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Apr, 2013

70 Jahre LSD

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Eigentlich war  Dr. Albert Hofmann (1906-2008) , der Leiter des Naturstofflabors der Sandoz AG in Basel, auf der Suche nach einem Kreislaufmittel, als er  am 16. April 1943 mit halb-synthetischen Abkömmlingen des Mutterkorn-Pilzes experimentierte. Doch mit dem Lysergsäure-Diäthylamid entdeckte er dabei zufällig die stärkste bewusstseinsverändernde Substanz überhaupt: LSD. Drei Tage später geriet er bei einem Selbstversuch mit einer vielfachen Überdosis auf den ersten „Horrortrip“ der Geschichte. Doch richtig dosiert und in geeigneter Umgebung hat LSD seitdem oft zum Gegenteil von Angst und  Verwirrung geführt,  zu Inspiration und Innovation. Im Folgenden zehn bedeutende Entwicklungen, die wir Albert Hofmanns Wunderdroge, die zugleich sein „Sorgenkind“ wurde, verdanken.

1. Delysid®: Bis zu seiner Illegalisierung 1966 war LSD unter dem Markennamen “Delysid” als Medikament im Handel. Psychiater und Psychotherapeuten lobten es als einzigartiges “Teleskop in den Weltraum der Seele”. Einer der Pioniere, der Arzt Oscar Janiger, behandelte zwischen 1954 und 1966 fast 1.000 seiner Patienten damit, darunter viele Künstler und Kreative. Einer seiner berühmtesten Klienten, der Schauspieler Carry Grant, sagte nach knapp 100 Sitzungen: “Ich mag eigentlich keine Drogen, aber LSD hat mir sehr gut getan. Ich finde, alle Politiker sollten LSD nehmen.”

2. DNA: Wie die Desoxyribonukleinsäure, die die Erbinformation aller Lebewesen tragende DNA, aufgebaut ist, war lange ein Rätsel – bis David Watson und Francis Crick 1953 ihre Struktur in Form einer Doppelhelix entdeckten. In einem Interview, das erst nach seinem Tod 2004 veröffentlicht wurde, bekundete Francis Crick, dass ihm die Idee einer doppelten Spirale unter dem Einfluss von LSD gekommen sei. In niedriger Dosierung hatte er es oft für seine Arbeit benutzt.

3. PCR: Auch die Polymerase-Kettenreaktion, die grundlegende Methode, die DNA zu vervielfältigen und das wichtigste Werkzeug der modernen Genetik, wurde unter dem Einfluss von LSD entdeckt. Kary Mullis, der dafür 1993 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, schrieb 1998 in seiner Autobiografie “Dancing Naked In The Mindfield”, dass ihm die Eingebung für das Verfahren auf einem LSD-Trip in seinem Ferienhaus in Kalifornien zuflog.

4. Die Computer-Maus: Myron Stolaroff richtete 1961 in Stanford das International Institute for Advanced Studies ein, das sich der Erforschung von LSD und seinem Einfluss auf kreative Problemlösungen widmete. Unter seinen Probanden waren auch Mathematiker und Computerwissenschaftler des “Augmentation Research Center” der dortigen Uni. Dessen Leiter Doug Engelbart erfand bei seinem ersten LSD-Versuch einen Ball, der sich bewegt, wenn er von einem Wasserstrahl getroffen wird. Dann kamen aus seinem Institut viele Innovationen, darunter die Computer-Maus.

5. Apple: Der Erfolg von Apple ist ohne Steve Jobs nicht denkbar – und Jobs nach seiner eigenen Aussage nicht ohne LSD: “LSD war eine profunde Erfahrung, eines der wichtigsten Dinge in meinem Leben. LSD zeigt dir die andere Seite der Medaille – wenn es nachlässt, kannst du dich nicht daran erinnern, aber du weißt es. Es verstärkte mein Gefühl für das, was wichtig ist – große Dinge zu schaffen, anstatt Geld zu machen und die Dinge, so gut ich konnte, zurück in den Strom der Geschichte und des menschlichen Bewusstseins zu bringen.”

6. Router-Software: Nachdem der persönliche Computer dank Steve Jobs und Bill Gates – auch er hatte LSD probiert, allerdings, laut Jobs, “zu wenig” – Realität geworden war, stand bald auf jedem Schreibtisch ein Mac oder PC. Allerdings isoliert – bis Kevin Herbert, einer der frühen Programmierer der Firma “Cisco Systems”, die Software schrieb, die heute auf Millionen von Routern läuft und die Computer verbindet. Wenn er dabei vor hartnäckigen Problemen stand, nahm er LSD und trommelte zur Musik von Grateful Dead: “Es ändert irgendetwas in der internen Kommunikation meines Gehirns. Welcher innere Prozess auch immer mich die Probleme lösen lässt, er arbeitet anders oder benutzt vielleicht andere Teile meines Gehirns.”

7. Lucy in the Sky with Diamonds: Es ist ein Mythos, dass der Titel des berühmten Beatles-Songs auf die Abkürzung LSD anspielt. Tatsächlich hatte John Lennons Sohn Julian in der Schule seine Klassenkameradin Lucy gemalt und seinem Vater das Bild als “Lucy in the Sky with Diamonds” erklärt. Fakt aber ist, dass die bis dahin nur Alkohol und Speed konsumierenden Beatles 1964 von Bob Dylan mit Marihuana und LSD bekannt gemacht wurden – und 1967 eine signierte Platte ihres LSD-inspirierten “Sgt. Pepper”-Albums an Albert Hofmann schickten. (Foto: Christian Rätsch)

8. Einer flog über das Kuckucksnest: Als Student jobbte Ken Kesey im psychiatrischen Krankenhaus in Menlo, Kalifornien, und nahm dort als Freiwilliger an LSD-Versuchen der CIA teil. Seine Erfahrungen verarbeitete er zu dem Roman “Einer flog über das Kuckucksnest”, nach dessen Erfolg er 1962 die Kommune “Merry Pranksters” gründete. Diese tourte in den folgenden Jahren mit einem alten Schulbus durch die USA und veranstaltete “Acid Test” genannte Happenings, bei denen zur Musik ihrer Hausband, den späteren Grateful Dead, sämtliche Zuschauer LSD nahmen.

9. Love & Peace: Nicht nur mit Freiwilligen führte die CIA auf der Suche nach einer “Wahrheitsdroge”, einem Mittel zur Gehirnwäsche und zur chemischen Kriegsführung in den 50er Jahren höchst fragwürdige LSD-Experimente durch. Wegen seiner Unkalkulierbarkeit stellte sich der Stoff für militärische Zwecke allerdings als ungeeignet heraus. Wie in einem Lehrfilm des britischen Militärs zu sehen, löst LSD bei Soldaten statt Kampfeswut eher Lachkrämpfe aus (http://url9.de/ACO). Statt einer neuen Waffe bescherte LSD als Treibstoff der Welt eine Generation von Love, Peace und Kriegsdienstverweigerung.

10. Sterbehilfe: Als größtes Geschenk zu seinem 100. Geburtstag 2006 betrachtete Albert Hofmann die Wiederzulassung von LSD für die medizinische Forschung. In der Schweiz und in den USA wird es seitdem wieder wissenschaftlich erforscht. Vor allem bei terminalen Krebspatienten und anderen tödlich Erkrankten konnte die Bewusstseinserweiterung durch LSD  (und seinen ebenfalls von Dr. Hofamnn entdeckten Verwandten, Psylocibin, den Wirkstoff der “heiligen Pilze”) eine wunderbare Wirkung entfalten: Sie haben weniger Angst vor dem Sterben und können die letzte Zeit ihres Lebens besser genießen.

Der Beitrag ist in der heutigen Ausgabe der taz  erschienen – mehr zum Thema in dem Buch “Albert Hofmann und die Entdeckung des LSD”, das ich mit Roger Liggenstorfer zum 100. Geburtstag Albert Hofmanns 2006 herausgegeben habe.

 

Kommentare

9 Kommentare zu “70 Jahre LSD”

  1. alter Sack am 15.04.2013 um 13:05 Uhr 

    Wenn ich das richtig verstehe bleibt mir also so eine dringend notwendige Bewusstseinserweiterung verwehrt. Niemals werde ich reich, schön und berühmt werden sondern weiterhin nur zu entbehrlichen Kommentaren geneigt bleiben.

    Sehr schade.

     
  2. primal am 15.04.2013 um 18:04 Uhr 

    Zum “Krebs”:Wer sich den “Krebs Bankrott” ansieht,wird Feststellen das es ganz anders ist als immer Behauptet wurde.Denn:Dr.Weber hat bereits in den 60 Jahren festgestellt das Krebs eine Ansteckungskrankheit per Parasiten ist.Sehr schön in dem Video Erklärt und Deutlich zu sehen durch Mikroskopische Aufnahmen.

     
  3. Stefan Miller am 17.04.2013 um 09:30 Uhr 

    the Beatles waren ein Produkt des Tavistock Instituts und hatten die Aufgabe in den USA Teenager vom Rest der Jugendlichen zu trennen (vorher gab es nicht mal das Wort Teenager) und Drogen populär zu machen. deswegen gab es das pseudoskandalöse Outing von The Beatles, daß sie auch Acid (LSD) nehmen. Die MEdien haben fleissig mitgeholfen und Pseudo-Diskussionen zwischen Alen Ginsberg und T. Leary wurden non stop, rund um die Uhr auf allen Sendern in den USA gesendet, bis auch die tiefste Provinz sich für LSD überzeugen lies. LSD wurde damals noch völlig legal an Schulen und Universitäten um sonst verteilt. Das ist kein Witz.

     
  4. gerd am 17.04.2013 um 10:58 Uhr 

    THX an primal für den Hinweis auf krebsbankrott, denn die reine Lehre von Psychologie in der GNM von Dr. med Hamer war mir nie ausreichend

     
  5. gerd am 17.04.2013 um 11:22 Uhr 

    “Lieber” Agent Stefan Miller, der Hinweis auf das Tavistock Instituts mag ja eine Berechtigung haben aber mit “völlig legal an Schulen und Universitäten um sonst verteilt” sind Sie dann im Sinne der Schattenmänner voll auf Desinfo!

    „Offshore-Leaks“ und das Engagement von Soros
    http://kurier.at/wirtschaft/finanzen/das-netz-der-offshore-aufdecker/7.884.529

     
  6. Blaubeere am 17.04.2013 um 15:18 Uhr 

    Etwas off-topic, aber wie wäre es, aber das “International Consortium of Investigative Journalists” nennt auf seiner Homepage als seine Projekte eine Reihe von heißen Eisen. Wie wäre es denn, wenn sich dieses Konsortium auch um 9/11 kümmern würde? Das wäre doch mal was.

     
  7. Stefan Miller am 17.04.2013 um 15:35 Uhr 

    @gerd
    der Herr hieß Augustus Owsley Stanley III.
    Er verteilte an die 4000000 LSD Tabletten an Schulen und Unis in den frühen 60-ern. Verbot von LSD kam erst danach. Ohne diesen Marketing hätte das in den damals noch sauberen USA niemals funktioniert. Die Jugend war damals sogar dem Alkohol abgeneigt. Die gesamte Bewegung der “Rebellen ohne Grund” kam erst danach.

     
  8. Pro-Soros am 17.04.2013 um 16:00 Uhr 

    Also das Finanzkapital und den Parteisoldaten Soros zu kritisieren ist jetzt aber voll NAZI und Antisemitismus, überhaupt die Deutsch Jonny K. & Daniel S. alles NAZI ausser Mutti! [/End of Sarkasmus]

     
  9. gerd am 27.05.2013 um 23:00 Uhr 

    Albert Hofmann der Erfinder des LSD wird 100

    http://www.veoh.com/watch/v15169804P92pX2r3

     

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