ein Auszug aus der Einleitung:

Das Mysterium von Eleusis war eines der bestgehüteten Geheimnisse der Antike. Fast zwei Jahrtausende lang, bis zur Zerstörung des Tempels durch christliche Barbaren im 4. Jahrhundert, zogen Wallfahrer jedes Jahr im September auf der Heiligen Straße von Athen nach Eleusis, fasteten und umtanzten den der Göttin Demeter geweihten Brunnen im Vorhof des Heiligtums. Die Nacht verbrachten sie in der Mysterienhalle, einem großen fensterlosen Saal. Priester bereiteten einen »heiligen Trank«, den die Teilnehmer gemeinsam zu sich nahmen – und dann geschah es. Eine so unmittelbare und unaussprechliche Erfahrung, dass sie nur »geschaut«, aber nicht ausgesprochen werden durfte – bei strengen Strafen war es verboten, über das Erlebte zu berichten. Über zwei Jahrtausende haben sich die in Eleusis Initiierten daran gehalten, die Philosophen Sokrates, Platon oder Aristoteles, der Tragödienautor Sophokles – sie waren, wie alle Griechisch sprechenden Menschen ihrer Zeit, mindestens einmal im Leben nach Eleusis gepilgert. Sophokles schreibt: »Dreifach glücklich sind jene unter den Sterblichen, die, nachdem sie diese Riten gesehen, zum Hades schreiten; ihnen allein ist dort wahres Leben vergönnt.«

Ehrfurchtgebietende, dunkle Äußerungen wie diese liegen in großer Zahl vor, doch was sie rechtfertigte, welche Offenbarung die Teilnehmer derart überwältigte, dass sie selbst den Tod für überwunden glaubten – dieses Geheimnis blieb auch nach dem endgültigen Niedergang der athenischen Kultur im 4. nachchristlichen Jahrhundert verborgen. Selbst römische Kaiser wie Marc Aurel und Hadrian, die zu den Eingeweihten zählten, hielten sich an das Schweigegebot, und von Cicero, der nach Eleusis gepilgert war, ist gleichfalls nur ein raunendes Zeugnis überliefert: »Nicht nur haben wir dort den Grund erhalten, dass wir in Freude leben, sondern auch dazu, dass wir mit besserer Hoffnung sterben.« Tausende von Büchern über die Mythologie Griechenlands wurden seitdem geschrieben, Hunderte von Abhandlungen über die eminente Bedeutung der dionysischen Kultur und der eleusischen Riten verfasst – doch was im Zentrum dieses Mysteriums stand, blieb bis in unsere Tage ein Rätsel.

Erst Ende der 1970er Jahre gelang es in interdisziplinärer Zusammenarbeit, das Geheimnis zu lüften: Der Bankier und Ethnobotaniker Gordon Wasson, der Pharmakologe und Chemiker Albert Hofmann sowie der Altertumsforscher Carl Ruck identifizierten den »heiligen Trank« als Zubereitung eines halluzinogenen Pilzes, des Claviceps purpurea, der im Deutschen » Mutterkorn« genannt wird und als Parasit auf der Gerste und anderen Getreidearten wächst. Der Pilz enthält die Wirkstoffe des LSD, des stärksten bekannten Halluzinogens, das Albert Hofmann 1943 zufällig entdeckte, als er mit den Alkaloiden des Mutterkorns experimentierte. In ihrer Studie »Der Weg nach Eleusis« weisen die Autoren nicht nur nach, dass die gewaltige visionäre Wirkkraft des »heiligen Tranks« in Eleusis höchstwahrscheinlich auf ebendieses Mutterkorn zurückzuführen ist, sie belegen auch, wie eng dieser Pilz mit dem Mythos der Demeter, der Erdgöttin, verflochten ist.

“Jedes Jahr wandelten neue Kandidaten für die Initiation auf jener Heiligen Straße nach Eleusis, Menschen aller Klassen, Herrscher und Prostituierte, Sklaven und Freie. jeder Schritt auf dem Weg erinnerte an den Aspekt eines alten Mythos, der erzählte, wie die Erdmutter, die Göttin Demeter, ihre einzige Tochter verloren hatte, die beim Blumenpflücken von ihrem Bräutigam, dem Herrn des Todes, geraubt worden war. Wenn die Pilger in Eleusis ankamen, tanzten sie bis tief in die Nacht bei dem Brunnen, an dem Demeter um ihre verlorene Persephone geweint hatte. Sie tanzten zu Ehren dieser beiden Göttinen und ihres geheimnisvollen Gatten Dionysos. Dann durchschritten sie die Tore in den Festungsmauern, hinter denen, abgeschirmt von profanen Blicken, das große Mysterium von Eleusis stattfand. Die antiken Schriftsteller geben einmütig an, dass im großen › Telestrion‹, der lnitiationshalle im Inneren des Heiligtums, etwas zu sehen war. Soviel durften sie immerhin sagen. Die Halle war jedoch, wie man heute anhand archäologischer Reste rekonstruieren kann, völlig ungeeignet für Theateraufführungen. Was man dort zu sehen bekam, war kein Spiel von Schauspielern, sondern, in Platons Worten, ›phantasmata‹, eineReihe geisterhafter Erscheinungen. Selbst ein Dichter konnte nur sagen, er habe den ›Beginn und das Ende des Lebens gesehen und erkannt, dass sie eins seien‹.”

Ähnlich ehrfürchtiges Stammeln erlebte Gordon Wasson in den 50er Jahren, als er die religiösen Rituale mexikanischer Indianer erforschte. Im Mittelpunkt ihres Kults steht die Einnahme eines als heilig verehrten Pilzes, dessen halluzinogener Wirkstoff Psilocybin eng mit dem des Mutterkorns verwandt ist. Ähnlich wie das Meskalin des Peyote-Kaktus, den andere mexikanische Stämme als sakrale Droge verwenden, oder der Wirkstoff des Fliegenpilzes, dem »Soma« der archaischen Priester- Schamanen in Sibirien und Indien. Die übereinstimmenden Berichte, auf die der Pilz-Ethnologe Wasson bei diesen Völkern stieß – der Pilz als »Draht« zur Kommunikation mit dem Übernatürlichen –, ließen ihn schon damals vermuten, dass auch das klassische Griechenland in seiner rituellen Festung Eleusis Halluzinogene verwandte. Doch die Altertumsforscher, die er daraufhin ansprach, taten seine Vermutung als völligen Unsinn ab. Das »Gesehene«, von dem die Initiierten berichten, hielten sie für kultische Gegenstände, den »heiligen Trank« für Wein: Nach herrschender Meinung wurde den Pilgern in Eleusis eine sakrale Theateraufführung zuteil, eine Art Oberammergau antik.

Selbst wenn ein einfacher griechischer Hirte durch ein solches Mysterienspiel und einen Schluck Wein durchaus zu beeindrucken gewesen sein mag, städtische Intellektuelle wie Platon oder Cicero dürften davon aber kaum derart berührt worden sein. Mit Theater und »Show« waren sie ebenso vertraut wie mit Musik, Tanz und berauschenden Getränken. Dem Wein bei ihren Gelagen und Symposien war häufig Opium zugesetzt, Rausch und Ekstase waren im Griechenland dieser Epoche alles andere als unbekannt. Genauso wenig ist zu erwarten, dass die Philosophen und Schriftsteller ihren kritischen Verstand freiwillig an der Garderobe des eleusischen Tempels abgaben – nein, sie mussten dort etwas erlebt haben, was selbst den großen Rhetorikern die Sprache verschlug.

Zu Hilfe bei der Aufdeckung des Rätsels kam ein öffentlicher Skandal im Athen des Jahres 415 v. Chr., von dem in fragmentarisch erhaltenen Prozessakten die Rede ist: Das eleusische Geheimnis war profanisiert worden, aristokratische Bürger hatten ihren Gästen den visionären Trank als Partyvergnügen angeboten und mussten sich dafür vor Gericht verantworten. Einer der Angeklagten war der ruhmreiche Heerführer Alkibiades, der sich nach Sparta absetzte, als man ihn von seinem Kommandeursposten bei der Schlacht von Syrakus zum Prozess nach Athenzurückbeorderte. Er wurde in Abwesenheit zum Tod verurteilt und sein gesamter Besitz beschlagnahmt. Doch es sind nicht nur diese Spuren antiker Acid-House- Partys, auf die sich die Autoren bei ihrer Beweisführung berufen, sie zeigen auch, dass die Bedeutungsstruktur des Demeter-Mythos auf das Geheimnis psychoaktiver Pflanzen verweist. Es sind keine einfachen Blumen, die Persephone pflückt, als sie ins Reich der Toten entführt wird, es ist der hundertköpfige Narkissos, eine Drogenpflanze. (…)

Nicht der dionysische Wein, sondern der psychedelische Gerstentrank der Erdgöttin Demeter stand im Zentrum der griechischen Religion – dieser Befund von Wasson,Hofmann und Ruck rückte die gesamte Fachliteratur zu Eleusis in ein völlig neues Licht. Natürlich waren die rauschhaften, ekstatsischen Elemente der Demeter-und Dionysos-Rituale keinem Historiker verborgen geblieben, den antiken Interpreten so wenig wie den Wiederentdeckern der hehren Hellenen in der europäischen Klassik. Für Nietzsche steht und fällt sogar die gesamte Kultur mit der Wiederbelebung des Dionysischen, doch so ahnungsvoll er sich als Psychologe hier erwiesen haben mag, sowenig bestand zu seiner Zeit die Möglichkeit einer empirisch-wissenschaftlichen Erforschung »dionysischer« Bewusstseinszustände und pflanzengebundener Ekstasen.

Den Grundstein dazu legte erst der Berliner Pharmazie-Professor Louis Lewin, der 1924 mit seinem Werk »Phantastica« eine erste systematische Erfassung der »betäubenden und erregenden Genussmittel« versuchte. Die oft anekdotischen Berichte über die bewusstseinsverändernden Wirkungen dieser Pflanzen konnten erst in den folgenden Jahrzehnten einer genaueren wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen werden, als nach und nach die Alkaloide, die chemischen Wirkstoffe, von Meskalin, Peyote und der »heiligen Pilze« identifiziert wurden. Ihre eigentliche Bedeutung aber lässt sich erst seit den 70er Jahren ermessen, als die Gehirnforscher die Rolle der Neurotransmitter für unsere Bewusstseinszustände – die biochemische Steuerung des Gehirns durch drogenähnliche Botenstoffe – entdeckten. Bis dahin blieb den Kultur- und Religionsgeschichtlern also kaum etwas anderes, als angesichts des heiligen Tranks von Eleusis sowie des schamanistischen Pflanzengebrauchs im Allgemeinen in Rätselraten und Mutmaßungen zu verfallen. Vor diesem Hintergrund hätte die Arbeit von Wasson, Hofmann und Ruck eigentlich wie eine Bombe einschlagen müssen, de facto aber blieb sie, abgesehen von ein paar journalistischen Rezensionen, in Wissenschaftskreisen nahezu unbeachtet. Daran haben weder das große Renommee der Autoren in ihren jeweiligen Fachgebieten noch die solide Argumentation und Faktenlage etwas geändert, ihr heißes Eisen – die Fundierung des griechischen Geisteslebens, und damit der abendländischen Kultur, in einer mystischen Drogenerfahrung – glüht bis heute im Verborgenen. Ist es wirklich ein Skandal, in das Zentrum des Metaphysischen, Übernatürlichen, Göttlichen eine Ausgeburt des » Reichs des Bösen« – die Droge – zu stellen und den profanen Genuss einer Pflanzensubstanz als Quelle des Heiligen zu identifizieren? Genau betrachtet, räumt das LSD-Mysterium von Eleusis dem antiken Griechenland gar keine Sonderstellung ein. Im Gegenteil: Es verbindet die Kulturgeschichte des Abendlandes mit der Kultur- und Religionsgeschichte anderer Erdteile, denn überall auf der Welt haben die Völker für den Blick über den Zaun von Raumzeit und Sterblichkeit auf die Hilfe von Pflanzen zurückgegriffen.

Dies ist ein Auszug aus dem Essay  “Die Rückkkehr nach Eleusis”, erschienen im Nachtschatten-Verlag, Solothurn, 84 Seiten, 12,80 Euro

Das Win-Win der Hanf-Legalisierung

Als ich 1994 mit Jack Herer in Deutschland auf Tour war, um unser auf Hanfpapier gedrucktes Buch “Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf” vorzustellen und im Anschluss Fragen beantworteten, wurde oft gefragt: “Wann wird die Legalisierung in Deutschland kommen?”. Meine Antwort: “Ich glaube nicht mehr in diesem Jahrtausend” stieß dann auf unverständiges Murren im Publikum: wo jetzt die unglaublichen Fakten über den universellen Nutzen dieser Pflanze vorliegen und die haarsträubenden Lügen, die zu ihrem Verbot führten schwarz auf weiss dokumentiert sind, muss doch die Prohibition sofort beendet werden. So dachten die Leute und selbstverständlich auch wir Autoren, die diese Informationen auf über 500 Seiten zusammengetragen hatten: ein Ende des schädlichen und schändlichen Verbots-Irrsinns war überfällig.

Mit der Antwort wollte ich keinen Pessismus verbreiten, sondern ein realistisches Bild: über die Trägheit der politischen Mühlen und die Tiefe, mit der  die Prohibtions-Propaganda über das “Mörderkraut Marihuana” nach wie vor im öffentlichen Bewusstsein verankert war. Ich war zum Beispiel damals mit einem der ersten Stapel Hanfpapier in die Greenpeace-Zentrale nach Hamburg gefahren, um ihnen für ihr Magazin einen Rohstoff zu empfehlen, der 4-5 Mal soviel Papier liefert wie ein gleichgroßer Wald. Die Öko-Aktivisten waren hellauf begeistert, doch sagten nach zwei Wochen wieder ab, sich an einer größeren Produktion zu beteiligen: man befürchtete einen Spendenrückgang, wenn man sich für Cannabis  einsetzt. Dasselbe hatte Jack Herer in  den USA erlebt und den Glauben an Greenpeace als ökologische Alternative verloren.

“Go medical” hatte er als Strategie geraten, als wir 1996 an seinem Infostand in Venice Flugblätter für die “Medical Marihuana”-Volksabstimmung in Kalifornien verteilten. In Deutschland war in diesem Jahr immerhin erreicht worden, dass Hanf (ohne rauschwirksames THC) wieder angebaut werden durfte und dass Tetra-Hydro-Cannabinol auch wieder in das offizielle Arzneibuch aufgenommen wurde. Mit dem Erfolg der kalifornischen “Medical Marihuana” Abstimmung fiel dann im Mutterland der Cannabis-Prohibition der erste Dominostein auf dem Weg der Rehabilitierung, Entkriminalisierung und Legalisierung der Hanfpflanze. In Deutschland erhielt ich unterdessen Anrufe von Ärzten: “Bei mir sitzen Leute im Wartezimmer mit ihrem Buch und wollen Cannabis verschrieben haben. Ich habe zufällig einen Doktor in Medizin  und in Pharmazie, aber davon noch nie gehört. Haben Sie sich das alles ausgedacht?”

Das hatten wir selbstverständlich nicht, sondern alle Quellen über das seit mehr als 10.000 Jahren verwendete Heilkraut dokumentiert, das mit der Prohibition aus den medizinischen Lehrbüchern verbannt und einer unwissenschaftlichen “Rauschgift”-Inquisition zum Opfer gefallen war. Bis mit der Entdeckung des körpereigenen Cannabinoid-System seit Mitte der 1990er Jahre klar wurde, warum Cannabis seit der Steinzeit überall auf der Welt als entkrampfende, entspannende Medizin genutzt wurde: ein eigens auf die Hanfwirkstoffe zugeschnittenes Netz von Cannabinoid-Rezeptoren ist im gesamten Körper und allen Organen verteilt. Und das nicht nur beim Menschen. Seit über 600 Millionen Jahren kommen körpereigene Cannabinoide außer bei Insekten in jedem lebenden höheren Tier über der Stufe von Polypen und Mollusken vor. Für das »Futtern und Füttern« spielt das Cannabinoidsystem eine zentrale Rolle, es hält die Körper im homöostatischen Gleichgewicht.  Seit diesen fundamentalen Entdeckungen eines endogenen  Cannabinoidsystems sind die jahrzehntelang ignorierten Hanfwirkstoffe mittlerweile stark in den Fokus der Pharmaforschung geraten. Denn die Chance, dass sich mit einigen der über 60 verschiedenen Cannabinoide, die von der Pflanze produziert werden, patentierbare Medikamente herstellen lassen, ist  groß; das Patent auf die Gesamtwirkung aber liegt bei Mutter Natur, die Pflanze wächst  in jedem Garten schneller als jedes Unkraut und liefert fast kostenlos ihre Medizin.

In Deutschland reagierte die Politik auf solche Entdeckungen, indem die rot-grüne Bundesregierung den Verkauf medizinischer Hanfsamen, die keinerlei rauschwirksame Substanz enthalten, 1998 unter Strafe stellte. Dass die Firma “HanfHaus” solche Samen dann als Vogelfutter “Hänfling” weiter anbot, brachte umgehend die Justiz in Furor und am Ende mir, als Geschäftsführer, 15 Monate auf Bewährung ein, nachdem die  Staatsanwaltschaft vorgerechnet hatte, wieviele Tonnen Marihuana mit dem nachgewiesenen Verkauf  von 50 Kilo Samen produziert werden könnten. In den USA beschloßen unterdessen weitere Bundesstaaten eine medizinische Legalisierung, während die von Bill Clinton vorangetriebene Privatisierung des Gefängniswesens, der “Prison Industrial Complex”, sich unter George W.Bush weiter mit Marihuana-Gefangenen füllte.  Seitdem haben zwar 22 US-Bundestsstaaten neben dem medizinischen auch “rekreationellen” Freizeitgebrauch legalisiert, doch noch immer betrifft die Mehrzahl aller Drogendelikte Marihuana, noch immer sind es in der Regel nur Konsumenten und Kleinhändler und noch immer  werden Farbige weit über proportional zum Opfer von Verhaftungen und Gefängnisstrafen.  
Auch in Deutschland benötigt der Repressionsapparat von Polizei und Justiz nach 50 Jahren “Krieg gegen Drogen” dringend eine neue Beschäftigungstherapie: über 60 % aller geahndeten “Delikte” betreffen nach wie vor Cannabis, Kiffer sind das Fahndungsziel Nr 1. Nicht nur aus diesem Grund ist es begrüßenswert, dass sich die kommende Ampel-Koalition zu einer Reform der Cannabisgesetze entschließt, selbst wenn der vom Gegner zum Befürworter mutierte SPD-Spezialexperte Karl Lauterbach seinen Wandel mit Horror-Fakenews aus der Mottenkiste des Drogekriegs begründet :

“Immer häufiger wird dem illegal verkauften Straßencannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lässt. Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben.”

Als unser selbstverwaltetes Jugendzentrum auf dem Limburger Domfelsen 1971 vom alten SPD-Stadtrat Jacobi mit der Begründung geschlossen wurde: “Die fixe da das pure Hasch und rauche LSD!” gingen wir fest davon aus, dass die nächste Generation Politiker es besser wissen und machen wird. Mit SPD-Gesundheitsministerin Käthe Strobel in den 80ern wurde es dann aber nicht besser (Moneyquote: “Alkohol wird getrunken um in Stimmung zu kommen, während es den Haschern auf den Rausch ankommt!”), in den 90ern faselte Edmund Stoiber davon, dass Legalisierungsbefürworter  “den Tod tausender junger Menschen in Kauf nehmen.” Und jetzt erfindet der aufs Ministeramt scharfe Lauterbach Heroinraucher, um effektvoll vor Verunreinigungen von Schwarzmarktware zu warnen, die ein grundsätzliches Problem des illegalen Drogenmarkts insgesamt darstellen – und ein starkes Argument für eine regulierte Abgabe aller illegalisierten Substanzen. Weil Cannabis ein Naturprodukt ist und in Form von Blüten oder als Harz nicht so leicht zu “strecken” ist  kommen Beimischungen hier deutlich seltener vor wie bei Heroin oder Kokain. Neben Pestiziden und anderen Schadstoffen sind aber auch schon Beimischungen mit Blei (zur Gewichtserhöhung) und in den letzten Jahren mit synthetischen Cannabinoid-Derivaten aufgetaucht, mit denen verantwortlungslose Dealer ihr schlechtes Gras “pimpen”. Halten wir dem von Corona immer noch schwer traumatisierten Dr. Lauterbach also zu Gute, dass er hier nur mal wieder was verwechselt hat, aber immerhin mit dem richtigen Ziel: die Gesundheit der Konsumenten zu schützen. Es könnte also etwas werden mit der Legalisierung von Hanf. Aber wie?

In der Schweiz starten verschiedene Kantone im kommenden Jahr Pilotprojekte, bei denen unter wissenschaftlicher Begleitung der Verkauf von Marihuana und Haschisch über Apotheken und Social Clubs leaglisiert wird. Wer zum Beispiel in Zürich lebt, älter als 18 Jahre ist und schon einmal Cannabis konsumiert hat, kann sich bei “ZüriCan” registrieren dann im nächsten Sommer dort einkaufen.  In Basel, Bern und  anderen Städten werden ähnliche Projekte aufgelegt, wobei die zum Verkauf kommenden Produkte alle aus Bio-Anbau in der Schweiz stammen müssen. Damit ist dem Import ein Riegel vorgeschoben, was für die heimischen Konsumenten aber keine Nachteile bedeutet. Schon 1917, als wegen des Weltkriegs die Versorgung der Apotheken mit harzreichem “Ganja” aus Britisch-Indien und anderen exotischen Destinationen  unterbrochen war, hatte man diese Sorten in Deutschland angebaut und “die Hanfdroge aus eigener Züchtung für noch besser gehalten als die Sansibar-Ware”, wie eine Studie der “Versuchstation für offiizinellen Pflanzenbau” in Happing (Oberbayern) damals feststellte. Ein Jahrhundert später sind Züchtungen und Varietäten in kaum noch ermeßlicher Sortenvielfalt vorhanden und bringen auch im mitteleuropäischen Klima beste “Hanfdrogen” hervor.

Als unlängst bei einer Podiumsdiskussion zum Thema nach einem Ausblick auf die Zukunft gefragt wurde verwies ich auf historische Vorbilder: so wie früher jede kleine Stadt ihre eigene Brauerei hatte und aus lokalen Rohstoffen Bier herstellte, so wie sich regionale Winzer zu einer Genossenschaft zusammentun, die ihre Produkte verarbeitet und vertreibt, so braucht es in jeder Region und jeder Stadt eine Hanfgenossenschaft, die den Rohstoff für den lokalen Konsum anbaut und verarbeitet. Wir sollten also in einer künftigen Cannabis-Wirtschaft nicht erst gigantische Großkonzerne entstehen lassen bevor  dann lokales “Craft”-Bier wiederentdeckt wird, sondern den gesetzlichen Rahmen gleich auf regionale Genossenschaften zuschneiden. Würden diese dann noch dazu verpflichtet, ihre Gewinne aus dem Geschäft mit Hanfdrogen in den Aufbau einer lokalen Nutzhanfindustrie zu investieren, die Fasern für Papier oder Textilien oder Dämmstoffe oder Öl oder Lebensmittel gewinnt, wäre das ein “Green New Deal” , der den Namen wirklich verdient. Falls sich der alte Genossenschafts-Fan Olaf Scholz an seine Wurzeln noch irgendwie erinnert wäre er genau der Richtige,  als Chef der Ampel grünes Licht für eine solche “Hanf-Agenda 2030”  geben.

Aber auch wenn das nicht gleich geschieht, bleibt genug zu tun – mit den Aufräumarbeiten nach 50 Jahren Drogenkrieg gegen eine Pflanze. Als erster Schritt ist neben der Einstellung sämtlicher Strafverfahren auch die (Un-)Rechtspraxis zu beenden, mit Hilfe des Fahrerlaubnis- und Verwaltungsrechts Hanfkonsumenten zu jagen – durch  einen realistischen Gefahrengrenzwert für die Verkehrsteilnahme, der in Deutschland derzeit bei absurd niedrigen 1 ng (Nanogramm) THC im Blutserum liegt. In der Schweiz geht man davon aus, dass selbst Fahrer von Bussen und Bahnen noch unter 3 ng/THC sicher steuern können, in den USA stellt man sogar mit einem Grenzwert bis zu 10 ng noch keine Gefahr für die Verkehrsicherheit dar.
Ebenfalls realistische und bundesweit geltende Grenzwerte braucht es sodann für den Besitz und Anbau der Pflanze zum privaten Gebrauch, was nicht nur Polizei und Justiz von der Fahndung nach Grünzeug  auf Fensterbänken entlastet, sondern auch schon einen Großteil der Fragen um die Organisation eines regulierten Anbaus und Verkaufs erledigt. Denn es braucht nicht mehr als Erde, Wasser und Sonne um in 100 Tagen aus einem Samen 100, 200 oder mit grünem Daumen sogar 500 Gramm Blüten zu gewinnen. Oder eine 7, 30  Meter große Faserpflanze, wie sie jetzt in Kalifornien für das “Guiness Buch der Rekorde” angemeldet wurde.

“Mancher Schad ist nicht zu heilen durch die Kräuter aller Welt: Hanf hat viel verzweifelt Böses gut gemacht und abgestellt”, heißt es in einem Vers, den die Brüder Grimm in ihr “Deutsches Wörterbuch” aufgenommen haben. Er stammt aus dem  17. Jahrhundert, als das Hanfkraut nicht nur selbstverständlicher Bestandteil jeder Hausapotheke war, sondern wie in den Jahrtausenden zuvor und bis zur Prohibtion Mitte des 20. Jahrhunderts weltweit auch unverzichtbare Rohstoffe lieferte. Die auch für das 21. Jahrhundert unverzichtbar sind, weshalb neben dem überfälligen Ende der Strafverfolgung und der Rehabilitierung der einzigartigen medizinischen Qualitäten des Hanfs sein Comeback im Zeichen des Klimawandels ein absolutes Muss ist.

Jack Herers These aus unserem Buch, das mittlerweile in der 43. Auflage vorliegt, ist heute aktueller denn je:

Wenn wir, um unseren Planeten zu retten und den Treibhauseffekt umzukehren, künftig auf alle fossilen Brennstoffe und petrochemischen Produkte ebenso verzichten wollen wie auf die Abholzung unserer Wälder zur Gewinnung von Papier und landwirtschaftlichen Nutzflächen, dann gibt es nur eine Pflanze, die als nachwachsender Rohstoff in der Lage ist, den größten Teil an Papier, Textilien und Nahrungsmitteln sowie des privaten und industriellen Energieverbrauchs zu liefern, und die zugleich die Umweltverschmutzung eindämmt, die Böden verbessert und unsere Luft reinigt: Es ist ein alter Gefährte, der dies schon immer für uns getan hat: Cannabis – Hanf -Marihuana!

Mit dem oben skizzierten Modell von Hanfgenossenschaften in jeder Region, deren Lizenz zum Anbau und Verkauf  daran gebunden wird,  die Gewinne aus dem Marihuana-Geschäft  in den Aufbau einer Hanfverarbeitung zur Gewinnung von Fasern, Dämmstoffen, Lebensmitteln etc.pp. zu re-investieren,  ist eine solche Revolution leicht finanzierbar und machbar. Es ist das Win-Win der Hanf Legalisierung: eine vernünftige, schadensmindernde Drogenpolitik fördert eine uralte zukunftsträchtige Agrar-Innovation, die an Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit  schlicht unüberbietbar ist. Wenn  “Klimapolitik” nicht nur eine wohlfeile Parole der kommenden Regierung bleiben soll, muss ihr ins Pflichtenheft geschrieben werden, dass es  mit einem Cannabis-Reförmchen zur Entkriminalisierung des Kiffens nicht getan ist. Es geht um nicht weniger als eine Agrarrevolution,  eine Rohstoffwende,  die Rückkehr des Biorohstoffs Nr. 1. In den USA stellt dank Marihuana die Hanfbranche mit 170.000 Jobs schon mehr Arbeitsplätze als der Kohlebergbau und das Comeback der Nutzpflanze hat gerade erst begonnen: Cannabis ist die (CO2-negative!) Kohle des 21. Jahrhunderts. Wer ein Herz für Bergbau-Kumpels hat, durch ihre Ernte aber nicht weiter die Luft verpesten will, muss sie jetzt zu Hanfbau-Kumpels machen. Es gibt viel zu tun, Olaf, pflanzen wir’s an!

Auch erschienen auf krass&konkret

This Has Gotta Stop!

Wenn die Testemie gestoppt wird, verschwindet die “Pandemie” – und mit ihr die kranke Zweiklassengesellschaft von Geimpften und Ungeimpften.

Wenn die Geimpften die Gesunden weiter anstecken können sowie die Ungeimpften die Genesenen und vice versa – was haben wir dann? Doch offenbar nichts, was den Namen “Impfstoff” verdient, der zumindest nach landläufiger Meinung etwas mit Immunisierung zu tun hat. Sodass man als Geimpfter außer in seltenen Ausnahmefällen nichts mehr zu befürchten hat von einer Infektion.

Als Kinder wurden wir in den 1960er Jahren gegen Pocken geimpft und gegen Polio. Die komplette Schulklasse musste mit aufgekrempeltem Arm antreten bzw. ein Stück Würfelzucker mit dem Polio-Impfstoff schlucken. Es waren Pflichtimpfungen mit effektiven Vakzinen, die dazu führten, dass Pockenepidemien und Kinderlähmung fortan der Vergangenheit angehörten. Insofern bin ich kein “Impfgegner” und aus eigener Erfahrung auch kein grundsätzlicher Feind von Impflichten – sofern sie gegen gefährliche Krankheiten wirklich schützen. Aber das scheint bei den derzeitigen Covid-Vakzinen nicht der Fall zu sein, selbst vor “schweren Verläufen” bleiben Geimpfte nicht verschont, auch dann nicht, wenn sie wie beim “Impfweltmeister” Israel schon den dritten “Booster” bekommen haben.

Das eingangs zitierte Infektionskarussell mit Geimpften, Gesunden und Genesenen spricht nicht für eine funktionierende Wirksamkeit, was dann bedeuten würde, dass die Impferei möglicherweise mehr Schaden anrichtet als verhindert. Mit solchen Fragen bewegen wir uns freilich schon gefährlich auf das Terrain des unerlaubten Querdenkens hinaus, Zweifel am erlösenden Sakrament aus der Spritze gelten in der Schönen Neuen Post-Corona-Welt als Gedankenverbrechen und werden von den schwarzen Reitern der Silicon-Valley-Stasi gnadenlos verfolgt. Hören wir deshalb einen wirklichen Fachmann, Dr. Karl Lauterbach, der Anfang der Woche zwitscherte:

“Die sehr hohe Zahl Infizierter trotz Impfung zeigt, dass die Rückkehr zur Normalität zur sofortigen Infektion und Erkrankung der Ungeimpften mit Covid führen würde. Daher werden wir erst normal leben können, wenn Ungeimpfte geimpft oder infiziert wurden.”

Lesen Sie dieses Schmankerl zwei Mal und lassen es langsam auf der Zunge zergehen: Die Impfung hilft nicht gegen Infektionen, wegen der “sehr hohen Zahl” infizierter Geimpfter gibt`s Normalität aber erst wieder, wenn alle geimpft sind. Willkommen in der neuen Normalität des Pandemium Perpetuum Mobile, dem immerwährenden Infektions-Karussell und der dauerhaften PCR-Testemie, die Krankheiten feststellen kann, die gar nicht ausbrechen – und dann auch Impfungen verordnen, die gar nicht wirken müssen. Weil sie dem Schutz vor einer “Infektion” dienen, die 99,8 % aller Infizierten sowieso überleben und mit der gesunde Immunsysteme prima klarkommen.

Aber auch vor Hinweisen auf das Immunsystem sollte man sich hüten – als ich die Grafik hier auf Facebook gepostet hatte, kam als erster Kommentar: “Populistisch, spalterischer Schwachsinn!” In den Augen dieser Verängstigten ist es nicht die Regierung, die ihre Untertanen in erstklassige Geimpfte und zweitklassige Ungeimpfte spaltet, sondern diejenigen, die auf die hochgradige Fragwürdigkeit (und Rechtswidrigkeit) dieses Unterscheidungskriteriums hinweisen.

Wer Impfungen mit diesen experimentellen Stoffen aus welchen Gründen auch immer ablehnt und zum Schutz gegen Covid 19 lieber auf sein Immunsystem vertraut – ein solcher “Ungläubiger” – aka “Aluhuträger”, “Verschwörungstheoretiker”, “Covidiot” – hat unter dem ideologischen Regime der “Zeugen Coronas” derzeit so wenig zu lachen wie eine Gleichstellungsbeauftragte bei den “Taliban”. Als der Kollege Dirk Pohlmann bei einem Vortrag neulich eine Cartoon-Parodie der schlauen Lisa Simpson zitierte – “The same people that took 20 years to replace the Taliban with the Taliban are now fighting a war with Covid” – wollten empörte Zuschauer sofort den Saal verlassen. Witze sind in der Kirche der Angst nicht zugelassen bzw. nur möglich, wenn sie schlecht und unfreiwillig sind, wie der oben zitierte von Lauterbach, gelten ansonsten aber als ketzerische Blasphemie.

Das begann schon mit der diffamierenden Klassifizierung von Kritikern der Pandemie-Maßnahmen als “Covid-Leugner” und setzt sich jetzt mit der Diskriminierung von Ungeimpften fort. Obwohl es eine “sehr hohe Zahl Infizierter trotz Impfung” gibt, sind Zweifel an der Effizienz des Sakraments verboten. Weshalb es in den täglichen Corona-Nachrichten auch kein Thema ist, dass die geleakten Geheimverträge, die die Staaten mit den Herstellern abgeschlossen haben, als Knebelverträge an Sittenwidrigkeit kaum zu überbieten sind und keinerlei Garantien über die Wirksamkeit enthalten, dafür einen 100-prozentigen Haftungsausschluss. Da könnte jemand auf den Gedanken kommen, der blanken Willkür von Big Pharma ausgeliefert zu sein … das wird dann in den Nachrichten besser mal weggelassen. Auf dass es auch an allen woken und öko-liberalen Familientischen heißen kann: “Gespritztes Obst kommt hier nicht auf den Tisch, aber die Kinder lassen wir impfen!”

Stell dir vor es ist Pandemie und keiner stirbt

Wie schon gesagt bin ich kein Impfgegner und habe auch nichts gegen Impfpflichten, wenn ein Notstand herrscht und ein erprobter Impfstoff vorliegt. Beides ist derzeit aber nicht der Fall. Während der gesamten Pandemie sind nicht mehr Menschen in Deutschland erkrankt und gestorben als in den Jahren zuvor, auch eine Überbelegung der Krankenhäuser und “Überlastung der Gesundheitssysteme” durch Covid gab es nicht, und ohne die PCR-Tests, die keine Krankheit oder Infektion, sondern nur einen Gen-Schnipsel entdecken können, wäre diese Pandemie überall auf der Welt als normale oder schwere Grippewelle in die Gesundheits- und Sterbestatistiken eingegangen.

Dass man auch gegen eine solche Grippe mit neuartigen Symptomen etwas tun muss, Vorerkrankte und Immunschwache davor schützen, Medikamente, Therapien und auch Impfungen entwickeln soll, ist keine Frage. Äußerst fraglich dagegen ist der “Krieg gegen Viren”, den die Regierungen sofort ausgerufen haben und mit Maskenzwang, Lockdowns und jetzt mit Testpflichten und Zwangsimpfungen (direkt oder durch die Hintertür) gnadenlos durchziehen.

Über den Irrsinn, gegen die 3,5 Milliarden alte Supermacht der Viren, den Weltmeister der Mutationen, mit der Spritze Krieg zu führen, hatte ich auf meinem Blog schon einiges angemerkt. Diese desinfektionistische Kriegsführung ist noch absurder als der “War On Terror”, der, wie wir in Afghanistan gerade erleben, natürlich nicht den “Terrorismus” besiegte (der sich mit Krieg nie beseitigen lässt), sondern nur eine neue Mutation der Taliban produziert hat.

Das alte Sprichwort der paschtunischen Stammeskrieger, die seit über 1000 Jahren jede große Imperialmacht vertrieben haben – “Ihr habt die Uhren, wir haben Zeit.” – gilt für die Stämme der Viren in umgekehrter Form. Ein Wettlauf mit diesen Verwandlungskünstlern wird immer so enden wie das Rennen zwischen Hase und Igel. Die Buchstaben von Alpha bis Omega reichen schon längst nicht mehr aus, um alle Mutationen von Sars-Cov-2 zu bezeichnen, wahrscheinlich müssen die neuen Varianten dann demnächst getauft werden, wie Hurrikans und Orkane – und an der Schwimmbadkasse wird es dann heißen: “Sie sind nur gegen ‘Adolf’ geimpft, ohne Update auf ‘Angela’ leider kein Zutritt.”

Als ich in meinem Nebenberuf als Diplom-Konspirologe zu Beginn der Pandemie auf die drohende Gefahr hinwies, dass unter der “Leadership” (EU-Kommissarin v.d.Leyen) eines Bill Gates das bewährte Microsoft-Geschäftsmodell regelmäßiger Updates auf das Gesundheitswesen übertragen wird, wurde das noch mit dem üblichen “er nun schon wieder” als Verschwörungstheorie abgetan. Mittlerweile zeichnet sich aber recht deutlich ab, dass es in der Realität auf nichts anderes als ein solches Impf-Abo hinausläuft.

Beim “Weltmeister” Israel wird mittlerweile schon der 4. “Booster” verabreicht, Baden-Würtemberg empfiehlt wg. “Delta” den dritten Schuss, und es ist absehbar: ohne Impf-Update läuft das Programm “Grundrechte”, das wg. Virenattacke leider heruntergefahren werden musste, demnächst gar nicht mehr.

Krieg gegen den Terror und Krieg gegen die Viren

Denn wie wir ebenfalls im “War on Terror” gelernt haben sollten: Die Notstands-, und Sicherheitsgesetze, die unter Panikgeläut der Alarmglocken im Ausnahmezustand erlassen werden, haben die gefährliche Tendenz zum Überdauern. Der nach 9/11 aus der Schublade gezogene Patriot Act zum Beispiel gilt bis heute. Dass mit diesen “Anti-Terror”-Gesetzen totalitäre Überwachungsmaßnahmen möglich gemacht werden, galt nach 9/11 als krude Verschwörungstheorie bösartiger “Anti-Amerikaner” – bis Edward Snowden kam und nachwies, dass die NSA sogar das Handy der Bundeskanzlerin abhört.

Dass die mit den “Anti-Virus”-Gesetzen einhergehenden Maßnahmen ebenso weitreichend wie von Dauer sein werden, diese Befürchtung ist nicht aus der Luft gegriffen. Genauso wenig wie das Misstrauen vieler Menschen in die experimentellen Impfstoffe und die paradoxe Lage, in der sie durch die massive Propaganda gebracht werden. Nämlich einerseits “auf die Wissenschaft” zu hören, andererseits aber alle Kriterien der Wissenschaft zur Erprobung und Sicherheit von Impfstoffen sofort zu vergessen. Also nur noch einem bestimmten, regierungsamtlich verkündeten “Wissen” zu folgen und alles andere zu ignorieren. Nun ist dieses Wissen in Sachen Covid nach 18 Monaten immer noch äußerst lückenhaft, die Herkunft des Virus (Labor oder Frischtiermarkt, Biowaffenforschung oder Zooogenese?) ist nach wie vor genauso ungeklärt, wie auch die Frage der tatsächlichen Effizienz von Masken- und Lockdown-Verordnungen und ob die aberwitzigen sozialen und seelischen Schäden, die sie anrichten, noch in irgendeinem einem angemessenen Verhältnis zu den angeblichen Gewinnen – der “Rettung vor schweren Verläufen” – stehen.

Wie es mit den Verläufen der Covid-Erkrankungen insgesamt lief, zeigt der Anteil von Covid-Erkrankten an der Gesamtmenge von Krankenhaustagen in Deutschland im Jahr 2020: es waren laut BMG 1,9%. Natürlich nur dank Masken, Lockdown und Ausgangssperren, sonst wären es auf der nach oben offenen Lauterbach-Skala sicher 91% geworden. Scherz beiseite: Haben die 1,9% vielleicht doch eher damit zu tun, dass die Immunsysteme von 98,1% der Bevölkerung mit Sars-Cov-2 so gut umgehen, dass sie gar nicht ernsthaft krank werden? Mit solchen Fragen bewegen wir uns wieder auf verschwörungstheoretisch vermintem Gelände – gefährliche Verharmlosung des Killervirus! – denn zum Teufel, diesem unsichtbaren Feind, darf es wie weiland unter der Heiligen Inquisition nur eine Meinung geben: Wer seine Anwesenheit bestreitet, ist selbst von ihm besessen.

“Mit uns oder mit den Terroristen” hatte George W.Bush nach 9/11 verkündet und dieser manichäische Dualismus von Gut und Böse feiert mit der 2020 verkündeten Pandemie fröhliche Urstände. Und weil mit einem “Killervirus”, von dem jede/r getroffen werden kann, noch viel mehr Angst gemacht werden kann als mit Terroristen, ist auch die Inbrunst viel größer, mit der dieses Schwarz/Weiß-Welt auf Biegen und Brechen verteidigt wird. Dazu werden dann notwendige und unverzichtbare Sachfragen in den Bereich unbezweifelbarer Glaubensfragen verschoben und “Ungläubige” (Ungeimpfte) als Schädlinge an der Gemeinschaft deklariert, ganz nach dem Muster fundamentalistischer Sekten oder totalitärer Systemen.

Als der bekannteste Podcaster der USA, Joe Rogan, Anfang September sagte, dass er sich von einem heftigen Anfall der Covid-Grippe innerhalb von drei Tagen völlig erholt hätte und dies auf das Medikament Ivermectin zurückführte, brach in den “Wachturm”-Medien des pandemistischen Mainstreams die Hölle los, weil er einen gefährlichen “Pferde-Entwurmer” empfehlen würde. Tatsächlich war ihm das milliardenfach bewährte anti-parasitische Mittel, für dessen Entwicklung es 2015 den Nobelpreis gab, von seinem Arzt verschrieben worden. Dass es (wie Penicilin et.al.) auch in der Veterinärmedizin eingesetzt wird, musste dann allerdings dazu herhalten, einen gefährlichen Ketzer zu diffamieren, der mit seinen Aussagen das heilige Dogma der “Zeugen Coronas” unterläuft: dass allein die Sakramente von Moderna & Pfizer den Teufel austreiben, das “Killervirus” besiegen und uns vom Übel der Pandemie erlösen werden. Ein preiswertes, nebenwirkungsfreies Anti-Parasiten-Mittel aber auf gar keinen Fall.

Wo Demokratie, Rechtsstaat, Religions- und Glaubensfreiheit herrschen, darf selbstverständlich niemand davon abgehalten werden, eine Impfung plus Gratis-Bratwurst in Empfang zu nehmen. Auf dringendes Anraten meines Arztes, für den ich wg. Raucherlunge und verengten Arterien ein Hochrisikopatient bin, hatte ich mir schon im Frühjahr Astra-Zeneca verpassen lassen – und dann das Glück, mindestens zwei Wochen den Blues besser spielen zu können als “Gitarrengott” Eric Clapton, der nach der Impfung schwere Lähmungserscheinungen beklagte und glaubte, nie wieder spielen zu können. Gottseidank ging es dann doch wieder, er hat einen tollen Song darüber gemacht: This Has Gotta Stop!

Doch weil er auch noch darüber redete und sagte, dass er bei Impfpflicht nicht auftreten wird, hagelte es Proteste. Als er mit seinem alten Kollegen Van Morrison dann auch noch einige Anti- Lockdown-Songs aufnahm, wurde er in den USA als Trump-Unterstützer gebasht. Weil Staat und (Wissenschafts-)Kirche in Corona-Zeiten nicht mehr säkular getrennt sind, ist es zu einem Politikum geworden, sich zu den ex cathedra als alternativlos verkündeten Wahrheiten zu äußern – wer ihnen widerspricht, wird umgehend einem Lager zugeschlagen, ein falsches Wort auf der Bühne oder in den Sozialen Medien reicht, um auf der “Achse des Bösen” mit “Leugnern”, “Verschwörungsideologen”, “Nazis” in einen Topf gerührt zu werden.

So wird dann auch dem alten anti-autoritären Schlachtross Van Morrison, der sich angesichts von Covid fragt, wo eigentlich der Widerstand geblieben ist (“Where have all the rebells gone?”) für eine Songzeile (“They control the narrative, they perpetuate the myth / Keep on telling you lies, tell you ignorance is bliss”) Antisemitismus unterstellt. Das ist zwar vollkommen lächerlich, aber so funktioniert mittlerweile die “Cancel Kultur”, mit der auch Musiker und Künstler umgehend ins Abseits gestellt werden, wenn sie dem offiziellen Narrativ widersprechen.

Nun darf jede/r Bill Gates’ Idee, 7 Milliarden Menschen zu impfen und 20% der Weltbevölkerung regelmäßig zu testen, für einen großartigen Plan halten und da die Faktor-Zertifikate von Moderna in den letzten 18 Monaten schon um 12.500 Prozent zugelegt haben, ist das fraglos ein noch besseres Geschäft als das Ersetzen der Taliban durch die Taliban mit 20 Jahren Krieg. Doch diesen Plan für gefährlichen Wahnsinn zu halten und den guten Oligarchen-Onkel Bill für einen geldgeilen Wolf im menschheitsrettenden Schafspelz – auch diese Meinung laut und deutlich über allen verfügbaren Kanälen zu verkünden, muss jedem Mitglied der Menschheitsfamilie zugestanden werden. Ebenso wie der Verzicht auf eine unerprobte Impfung, der Protest gegen diktatorische Maßnahmen wegen eines “Notstands von nationaler Tragweite” der keiner ist und gegen den Unsinn von PCR-Tests und “Inzidenzen” als Maßstab der Politik. Den hat nach 18 langen Monaten offenbar auch der leitende Coronamanager Jens Spahn mittlerweile eingesehen: “Wenn wir auch die Geimpften testen, hört die Pandemie nie auf.”

That’s it! This Has Gotta Stop! Und es hätte schon vor über einem Jahr aufgehört, denn diese Pandemie war und ist nichts anderes als eine Testemie. Wenn das Testen gestoppt wird, verschwindet sie sofort. Falls dies dann dazu führt, dass es mehr Covid-Patienten gibt und mehr als 1,9% aller Krankenhaustage und mehr als 3,4 % der Intensivbetten beanspruchen, können Tests dann wieder verordnet werden. Stattdessen aber sollen die Ungeimpften jetzt für diese Tests auch noch bezahlen und auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verzichten, um sie am eigenen Geldbeutel zu packen und zu einer Gratis-“Impfung” zu treiben, die aber, wie die führenden Pandemie-Päpste selbst bekunden, weder vor Infektionen noch vor Infektiösität wirklich schützt.

Wo über solche, vorsichtig ausgedrückt, Ungereimtheiten und Widersprüche nicht mehr offen diskutiert werden kann, fällt eine Gesellschaft hinter alle Errungenschaften und Werte der Aufklärung und Demokratie zurück. Wo unerprobte, nur vorläufig zugelassene Impfstoffe der Gesamtbevölkerung durch Einführung einer Zweiklassen-Gesellschaft aufgezwungen werden, herrscht kein Rechtsstaat mehr, sondern eine Gesundheitsdiktatur. Wo Skepsis und Kritik an diesem Regime nur noch bei “Feindsendern” zu Wort kommen und privat nur noch flüsternd gegenüber besten Freunden, sollte statt von “offener Gesellschaft” und Pressefreiheit eher von einem totalitären System und Gleichschaltung die Rede sein.

Eine starke Tendenz in diese Richtung scheint mir offensichtlich und sie geht, dank der permanenten Angstproduktion durch die Großmedien, schleichend und nahezu unwidersprochen voran. Solange das nicht aufhört, solange die Bevölkerung permanent hysterisiert und in einem mentalen Kriegszustand gehalten wird, solange kann es einen Runden Tisch und eine sachliche Debatte über diese “Pandemie” nicht geben. Und so lange werden auch extremistische Fundamentalisten auf beiden Seiten weiter aufeinander losgehen…..

Teil 2: Weiterlesen auf krass&konkret

Der gesamte Essay erscheint in der kommenden Ausgabe 168  des Zeitpunkt

3JT #69: WHISTLEBLOWJOB

Die Büchse der Pandora Papers ist geöffnet – aber kennen wir wirklich schon den ganzen üblen Inhalt?  Außerdem: Während Facebook und YouTube die Pressefreiheit zu Grabe tragen, herrscht in Berlin das nackte Wahl-Chaos. Das FBI hatte bei der Erstürmung des Capitols die Finger im Spiel. Und was gibt’s Neues von Julian Assange? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #69 des 3. Jahrtausends.