Foltern für die Propaganda

wtcDie Veröffentlichung des CIA-Folterreports durch den Geheimdienstausschuss des US-Senats hat Entsetzen hervorgerufen – bei Dick Cheney, Donald Rumsfeld und der Bush-Junta, auf deren Anweisungen diese Methoden eingesetzt wurden, wegen ihrer Veröffentlichung, und beim Rest der zivilisierten Welt, weil sie selbst in der redigierten Fassung an Perversion kaum zu überbieten sind. Was in den nicht veröffentlichten 5.000 Seiten noch steht braucht kein Mensch – und kein Richter – zu wissen, um zu entscheiden, dass die Verantwortlichen für diese Gräueltaten zur Rechenschaft gezogen müssen. Wenn ein Restbestand an Rechtsstaat künftig noch erhalten bleiben und das Gerede von der “Wertegemeinschaft” des Westens nicht vollends zur zynischen Leerformel verkommen soll, müssen die Täter und ihre Vorgesetzten ebenso vor Gericht  wie ihre Helfer in den zahlreichen Ländern, in denen die CIA ihre Folterkeller eingerichtet hat.

Die Erkenntnis, dass Folter kein verwertbares Wissen erbringt, weil das Opfer um die Tortur zu beenden irgendwann genau das erzählt was seine Peiniger hören wollen, ist wahrlich nicht neu und um sie zu belegen hätte es diesen Report nicht gebraucht. Wenn aber das Foltern militärisch und geheimdienstlich nichts bringt – warum haben Cheney & Co. es dann angeordnet ? Weil sie  genau das hören wollten, was der Kronzeuge der 9/11-Legende, Khalid Scheich Mohamed (KSM)  beim  “Waterboarding” erzählte – bis nach der 183. Sitzung genug beisammen war, um das Narrativ von Osama und den 19 “Hijackern” mit diesen 1a Quellenangaben “wasserdicht” zu machen.
Hier zur Auffrischung  der Erinnerung ein Auszug des Kapitels über den Kronzeugen KSM aus  “11.9. – Zehn Jahre danach” – spätestens nach den jetzt erschienenen Folterberichten sollte die Farce, die der offizielle 9/11-Report darstellt, offensichtlich werden:

 

“Da KSM nach Ansicht von Verteidigungsminister Rumsfeld kein »Kriegsgefangener« war, sondern ein »feindlicher Kämpfer«, galten für ihn nicht die Genfer Konventionen, daher war er von Anfang an zur kreativen Befragung, vulgo: Folter durch die CIA freigegeben. Ob dies auch seine Frau und seine Söhne betraf, ist nicht bekannt.

Unter dem Eindruck von unter anderem 183-Waterboarding- Sessions legte der Scheich ein vollständiges Geständnis ab, das passenderweise die zu diesem Zeitpunkt längst massiv kritisierte offizielle Darstellung von 9/11 vollständig bestätigte.

Seit 2002 hat kein außenstehender Interessent KSM mehr persönlich zu Gesicht bekommen. Und das betrifft nicht nur die möglicherweise neugierige Öffentlichkeit oder irgendwelche Medienvertreter, das betraf auch die Mitglieder der offiziellen Untersuchungskommission. Obwohl der im April 2004 vorgelegte Commission Report massiv auf den Aussagen des Kronzeugen KSM beruht (mehr als ein Viertel der Fußnoten des Report weisen ihn als alleinige Quelle aus),wurde der Zeuge nicht gehört.

Die Kommissionsvorsitzenden Thomas Kean und Lee Hamilton räumten ein, man habe nicht nur den Inhaftierten nicht befragen dürfen, sondern auch nicht jene, die den Verhörten verhörten.Selbst die Abgabe schriftlicher Fragenkataloge beantwortete die CIA mit Zusammenfassungen der angeblichen Antworten, nie mit wortwörtlichen Aussagen des Inhaftierten. Alle Bitten der Kommissionsvorsitzenden, den Gefangenen wenn schon nicht befra- gen, so doch wenigstens sehen zu dürfen, wiesen CIA-Chef George Tenet und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld unisono kategorisch zurück, obwohl Kean und Hamilton sich sogar bereit erklärten, einen ausgesucht zuverlässigen Kommissionsmitarbeiter von der CIA mit verbundenen Augen zum geheimen Aufenthaltsort des Inhaftierten fliegen zu lassen.Die beiden Vorsitzenden verzichteten darauf, diesen Sachverhalt öffentlich zu machen,und erwähnen in der Konsens-Abschlussfassung mit keinem Wort, dass praktisch alle Aussagen, auf denen ihr Bericht fußt, zweifelhaft sind und nicht im Mindesten gerichtsfest. Das hundertfach gefolterte Phantom wurde stattdessen völlig schmerzfrei permanent beim (von seinen Folterern kolportierten) Wort genommen.

Woher denn Al-Qaida die zirka 500 000 Dollar genommen hatte, die zur Ausführung des Anschlags erforderlich waren – diese Frage konnte KSM allerdings auch unter Folter nicht beantworten, wes- halb sie im Commission Report, wie ebenfalls bereits erwähnt, als »von geringer Bedeutung« abgetan wurde (Kap. 5). Dass KSM schon vor seiner Verhaftung die richtigen Namen der Entführer nicht kannte, sondern sich nur an Codenamen erinnerte, fällt da fast nicht mehr ins Gewicht. Er hatte ja ansonsten alles gestanden. Nicht nur »9/11 von A bis Z« und den Mord an Daniel Pearl, auch eine Verbindung zum verhinderten »Schuhbomber« Richard Reid sowie eine Beteiligung an so ziemlich allen geplanten und durchgeführten Anschlägen des letzten Jahrzehnts, unter anderem den »Bojinka-Plot«, Anschläge auf den Papst, Bill Clinton sowie die Plaza-Bank im Bundesstaat Washington. Da letztere erst drei Jahre nach KSMs Verhaftung gegründet worden war, unterstellte man ihm in diesem Fall – aber auch nur in diesem – »Aufschneiderei«.

Im November 2009 kündigte US-Präsident Obama an, KSM und anderen Tätern werde nun endlich ein öffentlicher Prozess in New York gemacht. Es gab Widerstände, sogar vor den Kulissen, zumal die Anwälte des Chefplaners verlauten ließen, ihr Mandant werde, falls es je zu einer Anhörung komme, auf »nicht schuldig« plädieren. Ex-Vizepräsident Dick Cheney stellte sein energisches medi- ales Zetern gegen den neuen Präsidenten allerdings nach der An- kündigung ein und zog sich nach einem leichten Herzanfall Anfang 2010 aus der öffentlichen Debatte einstweilen zurück. Obama ließ anschließend seine öffentliche Anklage-Idee ebenso pietätvoll wie stillschweigend fallen. Im November 2010 hieß es aus Regierungs- kreisen, KSM werde »auf absehbare Zeit« in militärischem Gewahrsam bleiben – ohne Prozess –, aber als Präsident Obama am 4. April 2011 seine erneute Kandidatur für das oberste Amt ankündigte, ließ er gleichzeitig verlauten, den Angeklagten werde nun doch ein ordentlicher Prozess gemacht. Allerdings entgegen dem ursprünglichen Plan nicht mitten in New York, sondern ein bisschen weiter südlich. Vor einem Militärgericht. In Guantanamo Bay.”

Aus: Mathias Bröckers, Christian C. Walther: 11.9 -Zehn Jahre danach. Der Einsturz eines Lügengebäudes, Westend 2011,

8 Comments

  1. Ein weiteres, jedoch intellektuelles “Folterinstrument” stellt spätestens seit den Offenbarungen diesen Jahres der von den westlichen Rädelsführern exzessiv vergewaltigte Begriff “Wertegemeinschaft” dar. Gehört auf den 1.Platz in der Rubrik “Unwort des Jahres”, noch vor “Putinversteher” und “Alternativlos”!

     
  2. Wer den Bericht liesst, stösst auf Seite 11 darauf, dass die CIA bereits drei Tage nach 9/11 nach geeigneten Orten für Geheimgefängnisse suchte. Noch keine Ermittlungen zu 9/11, aber die wussten schon was sie brauchen. Ich für meinen Teil hoffe für uns alle, dass Papiere zu dem 9/11 auftauchen, die beweisen, dass es eine False Flag war. Vor allem die Frau Merkel, als Physikerin, muss es ganz genau wissen (Einsturz dreier Gebäuden).Die Dame, die ganz Europa an die USA verkauft, unterstützt alles was die USA will und stürzt somit die Europäer ins Unglück.

     
  3. Der Gleichschritt zwischen EU / Merkel-Deutschland und den USA beweist doch, dass Wertegemeinschaft durchaus zutrifft, es sind halt nur andere Werte als die offiziell verkündeten. Wenn meine These vom Verbrechersystem stimmt (zum Nachweis genügt offensichtlich schon Lektüre der Mainstreampresse, man muss noch nichtmal kritische Literatur bemühen) kann man sich die Werte dieses Systems leicht ausmalen.

    Für das System geht es an vielen Fronten ums Überleben, nicht nur wegen der Finanzkrise. Inzwischen gehen im gesamten Westen immer mehr Leute auf die Straße und auch wenn die Anlässe im einzelnen sehr verschieden und nicht immer schlüssig sind, die grundlegende Ursache ist der gewaltige Graben zwischen der Elite (bzw. deren Polit- und Mediensöldnern) auf der einen und den Beherrschten auf der anderen Seite. Diese Widersprüche reißen das System auseinander und die übliche Methode, mit Geld und Propagandalügen den Graben zuschütten zu wollen, versagt.

    Es braut sich etwas zusammen und die Systembewahrer reagieren zunehmend repressiv (Abschalten von Leserkommentaren hier, Militarisierung der Polizei dort, Einschränken von Bürger- und Freiheitsrechten überall).

    Ich fürchte nur, bevor sich die kleinen Leute wirklich über ihre Rolle klarwerden und die Spielregeln komplett ändern, wird die Obrigkeit präventiv agieren und z.B. die Energie gegen einen äußeren Feind lenken. Es ist schon zu erkennen – Kalter Krieg reloaded – und hat den Westen hinter seiner Vormacht samt deren Eliten und Herrschaftsregeln schonmal 40 Jahre fest zusammengehalten.

     
  4. man[n] wundert sich, ob die passagiere von flug mh370 jetzt alle in diego garcia gefoltert bzw in-terror-giert werden…..wenn sie jeh dort angekommen sind.

     
  5. Herr Bröckers, fragen Sie sich eignetlich nie, warum die Amis immer alles nach ein paar Jahren veröffentlichen, aber über 9/11 nicht neues kommt?

    denken Sie immernoch es war ein Inside-Job?

    ein Inside-Job wo hunderte beteiligt sein mussten, die immer noch nicht ausgepackt haben?

    sie müssen unbedingt über ihre Theorien nachdenlen. mindestens ein paar Minuten. Dann sollten die es merken.

    ich hoffe, sie dann nicht mehr so verwirrt wie die ganzen AFD Wähler, die ihnen hier so gerne Recht geben.

     
  6. „Wenn aber das Foltern militärisch und geheimdienstlich nichts bringt – warum haben Cheney & Co. es dann angeordnet ? “

    Die Antwort ist relativ simpel :
    MK-Ultra 2.0
    http://www.youtube.com/watch?v=29TZSBm-ggA

    Der Gitmo-Job :
    http://thejusticecampaign.org/?page_id=273

    Die militärischen Vertragsfolterer der unwissenden Gitmo-Insassen sind für diesen Job vorher selber gefoltert worden.

    BIG DATA im Folter-Labor mit diversen Versuchsreihen scheint angesagt
    http://www.alternet.org/story/88796/how_the_pentagon_turned_an_interrogation_resistance_program_into_a_blueprint_for_torture

     
  7. Hallo,

    zum Thema Folter noch einen Buchtipp:

    Friedrich von Spee: “Cautio Criminalis” aus dem Mittelalter, eine Streitschrift gegen die Folter und offensichtlich immer noch aktuell. Dies sollten sich die Dumpfbacken. die unter bestimmten Bedingungen unter Umständen Folter erlauben wollen, mal hinter die Ohren schreiben.

    Jens

     
  8. Letzten Freitag im EDEKA-Markt. Zur vollen Stunde wird das “verkaufsfördernde” Gedudel unterbrochen und ein Radiosprecher verliest Nachrichten, zitiert einen amerikanioschen Offiziellen zu den Foltervorwürfen. Komprimiert hörte sich das wie folgt an: “Man mag Grenzen überschritten haben, entscheidend sei aber das dadurch wertvolle Informationen im Kampf gegen den Terror generiert werden konnten”.

    “Der Zweck heiligt die Mittel”, exakt so wird es abgehandelt von den Amis, im Rektum von den devoten Vasallen weltweit nachgeplappert und als Endprodukt unter den Tisch gekehrt. Egal wie bestialisch und völlig widersprüchlich die Taten sind, egal wie oft sie sich wiederholen und weiter potenzieren – unter dem Banner der “Wertegemeinschaft” verkehren sie sich unmittelbar ins Gegenteil, in das “Notwendige, die Alternativlosigkeit”, per saldo das “Gute”.

    Die Woche über war man bis zum gestrigen Presseclub und Jauch emsig bemüht die deutschen Mittelstandsfaschos zu filletieren in einen Grüppchen eigenartiger Radelsführer und eine Vielzahl von Leuten, die man durchaus verstehen kann. Auch eine Möglichkeit abzulenken, Angst und Hass auf den Islam weiter zu schüren und wie bei Jauch sogar noch eine connection zu Rußland zu schlagen, denn schließlich waren Demo-Teilnehmer nur gegenüber RT bereit gewesen Interviews zu geben (gem. dem Nepp der grenzdebilen heute-show). Von den wahren “Werten” der “Wertegemeinschaft” hingegen keine Rede.

    Einige reklamieren, mucken dagegen auf, ein paar unter ihnen auch öffentlich vernehmbar. Im Gegenzug werden sie kurzerhand abgeschaltet oder vom politischen und medialen mainstraim als “Spinner” degradiert, als irrelevant abgehandelt. Die Karawane zieht indessen weiter zu neuen, wertvollen Missetaten.

    Wie streut Hagen Rether fortwährend ein: “Ich bin so froh das ich bei den Guten bin”. Ein Prosit auf die vorherrschende Narrenfreiheit!

     

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