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Apr, 2011

Communityismus

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Seit einiger Zeit ist unter jedem Beitrag dieses Blogs neben Twitter & Facebook auch ein Button für Flattr zu sehen – einem neuen Dienst für freiwilliges Bezahlen. Einige populäre Blogs und die taz als erste Online-Zeitung haben Flattr in Deutschland bekannt gemacht und damit einen dritten Weg   eingeschlagen – ein Paradox zwischen Gratis-Internet für alle und Bezahl-Schranke für Betuchte: Bezahlen was nichts kostet ! Damit das Netz frei und Inhalte gratis zugänglich  bleiben, aber die Schöpfer der Inhalte  – Journalisten, Autoren, Blogger – dennoch für ihre Arbeit entlohnt werden. Als Mitglied der Flattr-Community zahlt man ein frei gewählten Beitrag im Monat ein – und wenn einem ein Artikel im Netz etwas wert war, klickt man auf den Flattr-Knopf und verschafft dem Autor so eine “Schmeichel-Einheit” (to flatter = schmeicheln). Wenn ich bei einem Budget von 10 EU im Monat 50 Artikel flattere, ist jeder meiner Klicks 20 Cent wert – und wird von Flattr  dann am Ende des Monats an die Autoren verteilt. Natürlich lebt  ein solches System von der Masse der Teilnehmer, solange die noch sehr bescheiden ist, können Autoren  nur auf Kleinbeträge hoffe (bei mir waren es zB  nach drei Monaten 11,79 EU) – aber Peter Sunde, der 2004 Pirate Bay gründete, ist optimistisch, dass das Flattr-Projekt durchstarten kann. Kommendes Wochenende wird er darüber auch auf dem Medienkongreß der taz ( “Die Revolution haben wir und anders vorgestellt” ) referieren. Wie alle Alternativen fängt auch diese klein an – aber weil ich mich noch an Zeiten erinnere, als man  schon wegen eines “Atomkraft Pfui Deibel!”-Aufkleber am Auto als potentieller Terrorist galt, bin ich neuerdings durchaus hoffnungsfroh, was die Durchsetzungsfähigkeit kleiner radikaler Minderheiten betrifft. Es geht eben doch was – man muß nur ein paar Jahrzehnte Geduld haben… 😉

In diesem Zusammenhang noch der Hinweis auf ein neu erschienenes Buch, an dessen Redaktion ich beteiligt war und in  dem es außer um den neuen  “Communityismus”  des Internets noch um viele andere zukunftsträchtige Alternativen geht: “50 Dinge, die Sie tun können um die Gesellschaft zu verändern”. Herausgegeben von Ines Pohl versammelt der Band fünfzig Beiträge über Ideen, Ansätze und Projekte, deren Bedueutung sich in vielen Bereichen bereits abzeichnen: in den Debatten über common goods oder über das Grundeinkommen, in den dezentralen erneuerbaren Energien, in der Re-Regionalisierung der Wirtschaft und der Re- Kommunalisierung der lokalen Grundversorgung, in den Ideen über Bruttosozialglück statt Bruttosozialprodukt, in der bis in die Naturwissenschaften reichenden Rückbesinnung auf Kooperation statt Konkurrenz. Sogenannte Paradigmenwechsel werden nie von wenigen oktroyiert, sie enstehen immer von unten, indem viele einzelne ein Beispiel setzen, aktiv werden  und diese Veränderung leben. Darum geht es in diesem Buch.

Kommentare

3 Kommentare zu “Communityismus”

  1. Sitting-Bull am 03.04.2011 um 17:57 Uhr 

    Prima Idee Mathias, da habe ich mich doch gleich mal angemeldet und bei dir und TheIntelligence.de den Knopf gedrückt. Endlich mal ein Bezahlkonzept was mich überzeugt hat.

     
  2. demi krake am 04.04.2011 um 00:39 Uhr 

    gut, dass nach einiger zeit nochmal ein bißchen werbung gemacht wird für die sache. ich hatte es nach anfänglicher halbjährlicher nutzung auch wieder etwas einschlafen lassen, aber jetzt mein konto wieder aufgefüllt. vielleicht ist es wie mit meinem restlichen scheiß, ich muss halt einen dauerauftrag machen, sonst verraffe ich das …

    Bin zwar als student “nur” mit 20 Euro pro monat dabei (das wäre nichtmal das abo einer zeitung), kein großer betrag aber immerhin doch gutes geld. denn ich muss mir selber gestehen, dass es abgesehen vom datenschutz mit flattr eigentlich keine ausrede mehr vorm “konsequent sein” gibt und endlich fair den entsprechenden nnetzquellen (als meinen fast ausschließliche informationsmedien) was zurück geben kann und sollte.

    Mit den drei monaten meinst du sicherlich die ersten drei monate, nicht die letzten, oder? bzw. zumindest gab es hoffentlich schon mal bessere monate, ich kann ja nicht der einzige sein der das ab und an benutzt ; )

    liebe grüße, vielen dank und weiter so!

     
  3. demi krake am 04.04.2011 um 00:45 Uhr 

    merke grad, dass man für dauerauftrag erst bei moneybookers registriert sein muss, da ich bei flattr selbst weder eine dauerauftrags-funktion noch eine kontonummer gefunden habe. oder bin ich nur zu doof?

     

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