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Dec, 2014

Niemand will Kriege. Warum werden sie dennoch dauernd geführt ?

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stopnatoFür Abrüstung, Völkerverständigung und Frieden zu demonstrieren scheint derzeit zwar nötiger denn je,  aber nur “Verschwörungstheoretiker, Antisemiten und Neurechte verschiedener Couleur” tun das und wer sich nicht als “Wirrkopf” beschimpfen lassen will bleibt besser zu Hause . Selbst wenn der Redner auf der Abschlußkundgebung in bester pazifistischer Tradition spricht – und man ihm nur das vorwerfen kann, was damals Heiner Geißler den noch friedensbewegten “Grünen”  unüberbietbar unverschämt ins Stammbuch schrieb, dass nämlich “die Pazifisten Auschwitz erst möglich gemacht” hätten. So weit gehen die oben verlinkten Zuschreibungen aus der links-liberalen Presse zwar noch nicht, aber weit ist es nicht mehr, dass Pazifisten mit Holocaustleugnern in einen Topf gemschmissen werden. Von Leuten, die als Mitglieder unserer “Wertegemeinschaft” von sich behaupten, dass auch sie natürlich keinen Krieg wollen, aber…
Zu der Frage, warum niemand Kriege will und sie dennoch dauernd geführt werden, habe ich vor zwei Jahren einmal das Folgende notiert:

“Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg; weder in Rußland, noch in England, noch in Amerika, und ebenso wenig in Deutschland. Das ist klar….. Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt.  Das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.”
Dass einer der führenden Nazis und größten Kriegstreiber des 20. Jahrhunderts, der designierte Nachfolger Hitlers und Oberkommandierende der Luftwaffe Hermann Göhring , bei seiner Vernehmung im Nürnberger Prozess 1946 diese Aussage machte, nimmt ihr nichts von ihrer zeitlosen  Richtigkeit.  Die Nazis hatten mit dem Mythos vom “Volk ohne Raum” und der Angst vor einer aggressiven “jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung”  propagandistisch ein  Klima geschaffen, das die Mehrheit der Deutschen willig in den Krieg ziehen lies – und ohne die Schaffung eines solchen Bedrohungszenarios kann bis heute kein Krieg vom Zaum gebrochen werden. Auch der sogenannte Kalte Krieg von 1945 bis 1989, der in mörderischen  Stellvertreterkriegen in den entlegendsten Ecken der Welt ausgetragen wurde,  konnte nur geführt werden,  weil auf beiden Seiten eine Kirche der Angst permanent die Gebetsmühlen der Propaganda drehte und das Volk in Furcht vor dem “Feind” versetzte. Dass die “Massenvernichtungswaffen” des Irak nicht nur vorhanden sind, sondern Europa “in 45 Minuten erreichen können”, wie der britische Premier Tony Blair beschwor, und  dass die Bundesrepublik  nach Ansicht des deutschen Verteidigungsministers gezwungen ist, ihre “Freiheit am Hindukusch” zu verteidigen, sind zwei aktuelle Beispiele  der Panikmache, mit der Regierende ihre ahnuhngslose Bevölkerung in Kriege treiben.

Die Methode funktioniert in der Tat, zu jeder Zeit und in jedem Land. Doch wer sorgt eigentlich dafür, dass sie immer wieder angewendet wird ?  Die unverblümte Antwort, die General Smedley Butler, bei seinem Tod 1940 der höchst dekorierte Marine der us-amerikanischen Armee,  auf diese Frage gegeben hat ist ebenso eindeutig  wie zeitlos richtig:

“Es gibt keinen Gaunertrick, den die militärische Gang nicht auf Lager hat. Sie hat ihre Spitzel, die mit dem Finger auf die Feinde zeigen, sie hat ihre ‚Muskelmänner‘ zur Vernichtung der Feinde, sie hat ein Gehirn, das die Kriegsvorbereitungen trifft, und einen Big Boss, den supernationalistischen Kapitalismus. Es mag merkwürdig anmuten, dass ausgerechnet ich als Angehöriger des Militärs einen solchen Vergleich wage. Aber die Wahrhaftigkeit zwingt mich dazu. Ich habe dreiunddreißig Jahre und vier Monate als Mitglied der agilsten Militärmacht dieses Landes, der Marineinfanterie, im aktiven Dienst verbracht. Ich habe in allen Rängen gedient, vom Leutnant bis zum Generalmajor. Und einen Großteil dieser Zeit war ich ein erstklassiger Muskelmann für das Big Business, für die Wall Street und die Banker. Kurzum, ich war ein Gangster des Kapitalismus. Ich ahnte damals, dass ich nur ein Teil eines großen Gangsterplans war. Jetzt weiß ich es.”

(“War is a Racket, 1935)

Butler Smedleys Kollege im Generalsstand, US-Präsident Eisenhower, drückte sich in seiner  Abschiedsrede 1961  zwar etwas staatsmännischer aus  und sprach nicht von Gangstern, sondern vom “militärisch- industriellen Komplex” , doch  seine  explizite Warnung geht in dieselbe Richtung :

“Wir in den Regierungsgremien müssen uns vor unbefugtem Einfluss durch den militärisch-industriellen Komplex schützen….Wir dürfen es nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet….Nur wachsame und informierte Bürger können die angemessene Mischung der gigantischen industriellen und militärischen Verteidigungsmaschinerie mit unseren friedlichen Methoden und Zielen erzwingen, so dass Sicherheit und Freiheit zusammen wachsen und gedeihen können.“

Fünf Jahrzehnte später kann man nur feststellen, dass die Wachsamkeit und Informiertheit der Bürger nicht ausgereicht hat, eine friedliche Außenpolitik der USA zu erzwingen – etwa sechs Millionen Menschen, so schätzt der Politologe John Tirman vom Massachusetts Institute of Technology (MIT),  sind seit 1945 durch Kriege der US-Armee um’s Leben gekommen. Für die laufenden Kriege im Irak und Afghanistan liegt die Zahl der getöteten Zivilisten bei mindestens 650.000 bzw. 100.000 in Afghanistan.

Wenn das niemand will, warum lassen sich dann doch immer Koalitionen der Willigen schmieden, die dieses massenhafte Morden veranstalten ? Es ist der “unbefugte Einfluss” der “gigantischen industriellen und militärischen Verteidigungsmaschinerie” auf die Politik und auf die großen Medien. Diese übernehmen als Erfüllungsgehilfen die Aufgabe, “dem Volk zu sagen, es würde angegriffen”, indem sie die von Think Tanks und Strategen ausgebrüteten Kriegslügen unter das Volk bringen. Dann werden Aluminiumrohre auf der Titelseite des  “New York Times” als Langstreckenwaffen dargestellt, um den Angirff auf Irak zu legitimieren;  oder, wie nach den 9/11-Anschlägen, gefälschte Videos von jubelnden Palästinensern weltweit auf allen TV-Kanälen ausgestrahlt, um die Niedertracht des “Feinds”  zu demonstrieren. Die Liste ließe sich um viele Beispiele erweitern und zeigt, dass sich nichts geändert hat, seit die Nazis einen Überfall auf den Sender Gleiwitz inszenierten und dann behaupteten: “Ab 5 Uhr 45 wird zurückgeschossen.”

Dass sich Menschenmassen wie eine verängstigte Schafherde leicht in eine Richtung treiben lassen, wenn sie mit einem Bedrohungszenario konfrontiert werden – diese natürliche Reaktion ist der Grund für den Erfolg bellizistischer Panikmache. Sie ist ebenso “natürlich” wie die Gier, die durch die gigantischen Budgets der “Verteidigungsmaschinerie” erzeugt wird. Diese psycholgischen Komponenten – die Empfänglichkeit für Angstszenarien und die Unersättlichkeit menschlicher Gier – lassen sich nicht qua Vernunft einfach abschalten. Eine Transparenz der Einflussnahme der “Verteidigungs”,- und “Sicherheits”-Lobby auf Politik und Medien kann nur ein erster Schritt dahin sein. Solange der nicht vollzogen ist bleibt nur  die Wachsamkeit und Informiertheit der Bürger, die Eisenhower forderte. Sie besteht vor allem darin, sich von Feindbildern und Angstszenarien nicht weiter dumm machen zu lassen.

Kommentare

3 Kommentare zu “Niemand will Kriege. Warum werden sie dennoch dauernd geführt ?”

  1. DrAnonym am 16.12.2014 um 10:36 Uhr 

    Vortrefflich auf den Punkt gebracht, danke!

     
  2. Stefan Miller am 16.12.2014 um 11:09 Uhr 

    kein normaler Mensch will krieg, denn es ist gegen seine Natur. Aber die Menschen, die bereits sind andere zu Millionen in den sicheren Tod zu schicken, ungeheuren dauerhaften Schaden der Umwelt anzurichten, zu zerstören was die normalen Menschen über Jahrhunderte aufgebaut haben, diese Menschen gehören einer anderen Kategorie an. Sie werden vom Kind an anders aufgezogen. Sie bekommen ganz andere Werte vermittelt und verfügen über eine völlig andere Moralvorstellung. Für die sind die normalen Menschen bloß Kanonenfutter, notwendiges Übel, keine Menschen eben. Nur so läßt sich der Wahnsinn erklären. Vom einen bin ich felsenfest überzeugt: kein Krieg der neuzeit passierte, weil Menschen eben so sind, weil sie Bestien sind. Nur die wenigen, die wer weiß wie lange schon die Welt manipulieren, sind nach unseren Kriterien eben Bestien. Aber sie lassen stets die andren für sie sterben. Auch müssen sie keine materiellen Verluste fürchten, denn die haben auch keine materiellen Sorgen wie unsereins. Sie müssen nicht ihr leben lang planen, wie sie es bis zum Alter schaffen, wovon sie im Alter leben werden, was sie ihren Kindern mit auf den Weg geben. Das sind nicht ihre Sorgen. Deswegen können sie so handeln, wie sie es eben tun.

     
  3. Stefan am 16.12.2014 um 12:06 Uhr 

    Obwohl immer dann die Menschenrechte angemahnt werden, wenn es in die Propaganda passt, muss man sich klarmachen, dass Menschenleben in einem Gesellschaftssystem, das Alles, aber auch wirklich Alles, nach Angebot und Nachfrage bemisst, nicht viel wert sind. Aus deren Perspektive steht einem Überangebot an Menschen (auch mit Blick auf knappe Ressourcen) eine nur geringe Nachfrage gegenüber. Das war unter Mao, Stalin usw., wenn auch aus anderen Gründen, nicht anders. Kleine Leute sind in allen Machtstrukturen immer nur Kanonenfutter.

    Westliche Eliten meinen offenbar, Krieg kurbelt die Wirtschaft an, eröffnet neue Profitmöglichkeiten und fördert Technologiesprünge: Krieg als Vater aller Dinge. Diese Leute planen langfristig und global, man könnte es aber auch größenwahnsinnig nennen.

    Washington und London dürften das aus Überzeugung als zynische Strategie betreiben, deutsche Eliten dagegen sind feige und devot, handeln gegen ihre Überzeugungen aus purem Opportunismus, auch dann wenn sie sich grün oder sozialdemokratisch nennen (von den bürgerlichen erwartet man es nicht anders). Das ist die Lebenslüge der bundesdeutschen Demokratiesimulation. Unsere Eliten machen jede Schandtat und jeden Verrat ihrer Ideale und ihres Wahlvolkes mit, weil ihnen im Zweifel die Beziehungen zu den USA das Allerwichtigste sind. Mit dieser Ausrede werden sie sich irgendwann (vor wem auch immer) rechtfertigen müssen.

     

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