27
Mar, 2015

“Mangelnde Kenntnisse” oder unbequeme Fakten?

categories Uncategorized    

Ganz in der Tradition der Verrisse unseres Buches von FAZ und Tomasz Konicz hat sich nun ein weiterer polnischer Autor zu Wort gemeldet. Thomas Dudek geht es in seiner kürzlich erschienenen Kritik mit der Überschrift “Ihr seid nicht besser!” vor allem darum, vermeintlich “mangelnde Kenntnisse” der Buchautoren aufs Korn zu nehmen. Wir hätten einfach von ukrainischer Geschichte keine Ahnung und würden daher zu ganz falschen Schlussfolgerungen kommen. Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass dem Kritiker vor allem die amerikakritische Stoßrichtung des Buches nicht gefällt. Er möchte stattdessen viel eher die Sowjetunion bzw. Russland kritisiert sehen. Diese Sichtweise ist natürlich legitim – der kritische Blick vieler Polen auf Russland erscheint historisch gesehen mehr als verständlich. Unangenehm am erwähnten Verriss ist allerdings, dass er stark auf Unterstellungen und, mehr noch, auf verfälschendes Zitieren aus unserem Buch setzt.

Darüber hinaus fällt Thomas Dudek, wie vor ihm schon Tomasz Konicz, in seiner Rezeption unseres ersten Buchkapitels durch einen ausgeschalteten Ironiedetektor auf. Er nimmt die satirisch überspitzte “Putinverehrung” auf der ersten Seite für den eigentlichen Kern des Buches. Dazu hatten wir bereits Herrn Konicz erwidert, dass die Ironie am Anfang unseres Buches natürlich eine Provokation der “Putin-Basher” ist, in dem sie genau das artikuliert, was diese nicht hören wollen und zugleich ihren Gegnern unterstellen: eine hemmungslos unkritische Putin-Verehrung.

Dass wir dieser aber eben gerade nicht anhängen, zeigen unter anderem mehrere Passagen der Einleitung, die sämtliche polnischen (und anderen) Kritiker bislang konsequent überlesen. So benennen wir den Kult um Putin in russischen Medien als eine “selbstreferentielle Herrscherinszenierung” (S. 11), erwähnen auch, dass er “den demokratischen Pluralismus einschränkte” und “das Parlament entmündigte” (S. 13), die “Demokratie in eine ‘Demokratur’ verbog”, “dass er Meinungs- und Pressefreiheit einschränkte”, und “nicht nur das Parlament, sondern auch die Justiz durch eine Machtvertikale von oben” lenkt (ebenfalls S. 13).

An dieser Stelle dürften die Grenzen unserer “Verehrung” oder unseres “Schwärmens” eigentlich hinreichend klar geworden sein. Befragt zu seiner Kritik teilt Dudek uns nun jedoch mit, dass wir zwar tatsächlich einige Defizite des heutigen Russlands erwähnten, doch, so der Autor:

“dies ist meiner Meinung nach nichts anderes als ein Kunstgriff, eine publizistische Schutzmauer, um sich vor Kritik der Putinbegeisterung zu schützen”.

So etwas nennt man dann wohl ein hermetisch abgeschlossenes Feindbild. Alles was bei der Argumentation des Gegners nicht in die eigene Sichtweise passt, kann nur als dessen cleverer “Kunstgriff” zur Verwirrung der Anderen gewertet werden … Dass Autoren eines Buches zu einem komplexen politischen Thema womöglich einfach zu differenzierendem Denken in der Lage sind, und demzufolge auch an der Politik Putins Positives UND Negatives entdecken können – für wahr, welch Überraschung!
Weiter gehts auf unserer Website zum Buch putinversteher.info

Kommentare

5 Kommentare zu ““Mangelnde Kenntnisse” oder unbequeme Fakten?”

  1. anonym am 27.03.2015 um 21:27 Uhr 

    Der besagte Telepolis-Artikel “Ihr seid nicht besser!” ist auch meiner Meinung nach absolut daneben.

    Aber ist der Untertitel eures Buches nicht wirklich ein bischen einseitig, wenn doch im Buch ausgewogenere Sichtweisen zum Tragen kommen sollen? Es war sicherlich PR-mäßig sehr gelungen, das Stichwort vom “Putinversteher” aufzugreifen. Aber letztlich kann man dann eben auch in eine entsprechende Schublade geschoben werden. Denn die meisten werden das Buch nicht lesen und so ist die Titelseite schon sehr wichtig für das Bild, was man sich davon macht.

     
  2. Berndchen am 29.03.2015 um 10:47 Uhr 

    Den Buchtitel “Wir sind die Guten…” zu lesen unter all dem Ramsch, der nicht nur in Bahnhofsbuchhandlungen tonnenweise ausliegt, ist eine Provokation, @anonym am 27.03.2015 um 21:27 Uhr. Die war seitens der Autoren garantiert wissentlich, willentlich und vorsätzlich beabsichtigt, denke ich.
    Wie man sieht, wurde nicht nur der Kaufreiz provoziert.
    Sich selbst als intelligent einschätzende Leute versuchen irgendwelche offenen oder verschwurbelten Verrisse…

     
  3. required am 29.03.2015 um 15:40 Uhr 

    Ich fand ja schon Konicz’s Titel “Ihr seid nicht besser!” unfassbar peinlich.
    “Wir sind die Guten” ist ja offen ironisch, das toternst aber in Kindergartenmanier so aufzunehmen und zu erwiedern als ob sich die Autoren selbst und ernsthaft als die besseren Menschen oder Journalisten loben zeigt von vornherein daß Konicz gar nicht rezeptionsfähig ist, wie der Rest des Textes denn auch bestätigt.
    Denn da ist nicht der Hauch einer Ironie in seinem Titel zu erkennen – er meint das offenbar genau so wie es da steht samt Ausrufezeichen.
    LOL

     
  4. LarsLonte am 29.03.2015 um 18:23 Uhr 

    Deutschlandfunk prangert westliche Rolle in der Ukraine-Krise an
    25. März 2015 • 13:15 Uhr

    http://www.bueso.de/node/7959

    Deutschlandfunk prangert westliche Rolle in der Ukraine-Krise an
    25. März 2015 • 13:15 Uhr
    In einem für deutsche Verhältnisse bislang ungewöhnlichen Beitrag aus der offiziellen Medienlandschaft erschien am 20.3. im Deutschlandfunk ein aufschlußreiches Dossier zum Thema „Ukraine am Abgrund“, der auf die Verantwortung des Westens für die Entwicklung der Krise eingeht. In der schriftlichen Zusammenfassung des Beitrages heißt es: „Die EU muss sich fragen, warum sie die innerukrainische Polarisierung zu einen Kulturkampf gegen Russland übersteigert, den alle Seiten nur verlieren können – in erster Linie die ukrainische Bevölkerung.“

    http://www.deutschlandfunk.de/politik-die-ukraine-am-abgrund.1170.de.html?dram%3Aarticle_id=311262

    Die Sendung liefert, in begrenzter Weise, endlich einer breiten Öffentlichkeit nützliche Beispiele dafür, wie der Westen (mit aktiver Unterstützung von Personen wie George Soros und Victoria Nuland) korrupte oligarchische Kreise unterstützte, um einen gegen Rußland gerichteten Regimewechsel herbeizuführen und behandelt die dominante Rolle rechtsextremer Kreise und deren historischen Hintergrund, der die Ukraine auf Grund ethnischer Trennlinien spaltet und das Land ein Jahr nach dem “Maidan” in Bürgerkrieg und Chaos geführt hat.

    Lesen Sie hier das Ukraine-Dossier der BüSo. Diese Informationen stehen Medien und Politik seit Frühjahr 2014 zur Verfügung.

    http://www.bueso.de/ukraine

    Weitere Analysen zum Thema:

    USA: Kandidat O’Malley wirbt für Glass-Steagall, Steinmeier interveniert für den Frieden

     
  5. Stefan am 30.03.2015 um 16:45 Uhr 

    Hat nicht gerade Saudi Arabien begonnen, Jemen zu bombardieren? Was ist das sonst, wenn nicht ein kriegerischer Akt? Wo ist der Aufschrei des Westens, wo die Forderung nach Sanktionen gegen den Aggressor? Die Bundesregierung sagt, es ist legitim, einem demokratisch gewählten Staatsoberhaupt von außen zu helfen.
    https://www.jungewelt.de/2015/03-28/054.php Hätte dann nicht auch Russland jedes Recht gehabt, den gewählten Präsidenten Janukowitsch gegen den Fascho-Putsch zu unterstützten?

    Die abgrundtiefe Verlogenheit des Westens, die jeder Logik spottende Doppelmoral und die rückgratlose Kriechermentalität der Europäer ggü. dem transatlantischen Herrn ist es, die alternative Regime schon ganz ohne deren Zutun in ein besseres Licht rückt, dafür muss man nichtmal Putin-Versteher sein.

    Die westliche Elite predigt ständig Tolerenz und Liberalität, aber genau das will sie nicht. Es ist ihre größte Angst, dass die Menschen wirklich Verständnis aufbringen für andere Lebensmodelle, z.B. für den russischen oder chinesischen Weg, für Experimente wie unter Chavez oder für den muslimischen Kulturkreis. Deswegen die permanente Propaganda gegen alles und jeden, der nicht dem westlichen way of life folgen mag.

    Und je mehr der Westen seine eigenen Bewohner wahlweise in die Pleite, in die sinnentleerte Tretmühle als Lohnsklave der Leistungsgesellschaft oder gleich in den Wahnsinn inkl. Massenmord wie jetzt über den französischen Alpen treibt, desto größer wird die Sympathie für die Lebensmodelle Anderer werden und desto erbitterter wird auch die Lügenpropaganda der Elite dagegen, denn ein solcher Wandel könnte der Rendite abträglich sein.

     

Leave a comment!