Krieg in Pipelineistan

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Eine gewisse Erfahrung, ohne Sinn und Verstand in aussichtslose Kriege zu ziehen, kann man Deutschland ja nicht absprechen. Insofern hat die blitzkriegartig durchgepeitschte Beteiligung am Syrien-Krieg etwas typisch Deutsches. Für das Imperium in Washington indessen, das sich in Sachen Krieg seit Jahrzehnten darauf verlegt hat, wehrlose Länder von oben zu bombardieren und auf dem Boden Chaos zu hinterlassen (“Mission accomplished!”), ist der Syrien-Krieg  mittlerweile eher untypisch, weil Russland dem Herrscher Assad zu Hilfe geeilt ist und die Söldner-Truppen des Imperiums (IS, Al Nusra, Al Qaida) und ihre zentrale Versorgungslinie in die Türkei attackiert. Mit soviel Erfolg, dass der anglo-amerikanische Plan, mithilfe der wahabitischen Kopf-Ab-Milizien den regime change in Damaskus zu erzwingen, Syriens Öl und Pipeline-Zugänge zum Mittelmeer unter Kontrolle zu bekommen und dem Iran auf die Pelle zu rücken, zu scheitern droht. Sowohl die Türkei als auch Israel versprechen sich von der Beseitigung Assads Landgewinne – Sultan Erdogan will sein ottomanisches Reich bis in den Irak ausdehnen und ein autonomes Kurdistan verhindern, Israel die schon seit 1967 besetzten Golan-Höhen erst recht nicht mehr räumen, seit dort jüngst Milliarden Barrel Öl entdeckt wurden.

Seit Assad 2009 die projektierte Katar/Saudi-Arabien-Pipeline absagte und sich für eine Iran-Irak-Syrien-Pipeline entschied, mit der die EU übers Mittelmeer versorgt werden kann, mutierte er in Windeseile vom sympathischen Augenarzt zum üblen Diktator. Nun wäre es für die Öl,-und Gas-Bedürftigen Europäer, die nach dem Willen des Imperiums ihre Abhängigkeit von russischen Lieferungen reduzieren sollen,  völlig egal, ob ihr Gas aus Katar oder Iran stammt. Nicht aber Onkel Sam: nach der Einigung im Atomstreit und der Aufhebung der Sanktionen gegen Teheran wäre der Iran mit dieser Pipeline dick im Geschäft. Und das ist das Problem, wie Pepe Escobar messerscharf analysiert:

Yet, from the point of view of Washington, a geostrategic problem lingered: how to break the Tehran-Damascus alliance. And ultimately, how to break the Tehran-Moscow alliance.

The «Assad must go» obsession in Washington is a multi-headed hydra. It includes breaking a Russia-Iran-Iraq-Syria alliance (now very much in effect as the «4+1» alliance, including Hezbollah, actively fighting all strands of Salafi Jihadism in Syria). But it also includes isolating energy coordination among them, to the benefit of the Gulf petrodollar clients/vassals linked to US energy giants.

Thus Washington’s strategy so far of injecting the proverbial Empire of Chaos logic into Syria; feeding the flames of internal chaos, a pre-planed op by the CIA, Saudi Arabia and Qatar, with the endgame being regime change in Damascus.

An Iran-Iraq-Syria pipeline is unacceptable in the Beltway not only because US vassals lose, but most of all because in currency war terms it would bypass the petrodollar. Iranian gas from South Pars would be traded in an alternative basket of currencies.

Wer als Regierender aus dem Petrodollar ausschert,  wie Sadam Hussein und Gadaffi , hat bekanntlich keine allzu lange Halbwertzeit mehr in Pipelineistan. Aber anders als bei diesen beiden nahezu wehrlosen Gegnern sind jetzt “4+1” (Russland, Syrien, Irak, Iran + Hisbollah) schon im Spiel und im Hintergrund hat China seine Solidarität  mit dem russischen Einsatz bekundet. Das ist nicht mehr die Konstellation eines Bürgerkriegs, sondern für einen veritablen Weltkrieg der Atommächte.  Paul Craig Roberts – Ökonom, einst Staatsekretär unter Reagan – sieht das kommen:

“Washington und die Leichtgläubigkeit seiner europäischen Vasallen haben die Menschheit in eine sehr gefährliche Lage gebracht, da die einzigen Wahlmöglichkeiten für Russland und China darin bestehen, entweder Amerikas Vasallen zu werden oder sich auf den Krieg vorzubereiten.” … Es besteht kein Zweifel, dass Washington die Welt dem Armageddon entgegentreibt, und Europa ist der Wegbereiter. Washingtons gekaufte und bezahlte Marionetten in Deutschland, Frankreich und im Vereinigten Königreich sind entweder dumm, gleichgültig oder zu kraftlos, um Washingtons Griff zu entkommen. Wenn Russland Europa nicht aufwecken kann, dann ist Krieg vorprogrammiert.”

3 Comments

  1. Zerohedge Tyler Durden meldet [hier link], Putin würde erwägen, Atomwaffen gegen den IS einzusetzen (vom Kopp-Verlag sofort aufgegriffen [link]).

    Typisch Durden: die entscheidenden Aussagen “use nukes” und “against Islamic State” hat ihm sein, mit der Muttermilch aufgesogener, paranoider Antikommunismus, dazu halluziniert. Laut der dort zitierten Übersetzung, hofft man lediglich, die Raketen nicht nuklear bestücken zu müssen.

    – Nicht nur Ankara dürfte locker in der Reichweite dieser Raketen liegen. Daß es dort unten demnächst richtig krachen wird, scheint angesichts der nicht nur verbalen Aufrüstung [link] seitens der Nato unvermeidlich. Den Nato-Irren in dieser Situation im Gedächtnis zu halten, daß die nukleare Option eine ganz schlechte Idee ist, ist da natürlich ganz wichtig.

     
  2. Typisch deutsch finde ich vor allem die politische Feigheit. Die Angst vor dem Imperium ist größer als die vor dem eigenen Volk oder vor dem Verfassungsbruch. Man handelt nicht als Überzeugungstäter sondern will sich mit Zugeständnissen an die “Bündnissolidarität” durchlavieren.

    Dieses Drücken vor klaren Entscheidungen wird aber nicht ewig gut gehen. Für den Kriegsausbruch oder für Vergeltung durch Terroranschläge auf deutschem Boden werden hiesige Eliten dennoch (zurecht) mitverantwortlich gemacht werden, obwohl sie sich mit “nur Aufklärungsflügen” aus der Affäre ziehen wollten.

    So konsequent wie Europa derzeit auf allen Ebenen gegen die Wand gefahren wird, fühlt man sich an den Vorabend der Weltkriege des letzten Jahrhunderts erinnnert.

     
  3. wir lernen keine Geschichte sondern Propaganda. Alles, was uns in der Schule zu Geschichte vermittelt wurde, ist als solche zu werten. Wer an Geschichte interessiert ist, muß alles vergessen, was er in der Schule gelernt hat und alles komplett neu bewerten und zwar in dem er alles danach beurteilt, welche Motivation verfolgen die jeweilgen Geschichtsschreiber. Man braucht sich nur anzuschauen, wie heute Geschichte geschrieben wird. Völliges Unsinn wird unwidersprochen übernommen, weil Medien und Journallie in einem Topf stecken und gleich geschaltet werden von Leuten, die die Geschichte diktieren wie es ihnen passt. Ich kann den Unsinn in den Medien, egal ob TV, Zeitungen, Radio oder Internet, nicht mehr ertragen. Das ist so lächerlich. Sämtliche Nachrichten sind für mich nur eine Art Monthy Python Show. Die Welt besteht zur Hälfte aus Schauspielern und zur Hälfte aus Zuschauern. Täglich werden wir mit fiktiven Bedrohungen medial geflutet, die aber allesamt nur gespielt werden. Sei es die Bedrohung durch Atombomben, durch globale Erwärmung, durch globalen Terrorismus, durch böse Russen oder böse Moslems. Nichts davon ist real, ales nur eine mediale Fiktion, täglich aufs Neue medial aufbereitet, um die Menscheit durch Angst zu kontrollieren.

     

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