Wolfgang Bittner über “Der Fall Ken Jebsen”

Wolfgang Bittner hat das Buch, das ich mit Ken Jebsen gemacht habe, rezensiert:

“Aus heutiger Sicht war es wohl ein Glück, dass Ken Jebsen 2012 nach zehnjähriger erfolgreicher Tätigkeit als Moderator beim Rundfunk Berlin Brandenburg wegen angeblicher Verstöße gegen journalistische Standards entlassen wurde. Vorausgegangen war eine regelrechte Kampagne, in der Jebsen Antisemitismus und Holocaust-Leugnung vorgeworfen wurden. Dass es sich dabei um eine Verleumdung handelte, war bald geklärt. In einer Meldung der Pressestelle des rbb hieß es: „Die Vorwürfe gegen den Moderator, er verbreite antisemitisches Gedankengut und verleugne den Holocaust, hält der Rundfunk Berlin-Brandenburg für unbegründet.“ Aber wer mit Dreck beworfen wird, hat Mühe, sich reinzuwaschen. Noch dazu wenn er als Journalist investigativ arbeitet und Gegenpositionen zum Mainstream einnimmt.

Jebsen, dem seinerzeit klar wurde, dass allein der Vorwurf des Antisemitismus in seinem Umfeld zu völliger Hysterie führte, sagt zu seinem Abschied vom rbb: „Ich habe mir gesagt, okay, ich fliege jetzt hier raus. Ich akzeptiere das und habe auch keine Lust mehr auf diesen organisierten Irrsinn. Es wird mir etwas unterstellt, was so viele Lichtjahre von dem entfernt ist, was ich jemals gesagt habe, und das in völligem Widerspruch zu dem steht, was ich seit rund zehn Jahren bei KenFM leiste … Und meine Kollegen und Freunde, die mich verteidigen müssten, sind zu feige.“ 2007 hatte er noch für eine Reportage den Europäischen Civis Hörfunkpreis erhalten, ab 2012 war er dann für die Medienszene Persona non grata.

Die Konsequenz war, dass er seine Hörfunksendung KenFM als Blog im Internet unter eigener Regie weiterführte. Er bringt Artikel, Interviews, Gruppendiskussionen, Monologe und Kommentare mit zumeist brisanten Inhalten. Und er ist damit außerordentlich erfolgreich. Da es nicht ohne Geld geht, ist sein „Geschäftsmodell“ Crowdfunding (zu Deutsch: Schwarmfinanzierung). Dieses Internetportal hat inzwischen so viele Aufrufe wie Spiegel Online und mehr „Follower“ bei Facebook als die ARD. Es hat sich dank des enormen Engagements seines Herausgebers zu einem der wichtigsten alternativen Medienorgane in Deutschland entwickelt. Das ist eine ernstzunehmende Konkurrenz für die sogenannten Qualitätsmedien, und das ist natürlich nicht ohne Folgen geblieben.

Was ist ihm nicht alles angelastet worden: Antisemitismus, Holocaust-Leugnung, Verstöße gegen journalistische Standards, Rechtsextremismus, Antiamerikanismus, Moskaunähe, Veröffentlichung von Verschwörungstheorien und so weiter. Nichts davon stimmt. Insofern war es lange überfällig, mit den Unterstellungen, Diffamierungen und Verleumdungen aufzuräumen.

Ende vergangenen Jahres ist im Verlag fifty-fifty in Zusammenarbeit mit dem Westend Verlag ein Buch zum „Fall Ken Jebsen“ erschienen. Es bietet auf 256 Seiten einen lesenswerten Überblick über den hochinteressanten Lebensweg dieses ungewöhnlichen Journalisten und „Machers“ sowie über seine Anschauungen, insbesondere die politischen, und über seine Arbeit. Dass seine Veröffentlichungen, sein friedenspolitisches Engagement und die intensive Arbeit für das von ihm gegründete Internetportal nicht nur Aufsehen, sondern immer wieder auch Anstoß erregt, ist kein Wunder, wenn man seine geschliffenen und oft sehr pointierten Stellungnahmen liest oder hört.”

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1 Comment

  1. vielen Dank für den Artikel, Herr Bittner.
    Ich habe das Buch noch nicht gelesen. Werde es aber demnächst tun.
    Die Finanzierung von Ken Jebsen durch Crowdfunding ist genial.
    Seine Reichweite im Netz ist unschlagbar.
    Seine “Verbissenheit” gut angebracht.
    Ich sehe ihn im einen Menschen, der sein Ziel klar verfolgt und auf dem Weg dahin auch immer wieder auf Neues trifft und in die Tat umsetzt. Ein Macher sondergleichen.
    Von der Sorte gibt es nicht viele. Zumindest im Medienbereich.
    Durch ihn sind nachweislich viele junge Menschen erstmals an Themen rangeführt worden, die vorher für diese Altersgruppe nicht relevant waren. Das gibt mir als Großmutter sehr viel Hoffnung.

    Durch ihn konnte Dr. Ganser mit seinen Vorträgen verstärkt in die Öffentlichkeit gehen. Und hat über 700.000 Klicks bei einem seiner Vorträge.

    Ich nenne das was da passiert eine “Medien-Revolution.”

    Angriffe gegen ihn gab es viele und gibt es auch noch heute. Die sehen ihre Felle davon schwimmen.
    Glaube auch kaum, dass von deren Seiten ernsthaft was bewirkt werden kann. Dafür sind sie einfach zu blöd (entschuldigen sie den Ausdruck, aber mir fällt nichts besseres ein).

    Peter Kruse hatte sich dazu einmal im Bundestag geäußert, was da auf uns zukommt. Gehört haben das alle, aber nicht verstanden.
    BundestagTV, Peter Kruse – Revolutionäre Netze durch kollektive Bewegungen im Jahr 2010 (3.33 min)
    https://www.youtube.com/watch?v=e_94-CH6h-o

    Wie sie so Vieles nicht verstehen und wild um sich schlagen. Das Wahrheits-Ministerium soll installiert werden. Nix kapiert.
    Die Menschen wollen hinter die Kulissen schauen. Verstehen was da vor sich geht.
    Und die letzten Zuschauer der Tagesschau, werden auch wegsterben. Dann ist aus mit der Quote.

    Die letzte Ausgabe des Spiegels kaufe ich für meine Enkel, als Beweis der Dummheit des Systems.

     

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