Buchhaltung (2)

Diese Woche ist wieder Buchmesse und damit  Zeit, mal wieder den Nachttisch für Neues zu räumen und für ein paar Empfehlungen des Gelesenen:
Zu den wichtigsten Wissenschaftlern des 20. Jahrhunderts zählen für mich Wolfgang Pauli und Carl Gustav Jung, die in ihrem jeweiligen Fachgebiet – der Physik und der Psychologie – am weitesten in die Tiefe gingen, an die Schnittstelle von Geist und Materie, das Grenzgebiet von mentalen und stofflichen Vorgängen erforschten. Dabei befaßte sich der strenge Mathematiker und Quantenphysiker Pauli ebenso mit scheinbar esoterischen Bereichen wie Telepathie oder Alchemie wie der Psychiater Jung mit der Mathematik des “I Ging” oder mit Ufos, was beide mit ihren Fachkollegen kaum tiefergehend zu besprechen wagten, um nicht als Spinner abgstempelt zu werden. Umso wichtiger war ihnen ihre jahrzehntelange Zusammenarbeit und gegenseitige Motivation bei der Erforschung dieser Bereiche. Die Geschichte dieser Zusammenarbeit und Forschungen im Weltraum der Seele und des Mikrokosmos hat der Wissenschaftshistoriker Arthur I. Miller in einem spannenden Buch aufgschrieben: “137: C. G. Jung, Wolfgang Pauli und die Suche nach der kosmischen Zahl” . Die Zahl 137, oder genauer 1/137,035, ist eines der größten Mysterien überhaupt, es ist die Feinstruktur-Konstante, so etwas wie der Mindestabstand von Quantenteilchen. Wäre diese Zahl anders gäbe es… Nichts – keine Materie, keine Sterne, kein Universum. Aber sie läßt sich – und das macht die Mathematiker seit fast 100 Jahren verrückt – aus keiner der bekannten naturgesetzlichen Gleichungen ableiten. Sie ist einfach da…und niemand weiß warum.

“The Underworld of the East: Being Eighteen Years’ Actual Experiences of the Underworlds, Drug  and Jungles of India, China and Malaya” ist der Titel eines erstaunlichen Reiseberichts, den James S. Lee 1935 veröffentlichte, und der nicht nur eine Schilderung des exotischen Stationen des Minen-Ingenieurs Lee enthält, sondern auch farbige Berichte über sein “Hobby”: der Konsum von Drogen aller Art, denen er auf seinen Reisen  begegnet. Und deren erwünschten und unerwünschten Wirkungen er sachlich und nüchtern beschreibt. Dass hier kein Literat, kein Kenner der Fachliteratur von Thomas de Quincey, Charles Baudelaire u.a. schreibt, sondern ein bodenständiger Techniker seine eigenen Erfahrungen wiedergibt, macht seine Berichte über Opium, Heroin, Kokain und viele andere so bemerkenswert. Kein Schwulst, keine Mythologisierungen , sondern Fakten. Nach jahrzehntelangem Konsum dieser Substanzen gibt Lee als braver britischer  Staatsbürger sein “Hobby” auf, nachdem es gesetzlich verboten wird. Völlig problemlos, wie er behauptet, dank einer mysteriösen Pflanzendroge, die er in Sumatra entdeckt haben will, aber nicht näher bezeichnet.  Für die Pharmaindustrie würde sie heute sicher ein Vermögen bedeuten…

 

Auch Serien  können süchtig machen, heftig erwischten mich zum Beispiel vor einigen Jahren die Sopranos, die ich mir dann auf 28 DVDs komplett reinziehen mußte. Was gedruckte Action-Thriller betrifft bin ich seit einigen Jahren auf Lee Child’s Helden Jack Reacher abonniert, den letzten Supermann und  lonesome cowboy der Krimiliteratur. Den 16. Reacher-Roman hatte ich vorbestellt und wie bei allen anderen Fällen des ebenso brachialen wie coolen und smarten Ex-Military-Cops hilft nichts: sie müssen sofort nach Ankunft weggelesen werden. So auch The Affair, der als eine Art Prequel in die Zeit zurückgeht, als Major Reacher noch kein Ex-MP war, und im Auftrag des Pentagon den Mord an drei Frauen klärt. Während es ansonsten bei Reacher gern mal mit einer Schlägerei anfängt, kommt der berüchtigte Kopfstoß des 2-Meter Manns dieses Mal erst auf Seite 145 zum Einsatz, es geht also vergleichsweise gemähchlich zu,  aber keineswegs unspannend. Lee Child hat es einfach drauf – und spart auch nicht mit meinem Lieblingssatz: “Reacher said nothing.”

Gar nicht genug sagen, loben und preisen kann man  “Daemon” –  es ist DER Science-Fiction-Thriller des Jahres und ein Werk, das  in eine Liga mit Gibsons “Neuromancer” und Stephensons “Snow Crash” gehört. Mit seinem Erstlingswerk hat der Softwareentickler Daniel Suarez aus dem Stand einen modernen Klassiker aus dem Ärmel geschüttelt – diese 640 Seiten sind der  Hammer! Dass ich die Morgenzeitungen liegen lasse und beim Frühstück das Buch weiterlesen muß, über dem mir nächtens die Augen zugefallen sind, kommt äußerst selten vor – “Daemon” ist so ein Fall.  Ein Silicon-Valley-Tycoon und Spielentwickler stirbt und in diesem Moment nimmt ein Computerprogramm seiner Arbeit auf, das über seine auf Millionen Rechnern verbreiteten Spiele bald die gesamte digitale Welt infiziert – und zur Machtübernahme in der Realität schreitet. Unbedingte, dringende Empfehlung für alle Gamer, Nerds und Thrillerfreunde und  der Hinweis, die Fortsetzung gleich mit zu besorgen, denn die braucht  man danach sowieso und am Besten sofort: Darknet.

1 Comment

  1. C.G.Jung war kein Wissenschaftler, sondern ein Gründer einer dogmatischen Schule.
    Ich selber habe in meine Psychokarriere einen junschen Analytiker für über 3 Jahre gebabt.(Habe ich erst Jahre später herausgefunden) Das was man so liest über Jung und das was ich selber erlebt habe klafft extrem weit auseinander.
    Von Transpersonalität habe ich nichts gespürt, im Gegenteil es war klassisch langweile auf Sprache und Intellekt besierende “Therapie”. Ich habe in meiner Jungend etwas von Tiefenspychologie gelesen. Ich nannte meinen jungschen Analytiker einen Oberflächenpsychologen weil sich deren Vorgehen nur an den analytischen Verstand wendete.
    Apropros analytische Verstand: Gerade durch die Erkenntnisse der Quntenphysik und deren Unschärferelation zeigt doch wie aussichtslos so ein trockenes Pychoanalytisches Vorgehen ist. Man kann den Dingen nämlich gar nicht endgültig auf den Grund gehen weil irgendwann die Unschärfe zum Tragen kommt. Demnach ist es absolut Irssin immer weiter zu analysieren wenn die sich das Problem noch nicht gelöst hat, ja vielleicht wäre es sinnvoller sich dann auch mal Lösungewege auszudenken. Die Annahme dass sich Probleme automatisch lösen wenn wenn man sie erkannt ist DER Irsinn der Pseudowissenschst der Psychoanalyse.

     

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