30
Apr, 2016

Panzer-Uschi in der Wolfsschanze

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historyIn den Bestsellerlisten notiert der “Rassist der Herzen” (taz) Thilo Sarrazin derzeit auf Platz 1,  knapp  vor Adolf Hitlers “Mein Kampf” –  und Deutschland läßt wieder Truppen gen Moskau marschieren. Zwar ist die Oberkommandierende, unsere Panzer-Uschi,  noch nicht in der Wolfsschanze einquartiert, aber was nicht ist, kann die Leyen-Spielschar ja schon mal üben. Zumal unsere Altvorderen unter Adolf wie schon zuvor Wilhelm und Napoleon bei ihren Auswärtsspielen gegen Russland  stets schwer auf die Mütze bekamen. Sportlich gesehen sind der Iwan und Mütterchen Russland so etwas wie der Angstgegner westlicher Champions-League-Aspiranten, da herrscht also fraglos verschärfter Trainingsbedarf. Dass seit  ’45 Atomwaffen am Start sind, die beim Eindringen in den Strafraum gezündet werden – was für das Mittelfeld (Deutschland) die nukleare Apokalypse bedeutet – läßt solche Truppenbewegungen als  geschichtsvergessene Gymnastikübungen zwar geradezu lächerlich erscheinen. Sie sind aber durchaus ernst gemeint, denn den Chefcoach Uncle Sam juckt es im Ernstfall wenig, wenn das Mittelfeld zum Schlachtfeld wird. Es geht, wie einst unter Adi,  um Höheres, Größeres,  es geht um Absolutes und Totales, um Full Spectrum Dominance,  da müssen einfach Opfer gebracht werden. Dass  sich 95 % der deutschen Bevölkerung eine politische Annäherung an Russland wünschen darf da keine Rolle spielen. So wie es ja auch keine Rolle spielt,  dass 95 % aller Fußballfans eine Wüsten-WM bei 40 Grad in Katar absurd finden, wenn die FIFA das so beschließt – bzw. die NATO, als ihr geopolitsches Pendant und ebenso korrupt und überflüssig. Freilich eine Idee mehr transparent, denn Freundschaft mit Russland ist pures Gift für die Auftragsbücher, nur das Schreckensbild des aggresiven Bären garantiert steigende Budgets.

Wer sich an die Geschichte nicht erinnert, muß sie wiederholen. Und diese Nachrichten könnte man durchaus als einen solchen geschichtsvergessenen Retro-Trip deuten. Die Tragödie des zweiten Weltkriegs läuft jetzt als Farce. Für den Horror vor einer “jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung”, mit dem zu Krieg getrommelt wurde, sind nunmehr  der Islam und einmal mehr die Russen zuständig.  »Spätestens seit den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln kommen selbst grüne Professoren zu mir, die sagen: Ich habe zwei blonde Töchter, ich sorge mich, wenn jetzt 60 arabische Männer in 200 Meter Entfernung wohnen,« bekundete unlängst der grüne Bürgermeister von Tübingen. Und Otto Köhler fand auf Seite 1344 des Hitler-Werks das Originalzitat: »Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, satanische Freude in seinem Gesicht, auf das ahnungslose Mädchen, das er mit seinem Blute schändet und damit seinem, des Mädchens Volke raubt. Mit allen Mitteln sucht er die rassischen Grundlagen des zu unterjochenden Volkes zu verderben.« Da wäre dann auch “Türken-Thilo” wieder dabei, wenn auch etwas vornehmer formulierend. Einmal mehr lauert also ein heimtückischer Feind im Inneren – schwarzhaarig, krummnasig, satanisch – unseren blonden Töchtern und damit uns allen auf; und droht von außen der unberechenbare Iwan bis nach Paris vorzustossen, mindestens: “Putin will die Wetmacht!” (Joschka Fischer). Da ist ein kleines Reenactment an der Wolfsschanze das Mindeste.  Zum 75. Jahrestag des letzten Überfalls wird man mit 250 Bundeswehr-Soldaten an der Grenze ja wohl noch ein wenig die Backen aufblasen dürfen  – im Namen von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten, versteht sich…

Kommentare

4 Kommentare zu “Panzer-Uschi in der Wolfsschanze”

  1. th3l0nius am 01.05.2016 um 11:44 Uhr 

    Während das verblendete Volk sich nach Mustern wie “für oder gegen Flüchtlinge”, “für oder gegen den Islam”, in einander zunehmend verschärft bekämpfende Lager spaltet (bzw. durch Medien/Publizisten gespalten wird), setzen die Ami-Kollaborateure aka Transatlantiker feixend Washingtons Vorgaben um. TTIP, Verteidigung gegen das immer näher rückende Rußland…

    Man hat vielleicht noch Verständnis, wenn jemand ein Flüchtlingsheim in seiner Straße bedenklich findet. Aber äußern kann man sowas natürlich genauso wenig, wie man auch nur tolerieren könnte, daß jemand solche Sorgen äußert. Sowas behält man gefälligst für sich!

    Auch daß ein gewisser Prozentsatz der Mitglieder muslimischer Gemeinden in Europa, regelmäßig beifällig islamofaschistischen Haßpredigern lauscht, darf man nur in antiseptisch klar abgegrenzten Kontexten benennen.

    Deshalb muß man den im Artikel erwähnten “grünen Professoren” unbedingt ans Bein pinkeln, indem man sie zu delirierenden, Halbverrückten erklärt, die in Vorstellungswelten umherirren, die in ihrer Wahnhaftigkeit der Schimäre der “jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung” ähneln.

    So treibt man die Leute den paranoiden Islamophobikern in die Arme und vertieft die Spaltung.

     
  2. Berndchen am 01.05.2016 um 19:33 Uhr 

    Wenn denn Putin wirklich die Weltmacht wollte, wie unser neunmalfetter Joschka behauptet, dann lieber
    der und kein anderer.

     
  3. Gast am 01.05.2016 um 20:58 Uhr 

    Apropos TTIP: TTIP-Leaks …

     
  4. Stefan am 02.05.2016 um 14:54 Uhr 

    Es ist aber auch schwer für die Bundesregierung, es “richtig” zu machen:

    Einerseits soll sie “fest im westlichen Bündnis verankert” transatlantischen Weisungen folgen. Wer gegenteilige Forderungen aufmacht, stellt sich damit in die Nähe von AfD & Co., die ausdrücklich eine (friedliche) Annäherung an Russland und mehr Distanz über’n großen Teich fordern. Beides wäre aber nur bei stärkerer Souveränität möglich und ist folglich rechts.

    Übt sich die Regierung stattdessen in bedingungsloser Vasallentreue (Lehren aus der Geschichte gezogen – Verzicht auf nationale Interessen), muss sie sich Vergleiche mit NS-Größen um die Ohren hauen lassen, wenn die Weisungen aus Washington den Marsch nach Osten verlangen.

    Was tun?

     

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