Willkommen im Kalten Medienkrieg

Ohne Vorwarnung hat Youtube zu Beginn der Woche den deutschen Kanal von rt (russia today) komplett gesperrt. Mit mehr als 600.000 Abonnenten und über 540 Millionen Zugriffen gehört das deutschsprachige Programm des russischen Auslandsenders zu den beliebtesten News-Kanälen im deutschen Netz. In der Kategorie „News & Politics“ belegten die Videos von „rt“ im August 2021 den 5. Platz hinter den Angeboten des Springer-Verlags („Welt“, „Bild“) sowie der „Tagesschau“ und „spiegel tv“ – und lagen damit in der Beliebtheit des deutschen Publikums noch vor dem ZDF und den großen ARD-Sendern WDR und NDR. Auch in den Sozialen Medien verzeichnet der 2013 in Deutschland gestartete “Feindsender” großen Zuspruch und vollzieht damit einen ähnlich steilen Aufstieg wie in den USA, wo Russia Today die etablierten Nachrichtensender (CNN, MSNBC) im Netz schon überholt hat.

Da musste etwas geschehen, zumal von Joe Biden (bzw. seinen Pfleger) die Parole ausgegeben wurde, dass die USA sich jetzt China vornehmen und Deutschland und Europa gegen den Russen aufrüsten sollen. Von Zensur und einem Angriff auf die Pressefreiheit kann bei dieser Löschaktion natürlich keine Rede sein, denn Google/Youtube ist ein privater Konzern, dem es freisteht, die über seine Server verbreiteten Inhalte zu sperren. Der rt-Kanal habe „gegen unsere COVID-19-Richtlinie über medizinische Falschinformationen“ verstoßen, begründete Youtube die Sperrung. Ein Argument, das ohne weitere Konkretion auch verwendet werden könnte, um auch den Kanal der „Tagesschau“ und viele andere sperren: „Falschinformationen“ über Corona wurden und werden zwangsläufig überall verbreitet, weil weder über die Herkunft noch über die Gefährlichkeit des Virus noch über die Effizienz der Impfstoffe wirklich Klarheit herrscht. (Siehe die nebenstehenden  ehrlichen Angaben des Paul Ehrlich Instituts auf seiner Website.) Das Abschalten eines kompletten Nachrichten-Kanals basiert somit auf der Unterstellung, dass er bewusst falsche Informationen verbreitet. Tatsächlich hatte „rt“ nichts anderes getan, als Kritiker der Pandemie-Maßnahmen bisweilen noch zu Wort kommen zu lassen, die auf den gleichtönenden Kanälen der Großmedien ausgeblendet waren.
Dass die Bundesregierung hinter der Abschaltung steckt, hat Regierungssprecher Seibert zwar als „Verschwörungstheorie“ zurückgewiesen, doch ist es nur schwer vorstellbar, dass eine politisch derart sensible Entscheidung ohne Absprache getroffen wird. Das Außenministerium in Moskau hat denn auch in scharfen Ton von einer „beispiellosen Aggression“ gesprochen, RT-Chefredakteurin Simonjan warf dem deutschen Staat einen „Medienkrieg“ vor und forderte, deutsche Korrespondentenbüros in Russland zu schließen. Noch sind das nur „Dit for Dat“ Verbalattacken auf diplomatisches Feld, doch wenn Russland seine Drohung wahrmacht, und etwa im Gegenzug Youtube im russischen Internet sperrt, könnte sich das zu einem echten Schlachtfeld im kalten Medienkrieg entwickeln. Und zu einem Armdrücken zwischen Googles Profitinteressen im russischen Markt und der auf Bekämpfung Russlands gerichteten Geopolitik des Pentagon. Das „rt deutsch“ demnächst wieder auf Youtube erscheint ist deshalb durchaus vorstellbar – und wenn nicht sollte sich die „Deutsche Welle“ in Russland warm anziehen. Der deutsche Staatssender kann dort noch immer frei berichten und sich wie 2018 sogar herausnehmen, zur Sabotage der Wahlen und Ungültigmachen von Stimmzetteln aufzurufen, ohne wegen aktiver Wahlmanipulation sofort zensiert und des Landes verwiesen  zu werden.

Für die Eliminierung von  „rt-deutsch“ auf Youtube bieten ominöse COVID-Richtlinien nur den willkommenen Anlass, der eigentliche Grund liegt woanders und hat schlicht mit dem Erfolg des Senders zu tun, der trotz permanenten Naserümpfens der etablierten Medien über „Putins Propagandakanal“ (FAZ) eingetrten ist: Weil „rt“ ordentlichen, kritischen Journalismus macht. Aus russischer Perspektive, was nicht weniger verwerflich sein sollte als die britische Sicht der BBC oder die amerikanische von CNN.  Über den Afghanistankrieg, der aus der NATO-Perspektive westlicher Großmedien 20 Jahre als Erfolg (Mädchenschulen!) präsentiert wurde, konnte man auf „rt“ zum Beispiel weitaus realistischere Informationen beziehen. Auch wer über die Bürgerkriege in Syrien oder der Ukraine oder jetzt zu den Informationen über Corona ein Gegengewicht zum multimedialen Gleichklang suchte, konnte auf dem Sender fündig werden: aktuell, journalistisch professionell und so seriös, dass in den USA sogar der berühmteste „Hosenträger“ der TV-Geschichte, Talkmaster Larry King, seine letzten zehn Plauderjahre auf „Russia Today“ absolvierte.

Im Rahmen der in demokratischen Verfassungen garantierten Pressefreiheit ist ein solcher Sender ohne Frage  legitim und darf nicht zensiert werden. Da die Kanäle der öffentlichen Kommunikation aber privatisiert sind, entscheiden über Erlaubtes und Verbotenes nicht mehr Gerichte, sondern die unsichtbaren Instanzen einer Silicon-Valley-Stasi. Diese arbeitet aufs Engste mit Geheimdiensten und Regierungen zusammen und bietet Politikern den Vorteil der „deniablity“: sie wissen von nix und sind für die Aktivitäten von Privatfirmen nicht verantwortlich. Presse,- und Meinungsfreiheit sind natürlich weiter garantiert und wenn ein Donald Trump mit 70 Millionen Followern auf Twitter einfach gelöscht werden kann, muss sich ein Wladimir Putin und sein „Russia Today“ eigentlich nicht wundern. Genauso wenig wie jeder andere erfolgreiche Podcaster, Blogger oder  Youtuber, der erfolgreich Regierungsverlautbarungen kritisiert und unerwünschte Fakten ans Licht bringt. Sobald sie Reichweite erzielen, werden sie geblockt und verbannt. „rt“ kann die Aktion deshalb als weiteren Beleg für den Erfolg seines Programms verbuchen – und das deutschsprachige Publikum muss sie als weitere Verengung des Informations- und Meinungskorridors und des Debattenraums hinnehmen, die unter der COVID-Hysterie so bedrohlich  geworden ist, dass Zensur mittlerweile schon als selbstverständlich und doppelte Standards als normal hingenommen wird. Journalistenverbände jedenfalls haben bis dato noch nicht gegen die Youtube-Sperre der rt-Kolleg*innen protestiert, im Gegenteil . Um so schneller und schärfer aber werden sie verurteilen, wenn Russland auf diesen Angriff reagiert und ein paar westlichen Journalisten den Saft abdreht. Die Erklärungen dazu sind  sicher schon in Arbeit und wir werden davon hören. Unweigerlich. In allen Wiederholungsschleifen der „Nachrichten“….

UPDATE 6.10.21: RT-Deutsch hat  dazu mit mir ein Interview geführt

7 Comments

  1. Supergelegenheit von Russlands Diplomatie, die Speichellecker der deutschen Politikerkarikaturen und US-Regierungsmafia weltoeffentlich verheerend zu blamieren. Wie im Einzelnen, werden die Russen besser wissen als ich.
    Meine unausgegorene Anregung waere, zusammen mit den Chinesen eine Stiftung fuer alle Entwicklungslaender aufzulegen inklusive oertlichen Servernetzen und satellitengestuetzten Zivilmodulen an bestehenden oder naechsten Militaersatelliten unter dem Namen “digitale Seidenstrasse”, den Plan von der Stiftung Corona Auschuss und RT.DE erstveroeffentlichen zu lassen, sowie Julian Assange Asyl anzubieten. Google darf in Russland weiterbleiben aber nur unter strikter Einhaltung dortiger Pressegesetzvorgaben hinsichtlich zensurfreier Nachrichtenwidergabe ohne selbstherrliche Loeschungsdiskriminisierungen.
    Nur etwa so ist den Psychos Turner, Gates, Musk, Zuckerberg und sonstigen Mafiosis beizukommen. Was anderes verstehen die nicht. Putins Chance ist, die Untertanen der Welt hinter sich zu scharen. Er und wir habens mit Psychos zu tun.
    Einen von denen, Turner, hatte ich mal einst in seinem Sport als Gegner persoenlich studieren koennen. Aber auch ein paar Regierungschefs. Ich weiss ein bisschen, wovon ich rede…..

  2. Natürlich bin auch ich der Meinung, dass das übel von Google war, aber…

    Warum muss eigentlich alle Welt ihre Sachen über die USA anbieten? Ihr ja auch. Gut, Video-Hosting kostet Geld, und Google hat es, aber warum?

      1. Ist die „Reichweite“ vom Himmel gefallen, oder wird sie nicht vielmehr von denen generiert, die YouTube mit Inhalten versorgen?

  3. Nicht so wirklich neu das. Schon immer hat jeder abhängig Beschäftigte einen grossen Teil seiner Rechte zu Beginn jedes Arbeitstages am Eingang abgeben müssen. Fortan waren private Rechte und AGB’s gültig und das war es dann. Normal ist es geworden das Unternehmen eigentlich demokratisch erarbeitete Gesetze durch private AGBs freiwillig (so wie Erpressung heute geht) haben ersetzen lassen. Naiv wer sich trotz gewaltiger Popularität diverser Internetkonzerne sicher fühlte und das quasi ungehinderte publizieren eigener Inhalte in eben jenen privaten Räumen für Freiheit, Rechte und Demokratie interpretierte. Doch nichts war irreführender als das… Seit dem Aufstieg eben jener Internetkonzerne vor 20-30 Jahren wurde kaum was nennenswertes zum Vorteil der Gesellschaft und des Einzelen reguliert und es wurde gestohlen was an den Wegrändern des Internet so rumlag…

  4. Putins „unbesiegbare“ Hyperschall-Rakete erfolgreich getestet

    https://www.welt.de/politik/ausland/article234193684/Russland-Wladimir-Putins-Hyperschall-Rakete-Zirkon-erfolgreich-getestet.html

    Da braucht es ein Testgelände ” of Last Resort”…wie wäre es mit Berlin-Mitte …
    punktgenau… in die GroKo-Klein-Gro-Ampel-Jamaica-Nigeria- Hinterzimmer *

    * Das ist Satire…KSK und GSG- 9 Swat-Teams sollen sich woanders abseilen
    Sahel-Zone…Mali..Ogadesh…etc …bitte nicht bei mir …bibber-bibber…:-)

  5. die ehrlichen Angaben des Paul Ehrlich Instituts sind natürlich insofern ehrlich als sie sich auf etwas nicht existentes beziehen. Genauso ehrlich könnte man behaupten, dass COVID-19 Impfstoffe gegen Alien Angriffe und gegen Teufelinbesitznahme schützen.
    Man sollte aber genausowenig glauben, RT wäre irgendwie “unabhängig”. Aktionen wie “Kanalabschaltung” sollen nur die Glaubwürdigkeit erhöhen. Aber auf sowas falle ich schon lange nicht mehr ein.

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