15
May, 2014

Barbarossa 2.0

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Woikow-Huette

Nach der Befreiung der Krim im Mai 1944 demontiert ein Rotarmist das zwischenzeitlich angebrachte Hakenkreuz über der Pforte zur ­eisenverarbeitenden Woikow-Hütte. (Foto: Jewgeni Chaldej/ Aus: Heinz Krimmer, Ernst Volland (Hrsg.): Jewgeni Chaldej: Kriegstagebuch. Das Neue Berlin, Berlin 2011)

 

Jetzt müssen Rubel rollen: als Reaktion auf die westliche Sanktionen will Russland für Gas-und Öl-Lieferungen an die EU künftig in Rubel bezahlt werden. Diese gewagte Variante im geopolitischen Schach hatten auch schon Saddam Hussein und der Libyer Gadahfi versucht, was sie nicht lange überlebten, den wenn es gegen seine offene Flanke, den US-Dollar geht kennt Uncle Sam kein Erbarmen. Dass das globale Spielgeld, das FED und Wall Street in beliebiger Menge aus dem Nichts produzieren, nach wie vor die Leitwährung der Welt ist und einen Wert besitzt, hat nämlich nur damit zu tun, dass jedes Land der Welt, das anderswo Öl oder Gas einkaufen will, einem Zwangsumtausch in US-Dollar unterworfen ist. Mit einem “freien Markt” – der neben “Demokratie” und “Menschrechte” essentiellen Parole auf den Kriegsfahnen des Westens – hat das natürlich wenig zu tun, die “unsichtbare Hand”, die nach der liberalen Ideologie Alles zum Wohle Aller bestens zwischen Angebot und Nachfrage austariert,  funktioniert de facto nur mit der militärischen Faust im Hintergrund. Irak und Libyen haben ihre Attacke auf den Dollar nicht lange überlebt, Russland aber ist da ein ganz anderes Kaliber. Klar aber ist, dass der Konflikt damit eine Spirale höher geht – und der ohnehin nur symbolische “Runde Tisch” wird daran auch nichts änderen und sein logisches Scheitern dreht das Ganze dann nochmal weiter.

Dass dies alles NICHT im Interesse Europas und Deutschland sein kann, hatten wir hier schon mehrfach aufgezeigt – und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wer hier die Strippen zieht: der Sohn des US-Vizepräsidenten und der beste Kumpel von Außenministers John “Skull & Bones” Kerry steigen in den Vorstand des größten privaten ukrainischen Gasunternehmens ein – zuständig für “Expansion”. Schon im Januar war der größte Agrarkonzern der USA , Cargill, mit 200 Mio. beim größten Landwirtschaftsbetrieb der Ukraine eingestiegen. Vermittelt von einem Spezi der US-Diplomatin Victoria “F*ck EU” Nuland und ihres Mannes, Robert Kagan, seines Zeichens Mitgründer des Neocon-Thinktanks “PNAC” (“Project For A New American Century”) ;  jenem Club von Cheney, Rumsfeld und Co. der  sich 1999 “ein neues Pearl Harbour” wünschte, um weitere militärische Eroberungen durchzuziehen.

Nazi-Deutschlands “Unternehmen Barbarossa” – der 1940 geschmiedete geheime Plan, Russland zu überfallen und blitzkriegartig zu besiegen – endete bekanntlich in einer Tragödie und mit 20 Millionen toten Russen und Ukrainern. Vor 70 Jahren, am 11. Mai 1944, vertrieb die Rote Armee die letzten Faschisten von der Halbinsel Krim.  Dass  Russland sie jetzt wieder, völkerrechtlich fragwürdig,  annektierte – nachdem der alte Schlawiner Nikita Chrustschow die Krim 1954 seiner alten politischen Heimat  Ukraine, völkerrechtlich fragwürdig, einfach geschenkt hatte – um sie vor dem aus Kiew herannahenden “Rechten Sektor” zu schützen entbehrt insofern nicht einer gewissen Konsequenz. Denn auch wenn diese echten Faschisten nur einen Teil der amtierenden Putsch-Regierung ausmachen und Jateznjuk “nur ” eine zivile CIA-Marionette ist  – was da unter dem “Stars & Stripes”-und EU-Banner läuft kann man durchaus als “Barbarossa 2.0” sehen: ein bißchen mehr “Soft Power”, ein bißchen weniger Rassismus und Nazi-Brutalität (wobei: Maidan-Scharfschützen, Odessa, Mariupol…  schon sehr heftig), und reichlich mehr Propaganda, dass wir doch die “Guten” sind. Immer noch “Die Wohlgesinnten” (der beste Tatsachen-Roman über “Barbarossa 1” und die Folgen).
Neben dem Zugriff  den Ölvorkommen im Kaukasus ging es damals vor allem um das, wie es im Barbarossa-Plan heißt,   “wehrwirtschaftlich wichtige Donezbecken” – und so ähnlich sehen das jetzt ja auch die PNAC-Strategen, denn dort ist neben 80 % der ukrainischen Rohstoffe auch die Schwerindustrie angesiedelt, weshalb diese Region den Braten wohl als erste gerochen hat und mit der neuen Pseudo-Demokratie aus Kiew nichts zu tun haben will. Und weshalb diese “Separatisten” jetzt auch nicht an den runden Tisch eingeladen, sondern militärisch bekämpft werden – wie damals die Wehrmacht müssen jetzt USA/NATO das  Gebiet unter Kontrolle bekommen, wenn es mit der “Expansion” etwas werden soll. Die gegen Korruption und Kleptokratie demonstrierenden Bürger werden davon wenig haben, denn die oben angedeuteten Geschäftstätigkeiten bedeuten ja nur, dass die alten Oligarchen und Kleptokraten durch neue – “unsere” –  ersetzt werden.

Kommentare

10 Kommentare zu “Barbarossa 2.0”

  1. Stefan am 15.05.2014 um 16:13 Uhr 

    Die Ukraine ist einer von mehreren Schauplätzen, deren Bedeutung erst so richtig aus größerer Perspektive deutlich wird: Neben dem osteuropäischen Staat erwähnt der weiter unten im Blog so prominente “Zbig” in “Amerikas Strategie der Vorherrschaft” noch andere geostrategische Dreh- und Angelpunkte, u.a. die Türkei. Und da möchte das Imperium den Erdogan (den man ja nicht unbedingt mögen muss) offenbar seit einiger Zeit loswerden (und durch diesen in den Staaten lebenden Exilanten ersetzen).

    Man fragt sich natürlich, wieso Washington den Erdogan nicht mehr lieb haben sollte, schließlich ist er in der Syrien-Frage brav mitmarschiert. Und siehe da – auch hier geht es, wie in der Ukraine, um Energie: Ausgerechnet sein Energieminister Taner Yıldız, der jetzt für die Katastrophe in dem Bergwerk an den Pranger gestellt wird, verhandelt mit den Russen über neue Erdgasleitungen nach Europa auf türkischem Territorium (Southstream, Bluestream). http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2014/04/500817/europaeische-gasversorgung-south-stream-pipeline-koennte-durch-die-tuerkei-laufen/

    Übrigens: Als in Japan (auch ein geopolitisches Schwergewicht) 2009 erstmals seit Jahrzehnten ein Regierungswechsel durch die Demokratische Partei stattfand und es politische Bestrebungen gab, die Forderungen der Bevölkerung nach Schließung der US-Militärbasen auf Okinawa zu unterstützen, klemmten plötzlich in den USA bei Tausenden Toyotas die Gaspedale (was zwar später als widerlegt galt, aber für den japanischen Konzern dennoch sehr teuer wurde und die kriselnden US-Hersteller entlastete). http://www.welt.de/wirtschaft/article8936368/Studie-entlastet-Toyota-beim-Gaspedal-Fiasko.html

    Als 2011 den Japanern dann Fukushima um die Ohren flog, hatten die Leute genug und wählten 2012 prompt wieder die “bewährte” rechte Partei LDP.

    Und so geschehen häufig … Dinge … natürlich alles gaaanz zufällig, die dem Imperium ins (große) Spiel passen. Vielleicht sind die USA gar tatsächlich “das Land auf das sich Gottes Gnade ergießt” wie es mal hieß? Das schließt ja nicht aus, dass beim Gießen die eine oder andere intelligente Agentur kräftig nachhilft.

    Alles natürlich nur wilde Verschwörungstheorien, die Wahrheit steht ausschließlich in den Qualitätsmedien, nehmt eure Medizin, schaltet den TV ein, bezahlt eure Gebühren und schlaft weiter, alles wird gut…

     
  2. nicht wahr am 15.05.2014 um 17:01 Uhr 

    so einen verwirrten Kram habe ich lange nicht mehr gelesen.

    Wenn ich das richtig verstehe, ist wie IMMER der Ami schuld. Egal wo und wann.

    aber danke. Wir wären alle nicht dahinter gekommen, dass der Ami unbedingt Osteuropa zerstören will.

    und ich dachte, es hätte was mit der EU-Annäherung der Ukraine zu tun… so kann man sich täuschen. Es ist der Ami, das den Ärger macht.

    jetzt erkenne ich es auch!

     
  3. nicht wahr am 15.05.2014 um 17:09 Uhr 

    “Und so geschehen häufig … Dinge … natürlich alles gaaanz zufällig, die dem Imperium ins (große) Spiel passen.”

    ja. Ist klar, Peter. Es geschen also Dinge….

    Amis verursachen Erdbeben, um mit Tsunami AKW zu zerstören, damit die hirnlose Japse wieder ihre “rechte” Partei wählt, die sich so gerne von den Amis in den Popo geben lassen.

    es ist zwar sehr naheliegender, als was Herr Bröckers so schreibt. Aber es bleibt mehr als unwahrscheinlich.

     
  4. Tom am 15.05.2014 um 17:33 Uhr 

    Es wird spannend, wenn der Petrorubel den Petrodollar angreift…

    http://voiceofrussia.com/2014_04_04/Russia-prepares-to-attack-the-petrodollar-2335/

    …China und Indien sind schon mit dabei und andere könnten folgen.
    @ nicht wahr: lesen Sie einfach weiter “Bild”

     
  5. WolfThom am 16.05.2014 um 19:07 Uhr 

    Bilderberger, SS und das Vierte Reich

    Der britische Enthüllungsjournalist Tony Gosling deckte auf, wie sich der Militärisch-Industrielle-Komplex der britischen Armee ermächtigt, und wie die Bilderberg-Gruppe daran beteiligt ist. Mit den Bilderbergern wurde die SS neu formiert und aus der multinationalen militärischen Macht ein global agierendes Finanznetzwerk geschaffen, dessen Auswirkungen auf die Menschen dieser Welt nicht minder …

    http://www.contra-magazin.com/2014/05/bilderberger-ss-und-das-vierte-reich/

    Kopp News des Kopp Verlages Online

    http://info.kopp-verlag.de/index.html

    Bürgerbewegung Solidarität – Nachrichtenagentur EIR

    http://www.bueso.de

    Geolitico

    http://www.geolitico.de

    VWL, Geopolitik, Währungen

    http://www.steinbergrecherche.com

    American Free Press

    http://www.americanfreepress.net

    German Foreign Policy – Kritisches zur deutschen Außenpolitik

    http://www.german-foreign-policy.com/

    Michael C. Rupperts daily Peak Oil Blog

    http://www.fromthewilderness.com Peak Oil und 9.11.

    Despotie

    Der von Merkel und Sarkozy angepeilten Wirtschaftsregierung fehlt das Gegenstück im bürgerlichen Demokratie-Modell: ein Parlament, das Gesetze formulieren und verabschieden kann. Denn das sogenannte Europäische Parlament darf Gesetze nicht formulieren, sondern sie nur abnicken.

    Womit die Bourgeoisie hinter Montesquieu, De l’esprit des loix, Genf 1748, zurückfällt, sich refeudalisiert und droht, despotisch zu herrschen: eine absehbare Entwicklung seit dem Ende der Sowjetunion.

    T:I:S, 16. August 2011

    http://www.steinbergrecherche.com/09herrschaftselite.htm

    Thomas Immanuel Steinberg

    Hitlers geistige Väter

    Hermann Ploppa ist US-Quellen für den Nazirassismus nachgegangen

    Baldur von Schirach (1907–1974), Hitlerjugend-Führer bis zum Sieg der Alliierten über Deutschland, sagte vor dem Nürnberger Gerichtshof 1946: »Das ausschlaggebende antisemitische Buch, das ich damals las und das Buch, das meine Kameraden beeinflußte… war das Buch von Henry Ford ›Der internationale Jude‹. Ich las es und wurde Antisemit…«

    Hermann Ploppa belegt in »Hitlers amerikanische Lehrer«, daß jedenfalls der oberste Führer selbst mit seinen Rassen- und Euthanasievorstellungen weder Joseph Arthur de Gobineau (1816-1882), noch Houston Steward Chamberlain (1855–1927) folgte, wie in Schulbüchern behauptet, sondern vor allem drei US-Amerikanern: Madison Grant (1865–1937), Theodore Lothrop Stoddard (1883–1950) und dem Autobauer Henry Ford (1863–1947). Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts teilte die Herrschaftselite der USA diese Ansichten; sie finden sich, bis hin zu Einzelheiten, in Hitlers »Mein Kampf« wieder.

    http://www.steinbergrecherche.com/09herrschaftselite.htm#Ploppa

    Jürgen Elsässer Weblog

    http://juergenelsaesser.wordpress.com/

    Jürgen Elsässer, Publizist und Querdenker, Compact Magazin Herausgeber

    http://www.compact-online.de/

     
  6. Blaubeere am 18.05.2014 um 00:32 Uhr 

    Auf der RT-Homepage wird spekuliert, ob nicht die Schiefer-Gasvorräte im Donezkbecken hinter den von den USA provozierten Unruhen in der Ukraine stecken könnten:
    http://rt.com/news/159588-east-ukraine-shale-deposits/

     
  7. pecas am 18.05.2014 um 21:08 Uhr 
  8. Blaubeere am 22.05.2014 um 23:22 Uhr 

    Ein klein wenig off-topic: Nach wie vor sind die in der Ostukraine verhafteten russischen Journalisten immer noch ohne Kontakt zur Außenwelt. Aber man hört kaum etwas darüber in den Medien. Wahrscheinlich sind sie den deutschen Medienleuten nicht so wichtig, da es ja “nur Russen” sind. Wenigstens bei Human Rights Watch kann sich, wer möchte, informieren:
    http://www.hrw.org/news/2014/05/21/ukraine-journalists-detained-denied-entry

     
  9. Blaubeere am 23.05.2014 um 01:20 Uhr 

    Schon vor Tagen hatte sich der Leiter des örtlichen Katastrophenschutzes nach einer Inspektion des Gewerkschaftshauses verwundert gezeigt über die hohe Anzahl an Toten und gemeint, daß sich durch den Brand gar nicht so viele giftige Gase gebildet haben konnten, wie dann Leute erstickt waren.
    Jetzt scheint festzustehen, daß viele durch in das Gewerkschaftshaus gebrachtes Chloroform erstickt sind. Furchtbar!
    Es scheinen sich noch viel gräßlichere Sachen in diesem Gebäude abgespielt zu haben (Vorsicht, nichts für schwache Nerven!):
    http://ersieesist.livejournal.com/813.htm

     
  10. Blaubeere am 23.05.2014 um 17:35 Uhr 

    Noch etwas aus Odessa: Schon vor Tagen hatte sich der Leiter des örtlichen Katastrophenschutzes nach einer Inspektion des Gewerkschaftshauses verwundert gezeigt über die hohe Anzahl an Toten und gemeint, daß sich durch den Brand gar nicht so viele giftige Gase gebildet haben konnten, wie dann Leute erstickt waren.
    Na ja, und inzwischen scheint sicher, daß die meisten an Chloroform verstorben sind. Gruselig! Wie kam das ins Gebäude hinein?
    Es scheinen sich noch viel gräßlichere Sachen in diesem Gebäude abgespielt zu haben (Vorsicht, nichts für schwache Nerven!):
    http://ersieesist.livejournal.com/813.html

     

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