7
Jun, 2012

Archaeopteryx auf dem Index

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Der Urvogel Archaeopteryx gehört in Südkorea demnächst zu den absolut ausgestorbenen Arten, denn seine Abbildungen müssen auch aus den Schulbüchern entfernt werden, zusammen mit weiteren Beispielen für die Evolution. Fundamentalistische Christen, die Darwins Evolutionstheorie für eine Irrlehre halten, haben vergangenen Monat eine Petition durchgebracht, die jetzt vom Bildungsministerium umgesetzt werden muß. Hat sich also Südkorea nun dem Kreationismus ergeben, nach dem die Schöpfung der Erde und der Menschheit durch Gott persönlich vor 6.400 Jahren um ca. 6 Uhr auf einen Schlag stattgefunden hat ? Wohl noch nicht ganz, auch wenn Zensurmaßnahmen  wie diese völlig absurd erscheinen. Doch so unbetreitbar es ist, dass Gläubige die den Schöpfungsbericht der Bibel für eine Dokumentation  und die Tatsache einer Evolution der Natur für ein Hirngespinst halten, einen an der Waffel haben – so unbestreitbar ist auch, das die Darwinsche Evolutionstheorie die Entstehung des Lebens nicht vollständig erklären kann. Die archäologischen Belege für das plötzliche Auftauchen neuer Arten zeigen ebenso wie die neueren Befunde über den kataklystischen, katastrophische Verlauf der Erdgeschichte zeigen, dass eine mähliche, langsame Entwicklung nie stattfand , in der allein mit genetischen Trial & Error  – Mutationen und Kampf ums Dasein das Leben in seiner heutigen Komplexität hätte entstehen können. Für eine rein mechanisch-genetische Evolution wie sie der Neo-Darwinismus  propagiert ist die Erde viel zu jung, sie hätte viele Milliarden Jahre länger dauern müssen. Darwin selbst ging wie sein Zeitgenosse Lamarck ja durchaus davon aus, dass auch erworbene Eigenschaften weiter vererbt werden, war also viel weniger “Darwinist” als seine Nachfolger, die ab den 1940er Jahren diesen vitalen Faktor eliminierten um das Evolutionsgeschehen allein auf physikalische und chemische Vorgänge zu reduzieren. Charles Darwin wollte nur die biblischen Märchen aus der Naturgeschichte  verdrängen und die Verschwörungstheorie “Gott” durch eine rationale Erklärung ersetzen, seine Nachfolger haben dann das Kind mit dem Bad ausgeschüttet und sämtlichen “Geist” eliminiert.  Und Bewußtsein auf das Gehirn reduziert, was aber, siehe dazu unten, ziemlicher Unsinn ist.

Jetzt wäre es schön, die Kurve zu dem Buch “Anti-Darwin-Von-Lamarck-bis-Mandelstam” zu schlagen, das mein alter Freund Helmut Höge  mit Cord Riechelmann  und Peter Berz eigentlich zum “Darwin-Jahr” 2009 schreiben wollte und in dem es außer um die Biologien von Lamarck und Mandelstam auch um Kropotkins “Gegenseitige Hilfe”, die russische Symbioseforschung, den “Krötenküsser” Paul Kammerer, Roger Caillois’ Studien über Mimimkry und Mimesis, Lynn Margulis’ Mikroorganismenforschung und einiges andere gehen sollte. Doch das Buch, dessen “Anti”-Titel nicht im kreationistischen Sinne zu verstehen ist, sondern eher als ein Weiterdenken der Biologie über den genetischen Reduktionismus des Neodarwinimsus hinaus, ist leider bis heute nicht erschienen. Dafür hat aber der Peter Engstler Verlag jetzt einige Essays ausgekoppelt, die Helmut Höge dafür  über verschiedene Tierarten geschrieben hat, und sie in der Reihe “Der Kleine Brehm” herausgebracht. Die ersten drei Bändchen – über Spatzen, Gänse und Pferde – sind gerade erschienen. Das ist zwar noch kein Ersatz für den großen “Anti-Darwin”-Wurf, zeigt aber schon, wie falsch es ist, die Erklärungslücken der Evolutionstheorie einfach dumpf mit dem lieben Gott zu ersetzen bzw., ebenso dumpf, mit irgendwelchen (noch zu findenden) Algorithmen…

Kommentare

18 Kommentare zu “Archaeopteryx auf dem Index”

  1. Benjamin am 07.06.2012 um 12:26 Uhr 

    Darwin wird ja auch von vielen gerne falsch verstanden; “survival of the fittest” heißt ja zunächst nur “Überleben der Angepassten” und das gilt auch für dumme Untertanen, welche den Mächtigen nicht im Wege stehen, wenn es im “gelobten Land” scheppert oder strahlt; im Himmel wie auch unter der See
    Aber nicht nur… Bleiben wir mal in Korea dann haben wir jetzt einerseits das böse, gottlose und arme gegen das gute (kapitalistische), fromme (weil vor den Fundis eingeknickte) und reiche (weil viele hohe Häuser und Geschäfte wo mal jemand mit der Peitsche durch…) Korea.

    Die Welt ist so einfach: “Besiegen Sie die roten Armeen, gehen Sie über LOS und kassieren einen Arschtritt als Dankeschön”

    Schöne neue Welt.

     
  2. Blaubeere am 07.06.2012 um 14:36 Uhr 

    Zwei Bemerkungen zu diesem Blogeintrag:
    1. Herr Bröckers wendet sich zurecht gegen den Kreationismus und den Versuch, die Entstehung der Arten als durch Gott bewirkt darzustellen. Indem er aber einen imaginären “Geist” ins Spiel bringt, ohne den man die noch bestehenden Kenntnislücken nicht erklären könne, landet er eben doch wieder auf einer Ebene mit Gott, ganz abgesehen davon, daß die Art und Weise des Wirkens des Bröckers’schen Geistes ebenso im Dunkeln liegt.
    2. Die ständige Wiederholung des 100 Jahre alten Begriffes “Neodarwinismus” zeugt nicht gerade von gutem Kenntnisstand über die heutige aktuelle Evolutionsforschung. Die meisten Forscher sprechen heutzutage von “synthetischer Evolutionsbiologie”. Einfach mal googeln… 🙂

     
  3. Berndchen am 07.06.2012 um 18:35 Uhr 

    Der Urvogel ist kein Beweis irgendeiner “Evolution” oder solchem Käse. Er und viele weitere grottenhässliche Kreaturen wurden bei der Erschaffung der Welt als total misslungene Muster verworfen und einbetoniert.
    :->

     
  4. Berndchen am 07.06.2012 um 20:55 Uhr 

    @Berndchen 7.6.12 18.35 – Berichtigung:
    Sorry. Muss heißen: “…solchen Käses”.

     
  5. pyramid am 07.06.2012 um 22:20 Uhr 

    Wo steht eigentlich die wissenschaftliche Avantgarde (im Unterschied zum Provinzwissenschaftler) bzgl. des Themas: Bewusstsein-Gehirn?

    interessante Webseite:

    Eine Gruppe renommierter Neurowissenschaftler und Ärzte präsentierte ihre neusten Erkenntnisse bezüglich Verstand, Gehirn und Bewusstsein bei den Vereinten Nationen in New York. Ihre Forschungsergebnisse sind revolutionär und deuten auf das Entstehen eines neuen wissenschaftlichen Paradigmas hin.
    –>
    http://www.matrixwissen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=615:united-nations-symposium-on-mind-brain-and-consciousness&catid=50:meta-theorien&Itemid=80&lang=de

    oder

    http://www.matrixwissen.de/

     
  6. Rheinbogen am 08.06.2012 um 16:51 Uhr 

    @ Berndchen:
    “Der Urvogel ist kein Beweis irgendeiner “Evolution” oder solchem Käse. Er und viele weitere grottenhässliche Kreaturen wurden bei der Erschaffung der Welt als total misslungene Muster verworfen und einbetoniert.”

    Genau so ist es eben nicht! Der Archaeopteryx mag erfolgreich gewesen sein oder auch nicht – das wissen wir nicht. Vielleicht hat er länger überlebt, als es der Mensch je wird (und bei dem gibt es, nur nebenbei bemerkt, grottenhässliche, aber auch wunderschöne Exemplare, und das auch nur in unseren Augen…).

    Er beweist jedenfalls durchaus, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt Tiere mit Merkmalen sowohl von (damaligen) Sauriern als auch von (heutigen) Vögeln gab. Welche Schlüsse du daraus ziehst, bleibt dir überlassen, so gesehen gibt es für gar nichts Beweise und man kann sich wieder Gott zuwenden, für den es allerdings auch keine Beweise gibt, mal ganz abgesehen davon, woher dieser Gott denn kommen soll und wer ihn erschaffen hat und warum und überhaupt.

    Jedenfalls ist überhaupt nicht gesagt, dass der Archaeopteryx “misslungen” war. Möglicherweise stammen von ihm tatsächlich in direkter Linie die heutigen Vögel ab, und die sind durchaus arten- und individuenreich auf der Erde vertreten. Es kann aber auch sein, dass mit seinem Aussterben auch ein weiteres Experiment von Mutter Natur endete und es dafür andere (mehr oder weniger ähnliche) Arten gab, die sich evolutiv weiter entwickelten. Irgendwie müssen die Vögel jedenfalls entstanden sein, und dafür ist “Evolution” immer noch der beste Begriff.

    Eine (nicht unbedingt allgemein anerkannte aber meiner Meinung nach höchst plausible) Methode, Verwandtschaftsverhältnisse unter den Lebewesen zu beschreiben, ist die Phylogenetische Systematik. In dieser gibt es z.B. keine “Reptilien”, weil z.B. Krokodile näher mit Vögeln als mit Schlangen verwandt sind. “Reptilien” wären demnach eine parahyletische, die “Sauropsida” (diverse Echsen, Schlangen etc. Krokodile, Saurier, Vögel) aber eine monophyletische Gruppe. Innerhalb dieser gibt es dann weitere monophyletische Gruppen, von denen eine die Saurier und Vögel bilden, wobei die Flugsaurier-Linie ausgestorben ist, die Dinosaurierlinie aber in den Vögeln weiter existiert (dank u.a. Archaeopteryx oder irgendetwas anderem). Man kann das nicht sonderlich gut googlen, weil sich Wissenschaft nicht in einem Wikipedia-Artikel simplifizieren lässt, es zeigt aber, dass seit Darwin zwar viel passiert ist, seine Erkenntnisse aber immer noch die Grundlage bilden.

     
  7. Berndchen am 08.06.2012 um 18:59 Uhr 

    @Rheinbogen:
    Aber das ist doch alles klar, lieber Rheinbogen. Hast Du vielleicht das Ironicon :-> übersehen? Ich wollte halt auch mal einen gucken lassen…
    Keiner versteht meine Witze, huuhuhuu schnief :’-(

     
  8. Chris am 08.06.2012 um 19:48 Uhr 

    Warum verfolgen religiöse Menschen die Erkenntnisse über die Evolution so hartnäckig?
    Weil sie verstanden haben, dass es sich hier nicht nur um eine wissenschaftliche Erkenntnis handelt, sondern ebenfalls um die größte philosophische Einsicht überhaupt: Die Entstehung und Entwicklung des Lebens durch das Rückkopplungsprinzip.
    Das stößt allen Menschen auf, die an eine Ordnung “von oben herab” glauben, in Gegensatz zur Natur, die “von unten herauf” arbeitet.

     
  9. Blaubeere am 08.06.2012 um 23:32 Uhr 

    @Rheinbogen: Sehr schön geschrieben. Berndchen hätte aber seinen Post ja auch ironisch gemeint haben… 😉

     
  10. Rheinbogen am 09.06.2012 um 05:04 Uhr 

    Na ja, Ironie ist halt auch mal mehr und mal weniger gelungen, gell? Aber ich nehme es gerne zur Kenntnis und habe es nach dem fünften Lesen auch kapiert. Womöglich bin ich erst da von der Leitung aufgestanden, auf der ich saß 😉

     
  11. brainOnaut am 09.06.2012 um 20:10 Uhr 

    ochmensch bröckers, solln jetzt det?

    “so unbestreitbar ist auch, das die Darwinsche Evolutionstheorie die Entstehung des Lebens nicht vollständig erklären kann.”

    kunststück; das kann gegenwärtig keiner & darwin hat das ja auch nie für sich in anspruch genommen, das tun nur die kreationisten u esoterisch verstrahlten (zu denen ich auch die “bibelgläubigen”, “korangläubigen” oder whatsoever zähle)..

    “Die archäologischen Belege für das plötzliche Auftauchen neuer Arten zeigen ebenso wie die neueren Befunde über den kataklystischen, katastrophische Verlauf der Erdgeschichte zeigen,”

    schluderschluder, zweimal “zeigen” und nicht gegengelesen, weia.

    “dass eine mähliche, langsame Entwicklung nie stattfand , in der allein mit genetischen Trial & Error – Mutationen und Kampf ums Dasein das Leben in seiner heutigen Komplexität hätte entstehen können.”

    sagt bitte wer? der esoteriker oder der evolutionsforscher?

    “Für eine rein mechanisch-genetische Evolution wie sie der Neo-Darwinismus propagiert ist die Erde viel zu jung, sie hätte viele Milliarden Jahre länger dauern müssen.”

    sagt bitte wer? neo-darwinismus, *grusel*, wo haste denn DEN begriff her? du redest hier, als gings um fakten. da wir aber nur die erde als masstab haben, um abzuschätzen, wie lange es dauert, bis es von der protoscheibe zu leben auf den planeten der habitablen zone kommt, wie kommst du daher, mein geschätzter mathias broeckers, zu der auffassung, das lebensalter der erde wäre zu kurz, um solch eine fülle der arten, rein basierend auf der trial-error-methode, hervorzubringen? die REINE trial-error-methode ist naturlement quatsch, die arten stehen ja auch IN BEZIEHUNG untereinander, das war aber schon immer bekannt & insofern überflüssiger & billiger kunstgriff deinerseits. esoterischer bullshit, ick hör dir trapsen, und DAS ist keinen furz besser als diese unsäglichen kreationisten, nein, schlimmer, gleicher inhalt, andere packung.

    “Darwin selbst ging wie sein Zeitgenosse Lamarck ja durchaus davon aus, dass auch erworbene Eigenschaften weiter vererbt werden, war also viel weniger “Darwinist” als seine Nachfolger, die ab den 1940er Jahren diesen vitalen Faktor eliminierten um das Evolutionsgeschehen allein auf physikalische und chemische Vorgänge zu reduzieren.”

    entweder bist du nicht auf dem laufendem, oder du quasselst bewusst so einen quatsch; mittlerweile isses nämlich wieder KONSENS, das sich erworbene eigenschaften NATÜRLICH weitervererben, deswegen muss ich mich schon fragen, was du mit deinem artikel eigentlich bezwecken wolltest. wäre schön, wenn du zur abwechslung mal auf die kommentare deiner leser an dieser stelle eingehen würdest.

     
  12. Rheinbogen am 11.06.2012 um 09:47 Uhr 

    Welcome back arab! Du schreibst zwar wie immer ein Konglomerat aus Binsenweisheiten und völligem Nonsense, aber wenigstens halbwegs (na ja, eher viertelwegs) gesittet. Vielleicht wird aus dir doch noch so etwas wie ein Diskutant.

     
  13. Chris am 11.06.2012 um 12:15 Uhr 

    Hi brainOnaut

    ich stimme ja grundsätzlich zu, jedoch bin ich mir bei den erworbenen Eigenschaften nicht so sicher. Hier ist die Frage, was gemeint ist: gelernte Eigenschaften werden nicht genetisch vererbt, sondern höchstens per Lehren/Lernen weitergegeben. Genetische Eigenschaften werden nur durch Mutation oder genetisches Vererben erworben.
    Die eigentliche Diskussion sollte eigentlich diese sein: wenn es noch etwas gibt, was die Entstehung und Entwicklung des Lebens beeinflusst, wo soll das herkommen?
    Das wunderbare an der Evolution ist doch dies: sie ist der Übergang und Weiterentwicklung von Materie zu Leben durch Zufall und Rückkopplung ohne weitere Beteiligte.

     
  14. brainOnaut am 11.06.2012 um 13:06 Uhr 

    @rheinbogen:

    meinst du etwa mich? dear, you mixed me up with somebody else…

     
  15. brainOnaut am 11.06.2012 um 22:51 Uhr 

    @chris

    “gelernte Eigenschaften werden nicht genetisch vererbt”

    wie mans nimmt: vorletztes jahr ne dokumentation gesehen, in der neuerer forschungsergebnisse der vererbung vorgestellt wurden, mit der angeblich nachgewiesenen these, daß bestimmte, *individuelle*, erworbene fähigkeiten der eltern (und eben nicht einfach verhaltensweisen) rudimentär geneteisch an die kinder weitergegeben werden, solange nur das erlernen der fähigkeit quasie traumatisch genug war, um genetisch verankert zu werden. ich werd mal nach den quellen kramen.

    und zum wunderbaren der evolution: sie ist der weg zum hauptgewinn in diesem universum, dem leben an sich. und als absolute hammerzugabe gibts noch das bewusstsein obendrauf. wie abgefahren ist das denn? i just love it (most of its time *grins*)…

     
  16. brainOnaut am 11.06.2012 um 23:00 Uhr 

    “mittlerweile isses nämlich wieder KONSENS, das sich erworbene eigenschaften NATÜRLICH weitervererben”

    ok, da hab ich mich überflüssigerweise mal wieder meiner reaktion hingegeben, sorry. konsens ist natürlich totaler quatsch, ich wollte sagen, dasses mittlerweile auch bei den (haha) seriösen als echte möglichkeit gesehen wird (wie ja neuere forschung angeblich nahelegt) und nicht rundheraus abgelehnt wird…

    mea culpa

     
  17. Chris am 12.06.2012 um 08:47 Uhr 

    Ja, brainOnaut, davon habe ich auch gehört. Ich habe es mir so erklät, dass die Fahigkeiten schon genetisch verankert sind, jedoch durch besondere Umweltumstände quasi aktiviert werden (schwarzes Schaf Prinzip).

    Ich habe mir lange Gedanken gemacht um eine griffigere Kurzdefinition von Evolution zu finden und bin darauf gekommen:

    Zufall und Rückkopplung

     
  18. Vrenili am 13.06.2012 um 03:40 Uhr 

    Stichwort: Epigenetik

     

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