29
Jul, 2014

Lüge in Kriegszeiten

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putin-pariahAuf Telepolis habe ich heute einen Artikel über die Lüge in Kriegszeiten veröffentlicht:

Am Beispiel des Ersten Weltkriegs formulierte Arthur Ponsonby 1928 die Strukturgesetze der Kriegspropaganda – sie gelten, wie die aktuelle Berichterstattung über die Ukraine zeigt, noch immer. Von Lord Arthur Ponsonby (1871–1946), einem britischen Politiker und Friedensaktivisten, stammt nicht nur das berühmte Diktum, dass das erste Opfer des Kriegs die Wahrheit ist – “When war is declared, truth is the first casualty”. In seinem 1928 veröffentlichten Buch “Falsehood in Wartime” (“Lüge in Kriegszeiten”) versuchte Ponsonby auch die Strukturelemente dieser Lügen und Fälschungen zu beschreiben, wie er sie am Beispiel des Ersten Weltkriegs beobachtet hatte:

1) Wir wollen den Krieg nicht.

2) Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung.

3) Der Führer des Gegners ist ein Teufel.

4) Wir kämpfen für eine gute Sache.

5) Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen.

6) Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich.

7) Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.

8) Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.

9) Unsere Mission ist heilig.

10) Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

…Ponsonbys Prinzipien scheinen tatsächlich so etwas wie die zehn Gebote der medialen Kriegsführung darzustellen – und sind auch in dem aktuellen Konflikt um die Ukraine Punkt für Punkt zu beobachten.

Weiter gehts hier.

Kommentare

7 Kommentare zu “Lüge in Kriegszeiten”

  1. Oli Gulliver am 29.07.2014 um 20:03 Uhr 

    Unser großes Problem ist, wir sind alle von Kindheit an darauf programmiert worden, dass alle Nachrichten wahr sind. Wenn ich sehe, wie starr und stolz Radio-Nachrichten im Auto angehört werden, also ob das ein kultivierter Akt von Vernunft und hoher Moral wäre – ein Kontrast und eine Insel zum dauerplärrenden Dudelfunk eben. In Wahrheit ist das ein schockierender Anblick von Gleichschaltung und Hörigkeit. Später einmal, eines nicht zu fernen Tages, werden wir entsetzt auf unsere Nachrichtenhörigkeit zurückblicken.

    Offen gelogen wird ja hauptsächlich nur in Krisenzeiten, der Normalfall an Nachrichten besteht aus hochselektivem Hervorheben und Weglassen. Wenn wir z.B. fast nur gute Nachrichten aus den USA und fast nur schlechte Nachrichten aus Afrika, Indien oder China hören, dann ist das kein Zufall mehr, sondern Absicht. (Ländernamen bei Google News eingeben und staunen …)

    Die Kunst dieser hochentwickelten Lüge namens Nachricht besteht im Anschein ihrer Natürlichkeit und Normalität, es wird nur im Ausnahmefall offen gehetzt. Ich habe lange gebraucht, bis ich den ARD-Nachrichtenticker in seiner Pseudoharmlosigkeit durchschaut habe. Alle schimpfen auf BILD, aber die ARD-Nachrichten sind viel hinterhältiger. Dort arbeiten sie neben der politisch motivierten Auswahl der Meldungen auch mit dem 80/20-Prinzip. Kommt ursprünglich aus der Wirtschaftstheorie (Pareto-Prinzip), hat aber mittlerweile ein Eigenleben im Alltag eingenommen. Für die ARD-Nachricht heißt das konkret: 80 % des Artikels sind wahr, 20 % sind “kritisch”, beziehen sich also auf obskure Quellen oder eigene Kritik zwecks Quotenerfüllung. Offiziell heißt das an den Journalistenschulen: ausgewogene Berichterstattung.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ausgewogenheit

    Was unsere offizielle Medienwelt betrifft, so könnte man das ganz gut mit dem Film Die Truman-Show vergleichen, in dem der Alltag des Filmhelden von morgens bis abends durchinszeniert ist, ohne, dass er davon etwas merkt, bis ihm eines Tages ein Scheinwerferlicht vor die Füße fällt. Der Ukraine-Krieg dürfte wohl für viele so ein Scheinwerferlicht sein.

     
  2. curti am 30.07.2014 um 08:12 Uhr 

    Gestern hat sich die Readaktion des EhNaMag via SPON veranlaßt gesehen, ein kurzes statement zur aktuellen Titelseite einzustellen und so den im Zusammenhang stehenden Leitartikel weiter zu verklären. Insbesondere wird hervorgehoben, daß es sich nicht um Kriegstreiberei handeln soll.

    http://www.spiegel.de/spiegel/spiegel-titel-zu-putin-in-eigener-sache-a-983484.html

    Nun, bekanntlich ist es eine Spirale, in deren Verlauf das was gestern noch vage Ausdruck fand, heute als akzeptierte Tatsache eingesetzt wird und morgen durch weitergehende Maßnahmen “folgerichtig” ergänzt werden >>muß<<. Am Ende steht der Krieg, der dann als unausweichlich propagandiert wird. "Unausweichlich" war übrigens der gestrige Tenor der Dicken aus der Uckermark, mit dem sie die verschärften Sanktionen gegen Rußland in ihrer bekannt hohlen "Argumentationsweise" zu rechtfertigen versuchte.

    Es wäre ein Hochgenuß das gestrige statement des EhNamAg öffentlich zu sezieren und deren Gesamtwerk als das zu entlarven was es ist – ein minderwertiger Versuch fortgesetzter Volksverdummung, Hetzerei und per saldo auch Kriegstreiberei. Leider bzw. absehbar wurde keine Kommentarfunktion eingerichtet, wobei Kritik eh der dortigen Hardcore-Zensur zum Opfer fällt. Und einen Brief oder mail direkt in deren Zentralnerv kann man sich schenken – geht denen am Allerwertesten vorbei.

    Es bleibt nur die konsequente Verachtung, der Hinweis auf deren Machenschaften und damit verbunden die Hoffnung, daß deren irres Treiben letztlich durch die Gesetze des Marktes erledigt wird.

    Mein ältester Sohn (12 Jahre), die Ukraine-Krise von sich aufmerksam verfolgend, fängt bereits an bei Informationsdefiziten seiner Gesprächspartner zunächst mitleidsvoll zu fragen ob man "SPIEGELleser" sei. Auch das läßt hoffen.

    Dank an Mathias Bröckers für seinen Artikel auf Telepolis!

     
  3. M.M. am 30.07.2014 um 10:20 Uhr 

    11) : Nach Kriegsende dauert es noch eine Weile, aber dann wird offiziell diskutiert ob der Grund für den Kriegseintritt möglicherweise eine Lüge war.

     
  4. curti am 30.07.2014 um 12:56 Uhr 

    Interview mit einem Mann, der von den hiesigen “Qualitätsmedien” unter Terrorist rangiert wird:

    http://donbassfront.livejournal.com/6741.html

    Obwohl der Maidan zunehmend gewalttätig wurde und letztlich nach dessen Übernahme durch faschistische Banden den Regierungsputsch herbeiführte um eine illegitime, pro-amerikanische Marionettenregierung zu installieren, wurde all das hierzulande als glorreicher Freiheitskampf dargeboten.

    Das demgegenüber die Motive der Kämpfer in der Ostukraine unter Terrorismus fallen soll, kennzeichnet den heuchlerischen Spagat entsprechender Schreibtischtäter bzw- Laptop-Terroristen!

     
  5. pyramid am 30.07.2014 um 18:07 Uhr 

    @ curti

    Eigentlich bin ich ganz auf Deiner Linie.

    Allerdings habe ich mich entschlossen trotzdem einen Leserbrief an den Spiegel zu schreiben.
    Das dient einfach meiner Psychohygiene.
    Das ist der Brief:

    SEHR VERKEHRTE SPIEGEL-REDAKTION

    Mit blankem Entsetzen musste ich das Titelblatt und den entsprechenden Artikel der Ausgabe des 28. Juli 2014 zur Kenntnis nehmen.

    Eine derartig widerliche, subtile kriegsgeile Hetze konnte ich mir bis dahin nicht vorstellen.

    Deshalb entscheide ich mich dafür in Zukunft keine Produkte aus ihrem Verlagshaus zu erwerben oder auch nur zu beachten.
    Das gilt ebenso für Ihre Online-Angebote.
    Diese Empfehlung gebe ich auch an Freunde und Bekannte weiter.
    Ich hoffe viele Mitmenschen reagieren ähnlich wie ich.

    Mit größtmöglicher Verachtung
    ….

    Bemerkenswert am verlinkten Spiegelartikel finde ich auch, das sich die Schreiber in eine unglaubliche Verschwörungstheorie hineinsteigern.
    Wo sie doch sonst alle kritischen Fragen als Verschwörungstheorie lächerlich machen möchten.

    Falls jemand ebenfalls einen Brief schreiben möchte:
    SPIEGEL-Verlag
    Ericusspitze 1
    20457 HAMBURG

    So und jetzt entferne ich den SPON Link aus meiner Linkliste!!

     
  6. Gast am 31.07.2014 um 01:40 Uhr 
  7. curti am 31.07.2014 um 08:48 Uhr 

    @pyramid

    Wenn es hilft die persönliche Wut abzubauen, klar, machen!

    Ging mir letzten Sonntag ähnlich, als Reaktion auf die Vorschau des aktuellen EhNaMag. Nachmittags ging ´ne mail von denen ein, welch ein Zufall – 7 x SPIEGEL zum Schnuppern und Quadrocopter als Geschenk. Hab dann ad hoc in die Redaktion einen 3-Zeiler gemailt, eröffnet mit “Geschenkt zu teuer” und geschlossen “das sie mit ihrem Quadrocopter zum Mond fliegen sollen”.

    Wirkt im Moment befreiend, aber ändert nichts am Kern des Übels, der sich in dieser Woche dann u.a. darstellte mit hirnrissiger Verschärfung der Sanktionen. Das vor dem Hintergrund der de facto NULL-Fakten, einzig basierend auf Lug und Trug, üblen Intrigen und Hetzerei. Beseelt sein dürfte all das von der GIER, der alles andere untergeordnet wird, gepaart mit psychopathischen Charakteren der Hauptakteure, also denen die an den längsten Hebeln sitzen.

    Sehr bedauerlich ist, daß der Journalismus dazu auf breiter Front versagt. Teilweise entschuldigend ist zu vernehmen, daß dies auch in Abhängigkeit vom job steht (heutzutage ein weitläufiges Übel die Massen gefügig zu machen). Sorry, rechtfertigt das diese Entwicklung, die mehr oder weniger völlige Verdrehung oder schlichte Ignoranz von Sachverhalten?

    All diese Laptop-Terroristen sollten mitten ins Kampfgebiet um ihr “friendly-fire” hautnah zu spüren, zur Bergung der Opfer einer Auseinandersetzung, die sie verdreht bis verniedlicht haben, die von ihnen angeheitzt wird. Danach wird die Schreibe entweder anders oder es folgt gegenüber dem “Herrn” in der Chefetage im Minimum ein “Ohne mich”. Nicht auszuschließen ist aber auch, daß sie völlig durchdrehen, so wie der abstruse Entertainment-Tourismus, den es in der Ukraine geben soll!

     

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