Strategie der Spannung

UPDATE: Gestern ging beim Boston-Marathon wieder einmal eine perverse Bombe hoch. Am selben Tag an dem – festhalten ! – die “Boston Bomb Squad” eine Übung zur “controlled explosion” durchführt. Ist wahrscheinlich ein Zufall – wie bei 9/11 zufällig die Entführung von Zivilmaschinen simuliert wurde und am 7.7. 2005 in London ein Bombenanschlag in der U-Bahn – und irgendeine terroristische Wickelmütze wird sich bald finden. Mehr hier.

Nach dem desaströsen Bombenanschlag in Madrid 2004 , der zuerst kurz der baskischen ETA und dann dauerhaft “Al-Qaida” zugeschrieben wurde, hatte ich aufgrund der “Handschrift” vermutet, dass dies eine Operation von “Gladio” – der geheimen “stay behind”-Armee der NATO – gewesen sein könnte. Der Grund für diesen Verdacht lag in den Paralellen zu der Serie von Anschlägen im Italien der 70er Jahre, die  anarchistischen Linken in die Schuhe geschoben wurden, aber von rechtsradikalen Gladio-Agenten ausgeführt worden waren – als Operationen im Rahmen der “Strategie der Spannung”, mit der im Kalten Krieg gegen linke Bewegungen und für die Errichtung  eines autoritären Sicherheitsstaat gekämpft wurde. Dass diese Strategie  nach 1989 und dem Niedergang des alten Erzfeinds “Kommunismus” auch noch bei den Anschlägen von 9/11 sowie in Madrid 2004 und in London 2005 gegen einen nunmehr neu konstruierten Erzfeind, den Islamismus, zum Tragen kamen – dieser Verdacht galt und gilt nach wie vor als “Verschwörungstheorie”, die man weder denken noch gar öffentlich äußern sollte, um nicht als hoffnungslos Verrückter und übler Demagoge abgestempelt zu werden. Denn massenmörderischer Terror wird doch niemals im Namen des Staats, sondern immer von radikalen Extremisten im Namen wahnsinniger Ideologien ausgeübt. Und wenn wie in Italien dann Jahrzehnte später unzweifelhaft bewiesen wird, dass es doch anders war, dass nicht die vermeintlich “Bösen”, sondern die “Guten” hinter diesen Anschlägen steckten, dann ist genug Gras über die Sache gewachsen um mit Achselzucken über die Sache hinwegzugehen. So wird es wohl auch den neuen Enthüllungen über das Oktoberfestattentat in München 1980 ergehen, von dem jetzt unzweifelhaft festzustehen scheint, dass auch hier kein verrückter Einzeltäter, sondern “Gladio” verantwortlich war. Andreas Kramer, dessen Vater als Gladio-Agent damals für den Bombenbau zuständig war, hat dazu jetzt vor einem Gericht in Luxemburg ausgesagt – mehr dazu in einem am Wochenende erschienen Interview mit der Jungen Welt.

UPDATE 2: Markus Kompa hat Daniele Ganser, den ausgewiesen Experten in Sachen “Gladio”, dazu interviewt

11 Comments

  1. “Denn massenmörderischer Terror wird doch niemals im Namen des Staats, sondern immer von radikalen Extremisten im Namen wahnsinniger Ideologien ausgeübt.”

    Ja, genau! Da liegt kein Widerspruch verborgen.

  2. Das Thema ist sperriger als angenommen. Denn es ergibt sich konsequenter Weise die Frage nach einer Verallgemeinerung: Könnte es sein, dass die (den Staat lenkende) politisch etablierte Klasse zum Zwecke der Machterhaltung extremistische Kreise unterwandert und steuert um diese 1.) besser zu kontrollieren und 2.) für ihre Ziele zu instrumentalisieren? Warum wohl war die NPD dermaßen vom Verfassungsschutz durchsetzt, dass sie 2003 nicht verboten wurde? Warum laufen zufällig immer dann die Reißwölfe heiß, wenn der Verfassungsschutz Akten zum rechten Terror rausrücken soll?

    Provokant ausgedrückt: Wenn hinter “linkem” oder “islamistischem” Terror mitunter der Staat steckt, kann das nicht auch für “rechten” Terror gelten, wie beim Oktoberfestattentat? Und was soll damit bezweckt werden?

  3. Laut dem fraglichen Boston-Globe-Twitter befand sich der zu entschärfende Sprengsatz vor einer “Bücherei”. Mike Adams vermutet dahinter die JFK library, die 1 Meile weit weg vom Tatort ist. Da wurde dann ja später auch eine Bombe gemeldet.

    Aber war wirklich die JFK library gemeint? Es gibt nämlich noch die Boston library, Adresse 700 Boylston Street. Das ist GENAU gegenüber Nr. 673, wo die erste Bombe explodierte.

    “Officials: There will be a controlled explosion opposite the library within one minute as part of bomb squad activities.”

    Ist hier etwa eine Bombe zu früh hochgegangen?

  4. auch “Terroristen” handeln niemals uneigennützig. Also die Frage “cui bono” wird auch hier ihre Gültigkeit behalten und bald beantwortet werden können. Angst und Schrecken zu verbreiten war und ist das Kontrollinstrument für die Massen überhaupt. Es werden weitere Freiheiten in den USA eingeschränkt oder gar gestrichen werden. Das ehemals Land der unbeschränkten Möglichkeiten hat sich innerhalb weniger Jahre in eine faschistoide Diktatur verwandelt, in dem Demokratie unverblümt als Farce vorgeführt wird. Die praktisch besitzlose Masse arbeitet und isst bei McDonald und die immer kleinere Elite erwetert ständig ihre Kontrolle darüber. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das in Europa auch so sein wird.

  5. @ Stefan
    Das ist nicht “Provokant ausgedrückt” sondern traurige Realität!

    “was soll damit bezweckt werden?” da gibt es pöse Analysen welche den Klassenkämpfer Warren Buffett zeigen … oder mal die „Rede an die Rothschilds“ genießen (goutieren wäre wohl nicht das rechte Wort)

  6. @Stefan

    Zitat:
    Provokant ausgedrückt: Wenn hinter “linkem” oder “islamistischem” Terror mitunter der Staat steckt, kann das nicht auch für “rechten” Terror gelten, wie beim Oktoberfestattentat? Und was soll damit bezweckt werden?

    Zweierlei:
    1. Die politischen “Ränder” werden insgesamt diskreditiert (Standardpost: ‘Ich bin gegen jede Form von Radikalismus’), weil radikales Denken (also das Infragestellen von Prämissen) mit radikaler Aktion und die mit Bombenanschlägen in eins gesetzt wird. So baut man Berührungsängste zu Ideen auf, und muss dann im richtigen Moment auf ‘gefährliche’ Analysen und Argumente medial nur noch das Etikett ‘radikal’ draufpappen, um einen Diskussionsstrang abzuwürgen.

    2. Gegen eine ‘Bedrohung von Außen’ lassen sich alle möglichen Maßnahmen durchsetzen, die ohne einen solchen Anlass auf weniger Duldsamkeit stoßen würden. Angst lähmt.

    Mal überspitzt formuliert: wenn es die RAF nicht gegeben hätte, hätten Organisationen wie Gladio sie erfinden müssen, um den ‘Linksdrall’ der Öffentlichkeit einzuhegen. In Italien haben sie das nachweisbar getan. Rechtsradikale gerieren sich ebenso anti-kapitalistisch wie Linke, kann man als Alternative auch nicht brauchen.

    @gerd
    ohne Kontext kann das an jedem Set geknipst worden sein

    @broeckers
    ‘unzweifelhaft festzustehen scheint’. Bitte!

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