9
Nov, 2010

Die Legende vom sicheren Atommüll

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Heute morgen ist der längste und teuerste Atommülltransport aller Zeiten in Gorleben angekommen. Fast 20.000 Polizisten waren seit Freitag im Einsatz, um die Blockaden und Demonstrationen entlang der Strecke aufzulösen, während der Protestaktionen nahm die Polizei nach eigenen Angaben 1.316 Atomkraftgegner in Gewahrsam und erteilte 306 Platzverweise. Außerdem stellte sie 117 Traktoren von protestierenden Bauern sicher. Ein Sprecher der Gewerkschaft der Polizei betonte heute morgen im Radio, dass die auf 20 Millionen Euro bezifferten Kosten für diesen Einsatz nicht den Steuerzahlern, sondern den Betreibern der Atomkraftwerke in Rechnung gestellt werden müßten. Tatsächlich könnten RWE & Co  bei ihren Milliardengewinnen derlei aus der Portokasse bezahlen. Sie via Justiz den Demonstrierenden aufzuhalsen, wie das u.a. die Springer(-stiefel)-Presse fordert, ist dagegen  reine Demagogie. Die “Zeit” unterdessen hält den Protest für irrelevant und dumm, weil CO-2-Anstieg und Klimawandel viel schlimmer seien als für Millionen Jahre strahlender Müll (  Die Atom-Lüge ) – ein Vergleich von Äpfel und Birnen bzw. Teufel und Beelzebub. Denn was die Bauern und Bürger im Wendland seit 30 Jahren antreibt, gegen Atomkraft zu demonstrieren, ist die Legende vom sicheren Zwischen,- und Endlager für den Atommüll. Ein Mythos, dessen Haltlosigkeit auch bei der umfangreichen Berichterstattung über den aktuellen Castor-Transport nicht entzaubert wurde.

Kleines Quiz für ökologisch aufgeklärte LeserInnen:  Wo werden die seit Jahrzehnten nach Gorleben gekarrten Castor-Behälter mit radiokaktivem Müll aufbewahrt ? A) In einem unterirdischen Salzstock B) In Kühlhallen neben der Straße ? Ok, ich hätte nicht gefragt, wenn A) richtig wäre. Aber hätten Sie’s gewußt ?

“Es ist kein Castor im Salzstock. Es gibt zurzeit nicht einmal ein Verfahren, wie die Castoren in 30 Jahren geöffnet werden sollen, damit der Müll in die Pollux-Behälter wandert. Dieses Verfahren wird nun in den nächsten Jahrzehnten erst entwickelt werden müssen”

Das ist kein Witz, sondern die Legende vom Salzstock

Kommentare

9 Kommentare zu “Die Legende vom sicheren Atommüll”

  1. Flora am 10.11.2010 um 10:40 Uhr 

    Es gibt auch noch normalen Müll. Heute morgen gab es Bilder im Fernsehen, wie die Müllabfuhr in den schönen Wäldern um Gorleben herum die Reste der angeblichen Umweltschützer zusammenkarrt. Kann man vielleicht auch mal darüber diskutieren, was die eigentlich für ein Bewusstsein haben?

     
  2. Flora am 10.11.2010 um 10:45 Uhr 

    sorry, ich meinte den zurückgelassenen Abfall der … angeblichen Umweltschützer …

     
  3. Tom am 10.11.2010 um 11:36 Uhr 

    @flora: Frag dich mal, warum sie im Fernsehen den Abfall der Demonstranten soausführlich zeigen – vom ungleich gefährlicheren Atommüll, der da einfach auf der Wiese rumsteht, aber schweigen.

     
  4. UsH am 10.11.2010 um 12:16 Uhr 

    Ich fordere eine Atom-Entsorgungsindustrie und – wissenschaft, die mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – und dem Geld der Atomindustrie nach gangbaren Auswegen aus diesem Debakel sucht.
    Es gibt – möglicherweise noch im Bereich der Para- oder Alternativwissenschaften Wege, die erforscht und beschritten werden können, um die Halbwertzeiten zu senken.

    Wer dafür nicht gehen will, ist nicht Opfer, sondern Täter. Egal, ob Atomgegner oder Befürworter. Das schöne an der Strahlung ist, daß sie relativ demokratisch ist, sich gut verteilt und für uns alle da ist.
    Wovon kann man das schon sonst noch heute sagen?!

     
  5. Flora am 10.11.2010 um 13:32 Uhr 

    @Tom – wer schweigt denn bezüglich des gefährlichen Atommülls? Der Fernsehbericht zeigte auch nicht ausführlich den Müll der Demonstranten – es war eine kurze Szene innerhalb einer Zusammenfassung und wurde auch nicht kommentiert. Nochmal: ganz abgesehen von der Sache, um die es geht, finde ich es total rücksichtslos, kilometerlang den ganzen Dreck liegenzulassen.

     
  6. Rheinbogen am 10.11.2010 um 20:54 Uhr 

    Doch, ganz sicher zeigten sogar diverse Fernsehberichte sehr ausführlich den Müll, der von den Demonstranten zurückgelassen wurde. Und natürlich steckt da Methode dahinter. Genauso wie heute im Bundestag aber auch jeder Sprecher der Koalition so tat, als wären die Proteste in einer Orgie aus Gewalt untergegangen. Tatsächlich aber, und das ist neu, vielleicht den Vorgängen in Stuttgart zu verdanken, hat sogar die Polizei die Demonstranten ausdrücklich gelobt. Die sind doch auch nicht blöd – die können zwischen Demonstranten und Krawallmachern unterscheiden, so wie sie zwischen Fußballfans und Hooligans unterscheiden können. Wenn man sie lässt, und offenbar hat der niedersächsische Innenminister, der im Übrigen auch die Schnauze voll zu haben scheint von seinen Parteifreunden, die Asse hin, Asse her ständig vom absolut einzigen und absolut sicheren Standort Gorleben reden. Er will jetzt auch Castoren in BW oder Hessen zwischenlagern lassen, an Bayern traut er sich (noch) nicht ran. Die ganze Kacke mit dem Atommüll ist von hinten bis vorne derart skandalös, dass einem manchmal die Worte fehlen, manchmal wird man aber auch einfach nur unglaublich wütend. Ihr könnt euch ja mal diese Sendung ansehen, ich hoffe der Link funktioniert:

    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=5787864

    Wem da nichts anderes einfällt, als der Müll der Demonstranten (das ist halt bei Demos so, dass die Stadtwerke anschließend reinigen müssen, kein Teilnehmer geht davon aus, dass das alles liegen bleibt), dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Es wird dieser Tage oft gefragt, wieviel Protest erlaubt sei oder welche Protestformen Sinn machten. Angemessen wäre ein noch weitaus heftigerer Protest, der auch die Verbrecher in Politik und Wirtschaft noch stärker beim Namen nennt.

     
  7. arab am 11.11.2010 um 16:31 Uhr 

    ICh mag Atomkraft und den Müll. Zur Not lager ich die Fässer bei mir im Garten. Sollen die Leute nicht so abdrehen. Der ganze wirklich langstrahlende Atommüll, der die Menscheit bis heute erzeugt hat, passt auf einen Güterwagen. Nur deutsche bezeichnen aber Dinge wie Plutonium und Uran als Atommüll. DIe Franzmänner und Russen machen damit Strom. Ist eigetnlich schlauer, als es zu verbutteln, um es später wieder rauszuholen. Die Russen haben mitlerweile KRafwerke vom Typ “Schneller Brüter” der aus Atommull neues Material erzeugt für die Ernerdieerzeugung. Man muss schon sehr deutsch sein, um die fortschrittliste Technoligie zu ignorieren und sie zu fürchten. aber wer vor Neon Licht Angst hat, der fürchtet sich auch vor Strahlung. Ganz klar.

     
  8. Rheinbogen am 11.11.2010 um 20:46 Uhr 

    “Schnelle Brüter” dienen nur einem Zweck – der Herstellung von waffenfähigem Plutonium. Damit wird das Atommüllproblem nicht nur nicht gelöst, es wird sogar um ein Vielfaches verschärft, weil Plutonium viel gefährlicher als Uran ist. Dazu kommen erhebliche Sicherheitsbedenken bei dieser Technik. So schreibt das Institut für angewandte Umweltforschung:

    “- Das Kühlmittel Natrium stellt eine besondere Gefahr als Störfallauslöser dar, da es mit Wasser und Luft heftig reagiert.

    – Bei einem Störfall mit Kühlmittelverlust zeigt der S. im Gegensatz zum LWR keine Selbststabilisierung, vielmehr steigt seine Leistung sogar an. Es bleibt erheblich weniger Zeit, um den Reaktor mittels Schnellabschaltung abzuschalten.

    – Wegen der hohen Plutoniumkonzentration kann es beim S. im Gegensatz zum LWR zu einer begrenzten nuklearen Explosion (atombombenähnlich) kommen. Ob der Reaktordruckbehälter dem standhält, ist umstritten.

    – Der größtmögliche Störfall (Bethe-Tait-Störfall, vgl. Super-Gau ) tritt ein, wenn die Kühlung ausfällt und die Reaktorschnellabschaltungen versagen. Folge: Leistungs- und Temperaturanstieg, Schmelzen der Brennelemente (30 % aus Plutonium ). Dabei kann es mehrfach zur Bildung einer kritischen Masse ( Kernspaltung ), nuklearen Explosionen mit evtl. Bersten des Reaktordruckbehälters und Freisetzung extrem großer Mengen Radioaktivität kommen.”

    Scheint mir irgendwie nicht die Lösung zu sein. Ich mag Atomkraft und den Müll nicht und leider ist mir auch nicht geholfen, wenn das Zeug bei arab im Garten gelagert wird. Sonst hätte ich dieses Angebot sofort an die Bundesregierung gemeldet. Damit hätte man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können – den Atommüll beseitigen und auch arab …. – ach, lassen wir das.

     
  9. arab am 16.11.2010 um 15:08 Uhr 

    @Rollbügel.

    DIe Russen lassen das Plutonium einfach im Reaktor und man machen damit immer mehr Strom. bis ans ende aller Tage!

    wenn du dich schon davor fürchtest, hätte ich noch ein paar schlechte NAchrichten für dich. Der Yellow Stone Park in USA ist z.B. ein Mega-Vuklan…. Der geht ganz sicher irgendwann hoch und dann ist es vorbei mit Weihnachten. HAst du dagenen eine Lösung?

     

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