Es gibt viel zu tun, pflanzen wirs an!

Politisch riecht es ja schwer nach “Jamaica”, aber in Sachen Hanf ist von einer solchen Koalition eher wenig zu erwarten.  CDU/CSU wollen die Prohibition sturheil weiter an die Wand fahren und Grüne und Liberale werden sich wie in der Vergangenheit mit ihren Forderungen nicht durchsetzen. Vielleicht gelingt es ihnen wenigstens, die völlig unterirdische und ahnungslose Bundesdrogenbeauftragte Mortler durch eine halbwegs kompetente Person zu ersetzen. Falls sie das Justizministerium ergattern,  könnte hier – auch ohne die notwendige Gesetzesreform – schon auf dem Verordnungswege Verbesserungen in die Wege geleitet werden. Um etwa von der absurd hohen Zahl von Strafverfahren herunter zu kommen, die allein wegen Cannabiskonsum  (also nicht wegen Handel, Schmuggel oder Besitz großer Mengen) geführt werden: 145.915 waren es im Jahr 2016, soviel wie noch nie in der Geschichte. Selbst wenn das Betäubungsmittelgesetz noch nicht reformiert würde, könnten diese Verstöße statt als Straftat als Ordnungswidrigkeit eingestuft werden, was ein vernünftiger Justizminister gegen die bierseligen Koalitionäre der CSU gerade noch durchsetzen könnte. Ebenso wie eine sofortige Entbürokratisierung der Cannabis-Abgabe durch Ärzte. Viel mehr aber dürfte  von “Jamaica” kaum zu erwarten sein. Umso wichtiger die neue Petition des Hanfverbands, um die kommende Regierung gleich unter Druck zu setzen. Von alleine wird sie nämlich gar nichts tun…

Vor genau 25 Jahren, im Herbst 1992, saß ich an den letzten Seiten eines Buchs, das ein halbes Jahr später erschien und etwas erreichte, was nur die wenigsten Bücher schaffen: es löste tatsächlich ein, was sein Titel behauptete, nämlich „Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf“.  1996 wurde erstmals wieder Hanf zur Fasergewinnung angebaut, im selben Jahr erfolgte die Wiederaufnahme in das Arzneibuch, zuerst in Form des halb-synthetisch hergestellten Wirkstoffs THC (“Dronabinol”) mittlerweile auch in Form natürlicher Büten, Hanfsamen und Hanföl kamen wieder in die Bioläden, ebenso wie Hanftextilien.
Wie es zu diesem Buch kam, das mittlerweile in der 43. Auflage vorliegt, was sich im vergangenen Vierteljahrhundert daraus entwickelt hat und warum die völlige Entkriminalisierung nur der erste Schritt der Hanf-Renaissance sein kann – darüber werde ich am kommenden Sonntag  auf dem Cultiva Cannabis Congress in Wien sprechen. Und das Schlußwort wird wieder genauso lauten, wie vor 25 Jahren: Es gibt viel zu tun – pflanzen wir’s an!

1 Kommentar

  1. “Die Zeit” ist etwas hoffnungsvoller für Jamaika:
    “Insgesamt gibt es nur wenig Argumente, die gegen eine Cannabis-Freigabe sprechen. Die Hoffnung, dass Prohibition und Repression helfen, den problematischen Konsum zu unterbinden, hat sich inzwischen zerschlagen. Die Prohibition ist auf ganzer Linie gescheitert, es ist nicht gelungen, den Konsum merklich einzudämmen. Einziger Profiteur der repressiven Drogenpolitik ist die organisierte Kriminalität. Die Zeit ist reif, es anderen nachzumachen und Cannabis endlich kontrolliert freizugeben. Ein solcher Akt der Vernunft wäre doch ein toller Auftakt für eine Jamaika-Koalition. ”
    http://www.zeit.de/2017/41/cannabis-handel-konsum-legalisierung-jamaika-koalition?

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