7
Dec, 2014

Nicht in unserem Namen!

categories Uncategorized    

Auch wenn “Wir sind die Guten” von den Leitmedien bis dato weitgehend ignoriert wurde – die kurze Erwähnung in der “Süddeutschen” durch Julian Nida-Rümelin war die erste Ausnahme –  hat es mittlerweile die 5. Auflage erreicht, ist seit 13 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste(Paperbacks) und eines der meistgelesenen politischen Sachbücher dieses Herbsts. Ähnliches habe ich zuletzt im Frühjahr 2002 erlebt, als von  “Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.” auch schon ein halbes Dutzend Auflagen erschienen waren, bis das Buch als “Bestseller des Unbehagens” (Spiegel) breitere Erwähnung fand. Jetzt scheinen die “Ansichten eines Putinverstehers” offenbar ebenfalls ein weit verbreitetes Unbehagen zu artikulieren – an der uniforme Gleichförmigkeit und dem verzerrenden Schwarz/Weiß der Berichterstattung des Konflikts um die Ukraine. Und an einer auf Konfrontation ausgerichteten Politik.

Das scheinen jetzt auch Roman Herzog, Gerhard Schröder, Antje Vollmer und zahlreiche andere bekannte Persönlichkeiten  aus Politik, Kultur und Wirtschaft zu sehen, die unter dem Titel “Wieder Krieg in Europa?  – Nicht in unserem Namen!” zu einer neuen Entspannungspolitik und einem Dialog mit Russland aufrufen. Nicht nur die Regierung, sondern auch die Medien. In ihrem Appell heißt es:

“Wir appellieren an die Medien, ihrer Pflicht zur vorurteilsfreien Berichterstattung überzeugender nachzukommen als bisher. Leitartikler und Kommentatoren dämonisieren ganze Völker, ohne deren Geschichte ausreichend zu würdigen. Jeder außenpolitisch versierte Journalist wird die Furcht der Russen verstehen, seit NATO-Mitglieder 2008 Georgien und die Ukraine einluden, Mitglieder im Bündnis zu werden. Es geht nicht um Putin. Staatenlenker kommen und gehen. Es geht um Europa. Es geht darum, den Menschen wieder die Angst vor Krieg zu nehmen. Dazu kann eine verantwortungsvolle, auf soliden Recherchen basierende Berichterstattung eine Menge beitragen.”

Einige Felder, auf denen eine solche Berichterstattung und Recherchen dringend erforderlich sind – und die zwei freie Autoren allein gar nicht leisten können, die Leitmedien, allen voran die zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen aber sehr wohl – werden in unserem Buch angesprochen: von den Todeschützen auf dem Maidan, die zu dem gewaltsamen (und verfassungswidrigen!)  Umsturz führte, über das Massaker in Odessa bis zum Abschuss der MH 17, die Auslöser für den Wirtschaftskrieg gegen Russland war. Solange diese Verbrechen nicht aufgeklärt sind, solange die Medien dies nicht einmal fordern oder selbst recherchieren, sondern mit  Gerüchten darüber Politik und Stimmung gemacht wird – solange kann von “vorurteilsfreier Berichterstattung” in der Tat keine Rede kein.

Kommentare

7 Kommentare zu “Nicht in unserem Namen!”

  1. Berndchen am 07.12.2014 um 16:20 Uhr 

    Die Quintessenz:
    “Es geht wieder ein Ruck durch Deutschland:
    Berichtet gefälligst fair, solide, verantwortungsvoll über die Annexion der Krim durch Russland!
    gez.: Eure lieben Bi-Ba-Butzemänner und -frauen vom Jugoslawienkrieg.”

    (Der Sekundär-Ruck: Auflage der ZEIT steigt ob der frisch aufgetanen Marktlücke.)

    Verlogenes Pack.

     
  2. OBI am 07.12.2014 um 20:20 Uhr 

    Prantl in der “Süddeutschen” zeigt noch einen Restbestand an Vernunft:

    http://www.sueddeutsche.de/politik/debatte-um-andere-russlandpolitik-brennende-sorge-1.2256375

    …. während die olivegrüne Jugend wohl völlig durchgedreht ist:

     
  3. Tom am 08.12.2014 um 00:02 Uhr 

    Der US-Kongress hat in einer vor Propaganda nur so strotzenden Resolution Russland den Krieg erklärt – Obama darf ohne Rückfragen bombardieren!

    https://www.freitag.de/autoren/der-souveraen/us-kongress-erklaert-krieg201d-gegen-russland

    Dass das unseren “Leitmedien” nicht einmal eine Meldung wert ist sagt alles…

     
  4. jochen_kastrup am 08.12.2014 um 08:52 Uhr 

    sehr schöner kommentar im zeit-thread, der den aufruf in die tonne tritt. schließe mich ihm in toto an…

    Die Parallele ist 1938, nicht 1914

    Ich fühle mich veralbert. Krieg? Womöglich mit unserer lächerlichen Bundeswehr? Und für die Ukraine? Will niemand, wird nicht passieren, für uns ist die Ukraine bekanntlich keinen Schuss Pulver wert. Was also ist der Zweck der Übung? Europa soll gespalten werden, Putin soll von Sanktionen verschont werden. Eine unheilige Allianz aus Wirtschaftsinteressen und den üblichen Ostermarschierern spielt einem Diktator in die Hände. Es ist wenig genug, was wir mit den Sanktionen tun können, und es bleibt zweifelhaft, ob es ausreicht, Putin in der Ukraine zu stoppen. Aber um des lieben Friedens willen einzuknicken, macht bei Machtmenschen vom Schlage eines Putin Appetit auf mehr.

     
  5. urks am 08.12.2014 um 12:19 Uhr 

    “Von Rumorkliniken und Gerüchteküchen”

    Ein sehr gelungener Bericht mit köstlicher Wortwahl, Herr Broeckers!

    Die Propaganda im gestrigen ARD Weltspiegel war mal wieder unerträglich. Wer Golineh Atai nicht ausbremst macht sich mitschuldig an der Eskalation.
    urks.

    P.S.: Ausserdem stelle ich hier die Frage: Wieviel Sinn macht es für den Staatschef Baschar al-Assad “Fassbomben” aus seine bevölkerung abwerfen zu lassen? Und wie wurden die abwerfenden Hubschrauber identifiziert? Kann mir hier jemand einen Hinweis geben?

     
  6. Berndchen am 08.12.2014 um 14:50 Uhr 

    @urks am 08.12.2014 um 12:19 Uhr:

    “Fassbomben”

    Hat er das wirklich? Oder wird ihm das unterstellt? Brutkas…ääh…Fassbombenlüge??

    Vielleicht hilft uns ja folgender Link weiter:

    http://einarschlereth.blogspot.de/2014/12/interview-mit-assad-furchten-sie.html

     
  7. urks am 08.12.2014 um 15:19 Uhr 

    Zum Thema Fassbomben:

    Ich habe gerade etwas gefunden, das mich in meinem Unbehagen bestätigt:
    http://urs1798.wordpress.com/2014/12/07/propaganda-und-einseitige-meinungsmache-uber-syrien-im-ard-weltspiegel-syria/
    Was sehr auffällig war: Die sauber gekleideten smarten “Rebellenhelfer” hatten auffällig neue weiße Helme mit Stirnlampen der französischen Firma Petztl auf den Köpfen, ohne sichtbare Kampfspuren. Sieht nach einer sauberen Inszenierung aus. Gibt es weitere Hinweise?

    Wo bleibt denn die “Fichte” mit weiteren Hinweisen?: http://hinter-der-fichte.blogspot.de/2011/07/syrienard-weltspiegel-macht-mit.html

     

Leave a comment!