Cuba – si!

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Gestern wurde die kubanische Botschaft in Washington wiedereröffnet und erstmals die Flagge Kubas wieder gehisst. Ein erfreuliches Ereignis, ohne Frage und selbst wenn damit noch nicht von Normalisierung und guter Nachbarschaft die Rede sein kann. Traurig aber ist, mit einem Blick auf die Geschichte, dass dieses Ereignis schon vor einem halben Jahrhundert hätte stattfinden können, wenn nämlich John F. Kennedy eine zweite Amtszeit gewährt geblieben wäre. Die Raketen-Krise – die Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba – hatte er hinter dem Rücken der CIA und der Militärs, die nach dem Schweinbuchtdesaster auf Revanche und Invasion der Insel gebürstet waren, durch einen geheimen persönlichen Briefwechsel mit Chrustschow gelöst.  Kennedys Unterhändler James Donovan, der die Freilassung der gefangen genommenen Schweinebucht-Söldner in Kuba verhandelte, hatte die Nachricht gebracht, dass Fidel Castro an diplomatischen Verhandlungen und einer Annäherung der Beziehungen ernsthaft interessiert sei – was CIA und Militär in Alarmbereitschaft versetzte. Diplomatische Verhandlungen mit dem Feind vor der Haustür, dem finsteren Kommunisten Castro, waren das Letzte was ihnen vorschwebte. Anders als JFK, der nun einmal mehr – und hinter dem Rücken seiner “Joint Chiefs” – einen direkten und diskreten Kommunikationskanal suchte. In meinem Buch  “JFK – Staatsstreich in Amerika” hatte ich darüber geschrieben:

“Kennedys inoffizieller »Back Channel« mit Castro war vermittelt worden über Lisa Howard, eine sehr attraktive Journalistin des TV-Senders ABC, die sich zuvor auch als Schauspielerin versucht und nun als erste Frau in der männerdominierten Branche des Nachrichtenjournalismus eine eigenen Sendung – The News Hour with Lisa Howard – bekommen hatte. Mit dem ersten Interview eines amerikanischen Journalisten mit dem neu gewählten sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow war ihr ein echter Scoop gelungen. Diesen wollte sie, nachdem ihr im April 1963 die Drehgenehmigung für eine Dokumentation über die Lage in Kuba erteilt worden war, mit Fidel Castro wiederholen, was ihr nach der Ankunft in Havanna auch gelang: durch ihre Hartnäckigkeit, mit der sie sich von den ersten Absagen nicht beeindrucken ließ, und unter Einsatz ihrer »natürlichen Vorzüge«, denen auch der Revolutionsführer nicht widerstehen konnte, nachdem dieser sie nach Mitternacht zu einem Vorgespräch aus ihrem Zimmer im Hotel Riviera in den Nachtclub des Hotels bestellt hatte und Lisa Howard in einem tief dekolletierten Cocktailkleid erschienen war. Das Gespräch dauerte bis 5 Uhr in der Frühe und endete mit einem Win-Win: Lisa Howard bekam die Zusage für ein 45-Minuten-Gespräch mit Castro vor laufenden Kameras und der bärtige Comandante für ein intimes Tête-à-Tête mit der blonden Schönheit.

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Nach ihrer Rückkehr in die USA erstattete sie dem Präsidenten einen Bericht, der nicht nur dessen Neugier und Klatschhunger stillte, sondern auch politisch relevant war. Denn außer pikanten Details darüber, dass Castro das Liebesgeschäft »effizient« verrichtet und dazu »nicht die Stiefel ausgezogen habe«, unterstrich auch Lisa Howard, was schon der Emissär James Donovan berichtet hatte, nämlich die ernsthafte Dialogbereitschaft Castros und sein Interesse an gegenseitiger Verständigung. Und so hartnäckig, wie sie als Journalistin um das Interview mit dem kubanischen Staatschef gekämpft hatte, so hartnäckig setzte sie sich in den folgenden Monaten für einen Friedensdialog mit dem kommunistischen Nachbarn ein – mit Artikeln und TV-Beiträgen über Kuba und bei Parties in ihr luxuriösen Wohnung, auf denen sie den kubanischen UN-Botschafter Carlos Lechuga mit dem Diplomaten William Attwood zusammenbrachte, den Kennedy mit nunmehr halb-offiziellen, aber immer noch äußerst diskret zu führenden Verhandlungen mit Castro betraut hatte.
Die Notwendigkeit eines diskreten Kommunikationskanals war Kennedy spätestens am 19. März 1963 klar geworden, als die CIA-gesponserte kubanische Exilgruppe Alpha 66 eine Pres- sekonferenz in Washington veranstaltete und verkündete, eine sowjetische »Festung« und ein Schiff in Kuba gestürmt und dabei schwere Zerstörungen und ein Dutzend Tote hinterlassen zu haben. Alpha 66 war eines der Kommandos, die von der großen CIA-Station “JM/WAVE” in Florida gesteuert wurden. Sie hatte schon bei der »Schweinebucht«-Operation eine zentrale Rolle gespielt und wollte sich durch Kennedys Vereinbarungen mit Chruschtschow von ihren Invasionsplänen nicht abbringen lassen. Die Absicht hinter den Sabotageaktionen war klar. Antonio Veciana, der Führer von Alpha 66, gestand später den Ermittlern des HSCA, dass es darum ging, »Kennedy öffentlich in Verlegenheit zu bringen und ihn dazu zu zwingen, gegen Castro vorzugehen«.
Seine Anweisungen erhielt Vecina von einem CIA-Mann, der unter dem Namen Maurice Bishop firmierte und ihm »immer wieder sagte, dass Kennedy zu einer Entscheidung gezwungen werden müsse und dass der einzige Weg darin bestehe, ihn an die Wand zu drücken«. Wie der HSCA-Ermittler Gaeton Fonzi 1976 aufzeigte, verbarg sich hinter »Maurice Bishop« der CIA- Agent David Atlee Phillips, der uns als eine Schlüsselfigur bei der Ermordung John F. Kennedys später ebenso noch begegnen wird wie sein enger Mitarbeiter David Sánchez Morales, der als Chief of Operations der JM/WAVE-Station die Überfälle der Exilkubaner koordinierte.”

Wegen ihres Engagements für eine Verständigung mit Kuba, die sie auch  nach Kennedys Ermordung fortsetzte und u.a. diskrete Treffen amerikanischer Diplomaten mit Che Guevara (Foto oben) arrangierte, wurde Lisa Howard 1965 von ABC gefeuert. Wenig später nahm sie sich mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben.

2 Comments

  1. Vorläufiger Frieden mit Cuba und dem Iran sind der Erkenntnis der USA, im Moment zu viele “Baustellen” offen zu haben, wenn man sich den Krieg mit Russland und später China leisten will, geschuldet. Diese plötzlichen Friedensschlüsse und Rückkehr zur normalen Diplomatie erlauben, es an anderer Stelle gewaltig krachen zu lassen. Die derzeitige Bundesregierung steht abgesehen von den Linken geschlossen für den europäischen Suicid aus Amerikatreue.

     
  2. Pech für die Russen denn diese verlieren womöglich auch einen Verbündeten mit Cuba.
    Pech auch für die Russen wenn der Iran jetzt wieder Gas und Öl auf den Weltmarkt liefert und die Energiepreise weiter drückt.

     

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