Die Robert Anton Wilson Woche: Lass die Lasagne fliegen!

“Keep the lasagna flying !” – das war eine Schlußformel, die Robert Anton Wilson in seinen mails gern gebrauchte,  auch als wir 1998/99 wegen  “Everything Under Control” viel korrespondierten, für dessen deutsche Ausgabe (“Das Lexikon der Verschwörungstheorien” ) mein Freund Gerhard Seyfried als Übersetzer und ich als  Herausgeber fungierten. Bob war in  dieser Zeit gerade hart getroffen worden: seine Frau Arlen war nach langer Krankheit gestorben, und bei ihm war das Post-Polio-Syndrom ausgebrochen. Als  wir uns im Herbst 1999 trafen war er schon immer häufiger auf den Rollstuhl angewiesen. Sein abgründiger Humor, seine anarchische Intelligenz und sein diskordischer Optimismus aber waren ungebrochen – auch in den Jahren bis zu seinem Tod 2007.

Zum fünften Jahrestag der Transformation des RAW-Geistse in eine andere Dimension, hat der Boing Boing Blog eine Robert Anton Wilson Woche ausgerufen, mit einigen sehr schönen Beiträgen zu seinem Werk und der Bedeutung, die es für viele hatte. Ich kann mich diesen Verbeugungen vor einem großen Werk und einem wunderbaren Autor und Menschen nur anschließen. Seit den späten 70ern habe ich jedes seiner Bücher gelesen und es gibt wenige Autoren, denen mein Denken und Schreiben so viel schuldet wie RAW. Was ist Realität? Was ist Bewußtsein ? Was ist “Ich”?  Wie gehen wir mit Fakten um, die nicht in unseren “Realitätstunnel” passen ? “Ist Gott eine Droge oder haben wir sie nur falsch verstanden?” … das ist das Kaliber der heftigen Fragen, die Wilson ventiliert bzw. im Leser anregt. Und einen immer wieder an den selben Punkt bringt: dass es unsinnig, irrational, naiv ist, Dogmen, Doktrinen, Wahrheiten zu behaupten. Weil wir dabei die Landkarte, die wir uns mit Worten, Begriffen, Symbolen herstellen,  stets mit dem Gelände, der Realität, verwechseln – und deshalb Dinge für wahr halten, die gar nicht existieren, oder sie in Abrede stellen obwohl sie offensichtlich sind.

Aber nicht nur erkenntnistheoretisch sorgten RAWs Werke stets für frische Luft, sie lieferten auch Inspirationen und über den Tellerrand weisende Einsichten, deren visionäre Präzision einem erst im Nachhinein klar wird:

»Beim derzeitigen Stand werden die Illuminaten das amerikanische Volk innerhalb der nächsten paar Jahre unter eine strengere Aufsicht stellen, als es Hitler mit den Deutschen machte. Und das Schönste daran ist noch, dass die Mehrzahl der Amerikaner durch die von Illuminaten gedeckten Terroranschläge so weit in Angst versetzt sein werden, dass sie darum betteln werden, kontrolliert zu werden, wie der Masochist nach der Peitsche wimmert.«

Die Zustände in der Post-9/11 “Patriot Act”-Ära sind in seinem berühmtesten Roman, der Trilogie  “Illuminatus”  , schon ein Vierteljahrhundert vorab genau beschrieben. Wer also mehr über die Gegenwart und Zukunft erfahren will, als in der Zeitung steht, muß nur die alten RAW-Bücher lesen. Zum Einstieg Der neue Prometheus, Die neue Inquisition und dann mit  Cosmic Trigger und  Schrödingers Katze ins Universum nebenan. Sowie die Interviews, Essays und Perlen, mit denen uns die Robert Anton Wilson Week in den nächsten Tagen hoffentlich noch beglückt. Stay tuned und laßt die Lasagne fliegen…

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