21
Feb, 2011

Karl-Theo Berlusconi ?

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Die Elite-Akademie für politische Transparenz und wissenschaftliche Qualitätssicherung – GuttenPlag-Wiki – hat heute um 17 Uhr 30 einen Zwischenbericht ihrer Exegese der Disseration von KT zu Guttenberg vorgelegt. Danach  sind 160 der bisher 270 gemeldeten Plagiate analysiert und als solche  identifiziert worden. Statistisch bedeutet das, “dass bis jetzt 3521 von 16325 Zeilen, das sind 21,5% der Doktorarbeit (jeweils inkl. Fußnoten) als Plagiate identifiziert wurden.”
Wie sorgfältig die Qualitätssicherer gearbeitet haben, kann jede/r auf der Seite überprüfen – und wird anschließend nicht umhin kommen, sich ihrer Bewertung anzuschliessen:

* In der Dissertation wurden in erheblichem Ausmaß fremde Quellen verwendet, die nicht als Zitat gekennzeichnet wurden. Dies ist eine eklatante Verletzung der wissenschaftlichen Arbeitsweise.
* Die zahlreichen textuellen Anpassungen der Plagiate, die Tatsache, dass die Plagiate über die ganze Dissertation hinweg zu finden sind, und die Tatsache, dass selbst die Einleitung kopiert wurde, lassen darauf schließen, dass diese Plagiate kein Versehen waren, sondern bewusst getätigt wurden.

Den 126.000 “Freunden” des Freiherrn auf der Facebook-Unterstützersteite wird das zwar keinen Abbruch tun, ebensowenig wie dem Niveau der Zustimmung zum Verbleib im Amt des Verteidungsministers  ( “Er soll einfach eine neue neue Desertation schreiben!”),  seine wichtigste Freundin indessen dürfte sich schon Sorgen machen, ob ihre humorige  Rückenstärkung heute Morgen angebracht war. Sie hätte ihn ja, so die Kanzlerin, “nicht als wissenschaftichen Assistenten”, sondern als Minister angestellt und als solcher mache er seine Arbeit “hervorragend”. Frau Merkel will wie auch die anderen Guttenberg-Verteidiger offenbar nicht registrieren, dass es hier längst nicht mehr um “Fußnotenfehler” geht. Da ist SPD-Chef Gabriel schon eher auf dem Punkt, wenn er dezent auf einen “Medienzar” in Europa verweist, der sich als Regierender Sonderrechte herausnimmt.  In Deutschland  dürfe es nicht dazu kommen, dass für jemand, der sich als “Medienstar” verstehe, Sonderrechte eingeräumt werden. Auch wenn die Doktorspiele zu Guttenbergs etwas anders gelagert sein mögen als die des Dr. h.c. Berlusconi wäre das der Fall, wenn das zusammenkopierte Werk von der Uni durchgewunken wird – was nach den vorliegenden “B-Proben” nahezu unmöglich scheint. Damit ist der politische Modellatleth allerdings auch als Minister untragbar, weil des Betrugs und der Falschaussage überführt. An einer Sperre führt kein Weg mehr vorbei – selbst wenn die Gutti-Fans südlich der Mainlinie gegen einen Karl-Theo Berlusconi gar nichts einzuwenden hätten.

Wie die technologischen Fortschritte der Web-Kommunikation Vertreibung  von “freundlichen” Diktatoren wie Ben Ali, Mubarak (und hoffentlich weiteren) erleichterte, hat  web-basierte Kollaboration  nun auch die Enttarnung  von “sympathischen” Blendern, Täuschern, Bauernfängern befördert – wem die wichtigsten Grimme,- und  Medienpreise 2011 gebühren  sollte damit klar sein…

Update: Am Abend hat zu Guttenberg das Plagiat eingeräumt und will auf den Doktortitel nun dauerhaft verzichten.  “Möglicherweise habe ich an ein oder anderer Stelle den Überblick über die Quellen verloren. Daher stehe ich auch zu dem Blödsinn darin”.  Minister will er aber weiter bleiben –  als Graf Xerox  ist man  halt mal so frei es mal zu probieren mit einem kleinen Doktorspielchen, wenn’s auffliegt kann Durchlaucht den Titel ja einfach ruhen lassen. Eine Nonchalance, die durchaus schon Berlusconi-artige Züge trägt…

Kommentare

2 Kommentare zu “Karl-Theo Berlusconi ?”

  1. Jörg am 22.02.2011 um 19:51 Uhr 

    Der widerliche Kriegsminister Guttenberg hat sich die Hände leider nicht nur mit geklauter Tinte (heute nicht mehr vom Tintenfäßlein, sondern vom Tintenstrahler) besudelt, sondern wieder einmal mit reichlich Blut. Denn seine Kriegsmaschine hat mal eben wieder 64 afghanische Zivilisten ausradiert. Die deutschen Medien, z. B. SPIEGEL, taz und Co verschweigen dies.

    Zum Massaker – für das Guttenberg nicht weniger die Verantwortung trägt als alle andern Nato-Kriegsminister – oder dieser Gen. Petraeus (http://news.antiwar.com/2011/02/21/petraeus-accuses-afghan-parents-of-burning-kids-to-make-us-look-bad/ ) siehe auch: http://www.rp-online.de/politik/ausland/Angeblich-64-Zivilisten-in-Afghanistan-getoetet_aid_967012.html

    Zumindest auf der jungeWelt finde ich per Archiv einen Artikel: http://www.jungewelt.de/2011/02-21/046.php?sstr=Afghanistan .
    Vielleicht hatte ich den Artikel dort gestern ja übersehen. Aber der leise Verdacht beschleicht mich, daß auch die jungeWelt diesen Artikel nur ‘versteckt’ gebracht hatte.

    Daß sich Guttenberg seinen Doktortitel in die Haare schmieren kann, ist eine Sache. Eine andere ist es, daß er bereits bei den Nazimördern massenhaft abschreibt und kopiert!
    Die Nazis brachten es übrigens in Deutschland ‘in Mode’ (auf ‘Mode’ achtet ja dieser mörderische falsche Fuffziger), Widerstandskämpfer (französische, polnische, tschechoslowakische, russische, jugoslawische, usw.) grundsätzlich als “Terroristen” zu bezeichneten.

     
  2. pecas am 22.02.2011 um 19:56 Uhr 

    “Die Welt will betrogen sein”: mundus vult decipi.
    Quote Wikipedia: “Aus dem Narrenschiff stammt das zur Redensart gewordene lateinische Zitat ‘mundus vult decipi’ („die Welt will betrogen sein“) mit der Bedeutung, dass sich Leute sehr gern betrügen lassen, wenn man ihrer Selbstliebe schmeichelt (vgl. Heiratsschwindel) oder ihre Vorurteile bedient (vgl. Sündenbock).”
    Das Geile im Falle Guttenberg(/Merkel, die sich ja mit ihrem Verteidigungsminister in der Sache – aus Gründen, zu denen ich gleich kommen will – einschlägig gemein gemacht hat) ist, dass dabei der Keim der immer noch grassierenden, irgendwie insbesondere aus den neuen Bundesländern heraus wiederauferstandenen deutschen Krankheit in plakativem Breitformat sichtbar geworden ist:
    Bewusste, korrupte Autoritätsfälschung, also Quellen- wie Publikumsbetrug im weitesten und tiefsten Sinn, auf der Basis (und der zynischen Anwendung) jener “Erkenntnis”, dass die Welt – zum Beispiel – nur einen unverschämten Deppen braucht, der ihr den Raub erlaubt, das Töten und das Plündern, sei es nun hier oder auch anderswo (schließlich liegt das Urteil hinsichtlich der Diagnose von derlei Autorität, oder besser gesagt autoritärem Verhalten, als Generalabsolution für eigenes Groß- oder Klein-Raubrittertum doch wieder bei den “doctores”, den ductores, den Führern, bzw. einem Ober-Führer oder einer Führerin, und wir haben wieder “nur dem Befehl gehorcht”); das ist es, was “die Deutschen” brauchen – “nehmt alles nur in allem”, wie Goethe sagte, hier einmal an -, um ihren selbstverliebten, bis zum Erbrechen vorurteilsinduzierten wie -überfrachteten und somit vorn und hinten strunzdummen Sonder-Dünkel gefüttert, bestätigt und gerechtfertigt zu sehen.

    “Ich habe etwas zu sagen … weil ich den Durchblick habe! Seht her, ich habe ein Doktordiplom in Sachen Verfassung gemacht; ich entwerte – auch für euch, ihr armen Narren – ungestraft den normativen Aspekt des Rechts, widerspreche ihm im Namen einer Regierungsgewalt [violenza governamentale], die im Ausland internationales Recht ignoriert, im Inneren einen Ausnahmezustand schafft und dann vorgibt, immer noch das Recht anzuwenden” (frei nach Giorgio Agamben, Ausnahmezustand, S. 102, der genau das freilich kritisiert – was dieser Guttenberg ebenso wie diese Kanzlerin innen und aussen als die Trojanische Pferde des globalistischen Neokonservatismus, die sie sind, brauchen, und was ihr Täuscherkabinett da unter dieser allgemeinen Unredlichkeit – in und mit Deutschland in der Welt – insgesamt hinpfuscht).

    So kann man mit der alten deutschen Schande (die genau diese Schande eines wissentlich korrupten, gegenüber jeder anständigen höheren Bildung tödlich eifersüchtigen, diabolischen Intellekts ist und schon immer war) also auch weiter umgehen; bleiben wir doch so blöd, wie wir schon immer waren, wir sind doch schließlich nicht blöd, nicht wahr. Warum sollten ausgerechnet wir denn so blöd sein, etwas gelernt zu haben – vor allem, wenn wir jetzt von einer Kanzlerin aus der DDR regiert werden, die die Hilfsbedürftigen-, unter einen “Angriff von aussen” geratenen Gauklerinnen-Nummer des deutschen Ablegers des globalen Räuber-Ausnahmezustands so gut draufhat, dass man sie ihr (mit allen Augen und Ohren fest verschlossen) fast glaubt?

     

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