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Nov, 2016

Der Fall Ken Jebsen: Ein journalistisches Lehrstück

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der-fall-ken-jebsen-coverPaul Schreyer hat das neue Buch für die Nachdenkseiten rezensiert:

Fällt der Name Ken Jebsen, dann schrillen bei vielen Menschen die Alarmglocken. Ist das nicht dieser „nach Antisemitismusvorwürfen entlassene frühere RBB-Moderator“ und „neurechte Demagoge“, der „Verschwörungstheorien zum 11. September vertritt“? So oder ähnlich lauten zumindest einige medial häufig verbreitete Einschätzungen. Was ist dran an den Vorwürfen? Fest steht: Mit KenFM betreibt Jebsen eines der mittlerweile erfolgreichsten crowdfinanzierten Medienportale Deutschlands – sein Youtube-Kanal hat mehr Zuschauer als der des WDR, auf Facebook hat sein Portal mehr Likes als die ARD.

Auch ich war schon bei KenFM als Interviewgast eingeladen – und registrierte bei dieser Gelegenheit zunächst einmal die immens gründliche inhaltliche Vorbereitung des Gastgebers auf das Gespräch, was im journalistischen Geschäft keineswegs die Regel ist. Alles zusammen Grund genug, ein in diesen Tagen erschienenes Buch unter die Lupe zu nehmen, in dem Jebsen nun auf gut 250 Seiten ausführlich vom Kollegen Mathias Bröckers interviewt wird.

Vorab: Das Buch ist spannend. Die wesentlichen Kontroversen zur Person werden erörtert, außerdem das facettenreiche Leben des 50-jährigen geschildert. Jebsen hat nicht nur über zehn Jahre für den RBB gearbeitet und dort eine der populärsten Radiosendungen verantwortet, außerdem bei ZDF und Pro7 moderiert, sondern war vorher zunächst so medienfern, wie man es sich nur denken kann: als Seemann bei der Handelsmarine und dann als Niedriglohnjobber in verschiedenen Firmen, zum Beispiel auch an einer Stanze für Gussteile eines Automobilzulieferers.

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Kommentare

3 Kommentare zu “Der Fall Ken Jebsen: Ein journalistisches Lehrstück”

  1. Stefan am 08.11.2016 um 13:31 Uhr 

    Bei allem Sympathie für Jebsens Wirken: es herrscht das alte Missverständnis. Es gibt kein “Versagen” des etablierten Journalismus. Wir leben in Zeiten in denen nach Jahrzehmten neoliberaler Politik alle Wirtschafts- und Lebensbereiche privatwirtschaftlichen Gewinninteressen unterworfen wurden. Das gilt selbstverständlich auch für den Journalismus. Im Rahmen der Systemlogik – Gewinn um jeden Preis und Bewahrung des Systems, das diese Gewinne ermöglicht – funktioniert der Mainstreamjournalismus gut.

    Was nicht funktioniert, sind die Leute, die sich der Systemlogik entziehen und lieber die Wahrheit im Internet suchen.

    Jebsens Anspruch auf ethische und moralische Maßstäbe haben in der Welt von Konkurrenz und Rendite immer weniger Bedeutung. So wie kürzliche Meldungen, dass Krankenkassen Ärzte nötigen, Patienten Diagnosen zu stellen, die mehr Geld (aus dem staatlichen Ausgleichsfonds) bedeuten, geht es immer weniger um den eigentlichen Zweck (beim Journalismus: Information, beim Gesundheitswesen: Heilung usw.) sondern nur um Privatgewinn.

    Mit TTIP und Co. werden die letzten Reste der Gemeinwohlorientierung abgeschafft. Die politische Klasse selbst steht an der Spitze dieser Entwicklung und ist kein Mittel dagegen. Die Menschen spüren das und wenden sich ab oder protestieren gegen einzelne Symptome.

    Was bringt ein Kampf gegen Einzelsymptome (wie ihn Jebsen führt)? Das Grundproblem dürfte letztlich sein, dass Demokratie und Kapitalismus miteinander unverträglich sind. Früher oder später kommt man an dieser Erkenntnis nicht vorbei.

     
  2. waldbaer am 08.11.2016 um 21:33 Uhr 

    Ich hab das Buch gestern abend angefangen zu lesen, und ich habe es nur ungern wieder aus der hand gelegt – ich musste heute früh raus.
    Nach Feierabend hab ich das dann fertig gelesen..
    Das Buch kann man sich nicht rein-ziehen, das drückt quasi von alleine…
    Dieses Buch ist wie eine Tüte Pepperonichips: Man kann schwer damit aufhören. Und dann ist die Tüte auch schnell leer.
    Aber dicker dürfte es auch nicht sein. Kein Gelaber, ohne Zusatzstoffe, viel verdichteter Inhalt, rocking & rolling..
    Jungs, das habt ihr prima hingekriegt ;o)
    LG waldbaer (BJ66)

     
  3. Stefan Miller am 09.11.2016 um 08:00 Uhr 

    das ist ja ein Lebenslauf, wie aus einem Roman. Und Verwandte in Israel hat der Gute auch noch. Ist das die deutsche Version des amerikanischen Traums: vom Tellerwäscher zum Verschwörungstheoretiker, sorry Mainstreamkritiker? Ich kann mich noch an ein Interview mit Ephraim Kischon erinnern, der sagte, daß er wegen der Nazis nicht studieren konnte und daher Goldschmied werden mußte.

     

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