Heathcote Williams R.I.P.

Vor ein paar Monaten hatten wir noch gemailt, er hatte mir sein “investigative poem” über den afghanischen Ghandi geschickt “Badshah Khan – Islamic Peace Warrior”, das ich gerne auf deutsch herausbringen wollte. Jetzt meldet der “Guardian”, dass Heathcote Williams mit 75 Jahren in seinem Haus in Oxford gestorben ist.
Er war das, was man ein Multitalent oder Genie nennt: Maler, Bildhauer, Theaterautor,  Schauspieler, Zauberer, Erzähler, Poet, Schriftsteller – und was andere Künstler dieses Kalibers nach dem Sturm und Drang junger Jahre gern ablegen blieb er bis zum Ende:  radikal, anarchistisch, politisch aktiv. Kollegen wie Samuel Beckett, Harold Pinter, William Burroghs bewunderten seine Arbeiten, einer seiner größten Fans, Al Pacino,  finanzierte seinen Film “The Local Stigmatic” und spielte die Hauptrolle; Heathcote selbst trat in zahlreichen Filmen auf , etwa als Prospero in Derek Jarmans Shakespeare-Verfilmung “The Tempest”.
Von seinen zahlreichen  Büchern kam mir zuerst “Der Immortalist” in die Hände, ein “alchemistisch-utopisch-anarchistisches Gespräch mit einem 278jährigen”, das Werner Pieper bei der “Grünen Kraft” herausgebracht hatte, dann kamen in den 1980ern Jahren seine wunderbaren Werke “Der Kontinent der Wale”, “Elefanten” und “Autogeddon” großformatig bei Zweitausendeins heraus. Bücher die zu Standardwerken der ökologischen Sensibilisierung für den Terror der Jagd und des Autoverkehrs wurden.
Mit Germaine Greer hatte Heathcote Williams in den frühen 1960ern die Zeitschrift “Suck” für “sexuelle Befreieung” gegründet, 1972 reüssierte er als gefeierter Theaterautor mit der an Antonin Artaud und Marshall McLuhan geschulten Hippie-Performance “AC/DC” und produzierte seitdem regelmäßig Stücke für Theater und Film. Mit der artistischen Online-Wiederbelebung der “International Times”, des  britischen “Newspaper of Resistance”, hatte er dann später eine Netz-Plattform zur Veröffentlichung seines stets ebenso poetischen wie subversiven Materials.

Als mir sein ehemaliger deutscher Verleger, Lutz Kroth, 2014 das investigative poem “Royal Babylon” über die Windsors zuschickte, konnte ich die Freunde vom Westendverlag überzeugen, dass dieses anklagende Gedicht samt seinen dokumentierenden Fussnoten doch genau das Richtige sei zum anstehenden Besuch der Queen in Deutschland: “Eine schrecklich nette Familie”.  Auch in England machten diese scharfen Worte Furore, nachdem die britische “Stop The War”-Koalition einige Passagen daraus veröffentlichte – und die kriegtreibende Elite  den ungeliebten Labour-Kandiaten Corbyn mit dieser “schändlichen Schmähschrift” beschmieren wollten.
Bis zum Ende waren die Worte dieses Dichters immer ein Dorn im blumigen Geschwalle des Mainstreams, wie auch sein letztes Werk über den amtierenden Außenminister “The Beast of Brexit – Boris Johnson”,  es waren Widerworte, des Zorns und der Wut über den Horror der Realen. Doch immer auch, und sei es noch so metaphorisch, gespeist von der Vision einer unbändigen Freiheit und allumfassender Liebe.  Kein Wunder also, dass seinen Nachrufern Vergleiche mit literarischen Heroen wie dem Polemiker Shelley – über den er ebenfalls geschrieben hat – und dem Visionär William Blake einfallen. Er war ein Großer, als genialer Künstler, als ständiger Aktivist und als ewiger Träumer: “Dream for us in the great beyond and we will listen to you Heathcote.”

Update: Werner Pieper weist mich darauf hin, dass nicht er sondern der Sphinx-Verlag “Der Immortalist” zuerst auf deutsch veröffentlichte, bei der “Grünen Kraft” hingegen sei “Autogeddon” zuerst als Raubdruck erschienen und dann “offiziell” bei Zweitausendeins.

Mutti für alle

Nachdem zuerst schon die Ökos Merkel wählen konnten, weil sie die AKWs abgestellt hat, dann auch alle Multi-Kultis, weil sie zu den Flüchtlingen meinte “Wir schaffen das”, dürfen jetzt alle Lesben und Schwulen heiraten und ebenfalls CDU wählen. Falls Mutti es schafft, bis zur Wahl noch schnell Hanf zu legalisieren, kann sie auf Zustimmungsraten rechnen, wie sie ansonsten nur ein Wladimir Putin erreicht.
Aber Scherz beiseite ist es schon genial, was die Kanzlerin da kurz vor der Sommerpause alles so durchzieht: Staatstrojaner, Netzwerkdurchsuchung, Bankgeheimnis passé, Blutprobe ohne Richtervorbehalt – mehr Eingriffe in das Recht auf Menschenwürde, Meinungsfreiheit und Privatheit in so kurzer Zeit hat sich eine Regierung wohl noch nie erlaubt. Merkel machts möglich und schafft reichlich Arbeit für das Verfassungsgericht, denn es ist absehbar, das keines der verabschiedeten Gesetze ohne ein Votum der Richter in Karlsruhe in Kraft treten kann. Was die “Ehe für alle” betrifft müssen sie überprüfen, ob die einfache Mehrheit im Bundestag dafür ausreicht, oder – wenn das Grundgesetz tangiert ist – eine 2/3 Mehrheit gebraucht wird, bei den anderen genannten Eingriffen stellt sich die verfassungsrechtliche Frage, inwieweit der Staat zur Kriminalitätsbekämpfung eigentlich selbst kriminell werden darf. Bis diese Entscheidungen aber getroffen sind, ist die Wahl längst gehalten und Merkel mit einem souveränen Sieg weiter Kanzlerin. Und wenn die SPD mit Tränentier Chulz so weiter macht, kann sie sich mit FDP und Grünen Vasallen in die Koalition holen, die noch willfähriger sind als die handzahmen Sozen.
Schon 2005 hatte ich ja darauf hingewiesen, die graue Kugelmaus aus dem Osten keinesfalls zu unterschätzen und 2013 festgestellt, dass das “quasi alternativlose Sternbild “Mutti” den Himmel über Berlin beherrscht und voraussichtlich noch über Jahre dominieren wird”. 2017 ist absehbar, dass diese Dominanz noch lange nicht zu Ende geht. Dass sie mit dem Einparteiensystem “Mutti für alle” ihren soeben zu Grabe getragenen Ziehvater, den schwarzen Riesen Kohl, am Ende in Sachen Amtszeit noch überragen wird,  ist keineswegs ausgeschlossen.

Die geschwätzige Linke und der Trumpismus

In einer Doppelrezension hat Wolfgang Koch, Historiker und Publizist in Wien, in seinem Blog auf taz.de zwei Neuerscheinungen über die “geistige Situation der Zeit” besprochen. Den von Heinrich Geiselberger herausgegebenen Sammelband “Die große Regression” und “König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron”. Weil das real-satirische Real Game of Thrones im Match mit den internationalen (links-)akademischen Edelfedern ziemlich gut abschneidet, will ich den Leserinnen und Lesern diese ausführliche Rezension nicht vorenthalten:

“Donald John Trump, 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Sphinx der politischen Theorie und Gottseibeiuns der demokratischen Linken. Der deutsche Bestseller-Autor Mathias Bröckers gehört keiner besonders nachdenklichen Fraktion dieser Linken an, und doch trifft er mit seiner neuesten Publikation den Nagel viel eher auf den Kopf als die versammelten akademische Bedenkenträger des Suhrkamp-Verlages.
Was die fünfzehn Nervenärzte der Gegenwart beim Suhrkamp über den Erzschurken und Leugner des Klimawandelns zu sagen haben, das pfeift das Grossfeuilleton jeden Tag von den Dachterrassen. Dass Trump »rassistisch« sei, ein übler »Rattenfänger«, ein »König Ubu im Weissen Haus« (Bruno Latour), ein »gehässiger Twitter-Troll« (Pankaj Mishra), dass der neue Präsident in seinem Amt finstere Pathologien entfesselt – was haben wir nicht schon alles gehört? Was hat uns der progressive Moralismus nicht schon alles zugemutet, und wird uns in Gestalt eines neuen Antiamerikanismus noch jahrelang weiter zumuten?

Ivan Krastev will in Trump »eine Revolte der Demokratie gegen den Liberalismus« erkannt haben. In der bindungslosen Welt erscheint dem kleinen Mann die Demokratie angeblich »als ein politisches Regime, das die Macht der Mehrheiten sichert«. In der Kritik der illegalen Massenmigration, die jede europäische Staatlichkeit aushöhlt, zeige sich kein Mangel an Solidarität, nein, sie sei vielmehr als ein »Zusammenstoss von Solidaritäten« zu verstehen – Internationalisten gegen Nativisten. Die Massenmigration hat nach Krastev in Europa »eine Konterrevolution« ausgelöst.Bruno Latour gibt bei Suhrkamp die Kassandra: »Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, das das Ganze in einem Flammenmeer enden wird«.
Natürlich ist in der akademischen Analyse viel von den Ursachen der gegenwärtigen Weltkrise die Rede, sehr viel sogar. Man erkennt den Verlust der ökonomischer Souveränität der Nationalstaaten. Kulturelle Heterogenität, die Furcht vor dem Unbekannten, wird zum endemischen Merkmal des Zusammenlebens in Grossstädten erklärt. Dazu kommt der allgemeine Zwang zur Mobilität.

Paul Manson ist der Ansicht, der Westen mache gerade seine eigene Perestroika durch. Wir hören von der »Manipulation des Massenunbewussten«, dem für die Menschen schädlichen Mantra der Wettbewerbsfähigkeit, von einer abgehobenen politische Klasse (»Selbstabkoppelung der Politik-Politik«). Einzelne Autoren beklagen das Superoritätsgetue der Kulturlinken; andere bedauern gefährliche Entzivilisierung und regressive Modernisierung.
Die Ungleichheit sei nicht Folge der Rezession, sondern gerade ihre Ursache (César Rendueles). Der Leben verwandelt sich in eine Ware, die Bewusstseinsindustrie orientiere sich ausschliesslich kosmopolitisch, sie führe den Kulturkampf einer globalen Diskursgemeinschaft. Die Waren zirkulieren am Globus immer freien, während die Menschen durch Mauern getrennt werden (meiner Wahrnehmung nach ist es anders: die sichtbaren Mauern werden immer durchlässiger, die Menschen in Gambia essen holländische Zwiebel, weil die westafrikanischen Zwiebel mit den Preisen der Holländer nicht mithalten können; es sind also unsichtbare Vermögen, die die Menschen immer nachhaltiger voneinander trennen).
Vor dreissig Jahren hatte die Linke noch den Marxismus, um die komplexen Vorgänge der Weltökonomie und die dazugehörige Psyche zu verstehen. Heute werden von den Vordenkern hauptsächlich Theorien aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts herangezogen: Freuds Triebmodell, Antonio Gramsci, die Transformationsmechanik von Karl Polanyi, Norbert Elias, Erich Fromm, und aus jüngeren Jahren: Michael Walzers Überlegungen zur Weltinnenpolitik, Richard Sennett und der Havard-Ökonom Dani Rodik.

Mathias Bröckers – taz-Mitbegründer, Hanf-Anti-Prohibitionist und Verschwörungsanalytiker – setzt dieser linksakademischen Weltsicht durch masslose Übertreibung die Krone auf, er macht den neuen Präsidenten im Weissen Haus als »König Donald« kenntlich. Das ist ehrlicher, und behauptet auch nicht, der Aufstieg autoritärer Demagogen sei durch fleissige Begriffsarbeit und gute Ratschläge an die Sozialdemokratie zu bekämpfen.

Während die Suhrkamp-Intelligenz konfus über Trumps Geschwätz herzieht, – und damit in gewisser Weise selbst dem Geschwätz verfällt, denn wo wird nicht auf geschwätzige Art über das Geschwätz der jeweils anderen gelästert –, schlägt Mathias Bröckers einen anderen Weg ein.

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“König Donald” und der “tiefe Staat”

Ein Interview über ein Buch, in dem die fiktionalisierte Geschichte eines „exzeptionalistischen Königreiches“ dazu dient, die politische Realität um Donald Trump aus den „Tiefen des Staates“ zu betrachten.

Marcus Klöckner: Herr Bröckers, wenn ich mich nicht verzählt habe kommt in ihrem Buch der Begriff Tiefer Staat 44mal vor – bzw. Formulierungen, die diesem Begriff nahestehen. Bei 105 Seiten gibt es beinahe auf jeder zweiten Seite ein Bezug zum Tiefen Staat. Ist ihr Buch also eigentlich ein Buch über den Tiefen Staat?

Angeblich gibt’s den ja nur in der Türkei oder Ägypten und nicht in einer vorbildlichen freiheitlichen Demokratie wie den USA. Deshalb habe ich die Geschichte im exzeptionalistischen Königreich angesiedelt, in dem die Vizekönigin Hillary gegen den Herausforderer Donald um den Thron kämpft und die unsichtbaren „Meister der Intelligence“ aus den Tiefen des Reichs ihre Strippen ziehen. Wie in einem Real Game of Thrones, aber mit Quellenangaben und Links.

Was versteht man denn unter Tiefem Staat oder tiefenstaatlichen Strukturen?

Ganz allgemein sind das Macht,-und Einflussstrukturen, die jenseits der offiziellen demokratisch legitimierten Gefüge existieren – und oft für den Notfall von Krieg und Katastrophen geschaffen wurden, um – wie es in den USA heißt – die „continuitiy of governement“ zu gewährleisten.

Und Sie gehen davon aus, dass es einen Tiefen Staat auch in den USA gibt?

Professor Peter Dale Scott, der diese Strukturen seit Jahrzehnten erforscht und den heutigen Begriff von „deep state“ entscheidend prägte, hat das am Beispiel des Attentats auf John F. Kennedy und seiner Vertuschung exemplarisch aufgezeigt. In anderen Fällen wurden Teile dieser Strukturen auch aufgedeckt und gerichtsnotorisch, wie etwa der direkt aus dem Weißen Haus organisierte Drogen,-und Waffenhandel bei der „Iran-Contra-Affäre“.

Wie sieht dieser Tiefe Staat denn aus?

Wo wir gerade beim illegalen Drogen,-und Waffenhandel sind; er sorgt zum Beispiel dafür, dass seit der Besetzung Afghanistans durch US,-und Nato-Truppen die dortige Opium- und Heroin-Produktion auf nie dagewesene Rekorde gesteigert wurde und wird, weil mit den Profiten aus dem Geschäft verbündete Warlords bezahlt werden. Vor 50 Jahren im Vietnamkrieg lief das schon genau so – und wurde von den Medien weder wirklich skandalisiert noch von der Politik abgestellt. Spätestens seit der „Operation Mockingbird“, mit der die CIA die Schaltstellen der westlichen Leitmedien infiltrierte, hatte der tiefe Staat von den Leitmedien nur selten etwas zu befürchten.

Was hat nun die Wahl von Donald Trump mit dem Tiefen Staat zu tun? Oder, anders gefragt: Warum rückt für Sie der Gedanke an einen Tiefen Staat so stark in den Vordergrund, wenn Sie sich mit der Wahl von Trump zum neuen US-Präsidenten auseinandersetzen?

Man sieht ihn hier sehr gut am Werke. Mit Trump ist ein Außenseiter auf den Thron gekommen der zwar aus derselben Elite-Liga kommt aber aus einem anderen Club. Völlig überraschend, gegen den nahezu gesamten Medienchor – ein unvorhergesehener Unfall. Und anders als bei allen Präsidenten sonst üblich gibt man ihm nicht die üblichen 100 Tage mediale Schonfrist, sondern arbeitet vom Tag eins an seiner Demontage, in diesem Fall mit immer neuen Gerüchten und Leaks über russische Einflussnahmen und Trump als Marionette Putins.

Diese Kampagne wird nicht von außen gefahren, sondern von innen, Geheimdienste und Behörden – eigentlich dem Präsidenten und dem Staat verpflichtet – stechen Infos direkt an die Presse durch, die nichts dabei findet, mit anonymen Quellen und namenlosen „senior officials“ die Gerüchteküche permanent weiter anzuheizen. Mit Journalismus hat das nichts mehr zu tun, für diese Russen-Märchen zum Beispiel gibt es ja bis heute keinen einzigen handfesten Beleg, angeblich deshalb, weil die Geheimdienste ihre „Quellen und Methoden“ nicht offenlegen können.

Das hat auch mit Transparenz, wie sie das demokratische System zumal bei politischen Anschuldigungen fordert, nichts zu tun – das sind Polizeistaatsmethoden. Und das Schlimme: Liberale und Linke, die diese Methoden angeblich ablehnen, sitzen jetzt mit den Geheimdiensten und dem militärisch-industriellen Komplex in einem Boot. Weil es gegen den vermeintlichen „Faschisten“ Trump geht greift man unbedenklich auf tatsächlich faschistoide Methoden zurück.

Weiter gehts auf Rubikon.

Das Buch “König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron” ist im Westend Verlag erschienen (208 Seiten, 14,00 Euro)

CNN: Russiagate “mostly Bullshit”

Nachdem ein leitender CNN-Produzent vor versteckter Kamera geplaudert hatte, dass die Russiagate-Story “mostly Bullshit” sei, weil man keinerlei Beweise dafür habe aber vom Programmchef angewiesen worden wäre, sie weiter zu kochen, mussten nun drei CNN-Reporter gehen. Sie waren dieser Anweisung gefolgt und hatten eine Story über vermeintliche Russland-Geschäfte eines Trump-Beraters verzapft. Die Geschichte wurde zurückgezogen und CNN verkündete, nunmehr in Sachen Russland besondere redaktionelle “Standards“walten zu lassen. Wir dürfen also gespannt sein wie sich die Berichterstattung des Senders, den Präsident Trump seit seinem ersten Auftritt nach der Wahl wiederholt als  “Fake News” klassifizierte,  nunmehr ändert.
Dass es sich bei der gesamten Geschichte von russischer Beeinflussung der US-Wahl um Fake News handelt, habe ich hier seit Monaten ja immer wieder geschrieben und dokumentiert – anhand der immer wieder fehlenden Beweise für die dennoch immer wieder vorgebrachten und in neuen Varianten aufgetischte Behauptung. Das was der CNN-Producer da ausgeplaudert hat ist also nichts Überraschendes und für jeden Journalisten mit einem IQ über Zimmertemperatur seit langem erkennbar: die Story, dass Trump von russischen Hackern bzw. Putin persönlich auf den Thron gehievt wurde, ist purer Bullshit.  Und der wird nicht besser wenn man ihn dauernd weiter quirlt. Dass die Journalisten es trotzdem tun, und zwar flächendeckend,  weil ihr “Programmchef” sie anweist, wirft ein  Schlaglicht auf den deprimierenden Zustand der Branche.
Dass der legendäre Investigativ-Reporter Seymour Hersh seine brisanten Reportagen mittlerweile nicht mehr in seiner Heimat veröffentlichen kann zeigt ebenfalls wie frei die “freie Presse” dort wirklich ist. Seine Enthüllungen über den “False Flag”-Sarin-Gas Anschlag in Syrien 2013 konnte nur in der “London Review of Books” erscheinen und der war sein neuestes Stück jetzt auch zu heiss. Unter Berufung auf seine stets gut informierten Militär,- und Geheimdienstquellen zeigt Hersh auf, dass es sich auch bei dem jüngsten angeblichen Giftagsanschlag Assads, auf den Trump mit 59 Tomahawk-Raketen reagierte, ebenfalls  um einen Fake handelte. Seine Reportertage erschien – ebenso erstaunlich wie lobenswert – in der “Welt”, deutsch hinter einer Bezahlschranke, englisch hier. Am Ende heißt es dort:

„Die Salafisten und Dschihadisten hatten alles erreicht, was sie mit ihrem hochgeputschten Märchen vom syrischen Nervengas erreichen wollten,“ erzählte mir der Informant und bezog sich dabei auf das Aufflammen der Spannungen zwischen Syrien, Russland und Amerika. „Was passiert, wenn es noch eine Falschmeldung über einen Sarin-Angriff gibt, der dem verhassten Syrien angehängt wird? Glauben Sie ja nicht, dass die Typen nicht schon den nächsten vorgetäuschten Angriff planen. Trump hätte dann keine Wahl, als erneut mit Bomben zu antworten, und diesmal noch härter. Er ist unfähig, zuzugeben, dass er einen Fehler gemacht hat.“

Fast schon gespentisch mutet da die Meldung an die seit heute früh die Runde macht: USA warnen vor weiteren Giftgasangriff in Syrien”. Was soll das ? Ist das die direkte Antwort auf Seymour Hershs Enthüllungen ? Weil den peinlichen “Faktenfindern” der ARD dagegen nichts anderes einfällt, als den dutzendfach diskreditierten Blogger Bellingcat zu zitieren – und auch ansonsten eher betretenes Schweigen im Blätterwalde herrscht – wird gleich die nächste Horrorsau durchs Dorf gejagt ? Man stelle sich vor, der große alte Mann des Investigativ-Journalismus hätte herausgefunden, dass es wirklich ein Nervengift-Anschlag war und dass  Putin dahinter steckt…heissa was wäre da jetzt los in der “freien Presse” von CNN abwärts, Hersh würde sofort noch einen weiteren Pulitzter-Preis bekommen. So aber muss er sich jetzt Vorhaltungen über seine anonym bleibenden Quellen anhören, von jenen, die uns seit Monaten auf Basis anonymer “senior officials” mit russophobischen Fake News füttern…

Zum Weltdrogentag

Dass die UN 1987 meinen Geburtstag zum “Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr” ernannte, sah ich sowohl als kleinen Affront gegen gewisse Geburtstagsfeierlichkeiten, wie auch als Herausforderung. Denn ich war zu dieser Zeit gerade mit Recherchen darüber beschäftigt, wie eine der ältesten und wertvollsten Nutz,-und Heilpflanzen der Welt – Cannabis/Hanf/Marihuana  – weltweit zum “unerlaubten Suchtstoff” erklärt werden konnte. Das Ergebnis erschien im Sommer 1987 in der Zeitschrift “Transatlantik” und einige Jahre später als Buch, was dann die Re-Legalisierung der Nutzpflanze und die Wiederaufnahme der Heilpflanze Hanf in das offizielle Arzneibuch zur Folge hatte. Immerhin, aber seitdem hat sich in Deutschland wenig bewegt, der “War On Drugs”geht unvermindert weiter, der Irrsinn, den Mißbrauch von Suchtstoffen per Strafrecht zu verhindern, schafft nach wie vor mehr Opfer als dass er welche rettet, produziert Elend statt Schaden zu mindern. Deshalb habe ich an meinem Geburtstag sofort schlechte Laune wenn mir einfällt, dass heute dieser idiotische Tag der “unerlaubten Suchtstoffe”  und der perfiden Drogenlüge ist.
Fiel mir aber erst eben ein, nach ein paar Gläschen feinem Single Malt (erlaubter Suchtstoff) und ein paar Joints aus unerlaubtem Hanf (biologischer Anbau), sodass die Geburtstagslaune dadurch nicht ruiniert wurde. Zumal mein alter Freund Ben Dronkers, Gründer der Hanfmuseen in Amsterdam und Barcelona,  heute dieses schöne Bild postete – es stammt von dem Maler Philipp Veit, hing 1848 zur deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche und ist die berühmteste Darstellung der Göttin “Germania”.  “Sie hält Hanfzweige zusammen mit seinem Schwert und symbolisiert den Willen, Frieden zu schaffen,” heißt es dazu in der Bildlegende des Museums. Wenn ich einen Geburtstagswunsch an die UN frei hätte, dann den, dass sie vom Geist dieser Göttin und dem Willen Frieden zu schaffen beseelt wird: Drogenkriegsschwerter zu Hanfpflugscharen!

Legal, Illegal, Staatstrojaner

Nachdem “russiche Hacker”, also Putin, die amerikanischen Wahlen manipuliert und Trump auf den Thron gehievt haben, ist es ihnen nun mit einem “Angriff auf die Demokratie” gelungen auch Deutschland erfolgreich zu unterwandern: vergangene Woche hat der Bundestag beschlossen ihr beliebtestes Werkzeug,  sogenannte “Trojaner”, künftig selbst einzusetzen. War im Verdachtsfalle den Behörden bisher schon erlaubt, Telefongespräche abzuhören, dürfen sie jetzt das ganze Smartphone hacken und mit Malware infizieren. Diese Schad-Software ist dann aber nicht mehr als “böse”,  sondern gilt als “gut”, weil sie im Namen des Staats spioniert und “schwere Straftaten” verhindern soll.
Um die “guten” Trojaner unbemerkt auf die Handys und Computer der Verdächtigen zu bringen nutzen die Behörden Sicherheitslücken auf den Geräten, die ihre Geheimdienste und IT-Forseniker entdeckt haben, ohne sie den Herstellern zu melden. Und hier kommen die “russischen Hacker”, also Putin persönlich, ins Spiel, denn werden die Unterlagen über diese geheimen Lücken  gehackt – wie es der NSA  unlängst passierte was dann die “Wanna Cry”-Epidemie zur Folge hatte – kommen die Hacker damit auf quasi auf jedes Smartphone oder Laptop dieser Welt. Wo sie dann nicht nur kryptographierte Nachrichten lesen sondern auch alles mögliche veranstalten können.
Stellen wir uns vor, in einer von Einbrüchen und Diebstählen geplagten Gegend stellt ein Streifenwagen fest, dass bei einigen Häusern Türen und Fenster Tag und Nacht offenstehen, ohne dass die Besitzer davon etwas ahnen. Statt sie nun darauf aufmerksam zu machen, damit sie diese gefährlichen Sicherheitslücken schließen können, melden die  Polizisten die offenen Türen ihren Vorgesetzen und den Geheimdiensten, damit diese sie zu Überwachungs,- und Spionagezwecken nutzen. Die Bewohner erfahren weiterhin nichts davon, dass ihr Privatleben und Eigentum ungeschützt und für Einbrecher frei zugänglich ist. Ein solches Vorgehen der Polizei, die einst als “Freund und Helfer” für die Sicherheit der Bürger zuständig war, soll nun per Gesetz legalisiert werden und man muß kein Verfassungsrechtler sein um zu ahnen, dass die Karlsruher Richter diesen Angriff auf Demokratie und Grundrechte, nicht einfach durchwinken. Auch wenn die Manipulation der großen Koalition durch russische Hacker, also Putin, noch nicht nachgewiesen ist, ist die autokratische Handschrift überdeutlich zu erkennen. Kein demokratischer Rechtsstaat, der diesen Namen verdient, würde derart kriminelle Methoden legalisieren.

Bekenntnisse eines Garderobenkomikers

(Nach der Löschung von KenFM auf yt ist das Video jetzt hier: https://apolut.net/mathias-broeckers-koenig-donald-podcast/ )

Das Gespräch über “König Donald” und “JFK”, das ich mit Ken Jebsen führte, hatte  in den ersten zwei Wochen schon über 70.000 Zuschauer. Das ist eine schöne Quote und weil ich von der KenFM-Redaktion weiß, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei diesen Sendungen bei über 30 Minuten liegt, haben sich viele die zwei Stunden  sogar komplett angeschaut. Mir selbst fällt das immer schwer. Als ich damals mit Radio anfing, ging ich beim Abhören der Aufnahme am liebsten aus dem Studio weil ich Stimme und Aussprache zum Weglaufen fand. Schon gar nicht wollte ich  dann die Sendungen anhören, außer wenn wunderbare professionelle Sprecher meine Texte vortrugen, die hörte ich dann manchmal mit leicht geschwellter Autorenbrust sogar mehrfach.
Fernsehen ist natürlich noch schlimmer, zumal wenn die KenFM-Crew mit ihren ehrlichen HD-Kino-Kameras da einen alten Mann während der allmählichen (“äh”, “mmmh”, “sozusagen”…)  Verfertigung von Gedanken beim Reden zeigt. Und beim Fuchteln. Darauf hatten mich meine Kinder schon in den 90ern nach irgendeiner TV-Talkrunde aufmerksam gemacht – “Du fuchtelst dauernd mit den Händen, Papa.” – und jetzt muss ich feststellen, dass es nicht besser geworden ist. Im Gegenteil. Kann der Kerl nicht einfach mal ruhig sitzen, die Hände vorm Bauch (Raute?) und gelassen und ruhig sprechen, ein bißchen langsamer vielleicht, bedächtiger… die Stimme klingt ja durchaus sonor, seriös…aber dieses Gefuchtel und Gezappel ?? Ich finde es zum Weglaufen…
In weiser Voraussicht hatte ich einst dem Drängen meines Meisters und Lehrers Wolfgang Neuss  widerstanden, mit Kabarett selbst aufzutreten, worauf er mich – wenn Besuch kam – manchmal als “Garderobenkomiker vorstellte: “Macht Witze nur hinter der Bühne”. Das stimmt bis heute. Und es liegt nicht an Lampenfieber oder Versagensängsten; wenn die Lampe angeht, Mikro oder Kamera laufen, bin ich innerlich eigentlich immer ruhig, aber kaum sprudelt der spontane Text entgleiten Gestik und Mimik völlig und Opa fuchtelt und rudert was das Zeug hält. Ich finde das unmöglich, zum Weglaufen und konnte die zwei Stunden daher nur schwer durchhalten.
Den Zuschauern auf youtube ging es offenbar ganz anders, die meisten der über 200 Kommentare sind sehr positiv, wenn überhaupt wird Ken gerügt, weil er mir dauernd dazwischenquatscht, was mich aber kaum störte. So wenig wie sich das Publikum an meinem Gezappel stört. Mir aber gefällt das gar nicht weshalb ich auch künftig lieber hinter als auf einer Bühne tätig bin. Natürlich mit der Hoffnung, auch so ein paar Leute zu erreichen, die dann die Läden stürmen und meine Bücher kaufen, denn von irgendwas müssen ja auch Garderobenkomiker leben. Danke!

Nackter als im Sonnenbad

Die “Neue Rheinische Zeitung” schreibt über “König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron”:

“Die Botschaft des Autors ist gelungen: Er zeigt nicht nur den König nackt und nicht ohne Warnung, sondern auch jene, die ihn hassen und bekämpfen. Ihre wahren Absichten, ihre Machtansprüche. Ihre Lügen und Verleumdungen. Ihr Schüren von Angst. Darüber hinaus versetzt er das in diesem Wirrwarr-Theater zuschauende und das Lesepublikum in einen Zustand der nach Brecht genannten Verfremdung. Eine entlarvende Sicht auf eine sich als „Friedensengel“ und „Verteidiger der Menschenrechte“ ausgebende hochstilisierte Elite mit den USA an der Spitze, die alles unternimmt, ihre aggressiven Weltherrschaftspläne zu kaschieren und sowohl von der „Terrorbekämpfung“ als auch von der hochgeschraubten militärischen Rüstung profitiert. Das Buch sei jenen empfohlen, die das Nachdenken nicht verlernt haben, neugierig geblieben sind und mit zum Gegenwind blasen. So hat Nacktheit, das Herunterreißen von Masken, seine herausfordernden Vorteile. Wer nach der Aufführung den Saal verlässt, sollte ein anderer sein…”

Mehr über “König Donald” hier und im Gespräch mit KenFM