13
Nov, 2011

Kick Out The Jams, Motherfuckers!

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Der Drogenkriegs-Unsinn hört einfach nicht auf. Gerade war ich mal wieder ein paar Tage in Amsterdam, wo die niederländsiche Regierung jetzt vorhat, Cannabis mit einem THC-Gehalt von über 15 % als “harte Droge” einzustufen. Danach würde ein Großteil des in den Coffeeshops verkauften Marihuanas unter ein Verkaufsverbot fallen. Zumindest für kurze Zeit, denn ebenso wie in den letzten Jahren die “hochprozentigen” Sorten zugenommen haben, würden dann eben wieder auch Sorten angeboten werden, die unter dem ominösen Grenzwert liegen. Grundsätzlich würde diese Regelung also nichts ändern, für die Verbraucher könnte sich dadurch immerhin der Vorteil ergeben, dass die Cannabinoidgehalte angegeben werden müssen. Aber an derart umfassendem Verbraucherschutz liegt der Drogenpolitik bekanntlich wenig – und so ist auch diese Maßnahme nur einmal mehr der Versuch, mit juristischen und bürokratischen Hürden das Rad zurück zu drehen und die Grower und Coffeshopbetreiber zu drangsalieren. Und wenn die Sache durchkommt den illegalen Import von Haschisch wieder anzukurbeln und das heimisch gewonnenen Gras in den Coffeshops zurückzudrängen. Also kontraproduktiv in jeder Hinsicht und einmal mehr eine weitere stumpfsinnige Maßnahme einer grundsätzlich verfehlten Politik.

Wie ja überhaupt  die Warnungen vor Cannabis mit hohen THC-Gehalt – das außerhalb Hollands auf den europäischen Märkten eine eher unbedeutende Rolle spielt – so etwas wie ein letztes Gefecht der Prohibitionisten ist. Nachdem ihnen sämtliche “Mörderkraut”-Argumente zerpflückt worden sind wird jetzt mit Vorliebe vor dem gefährlichen “Turbo”-Gras gewarnt, das man mit dem Stoff der Hippiezeit nicht mehr vergleichen könne. Daran ist wahr, dass es heute tatsächlich sehr viel THC-reichere Hanfsorten gibt als vor 40 Jahren, unwahr ist, dass sie dadurch “gefährlicher” geworden sind. Gefährlich ist vielmehr die Situation des Grau,-oder Schwarzmarkts, die keinerlei Schutz vor gefährlichen Beimischungen bietet und aufgrund fehlender Gehaltsangaben keine korrekten Dosierungen ermöglicht. Sowie der auch in Holland immer noch illegale und deshalb klandestine Indoor-Anbau, der auf schnellstmögliche Blüten-und THC-Produktion setzen muß. Deshalb, so erzählt mir ein erfahrener Hanf-Genetiker, werden für die Coffeeshops fast nur  schnelle Indica-Sorten auf Tempo produziert – Gras das eher “stoned” macht als “high”, was allein mit dem  THC-Gehalt wenig zu tun hat.

Über derlei Feinheiten hatten  wir schon 1994 gebrütet, als Jack Herer in der Jury des Cannabis-Cups war und wir drei Tage Zeit hatten unter den  besten neuen Sorten einen Favoriten zu küren. Wir hatten uns für die Blüten in Beutel Nr. 5 entschieden, wie auch die meisten anderen Juroren, denn diese Sorte, eine Züchtung der Sensi Seed Bank, gewann – und Sensi-Chef Ben Dronkers benannte sie nach dem Emperor of Hemp: Jack Herer. Sie ist heute nicht nur eine der beliebtesten Cannabis-Sorten in den Coffeeshops, auch bei den in den in Holland verschreibungsfähigen Hanfblüten aus der Apotheke handelt es sich um “Jack Herer”. Der THC-Gehalt ist auf der Dose mit 19,5% angegeben. Ein paar Krümmel, schadstoffarm per Vaporizer oder konventionell in Pfeife oder Joint, reichen – und…hui!!!! So muß Medizin wirken. Dass sie von einem Haufen Hippies in einem vernebelten Hotelzimmer in Amsterdam “entdeckt” wurde, mag zwar nicht den gesundheitsamtlichen Testmethoden entsprechen, aber hey: wer heilt hat recht. Und es ist eine gottverdammte Schande, dass Krebs,- MS,- Glaukom,- Schmerz,- und tausenden anderen Patienten in Deutschland diese ebenso wirksame wie unschädliche und preiswerte Medizin vorenthalten wird.

Zum 40. Mal jährt sich alsbald die Freilassung von John Sinclair, dem Autor, Musiker, Mitgründer der “White Panthers” und Manager der Proto-Punkband “MC 5”, den man 1969 wegen zwei Joints, die er an Undercover-Agenten weitergegeben hatte,  für zehn Jahre wegsperren wollte. Nach weltweiten Protesten und einem “Free John Sinclair”- Benefit, das Abbie Hofman, John Lennon, Yoko Ono, Stevie Wonder und andere Freunde organisiert hatten, kam er im Dezember 1971 frei.  Er ist bis heute on the road, in Amsterdam, in London oder in der (sterbenden) MotorCity Detroit, wo das Jubiläum seiner Freilassung dieses Jahr gefeiert  wird, mit vielen der Unterstützer von einst. Angesichts der gärenden, prä-revolutionären “Occupy”-Bewegung  ist der wütende Schrei, mit dem “MC 5” einst den Rock’n Roll in Rock’n Revolution transformierte – und mir als 15-jährigem sämtliche Nackhaare massierte – denn auch aktueller denn je: Kick Out The Jams, Motherfuckers!

Kommentare

2 Kommentare zu “Kick Out The Jams, Motherfuckers!”

  1. Benjamin am 13.11.2011 um 13:28 Uhr 

    Eine Gesellschaft, in der es jedes Jahr so dermaßen viele Leberkranke (mal ganz abgesehen von den anderen Folgen von Alkoholismus) und Menschen mit Lungenkrebs gibt und sich dann über ein paar Kiffer aufregt, weil die etwas verpeilt sind ist einfach nur verlogen.

    Kanzler die sich mit fetter Zigarre abbilden lassen und Ministerpräsidenten die sich nach ein zwei drei Maß Bier hinters Steuer setzen im Kampf und dergleichen im Kampf gegen die Drogen.

    Haha.

    Ein weiteres – beknacktes – Beispiel dafür, dass die Einteilung in “gut” und “böse” für’n A… ist.

     
  2. smoky am 14.11.2011 um 21:24 Uhr 

    Ein Video über den Erfolg von 10 Jahren Dekriminalisierung in Portugal

     

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