Neujahrswünsche

Zum Neuen Jahr wünsche ich dir alles was Du dir auch wünschst” – der freundliche Gruss brachte mich gestern ein wenig ins Grübeln. Was wünsche ich mir eigentlich  – außer Gesundheit und Frieden auf Erden sowie natürlich Freude und Eierkuchen ? Also bisschen konkreter: Erstens, Zweitens, Drittens. Da fällt mir wieder der Witz ein, über den wir als testosterongesteuerte Teenies kicherten, von der Fee, die einem drei Wünsche freigibt aber so wunderschön ist, dass dem Mann einfach nichts einfällt, außer: “Ich hab nur einen Wunsch, aber den drei Mal.”  So einfach ist das 50 Jahre später nicht mehr, wenn man solche Wünsche vielleicht alle drei Wochen mal hat. OK, was dann, fragte die Fee – ein Haufen Geld ? Nö, bisschen mehr wär zwar schön, aber wenn schon Geld, dann alles, was an Gold, Geld und Zahlungsmitteln auf der Welt vorhanden ist. Wenn solche Maximalforderungen möglich sind, dann zweitens bitte eine Umverteilung von oben nach unten: die 9 Personen, denen die Häfte allen Geldes gehört dürfen nur 1 Million und ihr Haus behalten, so wird auch mit allen anderen Superreichen verfahren. Drittens will ich dann für eine Weile als Diktator eingesetzt werden um Gesetze zu erlassen, die das Verhältnis von Pflanzen, Tieren und Menschen auf diesem Planeten neu regeln und verhindern, dass der numehr auf Milliarden Schultern verteilte Reichtum destruktiv  verballert wird.

Die Fee hebt bedauernd die Schultern: “Diktator geht leider nicht mehr, da hatten wir in der Vergangeheit schon zu viele, die dachten sie hätten es drauf, die Menschheit zu retten…” OK, dann stattdessen “guter König”, aber die Fee schüttelt den Kopf. Gut, dann muss es erst Mal bei den beiden ersten Wünschen bleiben, gegen die meine schöne Zauberin offenbar nichts einzuwenden ist. Etwas Ähnliches gab es ja auch früher schon, wenn alle 49 Jahre ein Jubeljahr ausgerufen und alle Schulden gestrichen wurden, jetzt gibt es wie bei einer neuen Runde Monopoly auch noch frisches Kapital dazu. Die Milliarden ehemaliger Schuldsklaven wären frei, könnten über “Los” gehen und wieder mitspielen. Da muss man doch verhindern, dass sie über den Tisch gezogen werden, wie einst die Ossis, die sich mit ein bißchen Begrüßungsgeld abspeisen ließen statt vor dem Beitritt zum Westen ihr Volkseigentum erst Mal unter sich aufzuteilen. Und man muss verhindern, dass sie fortfahren, die Erde in eine giftige Müllhalde zu verwandeln – weil sie nichts anderes gelernt und keinen Respekt vor Pflanzen und Tieren mehr haben. Und weil sie sich als domestizierte Primaten für was Besseres  halten und sich “Krone der Schöpfung” nennen, werden sie freiwillig auch nichts dazu lernen. “Also ohne eine harte Hand, ohne ein bisschen Öko-Diktatur, kommen wir nicht aus, oder hast du eine bessere Idee ?”

Ich bin nicht für Ideen und Vorschläge zuständig, sondern für die Erfüllung deiner Wünsche, mein Lieber”, sagt die Fee und legt ihre Hand auf meine. Hui….vielleicht war der alte Witz doch nicht so blöd, auf jeden Fall viel einfacher als die Weltrettung. Ich brauche Bedenkzeit. “Überleg es dir gut. Wir haben Zeit”, sagt sie und streichelt meine Hand. Wie soll man da einen klaren Gedanken fassen. Jetzt lächelt sie auch noch, ihre Augen strahlen und sie sieht aus wie Anita Ekberg in “Dolce Vita”. “Wenn du so weiter machst ist mir alles egal…”, sage ich und fühle mich warm und wohlig. Und diese Augen, dieses Gesicht, diese Haut und wie gut sie riecht….hach. Da rüttelt irgendwas, an meiner Schulter: “Hey Alter, willste hier Sylvester verpennen, es ist 12 Uhr.” Man hält mir ein Glas Sekt unter die Nase. “Alles Gute im Neuen Jahr!” Äääh…ja, alles Gute! Kann man ja gefahrlos allen und jedem wünschen.  Aber was sind meine Wünsche? Drei hatte ich doch eben noch frei und nichts auf die Reihe gebracht. “Wir haben Zeit”, hatte sie gesagt. Ich hoffe sie kommt im Neuen Jahr noch mal vorbei….

7 Comments

  1. Dazu passte doch mein diesjähriger Sylvesterwunsch, meine heurige Neujahrsformel:
    Ich wünsche uns allen ein gutes Neues in alter Frische!

    -p

  2. Lieber Herr Bröckers,
    ich bin keine Fee und das mit den Wünschen ist auch eine schnelllebige Sache.
    Kaum passiert etwas Unvorbereitetes und zack….Änderung der Wünsche im Eiltempo im Anmarsch!!
    In diesem Sinne wünsche ich ihnen nur Veränderungen,die ihre Wünsche positiv beeinflussen….und Veränderungen wird es auch in diesem Jahr 2019 geben…..das kann ich ihnen versprechen,obwohl ich feentechnisch wirklich zu nix tauge!!
    Ich würde mir wünschen,daß ich auch in diesem Jahr sowohl von ihnen lernen ,als auch herzlich über sie lachen kann und natürlich freuen,daß es sie gibt!
    Haben sie ein tolles Jahr und bleiben sie gesund!!
    Es grüßt sie herzlich,
    Michaela Bauer

    1. dem kann ich mich nur anschliessen, zu der dynamik von wuenschen folgendes: drei maenner[?] sitzen, geschiffbrucht auf einer isel. ein schotte, en englaender und ein ire. eine flasche driftet an, beim oeffnen entstroemt ein djin. aus dankbarkeit erlaubt er jedem einen wunsch. der schotte schwaermt von den schottischen glens und dem lebenswasser und hofft sich dorthin zurueck, zack, weg! der englaender traeumt vom warmen bier und einem egg sandwich in essex und zack, auch weg. alleine bleibt der ire zurueck, verlassen und laut sinierend: ach, waeren die anderen beiden wieder bei mir. zack, waren sie wieder zu dritt! die macht der wuensche. mathias, mach bitte lange weiter so wie bisher!

  3. Es ist schon zum verzweifeln, wenn man sieht mit welcher Einfältigkeit viele unserer Zeitgenossen durchs Leben taumeln. Einige ihrer so schön formulierten Traumgedanken hatte selbst ich schon. Z. b. keinen mehr als 1 Million oder das ohne diktatorischen Zwang unsere Mitmenschen nicht mehr zum Umdenken und Handeln bewegt werden können. Bei mir ist bei den Gedanken, wie man die mehr als verfahrene Situation noch retten kann, leider schon eine Menge Pessimismus im Spiel. Das Licht am Ende des Tunnels wird immer kleiner.
    Oder wie es Götz Eisenberg in seinem Beitrag “Christmas Shopping – Ein öffentlich-rechtlicher Wahnsinn in Hessen” auf den Nachdenkseiten treffend formulierte, “Alle wissen alles, jeden Abend bekommen wir die Bilder des nahenden ökologischen Kollapses in den Nachrichten präsentiert. Es stellt eine Meisterleistung in puncto Verleugnung und Verdrängung dar, die täglichen Katastrophenmeldungen und –bilder aus dem Alltag fernzuhalten und vom Bewusstsein abzuspalten. So können es die Leute von Jahr zu Jahr toller treiben. Man kann den Eindruck gewinnen, dass die Apokalypse eine reizvolle Option darstellt und dass von ihr eine geheime Lockung ausgeht. Ausgelassen feiernd und in riesigen Autos sitzend taumeln und rasen wir gut gelaunt auf den Abgrund zu.”

  4. Hallo Herr Broeckers,

    das ist eine interessante Geschichte – und sie muss kein Traum bleiben.

    Ganz ähnliche Gedankengänge haben auch wir – und wir haben ein Konzept entwickelt wie so etwas funktionieren kann. Das grösste Problem ist dabei, den politischen Willen (Mehrheiten) zu erzeugen. Technisch betrachtet ist die Sache sehr leicht machbar.
    https://hanfpartei.org/vermoegensbeschraenkungen-statt-vermoegensteuer/

    Ich glaube, die gute Fee hätte ihre Freude 🙂

    Für das noch junge Jahr 2019 wünsche ich Ihnen alles Gute – und natürlich was Sie sich selbst wünschen 😉

    Viele Grüße,
    Roland Kahl

  5. Ich wünsche Ihnen, Herr Bröckers, ein Gesundes Neues Jahr, verbunden mit der unverschämten Hoffnung, dass Sie diesen wunderbar klugen und unterhaltsamen Blog, den ich seit etlichen Jahren mit großer Freude verfolge, weiter betreiben. Die Anlässe zu freiem Gedankenaustausch werden 2019 garantiert nicht seltener oder – wie die Chinesen sagen – “Mögest Du in interessanten Zeiten leben”. Weil diese Formel eigentlich als Drohung gilt (Optimismus ist schließlich stets nur Mangel an Information), wünsche ich noch, mit meinen häufig pessimistischen Erwartungen öfter als in der Vergangenheit Unrecht zu haben.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *