Jedes Urteil gegen Assange ist eines gegen die Pressefreiheit

(Mit UPDATES unten) Morgen wird in London das Urteil  im Auslieferungsprozess des Wikileaks-Gründers Julian Assange verkündet. Wie ich seit Jahren  in Dutzenden Beiträgen hier im Blog und in meinem kleinen  Buch dazu immer wieder deutlich gemacht habe, geht es in diesem  Auslieferungsverfahren und der  Anklage der Vereinigten Staaten, die Julian Assange lebenslänglich einsperren wollen, um weitaus mehr als um das persönliche Schicksal eines Journalisten – es geht um die Pressefreiheit insgesamt und damit um das Fundament demokratischer Gesellschaften weltweit. Wenn mit einer Verurteilung Assanges ein Präzedenzfall geschaffen wird, kann kein Journalist, kein Publizist oder Verleger, kein Medium oder Presseorgan und kein Blogger irgendwo auf der Welt etwas veröffentlichen, von dem die USA behaupten, es verstoße gegen ihre “nationale Sicherheit” – ohne am nächsten Tag von einem internationalen Haftbefehl samt Auslieferungsersuchen bedroht zu sein. Auch wenn er nichts anderes getan hat als das, was die Presse zu tun hat und wofür ihr in jeder demokratischen Verfassung ein besonderer Schutz zu kommt: als Wachhund die Macht der Regierenden, die vom eigentlichen Souverän nur geliehen ist, zu kontrollieren. Wozu als wichtigste Aufgabe zählt, Rechtsverstöße der Regierungen aufzudecken und dem souveränen Volk zur Kenntnis zu bringen. So wie es Julian Assange  in hervorragender Weise getan hat. Es hat ihm Dutzende von Journalisten,-und Menschenrechtspreise in aller Welt eingebracht  – und die Bedrohung, lebenslänglich in einem Gefängnis zu verschwinden, falls das US-Regime seiner habhaft wird. Weil dort von einem  rechtsstaatlichen Verfahren nicht ausgegangen werden kann – zum einen betreiben die USA ja nach wie vor illegale Foltrergefängnisse wie in Guantanamo, zum anderen wurden Assanges Gespräche mit Anwälten von den US-Geheimdiensten abgehört, wodurch ein fairer Strafprozeß unmöglich wird – allein aus diesen Gründen wäre eine Auslieferung aus rechtlichen Gründen eigentlich ausgeschloßen.

Aber dies ist ein politischer Fall mit dem ein Exempel statuiert werden soll, weshalb nicht damit zu rechnen ist, dass Julian Assange mit dem Urteil nun auf freien Fuß gesetzt wird. Er sitzt schon seit fast zwei Jahren in britischer Isolationshaft, obwohl er nur gegen eine Kautionsauflage verstoßen hat, für das er spätetestens nach 50 Wochen hätte freikommen müssen, denn er hat in Großbritannien keine Straftaten begangen. Gleich wie das Urteil das Magistrate Courts also ausfällt, wird mindestens eine der beiden Seiten Berufung beim Supreme Court einlegen.

Dies gilt auch für den Fall, dass das Gericht die 17 Anklagepunkte nach dem Spionagegesetz (und 170 Jahre Haft)  zurückweist, und nur  wegen des “Computerverbrechens” (5 Jahre Haft) – der Hilfe, die Assange Chelsea Manning beim “Hacken” geleistet haben soll – der Auslieferung zustimmt. Dass  auch dieser Anklagepunkt, den sowohl Chelsea Manning selbst sowie alle der im Prozess vernommenen Sachverständigen und Zeugen zurückgewiesen haben,  unhaltbar ist, könnte die Richterin nicht daran hindern, so ihren Kopf aus der politischen Schlinge zu ziehen – und es a) der Berufungsinstanz zu überlassen, eine endgültige Entscheidung zu treffen und b) bis dahin die Fortsetzung der Haft anzuordnen.

Dieser surreale und kafkaeske Prozess ist also mit dem Urteil vom Montag nicht beendet – und man kann nur hoffen, dass die Forderungen des UN-Sonderberichterstatters für Folter, Nils Melzer, endlich erfüllt werden und Julian Assange sich in einem Sanatorium von den Folgen der unmenschlichen Behandlung erholen und auf das anstehende Verfahren vor dem Supreme Court angemessen vorbereiten kann. Wenn die im Brexit-Chaos vernebelte britische Justiz noch einen Restbestand ihrer rechtsstaatlichen Kultur erhalten will, müsste sie spätestens am Dienstag so und nicht anders handeln. Jedes Urteil gegen Assange ist eines gegen die Pressefreiheit – und gegen die Demokratie: wenn das Aufdecken von Kriegsverbrechen bestraft wird, ist sie keine mehr!

UPDATE, Montag, 4.1.,  12:00:  Gericht lehnt Auslieferung ab! Richterin  Baraitser sagt wegen der hohen  Selbstmordgefahr sei es  ein “reales Risiko” wenn Assange unter besonderen administrativen Maßnahmen (SAMs) in einem US-Gefängnis inhaftiert wird, vor allem, weil die Geheimdienst-community ihm feindlich gesinnt ist. Eine Auslieferung wäre aufgrund der psychischen Gesundheit von Assange  erdrückend.

13:00:

 Bei der Verlesung des  Urteils bzw. des Twitter-Feed aus dem Gerichtssaal konnte es einem aber eigentlich nur Angst und Bange werden: das Gericht schloss sich nahezu vollständig den Behauptungen des US-Anklage an, ohne die von zahlreichen Sachverständigen und Zeugen vorgebrachten Gegenargumente zu berücksichtigen. Da Assanges Tätigkeit über die eines Journalisten hinausgegangen sei, weil er auch als „Hacker“ aktiv geworden ist, wäre gegen eine Verfolgung als Spion durch die USA nach Meinung von Richterin Baraitser nichts einzuwenden. Dies sei „kein politischer Fall“.  Und da das Recht auf freie Rede auch von US-Gerichten sicher beachtet würde, spräche nichts gegen einen Prozess in den USA. Auch dass die CIA Assange und seine Anwälte in der ecuadorianischen Botschaft abgehört haben – was im Übrigen vor einem spanischen Gericht noch nicht definitiv bewiesen und entschieden sei und deshalb hier nicht prozessrelevant– würde einem fairen Verfahren auf amerikanischen Boden nicht entgegenstehen.

Ich konnte es nicht fassen – schlechter und schlimmer hätte es kaum kommen können. Aber dann, nachdem sie  sämtliche grundlegenden Fragen der Pressefreiheit ignoriert und 95% der absurden Anklage bestätigt hatte, ging sie doch noch auf einen Punkt ein, den die Verteidigung mit zahlreichen Gutachten und Zeugen belegt hatte: dass der physische und mentale Zustand Julian Assanges und eine drohende Selbstmordgefahr ein zu hohes Risiko darstellen, wenn Assange unter besonderen administrativen Maßnahmen (SAMs) in einem US-Gefängnis inhaftiert wird, vor allem, „weil die Geheimdienst-Community“ ihm feindlich gesinnt ist.“ Deshalb lehnte das Gericht eine Auslieferung ab. Ihr “Prison-Industrial-Complex” fällt der Einkerkernation Nr.1 damit auf die Füsse. Führend bei der Privatisierung des Gefängniswesens und der “Anpassung” der Strafgesetze war seinerzeit unter Bill Clinton übrigens niemand anderer als der künftige Präsident Joe Biden. Mittlerweile hat er seinen Kampf für die “Crime Bill” in den 1990ern als “Fehler” bezeichnet – mit einem Fallenlassen der Anklage gegen Julian Assange könnte er zeigen, dass er das ernst meint.

18:00: Hier das schriftliche Urteil auf Scribd

Dientag 05.01.: Craig Murray war am Montag die einzige “Privatperson” im Hörsaal des Gerichts, da Julian Assanges Vater John Shipton ihn als “Familienmitglied” deklariert hatte. Er geht davon aus, dass Julian am Mittwoch aus dem Belmarsh-Gefängnis entlassen wird und bekundet die Hoffnung, dass die USA keine Berufung gegen das Urteil einlegen, da sämtliche Anklagepunkte akzeptiert wurden. Hier sein Bericht.

Mittwoch, 06.01.: Die psychologische Folter geht weiter! Richterin Vanessa Baraitser verweigert Entlassung gegen Kaution, weil die USA noch Berufung gegen die Nicht-Auslieferung einlegen könnten und weil Assange schon einmal gegen Kautionsauflagen verstossen habe. Er bleibt im Belmarsh-Prison isoliert und hat seit März 2020 seine Angehörigen nicht mehr gesehen.

Hier Craig Murrays Kommentar zur Verweigerung der Kaution: https://www.craigmurray.org.uk/archives/2021/01/both-tortuous-and-torturous/

 

 

3JT #56: Age of Aquarius

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu und jedem ist klar: So wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen. Während Regierungen weltweit Freiheitsrechte im Namen der Pandemie beschränken, wird der Protest immer lauter. Wo geht die Reise hin?
Was wir jetzt brauchen, ist so etwas wie eine göttliche Intervention. Da kommt das Wassermannzeitalter gerade recht – oder nicht?

Frohe Weihnachtsbotschaft: Keine Übersterblichkeit trotz Pandemie

Auf Facebook poste ich ab und zu Links zu Artikeln, die der allgemeinen Panikmache ein wenig zuwiderlaufen. Zuletzt war das die Grafik einer Statistik zur Sterblickeit in Deutschland, Italien, Schweden und Östereich,  die ich irgendwo entdeckt hat und die zeigte, dass in diesen Ländern im Jahr 2020 offenbar weniger Menschen gestorben sind als in den Jahren zuvor. Weil die  Zahlen für das laufende Jahr noch nicht komplett vorliegen war diese Aussage vorläufig und geschätzt (die “Faktenchecker” bei Facebook wiesen denn auch gleich darauf hin, dass die von countrymeters.org übernommenen Zahlen für 2020 geschätzt sind),  – aber der Trend, die Tendenz der Hochrechnung für 2020 schien mir doch ziemlich eindeutig. Selbst wenn in den letzten Jahreswochen noch eine hohe “Übersterblichkeit” hinzukommt, dürfte die Mortalität  im Durchschnitt der Vorjahre liegen und wenn überhaupt nur leicht darüber – endgültige Zahlen dazu gibts erst in etwa sechs Wochen. Das ist doch zweifellos eine positive Nachricht und  eine frohe Botschaft, die freilich in der fundamentalistischen Gemeinde der “Zeugen Coronas” als gefährlich und bösartig gilt, weshalb es auf die Überbringer solcher Nachrichten sofort schwere Beschimpfungen hagelt.

Derlei Reaktionen sind zu verstehen, denn die Kluft der kognitiven Dissonanz ist riesig: einerseits:  tödliches “Killervirus”,  Seuche von globalem Ausmaß,  “Millionen Tote” – und andererseits nicht mehr oder sogar weniger Verstorbene als in den Jahren zuvor ?   “Stell dir vor es ist Pandemie und keiner stirbt” – aus diesem “Double Bind” gibt es kein Entkommen, eines von beiden muss ausgeblendet werden. Wenn ein tödliches “Killervirus” unterwegs ist und eine Pandemie ausgerufen wird, müssten viele Leute daran sterben – wenn aber nicht mehr als sonst sterben,  kann das Virus nicht so schlimm sein, dass Pandemie-Maßnahmen gerechtfertigt sind. Entweder oder, eines von beiden MUSS falsch sein oder das ganze Weltbild ist zertrümmert. Und so kommt es dann, dass eine gute Nachricht  – 2020 wahrscheinlich nicht mehr Tote als üblich! – unbedingt als Fake News, Fälschung, Lüge und Blasphemie entlarvt und samt des Überbringers in den Abgrund der Hölle gewünscht wird. Mit dieser Haltung erinnern die “Zeugen Coronas” ein wenig an die Dämonologen der mittelalterlichen Inquisition: wer die Machenschaften des Teufels anzweifelt, ist selbst von ihm besessen.

Nun bin ich glücklicherweise Corona-negativ und die positiven Fälle in meinem Familien-und Bekanntenkreis sind alle harmlos verlaufen, aber den kritischen Verstand habe ich mir nicht abschalten lassen. Doch eben der ist bei dem Kult um Corona des Teufels, wie die Zahlen, die der drohenden diabolischen Corona-Apokalpyse zu widersprechen scheinen und darauf hindeuten, dass das neuartige Virus nicht zu einer höheren Sterblichkeit führt als die bekannten Grippeviren. Auch gegen diese gefährlichen Krankheitserreger werden ja Maßnahmen getroffen, Vorerkrankte oder Ängstliche lassen sich regelmäßig dagegen impfen, in Stoßzeiten (“Grippewellen”) schaffen überbelegte Krankenhäuser zusätzliche Kapazitäten oder müssen wegen Überfüllung Patienten abweisen, was dann gelegentlich auch in der Zeitung steht.

Bei Corona aber war alles anders. Es war die erste “Pandemie”, die ausgerufen wurde bevor es überhaupt eine nenneswerte Zahl von Kranken oder Gestorbenen gab – es gab nur positive Getestete, die als “Infizierte” oder “Fälle” verkündet wurden, obwohl sie gar nicht  krank waren und der PCR-Test auch gar keine aktive Infektion messen kann. Und es gab Rechtseinschränkungen in nie dagewesenem Ausmaß – Maskenpflicht, Kontaktverbote, Lockdowns, Ausgangssperren –  die mit der nie dagewesenen Gefährlichkeit dieses Virus begründet wurden. Der “Krieg gegen das Virus” wurde ausgerufen (er ist genauso irrsinng wie der “Kriege gegen den Terror”, aber dieser Irrsinn ist ein anderes Thema)   – seitdem gelten Nachrichten, die diese Gefährlichkeit relativieren als “Wehrkraftzersetzung” und ihre Überbringer werden als  unzumutbare “Corona-Leugner”  verbal an denselben Pranger gestellt wie  “Holocaust-Leugner” und andere Vollverrückte.

Und doch zeigen auch die aktuellen Zahlen von Euromomo – dem Monitor der Mortalität in Europa an denaus Deutschland  nur Berlin  und Hessen ihre Sterbefälle melden (warum eigentlich?) – keine Auffälligkeiten was die Sterberaten 2020 betrifft. Dass sich daran bis zum Jahresende viel ändern wird, ist nicht zu erwarten, auch wenn das “Barometer” aktuell in Sachsen und anderen Regionen noch einmal hochgegangen ist. Doch selbst wenn bis Ende 2020 in Deutschland  einige Menschen mehr gestorben sein sollten als 2019 (939.520) oder  als 2018 (954.874)  – im Panikjargon der Corona-Kultisten sind das im Schnitt  “täglich  5 Jumbojets ” –  muss  die Frage erlaubt sein, ob die massiven Rechts- und Freiheitseinschränkungen  berechtigt und die kostenträchtigen Lockdown-Verordnungen sinnvoll waren.  Freunde des alliterativen Fremdwortgebrauchs sollten da mit “Präventions-Paradox” nur angewackelt kommen, wenn sie zuvor die Ausschläge im August erklären, als aufgrund einer normalen Hitzewelle sehr viele meist ältere Menschen starben. So wie aufgrund der normalen Grippewellen, die für die anderen größeren Zacken in den obigen Kurven (oder auch hier) verantwortlich sind. Würde man die als Corona-Tote registrierten Sterbefälle aus dieser Statistik abziehen, wäre 2020 “ein Wunderjahr mit fast durchgehender Untersterblichkeit”.

Auch eine aktuelle Datenanalyse der Uni München stellt fest, dass keine signifikante Übersterblichkeit bezogen auf die Gesamtbevölkerung existiert und sich nur bei Hochbetagten eine “problematische Entwicklung der Fallzahlen” zeige, da hier die bisherigen Schutzmaßnahmen versagt hätten – was man  eigentlich schon länger weiß,  da die allermeisten Schwererkrankten und Todesfälle im März/April aus Alters,-und Pflegeheimen stammten. Dass deren Schutz nicht mit allgemeinen Lockdowns, Schulschließungen, Homeoffice, Ausgangsverboten, Massentests und Quarantäne von  Hundertausenden zu erreichen ist, wird jetzt zwar sehr deutlich –  jede Infragestellung der Maßnahmen aber ist bei den “Zeugen Coronas” so strikt verboten wie für die Heilige Inquisition Zweifel an der jungfräulichen Geburt Jesu.

Die darf in den nächsten Tagen zwar gefeiert werden, vom Absingen fröhlicher Weihnachtsliedern indes raten fromme Coronisten dringend ab und behaupten sogar:   selbst Jesus würde seine Oma jetzt an Weihnachten nicht besuchen. Holy shit! Als halbwegs bibelfester Ex-Ministrant erinnere ich mich doch, dass er sogar Aussätzigen, deren “social distancing” damals mit Steinwürfen geregelt wurde, die Hand aufgelegt haben soll. Insofern würde er seine Oma auch jetzt natürlich persönlich in den Arm nehmen und –  falls diese schon ein wenig klapprig und vorerkrankt sein sollte –  zuvor einen Test absolvieren, auf dass sie keinerlei Angst vor einem herzlichen Küßchen haben muss.  So wie man das seit Februar in jedem Alters,-und Pflegeheim hätte regeln können, als klar wurde, dass Sars-Cov-2 für Hochbetagte lebensgefährlich werden kann, für die Gesamtbevölkerung aber nicht.

Und wo wir gerade beim 2020ten Geburtstag von Jesus sind, der “unsolidarisch” die Hygieneregeln mißachtet und “Menschenleben gefährdet” hat : der Aussätzige war nach dem Kontakt mit ihm bekanntlich geheilt. Mit derlei wundersamen Alternativ-Heilungen darf man den streng wissenschaftlich aufgeklärten “Zeugen Coronas” natürlich nicht kommen – für Erlösung, so tönt es von allen Kanzeln in der Kirche der Angst, kann jetzt allein die Spritze sorgen. Wer dem Sakrament der Impfung skeptisch gegenüber steht oder das rettende Manna von Moderna oder BioNTech  gar verweigert, weil es ihn an ungeprüftes Schlangenöl erinnert, muss künftig mit Sanktionen rechnen.

Impfverweigerer, fordert ein Hardcore-Coronist, den es  ausgerechnet in den Deutschen Ethikrat verschlagen hat, müssen  im Krankheitsfall auf Beamtungsgeräte verzichten! Ein Fuzzi vom Insititut der Wirtschaft schließt sich mit dem Vorschlag an, ihnen im Covid-Fall am besten gleich die ganze Krankenversicherung zu entziehen. Wer schützt uns eigentlich vor solchen Gesundheitsfaschisten? Wer nimmt ihnen ihre Angst, wo sie doch als Geimpfte immun sind und von Ungeimpften gar nichts zu befürchten haben ? Helfen vielleicht Nachrichten aus den Slums in Indien, wo schon im Sommer fast 60% immun gegen Corona waren, ohne Impfung, ohne Masken, ohne irgendein  “social distancing” –  und ohne erhöhte Sterberaten.  Auch wieder so eine gute Nachricht, mit der man sich als “Verharmloser” schwer in die Nesseln setzt. Dabei ist es doch wahrlich eine frohe Botschaft, dass das menschliche Immunsystem mit diesem Virus klar kommt – wie mit nahezu allen anderen Viren auch. Also kann die Parole doch nur lauten: keine Panik.

Was nicht heißt, Corona zu leugnen oder zu ignorieren, sondern nur: angemessen zu reagieren. Nicht in desinfektionistische Kriegshaltung und Glauben an eine Wunderwaffe zu verfallen, mit der der “Feind” ein für allemal besiegt und ausgerottet werden kann – was beim “Krieg gegen Viren” noch viel unmöglicher ist als beim “Krieg gegen Terror” oder “Krieg gegen Drogen”  – sondern den Schaden, den er unvermeidlich anrichtet, auf ein Minimum zu reduzieren. Und dabei keinen weiteren oder gar noch schlimmeren Schaden anzurichten. “Primum non nocere” forderte schon Hippokrates – die Therapie darf nicht schädlicher sein als die Krankheit.  Gemessen an diesem Grundsatz und im  Blick auf die durchaus normalen Sterbezahlen 2020  kann der  Therapie durch die drakonischen  “Corona-Maßnahmen” nun wahrlich kein gutes Zeugnis ausgestellt werden: der Schaden, dessen sehr dickes Ende ja noch kommt, ist gigantisch – aber der Therapieerfolg gerechnet auf die Gesamtbevölkerung  geht gegen Null. Es sei denn, man nimmt den Schwurbel der Exponential-Propaganda,  mit der zum Jahresbeginn die Gefährlichkeit des “Killervirus” und drohende 500.000 Tote allein in Deutschland beschworen wurden, immer noch ernst. Dann – und nur dann – könnte für 2021  ein “Weiter so!” des ganzen Maßnahmen-Regimes gefordert werden. Ansonsten aber gilt es, mit der Corona-Grippe und  Sars-Cov-2  einfach so zu leben, wie mit seinen altbekannten Artgenossen auch. In diesem Sinnen wünsche ich allen frohe Weihnachten und Frieden auf Erden – unter den Menschen und in der Virosphäre.

Vom Ende des Kaputtalismus

Mit dem Kollegen Robert Fleischer habe ich über  mein Buch “Klimalügner” gesprochen und warum der “Great Reset” etwas anders aussehen muss, als die Eliten sich ihn vorstellen. Denn wie heißt es so schön:  Wer den Sumpf austrocknen will, darf nicht die Frösche fragen. Wenn aber der Planet gerettet werden soll, müssen auch sie unbedingt gehört werden… so wie auch alle Pflanzen, Pilze, Bakterien und Viren. Denn Klima-Management ist Mannschaftssport – seit 3,5 Milliarden Jahren…

Schöne Neue Post-Corona-Welt

” Es wird, in der nächsten Generation oder so, eine pharmakologische Methode geben, um die Menschen dazu zu bringen, ihre Knechtschaft zu lieben und eine Diktatur ohne Tränen zu errichten, sozusagen eine Art schmerzloses Konzentrationslager für ganze Gesellschaften, so dass den Menschen zwar  tatsächlich ihre Freiheiten genommen werden,  aber sie werden es genießen, weil sie durch Propaganda oder Gehirnwäsche oder mit durch pharmakologische Methoden verstärkter Gehirnwäsche von jedem Wunsch nach Rebellion abgelenkt werden. Und dies scheint die letzte Revolution zu sein”.

Dies sagte Aldous Huxley Anfang der 1960er Jahre in einem Rückblick auf seinen  Roman “Schöne neue Welt”, der 1932 erschienen war. Dessen dystopisches Szenario  war in einer sehr fernen Zukunft, im Jahr 2540,  angesiedelt, die der Autor 30 Jahre nach Erscheinen des Buchs aber schon als erschreckend nahe gerückt empfand.  Und heute, im ersten Jahr einer globalen “Pandemie”, scheint das Jahr 2540 fast schon zum Greifen nah. 

Zwar gibt es noch keine “Soma”-Ausgabestellen, die das stimmungsaufhellende Beruhigungsmedikament an die Massen verteilen, aber vorstellbar wird das schon, wenn man sich anschaut, wie derzeit an einer anderen pharmakologischen Lösung – der Impfung – gearbeitet wird. Die Euphorie und die Hoffnungen, die bei den Massen auf diese nahezu unbekannten Medikamente geschürt werden, die Inbrunst, mit der die Impfung als  Königsweg und Endlösung der Pandemie herbei gebetet wird, die schizoide Propaganda, einerseits auf “die Wissenschaft” und die Regierung zu hören, gleichzeitig aber alle wissenschaftlichen Kriterien der Zulassung eines Impfstoffs  sofort zu vergessen – auch wenn der Stoff nicht psychoaktiv wie Huxleys  “Soma” ist driftet das Ganze doch stark in Richtung Schöne Neue Welt. Dass dort alle Krankheiten durch pränatale Impfungen ausgemerzt sind,  muss heute den Massen, die  vor Angst maskiert an den Fernsehern sitzen und auf die erlösende Spritze warten, geradezu paradiesisch vorkommen.  Was das Motto betrifft, mit denen unwilligen Kritikern und zögernden Skeptikern das Soma nahe gebracht wurde – “Ein Gramm versuchen ist besser als fluchen” – wird derzeit zwar noch mit etwas brachialeren Methoden (Polizei, Verfassungsschutz, Gerichte etc.) gearbeitet, aber die ersten Politiker, die fordern, Kritiker der Pandemiepolitik mit einer “psychiatrischen Behandlung” zum Schweigen zu bringen, sind durchaus schon da. Und wenn dann noch ein soma-ähnlicher Impfstoff käme, mit der Wirkung  “alle Vorzüge des Christentums und des Alkohols ohne deren Nachteile” zu verbinden, könnten die “Covidioten”  – also alle “Verrückten”, “Nazis”, “Esoteriker”, “Antisemiten”, und sonstige Abweichler –  mit einem Pieks geheilt werden. Oder zumindest ruhig gestellt…

Auch wenn ich mich in den letzten vier Jahrzehnten höchstens drei Mal habe impfen lassen, bin ich kein Impfgegner und es wäre wunderbar, wenn der globale Pandemie-Zirkus mit einer effektiven und nebenwirkungsarmen Covid-Immunisierung schnellstens beendet werden könnte. Ich befürchte aber, dass das nicht funktioniert. Im Sommer fragte ich einen erfahrenen Virologen, wie lange die Entwicklung eines Impfstoffs dauert und er meinte “5 bis 10 Jahre, wenn es ganz schnell geht 3 bis 5 Jahre” – und jetzt hat nach 10 Monaten weltweit bereits das große Wettimpfen bereits begonnen und es wundert es nicht, wenn manche da “vom größten Menschenexperiment aller Zeiten” sprechen.

Selbst wenn dieses sehr gewagte Experiment am Ende gut ausgeht, ist es weniger ein Ende, sondern ein Anfang, denn das nächste Virus kommt bestimmt…und damit die nächste “Pandemie”, die mittels PCR-“Früherkennung” schon ausgerufen werden kann, wenn noch gar niemand erkrankt ist.  Und der Kampf gegen den Feind kann schon aufgenommen werden, bevor er irgendwelchen Schaden angerichtet hat. Bis jemand auf irgendwann daraufkommt, dass  das die Idee “Krieg gegen Viren”  völlig irrsinnig ist (ähnlich wie der “Krieg gegen den Terror”), weil er niemals enden kann, denn das “Kriegsziel” – die totale Desinfektion –  würde  einen sterilen, toten Planeten hinterlassen.

Viren sind für das Leben auf der Erde essentiell und ohne ihr Wirken als freischwebende Informationseinheiten wären Säugetiere wie die Menschen gar nicht entstanden. Virale Informationen, die in die DNA der Lebewesen aufgenommen wurden, waren ein entscheidender Motor der Evolution. Auch wenn einige wenige von ihnen für den Menschen pathologisch oder sogar lebensgefährlich sein können und es hilfreich ist, Medikamente und Impfungen dagegen zu entwickeln, so unsinnig ist ein “Krieg gegen Viren”, in dem jeder Mensch potentieller “Gefährder” wird, weil auf jedem Quadratzentimeter seiner Haut Millionen von Viren leben.

 In einem sehr lesenswerten Essay darüber, warum ein Krieg gegen Viren ausgeschlossen ist, der in der aktuellen Ausgabe des Magazins  “Zeitpunkt” erschienen ist, schreibt die Anthropologin Charlotte Brives:

«Virus» ist weniger ein Begriff für ein klar definiertes Objekt, sondern vielmehr eine Art «Wesen in der Welt ». Die moderne Wissenschaft hat sie nur auf der Grundlage einiger weniger Verhaltensweisen und Merkmale zusammen klassifiziert. Um es einfach auszudrücken: Eine detaillierte Untersuchung des Ebola-Virus, von HIV und SARS-Cov-2 zeigt, dass sie etwa so viel gemeinsam haben wie ein Schuppentier, eine Sonnenblume und ein Bakterium; dies sind alles Lebewesen, aber es käme niemandem in den Sinn, ihre Interaktion mit dem Menschen überhaupt als ähnlich zu betrachten” (…)

Wenn die Idee der politischen Ökologie einen Sinn hat, dann geht es darum, die Vielfalt anderer Lebewesen zu nutzen, um andere Vorstellungen von Le-bensumgebungen zu entwickeln, die lange Zeit vom gegenwärtigen Wirtschaftssystem verwüstet wurden. Dies erfordert den Einsatz aller notwendigen Mittel, um gegen die schädlichen Auswirkungen der Industrie und der verrückten Finanzlogik vorzugehen und ein leistungsfähiges öffentliches Gesundheitswesen wiederherzustellen. Unsere Zukunft, die wir notwendigerweise mit anderen (menschlichen und nichtmenschlichen) Wesen teilen, hängt davon ab. Denn das nächste Virus wird ein anderes sein. Und auch unsere Reaktion auf sein Auftauchen muss anders sein.”

Die Haltung, die Kriegsmetaphern und die gesamte aktuelle Pandemiepolitk der Regierungen läßt aber kaum auf solch eine veränderte Reaktion hoffen, sondern eher auf eine Welt, wie sie Huxley ausgemalt hat – und wie sie in dem von Klaus Schwab vom “World Economic Forum” initiierten Vorschlag für ein “Great Reset” schon transhumanistisch aus jeder zweiten Zeile schimmert.  Die Chance, die die Corona-Seuche jetzt bietet, werden sich die Herren unserer neo-feudalen Welt nicht entgehen lassen. Was sie einführen an Überwachungs,-Kontroll, und Disziplinierungsmaßnahmen, wird zwar nie wieder verschwinden – aber alles wird gut: “Welcome To 2030: I Own Nothing, Have No Privacy And Life Has Never Been Better”

Auch als Podcast auf KenFM

Europäische Grundrechte für alle – außer für Julian Assange.

Am vergangenen Donnerstag haben das Free Assange Committee Germany und freeAssange.eu dem deutschen Bundestag eine Petition zum Schutz der Grund-und Menschenrechte von Julian Assange übergeben. Die Petition fordert den Bundestag auf, alle zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, um das Unrecht gegen Julian Assange zu beenden und seine Menschenrechte zu schützen. “Das Mindeste, das für Julian Assange passieren muss, ist die Verlegung in ein ziviles Krankenhaus“, heißt es in der Petition fest. Obwohl er seine Strafe wegen Kautionsverstoß seit September abgesessen hat, wird Julian Assange nach wie vor im Belmarsh Prison in London in Isolationshaft gehalten. Ohne ausreichenden Kontakt zu seinen Verteidigern und ohne die Möglichkeit, sich angemessen auf das Verfahren vorzubereiten, in dem es um seine Auslieferung an die USA geht, wo er laut Anklage für 175 Jahre im Gefängnis verschwinden soll. Dass sowohl diese Anklage – die seit Juli 2019 drei Mal geändert wurde – wie auch der Umgang der britischen Justiz mit dem Wikileaks-Gründer rechtlich höchst fragwürdig ist, dass dies von namhaften Juristen festgestellt wurde und der Folterbeauftragte der Vereinten Nationen, Nils Melzer, nach einem Besuch Assanges festgestellt hat, dass es sich bei der Behandlung Assanges um massive psychische Folter handelt – all dies ist seitens der deutschen Regierung und des Bundestags bisher hartnäckig ignoriert worden. Als einige Abgeordnete der Partei „Die Linke“ letztes Jahr dazu ein Experten-Hearing im Bundestag veranstalteten, lies sich aus den anderen Fraktionen kein Mensch blicken – und der UN-Beauftragte Melzer, der um einen Termin im Außenministerium gebeten hatte, wurde mit dem Hinweis abgefertigt, dass man keinerlei Grund sehe, das britische Rechtssystem in Zweifel zu ziehen.

Und, dürfen wir hinzufügen, das us-amerikanische natürlich auch nicht – und dass unser kleiner Heiko, der tief im Auspuff von Onkel Sam seine Anzüge aufträgt, dem pompösen Pompeo irgendein Widerwort zu geben wagt, oder gar auf die Idee kommt, dem wichtigsten investigativen Journalisten unserer Tage Asyl zu gewähren und ihn zum Whistleblower-Beauftragten der Bundesregierung zu machen – weil Transparenz für jede Demokratie einfach unverzichtbar ist…. okay, das wäre dann vielleicht ein bißchen viel verlangt für einen Außenminister vom Kleinkaliber Maas. Und von einer Regierung, deren Chefin es nur ein Schulterzucken wert ist, wenn ihr Handy vom US-Geheimdienst abgehört wird.

Auf Ebene der Europäischen Union siehts es aber nicht besser aus: im aktuellen EU-Bericht zur Lage der Grundrechte wird wortreich die Bedrohung von Journalisten und die Notwendigkeit eines Schutzes für Whistleblower betont – dass aber der wichtigste Journalist und Whistleblower überhaupt in einem europäischen Hochsicherheitstrakt schmachtet, weil er Kriegsverbrechen aufgedeckt hat, wird vollkommen beschwiegen, der Name Julian Assange wird kein einziges Mal erwähnt. Dafür haben die Konservativen, Sozialdemokraten und Liberalen im Europäischen Parlament gesorgt – ein Antrag der linken Konföderierten Fraktion des Europaparalaments, in den Bericht zumindest den Hinweis aufzunehmen, „dass die Inhaftierung und strafrechtliche Verfolgung von Julian Assange einen gefährlichen Präzedenzfall für Journalisten darstellt, wie von der Parlamentarischen Versammlung des Europarates bestätigt “, wurde mit 481: 191 Stimmen abgelehnt.

Auch die großen Medien, die mit Julian Assange zusammengearbeitet und mit den Wikileaks-Enthüllungen weltweit Schlagzeilen produzierten – heute vor zehn Jahren erschienen ihre Aufmacher zu „Cablegate“, den von Wikileaks publizierten Diplomatendepeschen, die tiefe Einblicke in die Usancen der US-Außenpolitik gewährten – haben für den Kollegen, der aufgrund von fingierten Ermittlungsverfahren in die ecuadorianische Botschaft fliehen musste, dort acht Jahre isoliert war und nun in einem britischen Hochsicherheitstrakt für Schwerverbrecher gehalten wird, bis dato kaum einen Finger gerührt. Und auch von der für politische Gefangene weltweit zuständigen Instititution „Amnesty International“ kommt bisher nur Lauwarmes – zwar wurde im Februar der US-Justizminister aufgefordert, die „Anklage gegen Assange fallen zu lassen“, die aktuellen unterträglichen Haftbedingungen aber werden mit keinem Wort erwähnt. In einem offenen Brief an „Amnesty International Deutschland“ fordern Unterstützer von Assange deshalb jetzt Antworten auf die Frage, eine „eine öffentlich hoch angesehene Institution für Menschenrechte wie AID sowohl das Rechtsgutachten des UNO-Menschenrechtsrates wie auch die Untersuchungsergebnisse des UN-Sonderberichterstatters über Folter“ nach wie vor ignoriert.

Diese Ignoranz gerade derjenigen, die in Reden und Leitartikeln ständig „Pressefreiheit“ und „Demokratie“ betonen – also Politiker, Parlamente, Großmedien und Institutionen wie „Amnesty“ – ist unerträglich. Denn es geht hier längst nicht mehr um das Einzelschicksal eines Menschen, sondern darum, wie es der UN-Beauftragte Nils Melzer ausgedrückt hat, „einen Präzedenzfall zu verhindern, der das Schicksal der westlichen Demokratien besiegeln würde. Denn wenn es erst einmal zu einem Verbrechen geworden ist, die Wahrheit zu sagen, während die Mächtigen straffrei ausgehen, wird es zu spät sein, den Kurs zu korrigieren. Unsere Stimme wird dann vor Zensur und unser Schicksal vor uneingeschränkter Tyrannei kapituliert haben“.

Edward Snowden hat das prägnant auf den Punkt gebracht: „Wenn das Aufdecken von Verbrechen wie ein Verbrechen behandelt wird, werden wir von Verbrechern regiert.“ Dass die oben genannten Instanzen und Institutionen zu dem schreienden Unrecht schweigen, das Julian Assange angetan wird, macht deutlich, dass sie schon mit mehr als einem Bein nicht auf Seiten des Rechtsstaats und der Demokratie stehen, sondern auf der Seite der Verbrecher.

 

Mathias Bröckers: Don’t Kill The Messenger – Freiheit für Julian Assange, Westendverlag 2019, 123 S. 8,50 Euro

“Aus Parasiten müssen Symbionten werden!”

Für die Nachdenkseiten hat Marcus Klöckner mit mir über das neue Buch gesprochen.

Herr Bröckers, in Ihrem aktuellen Buch setzen Sie sich zwischen zwei Stühle. Sie kritisieren sowohl diejenigen, die in Sachen CO2-Ausstoß die Apokalypse an die Wand malen, als auch diejenigen, die den Klimawandel leugnen. Warum? Was machen die beiden Lager falsch?

Weder ist der anthropogene CO₂-Ausstoß harmlos, noch ist er der einzige Faktor, der bekämpft werden muss, um den Planeten zu retten. Das fröhliche „Weiter so!“ mit fossiler Energie, das die Skeptiker und Leugner vertreten, ist genauso falsch wie der panische Blick auf die „Parts per Million“ (ppm) Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre und die Horrorszenarien, die bei einem weiteren Anstieg drohen.

Richtig und entscheidend ist vielmehr: Auf diesem Planeten findet ein großes Sterben statt – der Meere, der Böden, der Wälder, der Feuchtgebiete, der Tier- und Pflanzenarten – und es ist unstrittig, dass Menschen für die weltweite Zerstörung von Ökosystemen verantwortlich sind. Wer glaubt, dass dieses Problem mit einer Reduktion anthropogener Treibhausgase gelöst werden kann, macht sich etwas vor. Denn fiebersenkende Maßnahmen bei einem Patienten machen kaum Sinn, wenn gleichzeitig Herz, Nieren und Lungen weiter zerstört werden.

Sie sprechen in Ihrem Buch davon, dass der menschengemachte CO2-Zuwachs ein „Nebenkriegsschauplatz“ ist. Warum das?

Panikmacher, Apokalyptiker und Fatalisten lügen sich in Sachen CO₂ genauso in die Tasche wie die Skeptiker und Leugner einer menschengemachten Erderwärmung. Wir haben also „Klimalügner“ auf beiden Seiten. Denn auch wenn die Erderwärmung nicht CO₂-bedingt sein sollte, müssen wir dringend etwas tun – und wenn menschengemachtes CO₂ die Ursache ist, dann erst recht. Nur was wir nicht mehr tun sollten, ist, diese nutzlose Debatte weiterzuführen. Stattdessen müssen wir an den Lösungen arbeiten.

Und die können nicht darin bestehen, das Problem zu monetarisieren, aus dem Handel mit Verschmutzungsrechten ein Finanzprodukt zu machen und das Heil in CO₂-Steuern zu suchen, denn das kann allenfalls die Symptome kurieren, nicht aber die Krankheit heilen. Was nottut ist ein grundlegender Systemwechsel und der kann nicht mit denselben Methoden erreicht werden, die die Zerstörung angerichtet haben, also mit Wall Street, Finanzprodukten, Zertifikaten etc. Ein solcher „Green New Deal“ kann nur nach hinten losgehen, an einem grundlegenden Systemwechsel haben diese Akteure nämlich keinerlei Interesse, denn der geht an ihr Eingemachtes, was ich mit dem Untertitel dieses Buchs ausdrücken wollte: „Vom Ende des Kaputtalismus und der Zuvielisation“.

Erinnern wir uns: Es gab eine Zeit, da wurde von „Treibhauseffekt“ und „Erderwärmung“ gesprochen. Irgendwann ist dann der Begriff „Klimawandel“ aufgetaucht. Aber dieser neue Begriff ist nicht einfach so entstanden und hat nicht einfach so seinen Weg in die Medien gefunden.

Nein, es war der Strategieberater und Spin-Doktor der republikanischen Partei Frank Luntz, der damals die Regierung von George W. Bush darauf aufmerksam machte, dass die Erkenntnisse und Messungen der Klimaforschung fast alle darauf hinauslaufen, die Nutzung fossiler Brennstoffe für den Treibhauseffekt verantwortlich zu machen. Und dass, wenn man dagegen vorgehen will, zwei Dinge entscheidend wären: erstens Zweifel an den wissenschaftlichen Daten zu säen und zweitens, statt von „Treibhauseffekt“ und „Erderwärmung“ zu reden, den Begriff „Klimawandel“ zu verwenden. Den hat es schließlich schon immer gegeben.

In einem später geleakten Memo hatte Luntz seine Klienten 2003 angefeuert: „Fahrt damit fort, das Fehlen wissenschaftlicher Sicherheit zum Kernaspekt in der Debatte zu machen, betont die Wichtigkeit, erst dann zu handeln, wenn alle Fakten bekannt sind … Das wichtigste Prinzip ist euer Bekenntnis zu solider Wissenschaft.“

In Sachen Klima-Diskussion sind also auch Spin-Doktoren unterwegs und eine Beeinflussung der Öffentlichkeit findet statt?

Auf jeden Fall. Es war ja nicht allein das geschickte Wording, statt von Treibhaus und Erwärmung nun allgemein von Wandel zu sprechen, das zu der politisch und emotional erhitzten Klimadiskussion führte, die wir heute erleben. Es waren sehr viele Milliarden Dollar, die aus der Ölindustrie in Think Tanks und Öffentlichkeitsarbeit flossen, um die wissenschaftlichen Zweifel an einer menschengemachten Erderwärmung publik zu machen. Und ähnlich wie es einst der Tabakindustrie über Jahrzehnte gelang, mithilfe gekaufter Ärzte und Wissenschaftler Zweifel an den Sucht- und Krebsgefahren ihrer Produkte zu säen und damit Werbeverbote und Verkaufsbeschränkungen zu verhindern, so gelingt es dieser Kampagne seit nunmehr zwei Jahrzehnten, einschneidende Maßnahmen gegen fossile Rohstoffe abzuwehren.

Nachdem er und sein Haus 2017 nur knapp von den verheerenden kalifornischen Waldbränden verschont geblieben sind, ist Spin-Doktor Frank Luntz mittlerweile vom Saulus zum Paulus und Mitglied der Initiative „Conservatives for Climate Action“ geworden. In dieser Eigenschaft hat er dem US-Senat jetzt neue Begriffe und Worte vorgeschlagen und er sagt, dass man “Klimaschutzmaßnahmen als Ohne-Reue-Strategie” gestalten müsse.

So langsam ist dann auch bei so manchen Mitgliedern der Elite die Erkenntnis gereift: So geht es nicht weiter.

Nun ja, wenn du wegen zunehmender Dürre und Waldbränden jeden Sommer um dein Haus fürchten mußt, beschleunigt das möglicherweise gewisse Erkenntnisprozesse, wobei die Lösungsvorschläge aber keine sind, wenn sie davon ausgehen, dass man nur an ein paar Stellschrauben etwas drehen müsste und alles wird wieder gut. Dass man also ein zerstörerisches, auf ständigem Wachstum und steigender Ressourcenausbeutung basierendes System, den Kaputtalismus, behalten kann, wenn man ihn nur etwas „umweltfreundlicher“ gestaltet.

Dass ein solches, auf grenzenlosem Wachstum fußendes Geld- und Wirtschaftssystem für einen Planeten mit begrenzten Ressourcen ungeeignet ist, versteht eigentlich jedes Kind und natürlich auch die Elite, diese etwa 80 Multimilliardäre, denen schon mehr als die halbe Welt gehört. Aber das sind auch nur Menschen und sie schleppen Prägungen in ihren Gehirnen mit sich herum, die Milliarden Jahre alt sind und noch aus einer Zeit stammen, als das Bewusstsein der Lebewesen nur aus einem Befehl bestand: „Wenn sich was bewegt, hau drauf und friss es.“

Dieses Programm, das einmal die wichtigste Regel des Überlebens auf diesem unwirtlichen Planeten war, steckt auch noch in den domestizierten Primaten des 21. Jahrhunderts, selbst wenn sie höhere Bewusstseinsstufen entwickelt haben und ein paar Methoden, diese Programmierung im Zaum zu halten. Aber die reichen offensichtlich nicht. In diesem Zusammenhang habe ich die bekannte – und bedrückende – Einsicht von Gus Speth zitiert, der als Professor für Nachhaltige Entwicklung an der Yale-Universität und Chefberater der Nationalen Umweltkommission gegen Ende seiner langen Karriere resigniert feststellte:

„Früher dachte ich, dass die größten Umweltprobleme der Verlust der Artenvielfalt, der Kollaps der Ökosysteme und der Klimawandel wären. Ich dachte, 30 Jahre gute Wissenschaft könnte diese Probleme angehen. Ich habe mich geirrt. Die größten Umweltprobleme sind Egoismus, Gier und Gleichgültigkeit, und um mit ihnen fertig zu werden, brauchen wir einen kulturellen und spirituellen Wandel. Und wir Wissenschaftler wissen nicht, wie man das macht.”

Wenn man Ihr Buch liest, bekommt man den Eindruck, eines der Grundprobleme im Kampf für einen Planeten, auf dem man auch weiterhin leben kann, liegt darin, dass alle Lager in gewisser Weise auch einfach borniert sind, nicht bereit sind, ihre eigene Perspektive zu hinterfragen. Ein effektives Handeln bleibt so aus.

Was die Perspektive, das Weltbild betrifft, wird das „Neue Kliamregime“, wie Bruno Latour es in seinen Vorträgen zum „Kampf um Gaia“ nennt, für einen radikalen Umsturz sorgen: Der Mensch wird auf die Erde zurückgeholt, in ein planetarisches Gesamtsystem, dessen „Klimaanlage“ seit Milliarden Jahren von Mikroben, Bakterien, Pflanzen und Tieren gemanaged wird und in der die Menschen , als relativ neues Produkt der Evolution, nur eine Randerscheinung darstellen. Das hat man unlängst sogar im Vatikan erkannt, als Papst Franziskus darauf hinwies, dass es sich bei dem biblischen Auftrag „Macht euch die Erde untertan“ um einen Übersetzungsfehler handelt: „Macht euch der Erde untertan“, müsse es heißen.

Das ist ein radikaler Schritt, eine Wende, wie sie vor 500 Jahren Kopernikus und Galilei brachten, als die Erde als vermeintliches Zentrum des Universums abgelöst und auf ihren eigentlichen Platz gesetzt wurde. Und so wie damals die Vorstellung vom Mittelpunkt des Universums muss unter dem neuen Klimaregime das Weltbild vom Menschen als Krone der Schöpfung und Herrscher über die Natur fallen. Oder die Menschen werden verschwinden, weil sie mit ihrer Lebens- und Wirtschaftsweise den Ast, auf dem sie sitzen, einfach abgesägt haben. „Irgendwann“, sagt Bruno Latour, „wird man es genauso seltsam finden, dass die Tiere und Pflanzen kein Stimmrecht haben – wie nach der Französischen Revolution, dass bis dahin die Menschenrechte nicht auch für Frauen und Schwarze galten.“

Leben ist Mannschaftssport, „Klima“ ist nicht einfach da, sondern wird permanent produziert, von den Milliarden Kleinstlebewesen, die in jedem Tropfen Meerwasser aktiv sind, in jeder Handvoll Erde aus der immer dünner werdenden Humusschicht und in den Pflanzen, die den Großteil des Festlands bedecken. In dieses Team muss der evolutionäre Youngster Homo sapiens sich einordnen und Anschluss finden an den Teamspirit, ohne den selbst die fittesten und trickreichsten Einzelspieler auf diesem Planeten nicht überleben können.

Wo und wie müsste man denn aus Ihrer Sicht ansetzen?

Weil CO-2 nur ein Symptom der Klimakrankeit ist, müssen wir an die Ursache ran, an den Motor des Wachstumszwangs.

Der da ist?

Geld! Ohne eine Wurzelbehandlung – eine globale Entschuldung und ein Geldsystem, das von seinem von schulden- und zinsgetriebenen Wachtumszwang befreit ist – wird nichts zu ändern sein am „Kaputtalismus“ und der „Zuvielisation“. Solange Mangel auf der Erde herrschte, waren Gier und Konkurrenz – das „Hau-drauf!“-Programm – unverzichtbar für das Überleben, mittlerweile aber herrscht ein solcher Überfluss, dass wir des Mülls – auf dem in den USA und Westeuropa mehr als ein Drittel aller Lebensmittel landet – schon kaum noch Herr werden.

Da gleichzeitig den Konsumenten mit gigantischen Propagandamaßnahmen eingeredet wird, dass sie weiterhin an Mangel leiden und dieses oder jenes Produkt unbedingt brauchen, muss Werbung – die unsinnige Stimulation nicht vorhandener Bedürfnisse durch Simulation nicht vorhandenen Mangels – auf Produkt- und Preisinformationen reduziert werden. Und es dürfen nur noch 100 Prozent biologisch abbaubare oder langlebige Produkte hergestellt werden, die „cradle to cradle“ am Ende der Lebensdauer in den Materialkreislauf zurückgeführt werden. Da Maschinen und Roboter kein Verständnis für den Generationenvertrag haben, müssen für ihren Einsatz dieselben Steuern und Sozialabgaben fällig werden wie für menschliche Angestellte.

So könnten dem Kaputtalismus schon einige wirksame Leitplanken eingezogen werden in seinem Bestreben, das allgemeine Wohl auf einem Minimum und die Ausbeutung und Monetarisierung von Ressourcen auf einem Maximum zu halten.

So läuft es aber schon seit ziemlich langer Zeit.

Ja, solange sich das „allgemeine Wohl“ auf das billige Minimum von Junk Food&Porno (ehemals Brot&Spiele) beschränken konnte, war diese parasitäre Methode durchaus erfolgreich, unter dem neuen Klimaregime aber ist sie untauglich, denn fortan muss dem Gemeinwohl aller Lebewesen der Biosphäre Rechnung getragen werden.

Die Liste der Forderungen, die der Wohlfahrtsausschuss der Erdlinge den Neo-Feudalherren vorlegt, ist natürlich noch viel länger, aber es ist klar, worauf diese Transformation hinausläuft. Wenn die Erde noch länger als ein paar hundert Jahre bewohnbar bleiben soll, ist das Weltbild der Menschen vom Herrn und Meister als „Krone der Schöpfung“ nicht zu retten. Aus Parasiten müssen Symbionten werden.

Hier auch als Podcast

Masthias Bröckers: Klimalügner – Vom Ende des Kaputtalismus und der Zuvielisation

Klimalügner

Kaum eine Debatte wird derzeit emotionaler geführt als die um den Klimawandel. Aktivisten von “Fridays For Future” und “Extinction Rebellion” stehen Skeptiker und Leugner gegenüber, die die Gefahren von CO₂ und der Erderwärmung für überschätzt halten oder für nicht einmal vorhanden.

Zwar schmilzt Grönland wieder zu Grünland, aber wächst nicht anderswo gerade wieder das Packeis? Und gab es nicht vor 250 Millionen Jahren Unmengen CO₂ in der Atmosphäre und einen rapiden Anstieg der globalen Temperatur und im Mittelalter, wo sie gar nicht hingehört, eine kleine Eiszeit? Und war die Erde nicht schon immer klimatischen Zyklen, Veränderungen der kosmischen Strahlung und des Sonnenmagnetfelds ausgesetzt, die dann zu Dürreperioden, Hitzewellen oder Überflutungen führten? Und wenn nachgewiesenermaßen simpler Wasserdampf zu 80 Prozent für den Treibhauseffekt verantwortlich ist, wie können da Stoffe wie CO₂ oder Methan, die nicht einmal ein Prozent der Atmosphäre ausmachen, eine entscheidende Rolle spielen?

Und wenn die Klimaforscher an ihren Kurven, die menschengemachte CO₂-Emissionen als Ursache für den Temperaturanstieg aufzeigen, ein wenig herumgeschraubt haben, ist das nicht ein Beweis, dass diese Klimamodelle falsch sein müssen? Werden wir nicht nach Strich und Faden verschaukelt von Wissenschaftlern, die nicht die wahren Fakten aufzeigen und erklären, sondern einer politischen Agenda folgen? Oder die in einem Gruppendenken verhaftet sind, das durch Forschungsförderung und Schwerpunktsetzung bei Publikationen sowie durch politischen Druck nur die herrschende Lehrmeinung bestätigt, aber mit echter Wissenschaft nichts mehr zu tun hat?

Den Gegenpol zu solchen kritischen, skeptischen Fragen bilden die Gutachten des Weltklimarats (IPCC) und die von den meisten Forschern weltweit unterstützten Klimamodelle, die bei einem weiteren CO₂-Anstieg in der Atmosphäre stark steigende globale Durchschnittstemperaturen und fatale Folgen nicht nur für küstennahe Regionen der Erde vorhersagen. Dazu gehören extreme Hitzewellen, Dürre, Ernteausfälle, Flüchtlingsströme und – in letzter Konsequenz – das Ende der Zivilisation. Doch Panikmacher, Apokalyptiker und Fatalisten lügen sich in Sachen CO₂ genauso in die Tasche wie die Skeptiker und Leugner einer menschengemachten Erderwärmung. Wir haben also “Klimalügner” auf beiden Seiten, die blind geworden sind für die Wirklichkeit.

Denn weder ist der anthropogene CO₂-Ausstoß harmlos, noch ist er der einzige Faktor, der bekämpft werden muss, um den Planeten zu retten. Deshalb ist das fröhliche “Weiter so!” mit fossiler Energie, das die Skeptiker und Leugner vertreten, genauso falsch wie der panische Blick auf die “Parts per Million” (ppm) Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre und die Horrorszenarien, die bei einem weiteren Anstieg drohen. Richtig und entscheidend ist vielmehr: Auf diesem Planeten findet ein großes Sterben statt – die weltweite Zerstörung von Ökosystemen – und es ist unstrittig, dass Menschen dafür verantwortlich sind.

Der Streit über menschengemachten CO₂-Zuwachs ist ein Nebenkriegsschauplatz, der im Zuge der Klimadebatte zum einzigen Schlachtfeld geworden ist, während das große Sterben der Wälder, der Meere, der Böden, der Feuchtgebiete und die Vernichtung der Tier- und Pflanzenarten als sekundär gilt. Wer glaubt, dass dieses Problem mit einer Reduktion anthropogener Treibhausgase gelöst werden kann, macht sich etwas vor. Denn fiebersenkende Maßnahmen machen kaum Sinn, wenn Herz, Nieren und Lungen weiter zerstört werden.

Das heißt: Auch wenn die Erderwärmung nicht CO₂-bedingt sein sollte, müssen wir dringend etwas tun – und wenn menschengemachtes CO₂ die Ursache ist, erst recht. Nur was wir nicht mehr tun sollten, ist, diese nutzlose Debatte weiterführen. Stattdessen müssen wir an den Lösungen arbeiten. Und die können nicht darin bestehen, das Problem zu monetarisieren, aus dem Handel mit Verschmutzungsrechten ein Finanzprodukt zu machen und das Heil in CO₂-Steuern zu suchen, denn das kann allenfalls die Symptome kurieren, nicht aber die Krankheit heilen. Was nottut, ist ein grundlegender Systemwechsel und der kann nicht mit denselben Methoden erreicht werden, die die Zerstörung angerichtet hat. (…)

“Das Ende – von der heiteren Hoffnungslosigkeit im Angesicht der ökologischen Katastrophe” war der Titel eines literarischen Essays von Gregory Fuller, der angesichts des dramatischen Artensterbens, der Wirkungslosigkeit der Klimaschutzabkommen und den irreparablen Schäden der globalen Umweltzerstörung bereits 1993 zu dem Schluss kam: Es ist zu spät. Als er ein Vierteljahrhundert später für eine zweite Auflage recherchierte, erschrak er “über das Tempo, in dem der Planet zugrunde gerichtet wird. Anfang der 1990er-Jahre hatte ich in meiner damaligen Naivität an einen prozessualen Zeitraum von vielen Jahrhunderten für die Endkatastrophe gedacht. Nun wurde mir klar, das Zerstörungstempo hat sich potenziert. In der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts werden wir uns bereits, viel früher als ich jemals vermutet hätte, am Anfang der Endphase befinden. Unsere Kinder und Enkel werden es ausbaden.”

Diese potenzierte Beschleunigung gibt Anlass zu apokalyptischer Hoffnungslosigkeit. Angesichts dieser Katastrophe heiter zu bleiben, zivilen Ungehorsam und Mitgefühl zu üben, weiter Freude und Begeisterung für Schönes zu empfinden und nicht zu verzweifeln, ist ein freundlicher und durchaus weiser Rat. Mir aber, als Freund des Galgenhumors, ein bisschen zu wenig. Denn das Wissen, die Lösungen, die Ansätze, wie wir die Zukunft retten und den Planeten bewohnbar halten können, liegen vor. Es nicht einmal versucht zu haben, sie umzusetzen, keine Anstrengung unternommen zu haben, Leid zu verringern und Dinge zu verbessern, scheint mir verantwortungslos und wäre überaus tragisch. Denn es könnte funktionieren.

Wir können die Erde zu einem besseren Platz und die Menschen zu besseren Erdbewohnern machen. Wenn auch nicht sofort zu voll bewussten, aktiven Erdlingen, die nach den Schulstreiks fürs Klima am Freitag auch an den anderen Wochentagen zum Generalstreik für Gaia aufrufen; montags für die Ozeane, dienstags für den Boden, mittwochs für die Pflanzen, donnerstags für die Tiere, freitags für die Atmosphäre und am Wochenende für das Leben insgesamt.

Wie lange müsste solch ein Generalstreik laufen, um die Billionäre, die Feudalherren der Welt, zum Einlenken zu zwingen? Ich vermute: Nicht allzu lange, auch wenn der Forderungskatalog der Erdlinge lang ist und teuer wird – aber Geld ist mehr als genug da. Zumal außer den Schätzen der Feudalherren künftig auch öffentliche Gelder sinnvoller eingesetzt werden. Mit den zwei Prozent vom BIP etwa, wie sie für einen “hirntoten” Verein wie die NATO aufgewendet werden sollen, können die Erdlinge schon eine ganze Menge anfangen, dank des gigantischen Budgets des Pentagon – Heimat des größten institutionellen Umweltzerstörers überhaupt, mit einem CO₂-Ausstoß wie ganz Schweden – mit diesen zwei Prozent würde “God’s Own Country” im Nu geradezu paradiesisch aufblühen.

“Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin” lautete eine friedensbewegte Hippie-Utopie, die sich bis dato nur insoweit bewahrheitet, als Krieg mittlerweile per Drohne ferngesteuert wird. Angesichts der Tatsache, dass die Lösungen und das Geld vorhanden sind, den Treibhauseffekt zu kontern und die Mitweltzerstörung zu stoppen, stehen wir jetzt vor einem umgekehrten Paradox: “Stell dir vor, es geht, und keiner kriegt’s hin.”

Also kein Grund zur Hoffnungslosigkeit, eher Motivation, es noch einmal zu versuchen. Das geht, wenn wir uns – mit Albert Camus – Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen und bedenken, dass die domestizierten Primaten, bei all ihrer Ungeschicklichkeit und Dummheit, ja auch über eine wunderbare Kreativität und Erfindungsgabe verfügen, dank derer sie mittlerweile in der Lage wären, aus dem von Mangel und Knappheit geprägten Planeten ein Paradies zu machen: mit einem gigantischen Atomkraftwerk am Himmel, das (für die nächsten circa zwei Milliarden Jahre) kostenlos freie Energie liefert, mit (noch) fruchtbaren Böden, (noch) leidlich sauberem Wasser und einer (noch) gerade ausreichenden Vielfalt von Pflanzen und Tieren, sodass die Erde auch eine größere Menschenbevölkerung ernähren könnte als die derzeit lebende – sofern sich diese Bevölkerung an die Spielregeln hält.

Deren wichtigste Regel, die auf diesem Planeten gilt, seit sich das erste Leben ausbreitete, lautet: Aus Parasiten müssen Symbionten werden. Entscheidend ist die Gesundheit des ganzen Planeten und nicht irgendeiner einzelnen Art von Organismus, entscheidend für die Regulierung des Gesamtsystems ist die Vielfalt des organischen Lebens. Wer sich nur parasitär, auf Kosten dieser Vielfalt ausbreitet, wird zwangsläufig untergehen.”

Auszug aus dem neuen Buch von Mathias Bröckers: “Klimalügner. Vom Ende des Kaputtalismus und der Zuvielisation”.