9
Jan, 2012

Der mit dem Wulff tanzt

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Wie “Bild” und die Pressemeute den Bundespräsidenten am Nasenring durch die Manege ziehen, wie Diekmann mit dem Wulff tanzt und dieser sich vollkommen blöde selbst immer weiter in den Schlammassel reitet – mit dieser Gossenkomödie ist die Krise der Repräsentation auf einem Tiefpunkt angelangt. Auch wenn die Glaubwürdigkeit der Politik und der Medien seit Jahren nur einen Trend kennt – nach unten – derart unter Niveau ging es selten zu: das Blut,-und Sperma-Blatt “Bild” als Hort des sauberen Journalismus und Hüter der Verfassung, der oberste Repräsentant des Staats als Depp der Nation und das Ganze seit Wochen in den Top-Nachrichten. Ich wollte diesen Zirkus eigentlich ignorieren, denn es ist bei den heftigen weltweiten Währungskrisen und Skandalen ja nun wahrlich ein Nebenkriegsschauplatz. Aber die Medien haben Blut geleckt und legen nach. Jetzt wird gemeldet, dass sich Wulff auch beim Verlagschef Döpfner telefonisch beschwert haben soll. Ja so was aber auch – als ob nicht jeder, der nur  mal ein Praktikum bei einer Lokalzeitung  gemacht hat, wüßte, dass Bürgermeister, Unternehmer und Honorationen sich über Artikel beschweren, sie verhindern wollen, Korrekturen fordern und mit Konsequenzen drohen. Dem Chefredakteur, dem Verleger und den Reportern selbst.  Derlei Konflikte sind normaler, selbstverständlicher Alltag im Journalistengeschäft  – von der kleinen Provinzzeitung bis zum großen Boulevard-Blatt, vom Vorsitzenden  des Karnickelzüchtervereins bis zum Bundespräsidenten. Und ebenso normal ist es auch, dass sich die Querulanten und Beschwerdeführer dabei im Ton vergreifen. Das sollte einem BuPrä weniger passieren als einem lokalen Vereinschef, aber hey, wir leben doch schon länger in einer Kumpeldemokratie, wo der Christian beim Carsten Urlaub macht, sich von Gert Kohle leiht und dann dem Kai  eben auch mal – alea iacta est  – die Leviten liest. Das alles auf dem AB und damit for the record zu hinterlassen ist dumm und sollte einem BuPrä nicht passieren, aber wegen Dummheit ist bekanntlich noch nie ein Politiker zurückgetreten.  Dass er wegen dieses Fauxpas nun aus dem Amt gemobbt wird, weil er mal drei Sätze gegen das Finanzcasino und für die Integration des Islam losgelassen hat, können nur Diplom-Paranoiker vermuten – wenn sie die Frage ausblenden wie er zuvor  überhaupt ins Schloß Bellevue gekommen ist.

Wer von diesem Fall nun die  “Pressefreiheit” bedroht sieht,  hat das Geschäftsmodell der Presse nicht verstanden, die den Platz zwischen den Anzeigen verkaufen und dafür möglichst jeden Tag eine neue und möglichst fette Sau durchs Dorf treiben muß – was mit Sex, Crime und Sensationen weit leichter machbar ist als mit umfassender, wahrheitsgemäßer, aufklärender Berichterstattung.  Etwa über die allfällige Korruption in Politik und Medien.  So aber wird jetzt einen Korruptions-Mücke zum Elefanten im Porzellanladen der Ehrbarkeit und Amtswürde. Die bei der durchgeknallten ZDF-Redakteurin Schausten schon so weit gehen, dass sie für das Übernachten bei Freunden 150 EURO für angemessen hält – aber den Presserabatt beim Handytarif, Autokauf, Flug etc. etc.  nehmen wir natürlich weiter gerne mit.

Das Schöne an dieser ganzen Farce, die Wulff das Amt kosten könnte, ist, dass es seit dem Wochenende einen äußerst passablen Nachfolgekandidaten gibt. Kein Oberpaffe wie der grauenhafte Gauck, keine Supermutter der Nation wie Zensursula von der Leyen und auch kein halbwegs skandalfreier Hinterbänkler aus irgendwelchen Parteisümpfen, sondern ein Mann des Volkes, einer, der sich als Einzelkämpfer bei der Bundeswehr ebenso bewährt hat wie als Repräsentant auf großer Bühne und als Vertreter  der fast in Vergessenheit geratenenen  Traditionen der Aufklärung und Humanität wie geschaffen ist, diesen guten deutschen Geist endlich wieder zu repräsentieren – und sei es nur bei seiner Kandidatenrede vor der Bundesversammlung. Die “Piraten” wollen ihn nominieren, ob er annimmt steht dahin – doch die Herzen und Hirne der Republik werden ihm zufliegen: Georg Schramm For President!

Kommentare

8 Kommentare zu “Der mit dem Wulff tanzt”

  1. Benjamin am 09.01.2012 um 19:03 Uhr 

    Es ist ganz einfach: Trau NIEMALS der BILD!

    Bild steht für alles was ich an Deutschland hasse; Blödheit, Verlogenheit, Propaganda, Hetze, Langeweile!

     
  2. Zorro am 09.01.2012 um 20:54 Uhr 

    Hmm, also doch nur das Kesseltreiben gelangweilter Pre$$titutes, und sonst überhaupt gar keine anderen Interessen – außer für uns “Diplom-Paranoiker”n hier? Von mir aus gerne. Denn das Volk, der dumme Pöbel, hat mittlerweile auch Lunte gerochen und wendet sich vom Schauspiel angewidert ab:

    “Wie sich schon Ende letzter Woche in der Umfrage „ARD-Deutschlandtrend“ zeigte, sind inzwischen 57 Prozent der Bürger der Auffassung, „die Medien wollten Wulff fertigmachen“.”

    http://ef-magazin.de/2012/01/09/3355-kampagne-warum-wulff-gegen-seine-jaeger-beste-chancen-hat

     
  3. roc am 09.01.2012 um 21:18 Uhr 

    “doch die Herzen und Hirne der Republik werden ihm zufliegen: Georg Schramm For President ”

    Einspruch !!!

    Ein Land, das bereits eine gigantische Bild-Zeitung ist, darf keinesfalls einen fähigen Kaberettisten an der Spitze haben.

    Das höchste Amt bedarf eines Komikers aus dem Boulevard: “Gaga-Goethe”: Franz Josef-Wagner
    Qualifikation zum BuPrä : “Post von Wagner” tgl. neu bei BILD

    Kantersieg ohne 1.Wahlgang sicher.
    Herzen und Hirne der Deutschen sind bereits im Synchronflug in Richtung “Goldene Feder” zur Amtseinführung unterwegs.

    Seine sich in sich selbst widersprechenden Texte, die wilden Argumentationssprünge, seine cholerischen-bemüht verilen und unerträglich sentimetalen Sprach-Verrenkungen, bilden das Auseinanderfallen unserer Gesellschaft in unvereinbare Monaden IN EINER PERSON
    perfekt ab. Noch nicht mal Heinrich-“Liebe Neger”-Lübke war derart integrativ.

    “Gestern wurden Sie lieber Stephen Hawking, 70.
    Wie schön wäre es, wenn wir gemeinsam mit Ihrem Rollstuhl ins Weltall fliegen könnten”

    Nehmen Sie, Herr Hawkings, den Herrn Wulff One-Way mit. Herr Wagner gehört ins Schloß Bellevue. Sein provisorischer Dienstsitz:
    fjwagner@bild.de

     
  4. Zorro am 09.01.2012 um 23:13 Uhr 

    Sorry, ich noch ma, aber Fulford hat heute wieder seinen wöchentlichen Blog publiziert:
    http://occupywallst.org/forum/the-feds-have-sued-for-peace-and-detailed-settleme/
    deutsch:
    http://www.politaia.org/englische-reporte/fulford/fulford-update-vom-09-01-2012-die-fed-fraktion-verhandelt/

    Wirklich große Dinge bahnen sich an, nicht dieser miefige Kleinscheiß hierzulande – und werden von ihm durch Kopien legitimiert, unterschrieben von der Vorsitzenden des Committee of 300, Queen Elizabeth II.
    Fulfords Forum explodiert von Kommentaren …
    Bitte kein Neid, Bröcki, denn du hast ihn hier doch erst bekannt gemacht.

     
  5. Rheinbogen am 10.01.2012 um 08:34 Uhr 

    Das Geheule ob einer “Medienkampagne” gegen Wulff ist jetzt allerdings genau so unerträglich wie die ganze Farce um “Bild”. Wulff ist ein typischer politischer Karrierist. Mit 16 bereits in der Schüler-Union (mal im Ernst: Warum macht ein junger Mensch sowas????), mit 20 im Bundesvorstand der Jungen Union (mit 20 – Hallo? Junge Union? Vorstand? Solche Leute haben halt sonst keine Freunde, sondern nur solche, die ihnen die Karriere ebnen), mit 24 Landesvorsitzender der JU in Niedersachsen – der wusste genau, was und wohin er wollte. Kurz darauf dann im Landesvorstand der CDU, mit gerade mal 35 Jahren deren Vorsitzender im Land und mit 39 Jahren Ministerpräsident. Da wird doch keiner glauben, dass sein Weg nicht von Gönnern gepflastert wurde und dass es nicht jede Menge Gefälligkeiten aller Art gab. Und ein Teil solcher Deals ist im Ansatz nun aufgeflogen – warum gerade jetzt, warum ausgerechnet forciert durch die Springerpresse, das alles ist interessant und muss genau betrachtet werden. Aber bedauern muss man den Kerl nun wirklich nicht. Dass solche Leute Bundespräsidenten werden mag normal und typisch und traditionell sein, aber das heißt noch lange nicht, dass man jetzt Solidarität ihm gegenüber bekunden muss. Nein, wenn Wulff stürzt, ist das menschlich und moralisch nicht zu bedauern. Zu bedauern ist der Zustand von Politik und Medien insgesamt.

    Gestern hat im SWR mal wieder der “Hauptstadtkorrespondent” Frank Wahlig zugeschlagen, der in einem leidenschaftlichen Kommentar beklagte, dass einige Leute in der SPD die Affäre jetzt ausnutzen wollten. Ja Himmelherrgott nochmal, was ist denn daran jetzt wieder das Besondere? In Wahrheit ist die SPD insgesamt bis jetzt eher äußerst zurückhaltend, so sehr, dass man sich schon fragt, was da denn wieder dahintersteckt. Aber die ganze Berichterstattung ist mal wieder abgrundtief erbärmlich. Dem aufmerksamen Beobachter fällt es schwer, den dämlichsten Beitrag zu finden, weil es so viele fürchterlich dämliche gibt.

    Und jetzt im Morgenmagazin muss ich wieder leuchtende Augen sehen, wenn nur der Name “Obama” ausgesprochen wird, der “mächtigste Mann der Welt”. Ich hab aber dann auch sofort abgeschaltet, denn das war jetzt einer zuviel. Offenbar kann Obama machen oder nicht machen, was er will, er bleibt in den deutschen Medien eine Lichtgestält. Kein Wunder, dass man z.B. den 30-Milliardendeal mit den Saudis gar nicht erst erwähnte.

     
  6. Obi am 10.01.2012 um 09:51 Uhr 

    KenFM : “Christian und der Wulff”
    Köstlich:

     
  7. Iltraviata am 15.01.2012 um 09:15 Uhr 

    Hier ein (Muster-)Beispiel, wie die Bildzeitung die Leser manipuliert und unzulässigen Druck auf ein gewähltes Verfassungsorgan ausübt, Bildonline gestern morgen, 14.1.2012, 8:30 Uhr:

    http://www.bild.de/politik/inland/wulff-kredit-affaere/wulf-umfrage-22061202.bild.html

    Ich habe nur die angebliche Meinung 46 recherchiert. Da heißt es bei Bild:

    “RAINER UND HERMINA DR. KAHLFUSS, SINDELFINGEN (BADEN-WÜRTTEMBERG)
    Eine Schande, diesen Bundespräsidenten weiter ertragen zu müssen.
    Frau Merkel, es wird Zeit, dass Sie und die CDU den Bundespräsidenten zum Rücktritt bewegen.”

    Da Sindelfingen ein relativ kleiner Ort ist und die beiden Bildmeinungsmacher doch Ärzte sein sollen, müßten sie ja leicht zu finden und die Authentizität prüfbar sein. Eine Googlesuche ergibt tatsächlich die beiden. Nur die Einträge laufen ins Nirwana, guckst du:

    http://www.klicktel.de/branchenbuch/hermina-kahlfuss-rainer-fachaerzte-fuer-innere-medizin,sindelfingen,55910500,QQKRGVQQ7F42E5.html

    Der stets bei realen Personen gut munitionierte Auskunftsdienst Klicktel wartet mit diesen Daten auf:

    “Hermina Kahlfuß, Rainer Fachärzte für Innere Medizin (0)
    keine Straße angegeben
    71069 Sindelfingen
    Tel.: (0 70 31) 38 6605 ”

    2 Seltsamkeiten: Eine Arztpraxis ohne Adresse und eine Telefonnummer, die es nicht gibt, wie ein Testanruf ergab!

    Das gleiche Spiel bei Goyellow. Im Branchenbuch gibt es einen Eintrag mit Adresse und komplett anderer Telefonnummer:

    http://sindelfingen.cylex.de/firma-home/dr–med–dipl–med–rainer-kahlfuss-5138882.html

    “Dr. Med. Dipl.-Med. Rainer Kahlfuß

    Sindelfinger Str.27
    71069 Sindelfingen
    Deutschland

    Tel. 0703173940
    Telefax (07031) 739412”

    bei der eine Mailbox angeht eines Dr. F(r?)itz aus Sindelfingen …

    Das ist es , was ich meine: Es geht hier nicht um Recherche und die Aufdeckung von irgend etwas, sondern die Durchsetzung des Rücktritts eines parlamentarisch und verfassungsmäßig gewählten Staatsoberhauptes durch systematische Manipulation der Bevölkerung (früher als Propaganda bezeichnet). Wann wehren wir uns endlich und halten Mahnwachen vor dem Springerverlag und den Privathäusern von Diekmann und Co?

    Interessant auch: http://rsw.beck.de/rsw/upload/NVwZ/NVwZ-Extra_2012_03.pdf

    in dem ein Verwaltungsrechtsprofessor die Meinung äußert, Wulff habe sich nachweisbar strafbar gemacht.

    Für einen Juristen fällt auf, dass die Veröffentlichung im juristischen Fachverlag, bestimmungsgemäß ausschließlich von Juristen gelesen,

    1. erstaunlicherweise öffentlich zugänglich ist, obwohl ansonsten der Beck Verlag Zugang nur für Mitglieder gewährt, vgl. http://beck-online.beck.de/?vpath=bibdata%5Cents%5Curteile%5C2012%5Ccont%5Cbeckrs_2012_01228.htm&hlwords=#xhlhit

    2. der Artikel erstaunlich populärwissenschaftlich und damit auch für die Allgemeinheit verständlich geschrieben ist – sogar die in Betracht kommenden Vorschriften werden wörtlich zitiert, was unter Juristen, die eh die Gesetze kennen und im Zweifel den Schönfelder (Gesetzessammlung) neben sich haben, verpönt und völlig unüblich ist!

    3. eine Formulierung wie: “Geerkens – Gegen ihn kann die Staats- anwaltschaft ungehindert ermitteln und muss dies von Rechts wegen auch tun – mit dem Ziel der Anklageerhebung” Beitrag a.E.)

    ist für einen Volljuristen – gelinde gesagt – befremdlich:

    ad 1: Weiß ausgerechnet ein Rechtsprofessor, dem weitere Rechtskoryphäen geholfen haben sollen, nicht, dass die Staatsanwaltschaft ebenso be- wie entlastendes ermitteln MUSS, also eine Ermittlung mit dem Ziel der Anklageerhebung einen groben Rechtsbruch bedeutet, http://de.wikipedia.org/wiki/Ermittlung ?

    ad 2: völlig untypisch fehlt die juristische Subsumtion zu Bestechlichkeit und Bestechung! Ein Beitrag, der gerade die strafrechtliche Aufarbeitung in den Mittelpunkt rückt, bleibt mit wenigen nichtssagenden und in die Bildzeitung, nicht aber einen juristischen Fachverlag gehörenden Sätzen wie “Es erscheint deshalb nicht ausgeschlossen, dass hier sogar die gravierenderen Be- stechungsdelikte der §§ 332 und 334 StGB vorliegen” erstaunlich unkonkret …

    M.E. kommt der Beitrag erwartungsgemäß: schon bei KTG gab es sehr schnell keine Neuigkeiten mehr, vielmehr wurden “Meinungen” Dritter als solche verkauft. Hier trägt inhaltlich v. Arnim nichts Neues bei, vielmehr äußert er seine Meinung zu juristischer Subsumtion der “Wulff-Affäre”. Was es darstellen kann, ist ein “Wink mit dem Zaunpfahl” und damit ein weiteres Bedrohungsszenario gegen Wulff: wenn er nicht abtritt, wird ihm entweder noch während der Amtszeit, spätestens aber danach wegen schwerster Strafrechtsvorwürfe der Garaus gemacht, wobei je nach weiterem Verhalten eine glimpfliche Ahndung wegen Vorteilsannahme, bei weiterer Hartnäckigkeit aber auch wegen Bestechung erfolgen kann, also entweder Geldstrafe oder auch “Knast” , s. § 332 StGB ….

     
  8. Iltraviata am 24.01.2012 um 09:04 Uhr 

    Man muss hochrangigen Politikern, also nun wirklich Insidern, die genau wissen, was läuft, nur genau zuhören. ZB der ehemaligen Bundestagspräsidentin Süssmuth: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=9330124

    Minute 3:32:

    “Die Vorwürfe kommen ja auch in Scheiben, immer wieder neue, wahrscheinlich sind die längst schon in den Körben, aber bisher nicht auf den Tisch gebracht, eins nach dem anderen ist die Devise …”

    Min 29:13:

    “Weil es jeden Tag neue Pfeile gab und ich wusste ja, ich war eine unliebsame Politikerin mit eigenen Standpunkten
    und irgendwann kriegt man dafür auch seine Sanktionen ….”

     

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