Geografie ist Schicksal

wsdg-coverHeute treffen sich die Außenminister Russlands, der Ukraine, Frankreichs und Deutschlands in Berlin, um über ein Ende des Kriegs in der Ukraine zu sprechen. Vorausgegangen waren intensive diplomatische Gespräche, die andeuteten, dass sich “Old Europe” endlich darauf zu besinnt, eigenständige Politik im europäischen Interesse zu machen, statt weiter blind der  globalen “Full Spectrum Dominance” des anglo-amerikanischen Imperiums zu folgen. Über diesen leisen Hoffnungsschimmer haben wir am Ende des neuen Buchs, das derzeit im Druck ist und am 1. September erscheint, geschrieben:

 

 

 

“Es scheint, dass man in Paris und Berlin erkannt hat, wie dringend es für den Erhalt des Friedens ist, eigenständige Politik zu machen, die nicht den Interessen des Imperiums, sondern denen Frankreichs, Deutschlands und Europas folgt. Das kann ein wenig Hoffnung machen – nicht dass die Großmannssucht des amerikanischen Patienten von einem auf den anderen Tag verschwindet, aber darauf, dass ihr beharrlicher denn je Widerstand geleistet wird. Vielleicht besinnt sich Old Europe auf die Napoleon zugeschriebene Weisheit »Geografie ist Schicksal«: die unverrückbare Nachbarschaft mit Russland und die unverzichtbare Notwendigkeit nachbarschaftlicher Beziehungen, die nicht immer konfliktfrei, aber in jedem Fall friedlich verlaufen müssen. Nato-Raketen vor der russischen Haustür sind hierfür der völlig falsche Weg. Statt an weiterer Konfrontation und Aufrüstung muss an einer genuin europäischen Sicherheitsarchitektur unter Einbeziehung Russlands gearbeitet werden, die Abrüstung und Annäherung ermöglicht. Es muss zusammenwachsen, was zusammengehört – nicht nur geografisch, nicht nur weil Russen und Prussen in grauer Vorzeit mal ein Stamm waren, bevor aus ihnen “Russia” und “Borussia” (Preußen) wurden, sondern weil Frieden im Europa des 21. Jahrhunderts nur bewahrt werden kann, wenn sich Deutschland und Russland vertragen. Freundschaften, so zeigten die NSA-Affäre und der Fall amerikanischer Spionage beim Bundesnachrichtendienst, müssen einiges aushalten können. Diese Fälle zeigen schließlich auch, dass die Vereinigten Staaten Deutschland nach wie vor als ihr Territorium betrachten, auf dem sie selbstverständlich schalten und walten können, ohne sich an die geltende Verfassung zu halten. Wo derart neokoloniales Gebaren hingenommen werden kann, ohne die Freundschaft ernsthaft zu gefährden, darf es kein Hindernis für eine Kooperation mit Russland bedeuten, dass Putins autoritäre Modernisierung nicht den Standards der westlichen Zivilgesellschaft und des Gender-Mainstreamings entspricht.”

2 Comments

  1. Da jedwede Annäherung Deutschlands und Russlands mit langfristig ersprießlicher Perspektive für diese beiden Seiten es genau ist, was England (UK) und Amerika (USA) auf keinen Fall wollen und deshalb seit mehr als hundert Jahren buchstäblich ALLES daransetzen, eine solche zu torpedieren/sabotieren/vaporisieren, um jederzeit ihren Fuß dazwischensetzen zu können, sehe ich für das schicksalhafte Treffen dieser Aussenministerrunde schwarz.

    Auch wenn das Knuto-Germanien (Bakunin) des Kaisers, wie auch das des Zaren (- die Russen wie die Prussen sind nämlich beide aus germanischen Wikingerstämmen hervorgegangen -), nicht mehr ist, also die beiden autokratischen germanischstämmigen Imperien mit Hauptstädten im westlichen Teil der eurasischen Landmasse, die sich mit “amerikanischer” “Demokratie”(Knuten)-Propaganda aushebeln, schleifen und besetzen/plündern ließen… so ist das große System, das nach wie vor auf dem Spiel steht, die aus dem zum Ende des 19. Jahrhunderts rapide untergehenden britischen Weltreich heraus kontinuierlich von den anglo-amerikanischen Finanzclubs autokratisch diktierte politisch-ökonomische Nummer mit dem Etikett “US-Dollar” am göttlichen Leichenzeh.
    Oh, hoppla, ich vergaß… wer sagt, das Ding sei tot, muss sterben – damit weiter bewiesen ist, dass er/sie/es nicht recht hatte.
    Womit ich beim Recht angelangt wäre…

    Ach, übrigens (den habe ich mir aufgehoben, bis es richtig brenzlig geworden ist in Eurasien): It’s not McAble – it’s McCain!

     
  2. “Es scheint, dass man in Paris und Berlin erkannt hat, wie dringend es für den Erhalt des Friedens ist, eigenständige Politik zu machen, die nicht den Interessen des Imperiums, sondern denen Frankreichs, Deutschlands und Europas folgt. Das kann ein wenig Hoffnung machen”

    bröckers, sind Sie demnach der meinung, dass es im interesse des westens liegt, wenn russland ein polizeistaat bleibt? oder hat uns das nichts anzugehen? ich bin der meinung, dass es uns sehr wohl etwas an geht, ob in russland rechtstaatlichkeit und menschenrechte herrschen. schließlich treiben wir handel mit denen.

     

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