Die geheimen JFK-Akten (7): Cover Up geht in die Verlängerung

Dass in einem Rechtsstaat niemand über dem Gesetz stehen kann, ist auf dem Papier bekannt. In Wirklichkeit ist es ein frommer Wunsch, denn Regierungen und Geheimdienste müssen nur “Nationale Sicherheit!” rufen und schon sind Gesetze Makulatur. So auch der 1992 erlassene JFK-Records-Act, nach dem bis zum 26. Oktober 2017 alle behördlichen Akten im Zusammenhang mit dem Mord an John F.Kennedy veröffentlicht sein müssen. Doch das sind sie nicht. Zwar hat das National Archive zum Stichtag eine große Menge von Akten online verfügbar gemacht, doch tausende von Seiten bleiben weiterhin unter Verschluss. In einem Memorandum hat Präsident Trump – laut CNN “unhappy”, weil diese Restriktionen nicht “dem Geist des Gesetzes” entsprächen – den Geheimdiensten und dem FBI aber nun weitere 180 Tage eingeräumt, um ihre Begründungen für zurückgehaltene Dokumente zu überprüfen. Wenn sie dann weiter “nationale Sicherheit” rufen, wird auch weiter nichts veröffentlicht.

Laut Larry J. Sabato, Historiker der University Virgina, der Oswald für den einzigen Schützen hält und sich in der Nacht einen ersten Überblick über das “Durcheinander” des Rohmaterials gemacht hat, wird eine vernünftige Auswertung nicht nur viel Zeit brauchen, die meisten wichtigen Sachen – “the good stuff” – seien auch weiterhin unter Verschluss. Und werden es auch bleiben, es sei denn, Trump sieht das dann anders und ordnet die Publikation an. Was er auch jetzt schon hätte tun können. Dass er es sich in einem halben Jahr anders überlegt und  gegen das Votum der unsichtbaren “Intelligence”-Meister entscheidet, ist unwahrscheinlich.  Auch wenn Trump  am Samstag anderes twitterte

Das Cover Up geht also in die Verlängerung. Das Chaos ist komplett – und nichts Anderes war wohl auch beabsichtigt.Warum sonst hat man 25 Jahre gewartet, um genau eine Stunde vor Ablauf der Frist abertausende von Seiten zu publizieren ? Fiel es erst fünf Minuten vor Zwölf auf, dass die Veröffentlichung bestimmter Dokumente die “nationale Sicherheit” bedrohen, oder noch lebende Informanten bloßstellt ? Warum verkündet Trump zuerst “full disclosure” von 31.000 Akten und dann werden drei Tage später doch nur 28.000 veröffentlicht ? Eine solche Inszenierung dient nicht der Aufklärung, sondern der Verwirrung, nicht der Ermittlung eines ungeklärten Verbrechens, sondern der weiteren Vertuschung, nicht dem Ende von Verschwörungstheorien durch zweifelsfreie Fakten, sondern ihre Fortsetzung ad infinitum…

2 Kommentare

  1. OFF Topic – REFORMATION 2.0
    Wir feiern den 500sten Jahrestag vom Annageln der 99 Thesen durch Luther an eine Kirchentür. Ich persönlich glaube das Luthers größte Tat das Übersetzen der Bibel in die deutsche Sprache war. Dieser Akt brach die Beherrschung der Massen durch den privilegierten Klerus; der des Lateinischen mächtig war und quasi in Monopolstellung Gottes Wort von der Kanzel an die Massen predigte.Mit der Übersetzung ins Deutsche konnte jeder Gläubige, sofern er des Lesens mächtig war, selbst die Bibel lesen ohne auf die Kanzel angewiesen zu sein. Wenn man es so bezeichnen will, wurde den Menschen das “Wissen” der Bibel ohne die fremdbestimmte Interpretation zugänglich gemacht. Eine Reformation, eine Emanzipation war die Folge. Das Internet leistet heute Vergleichbares. Wir sind nicht mehr ausschließlich auf Fernsehen, Printmedien angewiesen. Sicher braucht man Internetkompetenz aber man kann wieder ohne den Umweg der Kanzel (öffentlich-rechtliches Fernsehen, Magazine, Zeitungen) Informationen finden und sich ein umfänglicheres Bild der Nachrichtenlage selber schaffen. Wir leben, ohne es richtig zu begreifen, wieder in Zeiten einer Reformation. Es bleibt zu hoffen das diese Reformation 2.0 ohne die gleichen Irrwege der ersten Reformation (Glaubenskriege, Verfolgungen) von Statten geht.

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