18
Aug, 2014

Die Guten und die Bösen

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wsdg-coverTelepolis hat heute das erste Kapitel des neuen Buchs als Vorabdruck veröffentlicht:

Wladimir Putin ist Macho und Macher, Zar und Star, coole Sau und weiser Patriarch – der Alleskönner in der Champions League der Weltpolitik. Er angelt die dicksten Fische, reitet zu Pferd durch die Taiga, fliegt mit Kranichen im Ultraleichtflieger und steuert Düsenjets. Er betäubt den sibirischen Tiger mit einem gezielten Schuss, spielt Klavier, singt Fats Domino und kann Goethe rezitieren. Er ist sportgestählt und trägt den schwarzen Gürtel im Judo, ist Doktor der Rechtswissenschaft, Ex-Major des Geheimdiensts und Präsident des größten Flächenlands der Erde. Ohne Frage: ein Held.
Kaum ein Tag vergeht ohne Fototermine, deren Bilder diesen Mythos bis in den hintersten Winkel des russischen Riesenreichs transportieren. Solche Inszenierungen gehören überall in der Welt zum Alltag politischer PR, doch kaum einer aus der Riege internationaler Spitzenpolitiker kann es in Sachen Multitasking und Allroundtalent mit der Show dieses Supermanns aufnehmen – Putin ist Kult.

Selbst Kritiker dieser selbstreferentiellen Herrscherinszenierung bekennen: Der Kerl hat es irgendwie drauf. Den Draufgänger und Kämpfer ebenso wie den bedächtigen Vater, der Mütterchen Russland geschickt über die Klippen geleitet, den harten Hund ebenso wie den gewieften Schachspieler und Strategen. Und selbst für seine übelsten Scherze, die er unter der Hand und bei vermeintlich ausgeschaltetem Mikrofon macht – zum Beispiel über den ehemaligen israelischen Staatspräsident Mosche Katzav, der 2006 wegen Vergewaltigung vor Gericht stand: “Er ist ein toller Kerl. Hat zehn Frauen vergewaltigt. Das hätte ich von ihm nicht erwartet. Er hat uns in Erstaunen versetzt. Wir beneiden ihn alle.” –, erntet der Supermacker Putin in gewissen Kreisen noch Respekt.

Während im Westen derlei Attitüden und Inszenierungen in der Regel als Beleg für den Rückfall in absolutistische Herrschaftsformen gesehen werden, wird Präsident Putin in seiner dritten Amtszeit von der heimischen Bevölkerung höher geschätzt als je zuvor. Denn einer großen Mehrheit nicht nur der alten, sondern auch der jungen Russinnen und Russen, die wahrlich keine Sympathien für sein autokratisches System hegen, ist bewusst: Ihr Land wäre zerfallen und das Chaos größer geworden, hätte Putin nicht dem wilden Anarcho- Kapitalismus ein Ende gesetzt, bei dem nach dem Ende der Sowjetunion der Staat von der Privatwirtschaft übernommen und zur privaten Profitsicherung benutzt wurde.

Die Staatskassen waren bei Putins Amtsübernahme 1999 leer, die Auslandsschulden hatten sich bedrohlich angehäuft, der Staatsapparat funktionierte nicht mehr, das Sozialsystem war zusammengebrochen, die Kriminalität hatte beängstigende Formen angenommen, Clans und Oligarchen kämpften um die letzten verbliebenen Filetstücke einstigen Staatseigentums und islamistische Separatisten aus Tschetschenien trugen den Bombenterror bis nach Moskau. Kurz: Nach kaum acht Jahren lief die “Befreiung vom Kommunismus” für Russland auf eine unendliche Katastrophe hinaus. Es waren nicht Meinungsfreiheit und Pluralismus, nicht Zivilgesellschaft und Liberalität, die der Bevölkerung wichtig waren, es war das simple Überleben: die Auszahlung von Renten und Löhnen, die Gesundheitsversorgung, die Sicherheit auf der Straße durch ein Minimum an Recht und Ordnung.

Dass Putin zu diesem Zweck rabiate Mittel einsetzte – den demokratischen Pluralismus einschränkte, das Parlament entmündigte, die Oligarchen unter Kontrolle brachte, die Schlüsselindustrien wieder in Staatseigentum überführte und einen zentralistisches Präsidialsystem schuf –, wurde und wird von westlicher Seite gern als das Ende des postkommunistischen Aufbruchs in die “Freiheit” gesehen. Für die große Mehrheit der russischen Bevölkerung indessen war es das Ende des unter Gorbatschow und Jelzin entstandenen Chaos, das eine “Freiheit” gebracht hatte, die vor allem durch sozialen Niedergang gekennzeichnet war.

Diesen Raubtierkapitalismus, der über Russland hergefallen war wie ein Kannibale über einen Säugling, gebändigt und das wirtschaftlich wie sozial ruinierte Land wieder auf einen prosperierenden Weg gebracht zu haben – das ist die Leistung, für die Putin als “Retter Russlands” gewählt wurde und geliebt wird. Dass er dazu die Demokratie in eine “Demokratur” verbog, dass er Meinungs- und Pressefreiheit einschränkte, dass nicht nur das Parlament, sondern auch die Justiz durch eine Machtvertikale von oben “gelenkt” werden, dass er Privateigentum und Marktwirtschaft zwar rechtlich etablierte, sie aber in ein staatskapitalistisches Korsett drängte und querschießende Oligarchen beseitigte, dass er nationale, patriotische Elemente stets betont und den Wertekanon des Westens verspottet: All dies hat Putin in den westlichen Medien zu einer Unperson gemacht und den Kreml, kaum hatte er sein Image als Hort blutrünstiger kommunistischer Kader abgestreift, erneut zu einer Bastion des Bösen.

Für die meisten der 150 Millionen Russen stimmt dieses Bild jedoch nicht. Dass das System Putin Werte wie Meinungsfreiheit und Toleranz eher gering schätzt, ist in ihren Augen keineswegs so verwerflich, denn was unter dem Banner dieser Werte in den neunziger Jahren über das Land hereingebrochen war, haben die meisten in schlimmerer Erinnerung als die übelsten Entbehrungen der Sowjetzeit. Was half es, dass man sich ab 1991 mit einem Geschäft selbstständig machen konnte, wenn gleich nach der Eröffnung mafiöse Banden Schutzgeldforderungen stellten? Wem brachte die freie Auswahl luxuriöser Limousinen etwas, wenn Mercedes und BMW nur für Oligarchen und Gangster erschwinglich waren? Wem nützten das neue Werbefernsehen und sein überbordendes Warenangebot, wenn nicht einmal die minimale Rente regelmäßig eintraf?

Was den Bürgerinnen und Bürgern Russlands, die Jahrhunderte unter der Knute des Zaren und unter dem Diktat der Kommunisten gelebt hatten, nach der Wende seitens des vermeintlich “werteorientierten” Westens übergestülpt wurde, war Raubtierkapitalismus in Reinkultur. Unter der Flagge von Freiheit und Menschenrechten waren Gier und Gewalt eingezogen, statt eines bürgerlichen Rechtstaats ein archaisches, anarchisches Unrechtssystem, statt finanzieller Hilfen bei der Transformation des untergegangen Staats eine Horde internationaler Bankster und Spekulanten, die das Staatseigentum zu ihrer Beute machten. Selbst die italienische Cosa Nostra, die Späher in das neue kriminelle Eldorado Russland ausgesandt hatte, zog sich gleich wieder zurück: Die Russenmafia war den wahrlich nicht für Skrupel bekannten Italo-Mafiosi zu skrupellos.

Dass nach solchen Erfahrungen die “Wertegemeinschaft” des Westens bei den Russen keinen allzu hohen Stellenwert genießt, sollte niemanden wundern – ebenso wenig wie die Tatsache, dass diskriminierende Gesetze gegen Homosexuelle oder die Verurteilung von Pussy Riot in Russland mehrheitlich als Lappalie gesehen werden und nicht wie im Westen als eklatanter Bruch der Menschenrechte, der schon fast nach “humanitärer” Militärintervention schreit. Dass auch in Deutschland grölende Punk-Tussis verhaftet und bestraft würden, wenn sie im Kölner Dom aufträten, dass auch hier erst seit wenigen Jahrzehnten Schwule und Lesben nicht mehr kriminalisiert werden und dass etwa der TV-Auftritt eines bärtigen Travestie-Freaks wie Conchita Wurst noch vor wenigen Jahren zu einem breiten Aufschrei kultureller Empörung geführt hätte: All dies fällt bei der schulmeisterlichen Arroganz unter den Tisch, mit der der Westen russische Verstöße gegen seinen Wertekanon moniert und aufbläst.

So berechtigt Kritik an der aktuellen demokratischen Verfasstheit Russlands sein mag: Sobald diese Kritik zur Waffe eines Werteimperialismus gerät, der den zu “befreienden” Kolonien aufgezwungen oder gar als Teil der sogenannten Sicherheitspolitik zum “Menschenrechtsbellizismus” wird, entwertet sie sich selbst. Wer glaubt, dass es beim Krieg in Afghanistan um die Durchsetzung von Frauenrechten und Mädchenschulen geht, bei der Eroberung des Iraks um die Etablierung von Demokratie oder beim Krieg gegen Libyen um die Befreiung der Bevölkerung von einem irren Diktator, ist ein bedauernswertes Opfer der Propaganda, mit welcher der “werteorientierte” Westen seine imperialen Feldzüge verkauft – Feldzüge, bei denen es sich nicht um Humanität und Menschenfreundlichkeit, sondern immer um Macht- und Geschäftsinteressen dreht, wobei es in aller Regel um Rohstoffe und Ressourcen geht.

Und genau hier liegt der Kern des Konflikts des Westens mit Russland: Nicht Putins autokratische Regierungsführung oder homophoben Gesetze sind der Grund, warum er im Westen zur Unperson wurde – viele der Alliierten des Westens rangieren diesbezüglich weit unter dem Niveau Russlands –, sondern die Tatsache, dass er den immensen Ressourcenreichtum Russlands der fröhlichen Ausbeutung durch transnationale Konzerne entzogen und unter die Kontrolle des Staats gebracht hat. Und damit hat er sich auch wieder zu einem wichtigen Player im “Great Game” gemacht – dem seit Jahrhunderten währenden Kampf der großen Nationen um die Rohstoffe und Ressourcen dieser Erde.

Weiter geht es hier.
Das Buch können Sie im nächsten Buchladen oder hier bestellen, es wird Ende nächster Woche ausgeliefert.

Kommentare

8 Kommentare zu “Die Guten und die Bösen”

  1. gabor am 18.08.2014 um 21:22 Uhr 

    Im Kontrast zu „ MAD WORLD USA ” erinnert Putins Demokratur-Russland ja an das beschauliche Meran in Südtirol oder den “Senioren-Tanztee in Scharbeutz” 🙂

    Hammer-Audio !!!

    http://www.mixcloud.com/Tir_na_Saor/mad-world-satanism-in-the-us-army-with-douglas-dietrich-the-full-story/
    „We hear from Douglas Dietrich in this marathon episode 24 – July – 2014 where he gives the full story on the satanic control and influence of the US and Global Military-Industrial Complex. Douglas covers everything – everything! – in this mind-blowing and in some parts disturbing episode of a Mad World“

    Falls da auch nur die Hälfte stimmt, ist nach Sachlage, den Russen-und Chinesen das Geschick und die Initiative zu wünschen, Ihr eigenes Lügen-und Raub-System mit dem des Westens soweit zu balancieren bzw. zu prolongieren, auf dass nicht gleich der „Vierte“ um die Ecke biegt, in dem wir uns seit dem 9.11.2001 eigentlich befinden.

    Der „Dritte“ war das Niederringen der UDSSR mit Proxy-Wars ( Angola / Nicaragua / Afghanistan etc. ) seitens der USA in den Jahrzehnten nach 45

    “Die Staaten sind die Kältesten aller Monster” ( Nietzsche ) und ” Gute ” gibt’s da Nirgendwo —Ab und zu fährt allerdings ein Zug dahin mit dem Dreamer im Gepäckwagen
    http://www.youtube.com/watch?v=I6D6HKQ4i5Y

     
  2. roc am 19.08.2014 um 09:45 Uhr 

    “… immer um Macht- und Geschäftsinteressen dreht, wobei es in aller Regel um Rohstoffe und Ressourcen geht”

    …stimmt natürlich…aber evt. auch nur bedingt.

    Um Geschäfte zu machen, sind HEUTE Informationen ( Getürkt oder Nicht ) über Ressourcen wichtiger als diese selbst. Aus Informationen werden Finanzprodukte…werden “Hebel”…werden Profite… die größer sind,…als eine pure Ressourcen-Aneignung, die immer auch mit realen Investments verbunden ist.

    Zu beobachten ist, dass sich nach den US-Interventionen ( Offen-oder verdeckt ) keine “Order out of Chaos” einstellt, sondern die Gesellschaften und Länder zerstört sind und zerstört bleiben ( Irak, Afghanistan,Libyen, Syrien)

    Es ist eine qualitativ neue und ANDERE MINUS-STUFE erreicht, als sie noch der “Economic Hit-Man” beschrieb
    http://www.youtube.com/watch?v=3ZpnOX4l7XA

    Die genannten Länder FALLEN AUS im Warenaustausch und Wettbewerb…im Wesentlichen mal ganz praktisch zum Wohle Saudi-Arabiens.

    Achse des Guten : Saudi-Arabien-Israel-USA 🙂

    Auch “Ausbeutung” durch Konzerne braucht schließlich halbwegs friedliche Rahmenbedingungen und auch Basisqualifikationen der Unterdrückten.

    NICHTS davon ist in den genannten Ländern zu sehen…nur Warlords und “Depleted Uranium” aller Orten und die US-Veteranen werden genauso schlecht behandelt wie die Kriegsgegner
    http://endoftheamericandream.com/archives/why-does-the-u-s-government-treat-military-veterans-like-human-garbage

    WIESO ??

    Eine anzudenkende These ist, dass das US-Militär, das seit Vietnam nur noch aus Freiwilligen besteht, in Ermangelung einer anderen Bezeichnung, “Satanisch” infiltriert ist.
    und das bis in die Generalität.

    Der beklemmende Doku-Film ” On the Dark Side in Al Doura – A Soldier in the Shadows” legt das nahe
    http://www.youtube.com/watch?v=9mEj0Gj5vsQ
    Andere Quellen :
    http://www.youtube.com/watch?v=en6wuhXG6c0
    http://www.youtube.com/watch?v=ACNt2uJb2cc

    Think for yourself

     
  3. anonymaus am 19.08.2014 um 10:07 Uhr 

    Dem neuen Buch sind viele Leser zu wünschen

    Erschreckend, wieviel “US-Falken” die Säbelspitze juckt gegen Putin und wie leichtfertig und uninformiert das Kriegsgeheul angestimmt wird.

    Gefunden im Netz :

    The facts are that after 20years under Putin’s rule

    · Russian Central Bank (RCB) is under US Fed control. All Russia reserves are in US Treasury. Russia gold reserves are kept in the USA

    · Russia military is only 650,000-strong and very poorly trained. Russia military is not much better than Ukrainian military

    · Russia has a runaway corruption with almost all Russian elite (including Putin) are keeping their assets and their families in US and EU

    · Russia, for all practical purposes, is a 3rd world country with 5,000 nuclear warheads

    · Russia has no international friends. China is patiently waiting when it can get at least half of Russian territory

    · Inside Russia, Putin political base is very marginal since he is a gangster and a thief.

    · Russia lost its industrial might. It cannot build its own satellites and high tech weaponry

    Summary

    America is ready to go for a kill against Russia but it must remove Putin first. He is too unpredictable and unstable. The USA cannot afford to have another Libya in Russia.

    Second, it must prevent China from occupying most of the Russia East.

    Unsere Einheitpresse :

    FAZ:
    – Beschleuniger Putin
    – Allein gegen Putin
    – Putins Datschen-Freunde
    – Putins Heimatfront
    – Kryotherapie für Putin
    – Das System Putin
    – Putins Jalta
    – Putins Wiedervereinigung
    – Putin ist verrückt

    Spiegel:
    – Putin hat versagt
    – Putins liebster Feind
    – Putin besiegelt Annexion der Krim
    – Die Putin-Versteher
    – Putins Scheinsieg
    – Putin, der Verlierer
    – Putins Worte sind abwegig
    – Putin provoziert mit Raketentest
    – Putin und wie er die Welt sieht

    Sueddeutsche:
    – Putin besiegelt seinen Coup
    – Putin hat eine Völkerrechtsverletzung begangen
    – Machtlos gegen Putin
    – Putin, Mann fürs Böse
    – Putin dreht das Rad zurück
    – Putins neues Russland
    – Putins böser “Kobold”
    – Putin nimmt sich, was er will

    ZEIT:
    – Putin will Revanche für 1989
    – Wählen, was Putin will
    – Putin setzt seinen Plan wie ein Terminator um
    – Putins Ausreden
    – Putin macht Angst

     
  4. nicht wahr am 19.08.2014 um 14:42 Uhr 

    Hallo Bröckers,

    kennen Sie Syrien & Irak?

    ist gleich ein paar Meter hinter Ukraine…

     
  5. nicht wahr am 19.08.2014 um 14:45 Uhr 

    was war jetzt aus ihrer Theorie, dass die Amis unbedingt das Irakische Öl für sich haben wollten?

    wollen die das jetzt nicht mehr?

    oder haben die Amis endlich auf dich gehört und überfallen keine Länder mehr, um dort Leute zu befreien. Vor Saddams oder Taliban oder IS-Terrors?

    haben Sie es denen endlich ausgeredet?

     
  6. Stefan am 19.08.2014 um 17:26 Uhr 

    “Es waren nicht Meinungsfreiheit und Pluralismus, nicht Zivilgesellschaft und Liberalität, die der Bevölkerung wichtig waren, es war das simple Überleben”

    Wenn die westliche Demokratie wenigstens Meinungsfreiheit und Pluralismus, Zivilgesellschaft usw. (anstelle von sozialer Sicherheit, Ruhe & Ordnung etc.) bringen würde. Aber das ist auch nur eine Propaganda-Lüge. Die Unterdrückung läuft hier nur subtiler ab: Wer eine kritische Meinung öffentlich äußert (selbst wenn er sich auf Fakten beruft), muss mit Klage rechnen (wie die Anstalt-Kabarettisten) und sieht sich mit horrenden finanziellen Forderungen konfrontiert. Selbst in Internetforen wirkt diese Disziplinierung. Und in den Firmen halten die Angestellten die Klappe aus Angst um ihren Job, da funktioniert Vermeidung von Kritik besser als im Kommunismus.

    Welcher Pluralismus? Die Gleichschaltung der Mainstreammedien im Westen kann selbst der hartnäckigste Ignorant nicht mehr leugnen, Vielfalt betrifft höchstens irrelevante Boulevardthemen wie die fehlende Unterhose von Paris Hilton.

    Zivilgesellschaft? Wenn ich die Militarisierung der schießwütigen US-Polizei sehe, aber auch deutsche Polizeieinsätze wie bei Stuttgart 21 oder das massenhafte Überwachen und Belauschen der Bevölkerung, schlimmer als beim Stasi-Mielke, außerdem die zunehmende Verherrlichung des Kriegshandwerks, dann ist das alles andere als zivil. Komme angesichts der Meldungen aus Ferguson, USA keiner mit dem Vorwurf, der Polizeistaat wäre ein Merkmal Russlands. Sogar der UN-Generalsekretär ermahnt die USA: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/08/19/un-generalsekretaer-fordert-von-usa-achtung-des-demonstrations-rechts/

    “Westliche Werte” bedeuten, dass die Elite die Leute zwingt, ein Leben gegeneinander zu führen, damit die Renditen der Reichsten wachsen. Die Kontrollmechanismen, dass es auch dabei bleibt, sind nur wesentlich professioneller als im autokratischen Russland. Dort wissen die Menschen wenigstens, dass sie beherrscht werden (und viele Russen finden den Deal o.k., weil sie etwas dafür bekommen). Im Westen existieren die meisten mit einer Lebenslüge, hier gibt es keine Gegenleistung für das Beherrscht-Werden, denn das Gerede von Freiheit, Pluralismus etc. ist nur Illusion. Allerdings kann das an seiner Gier erstickende und kollabierende System die Wahrheit immer schlechter verbergen.

     
  7. Oli Gulliver am 19.08.2014 um 18:41 Uhr 

    „Beeil dich Schatz, die Tagesschau fängt gleich an!“

    „Ja, Schatz, komme gleich. Will nur noch das Kapitel vom Bröckersbuch zu Ende lesen.“

    „Schaaatz, was ist denn?!? Der Krimi mit dem dicken, äh, Dingsda, der hat schon angefangen! Da gibt’s sicher wieder schön viel Tote.“

    „Ja, Schatz, heute nicht. Buch isso spannend.“

    „Grummel, knurr… Scheiße, wieder ein gemütlicher Krimiabend im Arsch. Und ausgerechnet wegen diesem Scheiß-Putin. Kann man gar keinem erzählen…“

    Mathias, das wäre die höchste Auszeichnung für dein neuestes Buch, die ich dir wünsche!

    @ anonymaus

    Bevor du wieder so einen Müll über Russland raushaust ( http://www.zerohedge.com/news/2014-07-31/wests-reckless-rush-towards-war-russia?page=1#comment-5030060 ), erkundige dich lieber vorher. Vielleicht bei Mathias Bröckers’ Putin-Buch?

     
  8. Berndchen am 19.08.2014 um 22:34 Uhr 

    Ich hab da nur mal eine kleine Frage zu dem Buch:
    Ich gehe davon aus, dass es sich, wenn es keine Satire oder in Romanform gegossene Glosse ist, um ein Sachbuch handelt mit dem von Broeckers/Schreyer gewohnten hohen Niveau der Recherche.
    Jetzt meine Frage: Können die Autoren zu der Behauptung, unter Putin wären Homosexuelle diskriminierende oder homophobe Gesetze erlassen worden, die Quellen angeben resp. die betreffenden Gesetze zitieren oder schreiben sie nur das, was alle schreiben und dadurch zur geschichtlichen “Wahrheit” weden soll?
    Keine Zeitung/Zeitschrift, die ich um die Quelle für diese Gesetze bzw. deren Wortlaut bat, konnte oder wollte mir damit dienen.
    Meine eigenen Recherchen im www ergaben, dass es sich um die propagandistische Verzerrung von Gesetzen durch den Westen handelt, die zum Schutze von Minderjährigen erlassen wurden und von der UN-Kinderrechtsorganisation überhaupt nicht beanstandet werden.
    Also es wäre vielleicht gut, die Gesetze zu zitieren und als zusätzliches Argument gegen die Hetzkampagne des Westens zu verwenden, als die Schlagwörter “homophob” und “Homosexuelle diskriminierend” einfach zu übernehmen.
    Wobei ich das Buch noch nicht gelesen habe und ich mich ja diesbezüglich evtl. irren kann.

     

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