Bimbophil und Spaß dabei

“Du Neger ?” fragt Otto einen schwarzen Soldaten, der nicht versteht. “Schwarzer Kopf, schwarzer Bauch, schwarze Füß”, erklärt Otto, zieht die Strümpfe aus und zeigt seine dreckigen Füße. Da fällt seinem Gegenüber der Groschen: “Ah, du Neger!”. In der Folge gelingt es Otto,  seinen neuen schwarzen Freund als Sklaven an eine ältere Dame zu verkaufen (“Wenn Sie denn näher treten wollen, Herr Bimbo”) und von ihr 100 Mark zu erschwindeln. So weit, so flach eine Szene aus “Otto – Der Film” aus dem Jahr 1985. Der Sketch stammt ursprünglich aus einem Bilderwitz von Robert Gernhardt , der mit seinen “Titanic”-Kollegen Bernd Eilert und Pit Knorr das Buch zum Film geschrieben hatte. Weil der  mit 15 Millionen Zuschauern  meist gesehene deutsche Film aller Zeiten zum 35-jährigen Jubiläum wieder in einigen Kinos laufen sollte, ist er wegen Verwendung des N-Worts jetzt unter Rassismusverdacht geraten. Und mir fiel ein, dass ich den Film damals gesehen und darüber geschrieben hatte – schwer enttäuscht, weil ich den Humor von Gernhardt und der Neue Frankfurter Schule eigentlich hochgradig schätzte:

Waalkes, Waalkes noch ein Weilchen…

Es musste ja so kommen: Nach der Platte, der Show, dem Buch, dem T-Shirt jetzt „Otto — der Film“. Keine Frage, daß er einschlagen wird, wie alle Produkte des Otto-Versands — es geht nicht mehr um Witz, Komik, Satire und “Anartistik”, es geht um „Otto“. D.h. umso etwas ähnliches wie „adidas“, was ja mit Sport auch nichts zu tun hat. Oder nur insofern, als sich die Fans jedes Jahr das neuste Modell reinziehen. So wie jetzt also „Otto — der Film“, bei dem, wie sollt’s anders sein, gelacht werden darf. Nicht über die dürftig-dämliche Story, nicht über die Figuren (außer Otto darf niemand witzig sein, alles reine Retorte), nicht über Situationen, Überraschungen — die Spannung geht chronisch gegen Null — sondern über den, der ihr völliges Absinken verhindert und immer wieder diese Lachsalven auslöst: Otto, der Mann mit den drei Problemen, der Otto wie wir ihn kennen und lieben, der mit den drei Grimassen, den drei Kalauern und den drei Gitarrenriffs, immer frech, immer frisch, immer fröhlich, mit Breitband-Gags für Sechs bis Sechzigjährige, vom hochsubtilen Nonsens bis zur dumpf-regressiven Zote, von wahnwitziger Komik zum flachsinnigen Grimassieren, der einzige Volks-Otto mit den drei Prädikaten: allen wohl, keinem weh und trotzdem einen la-Witz auf der Pfanne, hervorragend unter den Didis und Supernasen des komischen Gewerbes. Noch hervorragend, denn mit seinem Film ist Otto auf dem besten Weg, ein ebenso widerlicher Peinsack zu werden.

„Otto — der Film“ ist eine Nummern Revue, die durch ein Drehbuch unter aller Humor-Kritik (Ostfriesenjüngling in den Mühlen der Großstadt) zum Film gestreckt wird, statt sie, wie bisher im TV und bei Ottos Live-Auftritten, zur raffinierten Show zu verdichten. Hätten sich Otto und seine drei Pointenschmiede von der „Titanic“ (Eilert, Gernhardt, Knorr) statt auf die Konstruktion einer Handlung auf das besonnen, was sie können (kleine, feine, gemeine Witze zu machen) — es hätte eine fetzige, neo-banale Kino-Show werden können. So aber ist ein plattes, belangloses Komödchen herausgekommen, die ehemalige Perle Otto wirft sich vor die Säue der überparteilich unerheblichen Zwerchfellanimation. Die PR-Lawine mit Jubel von ‘Bild* bis ‘Spiegel* läßt darauf schließen, daß Otto der Durchbruch zum „Lachmann der Nation“ endlich geglückt ist.

Bleibt zu hoffen, daß er nicht, wie der Film es bereits andeutet, zum Flachmann wird. Der Bedarf an kotzblöden Kichererbsen ist überreichlich gedeckt, was wir brauchen, ist ein ostfriesischer Woody Allen, ein Nationalphilosoph, über den man lachen kann…

Soweit mein Artikel aus der taz vom 23. Juli 1985, der ja nicht mit Kritik spart, die  “Neger”-Szene aber gar nicht erwähnt – was natürlich auf einen Autor mit mangelnder Sensibilität für “strukturellen Rassismus” zurückgeführt werden könnte. Wenn die Debatte darauf kommt, antworte ich immer noch gern mit dem Bekenntnis: “Ich bin  bimbophil!” – was politisch korrekte Anti-Rassisten damals wie heute als Affront empfinden, aber der Wahrheit entspricht. Denn ich habe nichts gegen “Bimbos” und ich liebe “Negerküsse”. Was ich aber gar nicht mag sind fundamentalistische Mimosen, die sich als Diskurswachtmeister, Wortwarte und Humorpolizei aufspielen und für die jeder Spaß aufhört, wenn es um ihren Mohamed, ihr Judentum, ihren Jesus, ihre “Identität” oder andere Vorlieben geht. 

Wäre Robert Gernhardt noch am Leben, würde sein lakonisch-minimalistischer Cartoon heute mit der Frage “Du People of Colour?” anfangen und es würde defintiv komisch. So wie es ja auch die Zeitanalysen im Trio mit F.W.Bernstein und F.K.Waechter waren, die zum Beispiel die Beziehungsprobleme der “freien Liebe” in den 70ern so wohlklingend in den Zweizeiler brachten: “Am Abend hilft die Jägerin / dem Jäger auf die Negerin”. Was man natürlich als zutiefst rassistisch,  sexistisch, jägerinnenfeindlich, heterodogmatisch, menschenverachtend usw. empfinden kann –  aber nicht muss. So wie die “Neger”-Szene in diesem Otto-Film, die Rassismus und Sklavenhandel thematisiert,  auf nicht besonders tiefsinnige, kritische Art, aber auch keinesfalls affirmativ.

Soll der Film  nun wegen Gebrauch des N-Worts als “nicht jugendfrei” in den Giftschrank ? Darf man man über Otto noch lachen, wo ihm doch jetzt irgendwie “struktureller” Rassismus vorgeworfen wird ? Steckt der  – subtil – auch noch in seinen anderen Witzen, auch wenn das N-Wort dort nicht vorkommt ? Werden unsere Kleinen durch die lustigen  “Ottifanten” unterschwellig zu rassistischem Reichsbürgertum verführt ?  So rhetorisch, wie diese Fragen klingen, sind sie leider nicht. Nachdem unlängst schon das N-Wort in Astrid Lindgrens Klassiker “Pippi Langstrumpf” korrigiert wurde, klagte eine tierschützende Veganerin in meiner alten Heimatstadt Limburg gegen das Lied “Fuchs du hast die Gans gestohlen”, welches vom Glockenspiel des Rathauses erklang: die Zeile “Sonst kommt dich der Jäger holen mit dem Schießgewehr” war zu heftig für die Betroffene, auch wenn es nur als Instrumental durch die Stadt schallte. Was zeigt: Betroffenheit kennt keine Grenzen, ein Angriff muss weder sichtbar noch hörbar sein, es reicht, wenn er mit gedacht, gefühlt, empfunden werden kann. Wie bei der  Berliner “Mohrenstr.”, die jetzt umgetauft werden soll – wobei der Vorschlag es mit zwei Pünktchen über dem “o” effektiv und politisch korrekt zu erledigen keine Mehrheit fand –  von der “Mohrenstrasse”  fühlte sich fast 300 Jahre lang niemand betroffen fühlte, weil das Wort “Mohr” in der deutschen Sprache gar nicht negativ besetzt war. Heute ist es überhaupt nicht mehr in Gebrauch – außer bei den Restbeständen  von “Mohrenköpfen”, die jetzt “Schaumküsse” oder in der Schweiz “Choco-Köpfli” heißen,  –  um also von “Mohren” noch betroffen zu sein, muss man sich die Reihe “gleich Neger gleich Kolonialverbrechen gleich Rassismus”  dazu denken. Wer sich dann aber ethymologisch verirrt, und wort-historisch bei den “Mauren” oder dem Ägypter St.Mauritius und in St.Moritz landet,  begeht ein Gedankenverbrechen, ist also quasi Rassist, hat es nur noch nicht gemerkt… So wie ich vor 35 Jahren in diesem doofen Otto-Film, der dann auch noch den “Stadtneurotiker” Woody Allen lobte,  über den man wegen #metoo und Pädogerüchten mittlerweile auch nicht mehr lachen darf. Davon aber, ich schwöre, war 1985 wirklich nichts zu ahnen…..

Auch als Podcast auf KenFM

11 Comments

  1. Auch laut Woody Allen: “War das stecken bleiben im voll besetzten Aufzug, der Sechser für den Klaustrophobiger”! Aber das nur nebenbei bemerkt.
    Ja es ist schon mehr als fraglich, was da so einige unserer Zeitgenossen umtreibt. Gibt es sonst keine Probleme auf diesem Planeten, welche dringend gelöst werden müssten, will man da fragen? Ich will jetzt nicht mit Corona anfangen, weil mir das eh schon zum Hals hängt. Wahrscheinlich bringt jede Zeit, so ihre speziellen Typen hervor. Diese manisch veranlagten Sittenwächter – welche sie hier passend aufs Korn genommen haben, Herr Bröckers – erinnern mich in ihren missionarischen Eifer an Typen der “Spanischen Inquisition”. Nach dem Motto, “Was nicht sein kann, dass nicht sein darf!” wird der große moralische Kehraus betrieben. Man stört sich an Dingen, wo der gesunde Menschenverstand sagt: Gehts noch?
    Nur fallen solche Typen nicht vom Himmel. Und die mediale Aufmerksamkeit, welche man ihnen zukommen lässt, ist bewusst gesteuert. Man will schließlich darüber die Kontrolle haben, womit sich der unmündige Bürger, bitte schön beschäftigen soll. Themen wie Corona und die damit einhergehenden Maßnahmen, welche zu noch mehr Verarmung in großen Teilen der Bevölkerung führen und einem zunehmenden Demokratieabbau in den westlichen Staaten fördern, sind da nicht so pralle. Auch nicht die zunehmende weltweite Rüstung, welche ohne Sinn und Verstand, gerade von unseren westlichen Demokratien immer mehr forciert wird. In dem Zeitraum, wo der Westen über knapp 600.000 Corona Tote weltweit lamentiert, sind ebenfalls weltweit 3,5 Millionen Kinder unter 5 Jahren an Unterernährung gestorben. Gleichzeitig haben wir im Verbund mit den USA, das Wirtschaftsembargo gegen Kuba, Venezuela, Syrien und Iran, auch während der Corona-Krise aufrechterhalten, weil uns die Gesundheit, aller Menschen am Herzen liegt. Solche und ähnlicheThemen, tangieren diese Moralapostel mit erhobenen Zeigefinger nicht.
    Bei so viel Borniertheit fällt mir immer Max Liebermann ein, welcher sagte: “Ich vermag nicht so viel zu essen, wie ich Kotzen möchte”!
    In diesem Sinne.

  2. Das Problem ist, dass im momentanen Klima der Humorlosigkeit mehr verloren geht als das, was man im Englischen so schön “wit” nennt. Ideologisch verbohrte Moralapostel sind nicht ohne Grund dabei, das Uneigentliche als beinahe so schlimm wie das Böse selbst zu brandmarken – helfen Distanziertheit und Ambiguität doch, den Diskurs auf eine charmante Art und Weise zu transzendieren und sowohl Täter als auch Opfer den Spiegel vorzuhalten. Auf dass wenigstens das Hirn emanzipiere, wenn schon Herz und Gedärm in dumpfer Anhaftung vernachten.

    Wahre Anarchie tötet, metaphorisch zu verstehen natürlich, sowohl Täter als auch Opfer: Sie verlacht den Kaiser ohne Kleider genau wie diejenigen, die auf ihn hereingefallen sind. Und zwar genauso heftig, auf dass diese so angepisst sind, dass sie endlich aus ihrer Unmündigkeit rausfinden – statt dem nächsten Guru hinterherzulaufen, der ihnen erklärt, wie strukturell schlimm doch alles ist und dass sie als Opfermasse nur laut genug blöken müssen, um auch, wenigstens als Klasse, irgendwann auf dem Schafsthron sitzen zu können.

    Wenn man sich mit dem Sprüchlein “Wenn Du wissen willst, was Dich beherrscht, finde heraus, was Du nicht kritisieren darfst” als Lackmustest durch die momentanen Diskurswelten durcharbeitet, bekommt man ziemlich “saure” Resultate: Demagogen jeglicher Couleur haben es hinbekommen, die subjektive, gefühlige Wahrheit über die objektiv-empirische zu setzen. Pseudo-gewaltfreie Kommunikation wird als Waffe genutzt, um Mangel an Evidenz durch Betroffenheit zu ersetzen. Obskurse Abstrakta wie “Klima”, “Kapital”, “Whiteness” und “Patriarchat” erlauben erst gar keine Falsifizierung, bringen aber einen Großteil der Gesprächspartner in eine ungewohnt spirituelle Sünderrolle – nur dass die Erlösung nicht nur drei bequeme “Ave Marias” kommt, sondern erst am Ende der Revolution, vielleicht.

    Wer in Logik, Rhetorik und Sophismus geschult ist, wird die irren Bußprediger mit einem freundlichen “Fuck off!” los, andere überlegen schon mal, ob sie ihren Fußabdruck nicht reduzieren, indem sie überall nur noch auf Zehenspitzen rumlaufen, mit einem besorgt-krampfigen Lächeln – wer weiß, welchem Phantom man gerade wieder auf den Fuß gelatscht ist.

    Als Anarchist kann ich nur sagen: “You get what you deserve!” Schwäche wird ausgenutzt werden, ist nur eine Frage der Zeit und der richtigen Konstellation. Beschäftigt euch damit, wie Grenzverletzungen und Gaslighting offensiv und invasiv eingesetzt werden – und Politfreaks werden zu Scheinriesen, so bedrohlich wie die Zeugen Jehovas.

  3. Jaja, die liebe Debatte um die Political correctness. Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass es Rassismus gibt, in Deutschland und in jedem anderen Land der Welt auch. Wenn ich lese, dass eine BLM-Aktivistin das Lincoln Denkmal abreißen will und darauf angesprochen, dass dieser ja die Sklaverei abgeschafft hätte, antwortet, ein Weißer hätte das Denkmal gebaut, dann kann ich mir nur an den Kopf fassen. Was bringt es Denkmäler abzureißen? Ändert das was an der Situation? Wenn man es wirklich ernst meinen würde, wären ganz andere Anstrengungen nötig.
    Das ist natürlich nicht der Zwitschergemeinde ihr Ding, einen Shitstorm auszulösen, der eine wirkliche vernünftige Begründung hätte. Über Scheißdreck aufregen, sorry, dass können sie, aber fünf Minuten später ist der Heidi ihre neue Frisur das nächste heiße Ding.
    Man wundert sich schon fast, dass der Deutsche vor lauter PC noch nicht ausgestorben ist.
    Wenn wir gerade bei wundern sind, mich wundert, dass sich noch niemand über die gnadenlos unkorrekte Rangliste der verschiedenen Geschlechter in Stellenanzeigen beschwert hat, auch der Shitstorm ist bisher ausgeblieben. Stellenanzeigen sehen so aus: Wir suchen blabla…m/w/d…
    Hoppla, das ist ja eine Rangliste, echte Diskriminierung. Wäre ich Divers, wäre ich echt angepisst nur an dritter Stelle zu stehen. Wäre ich eine Feministin, welche an zweiter Stelle steht, würde mir das auch gegen den Strich gehen und ich würde voll angesäuert von meiner Kollegin beim Frühstück darum bitten mir die Salzstreuerin zu reichen, bevor ich den Zwitscherapparat vorglühen würde…
    Auch bei LGBT das gleiche, welcher Sexist war für diese Reihen/Rangfolge verantwortlich?
    Fragen über Fragen. Ganz Ehrlich? Mir sind diese Dinge, wie Glaube, Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Religion dermaßen egal, ich sehe in erster Linie den Mensch, denn nur der zählt und diese ganze Debatte ist gesteuert und hat einen ganz anderen Zweck, nämlich von den wirklichen Problemen abzulenken.

  4. Manche (männlichen) Autofahrer sind sexistisch (“Frau am Steuer – UNGEHEUER”), aber dass die Tätigkeit Autofahren an sich etwas Sexistisches sei, ist angesichts vieler Kfz-Lenkerinnen derzeit (und hoffentlich auch noch künftig) kein Thema.

    Entsprechend dürfte auch niemand auf den Gedanken kommen, Mathematik sei rassistisch, auch wenn vielleicht der Zugang zu mathematischer Bildung für viele Nicht-Weiße erschwert ist – aus Gründen, die mit dem Fach an sich nichts zu tun haben.

    Wie andere wissenschaftliche (und ebenso auch kommunikative) Methoden lässt Mathematik sich natürlich missbrauchen, indem man z.B. mit Auswahl und Deutung von Statistiken lügt. Oder – wie bei US-Polizeivorhersagen – rassistisch vorgefilterte Daten in eine Prognose-Software eingibt, die dann rassistische verfälschte Ergebnisse ausspuckt,
    https://www.deutschlandfunk.de/mathematiker-zu-us-polizeivorhersagen-was-rauskommt-wird.676.de.html?dram:article_id=479172

    Rochelle Gutierrez ist Professorin für Erziehungswissenschaften / Bildungsforschung an der Universität Illinois und sieht die Sache bedeutend rakikaler.
    Vor drei Jahren war bei RT zu erfahren: Sie “schreibt in einem Buch, Mathematik sei weiß, operiere weiß und werde weiß dominiert. Mitglieder der mathematischen Gemeinde würden allgemein als weiß angesehen. Gutierrez doziert über soziale Gerechtigkeit und Rassismus. Ihre Studenten werfen ihr vor, selber rassistisch zu sein”,
    https://www.youtube.com/watch?v=nfasg4Ybb4Q

    Alle Zahlen sind gleich – Tod den Primzahlen, diesen elitären Old White Men der exakten Wissenschaften?

    Okay, es gibt in der Mathematik schon ein paar Ungleichgewichte, die nicht besonders gut mit Identitätspolitik harmonieren. So ist bekanntlich das Quadrat zwar das egalitärste aller Vierecke, aber ausgerechnet zur Lösung quadratischer Gleichungen wird immer noch auf die sogenannte (nomen est omen!) “Diskriminante” zurückgegriffen, nach der es nur eine, zwei oder eben gar keine Lösung geben kann – das scheußliche klassische Rollenklischee “männlich – weiblich – gar kein Geschlecht” behauptet hier also (noch) unangefochten das Feld.

    Dabei wissen wir doch, es gibt viel mehr als nur zwei Geschlechtsidentitäten, nämlich mehrere Dutzend! Statt also die nicht-binäre Gender-Vielfalt anzuerkennen und mit ihr zu rechnen, versuchen Mathematiker immer noch, quadratische Gleichungen vor ihrer Auflösung zu “vereinfachen”, indem sie sie bevormundend “quadratisch ergänzen” – nämlich ihnen die altbackenen und längst nicht mehr politisch korrekten “binomischen Formeln” überbraten.

    Wie gut, dass wir eine Professorin Gutierrez haben, die hier bestimmt Abhilfe schaffen wird.

  5. Die von Albrecht Müller begründeten NachDenkSeiten beschäftigen sich seit über 10 Jahren mit Meinungsmache und Meinungsmanipulation, wie sie insbesondere in den Medien stattfindet, und decken deren Hintergründe auf. Letztlich ist es der Krieg Reich gegen Arm, den Warren Buffet als Vertreter der reichen Seite offen eingesteht – samt der Feststellung, dass seine (die reiche) Seite dabei ist, diesen Krieg zu gewinnen.

    So offen wird das (gerade seitens der Reichen) selten ausgesprochen, weil Manipulation am besten durch Ablenkung geht. Hier die wichtigsten in Deutschland aufgebauschten Konflikte (zwecks Ablenkung vom wichtigsten, nämlich dem Oben-Unten-Gegensatz):
    – Ostdeutsche gegen Westdeutsche,
    – Stadt gegen Land (Mobilitätspolitik, Provinzialität)
    – Jung gegen Alt (Rentenfinanzierung als „neuer Generationenkonflikt“)
    – Arbeitnehmer gegen Arbeitslose („Sozialschmarotzer“)
    – Beamte gegen Nicht-Beamte

    Diese Konflikte sind zwar (zu Ablenkungszwecken) aufgebauscht, aber nicht gegenstandslos. Zu tief sollten daher insbesondere die „Intellektuellen“ die Unterschiede und deren Behebung nicht angehen, sonst landen sie früher oder später doch wieder bei (aus Sicht der Reichen) gefährlichen Umverteilungsideen.

    An diesem Punkt dürfte irgendeinem für Superreiche arbeitenden Think Tank die Idee gekommen sein: Wir brauchen neben den bösen Unterschieden auch gute Unterschiede, die eine Beißhemmung auslösen. An den bösen dürfen die Intellektuellen sich abarbeiten und müde kämpfen, bei den guten müssen sie sich einer Selbstzensur unterwerfen, um nicht der neu zu schaffenden, Intelligenzija-internen Gedankenpolizei in die Hände zu fallen. Die ständige Beschäftigung mit Grenzfragen (was ist ein guter Unterschied, was ein böser?) wird alle Intellektuellen so stark „fördern & fordern“, dass sie sich hoch erhaben fühlen über den alten, plumpen und langweiligen Klassenkampf-Diskurs, der nur einfachste Unterscheidungen kennt.

    Zudem erweitert die (Er-)findung von „guten Unterschieden“ das manipulationstechnische Waffenspektrum für die Mächtigen erheblich: Die Ausrufung von neuen Feinden (Kommunisten, Nazisten, Islamisten) ist schwerfällig, weil nur ein großer Feind ein brauchbarer Feind ist (das begrenzt die Auswahl) und deshalb meist im Ausland sitzt und nur als allgemeine Angstkulisse genutzt werden kann. Bei der Ausrufung neuer Schützlinge können die Kandidaten dagegen nicht klein genug sein und daher quasi täglich neu aus dem Hut gezaubert werden.

    Beim Gendern ist dieser Übergang von bösen Unterschieden zu guten bestens zu beobachten: Eine männlich-weibliche Welteinteilung ist böse, insbesondere wegen der traditionell dominierenden männlichen Hälfte. Die Emanzipation von Lesben und Gays galt jedoch nur vorübergehend als gut: Bisexuelle und Transgender waren ja immer noch schwerstens diskrimiert. Aber auch LGBT musste dringend zu LGBTQIA+ erweitert werden, um queeren, inter- und asexuellen Personen Zugang ins Gender-Paradies zu ermöglichen. Das „+“ steht für alle weiteren, ggf. noch gar nicht bekannten Gender – erst ab da wird es wirklich diskriminierungsfrei und kreativ: Wer bietet mehr, gibt es (nur) 60 Gender oder deren über 4000?

    Hier zeigt sich dann der dritte Vorteil dieses neuen Manipulations-Konzepts:
    Unter mehreren Tausend kleinen und schützenswerten Gendern befindet sich dann auch der „kleine Geldsack“ (alias Oligarch), der als Minderheit natürlich besonders schützenswert ist und Beißhemmung einfordern darf. Soros ist so ein Superreicher, der sich selbst als verhinderten Philosophen sieht und ersatzweise als „Philanthrop“ (mit reichlich gesponserten NGOs und Think Tanks) Brot und Arbeit bietet für die vielen Intellektuellen, zu denen er immer dazugehören wollte, aber vor lauter Spekulieren und Raffen ein ganzes Leben lang nicht die Zeit dafür gefunden hatte. Zum „Schützling“ macht ihn nicht das viele Geld, sondern seine jüdische Abstammung, die man als Soros-Kritiker tunlichst auch nicht nebenbei erwähnen sollte (das machen dann nämlich die Kritiker der Soros-Kritiker, um die Soros-Kritik pauschal abzuwürgen).

    1. Volle Zustimmung. Ich persönlich finde die Sozialschmarotzer des oberen 1%, die auf ihren Ererbten Naziaktienpaketen sitzen und für ihr Leistungsloses Einkommen nur 25% Kapitalertragssteuern auf Zinseinkünfte zahlen müssen die allerschlimmsten.
      Die werden noch gepampert auf Teufel komm raus, sind sie doch die Leistungsträger und Stützen unserer Gesellschaft…
      Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte.

  6. Aus dem viel-geschmähten Preußen:
    “Preussisches Liebesglück” : https://www.dhm.de/sammlung-forschung/sammlungen0/bildende-kunst-i/inhalt/preussisches-liebesglueck.html

    Ausspruch vom viel geschmähten Friedrich dem Großen:
    1043 (Als ein Bordelaiser Kaufmann unter preußischer Flagge Sklavenhandel betreiben wollte, April 1782) (auf Deutsch):
    “Der Handel mit Negern ist mir stets als eine Schmach für die Menschheit erschienen. Niemals werde ich ihn gestatten, oder durch eine Handlung meinerseits begünstigen”

  7. Erhellendes zum Thema gibt es unter:
    https://www.kontextwochenzeitung.de/debatte/487/beichte-deine-suenden-6895.html

    Autor Rupert Koppold meint: „Eine akademisch geprägte Identitätspolitik fordert Rücksichtnahme für Diskriminierte oder sich diskriminiert Fühlende. Sie kümmert sich aber nicht um Klassenfragen, verhängt lieber Sprechverbote, führt zur Ächtung von Menschen wie Woody Allen oder Julian Assange – und spielt deshalb der Rechten in die Hände“.

    Aus der Irrenanstalt Gender & Diversity schildert er Absurditäten wie das Wüten gegen die angeblich transfeindliche Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling (die lieber als Frau denn als „Mensch, der menstruiert“ bezeichnet werden will) und fragt „Wo sind die Proteste im Fall Assange geblieben?“
    Pech für Julian, den weißen Mann, der mehr durch die Unrechts-Haft als durch den Zeitablauf zum weißen ALTEN Mann wurde: „MeToo“ glaubt immer nur und ausnahmslos den Aussagen von Frauen. Sogar wenn denen diese Aussagen letztlich nur angedichtet wurden – von männlich-weißen Staatskriminellen, wie wir seit den Ermittlungen von Nils Melzer wissen, seines Zeichens UN-Sonderberichterstatter für Folter.

    Vermutlich weil SPIEGEL-Kolumnist Sascha Lobo voreilig in den (juristisch widerlegten, aber Me-Too-konformen) Chor der Woody-Allen-Verdammer mit einstimmte, sieht man ihm selber nach, was sonst kein weißer Mann begehen dürfte: kulturelle Aneignung.
    Lobo betreibt nämlich mit seiner Irokesenbürste haartechnisch genau jenes „Indianer Spielen“, das eine Hamburger Kita als Anhängerin der Identitätspolitik letztes Jahr ihren Kindern verbieten wollte – aber merkwürdigerweise bleibt Lobo von allen Anklagen bisher verschont. Wahrscheinlich denkt er einfach nicht so kolonialistisch wie die von ihren anrüchigen Hetero-Eltern erzieherisch versauten 5-jährigen weißen Vorschul-Machos.

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