Die Terrormaschine

MattWuerker-Politico

 

Mit dem “Krieg gegen den Terror” hat sich der Tiefenstaat – die Verbindung staatlicher Organe mit dem militärisch-industriellen Komplex – eine Art Perpetuum Mobile erschaffen, einen Krieg ohne definiertes Ziel und ohne Exit-Strategie, der seine Ursache immer wieder selbst erzeugt und sich so die nötige Energie – ein nie versiegendes Budget – verschafft. Als Generator dieser Energie fungieren Furcht und Schrecken der Bevölkerung, weshalb dem  Geheimdienst,- und Kriegsapparat noch eine “Kirche der Angst” zugeordnet ist, die den Schrecken des Terrors multimedial inszeniert und die Alternativlosigkeit des “Kriegs gegen Terror” predigt. Fragen nach dem Sinn, dem Zweck, der Strategie , dem Ziel sind dann überflüssig: “Ziel ist der Krieg gegen den Terror”. Und der ist selbsterklärend. Er braucht auch kein UN-Mandat und was das deutsche Grundgesetz über Angriffskriege sagt ist ja schon bis zum Hindukusch dehnbar und reicht dann natürlich auch bis nach Syrien/Irak. Kann man im Bundestag schnell abnicken… “Sicherheit”, “Freiheit verteidigen”, “Solidarität mit Frankreich” und natürlich “GEGEN DEN TERROR”. Da geht dann alles… ohne Plan, ohne Sinn, ohne Verstand, aber wir sind automatisch die Guten, weil gegen den Terror….

In “Wir sind die Guten” hatte ich im Kapitel “Wer sind die Guten?”   den schießwütigen amerikanischen Patienten, in dessen Terrormaschine die Bundeswehr jetzt verstärkt zum Einsatz kommen soll, mal kurz auf die Couch gelegt. Jetzt entdeckte ich den wunderbaren Cartoon (von Matt Wuerker/Politico)  zu diesem Text – hier ein kurzer Auszug:

“Könnte es sein”, würde der einfühlsame Seelenarzt den auf der Couch liegenden Uncle Sam dann vielleicht fragen, »dass Ihr ständiges Misstrauen daher rührt, dass Sie sich unterbewusst, im Geheimen, diese Monster selbst erschaffen? Dass irgendeine Instanz in Ihrem Inneren dauernd Feinde aufbauen muss, um eine Rechtfertigung für Ihr expansives, gewalttätiges Verhalten zu haben? Könnte es sein, dass dieser Komplex etwas mit dem militärisch-industriellen Komplex zu tun hat, vor dessen ›unbefugten Einfluss‹ auf die Regierung schon Präsident Eisenhower gewarnt hat?«
Ein halbes Jahrhundert später müssen wir feststellen, dass diese Warnung vergeblich war: »Die Macht und der Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes bei der Förderung einer Serie von Kriegen hat sich in außergewöhnlichen Profiraten niedergeschlagen. Einer neuen Studie von Morgan Stanley zufolge, sind die Aktien der größten US-Waffenhersteller in den vergangenen fünfzig Jahren um 27699 Prozent gestiegen, verglichen mit 6777 Prozent Wachstum des allgemeinen Markts. Allein in den letzten drei Jahren haben Raytheon 124 Prozent, Northrop Grumman 114 Prozent und Lockheed Martin 149 Prozent für ihre Investoren eingebracht.«
Ende Juni 2014 hat Präsident Obama weitere 500 Millionen Dollar für die »moderaten Rebellen« in Syrien bereit gestellt, während ihre nunmehr nicht mehr moderat genannten, unter der Hand aber akzeptierten Kollegen der islamistischen Terrorgruppe ISIS derweil an der Dreiteilung des Irak arbeiten.”

 

3 Comments

  1. Matthias, wie kommst Du darauf, dass der Krieg “ohne Ziel” geführt werde.
    Es ist doch so einfach:
    In Syrien ging es um “Regime-Change und die Ersetzung von Assad durch einen US-Vasallen.

    Dass aktuell alles etwas komplizierter geworden ist, weil der Zauberlehrling IS sich selbständig gemacht hat, bringt die US-Oligarchie doch nicht von ihrem Ziel ab.

     
  2. Ich habe den Eindruck, mit diesem Artikel ist das lange durch Einsichten und Erkenntnisse aufgebaute Bröckers’sche Begriffskarussell, welches die Terrormaschine erfasst, durchleuchtet und umschreibt, um sie schließlich punktgenau zu benennen, ganz komplett geworden.

    Und das einzige, das dieser Terrormaschine (des Faschismus’) wirklich entgegengehalten werden kann, ist die praktische, individuelle Entdeckung des höchstmöglichen Zustands von Frieden (Dzogpa Chenpo, kurz: Dzogchen) – mithin die Verwirklichung des “wirklichen Ausnahmezustands” (Hommage an Walter Benjamin und seine “Geschichtsphilosophische These #8”, 1942).

     
  3. Dass der deutsche Kriegsbeitrag selbst innerhalb militärischer Logik völlig nutzlos und reine Symbolik ist, dürfte allen klar sein: Die Bomber werfen ihren Mist auch jetzt schon ohne Aufklärungstornados ab, der französische Träger war auch ohne deutsche Fregatte nicht schutzlos und wegen Spritmangel ist auch noch keiner abgestürzt.

    Es geht mal wieder – wie schon in Afghanistan – um nichts anderes als reine “Bündnistreue”, mal zu den USA, dann zu Frankreich.

    Im deutschen Interesse wäre es “nein” zu sagen, aber aus historischen Gründen verzichtet die Bundesrepublik darauf.

    Viele Zeitgenossen finden das ja völlig richtig, aber man sollte dann auch so ehrlich sein und sich folgenden Zynismus klarmachen: Weil Deutschland wegen seiner verbrecherischen Vergangenheit meint, den anderen Westmächten (seltsamerweise aber nicht Russland) Gehorsam zu schulden, wurden (in Jugoslawien, Afghanistan) und werden jetzt mit bundesdeutscher Hilfe viele unschuldige Menschen umgebracht.

    Das ist eine sehr merkwürdige Art der “Wiedergutmachung” auf den Knochen Unbeteiligter: eine alte Schuld wird mit neuer Schuld beglichen. Soll das wirklich besser sein als zu sagen: “Nein, liebe Westmächte, wenn ihr so weitermacht, verwirkt ihr euren Anspruch auf unsere Folgsamkeit”?

     

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *