3. JT #75: Fog Of War

Was erlauben Putin?! Jetzt ist er doch in der Ukraine einmarschiert. Was ist da passiert? Und was kann man im Nebel des Krieges überhaupt erkennen? Wir versuchen uns dem Propaganda-Tsunami entgegenzustellen: Was hat es mit den amerikanischen Biowaffenlaboren und den Nuklearwaffen in der Ukraine auf sich? Was bedeuten die Sanktionen wirklich für uns? Was rollt da auf uns zu? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #75 des 3. Jahrtausends.

 

11 Comments

  1. Weshalb ich den Krieg gegen die Ukraine für einen Fehler halte (davon abgesehen, dass jeder Krieg eine Tragödie ist)

    Wenn Putin das Ziel verfolgt, die Sicherheit seines Landes zu schützen, dann hat er sich für die falsche Strategie entschieden. Lediglich “nicht der Verlierer sein” genügt nicht, denn der exzeptionalistischen Gegenseite geht es erklärtermaßen um globale Vorherrschaft. Und sie wird nicht ruhen, bis sie ihr Ziel erreicht – oder untergeht. Heißt: Die Welt einschließlich Russland wird erst in Frieden leben können, wenn das neoliberale Lügenimperium verschwunden (also – von außen oder von sich selbst – besiegt worden) ist.

    Wäre es daher nicht die klügere Strategie, dem Imperium dabei zuzusehen, wie es an den Auswirkungen seiner Verlogenheit, seiner Widersprüche und seiner buchstäblichen Sinn-Losigkeit allmählich erstickt? Es war zuletzt schon auf dem besten Weg dorthin, Stichwort “westlessness”. Das, worüber wir hier regelmäßig erfahren (und was die MSM wohlweislich niemals im Kontext darstellen) sind nichts anderes als die unzähligen Symptome und Erscheinungsformen dieses Verfallsprozesses. Längst waren aus systemischen Widersprüchen schwere Krisen, aus feinen Rissen strukturelle Gräben geworden… Doch nun verschafft Putin dem moribunden westlichen Pseudoliberalismus samt NATO “die zweite Luft”.

    Meine Überzeugung als jemand, der beide Seiten erleben musste:

    Prägendes Prinzip des westlichen Imperiums ist (Pseudo-)Individualismus. Mit dieser Fokussierung auf konkurrierenden Eigennutz einher geht jedoch eine sehr begrenzte Fähigkeit langfristiger Sinnstiftung (was nicht ausschließt, dass Einzelne diesen Sinn für sich finden). Die kollektive Sehnsucht der Menschen nach Sinn wird durch Konsumterror, Propaganda und Zerstreuung eine Zeit lang betäubt, aber diese Methode kommt regelmäßig an ihre Grenzen (und produziert nebenbei jede Menge gesellschaftlich-sozialen “fallout”). Die Menschen beginnen zu zweifeln, kaufen und glauben nicht mehr alles, stellen stattdessen wesentliche Fragen (welche die Herrschaftselite nicht beantworten will oder kann), protestieren oder wählen “falsch” – und das pseudoliberale System zeigt Auflösungserscheinungen.

    Dann braucht das individualistische Imperium etwas, das es selbst per definitionem nicht im Angebot hat: über-individuelle Sinnstiftung. Derartiges entsteht z.B. durch den Druck einer spezifischen Bedrohung oder gemeinsamer Feinde. Dann muss plötzlich das Eigenwohl auf das Gemeinwohl Rücksicht nehmen. Das Imperium wird auf Zeit zu einer (Leidens-)Gemeinschaft und daraus erwachsen neue Bindungskräfte, die das System zusammenhalten.

    Die Bedrohungen können authentisch sein, wie im 2. Weltkrieg oder im Kalten Krieg. Anderenfalls müssen sie listig inszeniert oder irrational ins Monströse aufgeblasen werden. Aber der internationale Terrorismus sowie die Covidpandemie taugen als Surrogat nur bedingt und führen auch zu neuen Spaltungen, denn viele Menschen – aus Erfahrung misstrauisch geworden – lassen sich (noch) nicht so leicht täuschen.

    Doch jetzt verschafft “Putins Krieg” dem verlogenen, manipulativen, pseudoliberalen und im Kern menschenfeindlichen System (das ein “transhumanistisches” Ende der Menschheit, wie wir sie kennen, anstrebt) neue Kraft und Legitimation. Dieses System braucht Provokation, Aggression und Krieg. Es lebt davon und bezieht daraus seine Energie. Es hasst Sicherheit, Harmonie und kollektive Verständigung. Klüger, konsequenter und langfristig erfolgversprechender wäre gewesen, ihm jetzt dieses russische Geschenk einer “Laufzeitverlängerung” nicht zu machen und es bei seiner Schussfahrt in den Orkus nicht aufzuhalten.

    1. “Dem Imperium beim Ersticken zusehen” wollte Putin 2001 noch nicht, als er Standing Ovations für seine deutsche Rede im Bundestag erhielt.
      Aber bestimmt nach dem (ihm aufgedrängten, aber für ihn glücklich verlaufenen) Georgien-Krieg 2007 und sogar noch nach der feindlichen Übernahme Kiews durch den Westen 2014.

      Dem “3. Jahrtausend” kann man aber mindestens 3 Gründe entnehmen für den Glauben, dass ihm bzw. Russland jetzt keine Zeit mehr bleibt:

      – Es soll einen Plan für einen Großangriff auf den Donbass akut jetzt im März gegeben haben; unabhängig davon rüstet der Westen seit 2014 das Nicht-NATO-Land fortwährend massiv bzw. seit Bidens Antritt mit stark wachsendem Tempo auf.

      – Zu den von den US gelenkten oder protegierten Biowaffen-Laboren in der Ost-Ukraine gab es besorgniserregende News. Das hat kurzfristig nicht unbedingt direkt etwas mit Corona zu tun, die dortigen Zahlen konnten aber auch nicht beruhigend wirken: Nach dem bisherigen Rekord Mitte Nov. (40.000 tägliche Neufälle) sank die Zahl auf unter 20.000 in der ersten Januar-Hälfte und stieg bis 13.Februar auf 196.000 Fälle an (jetzt aber wieder bei 70.000). Langfristig sind die Oligarchen des Wertewestens jedenfalls erklärtermaßen dabei, mit Corona (und Folge-Viren?) eine neue Normalität zu basteln, u.a. weil ihnen die alte (militärische, wirtschaftliche und Dollar-bezogene) Wettbewerbs-Vormachtstellung gegenüber Russland und vor allem China langsam aber sicher entgleitet und ein Super-Crash droht – diese Konkurrenten müssen also immer stärker mit allem Möglichem, z.B. “Erstschlägen” rechnen und sie erleben ja schon seit einigen Jahren ein “Vorspiel” in Gestalt verschärfter Feindseligkeit.

      – Auf der Münchener Sicherheitskonferenz (also VOR dem Einmarsch) hat Selensky von der atomaren Wiederbewaffnung der Ukraine schwadroniert und standing ovations dafür bekommen; Mathias Bröckers geht davon aus, dass man nur so prahlt, wenn die Vorbereitungen dazu schon weit gediehen sind.

      Beim letzten Punkt habe ich eher den Eindruck, dass die USA Russland förmlich zum Angriff drängen wollten, um es zum Paria abstempeln und (wie schon von Trump bzgl. China offen ausgesprochen hatte) “entkoppeln”, d.h. isolieren zu können. Schon seit vielen Wochen vorm Einmarsh konnte man mehrere “versehentliche” Äußerungen des halb-dementen Biden nur als “Lock- und Dräng-Aktion” auffassen.

      Es lässt sich leicht sagen, Putin hätte sich nicht in die Falle locken oder treiben lassen sollen. Denn auch wenn er gesehen hat, dass der Köder vergiftet war, können seine Infos (die weitergehend sein werden als unsere) ihn zur Überzeugung gebracht haben, das angeschlagene Imperium werde so oder so irgendwie den Showdown suchen und notfalls selber inszenieren, d.h. Russland durch eine Art “Tonkin”-Zwischenfall am Ende doch wieder den Schwarzen Peter zuschieben.

      George F. Kennan war ein führender Diplomat der nach dem Zweiten Weltkrieg sich um die “Eindämmung der Sowjetunion” verdient gemacht hatte. 1997 war er als Methusalem einer der ersten nachdrücklichen Warner vor einer Osterweiterung der NATO (Wikipedia).
      Der frühere US-AußenministerHenry Kissinger war (wie viele Friedensnobelpreisträger) kein Waisenkind, wenn es um die Interessen des eigenen Landes ging. Als Pensionär hatte er vor einem Krieg in der Ukraine gewarnt; er las vor sieben Jahren sowohl Russland als auch dem Westen die Leviten,
      https://www.infosperber.ch/politik/henry-kissinger-hatte-vor-einem-krieg-in-der-ukraine-gewarnt/

      Dem Imperium als verletztem Raubtier bleibt aber wohl keine Zeit mehr, auf seine Elder Statesmen zu hören, die es in besseren Zeiten lenkten.
      Jetzt gilt es das enge “Window of Opportunity” zu nutzen, wie Klaus Schwab, der Oberkellner und Türsteher der führenden Bonzen dieser Welt, den Kaninchen weltweit so verlockend verklickert, dass ihnen jetzt das Fell über die Ohren gezogen wird.

  2. Hab das Sitzungs-Video noch nicht zuende gesehen, will aber schon drei Dinge dazu sagen::
    1.) Soweit beklagt wurde, daß RT.DE nicht mehr erreichbar ist, verweise ich auf mehrere Links, die Lösungswege aufzeigen:
    https://www.broeckers.com/2022/03/06/was-spricht-eigentlich-gegen-eine-militarisch-neutrale-ukraine/#comment-93078
    https://qpress.de/2022/03/08/stellt-russland-den-rubel-alsbald-auf-goldene-fuesse/#comment-66767
    https://www.broeckers.com/2022/03/06/was-spricht-eigentlich-gegen-eine-militarisch-neutrale-ukraine/#comment-93082
    https://www.broeckers.com/2022/03/06/was-spricht-eigentlich-gegen-eine-militarisch-neutrale-ukraine/#comment-93086

    Userin Corinna sagte hier übriges, daß man SNA-News sowieso nicht mehr erreichen kann, “…da sie ihre Tätigkeit in Deutschland, Spanien, Frankreich und Griechenland eingestellt haben. Auf der Internetseite snanews.de ist am 3. März das letzte Mal etwas veröffentlicht worden.”

    2.) Soweit gleich am Anfang der Sitzung behauptet wird, der russische Einmarsch in die Ukraine sei “völkerrechtswidrig” oder “ganz klar völkerrechtswidrig”, ist dies ganz klar FALSCH!
    Meines Erachtens war der Einmarsch Rußlands in die Ukraine völkerrechtlich rechtmäßig. Da die Ausführungen dazu länger sind, habe ich es ourgesourcet unter “DER EINMARSCH RUSSLANDS IN DIE UKRAINE VÖLKERRECHTLICH RECHTMÄSSIG”
    Bitte öffnen/downloaden unter: https://www.imagenetz.de/rLPCq

    3.) Zu unserem (auch meinem) Irrtum über den bevorstehenden russischen Einmarsch:
    Wir hatten vollkommen Recht, dieses ‘der Ruß marschiert ein’-Gedöhns als absurd zurückzuweisen ( https://i0.wp.com/www.broeckers.com/Wordpress/wp-content/uploads/2022/02/YMsVE_tJYmI.jpg?resize=700%2C436&ssl=1 ).

    Aber: Wir haben dann übersehen, daß sich plötzlich die Lage völlig veränderte.
    Das fing an mit dem superlangen Tisch, an den Putin den Macron setzte. Artikel vom 12.02.22: “Drei Riesen und die “neue Ära der Multipolarität”” – Bild: https://i0.wp.com/www.broeckers.com/Wordpress/wp-content/uploads/2022/02/PutinMacron.jpg?resize=700%2C432&ssl=1

    Putin wollte hier ein Bild für die Geschichtsbücher schaffen! Was auch ich nicht durchschaute, war, daß die oberflächliche Erklärung Putins für den superlangen Tisch, daß Macron keinen russ. Covid-Test machen wollte, völlig absurd war. Putin mag dies Macron gesagt haben, um einen oberflächlichen Grund abzugeben, als er ihn an den Tisch bat. Aber in “The Dduran”-Videos sah ich späte, daß Putin um dieselbe Zeit herum sich mit zahlreichen(!) Politikern – auch dem Präsidenten von Kasachstan (glaube ich) – in äußerster körperlicher Nähe traf und sogar manchmal umarmte.
    Auch wenn Rußland leider auch Covid–durchgeknallt ist, ist auch dort ein solcher Abstand, wie zwischen Putin und Macron am superlangen Tisch völlig absurd.

    Der Grund für den superlangen Tisch war, daß Putin geschichtlich dokumentiert haben wollte, daß er sich von Macron/Frankreich/die EU verabschiedete bzw. mit diesen brach. Die widerwärtige Äußerung von Olaf Scholz des Wortes “lächerlich” zu den 14.000 von Kiew in Donezk und Lugansk ermordeten Bürgern ( https://www.indianpunchline.com/german-military-on-the-rebound/ ), brachte das Faß sicherlich auch zum Überlaufen.
    Im Nachherein gesehen: Als Putin am 21.02.2022 das Minsker Abkommen “für gescheitert” erklärte, war nun klar, daß sich der Wind gedreht hatte – und nun die westlichen “der Russ kommt”-Hetzer ihre “self fulfilling prophecy” endlich bekamen.

    1. Und hier sind auch funktionierende Links zu RT

      https://www.nachdenkseiten.de/?p=81643

      Außerdem besteht immer die Möglichkeit sich über einen Proxy-Server irgendwo außerhalb der EU zu verbinden, damit kann man jegliche Zensur immer zuverlässig verhindern:
      https://top10vpntest.com/

      https://de.life123.com/web?q=anonym%20proxy&o=1576876&rch=intl729&gclid=EAIaIQobChMIm7LjgZu-9gIV1ud3Ch1M6A4cEAAYAyAAEgJLp_D_BwE&qo=semQuery&ad=semA&ag=fw22&an=google_s

      https://www.proxy-listen.de/

      Wichtig immer Proxys außerhalb der EU (k.A. wie es mit Geoblocking in den USA aussieht)

  3. Noch ein Rechtsaspekt, der auf einen Bruch der Völkerrechts – diesmal gerade durch die USA – weisen dürfte.
    Es geht um das “Einfrieren” der Guthaben der russischen Staatsbank in den USA. Dies dürfte gegen das Völkerrecht, und dort dem Bestandteil des Völkerrechts, welches “Allgemeines internationales Recht” (engl.: “customary international law”) genannt wird.
    Offenbar verstoßen die USA mit ihrem Zugriff auf die in den USA befindlichen Reserven der russischen Staatsbank gegen das völkerrechtliche Prinzip der “Foreign Sovereign Immunity”.
    Ich sagte eben “Offenbar” weil ich mich nicht ausreichend mit dem Völkerrecht auskenne, um mir zuzutrauen, das entscheiden zu können.

    Aber hier ein interessanter Link dazu:
    “DOES FOREIGN SOVEREIGN IMMUNITY APPLY TO SANCTIONS ON CENTRAL BANKS?” – https://www.lawfareblog.com/does-foreign-sovereign-immunity-apply-sanctions-central-banks
    … und noch einer:
    “SOVEREIGN IMMUNITY AND CENTRAL BANK IMMUNITY IN THE UNITED STATES ”
    https://www.elibrary.imf.org/configurable/content/books$002f071$002f01504-9781557751423-en$002fch08.xml?t:ac=books%24002f071%24002f01504-9781557751423-en%24002fch08.xml

  4. Einen von mir ausdrücklich nicht geteilten Kontrapunkt zu eurer Einschätzung der Situation bildet ein
    “Offener Brief: Importstopp für Öl, Gas und Kohle
    Wie können wir den Menschen in der Ukraine helfen?
    Wir müssen aufhören, Putins Krieg mit dem Import von Öl, Gas und Kohle zu finanzieren. Ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Kulturschaffenden, Wissenschaftler*innen und Akteur*innen der Zivilgesellschaft fordert Bundeskanzler Olaf Scholz, Vizekanzler Robert Habeck und Finanzminister Christian Lindner auf: Schluss mit unserem Geld für Putins Krieg! … .”
    https://www.campact.de/importstopp/
    Die Liste der Unterzeichner/innen ist lang und aufschlussreich, aber nicht wirklich überraschend. Eine weitere, gute Gelegenheit die Spreu vom Weizen zu trennen.

  5. Das Völkerrecht ist doch nur noch politische Rhetorik, ist schon seit Jahren hinfällig u. interessiert in der westlichen Realpolitik niemanden mehr. Und dass die Nato nicht in den Ukrainekrieg eingreifen wird ist auch reines Wunschdenken. Möchte nicht wissen was da hinter den Kullissen läuft. 2,3 Millionen Kinder im Jemen sind lauf UNICEF durch Krieg mangelernährt und vom Tod bedroht. Interessiert genau wie der jahrelange Krieg gegen den Donbass auch niemanden.

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