Medien. Mainstream. Meinungsmache?

Sind unsere Medien demokratisch? Wie unabhängig ist unsere „freie“ Presse? Welchen Stellenwert haben sogenannte Alternative Medien heute? Und was muss der Mainstream tun, um dem zunehmenden Vertrauensverlust entgegenzuwirken? Was sind Fake-News und wie können wir eine gesellschaftliche Spaltung überwinden?

Diese und weitere Fragen diskutiert KenFM mit den Journalisten Paul Schreyer und Mathias Bröckers auf der Frankfurter Buchmesse

5 Comments

  1. Medien, ob native oder alternative, haben die Aufgabe, die öffentliche Meinung zu formen. Es kommt nicht darauf an, ob man die offizielle Geschichte oder die alternative glaubt, hauptsache man glaubt, das Ereignis war echt. Warum wohl wurde auf einmal der Begrif “fake news” so geprägt und medial verbreitet? Weil immer mehr Menschen merkten, daß mit den news irgendwas nicht stimmt. Das ist damage control, mehr nicht. Es suggeriert, daß es fake news gibt, die meisten news seien aber echt. Von wegen. Alle medial verbreiteten Ereignisse sind inszeniert oder frei erfunden. Der Spruch “sonst kommst du morgen in die Zeitung” hatte noch nie seine Berechtigung. Der Glaube an die News ist eine Weltreligion. Überall in der Welt, in armen wie in reichen Ländern, schalten Menschen zur vollen Stunde ihre Empfangsgeräte ein, um sich die news reinzuziehen, in der Vorstellung, daß die News ihnen verraten, was in der Welt vor sich geht und daß sie das machen sollen, weil sie doch wissen müssen, was in der Welt passiert. Das ist eine Konditionierung, die uns vom Kind an eingetrichtert wird. Analog dazu hat die Kirche früher ihre Version der News als Predigt praktiziert. Das ging aber nur lokal, auch wenn die Prediger durch gelegentliche Vatikanbesuche grob synchronisiert wurden. Heute kann jeder beliebige Nachricht zeitgleich die ganze Welt erreichen. Sieht man am besten an manchen Trivialnachrichten, die nicht nur in allen deutschen Online Zeitungen verbreitet werden, sondern auch in allen Ländern der Welt mit praktisch gleichem Inhalt in allen Sprachen. Aktuelles Beispiel “Prinz Harry weinte in Brazilien”.

  2. Danke an alle drei Herrn, für die sehr anregenden 45 min mit interessanten Einblicken. Die Interaktion zwischen Öffentlichen und Alternativen Medien welche von beiden erwähnt wurde, sehe ich auch vordergründig als Problem unserer Zeit. Das Beharren der Öffentlich-Rechtlichen Medien auf ihre Meinungshoheit, ist dabei die größte Barriere. Man sieht es an der zunehmenden Gleichschaltung der etablierten Medien, welche es sich in ihrer Blase der einzigen und richtigen Wahrheit gemütlich gemacht haben und sich gegen unliebsame Leserkommentare nur mit dem Abschalten der Selbigen zu helfen wissen. Wichtig auch die Erwähnung von Herrn Schreyer zu mehr direkter Demokratie und damit gegen die Alternativlosigkeit der Politik, unserer immer mehr an die USA erinnernden Parteienlandschaft. Gut das zum Schluß, dass momentan sehr polarisierende Thema Umwelt aufgegriffen wurde. Herr Bröckers fand, zu den derzeit stattfindenden Aktionen von Politik und Demonstranten, die richtigen Worte.

  3. “Überall in der Welt, in armen wie in reichen Ländern, schalten Menschen zur vollen Stunde ihre Empfangsgeräte ein, um sich die news reinzuziehen, in der Vorstellung, daß die News ihnen verraten, was in der Welt vor sich geht und daß sie das machen sollen, weil sie doch wissen müssen, was in der Welt passiert.”

    Eine gerne vernachlässigte Wahrheit ist, dass die News wirklich verraten, was in der Welt vor sich geht – aber eben nur jenen, die gebildet genug sind, nicht nur den Trend zu verstehen, sondern auch die Punkte A und B, deren Verbindung, deren Entwicklung dieser Trend eben ist. Und da kann man den Agenturen keinen Strick draus drehen, dass sie das nicht erklären. So einen Bildungsauftrag haben vielleicht die Öffentlich-Rechtlichen, nehmen ihn aber kaum wahr.

    Fakt ist, dass die meisten Medien ein zu ungebildetes Publikum haben, um Themenkomplexe so verstehen zu können, dass sie Blattlinien zu erkennen in der Lage sind und dementsprechend ihre Lektüre gewichten können – statt “fake news” zu schreien, wenn es ihnen zu viel wird. Aber zwei Entwicklungen der letzten Jahrzehnte tragen dazu bei, das zu einer probaten Bewältigungsstrategie zu machen: Vor 50 Jahren hätte niemand den SPIEGEL gelesen, der nicht wenigstens über Grundlagenwissen in Wirtschaft und Politik verfügt – und solch eine Person hätte sich nie die Blöße gegeben, “Lüge” zu schreien, statt mal wenigstens anderswo nachzulesen. Außerdem sind etliche ehemals statische Komplexe wesentlich dynamischer geworden, so dass man bequem murmeln kann “Da stimmt doch was nicht!”, wenn das bisschen Grundlagenwissen dadurch in Frage gestellt wird.

    Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass vermeintlich kritische Geister sich in der Lage sehen, russische und amerikanische Außenpolitik zu verstehen, obwohl sie nicht mal wissen, wie Kommunalpolitik in ihrem Kaff funktioniert. Und diese Ohnmacht wird dann den großen Medienkonzernen angelastet – die überfordern einen, natürlich bewusst. Wie kann aus der Einstellung eine emanzipierte Position entstehen, wenn man nicht mal in der Lage ist, die 20 Prozent Blattlinie bis hin zu Bullshit von all den anderen validen Informationen zu unterscheiden? Und das wird sich nicht verändern, es kommt kein Erlöser, kein Antimedien-Guru, der all das aufklärt. Nur eine immer verhärtetere Einstellung, alles zu wissen – nämlich, dass man nichts und niemandem vertrauen kann und das grummlige Bauchgefühl deswegen schon richtig ist. Das ist Sekten-Programmierung wie aus dem Lehrbuch – und nach 20 Jahren wacht man auf und merkt, dass man immer nur mit den anderen Hunden den falschen Baum angebellt hat – statt sich vielleicht mal ein Haus draus zu bauen.

  4. Klüber, auf die selbe Art argumentieren moderne Theologen, daß man die Religion eben richtig verstehen muß und das nur mit entsprechender Bildung kann. Ein gebildeter Bibel oder Koran Schüler kann fehlerfrei Phrasen zitieren, mehr aber nicht. Das gilt auch für den News Gläubigen. Die News bauen aufeinander auf, wie die Geschichten in den mosaischen Büchern es auch tun. Mit Wirklichkeit haben alle nichts zu tun. Da hilft nur der gesunde Menschenverstand. Was keinen Sinn macht, daß kann auch nicht echt sein. Oder glauben Sie wirklich, daß Trump der POTUS ist und der Boris den Brexit beeinflussen kann?

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