9
Nov, 2016

Mit Bernie wär das nicht passiert

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Trump hat gewonnen. Die Demokraten haben die Quittung dafür bekommen, dass sie ihren populären Kandidaten Bernie Sanders ausgebootet und mit Hillary Clinton die unbeliebstetste Kandidatin aller Zeiten installiert haben. Mit Bernie wäre das nicht passiert, das zeigten schon vor Monaten die Umfragen, aber die Clinton-Maschine mit nahezu dem gesamten Medienapparat an ihrer Seite glaubte, ihn schadlos aus dem Rennen boxen zu können. So stand dann Establishment vs. Anti-Establishment zur Wahl und auch wenn Trump als Milliardär durchaus zu Ersterem gehört gelang es ihm, diese Karte erfolgreich zu spielen mit der er gegen Bernie keine Chance gehabt hätte. Mit Clinton aber stand nichts anderes als  ein “Weiter so” zur Wahl – und Trump konnte fast alle unzufriedenen Protestwähler einsammeln. Nur 1% wählten meine Lieblingskandidatin Jill Stein.

Was lernen wir daraus ? Die Macht der Mainstreammedien ist  unterminiert, die Brexit-Überraschung war keine Ausnahme sondern wird zur Regel. Dass die Großmedien auch noch den letzten Rest ihrer Pflicht zur objektiven Berichterstattung in die Tonne traten und notorisch Pro-Clinton und Anti-Trump berichteten, scheint kein Rezept Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Die über Wochen gefahrene Kampagne, dass Russland die Wahlen mit Hackern manipuliert, wurde in ihrer Lachhaftigkeit so schnell durchschaut, dass die ideologische Holzhammerparole “Lugenpresse” in den US-Wortgebrauch einziehen konnte. Ob die Arroganz, mit der Clinton von Trump-Wählern als “Haufen von Erbärmlichen” sprach, jetzt heruntergefahren wird, bleibt ebenso abzuwarten wie das, was Trump von seinen großen Sprüchen im Wahlkampf als Präsident tatsächlich einlösen wird. Ein Trost bleibt den Amerikaner/innen immerhin: neun Bundesstaaten haben gestern Marihuana legalisiert  – das  kann das Land jetzt in der Tat brauchen…

 

Kommentare

15 Kommentare zu “Mit Bernie wär das nicht passiert”

  1. Stefan Miller am 09.11.2016 um 14:38 Uhr 

    und was ist bloß mit Ron Paul los? Völlig verschwunden? Sein Sohn, Rand Paul ebenfalls.
    Zumindest konnte ich bisher nichts dazu den Medien entnehmen. Jedenfalls war diesjährige Wahl, die bemerkenwerteweise am 09.11 stattfand, die lustigste von allen bisherigen und die Kandidaten waren fast so gut wie Crusty der Clown.
    Und Trump hat mit nur 470 Stimme gewonnen. Sie wissen schon, 4+7=11, und so weiter. Wird sich jetzt was ändern? Genausowenig wie zu Obamas Zeiten. Auch Brexit hat nichts verändert.

     
  2. Stefan am 09.11.2016 um 15:30 Uhr 

    Es zeigt sich erneut: die Demoskopie im Verbund mit den MSM sind Mitverursacher, wenn wir über Empörung, Vertrauensverlust und Protestwahl reden. Regelmäßig werden Kandidaten oder Standpunkte, die dem Establishment nicht passen, vor der Abstimmung unisono geschmäht und in Umfragen schlecht gerechnet. Das war beim Brexit so, bei (deutschen) Rechtspopulisten aka AfD und jetzt bei Trump.

    Doch dieser Abwehrzauber funktioniert offensichtlich nicht mehr, sondern verkehrt sich in sein Gegenteil – Überdosen sind nunmal schädlich.

    Ob die Elite es noch begreifen wird? Protestler stimmen nicht primär für die (demagogische und populistische) Sache, sondern vor allem gegen genau dieses System, das versucht, sie permanent zu manipulieren und in eine Richtung zu drängen. Niemand lässt sich gern verar***

    Was Trump betrifft: es ist unwahrscheinlich, dass ausgerechnet ein Angehöriger des Geldadels Politik gegen Interessen seiner eigenen Klasse machen wird. Deshalb halte ich auch Folgendes für denkbar: die Obrigkeit ist in den USA gedanklich weiter und stabilisiert das bestehende politische System dadurch, dass man einen Maulhelden nach vorne holt, damit die Wütenden und Abgehängten eine laute und prominente Stimme innerhalb des Establishments bekommen. Das nimmt Druck vom Kessel, konkret ändern wird sich aber wenig.

    Denn Trump findet ohne Hilfe von Beratern nicht mal die Tür zum Oval Office. Wie andere vor ihm darf er Texte vom Teleprompter rezitieren, die man ihm vorgibt. Und damit er nicht etwa vom zugewiesenen Pfad abweicht, schenkt man ihm zur Inthronisierung eine Kennedy-Biographie.

     
  3. Woody Box am 09.11.2016 um 15:32 Uhr 

    Dass die Demokraten sich selbst und dem Rest der Welt diese Suppe mit der Kaltstellung Bernies selbst eingebrockt haben, war auch mein erster Gedanke.

    Eine wünschenswerte, aber wohl wenig wahrscheinliche Folge wäre, dass die Demokratische Partei durchgerüttelt wird, das Establishment davonjagt und zu ihren früheren gemässigt-linken Positionen zurückfindet.

     
  4. pecas am 09.11.2016 um 16:47 Uhr 

    Eine andere Option als ein offener Faschismus wird diesem neuesten Präsidenten der USA – wenn er (und wir) das denn wirklich erleben sollte(n) – nicht offenbleiben. Mussolini 2.0…? Er hat’s schließlich versprochen.

    – Und was wird der Rest der Welt zu diesem “Great Again” jetzt sagen?

    Ich sehe Trump schon enden wie den anderen bereits Erwähnten.

     
  5. gabor am 09.11.2016 um 17:20 Uhr 

    People were fed-up wirh the Bush-Clinton-Crime- Syndicate…NOW…It’s Time for the Trumpie-Syndicate 🙂
    Funny Times ahead and Bröki…will blog on
    Pretty good News today !!

     
  6. Berndchen am 09.11.2016 um 17:48 Uhr 

    Ich bitte um Austausch der beiden Bilder falls möglich. Im ersten hatte sich ein Fehler eingeschlichen, ist nun ausgebügelt. Danke.
    https://picload.org/image/rdpdrwai/cw0vevwxgaaxjnx.jpglarge.jpg

     
  7. M.Schmidt am 09.11.2016 um 18:33 Uhr 

    Die Medien haben schlicht und einfach versagt, weil sie anstatt zu berichten, selber Politik machen wollten. Zuviel der Hetze ist zuviel des “Guten”, wird durchschaut und der Schuß geht dann nach hinten los.

     
  8. marian am 09.11.2016 um 19:02 Uhr 

    Doch, mit Bernie wäre das auch passiert. oppo researcher hätten sandinisten-storys herausgekramt; die exil-kubaner hätten dafür gesorgt, dass bernie wie hillary florida verloren hätte. bei den frauen hätte bernie probleme gehabt. das eigentliche problem: Es gibt einfach zu viele Rassisten in den USA (die bernie natürlich nie gewählt hätten). in russland gibt es 70.000 gewaltbereite nazis, in den usa sind es vermutlich mehr. Wenn man diesen breitbart-lesern zuverlässig scapegoats liefert (muslims, alleged mexican rapists etc), dann sind sie happy. Ständig laufen auf n24 Dokus über Aryan Brotherhood gangs in den usa. Diese Leute in rural America hören ständig right wing talk radio. wenn rush limbaugh und mark levin wahlempfehlungen aussprechen, dann ist das eine sichere Bank. die nra tut ihr übrigens. die lüge, hillary wolle das 2nd amandement abschaffen, wirkte. es bleibt übrigens alles beim alten. eilmeldung:

    Politico reports Trump is considering a Goldman Sachs executive as Treasury Secretary https://twitter.com/amandacarpenter/status/796385458112626688

     
  9. marian am 09.11.2016 um 19:05 Uhr 

    > Mit Clinton aber stand nichts
    > anderes als ein “Weiter so” zur
    > Wahl

    wieso aber? obama hat landesweit 56 prozent zustimmungsquote, so viel wie kein outgoing president zuvor.

     
  10. marian am 09.11.2016 um 19:14 Uhr 

    hier liegt der hund begraben: die viel gepriesene turnout machine der demokraten hat gestottert…

    Obama got 65.9m votes in 2012, Romney 60.9m. Clinton has 59.3m, Trump 59.1m. The Republican vote didn’t go up; the Democrate vote went down. 6.6m missing votes.
    https://twitter.com/MaxBoot/status/796378238306160641

    Ob diese 6,6 Millionen, die nicht zu den Urnen gingen, frustrierte Bernie-or-bust-Wähler waren, muss eruiert werden. Bin mir da noch nicht sicher.

     
  11. marian am 09.11.2016 um 19:25 Uhr 

    > Dass die Großmedien auch noch
    > den letzten Rest ihrer Pflicht
    > zur objektiven Berichterstattung
    > in die Tonne traten und notorisch
    > Pro-Clinton und Anti-Trump
    > berichteten, scheint kein Rezept
    > Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

    Sorry, Mathias, aber wie will man denn “objektiv” Bericht erstatten über das Access-Hollywood-Tape, das Trump als pussy grabber entlarvte? Es sagte da, wenn man – wie er – Macht und Einfluss habe, dürfe man Frauen ungestraft ans Geschlechtsteil fassen. Spätestens nach der Nummer hätte jeder Kandidat Toast sein MÜSSEN – ganz gleich, was Hillary auf dem Kerbholz hat. Die Tatsache, dass der RNC, geführt von Reince Priebus, Trump nicht zum sofortigen Rücktritt bewegen wollte (obwohl er es gekonnt hätte), ist der eigentliche Skandal. Trump ist als Groper-in-Chief die größte Schande, die ich mir für ein Land – gleich welches – vorstellen kann.

     
  12. marian am 09.11.2016 um 19:54 Uhr 

    @Stefan Miller:

    > und was ist bloß mit Ron Paul
    > los? Völlig verschwunden?

    Nö, er war gestern zugeschaltet in Alex Jones´ dreitätiger Marathon-Wahlsendung. Was sich Jones da leistete (“Obama und Clinton stinken nach Schwefel, kommen direkt aus der Hölle. Das hat mir ein Secret-Service-Mann verraten”) war schon krank und keineswegs ironisch gemeint. Der Hass auf Hillary ist wirklich unermesslich. Ich hätte mir das derart extrem nicht vorstellen können. Trump hat Hillary in einer der TV-Debatten als Teufel bezeichnet (“She´s the devil”). Mir ist es ein Rätsel, wie es kommt, dass die US-Wählerschaft ein derart kotzbrockiges Verhalten mehrheitlich goutiert. Ich kan nur hoffen, dass er den Koffer mit den Atom-Codes Mike Pence überlässt, der wenigstens nicht jähzornig ist.

     
  13. marian am 09.11.2016 um 20:05 Uhr 

    Wow, Leute, was für ein Bild! Guckt euch das an…
    https://twitter.com/KING5Seattle/status/796405036532174848
    Thousands of students at Berkeley High School in California walked out of class with their teachers, to say that Trump is not their president.

     
  14. marian am 09.11.2016 um 20:14 Uhr 

    bitte nicht vergessen: als erste amtshandlung, verbat obama cia-angehörigen das foltern. trump will Folter als Verhörmethode wieder erlauben. Zitat: “Folter funktioniert. Sagt mir nicht, das würde nicht funktionieren. Folter funktioniert, in Ordnung, Leute?” Waterboarding sei zwar eine gute Methode, aber nicht stark genug, um Terroristen zu verhören.
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-02/us-wahlkampf-donald-trump-folter
    obama wollte gitmo schließen; unter trump und seinem berater general flynn wird der stützpunkt vermutlich wieder zu altem leben erweckt. gruselig.

    Über diese sagte Trump: “Sie hacken Köpfe ab. Glaubt mir, wir sollten stärker werden, weil unser Land in Schwierigkeiten steckt, wir sind in Gefahr.”

     
  15. Daniela am 10.11.2016 um 16:25 Uhr 

    Ähnliches las ich hier:
    “Hillary „Killary“ Clinton und ihre innerparteiliche Mafia haben dem linken (!) Bernie Sanders mit kriminellen Methoden seine Kandidatur gestohlen. Von diesem miesen Karma profitierte Trump. Sanders ist heute einer der beliebtesten Politiker in den USA (außer bei den Rechtslibertären und Waffenheinis). Doch die Bilderberger-Machtgier-Eliten wollten keinen „Linken“, also einen, der von Reichen (Skandal!) Steuern eintreiben und davon maßvolle Sozialausgaben tätigen wollte…” mehr:
    https://jasminrevolution.wordpress.com/2016/11/10/mit-bernie-sanders-hatten-die-demokraten-trump-geschlagen/

     

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