Es ging nicht um Journalismus

Diese Woche jährt sich der Jahrestag der ersten Nullnummer der taz zum 40. Mal und die MacherInnen dieser Ausgabe werden am Mittwoch die Redaktion übernehmen und die taz vom 27.9.2018 produzieren. Weil ich an der Uni noch schnell mein Examen machen wollte, war ich bei dieser ersten Ausgabe nicht dabei, aber Anette Eckert (mit der ich 1981 in der  Kulturredaktion arbeitete, als “Repro-Richard” uns fotografierte) – und ich bin gespannt, ob und wie die VeteranInnen es 40 Jahre später noch ein bißchen krachen lassen können.
Zu meinem  Interview über die Geschichte der Zeitung, das gestern auf Telepolis erschienen ist, kamen dort viele erboste Kommentare, weil die taz – ähnlich wie die Grünen – auf den Kriegskurs der Nato eingeschwenkt sei. Das trifft auf Teile der taz-Redaktion sicher zu – und mißfällt mir persönlich sehr – ist aber auch bei sämtlichen deutschen Tageszeitungen so, mit Ausnahme vielleicht der “Jungen Welt”.  Insofern ist die einst alternative taz wirklich im Mainstream angekommen:

Die taz ist als Alternativmedium gestartet und als Mainstreammedium gelandet. Stimmen Sie der Aussage zu?
Mathias Bröckers:
Viele der Alternativen, die von der taz damals aufgezeigt wurden, sind mittlerweile Mainstream. Und was die Politik betrifft, ist es ähnlich wie mit den Grünen, die ja zusammen mit der taz groß wurden, als linke, anti-imperialistische, ökologische Alternative zu den etablierten Parteien. Dass daraus dann einmal so eine olivgrüne “FDP mit Fahrrad” werden sollte, die Kriegseinsätzen der Bundeswehr den Teppich ausrollt, war nicht abzusehen. Die taz war anfangs ein Sprachrohr der Grünen und sehr wichtig für die Akteure der Partei, aber als die Zeitung dann im Zuge der Balkankrise auch einmal wagte, die Kriegspolitik Fischers zu kritisieren, gab er fortan lieber der “Bild” Interviews. Auch wenn die taz in mancher Hinsicht im Mainstream angekommen ist, hat sie dabei nicht so stark gelitten wie die Grünen. Was sicher damit zu tun hat, dass an den (veganen) Fleischtöpfen von Mütterchen taz nach wie vor nicht viel zu holen ist, während die Politik lukrative Pöstchen und Pensionen bietet. Dafür lässt man dann auch schon mal den Hambacher Forst roden oder drückt beim Dieselbetrug im Ländle alle grünen Augen zu.

Das ganze Interview hier

In einem großformatigen Band, der soeben erschienen ist,  habe ich mit zwei Kollegen die Geschichte der Zeitung dokumentiert; “40 Jahre taz – Das Buch” 

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