19
Jan, 2013

Gegen den Copyright-Extremismus

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Auch wenn es etwas schwer fällt, Kim DotCom sympathisch zu finden, der derzeit in Neuseeland auf seinen Prozess  wegen Urheberrechtsverletzungen auf seiner Plattform Megaupload wartet – sein neues Projekt “Mega” ist ein genialer Schachzug, zumindest wenn man dem Nerd-Blog Gizmodo glauben darf, der sich das schon mal genauer angeschaut hat. Der kleine aber entscheidende Unterschied zu “Dropbox” und anderen cloud-ähnlichen Upload-Plattformen, die den Austausch von Dateien ermöglichen, ist die Verschlüsselung: alle Daten  werden beim Hochladen automatisch verschlüsselt, “Mega” weiß nicht ob es sich um banale Kochrezepte, den neuesten Hollywood-Streifen oder Top-Secret-Akten des Pentagon handelt, auch der User kriegt von der Verschlüsselung nichts mit, außer einem Schlüssel, den er anderen Usern zukommen lassen muß, damit diese die Daten herunterladen und entschlüsseln können. “It’s maybe the most private, invincible file-sharing service of all time” – und die definitive Waffe gegen die orwellsche Ausspionierung des Internets, sowie das  Copyright in Zeiten digitaler Reproduzierbarkeit. Im Interview mit dem Guardian sagt Kim DotCom, dass er nicht gegen das Copyright sondern nur “gegen Copyright-Extremismus” ist  – klingt theoretisch gut, aber wie das praktisch aussehen soll steht dahin.

Dass verschlüsseltes Filesharing wie jedes Werkzeug zum Guten wie zum Bösen benutzt werden kann versteht sich von selbst und  bis die abgelatschten Argumente dagegen kommen – Kinderporno etc. – muß man keine Uhr stellen. Und doch ist “Mega” selbstverständlich  begrüssenswert: es stellt dem Mainstream der Internet-User ein Werkzeug zur Verfügung, das bisher vom militärisch-industriellen Komplex genutzt wird – und es ermöglicht diesem Mainstream zurück zu gewinnen, was ihm in Zeiten von Google, Facebook zunehmend genommen wird, nämlich das Recht auf Unverletztlichkeit der Privatsphäre.

Kommentare

5 Kommentare zu “Gegen den Copyright-Extremismus”

  1. anonymaus am 19.01.2013 um 15:53 Uhr 

    “zurückgewinnen,….. das Recht auf Unverletztlichkeit der Privatsphäre”……

    das geht nicht mit “Verschlüsselungspogrammen” des Military ( Die haben den Cockpit-Schlüssel) sondern nur unter Berufung auf unser Grundgesetz.

    Wer “Planted Assets” wie Kim DotCom über den Weg traut, ist selber Schuld, bzw sollte noch mal den Video-Verleiher seines Vetrauens ansteuern :
    Departed – Unter Feinden (Einzel-DVD)

    Wer immer glaubt “Top-Secret-Akten des Pentagon” …Which one ?….würden im Internet kursieren, ist: A terminal Fool

     
  2. pecas am 19.01.2013 um 18:10 Uhr 

    @ anonymaus am 19.01.2013 um 15:53 Uhr

    Der Glaube an die (erfolgreiche) Möglichkeit einer “Berufung auf unser Grundgesetz” ist freilich gleichermaßen “terminal-fool”-stuff*.
    Ansonsten: Toutamellement d’accord [*Öchö* ähm, mein (nicht vorhandenes) Französisch: pardon, excuse].
    -p-

    *PS
    Superheisse Empfehlung diesbezüglich für alle Politik-Interessierten (einmal mehr): Giorgio Agamben: Herrschaft und Herrlichkeit, Suhrkamp Verlag 2011.

     
  3. Rheinbogen am 19.01.2013 um 19:31 Uhr 

    Natürlich können Pentagon-Akten, auch top secret, im Internet kursieren. Kursieren bedeutet ja nicht, dass sie dort bestimmungsgemäß sind. Sie könnten aber durch Unaufmersamkeit, aufgrud krimineller Machenschaften oder auch ganz gezielt von interessierten Kreisen eingestellt werden Abgesehen davon war das wohl auch nicht ganz wörtlich gemeint, sondern eher als Metapher.

    Wer allerdings glaubt, Hollywoof-Filme, wenn auch gute Kopien vo Filmen aus anderen Ländern, seien die Wirklichkeit, kann auch die Tagesschau anschauen oder das EhNaMag lesen.

     
  4. DasTacki am 20.01.2013 um 01:49 Uhr 

    Nun hat das Facebook-Zeitalter endlich begonnen.
    Wir laden alles hoch was uns wichtig und geheim ist, es wird ja verschlüsselt.
    LOL
    Kompliment an Schmitz, dass er die Marktlücke erkannt hat. Dank investigativer Journalisten hat er ja auch die beste Werbung, das Geschäftsmodell funktioniert. Jeder Nerd ist jetzt goil auf so einen Account bei Mega. Sowas hat man …
    50GB kostenlos, toll ..
    Vor 12 Monaten wurden die Server von Megaupload beschlagnahmt .. mit privaten Daten .. Filesharing lass ich mal aussen vor.
    Betroffene haben ihren Kram immer noch nicht wieder.
    Heute ist Schmitz wieder im Geschäft ?
    Habe ich da nur ein komisches Gefühl im Bauch ?
    Vorschlag:
    Macht es kurz .. die keys einfach auf facebook posten .. kann man euch schneller zuordnen.
    Es geht schon lange nicht mehr um Filesharing …
    Seit wann vertritt das FBI die Interessen von Musikern ?
    Insofern schliesse ich mich dem vorangegangenen Posting an ..

     
  5. Stefan Miller am 21.01.2013 um 09:54 Uhr 

    angesichts der Anfänge des Kims Dotcoms als Handlanger des von Gravenreuths fällt es mir schwer an seine anti-copryright Absichten zu glauben. Seine Ideen sind kostspielig und offenbar hat er gut betuchte Freunde, die ihm das finanzieren. DEnn aus seinem eigenen Vermögen, egal wie groß, könnte er das niemals so einfach stemmen. Seine medienwirksame “Verhaftung” hat ihm enorme Popularität verliehen, sein Name war in sämtlichen Medien, vorwiegend neutral also nicht eindeutig negativ beschrieben und das will auch was heissen. Andere hatten da nicht so viel Glück. Ich finde, das Recht aufs Kopieren sollte im Grundegesetz verankert werden. Kopieren ist kein Diebstahl und geistiges Eigentum widerspricht ganz einfach der Idee des echten Eigentums.

     

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