29
Nov, 2015

Wer mit wem gegen wen ?

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29.11.15 20:06-Bildschirmkopie

Auf der Pressekonferenz mit Präsident Hollande hat Präsident Putin nochmals klargestellt, dass Russland die Routen und Ziele aller geplanten Angriffsflüge in Syrien vereinbarungsgemäß den Amerikanern mitteilt: “The US-led coalition, which includes Turkey, was aware of the time and place where our planes would operate. And this is exactly where and when we were attacked.” Damit sollte das Propaganda-Gedröhn von 17 Sekunden “Luftraumverletzung” nun wirklich ein Ende haben: der Abschuss war ein Hinterhalt, den Erdogans Luftwaffe ohne US-Unterstützung nicht hätte legen können. Dass der US-Syrien-Koordinator General John Allen (Obama-Feind und Neocon) den Hit genehmigte ist wahrscheinlich.  Aber kaum hat  Erdogan den schmutzigen Job für den großen Bruder – und für die IS-Öl-Geschäfte seines Sohnes Bilal  –  absolviert, kriegt der Sultan kalte Füße. Präsident Obama setzt ihn  laut War  Wall Street Journal  massiv unter Druck, die Grenze zu Syrien zu schliessen, die Russen haben sofort massive Wirtschaftsanktionen eingeleitet, Frankreich ist ebenfalls nicht entzückt – doch die EU-Kommission stellt der Türkei beschleunigte Beitrittsverhandlungen in Aussicht, sowie sofort  Milliarden Euro für die Flüchtlinge. Dass Erdogan als entscheidender Unterstützer des IS selbst zu den Hauptverantwortlichen der Flüchtlingskatastrophe gehört, scheint bei den Verhandlungen gar keine Rolle zu spielen. Solange die Hauptschlagader für die Logistik des Islamischen Staats weiter völlig ungehindert in die Türkei läuft,  kann der Krieg in Syrien nie zu Ende gehen – und solange die Türkei diesen Korridor nicht dicht macht, sollte sie keinen Cent von der EU bekommen.

Dass Erdogan mit der mafiosen Attacke letztlich weder der Türkei, noch den NATO – Allierten einen wirklichen Gefallen getan hat, zeigt auch eine weitere Entwicklung: nicht die USA, wie es Erdogan wünschte, sondern Russland hat jetzt faktisch eine “No-Fly-Zone” über Syrien eingerichtet, indem es seine S-400 Flugabwehr dort stationiert hat. Das als derzeit weltbeste Flak geltende System kontrolliert einen Umkreis von 400 Kilometern. Bevor unsere Tornado-Uschi also die ersten “Aufklärer” losschickt sollte sie unbedingt Putin Bescheid sagen. Der hat sicher nichts dagegen, weil er mit Frankreich gerade eine echte Anti-IS- Koalition schmiedet – sonst hätten die Franzosen auch gar nicht ihren Flugzeugträger “Charles de Gaulle” in die Krisenregion schicken können. Dort taucht schon länger das russische Monster- U-Boot”Dmitri Donskoy” mit 200 Nuklearsprengköpfen an Bord. Was den “Schutz der Charles de Gaulle”, zu dem die Bundesregierung jetzt eine “Fregatte”  in den Krieg schicken will, unmittelbar als Lachnummer erweist.

Abgesehen davon, dass es für diesen Bundeswehr-Einsatz noch kein UN-Mandat gibt und es sich somit um einen grundgesetz,- und völkerrechtswidrigen Kriegseinsatz handelt, müßte vor einem solchen Mandat ja die Frage geklärt werden, wer hier überhaupt mit wem gegen wen kämpft. Wenn ich aus der sicheren Deckung meines Schreibtischs die Lage auf dem geopolitischen Schachbrett analysiere, sieht es auf den ersten Blick so aus wie in dem Cartoon oben oder  unter diesem Posting. Etwas sortiert ergibt sich folgendes Bild:

– der Großplan des US-Imperiums sieht nach der Zerstörung Libyens und des Irak vor,  Syrien und Iran unter Kontrolle zu bekommen. Um einen regime change in Damaskus zu erzwingen wurden die salafistischen Milizen zu einem “Islamischen Staat” und die syrische Opposition zu einer “Befreiungsarmee” aufgerüstet, die im Kern ebenfalls aus islamistischen Söldnern (Al Qaida /Al Nusra) besteht. Finanziert und unterstützt wird diese “Armee” von Saudi-Arabien und Katar auf der einen und von der Türkei auf der anderen Seite, sowie generell auch von den USA. Der IS ist also kein zufällig entstandenes Monster, sondern ein gezielt herangezüchtetes Werkzeug in diesem Krieg.

– vor dem Eingreifen der von der Assad-Regierung zur Hilfe gerufenen Russen, war der Kampf des Westens “gegen den IS” ein Schaukampf. Außer der regulären syrischen Armee und den Kämpfern der Peshmerga und der PKK, die ihre kurdischen Gebiete verteidigten, kämpfte niemand gegen das “Kalifat”, das seine Einflusszonen weitgehend ungehindert ausdehnte. Erst der Einsatz der russischen Luftwaffe, der gezielt gegen die Versorgungswege des IS vorging, brachte eine Änderung. Das Millionengeschäft mit gestohlenem Öl, das der IS der Firma von Erdogans Sohn liefert, geriet ins Stocken – und damit auch der von der Türkei geförderte Kampf der Islamisten gegen die Kurdengebiete im Norden Syriens. Dass Russland nach dem türkischen “Dolchstoss” die kurdische Autonomie nun noch stärker mit Waffen unterstützt als bisher – und damit indirekt auch die Todfeinde des Sultans, die PKK  – scheint nach dieser ausführlichen und sehr lesenswerten Analyse der “Oriental Review” recht wahrscheinlich.

– und so liest sich, auf FB bei Pepe Escobar – wie die syrischen Kurden auf Twitter Daesh/IS/ISIL einschätzen: “Housed in Turkey, trained in Jordan, logistics by Pakistan, literature from Saudi Arabia, funding from Qatar and Saudi Arabia, on the ground day to day running by Israel, weapons by the US, intelligence by the British, Germans and French, original weapons from Muslim Brotherhood helping them take it out of Libya.” Also wäre,  wenn es denn dem barbarischen IS tatsächlich an den Kragen gehen soll,  außer mit der Türkei und den Saudis auch noch mit einigen anderen “Verbündeten” (von der aktiven Beteiligung Israels wird bis dato mehr gemunkelt als dass handfeste Belege vorliegen) sehr ernsthaft zu sprechen. Deutsche Tornados und Fregatten braucht es dazu defintiv nicht.

– Weil jeder weiß, dass der “Islamische Staat” nicht mit Bomben besiegt werden kann, und jeder der noch bei Verstand ist einsehen muss, dass der Großplan des Imperiums mit dieser Bande die Hegemonie im Mittleren Osten zu erobern nur noch um den Preis eines Weltkriegs “erfolgreich” durchgeführt werden kann, ist nach einer Viertelmillion Leichen und 10 Millionen Geflohenen eine internationale politische Lösung jetzt unausweichlich: D.h. 1) Isolierung der Finanz,-und Waffenströme in das Kalifat 2.)  Vertreibung der IS-Kämpfer durch reguläre irakische und syrische Bodentruppen mit internationaler Unterstützung  3.) Einsatz einer robusten Blauhelmtruppe aller fünf Vetomächte zur Friedenssicherung und  Gewährung von Autonomierechten für die unterdrückten religiösen und kurdischen Minderheiten in Syrien und Irak. 4) Neuwahlen

Solange wir über 1) nichts Konkretes erfahren ist davon auszugehen, dass die wahabitischen Kopf-Ab-Milizen des Islamischen Staats weiterhin als unsere (un-)heimlichen Verbündeten agieren.

Kommentare

6 Kommentare zu “Wer mit wem gegen wen ?”

  1. Traumschau am 29.11.2015 um 20:58 Uhr 

    Naja, unsere Bundeskannsnicht agiert nach dem Motto: “Dabei ist alles!”
    Und Flinten-Uschi hat zum Glück immer noch “Die Haare schön”.
    Das ist definitiv politisches “Niveau-Limbo” vom allerobersten Bord!
    Und natürlich, das ist wichtig: Völkerrechtswidrig!
    Man will ja dem “Schröder/Fischer-Dreamteam” in nichts nachstehen …

     
  2. pecas am 29.11.2015 um 21:15 Uhr 

    Ja, es ist der Hammer, was da im Namen der – parteienstaatsseits total entmündigten/überwachten, offenbar professionell propaganda-hypnotisierten – Deutschen passiert.

    Die morbide Pointe des die Knarre an’s eigene Haupt haltenden Franzosen rechts unten in der Karrikatur bringt das auf den “europäischen” Punkt.

    In wessen eiskalten Händen ist die “EU”?

    Ich kündige.

    -p-

     
  3. michael snoek am 29.11.2015 um 23:28 Uhr 

    haben die syrer oder syrischen ‘befreiungsgruppen’ nicht ein oder zwei offiziere [einer im range eines oberst] der israelischen vorwaerts-verteidigungstruppe gefangengenommen? sogar sein name und erkennungsnummer wurden bekanntgegeben…. bei der flagge handelt es sich soweit ich weiss aber um die irakische, rot/weiss/schwarz mit drei sternen, nicht der franzoesischen [der kerl kann angesichts der totalen verwirrung aber durchaus ein franzose sein]

     
  4. Hans Wurst am 30.11.2015 um 00:19 Uhr 

    pecas, das ist kein Franzose…
    Sondern Irak.

    Der Franzose steht links oben.

    Nachsitzen.

     
  5. Merkur am 30.11.2015 um 06:17 Uhr 
  6. pecas am 30.11.2015 um 10:44 Uhr 

    Danke schön. Hab’s heute bei Tageslicht schon selbst bemerkt.
    Hatte wohl gedacht, bei dem Gewimmel muss in erster Linie so schnell wie möglich geschossen werden und garnicht so genau hingesehen…
    🙂
    -p-

     

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