Die Gewinner von Trumps Kriegspolitik sind BlackRock und Co.

Als Donald Trump am 3. Januar das Attentat auf den iranischen General Soleimani anordnete, knallten bei einigen „Investoren“ die Sektkorken. Binnen weniger Minuten schossen die Aktienkurse der großen amerikanischen Rüstungskonzerne um durchschnittlich fünf Prozent in die Höhe. Der Gewinn, der dadurch alleine bei vier der großen Rüstungskonzerne entstand, liegt bei rund 18 Milliarden US-Dollar. Die größten Aktionäre dieser Konzerne sind durch die Bank weg die drei gigantischen Finanzkonzerne BlackRock, Vanguard und State Street, die zusammen im Schnitt mit mehr als 20 Prozent an diesen Konzernen beteiligt sind, also durch das Attentat fast vier Milliarden US-Dollar Gewinn machten. Ein Kommentar von Jens Berger, dessen Buch „Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen“ in diesen Tagen erscheint. Darin analysiert er die Hintergründe und Entwicklungen, die zur unglaublichen Vermögenskonzentration und Macht der Finanzgiganten geführt haben, zeigt die Gefahren auf und skizziert die Möglichkeiten für ein politisches Umdenken.

Als US-Präsident Dwight D. Eisenhower am 17. Januar 1961 seine Abschiedsrede hielt, warnte er ausdrücklich vor den Verflechtungen und Einflüssen des militärisch-industriellen Komplexes in den USA. Er sah den militärisch-industriellen Komplex als eine Gefahr für die demokratischen Institutionen und die Demokratie an. Durch die Einwirkung dieses Komplexes auf Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft könne die politische Führung veranlasst werden, Konflikte eher militärisch als politisch lösen zu wollen und damit als verlängerter Arm der Lobby der Rüstungsindustrie agieren. Die jüngere Geschichte zeigte, wie Recht Eisenhower hatte. Da wäre es doch einmal interessant zu erfahren, wer heute die US-Rüstungsindustrie kontrolliert.

Raytheon
Unternehmenswert: 61 Mrd. US$
Vanguard 8,33%
BlackRock 7,93%
State Street 4,19%
Institutionelle Investoren 76,92%

Einer der größten US-Rüstungskonzerne ist Raytheon. Der Konzern produziert für das US-Militär unter anderem das Flugabwehrsystem Patriot und andere Raketen wie die Sidewinder und die Maverick, Torpedos und Marschflugkörper. Außerdem produziert Raytheon Radar-Systeme für fast jedes Kampfflugzeug der US Air Force. Auch die Cruise Missiles mit nuklearen Sprengköpfen stammen von Raytheon. Zurzeit forscht Raytheon an einem Exoskelett, das US-Soldaten in „Superhelden“ verwandelt, wie es in einem Firmenvideo heißt. Raytheon ist zu fast 77 Prozent im Besitz von Banken, Versicherungen und Fonds, die größten Anteilseigner sind Vanguard, BlackRock und State Street. Das Engagement geht dabei weit über Indexfonds hinaus. Zu den größten Einzelaktionären zählt beispielsweise der Windsor II Fund aus dem Hause Vanguard

Northrop Grumman
Unternehmenswert: 60 Mrd. US$
State Street 10,03%
Capital Group 9,09%
Vanguard 7,81%
BlackRock 6,12%
Institutionelle Investoren 85,80%

Auch der Rüstungskonzern Northrop Grumman ist nahezu komplett im Besitz von Banken, Versicherungen und Fonds. Northrop Grumman stellt für die US Air Force und die US Army unter anderem den Tarnkappenbomber B-2 und die Drohne Global Hawk her und steuert wichtige Komponenten zu den Kampfjets F/A-18 Hornet, F/A-18E/F Super Hornet und EA-18G Growler bei. Im Programm hat man jedoch auch Raketen und Raketenabwehrsysteme. Größter Aktionär ist State Street, Vanguard und BlackRock folgen auf den Plätzen drei und vier.

Lockheed Martin
Unternehmenswert: 110 Mrd. US$
State Street 15,43%
Vanguard 7,81%
BlackRock 6,43%
Institutionelle Investoren 78,73%

Auch bei Lockheed Martin ist State Street mit einem Anteil von mehr als 15 Prozent größter Einzelaktionär. Vanguard und BlackRock folgen hier auf den Plätzen zwei und drei. Lockheed Martin produziert für das US-Militär unter anderem die Jagdflugzeuge F-16 Fighting Falcon, F-22 Raptor und F-35 Lightning II, sowie Aufklärung- und Transportflugzeuge wie die C-130 Hercules und die C-141 Starlifter. Ferner ist Lockheed Martin der Hersteller der Interkontinentalrakete Trident, die auf den Atom-U-Booten der US-Navy als atomare Erstschlagwaffe im Einsatz ist. Lockheed Martins X-35 hat den Zuschlag beim Joint Strike Fighter-Programm der USA und einiger NATO-Partner gewonnen. Die Gesamtkosten dieses Programms werden auf 1,1 Billionen(!) US-Dollar geschätzt.

Boeing
Unternehmenswert: 207 Mrd. US$
Vanguard 7,21%
Price (T.Rowe) Associates 7,04%
BlackRock 6,21%
Newport Trust 5,42%
State Street 4,64%
Institutionelle Investoren 70,56%

Neben seiner zivilen Flugzeugsparte zählt der Luftfahrtkonzern Boeing zu den größten Rüstungskonzernen der Welt. Die Sparte Boeing Defense, Space & Security liefert dem US-Militär eine schier endlose Auswahl an Bombern, Tankflugzeugen, Kampffliegern, Aufklärern, Drohnen, Raketen und sogar Satelliten. Das Rückgrat der US-Atomstreitkraft ist die LGM-30 Minuteman, eine Interkontinentalrakete, hergestellt von Boeing. Größter Einzelaktionär bei Boeing ist Vanguard. BlackRock und State Street folgen auf den Plätzen drei und fünf.

Diese Liste ließe sich endlos fortführen – Aerojet Rocketdyne, General Dynamics, Booz Allen Hamilton, L3Harris Technologies, Huntington Ingalls Industries, Leidos … die zehn größten Auftragspartner des US-Verteidigungsministeriums sind allesamt zu mindestens 70 Prozent in Besitz von Banken, Versicherungsunternehmen und Fonds. Mit einer einzigen Ausnahme sind bei all diesen Firmen entweder BlackRock, Vanguard oder State Street die größten Einzelaktionäre. Diese einzige Ausnahme ist übrigens General Dynamics, ein Konzern der einen Großteil seiner Umsätze mit den Waffensystemen für die US Navy macht. Dort ist der Private-Equity-Konzern Longview mit elf Prozent größter Aktionär. Vanguard, BlackRock und State Street sind hier nur auf den Plätzen drei, fünf und sieben.

Wall Street und der militärisch-industrielle Komplex sind heute eng verwoben. Ethisches Investment sieht anders aus. BlackRock und Co. verdienen nicht nur prächtig an Rüstung und Krieg, sondern sie haben auch dafür gesorgt, dass Millionen von Menschen für ihre Altersvorsorge von Umsätzen der Rüstungskonzerne profitieren. Der nächste Krieg kann positive Auswirkungen auf das Portfolio haben und Abrüstung ist schlecht fürs Geschäft.

Im Jahre 2017 wurde die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die aktuelle Kampagne von ICAN heißt „Don‘t Bank on the Bomb“[iv]. Laut ICAN haben Banken und Finanzkonzerne insgesamt 748 Milliarden US-Dollar in Unternehmen investiert, die mit der Produktion von Atomwaffen Geld verdienen. Die zehn größten dieser Finanzkonzerne stehen dabei für die Hälfte des investierten Geldes. Wer diese Liste anführt, ist unschwer zu erraten. Es sind die Investment-Genossen von Vanguard – so viel zum Thema nachhaltiges Investieren.

Die fünf größten Finanziers von Atomwaffenproduzenten
1. Vanguard 66.048 Mrd. US$
2. BlackRock 61.200 Mrd. US$
3. Capital Group 59.096 Mrd. US$
4. State Street 52.835 Mrd. US$
5. Verisight 31.509 Mrd. US$

Und was sagt Vanguard dazu?

„Wir sind uns bewusst, dass Menschen tief empfundene humanitäre, ökologische und soziale Prinzipien hegen, die manche auch in ihren Anlagen berücksichtigen wollen. Als Treuhänder ist Vanguard verpflichtet, die Fonds im besten Interesse der Anteilseigner zu verwalten und die Rendite zu maximieren, damit die Anteilseigner ihre Finanzziele erreichen können. Es wäre außerordentlich schwierig, wenn nicht unmöglich, dieser Pflicht nachzukommen und gleichzeitig die Portfolios so zu verwalten, dass sie den sozialen Prinzipien aller unserer Anteilseigner gerecht werden. […]

Wie auch andere Fondsmanager versteht Vanguard, dass bestimmte Personen Anlagen ausschließlich nach sozialen Aspekten und persönlichen Überzeugungen aussuchen. Für diese Anleger haben wir den Vanguard SRI European Stock Fund und den Vanguard SRI Global Stock Fund aufgelegt. Diese kosteneffizienten und breit diversifizierten Fonds streben an, in alle oder eine repräsentative Teilmenge der Aktien zu investieren, die den maßgeblichen Index bilden, und dabei alle Aktien auszuschließen, die die Kriterien für sozial verantwortliche Anlagen nicht erfüllen.“

Aus: Investment Stewardship auf den Internetseiten von Vanguard

Wenn das mal kein verlockendes Angebot ist. Zwei der 409 angeboten Fonds sind also auch etwas für sozial verantwortliche Anleger. Und welche Unternehmen erfüllen laut Vanguard die Kriterien für sozial verantwortliche Anlagen? Unter anderem Bayer-Monsanto, Nestlé, der Wohnungskonzern Vonovia und das Who‘s Who der Öl- und Fracking-Branche.

Und BlackRock? Im Vergleich zur Konkurrenz ist BlackRock zumindest in Sachen Information sogar vorbildlich. So erfährt der geneigte Anleger schon auf der Informationsseite zu den betreffenden Fonds, wie hoch der Kapitalanteil in Unternehmen ist, die mit Streumunition, Landminen, Uranmunition, atomaren, biologischen und chemischen Waffen und Schusswaffen ihr Geld machen und wie viele Unternehmen Tabakproduzenten sind oder die UN-Compliance-Richtlinien nicht einhalten. Konsequenter wäre es zwar, erst gar keine Fonds anzubieten, die in solche Unternehmen investieren, aber so kann man wenigstens den Schwarzen Peter an die gierigen Anleger weiterreichen.

Jens Berger: “Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen“, Westendverlag

3 Comments

  1. https://www.youtube.com/watch?v=yaYMMZ8V_bg
    Geld ist nicht das Problem.
    Wir, die Personen, die etwas damit machen, schaffen Probleme oder Positives.
    Wie lange kann uns die ausgebeutete Erde noch aushalten ?
    Wir müssen uns sofort ändern, wenn die Erde und wir noch eine Chance haben sollen.

  2. „tief empfundene humanitäre, ökologische und soziale Anlagen“

    erzielen in diesem System keine Renditen. Deshalb werden sie vom Anleger auch gemieden, oder nur aus Marketing-Gründen beigemischt, es sei denn der Staat -oder besser noch die Zentralbanken greifen durch massive Subventionen und Compliance-Regularien in den Markt und in die Investment-Entscheidungen ein,
    was heute auch geschieht.

    Green Finance a la EZB-Lagarde…auch um den System-Kollaps zu prolongieren
    Das System war 2008 bereits tot…und jetzt ist 2020

    Der Normal-Michel denkt :
    “Mensch…dass ist doch geil..BIS+FED+EZB+UNO…die sind total sozial
    und denen geht es doch auch nur um den Schutz des Planeten-und um die
    Ressourcenschonung…schließlich ist das ein Muss für unsere “Weltgemeinschaft”

    Wenn Finanzkonzerne-US-Pentagon-Federal Reserve-UN an einem “Klima Strang” ziehen, dann ist Vorsicht “als Mutter der Porzellankiste” angezeigt, denn ein scheußlich Bild drängt sich da am Ende auf:

    Völkermord + Social Engineering + Planetenschutz…
    die 3 gehören im Fiat-System einfach zusammen
    wie die Drei von der Tankstelle
    https://www.youtube.com/watch?v=UbvBC6t_YlQ

    Quellen
    https://www.youtube.com/watch?v=5y8zAPr7yu8
    https://www.vice.com/en_us/article/mbmkz8/us-military-could-collapse-within-20-years-due-to-climate-change-report-commissioned-by-pentagon-says
    https://www.nytimes.com/2020/01/14/business/dealbook/larry-fink-blackrock-climate-change.html

  3. Über die drei Heuschrecken Blackrock, Vanguard, Capital Group und deren Einfluss (Druck!) beim Kauf von Mosanto durch die Bayer AG, hatte Jens Berger bereits im März des vergangenen Jahres in seinem Beitrag “Bayer und Co. – wer beschützt die Konzerne vor ihren Investoren?” (Hier der Link —-> https://www.nachdenkseiten.de/?p=50355) einen tiefen Einblick hinter die Kulissen gewährt.
    Im letzten Heft von “Hintergund” (Erschienen im Dezember) hat Werner Rügemer sich in seinem Beitrag “Die Macht von Google Amazo, Facebook & Co” mit den Fünf so “symphatischen” Digitalkonzernen Google, Apple, Microsoft, Facebook und Amazon kurz GAMFA und deren Praxis der Steuervermeidung, -hinterziehung, Lohndrückerei, Einflussnahme auf das politische Geschehen, Zusammenarbeit mit dem MIK, Intransparenz bei Verträgen, explodierender “gentrification” in Seattle, San Francisco, Toronto und Dublin, sowie dem üblichen Ausspähen der Kunden auseinander gesetzt. Was Rügemer dabei recherchierte, lässt die “Stilikonen” Steve Jobs (Apple), William Gates (Microsoft), Mark Zuckerberg (Facebook), Eric Schmidt (Google) & Jeff Bezos (Amazon) in keinem guten Licht stehen. Das Agieren dieser Fünf erinnert immer mehr an das, der oben angeführten Heuschrecken von Black Rock &Co. Wollte man sich zu Anfang noch dem Establishment verweigern, ist man nun mittendrin und geht Hand in Hand mit den großen im Rüstungsgeschäft. Und das nicht nur in den USA, nein auch in Europa ist man Dick im Big Buisness.
    Hier nur einige Auszüge:
    “Die Macht von GAMFA zeigt sich auch darin, dass sie fast keine Steuern zahlen – nicht nur im Herkunftsland USA, sondern auch in allen anderen Staaten….
    Dabei nutzen die GAMFA intensiv die öffentliche Infrastruktur……..
    Sie greifen zudem bei allen Städten, Bundesländern und Staaten möglichst viele öffentliche Subventionen ab und verlangen Steuererleichterung.
    Bei alledem gehört es es zum extrem asozialen Geschäftsmodell, der benutzten Öffentlichkeit nichts zurückzugeben, sie vielmehr zu verarmen.
    Zudem sind die GAMFA-Großaktionäre Black Rock, Vanguard, State Street & Co die größten Organisatoren der Steuerflucht zugunsten der Superreichen.
    Transparenz wird zwar beschworen; aber alle Nutzungsverträge mit Staaten und staatlichen Einrichtungen sind auf Verlangen von Microsoft geheim.
    Nicht zuletzt deshalb zerfällt die Transparenz auch zu Staub, wenn es um die “nationalen Interessen” der USA geht: Gates hasst es, wenn US-Kriegsverbrechen an die Öffentlichkeit gelangen, den Whistleblower Edward Snowden hält er für einen Gesetzesbrecher, der keine Unterstützung verdient.”
    Das ist es doch mehr als beruhigend wenn die Tagesschau gestern darauf hinweisst; Das “Human Rights Watch” China einen systematischen Angriff auf die Menschenrechte vorwürft. O-Ton: “Die Kommunistische Partei habe eine Hightech Überwachungsstaat und ein augeklügeltes System der Internetzensur geschaffen! Damit würde öffentliche Kritik unterdrückt. Gleichzeitig nutze Peking seinen wachsenden wirtschaftlichen Einfluss, um auch im Ausland Menschenrechte auzuhebeln.”
    Es ist doch immer wieder schön zu wissen, dass wir doch die “Guten” sind!

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