Dass ich Papst Leo ziemlich gut finde und sein “follower” auf X bin, hatte ich im Frühjahr hier schon verkündet (Habeo papam iterum!) – zusammen mit dem Hinweis, dass ich mir angesichts des grauenvollen politischen Personals in Europa und Deutschland auch noch andere einst verachtete und verspottete Figuren wie die Altkanzler Schmidt oder Kohl dringend zurückwünsche. Typen mit Rückgrat, stark und echt. Keine nassen Nudeln, wie sie aus den “Young Leaders”-Züchtungen in die Institutionen gehievt werden, wie die Pop-Sternchen von der Musikindustrie in die Charts.
Und dann ploppt gestern morgen dieses Foto von “Vatican News” auf: Robert Prevost (71) aka Leo XIV und Robert Zimmermann (85) aka Bob Dylan. Letzterer im Mönchsgewand und schwarzem Hoodie, wie er ihn auf er seiner Never Ending Tour aktuell auch auf der Bühne trägt, der Papst im amtlichen Weiß des Pontifex; zwei alte Amis aus dem Mittleren Westen als höchst dekorierte Avatare, Kirchenfürst und Dichterkönig, als Stellvertreter des Petrus und als Ur-Enkel des Orpheus – ein ikonisches Bild.
Leo hatte zuletzt mehrfach aus Dylans Texten zitiert, im April mit Zeilen aus dem Dylan-Klassiker “Masters of War” und im Juli, als gegen die nukleare Aufrüstung sprach, aus “Go away bomb”, einem eher unbekannten Gedicht. Der Papst ist ein Kenner des Dylan`schen Kosmos, so wie Dylan einer der biblischen Spiritualität.
Dass er in seiner “christlichen” Phase Mitte der 70er Jahre auf einem Tiefpunkt angelangt sei und sich davon schnell wieder verabschiedete, wird zwar öfter behauptet, ist aber falsch –
Gotta Serve Somebody , einen der Tracks aus dieser Zeit – und noch immer im Live-Repertoire – halten viele (z.B. der wunderbare Eric Burdon) für einen seiner besten Songs überhaupt. “It may be the Devil, it may be the Lord, but you gonna have to nerve somebody”…der singende Bob hat sich für den Chef des betenden Bob entschieden. Worüber die beiden etwa 40 Minuten lang gesprochen haben, ist nicht überliefert. Ich schätze aber mal, tendenziell weniger über “Knockin`on heavens door (1975)” und mehr in Richtung “Murder Most Foul” (2020), Dylans Meisterstück über den Kennedymord. Wie auch immer, man wünscht den beiden Bobs, dass sie Bob bleiben, mit Rückgrat, stark und echt – gegen alle Masters of War.
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